Freitag, 20. Februar 2026

Olympia nervt

Also…
Olympia ist ja schon ganz gut, aber…
Manchmal nervt es.

Zum Beispiel, wenn alle Fernsehgewohnheiten durcheinanderkommen. Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute, dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit». Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal» (oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich). Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.

Nun kommt dieses Arrangement während der Olympischen Winter- und Sommerspiele völlig durcheinander. Um 19.00 gibt es auf 3sat eine Ersatzsendung, meist «Im Flug über…», und ich weiss nicht, wie oft ich in den letzten Jahren schon über Andalusien geflogen bin, es müssen aber an die 50 Male gewesen sein. Dann wird die «Kulturzeit» zum Glück nicht tangiert, zum Glück, um 21.45 wird es dann wieder schwierig; das «heute Journal» ist schon vorbei, meistens eingequetscht ins Eishockey und verkürzt, wir weichen dann auf «10 vor 10» im Schweizer Fernsehen aus, wenn dort alles normal ist.

Man könnte ja auch früher ins Bett gehen, wenn alles durcheinander ist, aber hier halten wir es mit den beiden Eheleuten bei Loriot, die vor dem kaputten Fernseher sitzen und wo dann der folgende Dialog entsteht:
M: «Ich gehe nach den Spätnachrichten der Tagesschau ins Bett.»
F: «Aber der Fernseher ist doch kaputt.»
M: «Ich lasse mir von einem kaputten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich ins Bett zu gehen habe.»

Olympia also.
Ich kann dem irgendwie nichts abgewinnen.
Ich kann Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden verstehen, das hat ja noch eine Schönheit und Eleganz und zirzensische Qualität, ebenso kann ich Eishockey begreifen, das ist ein Mannschaftssport, wie Fussball oder Volleyball, was ich nicht verstehe, ist, dass Menschen stundenlang Leuten zugucken, die einen Eiskanal runterrasen, immer gleich aussehend, immer das gleiche Eis und am Ende ist irgendjemand 3/100 schneller als ein anderer. Da fehlt mir irgendwie ein Verstehens- und Leidenschafts-Gen.

Was ich verstehen kann, sind die Siegerehrungen.
Ich finde es so schön, dass es Gold-, Silber- und Bronzemedaillen gibt. Dieses Siegertreppchen mit drei Höhen, aber eben mit drei, das ist schon Klasse.
Ist ja im täglichen Leben nicht so, da zählt immer nur der oder die Erste, da gibt es keinen zweiten und dritten Platz, da wird Silber und Bronze nicht verteilt.

In der Liebe zum Beispiel, da weiss Carla nicht, ob sie Jan oder Johan erhören soll, und lange scharwenzeln die beiden um die Carla herum, aber am Ende heiratet sie eben doch Jan (oder Johan) und Johan (oder Jan) hat das Nachsehen. Wird er sagen, dass er im Werben um die schöne Frau die Silbermedaille bekam? Wahrscheinlich nicht. Er wird – wie schon seit 100 Jahren der Verschmähte – sich davonstehlen und mit Mahler singen:
Wenn mein Schatz Hochzeit macht,
Fröhliche Hochzeit macht,
Hab’ ich meinen traurigen Tag!
Geh’ ich in mein Kämmerlein,
Dunkles Kämmerlein!

Oder wie ist das bei Jobs? Hier könnte ich einiges erzählen, denn ich habe öfters die Silbermedaille bekommen, da konnte ich mir aber nix von kaufen. Ich bekam nicht einmal eine Urkunde: «Gratulation! Herr Rolf Herter hat in der Bewerbung um die Stelle als Musikdirektor in Bad Wulster den ehrenvollen 2. Platz belegt.» Nein, eine Arbeitsstelle bekommt der eine und der andere guckt in die Röhre.

Das ist also recht schön bei Olympia. So wie Eiskunstlauf und Eistanzen und auch Freestyle-Skiing und Snowboarden.
Wenn sie jetzt noch mein Fernsehprogramm in Ruhe lassen, dann ist alles gut.







