Dienstag-Freitag-Glosse
Freitag, 28. August 2026
Vokuhila ist zurück! Alles kommt zurück!
Er gibt seit Jahren Kurse in Aqua-Fit, Aqua-Gym, Aqua-Jogging und Aqua-Power. Man trifft ihn in diversen Bädern der Region Basel und seine Lektionen in Aqua-Fit, Aqua-Gym, Aqua-Jogging und Aqua-Power sind beliebt. Er steht nämlich nicht nur am Beckenrand, lässt Discomusik laufen und gibt Befehle, nein, er macht alles auch mit.
Regius Herr ist eine Legende.
Man kennt den beliebten Leiter von Aqua-Fit, Aqua-Gym, Aqua-Jogging und Aqua-Power schon von weitem: Im Bad trägt er stets eine schrägfarbige Badeshort, lila oder pink oder gelb oder alles drei gemischt, er ist sehr braungebrannt und sehr drahtig und…
und…
und…
Regius Herr trägt seit Jahren Vokuhila.
Vokuhila also.
Für die jungen Leserinnen und Leser: «Vokuhila» steht für «vorne kurz – hinten lang» und bezeichnet eine Frisur.
Aha.
Werden die jungen Leserinnen und Leser sagen, das kennen wir doch, das heisst bei uns «Mullet».
Sie ist nämlich zurück, die grösste Modetorheit der 80er, jene Haartracht, die zum Beispiel von Dieter Bohlen getragen wurde und die von vernünftigen Leuten als Nackentapete, Manta-Matte oder Nackenspoiler bezeichnet wurde. Immer wieder und immer mehr sehe ich ganz, ganz, ganz junge Menschen mit diesen Fransen auf der Stirn und langen, hängenden Haaren hinten am Hals.
Sie nennen das «Mullet», ich «Vokuhila», aber es ist die gleiche Chose.
Was uns wieder zeigt: Alles kommt wieder.
Wenn Sie also seit 40 Jahren weisse Sportstrümpfe zu Adiletten tragen und diese weissen Sportstrümpfe auch noch straff bis zum Knie hochziehen, wenn Sie seit 1985 die angewiderten Blicke anderer ertragen, dann wohl Ihnen! Die Durststrecke ist vorbei, ich habe gestern vor der Badi einen 16jährigen mit genau diesem Igitt-Outfit gesehen.
Wenn Sie also einen Wandrollenhalter an der Küchenwand haben (für manche der Inbegriff der Spiessigkeit…), dann montieren sie den nicht ab. Alle Hersteller und Grosshändler bieten inzwischen im Internet welche an.
Ich traf im März auf einer Geburtstagsparty einen Marketingmenschen der Soundindustrie, der mir erzählte, sie machten zurzeit nur in zwei Sparten wirklich Gewinn: Streaming und Vinyl.
Vinyl!
Die totgeglaubte LP feiert ein strahlendes und glänzendes Comeback, ein Comeback, das niemand, aber auch wirklich niemand für möglich gehalten hatte. Wohl Ihnen also, wenn Sie Ihren alten Plattenspieler nicht weggeworfen haben.
Die Frage ist, ob auch die Kassette wieder erscheint, ob wir in ein paar Jahren wieder dahocken und mit einem Kugelschreiber oder Bleistift die Bänder einrollen bzw. aufspulen? Wer weiss…
Alles kommt zurück.
Auch sehr blöde Sachen kommen zurück, wie zum Beispiel die Nazis, die Aufrüstung, die Homophobie und die Fremdenfeindlichkeit.
Aber das ist ein anderes Thema.
Regius Herr ist eine Legende.
Er gibt seit Jahren Kurse in Aqua-Fit, Aqua-Gym, Aqua-Jogging und Aqua-Power und diese Kurse sind beliebt.
Regius Herr ist eine Legende. Man kennt ihn mit seiner lila, pinken, gelben oder alles-zusammen Badehose und seiner Vokuhila schon von weitem.
