Freitag, 12. Juni 2026

Sind Sie ein Versteher?

Junge Menschen werden Horst Herold nicht mehr kennen. Horst Herold war in den Zeiten der RAF Chef des BKAs, also des Bundeskriminalamtes, er war sozusagen der Gegenspieler von Meinhof, Baader, Ensslin, Raspe und den vielen weiteren. Herold versuchte in seiner Amtszeit, stets die Ursachen der totalen Radikalisierung einer zunächst friedlichen Linken zu finden. Herold sah die RAF als «Entmischungsprodukt» der Studentenbewegung. Er verstand, dass die politischen Unruhen der späten 1960er Jahre, der Vietnamkrieg und die Konfrontation mit der NS-Vergangenheit der Eliten den ideologischen Nährboden für den Linksterrorismus bildeten.
Und genau das hat man ihm immer vorgeworfen.
Man warf ihm vor, sich mit Meinhof, Baader, Ensslin, Raspe und den vielen weiteren ein Stück weit zu solidarisieren. Ausgerechnet ihm, der Meinhof und Baader und Mohnhaupt und so viele weitere zur Strecke gebracht hat.
Es gab das Wort nicht, aber heutzutage würde man ihn als «RAF-Versteher» bezeichnen.

Es gibt eine Liste, die Synonyme für «Weichei», also «schwacher, unmännlicher und untougher Mann» zusammenfasst:
Warmduscher
Schattenparkierer
Turnbeutelvergesser
Beckenrandschwimmer
Badekappenträger
Schiffschaukelbremser

Frauenversteher

Inzwischen ist «Putin-Versteher», «Trump-Versteher», «AfD-Versteher», «Russland-Versteher» ja zum schlimmsten Wort, geworden, dass man jemand sagen kann. Denn es wird ja stets mit der totalen Zustimmung gleichgesetzt. Ein «Putin-Versteher» finde die Bombardierung der Ukraine OK, ein «Trump-Versteher» unterstütze eine fatale Politik, ein «AfD-Versteher» wählt auch diese Partei. Und (leider) ist das ja auch häufig so. Aber vielleicht nicht IMMER. Es MUSS nicht sein.

Seit wann und warum ist «-versteher» eigentlich zum Schimpfwort geworden? Ich weiss es nicht.
Etwas Verstehen zu wollen, ist zunächst eine gute Sache. Und gerade wenn man etwas bekämpfen will, dann ist ein komplettes Verstehen doch unerlässlich.
Ich erwarte von einem Arzt, der mich behandelt, dass er die Krankheit versteht, wenn nicht, ist er ein Kurpfuscher und kein Mediziner.
Ich erwarte von einem Kammerjäger, dass er versteht, wie sich Schaben, Motten, Wanzen, Kakerlaken, Läuse und Flöhe verhalten, wie könnte er sonst gegen Schaben, Motten, Wanzen, Kakerlaken, Läuse und Flöhe vorgehen?
Ich erwarte von einem Experten für IT-Sicherheit, dass er Hacker versteht (vielleicht sogar selbst einmal einer war?).

Wir hatten es oben vom Kriminalisten Herold. Ein noch schöneres Beispiel liefert der fiktive Laienkriminalist Father Brown bei G. Chesterton. Er versetzt sich so sehr in die Lage des Möders, dass er quasi den Mord dann selbst begeht. Father Brown sagt, dass es nur die Gnade Gottes ist, in dem Moment, in der Sekunde, in dem Augenblick, in dem wir den anderen töten wollen, keine Waffe zu haben.
Brown sagt:
I am a man, and all men are men: therefore, all men are brothers and sisters; therefore, all men are my enemies. And I have committed all the crimes myself.

Hören wir doch auf, den -versteher zu demütigen. Verständnis ist immer etwas Gutes. Was wir dann daraus machen, ist eine ganz andere Sache.











 

 

Dienstag, 9. Juni 2026

Arbeiten Sie gerne?