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 17. Februar 2026

Mein BMI - keine Internet-Medizin mehr, bitte

Ich habe neulich etwas getan, was ich schon ewig nicht mehr gemacht und wovor ich ein wenig Angst hatte: Ich bin auf meine Waage gestiegen. Es war mir klar, dass ich durch den Nikotinentzug zugenommen habe, allerdings sollte der Verzicht auf Alkohol ja dann wieder etwas Positives bringen, aber nichtsdestotrotz, es war klar, das Gewicht von vor 10 Jahren ist es nicht mehr…
Ich war dann sehr, sehr, sehr angenehm überrascht: 76,5 Kilogramm.
Nach alter Rechnung sind das (ich bin 178 cm gross) 1,5 Kilo unter Normalgewicht – und deutlich ÜBER Idealgewicht, aber à la bonne heure.

Aber im modernen System? Im BMI, im «Body Mass Index»?
Ich suchte mir einen BMI-Rechner, gab Grösse und Gewicht ein (wobei ich fairerweise AUFrundete, weil keine Kommastellen möglich waren) und erhielt den Wert von 24,3. Und erhielt die Warnung: Aufpassen, Rolf! Ganz nah am Übergewicht! Keine Schoggi mehr, keinen Kuchen und den Espresso ab jetzt ohne Zucker! Denn ab BMI 25 beginnt die Adipositas.

Ich maulte eine Weile vor mich hin, dann aber stutzte ich: War da nicht etwas mit Alter gewesen? Der Rechner hatte nur nach Grösse und Gewicht gefragt. Ich suchte also eine Alterstabelle, und siehe da: Im Alter von über 60 darf der BMI stramme 29 betragen. Also nix mit Schoggiverbot, Kuchenverbot, Zuckerverbot, alles im Grünen Bereich.

Wie kam es zu den unterschiedlichen Wertungen?
Nun, die Homepage, die einen BMI-Rechner MIT Alter enthält, war eine Seite des Institutes für Endokrinologie und Metabolismus der Universität Erlangen, die Homepage OHNE gehörte ORANG-UTAN-GYM®, einer Kette von Fitnesstempeln, die Studios in D, A, CH betreibt. Und natürlich sind die Leute des Institutes für Endokrinologie und Metabolismus der Universität Erlangen an einer seriösen Betrachtung interessiert, und die Leute von ORANG-UTAN-GYM® nur am Geldverdienen. Sie wollen dir das Folgende einreden: Ganz nah am Übergewicht! Keine Schoggi mehr, keinen Kuchen und den Espresso ab jetzt ohne Zucker! Und Fitness! Crosstrainern! Spinning! Abo bei uns!

Als ich über alles dies nachdachte, kam ich zu einer einfachen Forderung, um die explodierenden Gesundheitskosten zu senken:
Verbot von sämtlichen Hinweisen zu Gesundheit, Gewicht, Bewegung etc. im Internet, die nicht von Medizinern stammen.
Dies würde nämlich folgende Fälle verhindern:

Der 60jährige, der von Praxis zu Praxis rennt, dann endlich einen Arzt findet, der ihm ein Magenband legt, ein Magenband, das seinen BMI von gefährlichen 24,3 auf 19, 8 senkt – obwohl für Menschen in seinem Alter ein solcher BMI natürlich viel, viel, viel zu tief ist…

Die Frau, die umgekehrt viel zu spät zum Dermatologen geht, um ihren Nagelpilz zu zeigen, weil sie ein Jahr lang Kaffeesatz draufgekippt hat (wurde ihr auf Facebook und Insta empfohlen) und die Onychomykose sich unter dem Kaffee fröhlich weiterentwickelt hat…

Der 40jährige, der bei jedem, aber absolut jedem Symptom (juckende Nase, trockener Mund, Schwitzen etc.) eine Homepage findet, auf der das ein Zeichen für ein Karzinom ist und der nun von Apparat zu Apparat und von Tomographie zu Tomographie speeded. Neulich musste man ihm im Unispital Dresden klarmachen, dass sein Symptom xy zwar ein Anzeichen für ein Zervixkarzinom sein könnte, dass aber bei ihm ein Zervixkarzinom biologisch unmöglich sei…

Die ältere Dame, die auf der Website eines Tonika-Herstellers den Test «Fühle ich mich wie 30?» gemacht hat, und die nun ihren Hausarzt bestürmt, ihr die Vitamine A, B, C, F, G1, G3, G5 und H19 zu verschreiben…

Verbietet allen diesen Unsinn, diesen Internet-Quatsch, denn nur die Nachfrage bei meiner Hausärztin, ob ich abnehmen müsse, ob mein Nagelpilz durch Kaffee zu heilen sei, ob ich ein Zervixkarzinom habe und warum ich mich nicht mehr wie 60 fühle, allein diese Konsultationen kosten einen Haufen Geld.