Und mit seiner Vokuhila ist er top-modern.
Man muss nur «Mullet» dazu sagen.
Dienstag, 25. August 2026
Der Angriff der Killer-Tannennadeln
Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Und zwar nicht etwa an einer Stelle, sondern an drei verschiedenen Stellen in der Wohnung:
Die erste lag bei der weissen Sitzgruppe, die rechts im Entree steht.
Die zweite hatte sich beim Fernseher im Wohnzimmer versteckt.
Die dritte zeigte sich auf der Schwelle zwischen Wohnzimmer und Entree.
Das war nun aus zwei Gründen einigermassen erstaunlich.
Einerseits hatten wir am Dreikönigstag den Christbaum entsorgt und an Lichtmess (dem anderen möglichen Termin) den Adventskranz, das heisst die Nadeln hatten 20 Putzaktionen überlebt (ich mache immer samstags Grossputz, da müssen wir nur die Ferienwochen abziehen). Wo hatten sie sich versteckt? Wo verborgen?
Andererseits lag der Kranz auf dem Tisch im Entree (was Nadel 1 erklärt), der Weihnachtsbaum aber stand im Esszimmer, wo sich keine Nadeln befanden.
Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Ich suchte nun nach anderen Erklärungen. Aber keine griff irgendwie. Lange Zeit fand ich die besonders gut: Es waren gar keine Tannennadeln, es waren Rosmarinnadeln, die vom Balkon hereingeschleppt worden waren. Schönheitsfehler dieser Begründung war, dass wir zwar Minze, Basilikum, Lavendel und Zitronenmelisse auf dem Balkon haben, aber eben keinen Rosmarin.
Ich fand neulich beim Putzen drei Tannennadeln.
Die erste bei der weissen Sitzgruppe, die rechts im Entree steht.
Die zweite beim Fernseher im Wohnzimmer.
Die dritte auf der Schwelle zwischen Wohnzimmer und Entree.
Nach vielem Nachdenken bis ich nun auf die Lösung gekommen, und diese Lösung ist wenig erheiternd. Die Tannennadeln sind in die Wohnung eingedrungen. Sie sind die Vorboten einer ganzen Armee von Nadeln, die ab jetzt in meine Privatsphäre drängen werden. Nächste Woche werden es schon fünf, sechs pro Zimmer sein, im September werden mehrere Kehrichtschaufeln nicht ausreichen, und dann werden Tausende von Nadeln aus Ritzen und Rohren, aus Spalten und Anschlüssen, werden aus Schränken und Kammern quellen. So wie bei Stephen King immer das Blut aus dem Waschbecken. Nur eben ohne Waschbecken und ohne Blut.
Ich sehe schon die Überschrift in der Bildzeitung vor mir:
ANGRIFF DER KILLER-TANNENNADELN
WOHNUNG UNBEWOHNBAR – MIETER VERZWEIFELT
Die Tannennadeln sind wahrscheinlich nicht die einzigen. Weil wir Menschen die Natur so vernachlässigen, weil wir nicht auf das Klima achten und alles kaputtmachen, weil wir keine Sorge haben, schlagen die vertrockneten und vertrocknenden Pflanzen jetzt zurück. Sie überschwemmen uns mit Nadeln, Blättern und Zweigen. Irgendwann werden wir alle in unseren Wohnungen an Pflanzenresten ersticken.
Die Szenarien, die ich mir ausmale, sind so wie in einem guten Horrorfilm. Alles quillt, drängt, schwemmt, und der Schrei erstickt uns in der Kehle.
Natürlich muss man sofort an Bücher und Filme wie «Der Schwarm» oder «Die Vögel» denken…
Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Nun habe ich gestern auf meinem vorderen Balkon gefegt und dort ca. 150 Tannennadeln gefunden. Diese Nadeln stammen von der Tanne aus dem Park gegenüber, die nun auch sehr unter den gefühlten 45° leidet. Und diese Tannennadeln sind natürlich irgendwann an meinen Schuhen in die Wohnung gelangt.
