Eigentlich ist es ja zu heiss zum Schreiben. Eigentlich sollte ich mir Hitzeferien (CH) oder Hitzefrei (D) geben.
Aber:
Die Zahl der Seitenaufrufe hat im Juni einen Höchststand erreicht. Anscheinend sind 38° oder 40° zwar Mist zum Schreiben, aber gut zum Lesen. Oder haben alle gerade – ausser mir – Hitzefrei/Hitzeferien und sitzen daheim und lesen die Glosse.
Wie dem auch sei, ich shonagonne heute einfach ein bisschen zum Thema «Hitze»
Vielleicht muss man das Wort «shonagonnen» doch noch einmal erklären.
Es bedeutet «eine poetische Liste im Stile des Kopfkissenbuches der Hofdame Sei Shōnagon schreiben». Dieses Verb fügt sich in eine ganze Reihe von Tunwörtern ein, die nach Dichtern, Autoren oder Musikern benannt sind: Wenn ein Journalist sich irgendwo undercover in Verkleidung einschleicht, dann heisst das im Schwedischen er «wallrafft». Der zupackende Bogenstrich des Musica Antiqua Köln-Chefs Reinhard Goebel ist so legendär, dass man in der Alte Musik-Szene, wenn jemand mit dem Bogen rumst und bumst, sagt, er oder sie «goebele». Die Wörter «heinen» oder «heine(l)n» sind ebenso solche Ableitungen wie «kafkaesken».
Wenn ich also Posts immer wieder «Shonagonnen» nenne – ich verdeutsche bewusst durch Hinweglassung des Striches über dem O – dann meine ich, dass Listen in ihrem Stile folgen.
Hier also die aktuellen:
Was wir bei der Hitze nicht tun sollten
Hot Jazz hören
Erhitzte Diskussionen führen
Den «Sonnengruss» im Yoga machen
Heisse Eisen (wie Rente) anpacken
Breite Bettelsuppen kochen
Uns warm anziehen
Den «Feuervogel» anhören oder ansehen
Uns an den heissen Busen drücken lassen
Mit der Klara in die Sahara fahren
Dahin gehen, wo der Pfeffer wächst
Was wir bei der Hitze tun sollen
Cool Jazz hören
Uns eine Kaltmamsell* bestellen
50x den «Eisbär» von Grauzone hören
Die Badewanne mit Eiswürfeln füllen und dann einen Hechtsprung hinein machen
Whiskey on the Rocks ohne Whiskey trinken
Die Winterreise hören
Herbstgedichte von Rilke lesen
«Die gescheiterte Hoffnung» anschauen
Einen nassen Lappen auf den Kopf legen
Nichts tun
IN diesem Sinne: Kommen Sie gut durch das Glut-Wochenende
* «Kaltmamsell» ist ein veralteter (und problematischer) Ausdruck für eine Frau, die beim Catering die kalte Küche (Salate, Sandwiches) betreut.