Ich habe neulich etwas getan, was ich schon ewig nicht mehr gemacht hatte und wovor ich ein wenig Angst hatte: Ich bin auf meine Waage gestiegen. Ich war dann sehr, sehr, sehr angenehm überrascht: 76,5 Kilogramm.
Und so leichtfüssig schwebe ich – nicht zum Arzt, sondern von dannen.





 

 

Freitag, 13. Februar 2026

Königsnamen in den Epstein-Files: Über Sex und Krone

Um es gleich vorweg zu sagen, liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.

Nun gibt es allerdings innerhalb der einzelnen Königshäuser und Königsfamilien anscheinend Unterschiede in der Auffassung, was «Königssein» oder «Königinsein» bedeutet.
Das Spektrum reicht von einem Egbert,
der noch in der Stammestradition lebte und einfach derjenige war, der am besten kämpfte, dessen Schultern die breitesten und dessen Schwert das schärfste war, der am schnellsten rennen und am höchsten springen, am meisten saufen und fressen konnte und überhaupt der tollste Hecht war,
über einen Louis XIV.,
der als Sonne, als Fixstern, als uneingeschränkter Glanz in Versailles thronte, sich von 500 Musikern aufspielen liess, von 600 Köchen bewirten und von 700 Schneidern einkleiden, und der jede Kritik mit einem L'État, c'est moi oder einem Après nous le déluge hinwegfegte,
über einen Wilhelm II. von Württemberg,
der eigentlich mehr ein Grossbürger war, vom Schloss in ein kleines Palais umzog und jeden Morgen mit seinen Hunden im Park spazieren ging, wobei er von den hutlüpfenden Bürgern mit «Gude Morge, Herr Keenig» begrüsst wurde,
bis zu den modernen Königen und Königinnen,
die als Teil einer parlamentarischen oder konstitutionellen Monarchie nur repräsentieren und Gesetze unterschreiben, Parlamente eröffnen und sonst nichts zu sagen haben.

In den Epstein-Files tauchen nun Namen auf, Namen aus royalen Häusern und royalen Familien. Und das ist ein Skandal, aber nicht verwunderlich, nicht erstaunlich, denn der Zusammenhang zwischen Sex und Krone, Beischlaf und Macht ist sehr, sehr alt.
Und je nachdem, wo in der obigen Liste, wo im Spektrum die Leute sich vermuten, sieht es halt so oder so aus – anders formuliert: Manche sind aus der Zeit gefallen.

Ein Egbert hatte wahrscheinlich kein Problem mit Sexualität. Er war ja eh der Grösste, der Stärkste, Tollste, er war der, der am besten kämpfen und saufen konnte, er war «brave» und da war das Wort als «tapfer» noch nah am «bravus» (=wild) und noch nicht zum «brav» verkommen, und als Haudegen und Tapferster hatte er natürlich auch den Längsten, und er nahm sich, was er wollte. Wer versuchte, ihm zu wehren?
Louis XIV. und auch die anderen absolutistischen Könige hatten das alles schon klarer geregelt: Man(n) hatte eine Königin fürs Offizielle, für die Staatsgeschäfte und den Nachwuchs, den Erben, daneben hatte man eine deklarierte und titulierte, eine amtliche Geliebte, die Mätresse (im Falle Louis XV. die berühmte Madame de Pompadour, von der auch eigentlich erst das Sintflut-Zitat stammt), deren Kinder auch anerkannt wurden (und finanziell versorgt), alle Frauen und Mädchen daneben wurden verleugnet und ihre Kinder hatten das Nachsehen.
Wilhelm II. von Württemberg hätte bei einem Seitensprung, einer Affäre ein kleineres Problem gehabt, nicht nur, weil man im Grossbürgertum Stuttgarts nicht einfach so herummachte, auch, weil er als anständig galt…