Das ist der wahre Grund.
Aber ganz ehrlich:
Die Geschichte «Angriff der Killertannennadeln» wäre nicht nur ein unglaublich guter Horrorfilm oder ein super Thriller in Buchform, es würde einen auch wachrütteln, wenn die leidende Natur sich wehren würde…
Freitag, 21. August 2026
Die Autokorrektur verunsichert uns
Antwort: Der, der sie nicht kann.
Denn wenn es einen Fehler in der Vorlage hat, zum Beispiel «Dominus nova», dann kopiert der Unkundige einfach diese falsche Wendung, während der Kundige in «Dominus novus» korrigiert, von dem er meint, es sei in der Vorlage der Vorlage gestanden. Dort kann aber auch «Domina nova» gestanden haben.
Im Fall des «Dominus nova» werden wir uns auf die Suche nach der Originalquelle machen, im anderen Fall nicht, weil uns ja nicht auffällt, dass hier etwas falsch ist.
An diese Kopisten, den Ich-schreibe-einfach-ab-Kopisten und den Ich-korrigiere-Kopisten muss ich denken, wenn ich so bestimmte Textnachrichten anschaue. Da hat eine Autokorrektur Wörter verändert und der Schreiber hat es nicht bemerkt. Und manchmal, manchmal, manchmal ist man wirklich nicht sicher, welche der beiden Möglichkeiten stimmt.
Das sind dann die schönen Fälle.
Die anderen sind langweilig:
«Das wir bald der Fall sein.»
Macht so keinen Sinn, es ist völlig einleuchtend, dass hier ein D fehlt.
«Ich habe ihr gesagt, sie solle nicht anfangen zu heute.»
Auch hier eindeutig, dass «heulen» gemeint war.
Es ist ja schon die Wortart, die nicht stimmt.
Nun aber zu netten Fällen:
«Das Buch von Robert Haselbaum beschreibt den Alltag in der DDR in der besten Thomas Bernhard-Manie.»
Wirklich Manie? Gut, der legendäre Schriftsteller aus Gmunden hatte ja schon etwas Manisches, oder hat Haselbaum eine manische Beziehung zu Bernhard? Wie manisch ist das Buch? Wahrscheinlich ist aber doch eine Manier. Ganz herausfinden werden wir es nicht.
«Der Roman stammt aus den Federn der jungen polnischen Autorin Agata Dobrowski.»
Wie ist das nun zu verstehen? Ist das Buch autobiografisch? Hat Agata vielleicht wie weiland die japanische Hofdame ein Tagebuch im Kopfkissen? Hat sie den Stoff geträumt? Oder – nun müsste man wissen, wie erotisch und drastisch das Buch ist – hat Dobrowski hier ihre eigenen Erfahrungen aufgeschrieben? Ist sie eine Femme fatale, die sich bei George Sand und Colette einreiht?
Eventuell, nein, ziemlich sicher, ist hier aber «aus der Feder» gemeint.
«Seit Werner Bitterli an der Sekundarschule in Balsthal unterrichtet, lebt er nur für seine Kassen.»
Wunderschön. Hier wird doch endlich einmal Klartext geredet! Diese Lehrer! Sie sind nur hinter dem Geld her, haben seit Jahrzehnten keine Präparation mehr gemacht, suchen sich dann noch 3 Nebenjobs und streichen alles an Boni ein, was sie kriegen können! Armer Bitterli, man tut dir unrecht. Die Autokorrektur hat hier einfach ein L unterschlagen.
«Bist du wieder in der Gosse unterwegs?»
