Freitag, 3. April 2026

Ist "völkerrechtswidriger Krieg" ein Pleonasmus?

Neulich fragte mich ein Freund per E-Mail, ob es «Koifisch» oder «Koikarpfen» oder «Koikarpfenfisch» heisse. Ich war ob dieser Ladung an Pleonasmen so erschlagen, dass ich – die beiden einfachen und den doppelten mit einem dreifachen überbietend – zurückschrieb, er könne ja «online im Internet nachgoogeln». Leider verstand der Freund meine Ironie nicht.

Wir sind ständig mit Pleonasmen konfrontiert. Ob das die «Tsunami-Welle» oder die «DIN-Norm» ist, ob das «Rückantworten» oder «Zukunftsprognosen» sind oder ob es sich um «PIN-Nummer» oder «Aussenfassade» handelt.
Ich lasse jetzt einmal den Fall weg, in dem der Pleonasmus ein Stilmittel ist
Die helle Sonne
Bringt den lichten Tag,
Die dunkle Nacht
Uns nicht mehr schrecken mag.
Und sage: Ständig wird etwas zu viel gesagt.

Um herauszufinden, ob ein Begriff pleonastisch ist, kann man sich verschiedene Fragen stellen:
Steckt das hintere Wort im vorderen schon drin? Das ist der Fall bei der D(eutsche)I(ndustrie)N(orm)-Norm der Fall, ebenso bei P(ersonal)I(dentification)N(umber)-Nummer.
Ist das eine ein Überbegriff? Jeder Koi ist ein Karpfen und jeder Karpfen ein Fisch, jeder Tsunami ist eine Welle.

Schwieriger ist es bei der Kombination Adjektiv + Nomen. Hier muss man immer fragen, ob es auch anders ginge. «Nasses Wasser» – gibt es auch trockenes? Wohl kaum, ich jedenfalls war als Immerschwimmer noch nie in einem trockenem Wasser. «Weisse Milch» – gibt es auch schwarze? Seit Celan natürlich schon:
Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng

«Teure Diamanten» – gibt es auch billige? Ja, hier ist natürlich der Begriff «billig» heikel, denn für einen Milliardär ist etwas anderes teuer als für einen Sozialhilfeempfänger, aber Industriediamanten könnten sich auch Leute mit kleinerem Geldbeutel leisten.

Ein immer wieder auftretender Pleonasmus (oder Nicht-Pleonasmus) ist der «völkerrechtswidrige Krieg».
Ist das nicht doppelt gemoppelt? Oder doch nicht? Wenn es Kriege gibt, die gegen das Völkerrecht stehen und es nicht pleonastisch ist, muss es ja den «völkerrechtskonformen Krieg» geben.

Als Pazifist der Alten Schule sage ich natürlich: Nein, Quatsch und Unsinn, jeder Krieg ist gegen das Völkerrecht. Aber ein Blick ins Internet belehrt mich eines Besseren, es gibt den «völkerrechtskonformen Krieg», wobei hier immer nur eine Seite «völkerrechtskonform» handeln kann, nämlich wenn sie angegriffen wird und sich verteidigt, oder wenn ein UN-Mandat vorliegt.

Bei einem «völkerrechtskonformen Krieg» muss man sich anständig verhalten und so und keine Gefangenen misshandeln und so und Zivilisten dürfen nicht zu Schaden kommen. Aber genau hier liegt das Problem: Das mit der Anständigkeit funktioniert meistens nicht. Ich sage nur Kollateralschaden und so.

Wir müssten also – so glaube ich – noch eine neue Kategorie der Pleonasmen einführen, nämlich den De-Facto-Pleonasmus. De-Facto-Pleonasmus bedeutet: Es ist eigentlich keiner, es ginge auch anders, nur kommt das in Wirklichkeit nie vor.
De-Facto-Pleonasmen sind:
ein wenig gemogelte Steuererklärung
gelifteter Filmstar
gewaltbereiter Fussballfan
alkoholtrinkender Künstler

und eben der «völkerrechtswidrige Krieg»

So viel für heute.
Ich bin immer mit heiterer Freude erfüllt, wenn ich weiss, dass viele die zweimal in der Woche erscheinende Dienstag-Freitag-Glosse online im Internet lesen.









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 31. März 2026

Orlando von Alliz - ein Hansdampf in allen Gassen

Orlando von Alliz ist ein Künstler, der alles kann – und alles macht. Nein, das ist jetzt nicht ganz richtig formuliert, Orlando von Alliz ist ein Künstler, der alles macht, ob er es kann, muss jeweils neu entschieden werden.

Zunächst ist Orlando ein Sänger, eigentlich ein Tenor aus dem Spiel- und Lyrikfach, er hat aber gar keine und überhaupt keine Probleme damit, auch mal ins dramatische Fach zu wechseln, oder auch mal im Baritonwald zu wildern. Einen Siegfried und einen Parsifal hat er uns bisher erspart, aber wer weiss? Gut, er hat offiziell gerade mit Singen aufgehört, aber bei von Alliz weiss man nie, vielleicht präsentiert er sich zu seinem 90. Geburtstag doch als Walther von Stolzing…

Dann ist er aber nun vor allem Kulturmanager und Kulturbotschafter, leitet Haydn-Wochen und Beethoven-Festivals, und er lässt es sich nicht nehmen, bei den Eröffnungskonzerten wortgewandt und wortreich durch das Programm zu führen. Nein, das ist jetzt auch wieder nicht ganz richtig, denn «wortgewandt» ist das ja nicht wirklich, «wortreich» aber ist es auf jeden Fall. Orlando von Alliz bewirft uns mit Superlativen, als ob er Reklame für Seife oder Werbung für Parfum machte, da sitzt dann immer das BESTE Orchester, geleitet vom FACHKUNDIGSTEN Dirigenten, und dazu kommt die TOLLSTE Sängerin und sie präsentieren die SCHÖNSTE Arie vom HERRLICHSTEN Komponisten, und das alles in einem Tonfall geredet, als ob er den Zirkusdirektor in der «Verkauften Braut» darstellen würde, er steht aber eigentlich gerade NICHT im Theater.

Apropos Theater: Jetzt führt Orlando von Alliz auch noch Regie, aber nicht – wie man ja von einem Musiker erwarten würde – so, dass man in die Partitur schaut und in die Musik hineinhört, nein, da wird eine Zauberflöte in eine Eishalle gelegt (mit echten Eisläuferinnen und Eisläufern) und ein Figaro in einen Karate-Wettbewerb (mit ständigem Handkantenschlag), das hat zwar nichts mit der Oper zu tun, ist aber wahnsinnig witzig.

Wir können also gut sagen: Orlando von Alliz ist ein Hansdampf in allen Gassen.

Was ist ein «Hansdampf in allen Gassen» ?
Wikipedia schreibt dazu:
Als Hansdampf in allen Gassen wird umgangssprachlich ein aktiver, vielseitiger und umtriebiger Mensch bezeichnet, ein Tausendsassa bzw. ein Generalist. Der Ausdruck Hans Dampf in allen Gassen geht auf die gleichbedeutende Wendung Hans in allen Gassen zurück. Die Wendung stammt vom Kuchen, der am Johannistag nach dem Abbacken in der Lohnbäckerei dampfend nach Hause getragen wurde.
Spannend, nicht? Wusste ich auch nicht, und da die «Meistersinger» am Johannistag spielen, wäre das mit dem Walther gar nicht so weit hergeholt.

Die Frage ist, ob wir Hansdampfs in allen Gassen brauchen. Wären in dieser Welt nicht Menschen nötig, die ohne Dampf in wenigen Gassen unterwegs sind, also Leute, die ganz ruhig die Dinge angehen, wenige Dinge, von denen sie aber Ahnung haben?

