Am 24. September wurde mit grossem Pomp und Gesang und Wagner und rotem Teppich die Kölner Oper wiedereröffnet. Was für ein Fest! Was für ein Anlass! Der Opernchor sang – in bunte Kostüme aus dem Fundus gehüllt – den «Einzug der Gäste» aus dem «Tannhäuser»:
Freudig begrüssen wir die edle Halle,
wo Kunst und Frieden immer nur verweil,
wo lange noch der frohe Ruf erschalle:
Thüringens Fürsten, Landgraf Hermann, Heil!
Schön gesungen, schön gesagt. Aber wäre nicht die Arie der Elisabeth aus dem gleichen Akt, aus dem gleichen Stück und in den gleichen Halle stattfindend, viel passender gewesen?
Dich, teure Halle, grüss' ich wieder,
froh grüss' ich dich, geliebter Raum!
In dir erwachen seine Lieder,
und wecken mich aus düstrem Traum.
Sehr passend! Denn TEUER ist der Bau mit 1500000000 Euro (ich lasse die Strichlein immer bewusst weg, weil es so viel üppiger aussieht, in Worten sind es 1,5 Milliarden) geworden, und vom «düstren Traum» zu singen ist auch schön, denn die Renovation des Hauses war ein Alptraum. Und brauchte 11 Jahre länger als geplant. Verschleppung, mangelnde Kontrolle, keine Bauaufsicht, Mängel, Verwitterung, die man zu spät erkannte und Pfusch, Pfusch, Pfusch, Pfusch.
Aber vergessen! Vergessen! Bei so einem schönen Festakt, bei so viel Wagner und Pomp und Gesang, bei Schnittchen und Sekt, bei rotem Teppich und Scheinwerfern, da vergisst man doch alle Mühe und alle Kosten.
Nun gibt es aber noch mehr Opernhäuser in Deutschland (über 80) und einige stehen zur Renovierung an. Und – ich sagte es schon öfter – es ist toll, dass es da so viel Theater gibt. Was ich im Februar 2012 nach einer Opernpremiere in Trier schrieb, war ironisch gemeint:
Wie ich am Ende meines letzten Posts sagte, hätte der Abend in Trier auch in anderen Städten stattfinden können. Oder anders formuliert: Der Theater-Trier-Reisende kann auch in Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Mainz oder Koblenz aussteigen und eine genauso interessante und schöne Opernvorstellung geniessen. Oder noch einmal anders formuliert: Deutschland hat die grösste Operndichte der Welt.
So weit, so gut. Allerdings wird dieser Satz immer mit einem Unterton gesagt. Einem Unterton, der einen zur Frage bringt: "Kann man da nichts dagegen machen?" Ein verschämter, peinlicher Tonfall, der Tonfall in dem man sagt: "Er hat die Filzläuse." oder in dem man dem Bekannten erklärt, warum man gestern aus dem Beate-Uhse-Shop kam.
Die nächste Renovation, die noch teurer wird, ist die des Grossen Hauses der Württembergischen Staatstheater Stuttgart. Wie lange sie brauchen wird, steht in den Sternen, denn die Schwaben sind ja inzwischen nicht gerade die Meister im Schnellbauen. Und das ist jetzt euphemistisch ausgedrückt, wenn die Oper so lange braucht wie der Bahnhof, dann gute Nacht.
Vielleicht muss man doch auf den Vorschlag von Pierre Boulez zurückkommen. Der französische Komponist schlug am 25. September 1967 (dass die Kölner Oper am 24. September wieder aufmachte, ist ein lustiger Zufall…) vor, die Opernhäuser in Deutschland zu sprengen.
Also, die Oper in Köln nehmen wir natürlich da raus, das wäre jetzt wirklich doof, das Ding zu sprengen, wenn es gerade für 1,5 Milliarden renoviert wurde.
Aber für Stuttgart…
Da sollten die Verantwortlichen doch einmal prüfen, ob die Idee von Herrn Boulez nicht eine genauere Überlegung verdient.
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