Freitag, 30. Oktober 2026

Griechenland, Bulgarien, Rumänien (1): ADT, Metro und Brodeln

Als ob die Reiserei nicht genug wäre, war ich jetzt noch eine Woche mit dem Chor unterwegs: Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Und ich werde einige Impressionen teilen, allerdings eher die kleinen Randbemerkungen und Anekdötlein, die «offizielle Reise» entnehmen Sie bitte den Publikationen und der Social Media des Ensembles.

Personaltyp ADT

Wir fliegen mit einer lustigen Airline zu lustigen Zeiten zu lustigen Flughäfen: Hinflug Wizzair Zürich – Thessaloniki sehr früh (dafür Besammlung um 5.00 am Basel SBB), Rückflug Bukarest Baneasa (das ist ein Airport, der kleiner als der Bahnhof Rheinfelden ist) – Memmingen (!). Die Konditionen der kleinen Fluggesellschaft sind streng; beim Aufgabegepäck sind 20 kg maximal erlaubt, beim Handgepäck 40 x 30 x 20. Jeder Versuch, irgendein Mass zu überschreiten, wird mit Auspeitschen nicht unter 50 Hieben bestraft…
Als ungeübter Flieger stosse ich auf die Angaben auf meiner Bordkarte:
Geschlecht: M / Personaltyp: ADT
Dass ich M wie männlich bin, das ist klar, aber was könnte ADT bedeuten? ADS heisst Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, dann heisst ADT wohl Aufmerksamkeits-Defizit-Typ, die Frage ist nur, welche Konsequenzen das in der Maschine dann hat. Haben alle Stewardessen auf dem Schirm, dass ich mein Zeug vergesse und irgendwelche Sachen umschmeisse? Werde ich besonders betreut?
Dann die Erleuchtung: ADT heisst einfach «adult», Erwachsener.

Eine Metro wie aus der Zukunft

Nachdem ich eine Woche lang die Berliner U-Bahn genossen hatte, war die Metro in Thessaloniki ein Faszinosum. Der Unterschied ist ungefähr so wie zwischen «im Zelt auf dem Matschacker übernachten» und einem ***************-Hotel. Ungefähr so wie die drei Nachbarskinder, die auf dem Schulfest auf E-Gitarren rumschrammeln und ein Konzert der Charts-Nummer-1-Band in der XY-Arena. Alles in der Metro ist neu, modern, blitzt und blinkt, Stahl, Chrome, Glas, und das Tollste ist sicher die Glasscheibe vor dem Gleis, die sich an den Stellen öffnet, an denen die Türen der Züge sind. Es ist also völlig unmöglich, sich in der Bahn einzuklemmen und mitgeschleift zu werden, Einklemmen höchstens in der Glaswand; ein ZURÜCKBLEIBEN BITTE und die rote Warnlampe sind total überflüssig.
Wie kommt Thessaloniki zu einer solchen U-Bahn?
EU-Gelder.
Natürlich. Aber bevor jetzt die Aufschreie aus der EU-kritischen Ecke kommen, sei das Folgende gesagt: Immer wenn man etwas neu baut, dann ist es eben auch etwas Neues. Es ist gar nicht möglich, in einem Land eine ALTE Metro zu bauen. Und – und das ist das, was Merz so konsequent verschweigt – viele Namen auf den Rolltreppen, Kassenautomaten, Sperrgittern usw. sind deutsche. Deutsche Firmen haben hier auch Millionen verdient…

Thessaloniki brodelt

Ich weiss, ich weiss, der «lebendige Süden» ist ein Klischee. Aber es war trotzdem so. Als ich am Samstagmorgen um 6.30 zu einem Prä-Frühstück-Gang aufbrach, da waren überall die Cafés offen, überall brodelte Kaffee und es roch nach frischer Backware. Und überall sassen die Leute, die aus dem Ausgang kamen im Chill-Out.
Aber die Stadt vibriert 24h, ob jetzt am Morgen oder am Mittag oder am Abend beim Sonnenuntergang an der Strandpromenade.
Das Brodeln, das Vibrieren, das Temperament, die Energie hat aber auch eine Gegenseite. Ich erlebe am Strand eine konservative Veranstaltung mit Redner, Nationalflaggen und orthodoxen Kreuzen, die von einem Mann gestört wird, der auf einem E-Trotti mehrfach bewusst mit lauter Musik vorbeifährt. Als ihn einer stoppt und um Unterlassung bittet, gibt es keine Diskussion und kein Geschrei, keine Eskalation, der Trottifahrer haut den anderen sofort auf die Nase.

So viel für heute. Am Dienstag mehr.

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