Warren Buffet und Charlie Munger, die beiden US-Finanztypen, haben dem «Hansdampf in allen Gassen» ein ganz anderes Konzept entgegengesetzt, den «Circle of Compentence». Der «Circle of Compentence» ist der Kreis der Dinge, die ich weiss, die ich kann, in denen ich kompetent bin. Dabei ist es völlig unerheblich – so Buffet und Munger – wie gross dieser Kreis ist, entscheidend ist, dass ich weiss, wo die Grenze, die Linie dieses Kreises verläuft.

Ein Mensch, der sich im Kompetenzkreis bewegt, wird allerdings weniger wahrgenommen als ein Hansdampf in allen Gassen, das ist logisch, wer nur – um im Bilde zu bleiben – in einer Gasse bleibt, weil er dort hingehört, den sehen halt nur die Bewohner dieser Gasse. Einen Hansdampf kennen alle…
Dennoch: Mehr kompetente Menschen wären toll.

Orlando von Alliz ist ein Künstler, der alles kann – und alles macht. Nein, das ist jetzt nicht ganz richtig formuliert, Orlando von Alliz ist ein Künstler, der alles macht, ob er es kann, muss jeweils neu entschieden werden.
Der Himmel bewahre uns vor den Romanen, die er noch schreiben und den Bildern, die er noch malen könnte.

























 

 

 

  

 

 

Freitag, 27. März 2026

Die FDP-Abschiedsparty

Der Heldentenor Georgy Tranikayan ist in die Jahre gekommen. Und seine Stimme auch. Während er vor 20 Jahren noch aussuchen konnte, ob er den Tristan in München oder Berlin singt (die Premieren überschnitten sich), konnte er vor 5 Jahren froh sein, wenn Kiel oder Trier ihn für einen Lohengrin B-Besetzung fragten, und dieses Jahr sind die Angebote, die ihm sein Agent übermittelt, katastrophal:
Dritter Gefährte des Seneca in Augsburg
Parpignol in St. Gallen
Friseur Hyppolyte in Pforzheim
(für die Nicht-ganz-Opern-Firmen: Das ist «L`incoronatione di Poppea», «Bohème» und «Rosenkavalier»
Aber er wird eines annehmen.

Sein Kollege Ivan Tschedrinek hat es anders gemacht: Als er merkte, dass sein Siegfried nicht mehr ewig geht, beschloss er seine Karriere mit einem fulminanten Ring an der Hamburgischen Staatsoper. 20 Minuten Standing Ovations, danach Party ohne Ende – heute lebt er vom Kurse geben.
Man muss auch aufhören können.

Wenn ich an die Herren Tenöre denke, dann kommt mir die FDP in den Sinn. Die Freien Demokraten stellten den ersten Bundespräsidenten. Sie waren jahrelang in Regierung, und ein FDP-Schwergewicht (und das meine ich jetzt ganz wörtlich) hat die deutsche Einheit gemanagt. Die Liberalen waren aus dem Bundestag nicht wegzudenken.
Und nun?
Und nun?

Ich denke, es ist an der Zeit aufzuhören, und zwar bevor man aus der LETZTEN Regierung und aus dem LETZTEN Landtag geflogen ist. Bevor man stolz sagt: «Aber in Winsen an der Aller sind wir im Gemeinderat», bevor man verkündet: «In Vogtsburg (Kaiserstuhl) stellen wir den Bürgermeister», bevor dann auch auf der Gemeindeebene tote Hose ist.
Nein.
Wir timen die Auflösung der FDP auf den 30. Mai und machen eine grosse Fete.

Der 30. Mai ist ein guter Tag, nicht deshalb, weil es einmal einen Karnevalsschlager «Am 30. Mai ist der Weltuntergang» gab, sondern weil da das Hambacher Fest war, sozusagen die Anfänge der Liberalität – und das Ende dann eben auch dann.

Es wird zunächst ein vielfältiges Kulturprogramm geben. Besondere Aufmerksamkeit bekommt die Auftragskomposition «Das Ende», die Zeilen aus einem Hesse-Gedicht vertont:
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen;
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Das Hauptthema nimmt die Buchstaben A – D – E – F – D – (P) als schöne Mollmelodie. (Wer es kann, singt das jetzt mal, es klingt wirklich schön.)

Ein weiterer Höhepunkt ist der Auftritt der Chansonette Margot Agnastrazi – Sie ahnen, wer sich dahinter verbirgt: Agnes Strack-Zimmermann trägt Brecht-Songs vor, viel Dreigroschen, und hier natürlich ihr Lieblingslied, der Kanonen-Song:
Soldaten wohnen
Auf den Kanonen
Von Cap bis Couch Behar.

Dann wird getanzt, und wer jetzt meint, Politiker seien keine guten Tänzer, der soll sich erst einmal die Videos vom Bundeskanzler anschauen, da können die Liberalen absolut mithalten.

Und später gibt es Alkohol – das erste Mal seit Jahren (und auch das letzte Mal), dass die FDP mit irgendetwas über 20% zu tun hat.

Der Heldentenor Georgy Tranikayan ist in die Jahre gekommen. Aber er hat jetzt ein grosses, tolles und auch für ihn letztes Engagement. Er singt als Ausklang der grossen FDP-Party
«Time to Say Goodbye»

Dienstag, 24. März 2026

Schlafen vor dem Fernseher

 
Liebe Leserin, lieber Leser

Ich habe neulich im Post «Olympia nervt» folgenden Passus abgeliefert:

Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute, dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit». Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal» (oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich). Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.

Ich müsste das Ganze ein wenig relativieren. Es sieht eher so aus:

Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute
(wenn ich nicht einschlafe),
dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit»
(wenn ich nicht einschlafe).
Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal»
(wenn ich nicht einschlafe),
oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich. Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.

Ich schlafe vor dem Fernseher ein.
Das halte ich für das Spiessigste und Bünzlihafteste, das es gibt, vor dem Fernseher einzunicken gehört für mich in eine Reihe mit Häkeldeckchen, Klorollen-Umhüllungen, in eine Reihe mit Volksmusik hören und Pilcher lesen, es gehört in eine Kategorie mit Quelle-Katalog und Feinripp, aber dennoch muss ich zugeben: Ich schlafe vor dem Fernseher ein.
Dass ich damit in grosser Gesellschaft bin, ist ein schwacher Trost.

Wenn man «vor dem Fernseher schlafen» googelt, dann erhält man sofort eine Reihe von Gesundheitshinweisen, diese Angewohnheit scheint extrem gefährlich zu sein. Laut mehreren Seiten bewirken regelmässige 15 Minuten Schlaf vor dem TV
Bluthochdruck
Diabetes
Rheuma, Arthrose und Gicht
Mangel an Vitamin A, B, C, D, T, X und Z
Übergewicht
Erhöhung des Krebsrisikos
Zahnschmerzen und Paradentose
Fogumentisis (was auch immer das sein soll)
u. v. a.
Regelmässiger Fernsehschlaf verkürzt das Leben angeblich im gleichen Masse wie Nikotin und Alkohol.

Ich könnte nun verstehen, dass es sehr ungesund ist, vor dem Fernseher zu schlafen und dann später nicht mehr – das ist bei mir aber nicht der Fall, ich gehe ins Bett und schlafe weiter, und anderen geht es genauso. Ich glaube auch das mit der Lebensverkürzung nicht – eine Viertelstunde Fernsehschläfchen bewirkt die gleichen Dinge wie ein Päckchen Camel am Tag und / oder eine Flasche Wein? Unmöglich.
Dazu kommt, dass keine der Gesundheitsseiten eine Therapie oder Abhilfe anbietet.