Und heutige Königshäuser?
Ja, die sind eben Teil einer anderen Gesellschaft und Repräsentanten. Und als Repräsentantin oder Repräsentant eines anständigen Staates sollte man auch so agieren.
Man möchte allen Prinzen und Herzögen, allen Königen zurufen: Wenn eure Namen in den Files stehen, dann Schande über euch, ihr seid nicht mehr zeitgemäss! Ihr seid keine Egberts mehr, ihr seid keine Louis XIV. mehr, die Zeiten des Frühmittelalters und des Absolutismus sind vorbei.

Liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.

Wenn aber zu viele Namen in den Epstein-Files stehen, dann werde ich diese Meinung noch ändern.



















 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 10. Februar 2026

Happy Birthday, Fernsehturm!

Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!

Als ich neulich las, dass du siebzig wirst, bin ich erschrocken. So alt bist du schon? So alt? Dann aber musste ich innehalten: Du warst ja immer da, seit ich denken kann, also musstest du ja älter als meine 60 sein. Ja, ich bin auch schon sechzig Lenze, 720 Monate alt, eine Tatsache, die ich auch oft verdränge.
Du warst immer da, du als grösster und wichtigster im Trio auf den östlichen Höhen, die mein Vater mir immer zeigte: Fernsehturm – Fernmeldeturm – Polizeifunkturm. (und ich gehöre zu den ganz wenigen Menschen, die auch den mittleren besichtigt haben, denn dort durften nur Fachleute rauf, und mein Dad war ja Fernmeldeingenieur, auf den Polizeiturm liess man natürlich niemand.)

Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!

Am 5. Februar 1956 wurdest du eingeweiht. Und damit bist du der älteste. Der erste in dieser Betonbauweise. Der älteste der Welt.
Inzwischen sind viele höher und breiter und toller und sendestärker, und der am Alexanderplatz ist natürlich viel bekannter.
Aber wir Schwaben haben es erfunden!
Wie ja viele andere Dinge auch, den Benzinmotor, die Zündkerze, den Teddybär, die Seifenblase, den Plastikdübel und – wenn man den neuesten archäologischen Forschungen glauben mag – auch die Nudel.

Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!

Nun schwillt heute ALLEN Stuttgarterinnen und Stuttgartern die Brust, wenn sie an «ihren» Turm denken, damals war das aber ganz, ganz, ganz anders. Als die Pläne Anfang der 50er-Jahre auftauchten, da gab es am Neckar und im Talkessel und auf den Höhen vor allem ein Gefühl:
Angst.
Panik.
Die Bauweise mit breitem Fundament und ganz schmalem Turm, die war einem nicht geheuer, und als man dann noch erfuhr, dass die Kanzel im Wind mehrerer Meter schwankt, da sah man das Schlimmste: Das Ding wird stürzen, umkippen, Menschen und Tiere töten und auf Häusle fallen und Gärtle und Dächle zertrümmern. Nein, da war keine Begeisterung.
Der neulich mit 101 verstorbene wunderbare Walter Schultheiss hat in einem Sketch mit seinem Kollegen Oscar Müller gespielt, in dem er als oberängstlicher Schwabe sich vom eher fortschrittlichen partout nicht auf den Turm locken lassen will. Der zentrale Satz lautet: «Trauschd du däm Dänger?
Nein, viele trauten ihm nicht, was ihn aber nicht hinderte, zum Wahrzeichen zu werden.

Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!

Ich sage es nur zögerlich, aber es stimmt doch: Gelegentlich habe ich Heimweh nach dir. Möchte ich im Tal stehen und zu dir hochschauen, und dann zur Ruhebank fahren, zu dir hinlaufen, mit dem Lift hoch und dann aufs Tal hinunter und in die Weite gucken. Heimweh nach dir. Und das, obwohl ich in einer so schönen Stadt lebe, mit einem (auch) fantastischen Wahrzeichen, das viel, viel, viel älter ist als du. Aber vielleicht ist gelegentliches Heimweh auch eine völlig normale Empfindung…

Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Und auf viele weitere Jahre. Ich hoffe ja, deinen 100. noch zu erleben, ich bin dann erst 90.









