Freitag, 27. Februar 2026

Brainstorming bei der CDU

Im Bahnhof Solothurn gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bäckerstand, wir nennen ihn mal «Bäckerei Befler». Die Bäckerei Befler ist immer gut besucht, immer viel los und vor allem am Morgen (wenn ich meinen Lunch hole) ist immer eine riesengrosse Schlange. Dies liegt – meiner Meinung nach – an drei Faktoren:
- qualitativ gute Ware
- vernünftige Preise
- nettes Verkaufspersonal
Ich stelle mir vor, wie die Firma zu diesen Punkten gekommen ist; wahrscheinlich haben sie ein Brainstorming mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gemacht. Sie wissen doch, was ein Brainstorming ist? Ja? Ich habe es immerhin schon in vier Posts erwähnt. Also, bei einem Brainstorming wird alles aufgeschrieben, was einem zu einem Thema einfällt, unkommentiert, ungefiltert, ganz direkt, ganz schonungslos, um keinen Aspekt zu verlieren. Dann in einer zweiten Runde wird aussortiert. Ich stelle mir also das Ergebnis des Gehirnsturmes vor:

GA-Kunden gratis / Halbtax-Kunden gratis / GA-Kunden halber Preis / Halbtax-Kunden halber Preis / vegan / lactosefrei / Luftballons / vernünftige Preise / Valentins-Special / Halloween-Special / laute Musik / schöne Musik / Promis / Kaffeetrinken und Nails / Kaffeetrinken und Botox / nettes Personal / um 4.00 schon öffnen / um 4.30 öffnen / rund um die Uhr / alles rosa streichen / Bilder von lokalen Künstlern / Facebook / Insta / usw…usw…usw…usw…

Ja, und von dem Riesenbrainstorming ist dann eben das Trio «qualitativ gute Ware, vernünftige Preise, nettes Verkaufspersonal» übrig geblieben. Das nenne ich sinnvoll, alles Schräge und alles Absurde einmal denken, aber dann auf sehr handfeste gute Dinge kommen.

Auch die CDU hat ein solches Brainstorming gemacht. Ein Gedankensturm zum Thema: «Wie kriegen wir die Arbeitsmoral der Deutschen wieder ins Lot?» Es ist ja nun so, dass das Vorzeigeland bezüglich Fleiss und Eifer international ins Hintertreffen geraten ist. Die Leute arbeiten Teilzeit, sind ständig krank und spucken schon längst nicht mehr in die Hände, um das Bruttosozialprodukt zu steigern.
Was ergab nun das Brainstorming?

Bezahlte Krankheitstage abschaffen / Bezahlte Krankheitstage erst ab einer Woche / Telefonische Krankmeldung abschaffen / Teilzeit minimieren / von «Lifestyle-Teilzeit» reden / sichere Rente / Arbeitsmoral-Kampagne mit Anke Engelke / Bürgergeld kürzen / vernünftige Löhne / Bürgergeld streichen / Arbeitsmoral-Kampagne mit Angela Merkel / Arbeitsmoral-Kampagne mit Oliver Welke / Arbeitsmoral-Kampagne mit Bastian Pastewka / gutes Betriebsklima / Rente erst mit 70 / Rente erst mit 80 / usw…usw…usw…usw…

Ja, und dann hat man leider bei der Auswertung auf die falschen Dinge gesetzt. Denn hätte man zum Beispiel die südlichen Nachbarn befragt, warum sie so gerne in die Hände spucken und das BSP steigern und warum sie 8 Krankheitstage weniger als die nördlichen Nachbarn haben, dann hätten sie wahrscheinlich gesagt:
- vernünftige Löhne
- gutes Betriebsklima
- sichere Rente
So weit und so einfach. Wenn alle gerne zur Arbeit gehen, weil es ihnen dort gut geht und sie ordentlich verdienen und wenn man auch noch ein Rentensystem hat, das funktioniert, dann muss man nicht auf die Drückeberger schimpfen. Das Stichwort von der «Lifestyle-Teilzeit» ist so ein Wort, das Fritze wieder mal Stimmen und Sympathie kostet, ganz unnötigerweise. Ähnlich wie das Wort vom «Stadtbild».

Dabei sehe ich das Problem durchaus: Die Wirtschaft müsste in Gang kommen, um wieder Spass in die Arbeit und gute Löhne zu bringen, aber man brauchte Leute mit Spass, die man gut bezahlt, um die Wirtschaft in Schwung zu kriegen. Ein Catch22-Problem, ähnlich dem verpackten Messer, für dessen Verpackung man ein Messer bräuchte…

Im Bahnhof Solothurn gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bäckerstand, wir nennen ihn mal «Bäckerei Befler». Die Bäckerei Befler ist immer gut besucht, immer viel los und vor allem am Morgen (wenn ich meinen Lunch hole) ist immer eine riesengrosse Schlange. Vielleicht sollte die Chefin mal das deutsche Wirtschaftsministerium übernehmen. Schlechter könnte es ja nicht gehen.

Die Kampagne mit Anke Engelke gibt es übrigens wirklich. Aber nicht für die Arbeitsmoral – nein, für die Deutsche Bahn! Das wäre ja nun auch eine eigene Glosse wert…







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