Wie Sie wissen, habe ich eine eigene Meinung zu Alkohol.
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus bin ich klar der Ansicht, dass man mit CzweiHsechsO (so die chemische Formel) sehr, sehr, sehr vorsichtig umgehen sollte. Das Zeug macht einem die Leber kaputt, kann hochgradig süchtig machen und richtet auch sonst üble Schäden an.
Nun kann man darüber streiten, ob CzweiHsechsO in vernünftigen Dosen vielleicht nicht schadet, ich staune aber immer wieder über Leute, die das Gegenteil behaupten. Nämlich, dass ein Glas Wein am Abend ausgesprochen gesund sei.
Wenn das stimmen täte würde, dann würde ich mich ja geradezu ungesund und fahrlässig verhalten; da ich auf mein Glas Rotwein zum Essen verzichte – und eben ein Wasser oder ein alkoholfreies Bier trinke, oder einen alkoholfreien Wein, der allerdings meist noch nicht an das Niveau seines Kollegen mit Umdrehungen herankommt – würde ich meinem Körper ja Schaden zufügen.
Einer, der die Botschaft vom «gesunden Alkohol» mit Verve verbreitet, ist der Internist Dr. Scholl. («Ein gut gefülltes Glas zum Essen – idealerweise mediterrane Küche – sei in der Regel gut für die Gesundheit und senke u. a. das Diabetes-Risiko»). Er hört nicht auf, zu sagen und zu schreiben: Trinkt ein Glas Wein, das ist gesund und wichtig und richtig für euch…
Was einen nun stutzig macht, das ist die Heimatgemeinde des werten Doktors. Er wäre sehr glaubwürdig als Norddeutscher, als einer von der Heide oder von der Hallig, einer von Weser oder Ems, als Friese oder Holsteiner, nun ist er aber kein Norddeutscher, keiner von der Heide oder von der Hallig, keiner von Weser oder Ems, kein Friese oder Holsteiner, der Gute ist Rheingauer.
Er ist aus Rüdesheim.
Aus einer der wichtigsten deutschen Weingegenden zu stammen, das macht ihn nun ein wenig befangen, wie kann man seriös über einen Stoff nachdenken, wenn alle die Freunde und Verwandten mit dem Stoff ihr Geld verdienen.
Und tatsächlich gibt es unter den unzähligen Winzern, Kellereien, Weingütern usw. in der Rheingaugemeinde auch ein Weingut Scholl. Ob die Besitzer allerdings direkte Familie oder Vettern ersten, zweiten oder dritten Grades sind, das war nicht herauszufinden.
Dr. Scholl ist aber auf jeden Fall befangen.
Befangenheit.
Ein Zustand, in dem ich in eine Sache so verwickelt bin, dass ich eigentlich nicht richtig meinen und urteilen kann. Logisch und klar – aber immer wieder verstossen Menschen in geradezu frecher Weise gegen dieses Prinzip.
Zum Beispiel: Die moderne Legende des Ungeheuers von Loch Ness, jenes Monsters, das auch liebevoll «Nessie» genannt wird, begann im April 1933, als das Ehepaar John und Aldie Mackay von einer Sichtung berichteten, was den Mythos durch lokale Zeitungsberichte berühmt machte. Kleiner heikler Punkt: Die beiden Schotten waren Besitzer des Drumnadrochit Hotels, also Gastronomen, Hoteliers und sie hatten ein klares und eindeutiges Interesse daran, Loch Ness zur Attraktion zu machen. Der See ist nämlich einer von den langweiligen und öden in Schottland, Loch Lomond, Loch Ken, Loch Fyne sind zehnmal schöner.
So ist wahrscheinlich auch eine Friedens- und Konfliktforscherin, die sich klar für eine starke Bewaffnung und grosse Rüstung ausspricht, befangen, wenn sie aus einer Metallindustriefamilie stammt und einmal 40% einer Firma erben wird, die Panzer, Raketen und Bomben herstellt…
Wie ginge man aber nun mit einer solchen Befangenheit um?
Ganz einfach:
Indem man es sagt.
Wenn Sie mich nun fragen, was ich von der Trennung von Knaben- und Mädchenstimmen halte, und ob die Zukunft nicht den gemischten Kinderchören gehört, und ob man nicht… Dann werde ich sagen: «Ich bin befangen – ich verdiene mein Geld bei den reinen Knabenstimmen.»
So.
Jetzt gehe ich zum Abendessen. Und trinke ein schönes Mineralwasser dazu – so ungesund das sein mag.
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