Um es gleich vorweg zu sagen, liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.
Nun gibt es allerdings innerhalb der einzelnen Königshäuser und Königsfamilien anscheinend Unterschiede in der Auffassung, was «Königssein» oder «Königinsein» bedeutet.
Das Spektrum reicht von einem Egbert,
der noch in der Stammestradition lebte und einfach derjenige war, der am besten kämpfte, dessen Schultern die breitesten und dessen Schwert das schärfste war, der am schnellsten rennen und am höchsten springen, am meisten saufen und fressen konnte und überhaupt der tollste Hecht war,
über einen Louis XIV.,
der als Sonne, als Fixstern, als uneingeschränkter Glanz in Versailles thronte, sich von 500 Musikern aufspielen liess, von 600 Köchen bewirten und von 700 Schneidern einkleiden, und der jede Kritik mit einem L'État, c'est moi oder einem Après nous le déluge hinwegfegte,
über einen Wilhelm II. von Württemberg,
der eigentlich mehr ein Grossbürger war, vom Schloss in ein kleines Palais umzog und jeden Morgen mit seinen Hunden im Park spazieren ging, wobei er von den hutlüpfenden Bürgern mit «Gude Morge, Herr Keenig» begrüsst wurde,
bis zu den modernen Königen und Königinnen,
die als Teil einer parlamentarischen oder konstitutionellen Monarchie nur repräsentieren und Gesetze unterschreiben, Parlamente eröffnen und sonst nichts zu sagen haben.
In den Epstein-Files tauchen nun Namen auf, Namen aus royalen Häusern und royalen Familien. Und das ist ein Skandal, aber nicht verwunderlich, nicht erstaunlich, denn der Zusammenhang zwischen Sex und Krone, Beischlaf und Macht ist sehr, sehr alt.
Und je nachdem, wo in der obigen Liste, wo im Spektrum die Leute sich vermuten, sieht es halt so oder so aus – anders formuliert: Manche sind aus der Zeit gefallen.
Ein Egbert hatte wahrscheinlich kein Problem mit Sexualität. Er war ja eh der Grösste, der Stärkste, Tollste, er war der, der am besten kämpfen und saufen konnte, er war «brave» und da war das Wort als «tapfer» noch nah am «bravus» (=wild) und noch nicht zum «brav» verkommen, und als Haudegen und Tapferster hatte er natürlich auch den Längsten, und er nahm sich, was er wollte. Wer versuchte, ihm zu wehren?
Louis XIV. und auch die anderen absolutistischen Könige hatten das alles schon klarer geregelt: Man(n) hatte eine Königin fürs Offizielle, für die Staatsgeschäfte und den Nachwuchs, den Erben, daneben hatte man eine deklarierte und titulierte, eine amtliche Geliebte, die Mätresse (im Falle Louis XV. die berühmte Madame de Pompadour, von der auch eigentlich erst das Sintflut-Zitat stammt), deren Kinder auch anerkannt wurden (und finanziell versorgt), alle Frauen und Mädchen daneben wurden verleugnet und ihre Kinder hatten das Nachsehen.
Wilhelm II. von Württemberg hätte bei einem Seitensprung, einer Affäre ein kleineres Problem gehabt, nicht nur, weil man im Grossbürgertum Stuttgarts nicht einfach so herummachte, auch, weil er als anständig galt…
Und heutige Königshäuser?
Ja, die sind eben Teil einer anderen Gesellschaft und Repräsentanten. Und als Repräsentantin oder Repräsentant eines anständigen Staates sollte man auch so agieren.
Man möchte allen Prinzen und Herzögen, allen Königen zurufen: Wenn eure Namen in den Files stehen, dann Schande über euch, ihr seid nicht mehr zeitgemäss! Ihr seid keine Egberts mehr, ihr seid keine Louis XIV. mehr, die Zeiten des Frühmittelalters und des Absolutismus sind vorbei.
Liebe Leserin, lieber Leser:
Ich halte die Monarchie für eine tolle Sache.
Wenn man ein Staatsoberhaupt hat, das hauptsächlich repräsentiert (wie zum Beispiel die Deutschen), dann ist es doch nicht schlecht, wenn es eine Person ist, die das Repräsentieren von den Kinderschuhen an gelernt hat. Oder besser Personen, Mehrzahl, denn man hat ja oft eine ganze Familie.
Wenn aber zu viele Namen in den Epstein-Files stehen, dann werde ich diese Meinung noch ändern.