Freitag, 6. Februar 2026

Stehen Sie in den Epstein-Files?



Gehören Sie eigentlich dazu?
Ich meine, gehören Sie WIRKLICH dazu? Zum Jet-Set? Zu den oberen Zehntausend? Sind Sie in? Ein It-Mensch? Und wenn, zu welchem Jet-Set, zu welcher High Society gehören Sie? Zur regionalen? Zur nationalen? Zur internationalen?
Das sind doch so Fragen…

Jemand hat mir neulich einen kleinen Fragenkatalog zugesandt, der prüfen sollte, ob ich dazugehöre:
- Welche **********Hotels haben Sie in der Kartei?
- Für welche Anlässe haben Sie eine VIP-Karte?
- Welche Coiffeure nehmen Sie ohne Termin?
- In welchen Häfen haben Sie Ihre Jachten?
- Mit welchen Staatsoberhäuptern sind Sie per Du?
- Von welchen Stars haben Sie die privaten Handynummern?




Ich muss da natürlich fast überall passen. Ich kann mir keine **********Hotels leisten, also bin auch nirgendwo in der Kartei, ich habe keine VIP-Karten (doch, mein Partner für die ART Basel, aber zählt das?), mein Coiffeur nimmt mich ohne Termin (ist aber ein günstiger indischer Barbier im Gundeldingen-Quartier), Jachten habe ich keine und duze keine Staatschefs. Ich habe die Handynummern einiger Opernregisseure und Dirigenten – aber sind das Stars?

Die letzte Frage des Kataloges aber, die rüttelte mich wach, schockierte mich und machte mich sehr stutzig:
- Taucht Ihr Name in den Epstein-Files auf?

Um es gleich vorweg zu sagen: Mein Name steht dort nicht, und wenn doch ein Rolf Herter dort stünde, dann wäre das ein Namensvetter und nicht ich, und das aus zwei Gründen, erstens mache ich mir nichts aus jungen Frauen (übrigens auch aus alten nichts, Frauen sind gar nicht mein Ding), zweitens bin ich anständig.

Was mich so schockiert ist, dass die Epstein-Files so ein bisschen ein Who's Who sind. Dort findet man alle, die in sind, die dazugehören, die It-Menschen, den Jet-Set, weniger den regionalen und nationalen, mehr den internationalen, dort findet man die High Society:
Könige und Prinzen und Staatsoberhäupter
CEOs von Finanz- und Hightechunternehmen
Herren aus Wissenschaft und Kultur
aber auch Damen, die zwar keinen Sex suchten, aber doch Macht und Einfluss.

Das Groteske ist auch, dass sich nun Kontrahenten und Gegner im gleichen Skandal wiederfinden. So finden wir sowohl Donald Trump als auch seine Gegnerin der vorvorletzten Wahlen, Hillary Clinton, deren Göttergatte und Expräsident Bill ja anscheinend nicht nur im Oval Office herumhurte. (Das hat er übrigens Donny voraus…)

Die Anzahl und Reichweite der Namen sind erschreckend. Das Teuflische ist aber, dass durch die Masse der genannten Personen eine Nivellierung eintritt. Dass so viele in den Files stehen, sei schrecklich, denkt man, es macht es aber wieder auf eine diabolische Weise normal. Wenn ALLE dort stehen, dann ist es eben nicht mehr so schlimm, was passierte, weil es ja ALLE machen: «Er hat bei der Steuer gemogelt.» «Machen doch ALLE.» «Er hat immer falsch parkiert.» «Machen doch ALLE.» «Er hat seinen Müllsack immer zu früh rausgestellt.» «Machen doch ALLE.» «Er hatte Sex mit Minderjährigen.» «Machen doch ALLE.»

Gehören Sie eigentlich dazu?
Ich meine, gehören Sie WIRKLICH dazu? Zum Jet-Set? Zu den oberen Zehntausend? Sind Sie in? Ein It-Mensch? Und wenn, zu welchem Jet-Set, zu welcher High Society gehören Sie? Zur regionalen? Zur nationalen? Zur internationalen?