Nein.
Mich schreckt nicht das Gesundheitsrisiko, ich finde das Schlafen vor dem Fernseher einfach spiessig. Einfach biedermännisch. In einer Reihe mit Häkeldeckchen, Klorollen-Umhüllungen, in eine Reihe mit Volksmusik hören und Pilcher lesen, es gehört in eine Kategorie mit Quelle-Katalog und Feinripp, in die gleiche Schiene wie Kaffeefahrten, Brillen, die mit Ketten um den Hals hängen und gedrechselte Haushaltspapier-Abroller.
Aber ich kann nichts machen. Dabei spielen übrigens auch Qualität und Wert der Sendungen keine Rolle – ich kann bei einem Beitrag über Heinrich Böll genauso einpennen wie während eines Interviews mit Herrn Nagelsmann.

Ein Freund berichtet mir, dass die Health-Sendung «PULS» auf SRF 1 sich vor einem Jahr des Themas angenommen und ein 3stündiges Special gesendet habe.

Leider wüsste er nicht mehr alles.

Er ist bei der Ausstrahlung eingeschlafen.

Freitag, 20. März 2026

Cem Özdemir hält Amtsteilung für "Quatsch"

Wir müssen ein paar klare Wahrheiten hier noch einmal sagen:
Es gibt nur ein Universum.
Es gibt nur einen Gott.
Es gibt nur einen Papst.
Es gibt nur ein’n Rudi Völler (es gibt nur ein’n Rudi Völler, es gibt nur ein’n Rudi Völler, ein’n Rudi Völler)
Und es gibt nur einen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg.

Nach der arschknappen (s.v.v.) Wahl und angesichts der Tatsachen, dass CDU und die Grünen im Landtag gleich viele Sitze haben und sowieso eine Koalition bilden werden, kam die Idee auf, die Macht irgendwie zu teilen. Also irgendwie so etwas wie Rotation oder Doppelspitze.

Kommentar von Cem Özdemir:
«Bevor jetzt die Frage kommt: Wir werden vermutlich auch keine Doppelspitze einführen beim Amt des Ministerpräsidenten, das könnte ja auch ein Vorschlag sein. Das ist alles nicht meins. Wir sind erwachsen hier. Wir machen erwachsene Politik. Die Situation ist einfach zu ernst für Quatsch aller Art.»

Was Cem hier von sich gibt, ist sehr, sehr spannend.
Wir haben ja im vorletzten Post uns mit der Frage auseinandergesetzt, ob er überhaupt ein Grüner ist. Und auch hier muss man ihn als Nichtgrün-Grünen sehen, als Wolf im Schafspelz oder Schaf im Wolfspelz, als Schafswolf/Wolfsschaf, denn die Idee von solchen Teambildungen und Amtsteilungen kommt ja eher von grüner Seite. Waren es nicht die Grünen, die solch Zeug wie Doppelspitze und Rotation und Ämtertrennung eingeführt haben?
 

Auch historisch gibt es übrigens Beispiele für solchen «Quatsch».
In Rom galt bei den Konsuln die Prinzipien der Kollegialität und Annuität, das heisst, es waren immer zwei und sie waren auch nur ein Jahr im Amt – um Missbrauch aller Art zu unterbinden. Kollegialität und Annuität, mein verehrter Lateinlehrer Prof. (inzwischen) Dr. Werner Stegmaier hätte diese beiden Begriffe (er war bekannt für kühne Übersetzungen) sicher mit Doppelspitze und Rotation übersetzt, wenn es diese Begriffe damals schon gegeben hätte.

«Wir sind erwachsen».
Gut, vielleicht ist das das Problem? Vielleicht würden Kinder anders damit umgehen? Ich glaube, Kindern könnte man vermitteln, dass man in einer solchen Situation teilen muss: «Guckt mal, ihr seid jetzt beide genau gleich auf, jetzt teilt ihr den Preis.» Wie heisst es so schön?
Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht
Was sie tun,
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht.
Aber Cem ist ja erwachsen.

Und dann ist ja noch die Geschichte mit der Brezel. Özdemir ist ja aus Bad Urach, der Heimat der Brezel. Und was symbolisiert die Brezel? Doch gerade ein Verschlingen und Ausgleichen, da liegt das, was oben und unten wäre (wenn man die Laugenstange hochkant hält), oder was links und rechts wäre (wenn man sie quer hält), verschlungen nebeneinander. Die Brezel – die Cem ja zu seinem Emblem erkoren hat, Wahlhelfer liessen sich Brezel-Tattoos machen, echt wahr – steht also für das genaue Gegenteil von dem, was Cem sagt. Brezel steht für Rotation und Doppelspitze.

Aber alles umsonst. Cem Özdemir will Ministerpräsident werden, und er wird das durchfechten, denn durch seine 0,5% mehr ist er der Wahlsieger, und dem steht die Regierungsbildung zu.

Wir müssen ein paar klare Wahrheiten hier noch einmal sagen:
Es gibt nur ein Universum.
Es gibt nur einen Gott.
Es gibt nur einen Papst.
Es gibt nur ein’n Rudi Völler (es gibt nur ein’n Rudi Völler, es gibt nur ein’n Rudi Völler, ein’n Rudi Völler)
Und es gibt nur einen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg.









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 17. März 2026

Leichte Sprache an Gymnasien?

Liebe Leserin, lieber Leser, erkennen Sie den folgenden Text?

Alles, was vergeht, ist nur ein Bild. Alles, was nicht perfekt ist, wird hier Wirklichkeit.
Alles, was man nicht beschreiben kann, wird hier gemacht. Das Weibliche zieht uns nach oben.

Ja, perfekt erkannt, das ist der Schluss von Faust II. Im Original so:

Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird's Ereignis;
Das Unbeschreibliche,
Hier ist's getan;
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Oder erkennen Sie das?

Die Menschen sind sehr überrascht. Sie sehen die beiden zusammen. Die beiden weinen. Sie weinen vor Schmerz und vor Freude. Alle Menschen weinen mit. Dann erzählen sie dem König die Geschichte. Der König fühlt sich berührt. Das bedeutet: Er fühlt sich bewegt. Der König lässt die beiden zu sich kommen. Er schaut sie lange an. Dann sagt er: Ihr habt mein Herz gewonnen. Ihr habt bewiesen: Treue ist echt. Darum bittet er: Nehmt mich auch auf. Ich will der dritte Partner sein.

Ja, super, Sie sind gut, das ist der Schluss der «Bürgschaft» von Schiller, im Original so:

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen für Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Auge tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär,
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Lässt schnell vor den Thron sie führen.

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen,
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn,
So nehmet auch mich zum Genossen an,
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der Dritte.«

Ich erspare Ihnen jetzt Texte von Adorno, Bloch oder Habermas, erspare Ihnen Gedichte von George oder Trakl.

Das wäre nun alles zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wäre. Denn verstärkt greifen auch die Schulen auf vereinfachte Texte zurück. Und zwar alle – auch die Gymnasien. Und wenn das jetzt auch absolut scheisse (s.v.v.) elitär klingt: Wenn man schwierige Texte nicht mehr hinbekommt, dann muss man auch kein Abitur machen. Es macht übrigens auch nichts, wenn man nicht jedes Wort versteht (verstehe ich bei Shakespeare im Original auch oft nicht), aber es geht doch um die Schönheit der Sprache.

Mal ganz ehrlich: Hätte ein Gustav Mahler so etwas Umwerfendes, Phänomenales, etwas Bombastisches und Titanisches, hätte er so eine Wucht wie den Schluss der 8. Sinfonie hinbekommen, wenn er «Alles, was vergeht, ist nur ein Bild» vertont hätte?

Übrigens: Generationen von Schülerinnen und Schülern haben sich durch Integrale, Sinus, Cosinus, Ableitung, Kurven, Gleichungen usw. gequält und es irgendwie auch geschafft. Aber da gibt es auch keine Erleichterung, es gibt keine «Leichte Mathematik».

Also lasst die Finger von unseren Klassikern.

Und hier noch ein Schwur: An dem Tag, an dem ich Sätze in Leichter Sprache in meiner Glosse schreibe, sollen mir beide Hände abfallen.



