Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.
Und er meint nicht die praktischen Städte, in denen man den Dom gleich neben den Bahnhof gebaut hat, so wie in Köln («…wir könnten doch gleich neben dem HBF eine Kirche bauen, wäre doch ganz sinnvoll…»), und er meint auch nicht ein Bauwerk, wie es Ende im «Spiegel im Spiegel» beschreibt:
… die Bahnhofskathedrale stand auf einer grossen Scholle aus schiefergrauem Gestein, die durch den leeren, dämmernden Raum dahinschwebte…ein babylonisches Bauwerk von verwirrenden Ausmassen, noch lange nicht fertig, wie die vielen Gerüste erkennen liessen. Aus den filigranartig durchbrochenen Mauern strahlte und glitzerte Licht…
Also nicht eine Kirche, die wie ein Bahnhof aussieht, oder ein Bahnhof, der wie eine Kirche aussieht (trotz aller Ähnlichkeiten).
Nein.
Eine Kirche im Bahnhof.
Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.
Nun gibt es ja die Bahnhofsmission, oder ähnliche Einrichtungen, aber die widmen sich ja eher karitativen Aufgaben. Ich habe übrigens schlechte Erfahrungen mit der Bahnhofsmission gemacht; die Dame, die man uns ans Gleis schickte, als ich mit meiner damaligen Frau, die sich einen Bänderriss zugezogen hatte, wollte nicht unser Gepäck transportieren, konnte keinen Fahrplan lesen und durfte nicht medizinisch helfen. Was sie wollte und durfte, war das Unterstützen meiner Frau beim Treppenlaufen, das aber lehnten wir ab, wer stützt sich auf eine 75-jährige Dame, wenn man mit einem Bein die Stiege hinabhüpft?
Aber ich schweife ab.
Die Idee ist eine Kirche, Kapelle, ein Dom, eine Kathedrale, ein Dom, ein Andachtsraum in jedem Bahnhof.
Wie jener Priester meint, gibt es zwei Voraussetzungen, dass Menschen in einen Gottesdienst, zu einem Rosenkranz oder in die Beichte gehen:
* Sie haben Zeit.
* Sie sind in einer Notlage.
Und beide Bedingungen sind auf allen deutschen Bahnhöfen gegeben.
Stellen Sie sich vor, Sie sind von Lübeck nach Tübingen unterwegs. Kommt ja vor. Und nun hat ihr Regionalzug von Lübeck HBF nach Hamburg HBF deutlich Verspätung, kommt ja auch vor. Der durchgehende ICE an den Neckar ist weg. Und man hat zwei Möglichkeiten: In einer Stunde eine Verbindung mit 2x Umsteigen oder in zwei Stunden eine ohne. Die gleiche Kiste könnte übrigens auch in Stuttgart passieren, wenn alles bis Stuttgart HBF glatt läuft.
Sie haben nun also zwei Stunden Zeit. Und Sie sind verzweifelt, in Not, Sie haben Gebetsanliegen und Fürbittensprüche.
Was läge also näher, als eine Bahnhofskirche aufzusuchen?
Spintisieren wir also ein wenig herum:
Am 30. November 2031 werden in 30 deutschen Bahnhöfen Kirchen eingeweiht, der Tag ist ideal, ist es doch der Tag des Heiligen Andreas, des Apostels der Eisenbahner, aber auch der 1. Advent (Advent gleich «Ankunft» ist ja ein zentrales Thema der Bahn). Gepredigt wird über Lukas 7, 19 über jenen Satz, den man ja jedem ankommenden Zug entgegenrufen möchte: «Bist du, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?»
Ich bekam eine Mail von einem deutschen Priester, der den letzten Post gelesen hatte. Er hält die Idee einer Bahnhofskapelle, einer Bahnhofskirche, einer Bahnhofskathedrale für sehr spannend.
Ich auch.