Dienstag, 14. Juli 2026

Sind Ausdauer und Beharrlichkeit Tugenden?

Seit Juni läuft es extrem gut mit meinen Seitenaufrufen.
Und ich hätte fast schon aufgehört. Es ist einem doch eben nicht ganz egal…

Sicher kennen Sie alle Maler, die, wenn Sie der einzige Gast auf der Vernissage sind, beteuern, es ginge ihnen nicht um Zahlen, wenige, aber kunstverständige Leute, das wäre viel wichtiger als Masse, wer wolle schon Masse!
Sicher kennen Sie Lyrikerinnen, die, auf ihre Auflagenhöhe angesprochen, aufschreien, dass sei ihnen total wurscht, darum ginge es nicht, sie schrieben aus einem Drang heraus, das sei Berufung und innerer Trieb, wer denke schon an Zahlen, das sei so etwas von schnöde und spiesserhaft.
Sicher kennen Sie Musiker, die Ihnen erzählen, sie hätten schon vor zwei oder drei Leuten musiziert und das sei ein genauso grosser Genuss gewesen wie vor zwei- oder dreihundert oder wie vor 2000 oder 3000.
Sie alle lügen.
Wie gedruckt.

Ich bin kein Maler und keine Lyrikerin, aber ich bin Musiker, und ich habe schon Konzerte erlebt, gespielt, gegeben und musiziert, bei denen sich vier Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Zuschauerraum verteilten. Macht keinen Spass, natürlich gibt man sich auch für die Mühe, spielt und musiziert endlos schön, aber wirklich Fun ist es nicht. Übrigens auch, wenn Festgage gezahlt wird. Ohne Festgage ist es doppelt blöd.

Ich freue mich also, dass die Seitenaufrufszahlen seit Juni super aussehen. Ich wollte nämlich im Herbst schon aufhören.
«Siehst du», sagt ein Kumpel zu mir, «das zeigt wieder, dass Beharrlichkeit eben immer zum Ziel kommt. Wer A sagt, muss auch B und C und D sagen. Konsequenz ist es, jeden Weg zu Ende zu gehen. Denke an alle, die nicht aufgaben und als erste Berge bestiegen, Meere überquerten und Rekorde aufstellten.»

Hier muss ich nun meinem Kumpel deutlich widersprechen: Beharrlichkeit ist sicher nicht IMMER das Richtige.
Bei meiner Post-Geschichte ist zum Beispiel ein entscheidender Punkt, das es mich nichts kostet, weiterzumachen. Die Site ist gratis, und ich opfere jeweils nur Lebenszeit, aber ich tue das ja für eine Sache, die unendlich Spass macht: Schreiben. Texte verfassen. (Ach, ach, ach, ach, wenn das nur endlich meine Deutschschülerinnen und -schüler begreifen würden, aber das ist ein anderes Kapitel.) Es wäre komplett anders, wenn ich pro Post etwas zahlen müsste und pro Aufruf etwas bekäme. Es wäre auch anders, wenn das Schreiben mich körperlich kaputtmachen würde.

Wie ist das aber nun mit den «Beharrlichen», die Berge bestiegen und Meere überquerten und Rekorde aufstellten? Wir kennen ihre Namen, aber wir kennen nicht die Namen der vielen, die scheiterten. Einfach weil die Historie allen Scheiterns noch nicht geschrieben wurde.
Niemand kennt Max K., der 1897 bei der Erstbesteigung des Berges L. nicht umkehrte (trotz Donnergrollen) und (natürlich) abstürzte.
Niemand kennt Ulrike Z., die 1775 als erste versuchte, den Bodensee zu durchschwimmen und schon nach 1 km ertrank.
Niemand kennt die vielen, vielen, vielen Alchimisten, die sich vergifteten oder sich in die Luft jagten, weil sie Gold herstellen wollten. Es sei denn, es entstand (aus Versehen) Porzellan oder Schiesspulver.

Bertolt Brecht bringt es im Doppelstück vom «Jasager» und «Neinsager» auf den Punkt:

Wer A sagt, muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Und natürlich kommt einem «Das Versprechen» in den Sinn, in dem ein Polizist auf einen Mörder wartet, dem er eine Falle gestellt hat, Tag um Tag, Jahr um Jahr, ein nutzlos vertanes Leben, denn der Kinderschänder ist längst tot.