Freitag, 13. März 2026

Özdemir - der nichtgrüne Grüne oder: Schaf im Wolfspelz

Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch für Cem Özdemir! Für den Wahlgewinner der BW-Wahl am 8. 3. 2026! Für den zukünftigen Ministerpräsidenten!

Özdemir ist ein lustiger Kerl. Er ist eigentlich Grüner, aber irgendwie doch nicht. Er hat für die Grünen die Wahl gewonnen, indem er sich maximal von ihnen distanzierte. Damit ist er ein treuer Nachfolger von Kretschmann, der ja irgendwie auch so war.
Menschen, die im Grunde genommen in der falschen Partei sind. Man könnte sie – je nachdem ob man für oder gegen diese Partei ist – als «Wölfe im Schafspelz» oder «Schafe im Wolfspelz» bezeichnen.
Die Schafswölfe / Wolfsschafe haben eine lange Tradition. Immer wieder gab es so Gestalten, die einfach in der falschen Partei waren.

Helmut Schmidt zum Beispiel. Ein SPDler, der aber eine völlig konservative und aufrüstende Politik machte. Ich weiss von vielen CDUlern (u.a. meine Eltern), die ständig sagten: So ein toller Hecht, und wir würden ihn wählen, wenn er nicht in der falschen Partei wäre.

Eine Lady, die das Gegenteil symbolisierte, ist neulich gestorben und wurde – zu Recht! zu Recht! zu Recht! – mit einem Akt im Parlament geehrt: Rita Süssmuth. Sie war mit allem ihrem Denken und ihrem Einsatz für Frauen, Minderheiten, mit ihrem Anti-AIDS-Kampf eigentlich eine Sozialdemokratin. Oder eine Grüne?

Als 2002 in Freiburg im Breisgau ein neuer OB anstand, also als mein Namensvetter Böhme nicht mehr antrat, machte ich wirklich den Spruch: «Es wird nun Zeit, dass die Stadt einen sozialdemokratischen Bürgermeister bekommt.» Was bei meinen Kollegen zu einem Stirnrunzeln führte – denn Herr Böhme gehört in die SPD. Und ich hatte das alle die Jahre nicht gemerkt! Nicht gemerkt!
Sein Nachfolger wurde dann ein Grüner (der besser zu den Sozen oder in die FDP gepasst hätte…) Und jetzt ist es ein Parteiloser. Sind nicht die Schlechtesten, wir hatten in Stuttgart die besten Zeiten mit einem Parteilosen: Arnulf Klett – den alle in der CDU vermuten, war er aber nicht.
Sein Nachfolger wurde dann einer, den inzwischen auch niemand in der CDU vermuten würde: Manfred Rommel. Legendär wurde sein Eintreten für das Grab der Ensslin auf dem Dornhaldenfriedhof und die RAF-Zahn-Spendenkampagne des Schauspiels unter Peymann.

In welche Partei gehört ein Gerhard Schröder? In welche Partei ein Palmer? Sind das noch SPDler bzw. Grüne oder schon verpackte AfDler?

Ja, und dann war da noch der Mittellehrer in der grössten Baselbieter Gemeinde, der für die Grünen im Landrat sass, aber keinen einzigen Tag mal mit dem ÖV in die Schule kam, nein, immer mit dem eigenen Schlitten und der in der Mittagspause im COOP plastikverpackte Sandwiches und plastikverpackte Salate und plastikverpackte Getränke holte, und dessen Schul-Verbesserungs-Komitee die Regierungsrats-Kandidatin der FDP empfahl, woraufhin die Grünen ihn rausschmissen…

Wie wird man Wolf im Schafspelz bzw. Wolfsschaf bzw. Schaf im Wolfspelz bzw. Schafswolf?
Tja.
Der Weg zum Wolf im Schafspelz bzw. Wolfsschaf bzw. Schaf im Wolfspelz bzw. Schafswolf wäre sicher mal ein Thema, dessen sich die Politologie annehmen sollte, vielleicht tut sie das ja auch schon, ich habe keinen Kontakt (mehr) zu Politologinnen und Politologen. Es wäre sicher ein Fundus für Masterarbeiten, Dissertationen und Habilitationsschriften.

Ich glaube nicht, dass jemand bewusst diesen Weg geht, dass man am Morgen aufwacht und sagt: «Ich habe es, ich gehe in die Partei X, da kann ich Karriere machen, ich bin zwar viel eher Y, aber als Y im X, da gibt es Stunk, da falle ich auf.» Nein, so geht das wahrscheinlich nicht, sondern eher so, dass man schon X ist, aber dann in vielen Themen eine Y-Position einnimmt…

Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch Cem Özdemir! Wahlgewinner der BW-Wahl am 8. 3. 2026! Für den zukünftigen Ministerpräsidenten!
Er tritt als Grün-Nichtgrüner würdig die Nachfolge des grün-nichtgrünen Winfried an.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 10. März 2026

Die lustigen Reisevorschläge

Ich möchte an einem Sonntag morgens ins Schwimmbad. Da ich nicht alle Tramverbindungen im Kopf habe, schlage ich bei Google Maps nach. Bei einer der vorgeschlagenen Routen werde ich sehr stutzig:
Mir wird die Idee präsentiert, mich an der Grosspeterstrasse in die Linie 15 zu setzen, via Heiliggeistkirche zum Tellplatz, dann abbiegend zur Endhaltestelle Bruderholz. Auf dem Bruderholz verwandelt sich die 15 in die 16, die dann auf der anderen Seite des Hügels herunterfährt und via Heiliggeistkirche (Klappe die Zweite) und Tellplatz (Klappe die Zweite) zur Haltestelle Markthalle fährt.
Von dort sind es 2 Minuten zum Hallenbad.
Ich könnte – so schlägt es Google Maps vor – auch 15 Minuten später los, müsste dann (logischerweise) am Tellplatz raus und die 16 nehmen, die sofort kommt und es ist derselbe Bahnsteig.

Ich möchte am 14. März nach Mainz, nein, falsch, ich fahre am 14. März nach Mainz und ich habe auch schon ein Hotel.
booking.com schlägt mir (ausser Restaurants, Stadtführungen, etc.) einen netten Reiseweg vor: Flug von ZRH nach FRA, also von Zürich Airport Kloten nach Airport Frankfurt am Main.
Dies würde konkret bedeuten: Ich reise mit der SBB erst einmal in die falsche Richtung, nach Süden, nämlich zum Flughafen, von dort – nach Einchecken, Warten, Kontrolle, Warten, Boarding – zum Rhein-Main-Airport. Der natürlich zu weit östlich liegt, also noch einmal 30 Minuten S-Bahn nach Mainz.
Alternative ist die DB, die mich konsequent den Rhein entlang via Mannheim und Worms in die Pfälzische Landeshauptstadt bringen wird. Ja, sagen Sie, DB, aber ich habe 25 Minuten Zeit zum Umsteigen in Mannheim Hbf. und auch keinen Punkt-Termin in Mainz.

Wie solche Fehler zustande kommen, ist klar. Irgendjemand hat da Prioritäten gesetzt, irgendwelche Dinge eingegeben, Dinge wie «Umsteigen vermeiden» oder «Flug besser». Und der Computer sucht dann Reisewege, die diesen Kriterien entsprechen. Man könnte genauso «möglichst kurze Zeit» oder «Eisenbahn bevorzugen» eingeben, und die KI sucht entsprechend.

Fühlt die KI eigentlich, wie doof das ist, nach einer Viertelstunde wieder an der gleichen Haltestelle vorbeizukommen? Sie antwortet mir:

Unser Gehirn ist darauf programmiert, Ziele zu erreichen. Wenn wir denselben Ort erneut passieren (z. B. durch eine Ringlinie oder eine Umleitung), fühlt sich das für das Zeitgefühl wie ein Stillstand oder ein „Rückschritt“ an, da kein räumlicher Distanzgewinn zum Ziel erkennbar ist.

