Also…
Olympia ist ja schon ganz gut, aber…
Manchmal nervt es.
Zum Beispiel, wenn alle Fernsehgewohnheiten durcheinanderkommen. Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute, dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit». Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal» (oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich). Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.
Nun kommt dieses Arrangement während der Olympischen Winter- und Sommerspiele völlig durcheinander. Um 19.00 gibt es auf 3sat eine Ersatzsendung, meist «Im Flug über…», und ich weiss nicht, wie oft ich in den letzten Jahren schon über Andalusien geflogen bin, es müssen aber an die 50 Male gewesen sein. Dann wird die «Kulturzeit» zum Glück nicht tangiert, zum Glück, um 21.45 wird es dann wieder schwierig; das «heute Journal» ist schon vorbei, meistens eingequetscht ins Eishockey und verkürzt, wir weichen dann auf «10 vor 10» im Schweizer Fernsehen aus, wenn dort alles normal ist.
Man könnte ja auch früher ins Bett gehen, wenn alles durcheinander ist, aber hier halten wir es mit den beiden Eheleuten bei Loriot, die vor dem kaputten Fernseher sitzen und wo dann der folgende Dialog entsteht:
M: «Ich gehe nach den Spätnachrichten der Tagesschau ins Bett.»
F: «Aber der Fernseher ist doch kaputt.»
M: «Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe.»
Olympia also.
Ich kann dem irgendwie nichts abgewinnen.
Ich kann Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden verstehen, das hat ja noch eine Schönheit und Eleganz und zirzensische Qualität, ebenso kann ich Eishockey begreifen, das ist ein Mannschaftssport, wie Fussball oder Volleyball, was ich nicht verstehe, ist, dass Menschen stundenlang Leuten zugucken, die einen Eiskanal runterrasen, immer gleich aussehend, immer das gleiche Eis und am Ende ist irgendjemand 3/100 schneller als ein anderer. Da fehlt mir irgendwie ein Verstehens- und Leidenschafts-Gen.
Was ich verstehen kann, sind die Siegerehrungen.
Ich finde es so schön, dass es Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gibt. Dieses Siegertreppchen mit drei Höhen, aber eben mit drei, das ist schon Klasse.
Ist ja im täglichen Leben nicht so, da zählt immer nur der oder die Erste, da gibt es keinen zweiten und dritten Platz, da wird Silber und Bronze nicht verteilt.
In der Liebe zum Beispiel, da weiss Carla nicht, ob sie Jan oder Johan erhören soll, und lange scharwenzeln die beiden um die Carla herum, aber am Ende heiratet sie eben doch Jan (oder Johan) und Johan (oder Jan) hat das Nachsehen. Wird er sagen, dass er im Werben um die schöne Frau die Silbermedaille bekam? Wahrscheinlich nicht. Er wird – wie schon seit 100 Jahren der Verschmähte – sich davonstehlen und mit Mahler singen:
Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab’ ich meinen traurigen Tag!
Geh’ ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein!
Oder wie ist das bei Jobs? Hier könnte ich einiges erzählen, denn ich habe öfters die Silbermedaille bekommen, da konnte ich mir aber nix von kaufen. Ich bekam nicht einmal eine Urkunde: «Gratulation! Herr Rolf Herter hat in der Bewerbung um die Stelle als Musikdirektor in Bad Wulster den ehrenvollen 2. Platz belegt.» Nein, eine Arbeitsstelle bekommt der eine und der andere guckt in die Röhre.
Das ist also recht schön bei Olympia. So wie Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden.
Wenn sie jetzt noch mein Fernsehprogramm in Ruhe lassen, dann ist alles gut.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen