Donnerstag, 18. Oktober 2018

Unnötige Bearbeitung: Die Dienstag-Freitag-Glosse-Kacke


Ich habe jetzt neulich einen alten Post ein wenig aufgemöbelt, ich hoffe, er gefällt Ihnen:

Kauf mich, sagt das pupsrote
pups pups pups
TRǾLǾBǾ®-Schränkchen
änkchen,
kauf kau mich kau mich mich mich mich,
ich würde so gut zu deinem pupsroten Duschvorhang und zu deiner
pups puuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuupsroten Kloumpuschelung passen.
Ich antworte TRǾLǾBǾ®, dass ich kein Badezimmerschränklein brauche
rauche.
Du hast doch jetzt Platz,
viel Platz zalp leiv, viel Platz zalp leiv, viel Platz zalp leiv, viel Platz zalp leiv, viel Platz zalp leiv, antwortet das pupsrote Kästlein.
Eben ebennnnnnnnnnnnnnnnn,
sage ich, ich habe ganz viel freie
Fläche läche läche läche  
in meiner neuen Wohnung, viel freien Raum, und der freie Raum bleibt eben nur ein freier Raum, bleibt eben nur ein
freier Raum Raum Raum Raum Raum Raum,
wenn er frei bleibt. Grosse Wohnungen haben so die
Tendenz, ende, ende,
Gegenstände anzuziehen und sich
vollzudingen vollzupupsen vollzupuscheln
Und ich will keine vollgedingte Wohnung, sondern eine
entdingte Wohnung, Gnunhow et gnidtne entdingte Wohnung, Gnunhow et gnidtne entdingte Wohnung, Gnunhow et gnidtne entdingte Wohnung, Gnunhow et gnidtne entdingte Wohnung, Gnunhow et gnidtne
vollpupsen, vollpupsen, puuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuupseeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeen

Finden Sie das gut? 
Nicht? 
Sie finden es blöd? Sie finden, man sollte nicht versuchen, einen eh schon relativ witzigen Beitrag durch Wiederholungen, Rückspulungen und Rückspülungen, durch irgendwelche Spielchen und Sperenzchen lustig(er) zu machen? Meine Schüler sind da anderer Meinung. Einer ihrer You-Tube-Lieblings-Kanäle ist die You-Tube-Kacke, wo genau das gemacht wird. Da nehmen die Macher (ein anderes Wort wie «Macher», z.B. Künstler, Filmer, Videoaristen etc. verbietet sich selbstverständlich), ein altes Filmchen, Pumuckl oder Muppet Show oder ähnliches, und verwursten es auf die obige Weise, da werden Stellen vor- und zurückgespult, da werden Gesichter auf einmal verzerrt und da werden an den geeigneten Stellen Graphiken eingeblendet. So würde beim Wort «Pups» ein Hintern eingespielt, aus dem eine Menge Luft entweicht. Ganz selten gelingt ihnen eine wirklich witzige Sache, nämlich Wörter so zu schneiden, dass ein echtes neues Wort entsteht, z.B.
Ein heisses Schnitzel
wird zu
Ein Scheisse Schnitzel
Das hat noch einen gewissen Lachreiz, aber auch nicht mehr.

Die Frage, die sich stellt, ist nun: Warum finde ich im Gegensatz zu meinen Jugendlichen You-Tube-Kacke so absolut bescheuert? Ist es, weil es wirklich der letzte Mist ist, oder ist es, weil ich 53 bin? Worüber habe ich mit 15 gelacht? In der Erinnerung natürlich nur über hochstehende, kulturell wertvolle Dinge, aber wie richtig ist meine Erinnerung? Hätte ich vielleicht diese blöde und doofe Bearbeiterei von schon Bestehendem auch richtig witzig gefunden? Oder formulieren wir die Fragen anders:
Ist die Jugend heutzutage niveaulos, und zwar so niveaulos, wie wir vor 50 Jahren waren?
Und werden die Jugendlichen von heute in 50 Jahren sich die Haare raufen ob dem Mist, den ihre Kinder und Enkel gucken und behaupten, SIE hätten nur Hochstehendes konsumiert?

