Donnerstag, 21. September 2017

Ich bin stolz auf die deutschen Soldaten



Kann man auf die deutschen Soldaten der beiden Weltkriege stolz sein?
Diese Frage hat ja neulich der AfD-Mensch Gauland in den Raum gestellt und für sich klar mit «ja» beantwortet. Ich möchte diese Frage mir nun auch stellen und Ihnen meine Antwort mitteilen:

Ja, man kann.

Sie werden sicher jetzt sicher wundern, dass ich eine solche Aussage hier zu Papier bringe – ist das bei einem Blog eigentlich die richtige Formulierung, oder wie müsste man bei einem Blog dann sagen, vielleicht «zu Bites bringen» – habe ich mich doch bislang nicht gerade als Anhänger der AfD hingestellt. Sehen Sie, ich komme zwar auf die gleiche Antwort wie Gauleit.., sorry Gauland, aber vielleicht sind die Soldaten, auf die ich so stolz bin, andere als die, die unser Politiker in den Himmel hebt.

Ich bin stolz auf einen meiner Vorfahren – es gab ihn wirklich, Ehrenwort – der keinen Namen und keine Jahreszahlen für mich hat, da über ihn nur bei vorgehaltener Hand und nur im Flüsterton geredet wurde, er war der Aussenseiter, das Schwarze Schaf, er war der Schandfleck und der Ausrutscher, er war der die peinliche Ausnahme und der Skandal der Sippe. Während die meisten Urgrossonkel, Urgrossväter und Urvetter sich 1914-1918 an diversen Fronten täpferst geschlagen hatten, war dieser Mensch im WK I desertiert; er war vor der Fahne geflohen, er hatte die Sache Krieg auf sich beruhen lassen und war gegangen. Dieser eine Vorfahr hat mich als Pazifist und KDV immer am meisten interessiert, aber es war ja über ihn nichts zu erfahren.
Ihm möchte ich heute ein Denkmal setzen.
Ihm dem Untapferen, Unheldenhaften, ihm, dem Verfemten und Verachteten.

Urahn, wie immer du auch hiessest:
Ich bin stolz auf dich!

«Keine Gefangenen machen» heisst in der Militärsprache eigentlich «alle umbringen». Dass man diese Phrase auch einfach wörtlich nehmen kann, sprich Feinde schlicht und simpel NICHT gefangen nehmen, sie laufen, springen, sie ihres Weges und ihres Pfades ziehen lassen, dass man einfach kurz weggucken kann (nach dem Motto: War da was?) hat uns Böll vorgemacht, er berichtet in seinem Werk ein paar Male davon. Das war im Krieg – wir sind jetzt natürlich im WK II – gar nicht so ungefährlich, wenn es herauskam, dann war der Ärger vorprogrammiert.
Auf diesen jungen Rheinländer Heinrich bin ich auch stolz.

Stolz bin ich auch auf alle die, die sich unsinnigen und lebensbedrohlichen Einsätzen verweigert haben, die drakonische Strafen in Kauf nahmen, weil sie Kamikaze-Befehle und Selbstmordeinsätze, weil sie Himmelfahrtskommandos nicht machten. Wenn ein Oberst, Major oder Hauptmann eine kleine Avantgarde losschickte, um ein von Partisanen besetztes Dorf auszukundschaften, wenn ein Oberst, Major oder Hauptmann von der Idee befallen wurde, eine Artillerie mit ein paar Mann zu überrennen, dann gehörte ihm der Vogel gezeigt, aber es gab wenige Soldaten, die das auch machten.
Auch auf sie bin ich stolz.

Ich bin stolz auf die deutschen Soldaten, die im «Feind» den Menschen sahen.
Ich bin stolz auf die deutschen Soldaten, die lustlos fochten.
Ich bin stolz auf die deutschen Soldaten, die sich für einen Orden geschämt hätten.
Ich bin stolz auf die deutschen Soldaten, die feige waren.

Wann kommt endlich das Denkmal, das wir uns alle wünschen:

IN ERINNERUNG AN DIE DEUTSCHEN
DESERTEURE
FEIGLINGE
BEFEHLSVERWEIGERER
1914-1918    1939-1945

Im Übrigen bin ich natürlich auf alle englischen, amerikanischen, auf alle russischen und französischen, auf alle anderen Soldaten stolz, die unsoldatisch gehandelt haben.

Kann man auf die deutschen Soldaten der beiden Weltkriege stolz sein?
Diese Frage hat ja neulich der AfDler Gauleit…, sorry, Gauland in den Raum gestellt und für sich klar mit «ja» beantwortet.

Ich bin mit ihm völlig einig. Aber ich glaube, er hat nicht die Soldaten gemeint, die ich beschrieb. Ich glaube, er meinte wirklich die Tapferen, die bis zum letzten Blutstropfen fochten.

Deshalb: Hoffen wir, dass übermorgen eine solche Partei eins auf den Latz bekommt.


   

Dienstag, 19. September 2017

Hatten Sie einen schönen Montag? oder die unsinnige Montag-Freitag-Geschichte



Hatten Sie einen schönen Montag?

Ja, Sie haben schon richtig gelesen.
Ich habe Sie gefragt, ob Sie einen schönen MONTAG hatten, ich habe Sie nicht gefragt, ob Sie einen schönen SONNTAG oder ein schönes WOCHENENDE hatten.
Warum kommt Ihnen die Frage so seltsam vor?
Warum fragen wir, ob die Leute einen schönen SONNTAG oder ein schönes WOCHENENDE hatten und nicht nach einem schönen MONTAG, oder gar nach einem prächtigen DIENSTAG, warum erkundigen wir uns nicht nach gelungenen MITTWOCHEN oder DONNERSTAGEN, nach einem herrlichen FREITAG?