Als ich mit 18 Jahren meinen Zivildienst im «Sonnenhof e. V:» in Schwäbisch Hall, einem Heim für geistig behinderte Kinder und Jugendliche antrat (ich wähle bewusst die Sprechweise von damals), bekam ich alle Bewunderung meiner Umgebung: Wie ich das nur machen kann, all das Leid und das Unglück, so eine schwere Aufgabe, usw., usw.
Tatsächlich war es natürlich ganz anders. Ich verbrachte in Schwäbisch Hall zwei wunderbare Jahre und hatte viel Freude bei der Arbeit; mangelnde Intelligenz – man muss das so direkt sagen – tut nämlich nicht weh.
In Zivi-Sitzungen parodierten wir manchmal die Meinung der Aussenstehenden. Gab es viele Neue, machten wir eine Vorstellungsrunde, in der mindestens einer sagte «Ich bin der XY und ich arbeite im Sonnenhof mit geistig behinderten Kindern», worauf mindestens einer antwortete: «Ist das nicht sehr, sehr, sehr schwer?»

Dass ich für meine Arbeit Geld bekam, fanden alle Menschen OK. Meinen Sold konnte ich ganz für mich behalten, da ich Logis hatte und vollverpflegt war, zudem wurde in den Schulferien das «Hausschlafen» (Nachtbereitschaft) bezahlt. Niemand fand das übertrieben.

Wenn ich erzähle, dass ich mit meinen Jungs am Theater Basel an Produktionen wie «La Bohème» oder «Turandot» oder «Carmen» beteiligt bin, bekomme ich keine mitleidige Bewunderung, ich bekomme vor allem Neid und begeistertes Mitfühlen: So eine schöne Arbeit, Eintauchen in die Welt der Kunst, diese schöne Musik und überhaupt…
Niemand, der so redet, hat jemals die Spannung und Hektik, die Anstrengung und Nervosität, den totalen und absoluten Stress am Theater vor einer Generalprobe erlebt. Es ist ein Wunder, dass es da keine Tote gibt. Das gilt nun für alle Beteiligten, bei mir kommt hinzu, dass ich mit 20 Kindern dort bin.

Wenn ich nun Menschen erzähle, dass ich pro Probe und Vorstellung ein Extrahonorar erhalte, sind sie fassungslos: «Aber du machst das doch gerne?» «Das ist doch so eine künstlerische Arbeit?» «So schöne Musik und dann Kohle?»

Warum sind wir so unfair in der Beurteilung von Arbeit und Bezahlung? Zwei Maximen scheinen sich tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben zu haben:

Erstens
Ob deine Arbeit anstrengend und stressig ist, oder schön und genussvoll, entscheidest nicht DU, das entscheidet die ALLGEMEINHEIT nach einer strengen Tabelle. Kunst ist schön und genussvoll, Pflege ist anstrengend und stressig, Büroarbeit ist Faulenzen, Handwerk ist härteste Arbeit usw., usw.

Zweitens
Arbeit, die du gerne machst, die dir Befriedigung und Freude verschafft, Arbeit, die du als schön und genussvoll empfindest, sollte schlecht oder nicht bezahlt werden.

Das bringt die Gesellschaft in eine komische Spirale: Wir brauchen dringend Arbeitskräfte, für Handwerk und Bau, für Pflege und Spital, für alle möglichen Bereiche, wir haben zu wenig Menchen, die Zwiebeln schneiden und zu wenig, die Betten machen, wir haben zu wenig, die die Hecken schneiden und zu wenig, die die Strassen teeren. Aber wehe!
Wehe!
Wehe!
Wehe, wenn man Menschen findet, die gerne Zwiebeln schneiden, die gerne Betten machen, die gerne Hecken schneiden und gerne Strassen teeren. Die stehen ja dann im Verdacht, ihren Lohn ganz umsonst zu bekommen.
Also werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ständig am Jammern sein. («Die Zwiebeln brennen SO in den Augen.», «Mein Rücken!», «Die Hecken zerstören meine Hände mit ihren Dornen.», «Heisser Teer bei 40°!») Das Jammern macht sie dann krank und dann fehlen wieder Arbeitskräfte…
Ausserdem bringt die ganze Jammerei die Gesellschaft in so ein Null-Bock-Stimmung – die Stimmung, die wir in der BRD gerade haben.