Seit Juni läuft es extrem gut mit meinen Seitenaufrufen. Und das freut mich – um es einmal ganz schwäbisch auszudrücken – saumässig. Es ist einem doch eben nicht ganz egal…
Und ich hätte fast schon aufgehört. Blieb aber mit Ausdauer dabei. Aber Achtung: Beharrlichkeit ist OK, wenn es weder Gesundheit noch Geld kostet, wenn man bei etwas bleibt, was einem eh Spass macht. Wenn es gefährlich wird und das Leben ruiniert, dann muss man auch einmal umkehren.



Freitag, 10. Juli 2026

Schadenfreude ist super - Trumps Anruf hat nix genutzt

Liebe Leserin, lieber Leser,
wissen Sie, was die schönste Freude ist? Es ist – nein, nicht die Vorfreude – die Schadenfreude.
Aber natürlich nicht, wenn ein alter Mensch mit Rollator stürzt, wenn ein Blinder das Falsche greift, wenn ein Schüler die Antwort nicht weiss. Richtigen Spass macht die Schadenfreude nur, wenn die Opfer der Häme nicht ganz unschuldig sind.

Wollen Sie Beispiele? Gerne.
Als ich mit einer Schulklasse bei Ascona im Abschlusslager war, da fuhren wir (wie jede Klasse es dort macht) am Mittwoch über den See nach Luino (Italien) auf den Markt. Im Schiff ging ein junger Mann an uns vorbei und stierte und glotzte auf zwei sehr hübsche Schülerinnen, M. und A. Aber weil er so glotzte und stierte, verpasste er den richtigen Einstieg in die Treppe ins Untergeschoss und polterte die Stiege hinunter. Wir lachten laut. Wir lachten hässlich. Und wir hatten keinerlei schlechtes Gewissen, denn der junge Kerl wäre ja nicht gestolpert, wenn er auf die Treppe geschaut und nicht auf M. und A. gestiert und geglotzt hätte.

Als die Freiburger Pianistin A. D. mit Ach und Krach ihr Aufbaustudium geschafft hatte, war die Fachgruppe doch sehr erstaunt, dass die Gute sich für eine Solistenausbildung bewarb; natürlich liess man sie in der Aufnahmeprüfung durchrasseln. Nun hatte man aber zwei Faktoren nicht bedacht: Erstens war der Kommission ein kleiner Formfehler unterlaufen, ein kleiner, aber eben doch ein Formfehler. Zweitens hatten A. D.s Eltern Geld und kannten gute Advokaten. Die Klavierspielerin erstritt sich einen Studienplatz. Da nun aber keine der hochrangingen Pianistinnen und keiner der meisterhaften Pianisten sie unterrichten wollte, kam sie zu Herrn M., der sonst Schulmusiker lehrte, aber nicht einmal im Hauptfach, sondern in der Kunst, Gesangsklassen bei «Horch, was kommt von draussen rein» oder «Yesterday» zu begleiten, also im sogenannten Schulpraktischen Klavierspiel.
Unsere Schadenfreude kannte keine Grenzen.
Sie war orgiastisch und gnadenlos.
Unsere Schadenfreude wuchs in Unermessliche, als A. D. zum Examen antrat. Die Kommission der Bewertung ihres Diplomkonzertes bestand zu 50% aus Pianisten und zu 50% aus Juristen. Und sie liessen sie durchfallen – ohne Formfehler.

Schadenfreude also.
Und die Schadenfreude konnte nun wieder einmal sprudeln, sprudeln angesichts der Trump-Infantino-FIFA-Schweinerei. Die hat nämlich gar nichts gebracht.
Schauen wir die Fakten doch noch einmal an: Da wird ein Stürmer per Roter Karte für das nächste Spiel gesperrt, und dann ruft der Landeschef beim FIFA-Chef an, um diese Sperre aufzuheben. Und der Funktionär sagt nicht das, was jeder vernünftige Mensch sagen würde: «Hat es dir ins Hirn gesch…?», nein, er hebt die Sperre auf. Und der Stürmer darf stürmen, obwohl die halbe Welt kopfsteht, und dann bringt das gar nix. Weil die USA 1:4 gegen Belgien verlieren, Balogun hin oder her, und das Ganze hat gar nix gebracht.
Und unsere Schadenfreude ist grenzenlos.

Liebe Leserin, lieber Leser,
wissen Sie, was die schönste Freude ist? Es ist – nein, nicht die Vorfreude – die Schadenfreude.
Aber natürlich nicht, wenn ein alter Mensch mit Rollator stürzt, wenn ein Blinder das Falsche greift, wenn ein Schüler die Antwort nicht weiss. Richtigen Spass macht die Schadenfreude nur, wenn die Opfer der Häme nicht ganz unschuldig sind.