Fühlt die KI eigentlich, wie doof das ist, zunächst einmal zum Airport Zürich in die falsche Richtung zu fahren?

Eine Reise in die falsche Richtung zu beginnen, fühlt sich deshalb so „blöd“ an, weil es eine massive psychologische und kognitive Dissonanz auslöst. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Ziele effizient zu erreichen – eine entgegengesetzte Bewegung wird sofort als Fehler und Verlust markiert.

Wir bewerten die Reisezeit oft doppelt negativ. Nicht nur die Zeit in die falsche Richtung ist „verloren“, sondern wir müssen dieselbe Zeit (und Strecke) auch noch einmal aufwenden, um überhaupt wieder zum Ausgangspunkt zurückzukommen.

Gut, gell?
Aber das Entscheidende ist, dass diese Antworten nicht aus dem Herzen kommen, der Roboter wird sich nie beschweren, dass er zum x-ten Male wo vorbeikommt, die KI kann nichts fühlen, nichts mit dem Herzen wahrnehmen. Sie kann nur im Netz suchen, was Menschen darüber geschrieben haben.

Vielleicht sollten wir doch manchmal wieder den gesunden Menschenverstand einsetzen.
Wenn übrigens ein Punkt zwischen zwei Haltestellen liegt, dann steige ich immer an der ersten aus, weil ich lieber nach vorwärts laufe. Auch wenn der Punkt 10 Meter näher an der nächsten Haltestelle liegt und Google Maps mir andere Dinge vorschlägt…









Freitag, 6. März 2026

Die Freiheit mit Öl zu heizen

Heute wollen wir ein wenig singen. Haben Sie Lust?
Auf geht`s:

Die Verträge sind gemacht
Und es wurde viel gelacht
Und was Süßes zum Dessert
Freiheit, Freiheit

So beginnt «Freiheit» von Marius Müller-Westernhagen, jenes Lied, das zu einer Hymne der Anti-Corona-Massnahmen-Bewegung wurde, was seinem Schöpfer nun gar nicht recht war, und weshalb er sich öffentlich impfen liess, um seine Distanz zu den Impfgegnern auszudrücken.
Freiheit ist ja nun ein schwieriger Begriff und es ist – so glaube ich – über kaum ein Wort so viel gedacht und geredet und geschrieben worden wie über die Freiheit.

Die Kapelle, rumm-ta-ta
Und der Papst war auch schon da
Und mein Nachbar vorneweg
Freiheit, Freiheit
Ist die einzige, die fehlt
Freiheit, Freiheit
Ist die einzige, die fehlt

Nun aber ist ein grosser Moment in der Freiheitsdiskussion geschehen: Die Bundesregierung hat den Bürgern «ihre Freiheit zurückgegeben». So zumindest Herr Spahn im Fernsehen. Der Hintergrund dieser Freiheits-Aussage ist, dass das Heizungsgesetz geändert wurde. Ja, das Heizungsgesetz! Das Heizungsgesetz! Ab nun haben alle Bürgerinnen und Bürger wieder die Freiheit so heizen, wie sie wollen. Mit Wärmepumpe. Aber auch mit Öl. Mit Gas. Mit Holz. Oder mit einem Atomkraftwerk, das man ja – Loriot sei Dank – im Spielwarengeschäft kaufen kann.
Das Volk hat die Freiheit zurückbekommen, sich klimaschädigend verhalten.

Der Mensch ist leider nicht naiv
Der Mensch ist leider primitiv
Freiheit, Freiheit
Wurde wieder abbestellt
Alle die von Freiheit träumen
Sollen's Feiern nicht versäumen
Sollen tanzen auch auf Gräbern

Nun ist eigentlich klar, dass meine Freiheit da endet, wo mein Nachbar oder meine Nachbarin betroffen sind. Oder die ganze Gesellschaft. In ihrer Freiheit, aber auch in ihrem Wohlergehen, ihrem Leben, in ihrer Gesundheit. Ich habe nicht die Freiheit, nachts um 3.00 Uhr laut Rockmusik zu hören, weil mein Nachbar schlafen will – es sei denn, ich wohne im Wald.
Ich habe eben auch nicht die Freiheit, mit einer Krankheit überall herumzulaufen und alle anzustecken, das war ja die Corona-Diskussion.

Verwaschener ist es nun beim Heizungsgesetz, aber nicht weniger heikel. Ich schade ja nicht meinem Nachbarn, wenn ich zum Öl zurückkehre. Ich schade auch nicht der Gesellschaft, ich schade der ganzen Menschheit. Der «Nachbar» sitzt auf einer Insel im Pazifik und meine Freiheit überspült bei einem Anstieg der Meere einfach seinen Lebensraum.
Schöne Freiheit.

Freiheit, Freiheit
Ist das einzige was zählt
Freiheit, Freiheit
Ist das einzige was zählt

Das Lied ist gesungen.
Und es hat überhaupt nicht gepasst.
So wie die Quatsch-Äusserung von Spahn.

Dienstag, 3. März 2026

Das Ulmer Münster ist nicht mehr die höchste Kirche!

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Ich habe Ulm in meinen Posts x-mal erwähnt. Das liegt nicht an einer totalen Ulm-Euphorie meinerseits, einer völligen Ulmophilie, das liegt vor allem an dem Umstand der Namenskürze. Manchmal schreibe ich nämlich poetisch statt «im Land X» «an den Flüssen A, B und C» oder «von Stadt Y bis Stadt Z», und wenn ich nun statt «in Baden-Württemberg» etwas schreiben will (und gerade keine Lust auf Flüsse habe), dann ist «von Calw bis Ulm» viel praktischer als «von Gschlachtenbretzingen bis Eggenstein-Leopoldshafen».

Im August 2023 habe ich aber doch einen ganzen Post der Stadt Ulm gewidmet, wir waren auf unserer Julireise von Schwäbisch Hall über die Ostalb kommend dort gelandet, um dann nach Stuttgart weiterzufahren. Und wurden vom Schwörmontag mit «Nabada» überrumpelt:

Und dann sind wir in Ulm. Und niemand hat uns gewarnt...
Da ich Stuttgarter bin, ist es erstaunlich, dass eine so wichtige Tradition in der Landeshauptstadt nicht bekannt war: Am vorletzten Montag im Juli schwört der Bürgermeister, dass er auch in den nächsten 12 Monaten der Stadt treu, fair und gut dienen wird...Am Nachmittag fahren dann viele, viele, viele, viele Boote, Schlauchboote, Holzboote, Gummiboote, Nachen, Kähne, geschmückt und ungeschmückt, mit Wimpeln und ohne, mit 1, 2, 3 oder 4 Leuten die Donau hinunter. Ein Riesenspektakel. Ein herrlicher Quatsch. Ein Klamauk sondergleichen. Das Nabada ist in seinen Vorläufern seit dem 19. Jahrhundert belegt...

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Ja, und diesem Superlativ galt der nächste Abschnitt im Post und das ist nun hinfällig: Ulm hat nicht mehr den höchsten Kirchturm der Welt. Die fiesen, gemeinen und hinterhältigen Katalanen haben an ihrer fiesen und gemeinen und hinterhältigen Kirche einfach gemein, hinterfotzig und rücksichtslos weitergebaut und nun ist die Sagrada Familia Um mehr als 10 Meter höher. 

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Aber die Ulmer haben es halt auch falsch gemacht: Höhe, Breite, Länge, Gewicht, Schnelligkeit und andere solche Sachen sind messbar. Und alle Superlative, die sich auf solche Werte beziehen, kann man toppen.
Sie hätten sich ein Beispiel an den Stuttgartern nehmen sollen. Die haben nicht den HÖCHSTEN Kirchturm, sondern den ÄLTESTEN Fernsehturm (ich habe neulich berichtet). Dieser Superlativ ist natürlich nie zu toppen, es sei denn man hätte eine Zeitmaschine. Bei Daten, die weit ins Mittelalter hineinreichen (ist beim Fernsehturm nicht der Fall) kann man immer noch mit Unschärfen und Ungenauigkeiten und Unbeweisbarkeiten arbeiten; so gibt es in jedem Land mehrere «älteste Gasthöfe», in England hat sogar gefühlt jeder zweite Ort den «Oldest Pub».