Das schreibt mir ein Kumpel – und auch hier bin ich mir im ersten Moment nicht sicher, ob er das nicht ernst meint. Oder ironisch? Er weiss doch, dass ich nichts mehr trinke, und dass deshalb auch Kneipentouren mit Absturz nicht mehr vorkommen, er weiss doch, dass ich früh ins Bett gehe und schrecklich seriös lebe.
Auf Nachfrage hin: Natürlich ging auch hier ein L verloren.
In jedem Einführungsseminar eines philologischen Faches beschäftigt man sich stets auch mit der Herkunft von Texten: Was war der Originaltext? Wo wurde von wem kopiert und welche Überlieferungsfehler wurden dabei gemacht? Und der Dozent oder die Dozentin stellt dann immer die Fangfrage: «Welcher Kopist ist für uns der geschicktere – der die Sprache KANN oder der sie NICHT KANN?»
Antwort: Der, der sie nicht kann.
Die Autokorrektur gehört leider zur anderen Fraktion.
Dienstag, 18. August 2026
Bei vielen Waren weiss ich gar nicht mehr, was das ist
Da stand zum Beispiel über einem Laden «FOR YOU – Bischubaschu vom Feinsten». Was um aller Welt ist Bischubaschu? Ich linste ein wenig in den Laden, dort stand eine Theke und dahinter zwei Mädels in Schürze, die Mädels, die gerade den Shop verliessen, hatten Becher in der Hand bzw. in den Händen, Bischubaschu musste also ein Getränk sein. Ich fragte nun mutig, beherzt und couragiert nach, was dieses Produkt mit dem komischen Namen sei, erntete aber trotz mutiger, beherzter und couragierter Frage nur Gelächter. Anscheinend hatte ich mich als hoffnungslos Gestriger geoutet.
Nun gut, es gab ja mein Smartphone und es gibt Google, so fand ich heraus, dass Bischubaschu ein afrikanisches Getränk ist, das aus aufgebrühtem Efeu besteht. Was es nicht alles gibt…
Ich schlenderte weiter und stiess auf einen Laden, der mit einem Schild «I-NOSE-PLUG / Elektronische Nasenstöpsel» warb.
Ich probierte es noch einmal und trat mutig, beherzt und couragiert in das Geschäft und fragte mutig, beherzt und couragiert den sehr korrekt gekleideten Verkäufer. Er kicherte nicht, sondern erklärte mir, was I-Nose-Plugs machen: Die Stöpsel nehmen Geruchspartikel war, analysieren sie und senden die Informationen sofort aufs Phone. Man fragt sich also nie mehr: «Nach was riecht es hier?», sondern man schaut nur noch auf sein Smartphone.
Sehr praktisch.
Sehr unpraktisch allerdings, wenn sich der Plug irrt, denn man riecht ja selbst nichts mehr, man würde also die giftigen Gase nicht wahrnehmen und wenn auf dem Handy «Mandeln» steht, würde man das Zyankali nicht riechen.
Beim übernächsten Geschäft fiel mir ein Aufsteller mit der Aufschrift JAN & JENS & JON / SHADOWFOOD & DRINKS & MORE auf.
Was auch immer Shadowfood sein mochte, Jan, Jens und Jon mochten das &-Zeichen und sahen in ihren engen schwarzen T-Shirts und ihren kurz geschnittenen blonden (Jens?), roten (Jan?) und schwarzen (Jon?) Haaren so unnahbar aus, dass ich keinen Mut und keine Courage aufbrachte.
Aber wieder half mir mein Universe-X-34-Phone aus der Patsche: Shadowfood ist Essen, das wie ein Schatten gegen die Hitze hilft (…aha, daher auch «& drinks…) Als Beispiele werden Gurkensandwich, Karottensalat und Zuchinipastetlein genannt.
Geht es Ihnen nicht auch manchmal so?
Dass Sie durch die Stadt laufen und haben keinen blassen Schimmer mehr, was in den Läden eigentlich angeboten wird?