P.S.
Da Gianni sich nun als absolut beeinflussbar gezeigt hat, finde ich, auch der Bundesrat der Eidgenossen sollte sich einmischen. Immerhin ist Infantino Walliser und immerhin ist er korrupt und immerhin hat es die Nati bis ins Viertelfinale geschafft. Und am Sonntag spielen wir gegen Argentinien.
Also.
Lieber Martin Pfister, als für Sport zuständiger Bundesrat sollten Sie beim Schweizer (!) FIFA-Präsidenten anrufen und er soll sich darum kümmern, dass die Eidgenossen endlich einmal Weltmeister werden.

Dienstag, 7. Juli 2026

Schweizer Kantone haben zu viel Geld

Städte, Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer sollten nicht zu viele Schulden machen. Denn Schulden sind Geld, das den nachfolgenden Generationen fehlen wird. Wenn man also ein Schwimmbad für Millionen baut oder ein Theater für Milliarden, wenn man prasst und spendiert, dann bestiehlt man eigentlich die Kinder und Enkel. Städte, Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer müssen also darauf bedacht sein, dass ihre Finanzen irgendwie in Ordnung sind und der Schuldenberg nicht wächst.

Städte, Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer sollten aber auch nicht zu viel Geld anhäufen. Denn angehäuftes Geld ist Geld, das dieser Generation fehlt. Wenn man also KEIN Schwimmbad baut oder KEIN Theater, wenn man sich den neuen Park verkneift und vom neuen Zoo absieht, wenn man spart und hamstert, wenn man häuft und hortet, hortet wie Fafner oder Smaug, dann bestiehlt man eigentlich die Bürger, die jetzt gerade zahlen. Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer müssen also darauf bedacht sein, dass ihre Finanzen irgendwie in Ordnung sind und der Vermögensberg nicht wächst.

Zugegeben, letzteres Problem (ein Luxusproblem) haben wenige Orte. In Deutschland ist es eher selten. Aber in der Schweiz kommt es vor. Zugegeben.
Und witzigerweise enthält das Wort «zugegeben» gerade den Kanton, der mit seinem Überschuss kämpft:
Zug.
In Zug wird diskutiert, ob man bei grossen Mehrsummen der Bevölkerung Geld zurückzahlt bzw. gutschreibt. Warum nicht Steuersenkungen? Weil Steuersenkungen immer eine Wette auf die Zukunft sind (es könnte ja weniger Gewerbeeinnahmen geben) und solche Rückzahlungen eine Reaktion auf das Vergangene.
Auch Basel überlegt solche Dinge.

Man könnte natürlich auch mit den Überschüssen viele tolle Dinge anstellen:
ein Opernhaus
ein Theater
ein Museum
Schwimmbäder, Sporthallen, Laufkurse
Spitäler und Reha-Einrichtungen
Aber der Punkt ist, dass die meisten dieser Dinge schon existieren. Gut, Zug hat nun kein Opernhaus, aber das wunderbare Opernhaus Zürich ist hier einfach zu nah.

Was also tun mit dem Geld? Und hier kommt nun meine Idee ins Spiel:
Die Städtepatenschaft.

Natürlich gibt es das schon, aber stets so, dass eine mitteleuropäische Stadt (zum Beispiel eine deutsche) die Patenschaft für eine Stadt in der sogenannten «Dritten Welt» übernimmt, so finanziert Huppenheim an der Hupper eine Schule in Burkina Faso, Würz an der Würzach ein Spital in Peru und Sapplingen am Sapperberg ein Stadion in Bangladesch. Das nun macht aber gar keinen Sinn mehr, da an der Hupper und der Würzach und am Sapperberg ja nun selbst Schulen und Spitäler und Sportanlagen gebraucht werden, natürlich, sie sind da, aber halt so marode, dass sie fast unbrauchbar sind.

Und hier kommen nun die Schweizer ins Spiel:
Statt Geld an die Steuerzahler zurückzuerstatten unterstützen bestimmte Kantone deutsche Gemeinden in einer Patenschaft. Der Kanton Zug finanziert in Huppenheim an der Hupper den Neubau einer Gesamtschule mit Sporthalle, Aula und lückenlosem W-Lan. Schwyz spendiert Würz an der Würzach ein Krankenhaus mit allen Schikanen und Basel gibt Geld, damit in Sapplingen am Sapperberg ein neues Stadion gebaut werden kann.
Dafür gibt es einmal im Jahr eine Dankeschön-Reise für die Eidgenössischen Politiker mit Empfang im Rathaus und Apéro.