Wir müssen vielleicht zwei neue Maximen erfinden:

Erstens
Jede Arbeit hat unseren Respekt verdient. Wenn sie völlig unnötig, überflüssig redundant und blödsinnig ist, dann schaffen wir sie ab und überlassen sie den Robotern.

Zweitens
Jede Arbeit hat ihren Lohn verdient, und wenn jemand gerne arbeitet, zahlen wir ihr oder ihm nicht weniger. 

In diesem Sinne: An die Arbeit, Leute!



Freitag, 5. Juni 2026

Kubicki, der Wolf im Schafspelz (das Sousaphon im Streichorchester)

Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.

Im Film «Take the Money and Run» (auf Deutsch «Woody, der Unglücksrabe») ist der Protagonist Mitspieler in einer Marching Band. Allerdings mit dem blödesten Instrument, dem Cello. Und so sieht man Woody, wie er sich stets hinsetzt, um zu spielen, dann aber ist die Kapelle schon viel weitergelaufen, er nimmt Cello und Stuhl und läuft ihnen hinterher, holt sie ein, nimmt wieder Platz… Dieser Vorgang wiederholt sich nun etliche Male. Weil eben ein Cello kein Instrument ist, das in eine Marschmusik gehört.

Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.

Man könnte hier grosse und lange Listen erstellen.
Von Leuten, die Bewegung und Austoben bräuchten, und die dann in einen Schachverein gehen. Und dort nicht stillsitzen können.
Von Leuten, die denken in einem Lesezirkel kämen sie endlich zum Lesen (oder noch besser: es würde ihnen vorgelesen) und die dann feststellen müssen, dass alle die Bücher VORHER gelesen haben.
Von Leuten, die unbedingt Synchronschwimmen machen wollen, aber eine Chlorallergie haben UND auch rechts und links nicht unterscheiden können.
Und so weiter.
Und so weiter.

Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.
Aber: Es gibt auch Menschen, die sind in der falschen Partei.
Ich habe über das Thema im März geschrieben, als Özdemir gewählt wurde:

Özdemir ist ein lustiger Kerl. Er ist eigentlich Grüner, aber irgendwie doch nicht. Er hat für die Grünen die Wahl gewonnen, indem er sich maximal von ihnen distanzierte. Damit ist er ein treuer Nachfolger von Kretschmann, der ja irgendwie auch so war.
Menschen, die im Grunde genommen in der falschen Partei sind. Man könnte sie – je nachdem ob man für oder gegen diese Partei ist – als «Wölfe im Schafspelz» oder «Schafe im Wolfspelz» bezeichnen.
Die Schafswölfe / Wolfsschafe haben eine lange Tradition. Immer wieder gab es so Gestalten, die einfach in der falschen Partei waren.
Helmut Schmidt zum Beispiel. Ein SPDler, der aber eine völlig konservative und aufrüstende Politik machte. Ich weiss von vielen CDUlern (u.a. meine Eltern), die ständig sagten: So ein toller Hecht, und wir würden ihn wählen, wenn er nicht in der falschen Partei wäre.

Ja, und dann war da noch der Mittellehrer in der grössten Baselbieter Gemeinde, der für die Grünen im Landrat sass, aber keinen einzigen Tag mal mit dem ÖV in die Schule kam…

Nun haben wir wieder so einen Kerl, einen Typ, der aber klar kein «Schaf im Wolfspelz» sondern ein «Wolf im Schafspelz» ist:
Wolfgang Kubicki.
Während ein Kretschmann eigentlich in die CDU gehörte und eine Süssmuth in die SPD und ein Wehner in die DKP, ist dieser Herr nun nichts anderes als ein verkappter AfDler. Wolfi ist Klimaschutzgegner, Impfskeptiker, Brandmauer-Feind, Anti-Woke usw., usw., usw.
Weidel und Chrupalla haben die Wahl auch ausdrücklich begrüsst.