Genauso wunderbar sind gar nicht messbare Grössen wie Schönheit. Und da schiesst ein Ort, der gar nicht so weit von Ulm liegt, ja seit Jahren den Vogel ab. St. Peter und Paul in Steinhausen (Oberschwaben) ist die «schönste Dorfkirche der Welt». Behaupten die Steinhausener jedenfalls seit langer Zeit, so lange schon, dass niemand widerspricht.
Sie alle bekommen ja immer wieder irgendwelche Listen angeboten wie
Das sind die 10 schönsten Fachwerkstädte.
Das sind die 10 schönsten Dörfer.
Das sind die 10 schönsten Fischerorte.
Wer hat das eigentlich gemessen? Wer legt das fest? Wissen wir nicht…
Könnte Ulm jetzt das «schönste Münster» oder den «schönsten Kirchturm» für sich reklamieren?
Nein.
O nein.
Das haben die Breisgauer sich schon unter den Nagel gerissen.

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Aber man könnte ja den «Ulmer Hocker» von Max Bill zum «schönsten Hocker der Welt» erklären.
Der Superlativ ist noch frei.





 

Freitag, 27. Februar 2026

Brainstorming bei der CDU

Im Bahnhof Solothurn gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bäckerstand, wir nennen ihn mal «Bäckerei Befler». Die Bäckerei Befler ist immer gut besucht, immer viel los und vor allem am Morgen (wenn ich meinen Lunch hole) ist immer eine riesengrosse Schlange. Dies liegt – meiner Meinung nach – an drei Faktoren:
- qualitativ gute Ware
- vernünftige Preise
- nettes Verkaufspersonal
Ich stelle mir vor, wie die Firma zu diesen Punkten gekommen ist; wahrscheinlich haben sie ein Brainstorming mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemacht. Sie wissen doch, was ein Brainstorming ist? Ja? Ich habe es immerhin schon in vier Posts erwähnt. Also, bei einem Brainstorming wird alles aufgeschrieben, was einem zu einem Thema einfällt, unkommentiert, ungefiltert, ganz direkt, ganz schonungslos, um keinen Aspekt zu verlieren. Dann in einer zweiten Runde wird aussortiert. Ich stelle mir also das Ergebnis des Gehirnsturmes vor:

GA-Kunden gratis / Halbtax-Kunden gratis / GA-Kunden halber Preis / Halbtax-Kunden halber Preis / vegan / lactosefrei / Luftballons / vernünftige Preise / Valentins-Special / Halloween-Special / laute Musik / schöne Musik / Promis / Kaffeetrinken und Nails / Kaffeetrinken und Botox / nettes Personal / um 4.00 schon öffnen / um 4.30 öffnen / rund um die Uhr / alles rosa streichen / Bilder von lokalen Künstlern / Facebook / Insta / usw…usw…usw…usw…

Ja, und von dem Riesenbrainstorming ist dann eben das Trio «qualitativ gute Ware, vernünftige Preise, nettes Verkaufspersonal» übrig geblieben. Das nenne ich sinnvoll, alles Schräge und alles Absurde einmal denken, aber dann auf sehr handfeste gute Dinge kommen.

Auch die CDU hat ein solches Brainstorming gemacht. Ein Gedankensturm zum Thema: «Wie kriegen wir die Arbeitsmoral der Deutschen wieder ins Lot?» Es ist ja nun so, dass das Vorzeigeland bezüglich Fleiss und Eifer international ins Hintertreffen geraten ist. Die Leute arbeiten Teilzeit, sind ständig krank und spucken schon längst nicht mehr in die Hände, um das Bruttosozialprodukt zu steigern.
Was ergab nun das Brainstorming?

Bezahlte Krankheitstage abschaffen / Bezahlte Krankheitstage erst ab einer Woche / Telefonische Krankmeldung abschaffen / Teilzeit minimieren / von «Lifestyle-Teilzeit» reden / sichere Rente / Arbeitsmoral-Kampagne mit Anke Engelke / Bürgergeld kürzen / vernünftige Löhne / Bürgergeld streichen / Arbeitsmoral-Kampagne mit Angela Merkel / Arbeitsmoral-Kampagne mit Oliver Welke / Arbeitsmoral-Kampagne mit Bastian Pastewka / gutes Betriebsklima / Rente erst mit 70 / Rente erst mit 80 / usw…usw…usw…usw…

Ja, und dann hat man leider bei der Auswertung auf die falschen Dinge gesetzt. Denn hätte man zum Beispiel die südlichen Nachbarn befragt, warum sie so gerne in die Hände spucken und das BSP steigern und warum sie 8 Krankheitstage weniger als die nördlichen Nachbarn haben, dann hätten sie wahrscheinlich gesagt:
- vernünftige Löhne
- gutes Betriebsklima
- sichere Rente
So weit und so einfach. Wenn alle gerne zur Arbeit gehen, weil es ihnen dort gut geht und sie ordentlich verdienen und wenn man auch noch ein Rentensystem hat, das funktioniert, dann muss man nicht auf die Drückeberger schimpfen. Das Stichwort von der «Lifestyle-Teilzeit» ist so ein Wort, das Fritze wieder mal Stimmen und Sympathie kostet, ganz unnötigerweise. Ähnlich wie das Wort vom «Stadtbild».

Dabei sehe ich das Problem durchaus: Die Wirtschaft müsste in Gang kommen, um wieder Spass in die Arbeit und gute Löhne zu bringen, aber man brauchte Leute mit Spass, die man gut bezahlt, um die Wirtschaft in Schwung zu kriegen. Ein Catch22-Problem, ähnlich dem verpackten Messer, für dessen Verpackung man ein Messer bräuchte…

Im Bahnhof Solothurn gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bäckerstand, wir nennen ihn mal «Bäckerei Befler». Die Bäckerei Befler ist immer gut besucht, immer viel los und vor allem am Morgen (wenn ich meinen Lunch hole) ist immer eine riesengrosse Schlange. Vielleicht sollte die Chefin mal das deutsche Wirtschaftsministerium übernehmen. Schlechter könnte es ja nicht gehen.

Die Kampagne mit Anke Engelke gibt es übrigens wirklich. Aber nicht für die Arbeitsmoral – nein, für die Deutsche Bahn! Das wäre ja nun auch eine eigene Glosse wert…







Dienstag, 24. Februar 2026

schwer zu erreichen?


Ich hatte neulich Geburtstag. Kommt ja vor.
Und vier Tage danach traf ich einen Kumpel, der mir nachträglich noch gratulierte und meinte, er habe…
So. Sie denken jetzt sicher, er habe es vergessen, das dachte ich nämlich auch, nein, er sagte wörtlich: «Ich habe den ganzen Tag an dich gedacht, aber du bist ja so schwer zu erreichen.»

Ich war sprachlos.
Ich habe ein Handy (das am Ehrentag auch meistens an war) und ein Festnetz. Bei beiden gibt es die Möglichkeit, auf Band zu sprechen. Beim Handy kann man noch eine SMS schicken.
Ich habe zwei Mailadressen, die ich auch während des Tages kontrolliert habe.
Ich habe WhatsApp.
Ich habe Signal.
Ich habe Telegram.
Ich habe Threema.
Zudem gäbe es noch die veraltete Möglichkeit, mir einen Brief oder eine Karte zu schreiben oder sogar – noch veralteter – bei mir zu klingeln. Ich wäre ab 16.00 sogar zuhause gewesen.