Kluge Menschen werden jetzt einwenden, dass das immer so war. Einmal wurde ja die erste Pizza, das erste Gelato, einmal wurde der erste Döner und das erste Sushi angeboten. Einmal – das ist nun schon lange her – der erste Kaffee und der erste Tee. Ja, einmal muss es sogar den Schrei «Ughuh! Ihi! Ugagaga! Untu! Ihi!» gegeben haben, mit dem ein Urmensch seinen Kollegen zum ersten Mal ein auf Feuer gebratenes Fleisch anbot.
Ja.
Gut.
Aber was neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der Dinge viral gehen, gehypt werden und bald wieder verschwinden.
Ich muss mir Bischubaschu nicht merken, ich gebe dem Laden höchstens 10 Wochen, dann haben alle das Zeug probiert und finden es entweder doof oder sie finden es toll, merken aber, dass sie Efeu auch ums Haus haben und keine 12 Franken für einen Becher bezahlen müssen.
Ich gebe auch dem Stöpsel-Shop nicht lange. Der Hype wird lustig sein, aber irgendwann findet es man ja auch doof, nicht mehr selber Düfte in die Nase zu ziehen.
Und Gurkenbrote und Karottenzeug ist auch nicht so originell, und irgendwann wird es auch wieder kühler…
Ich war neulich im Einkaufscenter St. Peter shoppen. So weit, so gut. Was mich aber während eines sonst relativ unterhaltenden und lustigen Nachmittages ein bisschen drausbrachte, war die Anzahl der Geschäfte, bei denen ich gar nicht mehr wusste, was sie eigentlich verkaufen.
Und so gehe ich heute ins Shoppingcenter St. Jakob und bin mal gespannt, was mir dort um die Ohren gehauen wird.
Freitag, 14. August 2026
Das Märchen vom Fussballspieler und seiner Frau
Heute erzähle ich euch ein Märchen:
Es war einmal ein Mann, der lebte in Bummen an der Bumme mit seiner Frau in kleinen, bescheidenen Verhältnissen. Er hatte eine Stelle als Unter-Büromensch, die ihm ein kleines Gehalt sicherte, sie arbeitete beim Supermarkt an der Kasse. Den Rest ihrer Zeit widmete Marion-Lu, so hiess sie, (ganz traditionell) Haus und Garten und Magnus-Till, so hiess er, einem Hobby: Er spielte im FC Bumme und engagierte sich dort auch im Vorstand.
Einmal arbeitete sie im Garten und fand auf einem Kohlblatt eine fette Raupe. Sie wollte sie gerade zermanschen, da sprach diese: «Töte mich nicht, ich bin eine verwunschene Prinzessin.» Und so liess Marion-Lu sie leben. Als sie Magnus-Till die Geschichte erzählte, da rief er: «Du hast sie einfach leben gelassen? Sie hätte dir sicher einen Wunsch erfüllt! Gehe hin und frage sie, ob ich nicht Vereinspräsident werden kann.» Und so ging sie in den Garten, wobei sie bemerkte, dass inzwischen einige Wolken aufgezogen waren. Und sie rief:
Mona, Mina, Muna, Matt
Raupe, Raupe, auf dem Blatt,
Ach, mein Mann, der Magnus-Till
Will nicht so, wie ich es will.
Da erschien die Raupe und fragte, was er denn wolle. Und sie sagte: «Er will Vereinspräsident werden.» «Geh wieder hinein, er ist es bereits.»
So wurde Magnus-Till Vereinspräsident und eine Weile sehr glücklich, er legte sich einen neuen Schreibtisch zu, neues Briefpapier und neue Visitenkarten. Aber dann merkte er, dass es noch viele Ebenen über ihm gab und man noch viel mehr Macht bekommen könnte. Und so schickte er Marion-Lu wieder in den Garten.