Es gibt Menschen, die sind in der falschen Partei.

Kubicki ist – um im Beispiel von oben zu bleiben – das Sousaphon in einem Streichorchester. Aber während Woody der Marching Band ja nicht schadet, gar nicht schadet, überhaupt nicht schadet (er kommt ja nie dazu, auch nur einen Ton zu spielen), kann ein lautes Blech in einem ppppp-Stück wie zum Beispiel «Åses Tod» alles, alles kaputtmachen.

Wir sind gespannt, wohin Wolfi die FDP führt.
Auf jeden Fall in die falsche Richtung.

Dienstag, 2. Juni 2026

Shonagonnen 3: Was wir uns viel geiler vorgestellt haben

Ich habe vor sechs Jahren mit dem Post «Ich werde Kopfkissenbuchschreiber» eigentlich eine Reihe von Posts im Stile der Hofdame Shōnagon beginnen wollen.
Sie erinnern sich:
Das Kopfkissenbuch (auch: „Kopfkissenhefte“) (jap. 枕草子, Makura no Sōshi) der Dame Sei Shōnagon ist eines der frühesten und zugleich bedeutendsten literarischen Prosawerke der japanischen Literatur. Es entstand um das Jahr 1000 n. Chr. und gehört zu der Heian-Periode.
Es ist eine Art Tagebuch, geschrieben von Sei Shōnagon, die der Kaiserin als Hofdame diente und eine freundschaftliche Beziehung zu ihr entwickelte.
Der Name des Werks wird auf die Aufbewahrung der Aufzeichnungen in einem hohlen Kopfkissen (枕) aus Porzellan zurückgeführt. Das Kopfkissenbuch besteht aus 320 meist kurzen Einträgen zu verschiedenen Themen des Alltags am kaiserlichen Hof und bildet so eine Sammlung scharfsinniger Beobachtungen, verschiedener Anekdoten, Aufzählungen von Dingen und sehr direkter, offener Meinungen sowie Eindrücke und Gefühle.
(Quelle: Wikipedia)

Mich faszinieren seit jeher die Aufzählungen der Dame, die sie unter Stichworten wie «Schöne Dinge» oder «Dinge, vor denen man Angst hat» aufschrieb.
Bertold Brecht hat in seinem Gedicht «Vergnügungen» (1954) sich auch klar an diesen Shōnagon-Aufzählungen orientiert:
Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.
Ich war bei den Posts 2020 nicht konsequent, ich habe zwar aufgezählt, aber dann doch wieder längere Abschnitte geschrieben.
Dieses Mal (diese Male – es wird jetzt hoffentlich Tradition) werde ich ganz stur pro Punkt nur eine Zeile brauchen.

Und, bevor wir starten, es sei noch gesagt, dass ich die ersten beiden Zeilen ( die auch die letzten beiden sind) Till Reiners verdanke, der hier das Thema «Friedrich Merz» wunderbar auf den Punkt brachte.
Nun aber:

Dinge, die wir uns viel geiler vorgestellt haben

Sex unter der Dusche
Bundeskanzler sein
Shopping im Mega-Outlet
eine echte Sachertorte
Hammer-Looksmaxxing
Austern
Kaviar
am Gala-Diner mit King Charles teilnehmen 
FDP-Vorsitz
Filme mit 4 Oscar-Preisträgern
«Die Holländerinnen»
Mini Pralinés von Lindt
Bungee Jumping
den Äquator zu überfliegen
Sex unter der Dusche
Bundeskanzler sein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

Freitag, 29. Mai 2026

Ich traf ins Schwarze: Die beiden Pallas sind Cousinen

Manchmal treffe ich wirklich ins Schwarze.
Das muss hier einmal klar gesagt werden.
Ich hatte im September 2025 im Post «Liebe Frau Palla» geschrieben:

Ich war ja bei Ihrer Er-Nennung, also bei der Nennung Ihres Namens angenehm überrascht. Nicht weil ich Sie kenne, sondern weil ich jemand anderes kenne, der so heisst, eigentlich die so heisst. Das ist nun nicht ungewöhnlich, wenn man Menschen mag, die «Mulisch» heissen, dann sind zunächst einmal alle «Mulisch» positiv belegt, und wenn man «Hobler» mag, dann ist jede und jeder «Hobler» zunächst für einen eine Gute, ein Guter. Am Beginn seines wunderbaren Dramas lässt Lessing den Prinzen einer Emilia Bruneschi einen Riesenwunsch erfüllen, nur weil sie Emilia heisst, eine andere Emilia, nämlich die Titelfigur des Stückes, Emilia Galotti, ist das wahre Ziel seiner Begierde…
Und ich kenne nun eine herrliche Künstlerin, die aus dem Bündnerland stammt und in Zürich wohnt und arbeitet, Ursula Palla, zunächst Videokünstlerin, nun arbeitet sie mit filigranster Bronze. Vielleicht sind Sie sogar verwandt, immerhin stammen Sie aus Südtirol und «Palla» könnte ja sowohl im Rätoromanischen als auch im Ladinischen heimisch sein, aber das müsste man genauer recherchieren.


Manchmal treffe ich wirklich ins Schwarze.
Das muss hier einmal klar gesagt werden.

Es hat sich nämlich nun herausgestellt, dass die beiden Damen echt verwandt sind. Und zwar nicht um 18 Ecken, wie man sagt oder so, wie alle Rothschilds oder Kennedys oder so, wie alle Thurn und Taxis oder alle Krupps verwandt sind, sondern ganz, ganz, ganz nah.
Sie sind Kusinen.
Für die Schweizer: Cousinen.
Ersten Grades.

Manchmal treffe ich wirklich ins Schwarze.
Das muss hier einmal klar gesagt werden.
Nein.
Nein.
Das ist sogar falsch: Ich treffe sehr häufig ins Schwarze.

Manchmal ist das Schwarze auch ein Wespennest, so habe ich immer wieder Musikerinnen und Musiker gefragt, warum sie nicht … obwohl sie doch … oder weil sie … und bekam immer einen Schwall von Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger um die Ohren geschrien. Und als sich Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger gelegt hatten, fanden wir dann doch Lösungen.
Da war die semiprofessionell Blockflöte spielende Kindergärtnerin, die ich fragte, warum sie nicht Musikalische Früherziehung studiert.
Da war die Stimmbildnerin, die ich nach einer wunderschönen Mozartmesse fragte, warum sie nicht mehr singt. («mehr» betont)
Da war die Kontrabassistin, die auch Barockoboe studiert hatte und in nicht-historischen Orchestern Bach dudelte und die ich fragte, warum sie auf Violone umsteigt.
Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.
Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.
Und dann eine Lösung.

Wer übrigens auch meistens ins Schwarze trifft, sind die Wirtschaftsweisen – man gestatte mir den kleinen Gedankensprung – die ja auf gewisse Dinge schon seit 15 Jahren hinweisen. Man müsste auf diese Schwarztreffer – sie sind eben «Schwarztreffer» und keine «Schwarzseher» – jetzt nur noch hören…
Und nicht: Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger. Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.

Manchmal treffe ich voll ins Schwarze:
Die beiden Damen Palla sind Kusinen.
(Cousinen)











Dienstag, 26. Mai 2026

Reiche leiden weniger unter den Krisen, also: Reich werden

Wir machen am Anfang ein kleines Quiz über das aktuelle Deutschland:
A) Wen trifft die Irankrieg-Energiekrise am meisten?
B) Wen trifft die Behebung des Defizits in den Krankenversicherungen am meisten?
C) Wen trifft die Rentenproblematik am meisten?
D) Wen treffen die hohen Mieten am meisten?

Denken Sie nach und lesen Sie dann weiter.

Die Antworten sind:
A) Menschen mit geringem Einkommen.
B) Menschen mit geringem Einkommen.
C) Menschen mit geringem Einkommen.
D) Menschen mit geringem Einkommen.

Wie lange mussten Sie nachdenken? 10 Sekunden? 1 Minute? 10 Minuten?
ZEHN MINUTEN?
Dabei liegt es doch klar auf der Hand.