Die Frage ist, ob Sie in den Epstein-Files stehen.
Aber vielleicht wollen Sie dann lieber nicht dazugehören…






Dienstag, 3. Februar 2026

Die Bahnhofskirche

Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.

Und er meint nicht die praktischen Städte, in denen man den Dom gleich neben den Bahnhof gebaut hat, so wie in Köln («…wir könnten doch gleich neben dem HBF eine Kirche bauen, wäre doch ganz sinnvoll…»), und er meint auch nicht ein Bauwerk, wie es Ende im «Spiegel im Spiegel» beschreibt:

… die Bahnhofskathedrale stand auf einer grossen Scholle aus schiefergrauem Gestein, die durch den leeren, dämmernden Raum dahinschwebte…ein babylonisches Bauwerk von verwirrenden Ausmassen, noch lange nicht fertig, wie die vielen Gerüste erkennen liessen. Aus den filigranartig durchbrochenen Mauern strahlte und glitzerte Licht…

Also nicht eine Kirche, die wie ein Bahnhof aussieht, oder ein Bahnhof, der wie eine Kirche aussieht (trotz aller Ähnlichkeiten).
Nein.
Eine Kirche im Bahnhof.

Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.

Nun gibt es ja die Bahnhofsmission, oder ähnliche Einrichtungen, aber die widmen sich ja eher karitativen Aufgaben. Ich habe übrigens schlechte Erfahrungen mit der Bahnhofsmission gemacht; die Dame, die man uns ans Gleis schickte, als ich mit meiner damaligen Frau, die sich einen Bänderriss zugezogen hatte, wollte nicht unser Gepäck transportieren, konnte keinen Fahrplan lesen und durfte nicht medizinisch helfen. Was sie wollte und durfte, war das Unterstützen meiner Frau beim Treppenlaufen, das aber lehnten wir ab, wer stützt sich auf eine 75-jährige Dame, wenn man mit einem Bein die Stiege hinabhüpft?
Aber ich schweife ab.

Die Idee ist eine Kirche, Kapelle, ein Dom, eine Kathedrale, ein Dom, ein Andachtsraum in jedem Bahnhof.
Wie jener Priester meint, gibt es zwei Voraussetzungen, dass Menschen in einen Gottesdienst, zu einem Rosenkranz oder in die Beichte gehen:
* Sie haben Zeit.
* Sie sind in einer Notlage.
Und beide Bedingungen sind auf allen deutschen Bahnhöfen gegeben.

Stellen Sie sich vor, Sie sind von Lübeck nach Tübingen unterwegs. Kommt ja vor. Und nun hat ihr Regionalzug von Lübeck HBF nach Hamburg HBF deutlich Verspätung, kommt ja auch vor. Der durchgehende ICE an den Neckar ist weg. Und man hat zwei Möglichkeiten: In einer Stunde eine Verbindung mit 2x Umsteigen oder in zwei Stunden eine ohne. Die gleiche Kiste könnte übrigens auch in Stuttgart passieren, wenn alles bis Stuttgart HBF glatt läuft.
Sie haben nun also zwei Stunden Zeit. Und Sie sind verzweifelt, in Not, Sie haben Gebetsanliegen und Fürbittensprüche.
Was läge also näher, als eine Bahnhofskirche aufzusuchen?

Spintisieren wir also ein wenig herum:
Am 30. November 2031 werden in 30 deutschen Bahnhöfen Kirchen eingeweiht, der Tag ist ideal, ist es doch der Tag des Heiligen Andreas, des Apostels der Eisenbahner, aber auch der 1. Advent (Advent gleich «Ankunft» ist ja ein zentrales Thema der Bahn). Gepredigt wird über Lukas 7, 19 über jenen Satz, den man ja jedem ankommenden Zug entgegenrufen möchte: «Bist du, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?» 

Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.

Ich auch.







Freitag, 30. Januar 2026

Warum muss ich alle Handygespräche mitbekommen?