Als sie dort ankam, tröpfelten schon einzelne Regentropfen. Und sie rief:
Mona, Mina, Muna, Matt
Raupe, Raupe, auf dem Blatt,
Ach, mein Mann, der Magnus-Till
Will nicht so, wie ich es will.
Und die Raupe kam und fragte: «Was will er denn nun?» «Ach», seufzte Marion-Lu, «er will Präsident des Deutschen Fussballbundes werden.» «Kein Problem», sprach die Raupe. Schon geschehen.»
Ja, jetzt war Magnus-Till happy! Er musste nur noch 20% in sein altes Büro, den Rest der Zeit verbrachte er im Verband, schrieb und dachte, organisierte, gab Interviews und bereiste die Welt. Und da bemerkte er, dass ja noch Leute über ihm waren. Und schon liess seine Happyness ein wenig nach. Und er sandte seine Frau erneut zur Raupe.
Als Marion-Lu im Garten ankam, war ein richtiger Sturm mit ersten Blitzen losgegangen. Und sie rief laut:
Mona, Mina, Muna, Matt
Raupe, Raupe, auf dem Blatt,
Ach, mein Mann, der Magnus-Till
Will nicht so, wie ich es will.
«Was will er denn dieses Mal?» Mit diesen Worten kroch die Raupe unter einem Strunk hervor. «Er will FIFA-Präsident werden.» «No Problem. Er ist ab heute Präsident der FIFA.»
Nun begann eine herrliche Zeit. Alle Kameras der Welt waren auf Magnus-Till gerichtet und er ging bei den Mächtigen ein und aus. Büro in der Grösse eines Fussballfeldes, eigene Assistenten, eigenen Visagist und eigene Homepage. Er war nun etwas! Nur eines wurmte ihn: Er musste Meisterschaften organisieren, die er nicht vollständig bestimmen konnte (zum Beispiel Rote Karten und so), und richtig verdienen an ihr tat er auch nicht.
Und so musste die arme Frau ein letztes Mal zur Raupe. Als sie in den Garten kam, blitzte es und donnerte es und der Regen prasselte vom Himmel. Und sie rief:
Mona, Mina, Muna, Matt
Raupe, Raupe, auf dem Blatt,
Ach, mein Mann, der Magnus-Till
Will nicht so, wie ich es will.
Die Raupe kam und fragte: «Und jetzt?» «Jetzt will er, dass die WM ihm gehört.» «Geh wieder hinein», sprach die Raupe, «er ist wieder einfacher Spieler. 3. Mannschaft, Ersatz, und im Vorstand ist er auch nicht mehr.»
So.
Nun kann man nur darauf hoffen, dass Märchen wahr werden…
Dienstag, 11. August 2026
Wer will Jens Spahn zurück?
Ich habe mich in fast 1500 Posts noch nie wirklich mit Jens Spahn beschäftigt.
Warum ist das so? Der gute Jens böte ja nun weiss der Himmel genug Möglichkeiten für einen Satiriker ihn nach allen Regeln der Kunst auf die Schippe zu nehmen. Irgendwie aber hat er sich immer weg- und durch- und vorbeigewunden, als sei er zu schlüpfrig und nicht greifbar. So wie ein glatter und nasser Fisch. Sagen wir es doch so: Er ist aalglatt.
Nun dachte ich, der Kerl sei weg vom Fenster und man müsse sich nicht mehr mit ihm befassen, nun liest man, dass bestimmte Menschen in der Union wirklich ein Comeback von ihm möchten. Himmel!
Gut, dann muss Jens halt doch wieder auf den Tisch, von dem ich ihn gerne gehabt hätte.
Ein guter Freund, mit dem ich das Freitags-Café der Rosa Hilfe Freiburg e. V. betrieb (ein Non-Profit-Ding), pflegte und pflegt zu sagen: Es gibt Menschen, die sind «homosexuell» (er spricht und sprach die Anführungszeichen ganz reizend aus), aber nicht schwul. Man könnte hier nun auch noch ergänzen: Es gibt Menschen, die sind «schwul», aber nicht queer.