Ich will ein bisschen aus der eigenen Schule plaudern. Vor ca. 15 Jahren war ich unverschuldet in einer finanziell recht schwierigen Situation. Damals hatte ich ein Monatsbudget, das bis auf den Rappen ausgerechnet war.
Hätte damals das Generalabonnement ODER die Miete ODER die Krankenversicherung um 50 Franken zugelegt, wäre es eng geworden, aber durch Streichung gewisser Dinge (kein Kaffee mehr auswärts, die alte Jeans doch flicken usw.) doch zu stemmen gewesen.
Hätte damals das Generalabonnement UND die Miete UND die Krankenversicherung um je 50 Franken zugelegt, hätte ich Konkurs angemeldet.
Zum Glück passierte das nicht, aber ich kann mich in Menschen hineinversetzen, die sich fragen, ob am Wochenende Essen noch drin ist…
Man fragt sich aber nun, ob die deutsche Bundesregierung diese Empathie noch besitzt.

Es gibt – um dem Ganzen nun eine positive Wendung zu geben – also nur eine Lösung: Werdet reich!
In der Küche der ehemaligen WG meines besten Freundes hingen viele Postkarten an der Wand, darunter war eine mit der unglaublichen Sentenz:

VIEL GELD MACHT EINFACH REICHER.

Das ist doch grossartig. Besser kann man es nicht ausdrücken.

Wie wird man nun reich? Und somit in die Lage versetzt, dass einem die Punkte A), B), C) und D) nichts mehr ausmachen?
Auch hier gibt es wieder vier Punkte, benennen wir sie mit vier kleinen Buchstaben

a) Heirat: Nehmen Sie Abstand von der grossen Liebe, von Romantik und Träumen und so, heiraten Sie nicht Wärme und Schönheit, sondern Geld. «Geld gesucht, Mann/Frau kein Hindernis» Zuschriften unter Chiffre 3475dge78 – das ist die Anzeige der Zukunft.

b) Erbschaft: Wesentlich schwieriger, weil man ja Vater und Mutter und Tante und Onkel sich nicht einfach im Internet aussuchen kann. Wenn aber, ja wenn Sie noch über eine Tante, Grosstante, Urgrosstante oder Onkel, Grossonkel, Urgrossonkel verfügen, die oder den Sie lange nicht besucht haben, dann, ja dann schleunigst hin! Jeden Tag sich um die Person kümmern, bevor es UNICEF®, Save the Children®, der WWF® oder wie die Erbschleicher alle heissen, tun…

c) Lottogewinn: Sehr schön, um reich zu werden, nur sehr, sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich. Macht aber nix, trotzdem versuchen, schliesslich HABEN ja schon Leute gewonnen.

d) Kriminalität: Kriminell zu werden ist die einzige sichere Methode um wirklich reich zu werden. Leider. Aber wenn Sie erst einmal Ihre unnötigen Skrupel beiseite geräumt haben, dann stehen Ihnen alle 
Möglichkeiten offen, von A wie Autodiebstahl bis Z wie Zuhälterei gibt es eine Riesenpalette um sich auszutoben.

Also immer daran denken: VIEL GELD...

 




VIEL GELD MACHT EINFACH REICHER.

Freitag, 22. Mai 2026

Warum gibt es in den Innenstädten keine Schnürsenkel?

Es gibt Dinge, die sind in Innenstädten schwierig zu bekommen. Ich teile diese Dinge in drei Kategorien ein:
Dinge, die selten sind, Spezialbedarf und Spezialistenzeug.
Dinge, die peinlich sind, oder die Läden, die sie verkaufen.
Dinge, die gross und sperrig sind.

