Dienstag, 3. März 2026

Das Ulmer Münster ist nicht mehr die höchste Kirche!

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Ich habe Ulm in meinen Posts x-mal erwähnt. Das liegt nicht an einer totalen Ulm-Euphorie meinerseits, einer völligen Ulmophilie, das liegt vor allem an dem Umstand der Namenskürze. Manchmal schreibe ich nämlich poetisch statt «im Land X» «an den Flüssen A, B und C» oder «von Stadt Y bis Stadt Z», und wenn ich nun statt «in Baden-Württemberg» etwas schreiben will (und gerade keine Lust auf Flüsse habe), dann ist «von Calw bis Ulm» viel praktischer als «von Gschlachtenbretzingen bis Eggenstein-Leopoldshafen».

Im August 2023 habe ich aber doch einen ganzen Post der Stadt Ulm gewidmet, wir waren auf unserer Julireise von Schwäbisch Hall über die Ostalb kommend dort gelandet, um dann nach Stuttgart weiterzufahren. Und wurden vom Schwörmontag mit «Nabada» überrumpelt:

Und dann sind wir in Ulm. Und niemand hat uns gewarnt...
Da ich Stuttgarter bin, ist es erstaunlich, dass eine so wichtige Tradition in der Landeshauptstadt nicht bekannt war: Am vorletzten Montag im Juli schwört der Bürgermeister, dass er auch in den nächsten 12 Monaten der Stadt treu, fair und gut dienen wird...Am Nachmittag fahren dann viele, viele, viele, viele Boote, Schlauchboote, Holzboote, Gummiboote, Nachen, Kähne, geschmückt und ungeschmückt, mit Wimpeln und ohne, mit 1, 2, 3 oder 4 Leuten die Donau hinunter. Ein Riesenspektakel. Ein herrlicher Quatsch. Ein Klamauk sondergleichen. Das Nabada ist in seinen Vorläufern seit dem 19. Jahrhundert belegt...

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Ja, und diesem Superlativ galt der nächste Abschnitt im Post und das ist nun hinfällig: Ulm hat nicht mehr den höchsten Kirchturm der Welt. Die fiesen, gemeinen und hinterhältigen Katalanen haben an ihrer fiesen und gemeinen und hinterhältigen Kirche einfach gemein, hinterfotzig und rücksichtslos weitergebaut und nun ist die Sagrada Familia Um mehr als 10 Meter höher. 

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Aber die Ulmer haben es halt auch falsch gemacht: Höhe, Breite, Länge, Gewicht, Schnelligkeit und andere solche Sachen sind messbar. Und alle Superlative, die sich auf solche Werte beziehen, kann man toppen.
Sie hätten sich ein Beispiel an den Stuttgartern nehmen sollen. Die haben nicht den HÖCHSTEN Kirchturm, sondern den ÄLTESTEN Fernsehturm (ich habe neulich berichtet). Dieser Superlativ ist natürlich nie zu toppen, es sei denn man hätte eine Zeitmaschine. Bei Daten, die weit ins Mittelalter hineinreichen (ist beim Fernsehturm nicht der Fall) kann man immer noch mit Unschärfen und Ungenauigkeiten und Unbeweisbarkeiten arbeiten; so gibt es in jedem Land mehrere «älteste Gasthöfe», in England hat sogar gefühlt jeder zweite Ort den «Oldest Pub».

Genauso wunderbar sind gar nicht messbare Grössen wie Schönheit. Und da schiesst ein Ort, der gar nicht so weit von Ulm liegt, ja seit Jahren den Vogel ab. St. Peter und Paul in Steinhausen (Oberschwaben) ist die «schönste Dorfkirche der Welt». Behaupten die Steinhausener jedenfalls seit langer Zeit, so lange schon, dass niemand widerspricht.
Sie alle bekommen ja immer wieder irgendwelche Listen angeboten wie
Das sind die 10 schönsten Fachwerkstädte.
Das sind die 10 schönsten Dörfer.
Das sind die 10 schönsten Fischerorte.
Wer hat das eigentlich gemessen? Wer legt das fest? Wissen wir nicht…
Könnte Ulm jetzt das «schönste Münster» oder den «schönsten Kirchturm» für sich reklamieren?
Nein.
O nein.
Das haben die Breisgauer sich schon unter den Nagel gerissen.

Armes Ulm.
Die kleine Grossstadt an der Donau hat ihren wichtigsten Superlativ verloren.

Aber man könnte ja den «Ulmer Hocker» von Max Bill zum «schönsten Hocker der Welt» erklären.
Der Superlativ ist noch frei.





 

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