Herr Spahn hätte noch vor zehn Jahren sich lieber im Weihwasserbecken ertränkt oder sich totgegeisselt als sich als «schwuler Mann» zu bezeichnen. Nun hat er das neulich getan, aber als «queer» würde er sich sicher nie sehen. Und irgendwie passt er da – obwohl er sich ja deutlich von der AfD distanziert – auch auf gespenstische Weise zu Alice im Wunderland, die mit einer Frau lebt, aber von sich niemals als «Lesbe» oder «queere Person» redet…
Jens propagiert sich auf seiner Homepage eindeutig als Westfale. Nun kommen mir bei den Westfalen immer die Worte der rheinischen Separatistin Hölthohne aus «Gruppenbild mit Dame» in den Sinn: «…meinetwegen ein paar Westfalen dazu, wenns denn nicht anders geht, aber was bringen die uns denn ein? Klerikalismus, Heuchelei und Kartoffeln – ich weiss nicht genau, was die da anbauen – und die Wälder und Felder, na, meinetwegen, die kann ich auch nicht mit nach Hause nehmen – die bleiben da schön stehen, aber meinetwegen ein paar Westfalen dazu…» Es ist jetzt sehr fies formuliert, aber erinnert der Kopf des J. S. nicht sehr an eine Kartoffel? Von der Heuchelei wird ja noch zu reden sein.
Westfalen sind stur. Und diese Sturheit zeigte sich in herrlicher Weise in der Corona-Geschichte. Da muss es Telefonate zwischen RKI-Wieler und ihm in dieser Art gegeben haben:
Spahn: Wir nennen es «Ungeimpften-Pandemie».
Wieler: Machen wir nicht, es ist blöd und vor allem unwissenschaftlich. Ich möchte nicht, dass du das öffentlich sagst.
Spahn: Gut, dann nenne ich es «ungeimpfte Pandemie».
Wieler: Das ist noch dümmer. Ich möchte aus Sicht des RKI, dass du die zwei Worte gar nicht im Kontext gebrauchst. Klar?
Spahn: Ich habˋs: «Pandemie der Ungeimpften».
Nun zur Heuchelei.
Die Basler Regierung beschloss kurz vor Bundesfeier 2026, auf die Feuerwerke auf dem Rhein und auf dem Bruderholz zu verzichten. Der Tenor war, dass man den Bürgerinnen und Bürgern nicht das eigene Knallen verbieten könne und dann riesengrosse Raketen starten. Denn auf dem Rhein wäre das Problem nicht so gross gewesen Wasser), aber auf dem Bruderholz-Hügel, denn einem trockenen Baum ist es wurscht, ob ihn ein staatlich genehmigter Funke entzündet oder ein illegaler privater.
Diese Haltung hätte man Jens und Daniel gewünscht.
Nicht das machen, was
* allen nicht erlaubt ist
* Nur Reiche können
* und auch der eigenen Haltung eigentlich widerspricht…
Herr Spahn spricht hier von einem «Spannungsfeld». Schönes Wort. Ich werde es mir merken. Wenn ich Ihnen dann in ein, zwei Wochen die Nase breche, und Sie auf mein T-Shirt blicken (falls Sie das dann noch können) und dort «Matthäus 5, 9» lesen (falls Sie das dann noch können), dann werde ich auch von einem «Spannungsfeld» reden.
Zur Erklärung:
Im 9. Vers des 5. Kapitels des Matthäusevangeliums steht «Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heissen.»
Ich habe mich in fast 1500 Posts noch nie wirklich mit Jens Spahn beschäftigt.
Irgendwie aber hat er sich immer weg- und durch- und vorbeigewunden. So wie ein glatter und nasser Fisch. Er ist aalglatt.
