Achmed ist ein überzeugter Muslim. Ja, man müsste fast sagen, ein bisschen sehr überzeugt, man könnte ihn als fundamentalistisch bezeichnen, oder – wenn diese Analogie zu den Christen erlaubt ist – als muslimilikal. Er nimmt den Koran Wort für Wort, rollt seinen Gebetsteppich aus, er geht in die Moschee und hält den Ramadan ein. Der Hadsch ist für nächstes Jahr geplant.
Achmed stört sich sehr an seinen Nachbarn, Detlev und Markus, ein Paar, das die andere Wohnung im 8. Stock des Hochhauses gemietet hat. Er mag sich gar nicht vorstellen, was da Wand an Wand zu ihm geschieht. Zwei Männer, die… Es ist einfach gegen Allahs Gebot und gegen den Koran und gegen alles Heilige und wenn er denkt, was Detlev und Markus da tun, dann wäre er manchmal gerne wieder in einem Land, wo man solche Leute einen Kopf kürzer macht.
Aber – das muss man klar sagen – Detlev und Markus sind auch nicht gerade die tolerantesten Leute. Für sie ist jeder Glaube sowieso im Mittelalter zuhause, und den Islam halten sie für die schlimmste Religion überhaupt. Und den Unterschied zwischen Islam und Islamismus haben sie noch nie begriffen, Achmed ist also für sie ein Terrorist. (Was er nicht ist, er ist fundamental, aber nicht radikal und eine Bombe würde er nie legen…)
Achmed hat stramm rechts gewählt. Denn wenn endliche eine rechte Partei ans Ruder kommt, dann wird aufgeräumt mit Regenbogen und dem ganzen Schmus. Dann wird der §175 wieder eingeführt und solche Perversen wie nebenan können sich dann wieder in Kellern treffen, auf keinen Fall bekommen sie Wohnungen, wo Wand an Wand fromme Menschen beten. Dann ist vorbei mit queer! Vorbei mit gay!
Aber auch Detlev und Markus haben stramm rechts gewählt. Denn wenn endlich eine rechte Partei ans Ruder kommt, dann schickt man die Achmeds und Mustafas und Alis einfach wieder nach Hause. Remigration! Dann verschwinden die Moscheen und Gebetsteppiche und man kann wieder auf Weihnachtsmärkte gehen, ohne das einem ein Islamist eine Bombe unter dem Hintern zündet.
Beide Parteien, sowohl Achmed als auch Detlev und Markus wollen den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Das ist so, wie wenn man einen Flecken mit einem stark säurehaltigen Mittel bekämpft, es wirkt, der Fleck ist weg, leider ist ob einer kräftigen Dosis HCl auch der Stoff nicht mehr da, sprich, es klafft ein Loch.
Das ist so, wie wenn man eine Krankheit mit einem Medikament angeht, das so viel Nebenwirkungen hat, das der Patient oder die Patientin nach der medikamentösen Therapie viel kränker ist als vorher.
Das ist so, wie wenn man Hornissen aufs Grundstück holt, damit sie die Wespen vertreiben.
Die Sache hat übrigens Tradition. Schon in der Antike kam es vor, dass der Stamm der Vovokier, der mit den Bubukiern im Streit lag, die Mazedonier zu Hilfe rief, während die Bubukier die Perser um Unterstützung baten. Die beiden Grossmächte kamen gerne und fochten auf dem Gebiet der beiden Stämme mit ihren Armeen, schliesslich gewannen die Mazedonier (Alexander, wir erinnern uns) und die Vovokier wurden genauso wie die Bubukier dem grossen alexandrinischen Reich eingegliedert.
Was wird passieren im Mietshaus mit den vielen Stockwerken?
Achmed wird sich nicht mehr an schwulen Nachbarn stören, denn er wird wieder in seiner Heimat wohnen, er wird remigriert sein.
Und Markus und Detlev werden auch mit Achmed keine Probleme mehr haben, auch sie werden dort nicht mehr wohnen, sicher nicht beide, und wenn Detlev doch noch da wohnt, wird der Horst, der Blockwart, genau darauf achten, dass Markus nicht bei ihm übernachtet.
Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben.
Passiert leider viel zu oft.
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