Wir werden die Fragen nie beantworten.

Feststeht nur eines:
Meine Glossen bleiben frei von Sprach-Entstellungen und Eingriffen wie bei YTK.

Ihr ergebgebgebgebgebenster
Rolf Herter Retre Flor Rolf Herter Retre Flor Rolf Herter Retre Flor Rolf Herter Retre Flor







Dienstag, 16. Oktober 2018

Das schreckliche "Bunte Programm" bei einer Hochzeit


Immer wieder ärgert man sich, weil man Dinge zugesagt hat, die man eigentlich nicht hätte zusagen sollen. Aber manchmal kann man nicht nein sagen und das entpuppt sich dann als schwerwiegender Fehler. Es war ein Fehler, der Nachbarin zu versprechen, auf Lutzi aufzupassen, jener Katze, die einem dann am zweiten Tag ca. 56 Kratzwunden zufügte, es war ein  Fehler, zuzusagen die Arbeit «Dimension der Metaebenen im Werk Karl Jaspers» Korrektur zu lesen, eine Arbeit, die schon ob ihrer Länge von 765 Seiten einem die Tränen in den Kopf treibt, es war ein Fehler, die Kinder der Nachbarin mit ins Hallenbad zu nehmen und es war ein Fehler, zu der Bitte «rede du doch mal mit ihm» Ja zu sagen.

Und ich habe auch wieder einen solchen Fehler gemacht, ich habe Marcel und Judith versprochen, auf ihrer Hochzeit den Programmteil zu organisieren und zu leiten, also die Funktion zu übernehmen, die in England der Trauzeuge, der Best Man macht und die in der Schweiz «Tätschmeister» heisst. Und so stand unten auf den Einladungen, kleingedruckt:
Beiträge bitte bei Rolf (079 243 66 55) anmelden
Und so sitze ich vor einer Liste, die jeden vernünftigen Menschen an den Rand des Wahnsinns treibt: 

Lustiges Lied für die Braut «All you need is Marcel» (Britta und Birgit) 10’
Rede des Brautvaters 20’
Rede des Bräutigamvaters 15’
Lustiges Lied für die Braut auf die Melodie «Ein Vogel wollte Hochzeit machen» (Inga und Ingrid) 10’
Sketch «Das Frühstücksei» (Hanna und Hubert) 7’
Sketch «Das Frühstücksei» (Helga und Hans) 7’
Sketch «Das Frühstücksei» (Hanno und Hannelore) 7’
Spiel «Wer kann was besser?» / mit Hammer und Kochlöffel (Benno) 20’
Lustiges Lied für den Bräutigam «Judith ist die Beste» (Gerd und Geri) 25’ (!!!!)
Lied mit Allen «Love is all around you” / mit Bewegungen (Sara) 30’ (!!!!)
Baum präsentieren, an dem man Einladungen für die Brautleute abpflücken kann (Horst) 10’
Michi, Göttibub von Marcel, spielt Blockflöte 15’
Ella, Göttimaidli von Marcel, spielt Geige 15’
Felix, Göttibub von Judith, spielt Klavier 15’
Mona, Göttimaidli von Judith, spielt Trompete 15’
Kanon mit allen (Dieter) 10’
Quiz über die Brautleute (Dieter) 15’
Gedicht (Sabine) 10’
Gedicht (Dora) 10’
Gedicht (Ulrike) 10’
Gedicht (Werner) 10’
Gedicht (Frank) 10’

