Und es geht weiter, weiter mit eindrücklichen Impressionen und impressionistischen Eindrücken von meiner Reise. Wie schon gesagt: Alles Informative entnehmen Sie dem Baedeker (gibt es den noch?) oder Wikipedia oder touristische geprägten Sites, das bekommen Sie bei mir nicht.
Viele Schriften auf dem Weg
Wer von Griechenland über Bulgarien nach Rumänien reist, der hat es mit drei verschiedenen Schriften zu tun. In Thessaloniki wird griechisch geschrieben, in Sofia kyrillisch und in Bukarest lateinisch.
Verwirrend.
Hat man sich gerade daran gewöhnt, beim menschlichsten alle menschlichen Bedürfnisse nach einer τουαλέτα zu suchen, braucht man dann eine ТоалеТна, und dann wiederum toaletă. Hat man gerade gelernt, wenn man richtig, aber richtig Hunger hat, nach einem εστιατόριο zu schauen, dann muss man danach nach einem ресtоранt gucken, und dann endlich nach einem Restaurant.
Schwierig.
Wobei das eben so auch nicht mehr ganz stimmt – leider. Ich war ja vor 20 Jahren schon einmal in Bulgarien, und vor 15 Jahren in Griechenland, und da hatten sie selbst Begriffe wie «Computer Shop» ins Kyrillische oder eben Griechische übertragen. Und ich fand das toll, die eigene Schrift war für alle Völker immer auch eine Sache der Identität. Und heute? Immer mehr wird einfach mit lateinischen Lettern geschrieben, und das ist schade, weil Kultur verlorengeht.
Wenn es auch für den Reisenden so viel, viel, viel einfacher ist.
Sauberes Sofia
Also, nicht nur Sofia ist sauber, ganz Bulgarien ist es. Rumänien übrigens auch.
Jeden Morgen rücken Tausende von Reinigungsmenschen aus und schrubben, fegen, putzen, sie schrubben die Gehsteige und fegen das Laub (wenn sie nicht Laubbläser benutzen, die dort immer noch absolut üblich und 4x so laut sind wie bei uns…) und putzen die Stadt. Und wenn es fünf Putzkräfte hat – ich habe das selbst gesehen! – dann hat es noch einen Supervisor, einen Vorputzer, einen Clean-Kapo, der aufpasst, dass alles richtig gereinigt wird.
Niemand, niemand soll sagen, Südosteuropa sei dreckig und wir können uns alle eine Scheibe davon abschneiden.
Wenn Sie nun an eine WC-Anlage kommen, und dies mit 70 Leuten und alle müssen vor der Busfahrt noch einmal, dann haben Sie ein Sauberkeits-Problem: Der Boden jeder WC-Kiste wird nach jeder Benutzung nass geduscht und das dauert 1,5 Minuten. Es gibt hier nur eine Lösung: Man geht zu mehreren (Platz ist genug) und guckt weg. Sonst sind zwei Stunden wie im Flug vergangen…
Der brutale Heilige
Plovdiv ist ein wirklich sehenswerter Ort. Die Stadt strotzt von römischen Ruinen, mittelalterlichen Mosaiken, wunderschönen Altstadtgassen und kleinen heimeligen Kirchen.
In einer dieser Kirchen entdecke ich ein Doppelbild: Je zwei Reiter sitzen auf ihrem Pferd und stechen mit ihrer Lanze. Die gelben Scheiben hinter ihren Köpfen markieren sie ganz klar als Heilige.
Der linke Reiter sticht auf einen Drachen ein; ganz klar erkenne ich hier den Heiligen Georg, den Drachenkämpfer und Drachentöter, das ist ja ein bekanntes und beliebtes Motiv, und auch in Basel haben wir einen Georg an der Münsterfassade, die Frage, warum der arme Drachen ständig getötet werden muss, muss an anderer Stelle beantwortet werden. Ich selbst habe viel mehr Probleme mit Küchenmotten, aber natürlich sieht ein Heiliger, der gerade eine Motte tötet, nicht so spektakulär aus wie ein Drachentöter.
Der andere Heilige – und hier stutze ich wirklich – rammt EINEM MENSCHEN die Lanze in die Halsschlagader. What the…? Sollten Heilige nicht eigentlich nett und fromm sein? Google und KI helfen uns weiter: Es ist der Hl. Demetrius, der hier einen bösen Zar tötet. Nun gut.
Die Sache mit der anderen Backe muss nicht gerade der Lieblingstext des Heiligen gewesen sein. Jedenfalls erlag Demetrius dann selbst später dem Märtyrertod durch Lanzen – immerhin ging es fair zu.
Am Freitag dann noch mehr.