Zu den ersten gehören solche Sachen wie Anglerausrüstung, Werkzeuge und Musiknoten.
Wenn Sie zum Beispiel an die Aare fischen gehen wollen und haben alle ihre Köder vergessen, dann wird es schwierig sein, beim Umsteigen in Bern einen Laden zu finden, der diese komischen fliegenartigen Häklein verkauft.
Wenn Sie einen Spezialschrauber brauchen, der Ihnen die Herdabdeckung lüpft, werden Sie selbst in Zürcher Innenstadt eine Weile herumrennen müssen, um einen solchen Herdabdeckungslüpferspezialschrauber zu finden.
Und wenn Sie in St. Gallen die Spaurmesse dirigieren sollen und haben Ihre Partitur vergessen, dann werden Sie vielleicht keinen Notenhandel auftreiben, der die Missa KV 258 vorrätig hat. (Nur in Stuttgart kennen ich ein Notengeschäft, das alle – ich betone: ALLE – Eulenburg-Studienpartituren da hat…)
Hier hat der Online-Handel alle Spezialgeschäfte aus den Innenstädten vertrieben.

Zum zweiten gehören Dildos und S/M-Bedarf.
Natürlich, natürlich, es hat in Bern, Zürich und St. Gallen Sexshops, aber wissen Sie, wo die sind? Und trauen Sie sich danach zu fragen: «Entschuldigen Sie, Sie sehen aus wie ein Einheimischer, wo ist hier denn der nächste Sexshop?» Und wenn es die eigene Stadt ist, möchte man ja nicht unbedingt gesehen werden.
Zwei Dinge, die die Peinlichkeit verloren haben – dieser kleine Exkurs sei mir gestattet – sind übrigens Kondome und Klopapier. Präservative werden inzwischen in jedem Drogeriemarkt ins Regal gelegt, und das ist gut so, es sind in den 50er Jahren noch junge Frauen schwanger geworden, weil man (Mann) es nicht übers Herz brachte, beim Drogisten nach Kondomen zu fragen. WC-Papier kann jeder Mensch inzwischen ungeniert nach Hause tragen, offen! Ging früher nicht, selbst die Klorolle im Auto verbarg man unter einem Häkelhütchen – was doof war, denn jeder wusste ja, was sich unter dem Häkelhut befand. Die WC-Papier-Peinlichkeit ist übrigens total unverständlich, denn jeder Mensch muss ja, und jeder braucht Klopapier.

Grosse Dinge wie LKWs, 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser bekommen Sie nicht in den Innenstädten. Nicht in der Berner Innenstadt. Nicht in der Zürcher Innenstadt. Weil man einen LKW nicht aus der Fussgängerzone herausbekommt. Genauso wenig wie 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser.

Was aber ist das Problem mit Schnürsenkeln? (oder für die Eidgenossen: Schuhbändeln)
Sie sind nicht selten. Kein Spezialbedarf.
Sie sind nicht peinlich.
Sie sind nicht gross und sperrig.

Vor sechs Wochen riss mir um die Mittagszeit der Schnürsenkel. Damals bin ich zwei Stunden in der Basler Innenstadt herumgerannt um einen neuen zu finden.
MIGROS: Fehlanzeige
COOP: Fehlanzeige
Alle Kaufhäuser: Fehlanzeige.
Sämtliche Schuhläden: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxusschuhen ab 600 Franken.
Sämtliche Sportgeschäfte: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxussneakers ab 700 Franken.
Bis ich dann meine geheime Spezialadresse fand…

Was ist das Problem mit Schnürsenkeln? (Schuhbändeln)
Fast jeder Mensch trägt welche mit sich herum, und kommt dann in eine bescheuerte Situation, wenn diese reissen. Und sie reissen immer im dümmsten Moment. Sie sind auch nicht gefährlich, natürlich, man könnte jemand damit erwürgen, ich habe allerdings noch nie von einem solchen Mord gehört…
Nein.
Ich verstehe das nicht. Zumal MIGROS und COOP eine Menge Mist anbieten, den man akut nun wirklich nicht braucht. (Duftkerzen und so…)

Ach so,
Sie wollen meine Spezialadresse? Weil ihre Schnürsenkel (Schuhbändel) auch schon sehr dünn sind?
So sehen Sie aus.
Die bleibt geheim. Sonst kaufen Sie mir alles weg und ich habe das Nachsehen.