In der Bahnhofskirche im Bahnhof Basel SBB gibt es einen sogenannten «Sorgenstock». In diesen Kasten kann man Zettel mit allen möglichen Anliegen hineinwerfen, Anliegen, die dann in einem Gottesdienst (hier oder in einer der umliegenden Kirchen) in den Fürbitten genannt werden.
Alles ist hier möglich, von guten Schulnoten bis zu Zahnschmerzen, vom Kinderwunsch bis zum Frieden auf der Welt, von der Rettung der Wale bis zu mehr Glück und Gesundheit für die alten Tante.

Ich bin froh, dass es die Bahnhofskirche im Bahnhof Basel SBB gibt, und ich bin froh, dass es diesen Sorgenstock gibt, denn ich fülle ihn nach jeder Fahrt mit Zettelchen und Zetteln, mit Papierlein und Papieren.
Nicht, dass ich so viele Sorgen hätte, nein, wo denken Sie hin!
Auf meinen Zetteln steht zum Beispiel:

HERR, schenke, dass der Unbekannte, der es nicht schafft, das Video der Politikerin so zu schalten, dass ihr Name richtig erscheint, weil er den Zugriff auf den Video-Account falsch gelegt hat, seine Sache in den Griff bekommt, und das Video mit dem richtigen Namen unterlegt wird und die Beschwerden aufhören.

HERR, schenke, dass der Mitarbeiter der Firma ATACOM AG, dem die magere strenge blonde HR-Tante verzweifelt zu erklären versucht, DASS und auch WARUM die ATACOM AG sich von ihm trennen muss, sich nicht weiter quer stellt, sondern einsichtig und reumütig geht und zur RAV trabt und neue Stellen sucht.

HERR, schenke, dass der junge Mann, der seinen Rucksack im Zug nach Bern liegen liess, und dem man sagte, dieses Gepäckstück sei in Basel, wo es aber nicht war, und der jetzt aufgeregt herumtelefoniert, seinen Rucksack wiederfindet.

HERR, schenke, dass der Werbekampagnen-Vorschlag, dessen Präsentation schon in einer Woche sein wird, angenommen wird, obwohl weder das Budget, noch die Idee, noch ein Arbeitsplan, noch irgendwelche Details klar sind, und dass der Kunde begreift, warum ein Schokoriegel unbedingt, und ohne Zweifel, und absolut notwendig von einem Tintenfisch angepriesen werden muss.

Nun werden Sie sich fragen, wie ich zu diesen Informationen komme. Ist der Video-Untertitel-Mensch auf mich zugegangen? Hat die magere strenge blonde HR-Schnepfe ihr Leid ausgeschüttet? Hat mir der junge Mann die Rucksack-Geschichte erzählt? Hat der Werber mir eine SMS geschrieben?
Nein.
Nein.
Es ist so:
Ich sitze, nachdem ich zwischen Solothurn und Olten in der S 20 einen ausgiebigen Mittagsschlaf gehalten habe, im IC Olten-Basel und gönne mir im Restaurant einen Doppio. Das ist so ein bisschen «Ferien im Alltag» und Lebensqualität, dasitzen, lesen, hinausschauen und entspannen. Nun sitzen eben auch ganz viele andere Menschen dort, viele mit Handy oder Laptop oder Tablet, alle mit Kopfhörer und telefonieren.
Laut.
Unüberhörbar.
Deutlich.
Ich höre nur diese Menschen, nicht ihre Gesprächspartner, aber der Inhalt der Unterredungen ist doch ganz klar. Früher flüsterten solche Personen in ein kleines Mikro, aber das ist out, unmodern, nicht mehr en vogue. Man tut es laut. Und so bekomme ich das alles mit, und dann schreibe ich die Anliegen auf Zettel…

In der Bahnhofskirche im Bahnhof Basel SBB gibt es einen sogenannten «Sorgenstock». In diesen Kasten kann man Zettel mit allen möglichen Anliegen hineinwerfen.
Ich bin froh, dass es die Bahnhofskirche im Bahnhof Basel SBB gibt, und ich bin froh, dass es diesen Sorgenstock gibt, denn ich fülle ihn nach jeder Fahrt mit Zettelchen und Zetteln, mit Papierlein und Papieren.
Und das ist gut so, ich müsste den Gedankenkram sonst mit nach Hause nehmen.

P.S. Die Bahnhofskirche ist natürlich eine Erfindung.
Wäre aber doch eine gute Idee.