Ich hielt meinem Kumpel diese vielen, vielen, vielen Möglichkeiten vor, und unter Tränen gestand er mir, dass das «schwer zu erreichen» sich eben nicht auf die Unter-, sondern auf die Überzahl der Kanäle bezog.
Den ganzen Tag habe er sich gequält und überlegt und gezaudert. Immer, wenn er ein WhatsApp schicken wollte, habe er gedacht, ob nicht anrufen doch besser sei. Und immer, wenn er Signal schon offen hatte, dann hätte eine innere Stimme ihm «Mail! Mail! Mail!» zugeflüstert. Und dann habe er sich nicht für eine der beiden Mailadressen entscheiden können, und dann habe er Threema geöffnet, sei da aber auch nicht weitergekommen…
So sei es den ganzen Tag gegangen.

Zuerst dachte ich, der Gute sei völlig plemplem.
Dann aber musste ich ihm ein Stück weit recht geben.

Das Internet bietet uns eine derartige Überfülle an Möglichkeiten und Kanälen und Dingen und Informationen und Sachen, dass wir in der Menge der Möglichkeiten und Kanäle und Dinge und Informationen und Sachen einfach ertrinken. Jetzt gibt es ja schon Shopping-Apps wie QuackQuatsch, die das Netz durchforsten und für uns die besten Artikel auslesen und uns dann Badebürsten für sensationelle 29,99 und Korkenzieher für sensationelle 19,99 und Dekantierer für 39,99 anbieten. Und wir kaufen und kaufen und kaufen, die siebte Badebürste und den vierten Korkenzieher und den dritten Dekantierer und freuen uns, dass es uns QuackQuatsch so einfach gemacht hat.

Von Informationen muss ich ja gar nicht reden.
Wir ersaufen in einer Flut von schlecht recherchierten Nachrichten, von Fakes und KI-generierten Dingen, dass einem angst und bange wird.
Natürlich gab es immer Zeitungsenten und Falschmeldungen, sogar in den Lexika standen Sachen, die einfach falsch waren, sogenannte Nihilartikel, man denke nur an die Steinlaus, die es als Erfindung von Loriot immerhin in den Pschyrembel geschafft hatte.
Aber es waren weniger, es waren Einzelfälle. Heute ist es eine Flut.
Und deshalb sind sauber recherchierte Nachrichten und Fakten so wichtig.

Was mache ich nun mit meinem Kumpel? Nun, ich werde ihm nächstes Jahr zwei Tage vor meinem Geburtstag eine Nachricht zukommen lassen:
«Hallöchen! Wenn du mir übermorgen gratulieren möchtest, ich bin an meinem Ehrentag nur von 10.00 bis 10.30 auf dem Festnetz erreichbar.»

Was natürlich nicht stimmt, aber es wird ihm die Qual der Wahl nehmen und seinen Tag wesentlich erleichtern.







 

 

 

    

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 20. Februar 2026

Olympia nervt

Also…
Olympia ist ja schon ganz gut, aber…
Manchmal nervt es.

Zum Beispiel, wenn alle Fernsehgewohnheiten durcheinanderkommen. Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute, dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit». Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal» (oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich). Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.

Nun kommt dieses Arrangement während der Olympischen Winter- und Sommerspiele völlig durcheinander. Um 19.00 gibt es auf 3sat eine Ersatzsendung, meist «Im Flug über…», und ich weiss nicht, wie oft ich in den letzten Jahren schon über Andalusien geflogen bin, es müssen aber an die 50 Male gewesen sein. Dann wird die «Kulturzeit» zum Glück nicht tangiert, zum Glück, um 21.45 wird es dann wieder schwierig; das «heute Journal» ist schon vorbei, meistens eingequetscht ins Eishockey und verkürzt, wir weichen dann auf «10 vor 10» im Schweizer Fernsehen aus, wenn dort alles normal ist.

Man könnte ja auch früher ins Bett gehen, wenn alles durcheinander ist, aber hier halten wir es mit den beiden Eheleuten bei Loriot, die vor dem kaputten Fernseher sitzen und wo dann der folgende Dialog entsteht:
M: «Ich gehe nach den Spätnachrichten der Tagesschau ins Bett.»
F: «Aber der Fernseher ist doch kaputt.»
M: «Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe.»

Olympia also.
Ich kann dem irgendwie nichts abgewinnen.
Ich kann Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden verstehen, das hat ja noch eine Schönheit und Eleganz und zirzensische Qualität, ebenso kann ich Eishockey begreifen, das ist ein Mannschaftssport, wie Fussball oder Volleyball, was ich nicht verstehe, ist, dass Menschen stundenlang Leuten zugucken, die einen Eiskanal runterrasen, immer gleich aussehend, immer das gleiche Eis und am Ende ist irgendjemand 3/100 schneller als ein anderer. Da fehlt mir irgendwie ein Verstehens- und Leidenschafts-Gen.

Was ich verstehen kann, sind die Siegerehrungen.
Ich finde es so schön, dass es Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gibt. Dieses Siegertreppchen mit drei Höhen, aber eben mit drei, das ist schon Klasse.
Ist ja im täglichen Leben nicht so, da zählt immer nur der oder die Erste, da gibt es keinen zweiten und dritten Platz, da wird Silber und Bronze nicht verteilt.

In der Liebe zum Beispiel, da weiss Carla nicht, ob sie Jan oder Johan erhören soll, und lange scharwenzeln die beiden um die Carla herum, aber am Ende heiratet sie eben doch Jan (oder Johan) und Johan (oder Jan) hat das Nachsehen. Wird er sagen, dass er im Werben um die schöne Frau die Silbermedaille bekam? Wahrscheinlich nicht. Er wird – wie schon seit 100 Jahren der Verschmähte – sich davonstehlen und mit Mahler singen:
Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab’ ich meinen traurigen Tag!
Geh’ ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein!

Oder wie ist das bei Jobs? Hier könnte ich einiges erzählen, denn ich habe öfters die Silbermedaille bekommen, da konnte ich mir aber nix von kaufen. Ich bekam nicht einmal eine Urkunde: «Gratulation! Herr Rolf Herter hat in der Bewerbung um die Stelle als Musikdirektor in Bad Wulster den ehrenvollen 2. Platz belegt.» Nein, eine Arbeitsstelle bekommt der eine und der andere guckt in die Röhre.

Das ist also recht schön bei Olympia. So wie Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden.
Wenn sie jetzt noch mein Fernsehprogramm in Ruhe lassen, dann ist alles gut.







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 17. Februar 2026

Mein BMI - keine Internet-Medizin mehr, bitte

Ich habe neulich etwas getan, was ich schon ewig nicht mehr gemacht und wovor ich ein wenig Angst hatte: Ich bin auf meine Waage gestiegen. Es war mir klar, dass ich durch den Nikotinentzug zugenommen habe, allerdings sollte der Verzicht auf Alkohol ja dann wieder etwas Positives bringen, aber nichtsdestotrotz, es war klar, das Gewicht von vor 10 Jahren ist es nicht mehr…
Ich war dann sehr, sehr, sehr angenehm überrascht: 76,5 Kilogramm.
Nach alter Rechnung sind das (ich bin 178 cm gross) 1,5 Kilo unter Normalgewicht – und deutlich ÜBER Idealgewicht, aber à la bonne heure.

Aber im modernen System? Im BMI, im «Body Mass Index»?
Ich suchte mir einen BMI-Rechner, gab Grösse und Gewicht ein (wobei ich fairerweise AUFrundete, weil keine Kommastellen möglich waren) und erhielt den Wert von 24,3. Und erhielt die Warnung: Aufpassen, Rolf! Ganz nah am Übergewicht! Keine Schoggi mehr, keinen Kuchen und den Espresso ab jetzt ohne Zucker! Denn ab BMI 25 beginnt die Adipositas.

Ich maulte eine Weile vor mich hin, dann aber stutzte ich: War da nicht etwas mit Alter gewesen? Der Rechner hatte nur nach Grösse und Gewicht gefragt. Ich suchte also eine Alterstabelle, und siehe da: Im Alter von über 60 darf der BMI stramme 29 betragen. Also nix mit Schoggiverbot, Kuchenverbot, Zuckerverbot, alles im Grünen Bereich.

Wie kam es zu den unterschiedlichen Wertungen?
Nun, die Homepage, die einen BMI-Rechner MIT Alter enthält, war eine Seite des Institutes für Endokrinologie und Metabolismus der Universität Erlangen, die Homepage OHNE gehörte ORANG-UTAN-GYM®, einer Kette von Fitnesstempeln, die Studios in D, A, CH betreibt. Und natürlich sind die Leute des Institutes für Endokrinologie und Metabolismus der Universität Erlangen an einer seriösen Betrachtung interessiert, und die Leute von ORANG-UTAN-GYM® nur am Geldverdienen. Sie wollen dir das Folgende einreden: Ganz nah am Übergewicht! Keine Schoggi mehr, keinen Kuchen und den Espresso ab jetzt ohne Zucker! Und Fitness! Crosstrainern! Spinning! Abo bei uns!

Als ich über alles dies nachdachte, kam ich zu einer einfachen Forderung, um die explodierenden Gesundheitskosten zu senken:
Verbot von sämtlichen Hinweisen zu Gesundheit, Gewicht, Bewegung etc. im Internet, die nicht von Medizinern stammen.
Dies würde nämlich folgende Fälle verhindern:

Der 60jährige, der von Praxis zu Praxis rennt, dann endlich einen Arzt findet, der ihm ein Magenband legt, ein Magenband, das seinen BMI von gefährlichen 24,3 auf 19, 8 senkt – obwohl für Menschen in seinem Alter ein solcher BMI natürlich viel, viel, viel zu tief ist…

Die Frau, die umgekehrt viel zu spät zum Dermatologen geht, um ihren Nagelpilz zu zeigen, weil sie ein Jahr lang Kaffeesatz draufgekippt hat (wurde ihr auf Facebook und Insta empfohlen) und die Onychomykose sich unter dem Kaffee fröhlich weiterentwickelt hat…

Der 40jährige, der bei jedem, aber absolut jedem Symptom (juckende Nase, trockener Mund, Schwitzen etc.) eine Homepage findet, auf der das ein Zeichen für ein Karzinom ist und der nun von Apparat zu Apparat und von Tomographie zu Tomographie speeded. Neulich musste man ihm im Unispital Dresden klarmachen, dass sein Symptom xy zwar ein Anzeichen für ein Zervixkarzinom sein könnte, dass aber bei ihm ein Zervixkarzinom biologisch unmöglich sei…

Die ältere Dame, die auf der Website eines Tonika-Herstellers den Test «Fühle ich mich wie 30?» gemacht hat, und die nun ihren Hausarzt bestürmt, ihr die Vitamine A, B, C, F, G1, G3, G5 und H19 zu verschreiben…

Verbietet allen diesen Unsinn, diesen Internet-Quatsch, denn nur die Nachfrage bei meiner Hausärztin, ob ich abnehmen müsse, ob mein Nagelpilz durch Kaffee zu heilen sei, ob ich ein Zervixkarzinom habe und warum ich mich nicht mehr wie 60 fühle, allein diese Konsultationen kosten einen Haufen Geld.

Ich habe neulich etwas getan, was ich schon ewig nicht mehr gemacht hatte und wovor ich ein wenig Angst hatte: Ich bin auf meine Waage gestiegen. Ich war dann sehr, sehr, sehr angenehm überrascht: 76,5 Kilogramm.
Und so leichtfüssig schwebe ich – nicht zum Arzt, sondern von dannen.





 

 

Freitag, 13. Februar 2026

Königsnamen in den Epstein-Files: Über Sex und Krone

Um es gleich vorweg zu sagen, liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.

Nun gibt es allerdings innerhalb der einzelnen Königshäuser und Königsfamilien anscheinend Unterschiede in der Auffassung, was «Königssein» oder «Königinsein» bedeutet.
Das Spektrum reicht von einem Egbert,
der noch in der Stammestradition lebte und einfach derjenige war, der am besten kämpfte, dessen Schultern die breitesten und dessen Schwert das schärfste war, der am schnellsten rennen und am höchsten springen, am meisten saufen und fressen konnte und überhaupt der tollste Hecht war,
über einen Louis XIV.,
der als Sonne, als Fixstern, als uneingeschränkter Glanz in Versailles thronte, sich von 500 Musikern aufspielen liess, von 600 Köchen bewirten und von 700 Schneidern einkleiden, und der jede Kritik mit einem L'État, c'est moi oder einem Après nous le déluge hinwegfegte,
über einen Wilhelm II. von Württemberg,
der eigentlich mehr ein Grossbürger war, vom Schloss in ein kleines Palais umzog und jeden Morgen mit seinen Hunden im Park spazieren ging, wobei er von den hutlüpfenden Bürgern mit «Gude Morge, Herr Keenig» begrüsst wurde,
bis zu den modernen Königen und Königinnen,
die als Teil einer parlamentarischen oder konstitutionellen Monarchie nur repräsentieren und Gesetze unterschreiben, Parlamente eröffnen und sonst nichts zu sagen haben.

In den Epstein-Files tauchen nun Namen auf, Namen aus royalen Häusern und royalen Familien. Und das ist ein Skandal, aber nicht verwunderlich, nicht erstaunlich, denn der Zusammenhang zwischen Sex und Krone, Beischlaf und Macht ist sehr, sehr alt.
Und je nachdem, wo in der obigen Liste, wo im Spektrum die Leute sich vermuten, sieht es halt so oder so aus – anders formuliert: Manche sind aus der Zeit gefallen.

Ein Egbert hatte wahrscheinlich kein Problem mit Sexualität. Er war ja eh der Grösste, der Stärkste, Tollste, er war der, der am besten kämpfen und saufen konnte, er war «brave» und da war das Wort als «tapfer» noch nah am «bravus» (=wild) und noch nicht zum «brav» verkommen, und als Haudegen und Tapferster hatte er natürlich auch den Längsten, und er nahm sich, was er wollte. Wer versuchte, ihm zu wehren?
Louis XIV. und auch die anderen absolutistischen Könige hatten das alles schon klarer geregelt: Man(n) hatte eine Königin fürs Offizielle, für die Staatsgeschäfte und den Nachwuchs, den Erben, daneben hatte man eine deklarierte und titulierte, eine amtliche Geliebte, die Mätresse (im Falle Louis XV. die berühmte Madame de Pompadour, von der auch eigentlich erst das Sintflut-Zitat stammt), deren Kinder auch anerkannt wurden (und finanziell versorgt), alle Frauen und Mädchen daneben wurden verleugnet und ihre Kinder hatten das Nachsehen.
Wilhelm II. von Württemberg hätte bei einem Seitensprung, einer Affäre ein kleineres Problem gehabt, nicht nur, weil man im Grossbürgertum Stuttgarts nicht einfach so herummachte, auch, weil er als anständig galt…

Und heutige Königshäuser?
Ja, die sind eben Teil einer anderen Gesellschaft und Repräsentanten. Und als Repräsentantin oder Repräsentant eines anständigen Staates sollte man auch so agieren.
Man möchte allen Prinzen und Herzögen, allen Königen zurufen: Wenn eure Namen in den Files stehen, dann Schande über euch, ihr seid nicht mehr zeitgemäss! Ihr seid keine Egberts mehr, ihr seid keine Louis XIV. mehr, die Zeiten des Frühmittelalters und des Absolutismus sind vorbei.

Liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.

Wenn aber zu viele Namen in den Epstein-Files stehen, dann werde ich diese Meinung noch ändern.