Lieber Leserin, lieber Leser,
erinnern Sie sich noch an den Post, den ich am Silvestertag des Jahres 2024 veröffentlichte? Es ging hier um «Klolektüre».
Ich schrieb damals:
Wir bekommen diese Klolektüre von einer ehemaligen Nachbarin und «Glückspost», «Gala», «Frau im Spiegel» und «Schweizer Illustrierte» stapeln sich auf einem Hocker neben dem Waschbecken. Seit wir diese Stapel erhalten, bin ich nun immer über die wichtigen Dinge informiert, über die Sorgen und Nöte der gekrönten Häupter, über die Glücksrezepte der Stars, über die Wohnungen der Popgrössen und über die Geheimnisse der Reichen und Schönen.
In einem dieser Hefte, in der FARBIGEN, lese ich von der Trennung zweier Hochadliger, die sich «auseinandergelebt» haben, Jolanda von Burgfelsen-Schleppenstadt und Helmut von Fischklau-Hubenhausen gehen seit ein paar Monaten eigene Wege.
Wobei Amor schon wieder seine Pfeile verschossen hat: Jolanda von Burgfelsen-Schleppenstadt ist frisch in den dänischen Millionenerben Nils Nielsen verliebt und Helmut von Fischklau-Hubenhausen brennt für die russische Milliardärin Olga Machunowska.
Beide sind zu haben, denn Nils Nielsen hat sich gerade von einem Victoria’s Secret-Model getrennt und Olga von einem jungen Mann, der für CK posierte.
Schön, wie sich hier doch Herz zu Herzen findet…
Man könnte, wenn man ganz böse ist, die Geschichte aber auch anders lesen.
Jolanda von Burgfelsen-Schleppenstadt und Helmut von Fischklau-Hubenhausen haben gemerkt, dass der und die andere das, was man braucht, nicht bietet. Nämlich Geld. Knete. Money. Penunzen. Kohle. Moos. Der oder die andere ist zwar adlig, aber das ist man selber, «von und zu» steht im eigenen Namen. Und Doppel-Adel finanziert halt auch noch nicht die 56 Zimmer-Villa, die 20 Leute Personal und den Rolls-Royce. Also guckt man sich nach Geld um – und wird fündig.
Und Nils und Olga wollen nun genau das, was man bietet: Adel. Sie haben bisher sich mit Beauty gepaart, aber Beauty ist vergänglich, Adel ist es nicht.
Die Story ist übrigens nicht neu – schauen Sie sich einmal den «Rosenkavalier» an: Ochs von Lerchenau bietet alten Adel und will Geld. Knete. Money. Penunzen. Kohle. Moos. Und Faninal hat unendlich Geld, ist sogar neugeadelt, aber braucht den Zugang zum alten, wichtigen Adel.
Die zweite Version ist nun die ehrliche, die klingt natürlich nicht so herzerweichend, nicht so Pilcher-mässig, nicht so schön kitschig. Aber es ist die ehrliche Version. Und so ein bisschen mehr Ehrlichkeit täte uns doch allen gut.
So könnten doch Trump und Putin eine Pressekonferenz abhalten, in der sie das Folgende erklären:
«Leute, hört mal her. Wir sehnen uns nach der Guten Alten Zeit. In jener Zeit gab es zwei grosse Mächte, die waren verfeindet, und jede Macht hatte einen Präsidenten, und die Präsidenten hassten sich, aber es war ein guter, ein grosser Hass, ein Hass auf Augenhöhe, und diese beiden Staaten, diese beiden Männer, die teilten die Welt auf. Und in dem Punkt waren sie sich einig. Wenn also die USA ein Land besetzten, dann wartete man, ob die UDSSR zuschlug, wenn nicht, dann war das ok. Und wenn die UDSSR in ein Land einfielen, dann horchte man, was kommt aus Washington, und kam da nix, blieb man in dem Gebiet.
Aber nun ist die Welt von Kleingemüse, das kein Mensch braucht, China, Indien, Scheiss-EU, und Afrika ist auch schon im Kommen. Braucht kein Mensch. Wir wollen zurück in die Gute Alte Zeit.»
Wäre schockierend.
Aber ehrlich.
Sehr, sehr, sehr ehrlich.
Ob wir dann den ehrlichen Äusserungen glauben, oder sie (wie der Herr Biedermann im nach im benannten Theaterstück) einfach wegwischen, steht auf einem anderen Blatt.
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