Städte, Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer sollten nicht zu viele Schulden machen.
Städte, Gemeinden und Kantone, Staaten und Bundesländer sollten aber auch nicht zu viel Geld anhäufen.
Und für alle Probleme gibt es eine Lösung.















Freitag, 3. Juli 2026

Die deutsche Mannschaft reist heim

Deutschland ist draussen.
Die BRD ist aus der WM ausgeschieden.
Die Nationalmannschaft reist heim.

Ach, ach, ach.
Dabei hätten wir doch so sehr einen kleinen Aufsteller gebraucht! So ein Booster, so ein «Ruck», so eine Welle der Begeisterung hätte dem Land so gut getan! Ein WM-Titel hätte zwar nicht alle Renten-, Krankenversicherungs- und Steuersorgen aufs Mal vernichtet, aber er hätte Schwung gebracht, die Menschen wären wieder mit Elan zum Schaffen gegangen, Firmen hätten sich erweitert, die Wirtschaft wäre in die Aufwärtsspirale gestartet, alles wäre besser geworden.
Ach, ach, ach weh.
Auch Herrn Merz hätte ein Einzug ins Achtel-, Halb- oder Ganzfinale so gutgetan. Er kann zwar überhaupt nix für das Abschneiden «seiner» Fussballjungs, aber irgendwie macht man ja den Landeschef für irgendwie alles verantwortlich, für Erfolg und Misserfolg, irgendwie ist ein Kanzler auch immer schuld am WM-Titel oder am Ausschneiden. Merz hätte ein Pokal so, so, so gut getan.
Aber war nichts…

Die BRD ist nicht mehr dabei.
Das schwarz-rot-goldene Team fliegt nach Hause.
Wir sind weg vom Fenster.

Im Elfmeterschiessen!
Im Elfmeterschiessen!
Das ist ja das Allerblödeste. Da sind zwei Teams gleich gut, da hat man nach 90 Minuten gleich viel Tore, gleich viel Goals, dann kommt Nachspielzeit, dann Verlängerung, und dann kommt das bescheuerte Elfmeterschiessen (das die Schweizer Penaltyschiessen nennen). Und jetzt ist es mehr oder weniger Zufall. Ein kleiner missratener Sprung vom Torwart und zu Ende ist die Sache.
Es wäre doch sinnvoll, in einem solchen Fall einfach BEIDE Teams weiterzuschicken, ok, ok, ok, da kippt dann der gesamte Spielplan, aber das muss dann halt sein.
Oder…
Wenn es dann eh nur auf den Zufall ankommt, könnte man doch den ganzen WM-Zirkus, den ganzen WM-Blödsinn verkürzen und nur an EINEM Wochenende Penalty-Schiessen veranstalten. Man bräuchte dann auch nicht mehr so grosse Stadien. Ich meine, Dart oder Pfeil und Bogen oder Sportschützen, die schiessen ja auch nur einfach im Stehen und rennen nicht vorher noch herum.

Deutschland ist ausgeschieden.
Der vierfache Weltmeister hat die Weltmeisterschaft verlassen.
Die Jungs von Nagelsmann fliegen heim.

Und das gegen Paraguay! Fast zur gleichen Zeit, wie unser Aussenminister in Paraguay mit Paraguay, Uruguay, Brasilien und Argentinien verhandelt, schmeissen die Südamerikaner uns aus der WM! Ich finde, da sollte man doch das ganze Mercosur-Abkommen noch einmal in Frage stellen. Das kann ja nicht sein. Wir schliessen da Verträge mit denen und dann besiegen die uns.
Vielleicht hätte aber eine Nichtteilnahme an der WM auch Verhandlungsgegenstand sein können, wobei das ein argentinischer oder brasilianischer Minister unmöglich seinem Volk klarmachen könnte.
Trotzdem. Um Frau Merkel abändernd zu zitieren: «Unter Freunden besiegt man sich nicht.»

Die BRD ist nicht mehr dabei.
Der Traum vom Titel ist ausgeträumt.
Die Buben dürfen nicht mehr spielen.

Nun wird natürlich die Nagelsmann-Frage immer lauter. Erstaunlich ist aber, dass in einem solchen Fall so schnell nach Rücktritt geschrien wird und in anderen Fällen gar nicht. Was ist schlimmer? Ein Ausscheiden aus der WM oder 1200 km falsche Kabel zu verlegen (wir hatten es davon…)? Aber da bleiben bisher alle im Amt.

Deutschland ist draussen.
Die BRD ist aus der WM ausgeschieden.
Die Nationalmannschaft reist heim.