Dienstag, 20. Oktober 2026

Fortbildungen

«Ich war neulich auf einer Fortbildung…»

Liebe Leserin, lieber Leser, beobachten Sie einmal die Leute, wenn Sie einen solchen Satz von sich geben. Die Reaktionen reichen von purem Erschrecken über Gähnen bis zu nacktem Hass. Warum ist das so? Ich weiss es nicht. Es gibt doch auch ganz, ganz, ganz tolle Fortbildungen. Nur vielleicht zu wenig…

Die Fortbildungen kann man ganz einfach in vier Kategorien einteilen:
lustig und nutzbringend
lustig und sinnlos
öde und nutzbringend
öde und sinnlos

Zur ersten Kategorien gehörten sicher die drei Stunden, die ich im Frühjahr mit Body Percussion verbrachte.
Ich tat dies, um Punkte für mein Jugend & Musik-Zertifikat zu erhalten, das uns Geld für die Herbstprobenwoche einbringt. Es machte aber auch ganz, ganz, ganz viel Spass. Und als ich eine Woche später bei den Kleinen einspringen musste, da konnte ich mit ihnen gleich die Schenkel-und-Brust-Klopf-Übung einbringen:
Der Walfisch sagt zum Thunfisch:
Was soll ich nur tun, Fisch?
Der Thunfisch sagt zum Walfisch:
Du hast jetzt die Wahl, Fisch!

Zur zweiten Chose gehörte die Fortbildung, die Maria aus der Firmenkantine auf Anraten ihres Arbeitgebers absolvierte: Garderobe und Farbpalette.
Sie lernte, dass sie ein Sommer sei, ihr demnach helle, kalte Farben stünden, sie also Himmelblau und Rosa, aber keines Falls Braun tragen sollte (Herbst! Warm und Dunkel!).
Nun hat die Arme im Service der DOFOMAG eine Uniform, und die ist dunkelbraun. Sie hat also gelernt, dass sie in ihrer Kluft völlig scheisse aussieht und das hat ihren Arbeitseifer ein wenig gebremst.
Lustig und sinnlos eben.

Es gibt nun aber auch Fortbildungen, die sind öde, aber unumgänglich. Alle Sozialarbeiter der Region treffen sich einmal im Jahr zum Tag «Neue Passus in der Sozialgesetzgebung». Da werden dann der geänderte §34, §45a, §67b und §85c diskutiert, völlig dröge und öde, aber für die Arbeit als Sozialmensch einfach unerlässlich. Denn §34, §45a, §67b und §85c haben halt wirklich konkrete Auswirkungen auf den Alltag: Muss/kann/darf man dem Vater ohne Sorgerecht eine Auskunft zu den Schulhöfen erteilen? Welche Stoffe erlaubt der Gesetzgeber einem 14jährigen? Wie lange muss man Jahresberichte aufheben? Usw.

Nun kommen wir aber zur vierten und letzten Kategorien, der «Kategorie des Schreckens».
Schon der Titel löst ein kaltes Schaudern aus, heisst das Ding doch wie «Personalevaluation unter diversifikanten Aspekten» oder «Produktimplementation mit archaistischer Strategie». Und dann
…laufen wir von Plakat zu Plakat.
…schreiben und kleben Post-it-Zettel.
…reden in Gruppen, über Dinge, die keiner kapiert hat.
…schauen bunte Power Point an.
Das Schreckliche ist, dass nur ein Mensch von diesen Tagen wirklich profitiert: Der Seminarleiter. Er verdient mit Kleben, Zeigen, Reden locker seine 10000 an einem Wochenende.

«Ich war neulich auf einer Fortbildung…»
Liebe Leserin, liebe Leser, beobachten Sie einmal die Leute, wenn Sie einen solchen Satz von sich geben. Die Reaktionen reichen von purem Erschrecken über Gähnen bis zu nacktem Hass.
Vielleicht sollte man die vierte Kategorie gesetzlich verbieten und nur noch lustige und/oder sinnvolle anbieten.

 

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