Allein die Zeiten lassen mir schon den Schweiss auf der Stirne stehen, aber das ist das geringste Problem, 5 Stunden lassen sich irgendwo auftreiben, das grösste Problem ist, das keiner, aber auch keiner der Beiträge irgendwie originell oder einfallsreich ist. Alles schon gesehen, alles schon gehört, auf jeder Hochzeit das gleiche Lied. Ich habe schon 34 mal das «Wer-ist-schneller-im-Bad-Mann-hebt-Hammer-Frau-hebt-Löffel-alle-lachen-Spiel» gesehen, ich habe schon 57 mal «Ich lade die beiden zum Kaffee ein» vom Bäumchen gepflückt und ich verstehe nicht, warum immer, immer, immer und ewig, immer und überall der Ei-Sketch gespielt werden muss, Loriot hat noch viele andere «Szenen einer Ehe» geschrieben, warum denn nicht mal «Wie findest du mein Kleid?» oder «Feierabend», der Sketch, in dem der Mann einfach nur dasitzen will.
Auf keiner Hochzeit habe ich eine witzige und schöne Rede gehört, sind die beiden Väter Handwerker, dann ist das Gelaber wenigstens kurz, hier aber sind beide Väter Lehrer (der von ihr Deutsch, Geschichte und Geographie, der von ihm Englisch, Deutsch und Staatskunde) und beide werden mit einem Goethe-Zitat anfangen, das kann ich schon voraussagen. Und dann die Gedichte! Haben Sie auf einer Hochzeit schon einmal ein Gedicht gehört, bei dem Reim und Versmass stimmten? Ich nicht.

Ich gehe nun ganz radikal vor, lasse mir Proben der Texte schicken, wähle das am wenigsten schreckliche Gedicht aus (Dora) und streiche die anderen. Ebenso verfahre ich mit den lustigen Liedern. Den Kids schicke ich ein Arrangement der Kleinen Nachtmusik für Geige, Blockflöte, Klavier und Trompete und besteche sie mit 8 Kilogramm Schokolade, doch zusammen zu spielen. Bei den Loriot-Eiern lose ich aus; den beiden Vätern gebe ich je ein Zitat vor, von dem sie ausgehen müssen, in der Hoffnung, ihnen fällt nichts ein. (Ihr Vater: «Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar» von der Kaschnitz, sein Vater: «Religion ist Opium des Volkes» von Lenin)

Tage später erreicht mich eine erneute Einladung per PDF
Unten lese ich:
Beiträge bitte bei Tobi (079 766 55 22) anmelden / NICHT MEHR BEI ROLF!

Gut, ich werde fernbleiben, aber ich will dann auch keine Klagen hören.
   








Donnerstag, 11. Oktober 2018

Publireportage?


Wie Sie wissen, bin ich ein begeisterter Wurfzeitungs-Leser. Ich finde es einfach fantastisch, zweimal am Tag die neuesten Informationen zu bekommen. Und das meine ich jetzt gar nicht ironisch.
Natürlich muss man ein wenig in der Lage sein, wichtige und unwichtige, wahrscheinlich wahre und wahrscheinlich unwahre zu trennen. Dass ein Bauer im Kanton Wallis einen Fuchs bei sich zuhause antraf, der nicht nur die Speisekammer geplündert hatte, sondern auch am Computer sass und sich – auf Rechnung des Bauern – Sachen bei Amazon® bestellte, ist sicherlich erfunden, aber die Kauder-Abwahl-Merkel-Watsche ist es nicht, und die hätte ich ohne 20min viel später erst mitbekommen. Dass sich Elogia Floccia (…wer zum Teufel ist Elogia Floccia?...) von ihrem Lover Sam-Tom MacHubberly (…wer zum Teufel ist Sam-Tom MacHubberly?...) trennt, ist der unwichtigste Mist der Welt, aber dass das Trumpeltier von der Vollversammlung der UNO ausgelacht wurde, ist eine wichtige Sache von fast historischen Dimensionen, die ich ohne BLICK am Abend vielleicht übersehen hätte.
Ich halte mich also für einen auswählenden, gescheiten und medienbewussten Wurfzeitungs-Leser; umso mehr ärgert mich, wenn ich doch immer wieder auf Dinge hereinfalle.
Da lese ich doch vorgestern den folgenden Text:

QUARK IST GESUND UND HÄLT FIT - Warum wir viel mehr Quark essen sollten

Was gibt es Schöneres, als an einem heissen Sommertag ein kühles Quark-Frucht-Dessert zu geniessen und was passt besser zum Kaffee als ein leckeres Quarktörtchen? Was die Wenigsten wissen: Quark gehört zu den gesündesten Dingen, die man aus Milch machen kann. Er enthält ausser den Vitaminen E, F, G1, H2 und M Spurenelemente wie Morgesium und Glyphinium, Ärzte und Biologen bestätigen, dass schon 0,2 Liter Quark pro Tag Knochenstärke und Nervensystem positiv beeinflussen. In den neuen Quarkspeisen bei der MIGROS hat man grossen Wert auf…

Hier stutze ich: Warum wird hier die MIGROS erwähnt? Haben nicht auch Coop und Volg, haben nicht auch die MANOR Food und der DENNER, haben nicht auch kleine Tante-Emma-Läden und Markstände Quark? Ich benötige eine Weile, bis ich das kleine Wort «Publireportage» oberhalb des Textes entdecke. Ich könnte ausspeien! Die widerliche Neuschöpfung «Publireportage» heisst nichts anderes wie versteckte, verkappte und unkenntlich gemachte Werbung.

Einen Tag später foppt man mich schon wieder:

ZAHL DER PENDLER NIMMT ZU

Wie das Statistische Amt bekanntgab, ist die Zahl der Berufspendler im ersten Halbjahr 2018 noch einmal angestiegen. Waren es Januar-Juni 2017 20,56% und Juli-Dezember 2017 22,78% der Werktätigen, sind nun inzwischen 28,45% mehr als eine Stunde zum Arbeitsplatz unterwegs. Viele Pendler empfinden den täglichen Weg als stressig und belastend. Hier kann eine Fahrgemeinschaft Abhilfe schaffen, denn was ist entspannender als nur einmal pro Woche selbst zu fahren. Hier bietet der neue OPEL Warrior die idealen…

Mist!
Ich bin schon wieder in die Falle getappt.
Und dieses Mal haben sie es wirklich genial gemacht; wenn man die Zeitung aufklappt, hat man vier Artikel, zwei auf jeder Seite, über dem ersten steht Ausland, über dem zweiten Region, über dem dritten Lifestyle und über dem vierten Sponsored. Das ist der uralte Trick, dass man zum Beispiel – wie in der berühmten Geschichte von E. A. Poe – einen Brief gar nicht versteckt, sondern ihn so offen herumliegen lässt, dass niemand ihn findet.
Das Gemeine ist ja, dass die Fieslinge immer neue Wörter und neue Taktiken für ihre Schweinereien erfinden, während man sonst nach einem ganz kleinen Wörtlein «Anzeige» suchte, schreiben sie jetzt ganz gross und offen «Sponsored», hat man das Unwort «Publireportage» endlich gespeichert, kommt schon wieder ein neues. Wahrscheinlich hocken in den Werbeagenturen viele Leute, die ganze Listen von diesen Dingern erstellen:
Payed Script
Honoraressay
Lohninformation
Sponsorenglosse
PR-Bericht

Wie Sie wissen, bin ich ein begeisterter Wurfzeitungs-Leser. Ich finde es einfach fantastisch, zweimal am Tag die neuesten Informationen zu bekommen. Und das meine ich jetzt gar nicht ironisch.
Was mich aber zur Weissglut bringt, dass man versucht offensichtliche Werbung vor mir zu verstecken. Das ist unlauter. Das ist wie einem Heroin ins Gepäck zu schieben, wenn man nach Thailand reist.

P.S. Wikipedia nennt die "Publireportage" eine rechtliche Grauzone. Und "Grauzone" ist, genauso wie "Publireportage" für "Werbung" steht, eine Umschreibung für "eigentlich verdammt illegal".