Dienstag, 20. Januar 2026

Nachruf Erich von Däniken

Nun mussten wir uns auch von dem bekanntesten Schweizer Bücherschreiber verabschieden.
Dürrenmatt? Der ist längst tot – und war nicht der bekannteste.
Frisch? Genauso.
Wen ich meine? Nun, ich habe bewusst «Bücherschreiber» und nicht «Dichter» oder «Schriftsteller» geschrieben. Man könnte auch «Publizist» sagen. Oder «Autor».
Wen ich meine?
Erich von Däniken.

Der Gute hat ca. 70 Millionen Bücher verkauft und ist in 30 Sprachen übersetzt. In meiner Jugend stand sicher nicht in jeder Hausbibliothek ein Dürrenmatt (zu links) oder ein Frisch (noch linker) oder gar ein Muschg (Kommunist!), nein, aber ein Exemplar von «Die Götter waren Astronauten» oder «Erinnerungen an die Zukunft» fand sich in jedem Bücherschrank. Und wenn – was häufig vorkam, die Biederfamilie keine Bibliothek besass, sondern nur eine Schrankwand Eiche rustikal, so eine dieganzewohnzimmerwandausfüllendes Ungetüm, in dem der Fernseher stand, die Hausbar, 75 Nippes-Sachen und vielleicht 40 Bücher, so war neben Konsalik und Simmel eben auch immer der gute Schweizer dabei.
Und nicht die erzlinken Dürrenmatt, Frisch und Muschg.

Von Dänikens Grundthese, die er wie ein Leitmotiv, eine Idée fixe immer wieder variierte, veränderte, neu gruppierte, die er sang, spielte, die er schrieb und redete, war:
Das, was im kollektiven Gedächtnis der Menschen als «Götter» geblieben ist, waren Ausserirdische, die unseren Planeten besuchten, und dem Homo Sapiens alles beibrachten, was er benötigt. Und sie haben Spuren hinterlassen. Und sie werden wieder kommen. Unermüdlich bereiste der gelernte Gastronom die Welt, um Spuren zu finden, um seine Grundthese zu belegen.

Dänikens Leitmotiv-Idée fixe-These ist brillant.
Dänikens Leitmotiv-Idée fixe-These ist spannend.
Dänikens Leitmotiv-Idée fixe-These ist eloquent.
Sie hat nur einen Nachteil: Sie ist kompletter Schwachsinn. Kompletter Scheissdreck (sit venia verbo). Kompletter Bullshit.

Ich gehe jetzt gar nicht auf die einzelnen Punkte ein. Hier haben genügend Wissenschaftler ganze Arbeit geleistet, unter anderem der von mir so geschätzte Hoimar von Ditfurth, der seine «Querschnitt»-Sendung nicht nur nutzte, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen (in den 70ern!), sondern auch sehr schön Däniken widerlegte.
Nein.
Ich muss auf die einzelnen Punkte nicht eingehen.

Die wichtigste Frage, die der gute Schweizer nie beantworten konnte: Was um alles in der Welt haben Ausserirdische auf diesem Punkt des Weltalls verloren? Der Kosmos ist riesig, ich meine, wirklich riesig, unvorstellbar riesig, und in diesem riesigen Kosmos schweben Millionen von Galaxien, Milliarden von Sonnensystemen, und natürlich hat es irgendwo Leben (vielleicht auch in einer ganz anderen Form). Warum aber sollten sich diese Lebensformen unserer Erde nähern? Und wenn doch – das ist die viel heiklere Frage – warum sollten sie landen?
Wenn Sie von Basel nach Berlin fahren, dann kommen Sie durch unzählige hässliche Gemeinden, Orte, die in den 60ern aus dem Boden gestampft wurden, da sehen Sie so viel Unarchitektur (sic), so viel Eingänge mit Glasbausteinen und so viele Gartenzwerge, da wird Ihr Auge von so vielen Baumärkten und Mehrzweckhallen beleidigt, dass Sie gar nicht so schnell kotzen wie gucken können. Und sicher sind Sie froh, wenn Sie an Dümpelstetten-Haselstein und Gross-Werla, wenn Sie an Pumpburg an der Sohle und Flusserleben an der Flusser mit 300 km/h vorbeirasen können. Und ganz sicher werden Sie in keinen Regionalzug umsteigen, um Dümpelstetten-Haselstein und Gross-Werla, um Pumpburg an der Sohle und Flusserleben an der Flusser zu besuchen.
Sehen Sie.
Und genauso geht es Aliens mit unserem Planeten: Sie werfen einen kurzen Blick und Tschüss. Nicht landen! Sicher nicht!

Erich von Däniken ist am 10. Januar 2026 in Interlaken gestorben.
Seine Thesen haben uns begeistert und erfreut, sie sind eloquent und brillant.
Aber leider totaler Bullshit.



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