Abgesehen davon, dass die Dienstage und Freitage sowieso das Schönste der Woche beherbergen, denn dann erscheinen diese Posts, könnte doch jeder Tag in der Woche etwas Schönes, etwas Gelungenes, könnte jeder Tag Prächtiges und Wunderbares enthalten, oder? Am Montag könnte Ihnen doch endlich der Vertragsabschluss mit der SUWIMAG geglückt sein oder am Dienstag der mit der EDOLAG; mittwochs könnten Sie den Stand am SBB entdeckt haben, wo es den Espresso Doppio für 4.- gibt und donnerstags es abends endlich in die neue Regener-Verfilmung geschafft haben. Und freitags wäre einfach ein so exorbitanter Sonnenaufgang gewesen und ein so fulminanter Sonnenuntergang, dass Sie geschwind aus der Hüfte die Fotos Ihres Lebens schossen.

Wieso gehen wir immer noch von der Gleichung
Montag-Freitag gleich Mist
Samstag und Sonntag gleich gut
aus?

Zunächst muss man ja sagen, dass die Anzahl der Menschen, die Monday-till-Friday und Nine-to-Five arbeiten, stetig abnimmt. Sie wäre auch schon ganz verschwunden, wenn nicht gewisse Gruppierungen und vor allem die Kirchen sich so vehement für ein freies Wochenende einsetzen würden, eine ziemlich verlogene Sache. Wenn ich mich am Sonntag gemäss der Bibel erholen soll, wenn ich etwas Schönes und Wundervolles erleben soll, dann kann ich das nur, weil andere arbeiten. Der Ausflug auf den Pilatus, die Wanderung im Jura, der Spaziergang im Kandertal sind nur möglich, weil andere Menschen Trams und Züge fahren, weil sie Schiffe steuern, weil sie Bergbahnen bedienen, sind nur möglich, weil andere Restaurants öffnen und kochen, weil sie servieren und kassieren. Und selbst wenn ich ganz karitativ und ganz selbstlos die Oma oder die Tante in der Altersresidenz besuche, kann ich auch das nur, weil dort Menschen Oma Frieda oder Tante Susi aus dem Bett geholt, sie gewaschen und angezogen, sie in den Garten gebracht und sich generell um sie gekümmert haben.
Wenn ich nun am Sonntag mich beim Shoppen am besten erholen würde, warum sind dann alle Malls geschlossen? Im Übrigen ist es ja witzig, dass in dem Land, in dem sich über 50% der Einwohner als wiedergeborene Christen bezeichnen die Geschäfte 24 Stunden offen sind: In den USA.  



Andererseits scheint es doch noch Leute zu geben, die der in so vielen Liedern besungenen Klassifizierung der Wochentage (böse: Mo-Fr, gut: Sa+So) Recht geben.

Monday I have Friday on my mind…

It’s just another manic Monday, ooooooooooooooo
Wish it was Sunday, oooooooooooooooooo

Entweder diese Leute folgen einfach einem abgenutzten Popmusik-Klischee oder sie haben – was wahrscheinlicher ist – den falschen Job. Oder sind in der falschen Firma. Oder haben den falschen Chef. Oder die falschen Kollegen.
Oder sind im falschen Beruf gleichzeitig in der falschen Firma, haben einen (s.v.v.) Arschlochchef und mobbende Kollegen, dann ist natürlich jeder Montag ein Supergau.
Diese Leute müssten unbedingt etwas ändern, ich halte gerne zu arbeiten für eine Grundbedingung von Gesundheit und Wohlbefinden. Aber wie ändert man sein Leben? Das ist gar nicht so einfach. Da ist z.B. Marco, der als Informatiker bei der RUNAMAG arbeitet und mit seinem Boss Dr. Rutwiler nun wirklich die Hinternkarte gezogen hat. Er kann sich natürlich in eine andere Abteilung versetzen lassen, das Problem ist, dass alle acht Abteilungsleiter der RUNAMAG ähnlich gestrickt sind, wollte man sie mit bekannten Figuren vergleichen, kämen einem Mephisto, Mr. Hyde, der böse Wolf und Goldfinger, kämen einem der Polyphem und der Siegfrieddrache, kämen einem Frankenstein und Norman Bates in den Sinn. Marco könnte sich aber auch bei WOLFLER AG bewerben, nun ja, vom Regen in die Traufe… Zudem hasst Marco inzwischen Computer mit der gleichen Inbrunst wie er Rutwiler und die RUNAMAG hasst. Aber wer finanziert ihm eine Zweitausbildung als Keramiker?
Dennoch sollte er alles tun, um aus den Teufelskreisen rauszukommen.

Hatten Sie einen schönen Montag?
Ich hoffe es doch sehr.

P.S. Den Kaffeestand gibt es wirklich, aber ich verrate Ihnen nicht, wie er heisst, sonst ist da morgen eine Riesenschlange. Und die Regener-Verfilmung gibt es auch. Ich habe sie noch nicht gesehen, aber wenn sie nur halb so witzig wie das Buch Magical Mystery Tour ist, dann ist sie auf jeden Fall sehenswert.