Achtung beim Strasse überqueren
In den Niederlanden musst man immer schon aufpassen, wenn man von einer Strassenseite auf die andere wollte.
Fahrräder!
Oder wie die Niederländer sagen: Fietsen!
Die Vorliebe von Jan und Grit, Piet und Antje für dieses Verkehrsmittel liegt an der Geographie, das Königreich der Niederlande ist flach. Jeder Bürger und jede Bürgerin dieses Landes, Jan und Grit, Piet und Antje besitzen im Durschnitt drei Fietsen, sodass zwischen Arnhem und Rotterdam ca. 54 Millionen Dinger herumrasen.
Aber wir waren ja am Strassenrand – und stehen an dem Streifen, den ich getrost als «Todesstreifen» bezeichnen würde, denn wer ihn unbewacht betritt, hat kaum Überlebenschancen. Es sind nämlich inzwischen nicht nur die Fietsen, die von rechts ohne Gnade angerast kommen, es sind viele verschiedene Gefährte:
* Bakfietsen (das sind die Velos mit dem Kuhfänger, die angeblich zum Transport von Kindern gebraucht werden, in Wirklichkeit hat dieser Kuhfänger allein die Funktion, fussgehenden Menschen möglichst schlimme Verletzungen zuzufügen)
* Trottinetts – und ihre wesentlich tödlichere Variante, die E-Trottinetts
* High-Tech-Rollstühle, die eine Geschwindigkeit von 120 km/h erreichen können
Nein, bevor man diesen Streifen betritt, sollte man ein Stossgebet gen Himmel richten und sich vergewissern, dass die Lebensversicherung bezahlt ist…
Gratis Getränke im Concertgebouw
Wir geniessen einen wunderbaren Konzertabend im Kleinen Saal des Concertgebouw in Amsterdam (Klavierquintette von Schumann und Dvořák mit herrlich inspiriert spielenden jungen Musikern). In der Pause stehen ganz viele Tabletts mit Getränken herum, Weisswein, Rotwein, Mineralwasser und Orangensaft. Und irgendwie scheint auch fast jeder und jede ein Glas in der Hand zu haben. Ich bin mir sicher, dass das so eine Freunde-des-Concertgebouws-Pausen-Trinken-Sache ist, aber mein Mann, der sehr Lust auf einen Orangenjus hat, drängt mich, der Sache nachzugehen. «Sorry», spreche ich eine ältere Dame an, «zijn de dranken helemaal gratis?» «Natuurlijk», antwortet sie, «u heeft dat met het ticket betaald.»
Das ist doch nun einmal eine grossartige Sache: Die Ticketpreise (mit 45,-- eh schon sehr, sehr, sehr moderat) beinhalten Getränk, und zwar nicht EIN Getränk, sondern «all you can drink». Ich habe so etwas noch nirgendwo erlebt, und gerade in Basel kostet die Pausenverpflegung ein Vermögen. Wir sollten diese niederländische Variante also unbedingt bei uns einführen.
Vielleicht könnte man auch so mehr junges Publikum anlocken: «Leute, ihr müsst zweimal 40 Minuten so langweilige Kammermusik ertragen, aber in der Pause dürft ihr saufen, saufen so viel ihr wollt…»
Die Gaben der Länder im Vredespaleis
Ich bin zum dritten Male im Vredespaleis, jenem wunderschönen Gebäude, das die beiden internationalen Gremien beherbergt, das Internationale Schiedsgericht und den Internationalen Gerichtshof (nicht den ICC, das ist woanders). Sie kennen sicher das historistische Bauwerk mit dem Turm aus «heute» und «Tagesschau».
Während die beiden vorigen Führungen sehr stark das Sponsoring des Milliardärs Carnegie betonten, sodass man das Gefühl bekam, er habe ALLES bezahlt, rückte unsere Guide dieses Mal die Gaben der Länder in den Fokus. Jedes Land (fast jedes) hat nämlich etwas gestiftet, und WAS die Nationen gaben, ist sehr lustig:
Die Niederländer stifteten den Grund und Boden.
Die Schweizer schenkten die Uhr im Turm. (Wer hätte es gedacht…)
Die Italiener gaben den Marmor.
Dänemark, dieser Wasser- und Inselchenstaat, zahlte den Springbrunnen.
Und was gaben die Deutschen? Das, was preussische Ordnung und teutonische Strukturiertheit zeigt: Den Zaun, der um das Gebäude geht.
Wie dem auch sei: Die Idee des Vredespaleis, Reden statt Schiessen, wäre heute so nötig wie nie zuvor…
Am Freitag noch mehr Storys aus Den Haag.