Nun dachte ich, der Kerl sei weg vom Fenster und man müsse sich nicht mehr mit ihm befassen, nun liest man, dass bestimmte Menschen in der Union wirklich ein Comeback von ihm möchten.
Besser nicht.
So ein Baby braucht doch volle Aufmerksamkeit.
Freitag, 7. August 2026
Juli-Reise 2026 (4): Von Linzertorte und OÖ
Auch wieder ein Aschenbrödel?
Wie Brünn ist auch Linz so eine Stadt, die man immer wieder übersieht, die also wie Cinderella neben den «schönen» Schwestern nicht bemerkt wird. Wie oft fährt man nach Wien und kurz davor kommt dann diese Stadt und man denkt: Müsste man auch mal hinfahren – was man aber dann doch nicht tut. Wir haben es getan. Und waren angenehm überrascht, es ist eine wunderschöne Stadt, die viel zu bieten hat. Und immerhin die drittgrösste Gemeinde in Österreich.
Linzertorte, original
Das ist wahrscheinlich das, was Ihnen jetzt zu Linz einfällt. Linzertorte. Ist gar nicht so falsch, die Linzertorte kommt wirklich aus Linz, und Sie können hier auch in dem Geschäft einkaufen, das seit vielen Jahren die originale Linzertorte herstellt:
Konditorei Jindrak
oder:
Tortenmacher Heuschober
Das finden Sie nun sicher widersprüchlich, es kann ja schliesslich nur EINEN originalen Tortenladen geben, also entweder Jindrak ODER Heuschober, es reiht sich aber in eine ganze Serie von «originale» und «älteste» ein. So gibt es ja in Deutschland mindestens vier Gasthöfe, die der älteste sind, und Röhrl, Löwen, Bären und Riese machen da gar nicht schlecht Geschäft damit.
Die Linzertorte von Jindrak ist übrigens sehr gut. Die andere probierten wir nicht.
Das dämlichste Landeskürzel der Welt
Das ist nun ein Titel, den ich heute und ohne Berechtigung verleihe, aber wenn man den Rundfunk, den Nahverkehr, die Verbände, die Zeitungen betrachtet, stösst man immer auf das «OÖ» (als Internetadresse dann «ooe») Was wie ein Kuhmuhen oder ein Schaflaut klingt, oder was einen an ein Stöhnen (aus welchem Grund auch immer) erinnert, das ist einfach das Kürzel für Oberösterreich, also für das Bundesland, dessen Hauptstadt Linz ist. Aber die Oberösterreicher sind da schon arm dran, man stelle sich den folgenden Dialog vor: «Ich komme aus Bottrop, aus NRW.» «Ich komme aus Linz, aus OÖ.»
Man darf Gutes wiederholen
Unserer kulinarischer Tag war immer der gleiche, nicht, weil es in Linz keine Kneipen gibt, auch nicht, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist, sondern weil man in eine Lokalität auch ein zweites, drittes, viertes Mal gehen darf, wenn sie gut ist. Warum muss ich immer etwas Neues suchen, wenn ich zufrieden bin? Ausserdem: Am zweiten Tag kannte man uns schon und am letzten wurden wir mit Küsschen und Tränen auf die Heimreise geschickt (ist gelogen, aber es gab Handschlag…)
So gab es Frühstück im Jindrak (nicht nur mit Linzer), Eis um 15.00 im Eissalon am Schillerplatz (das After Eight-Eis!) und Abendessen im Biergarten «Spiegelhof» (schon optisch Ferien pur). Und das jeden Tag.
Keine Söhne der Stadt
Wir haben die Stadt angesehen, waren ausgiebig im Lentos, im modernen Kunstmuseum, wir sind mit dem Bähnli auf den Pöstlingerberg und noch einmal mit Wurm & Noé auf die Donau.
Was wir links liegen liessen, sind die beiden Söhne der Stadt: Stifter und Bruckner. Vielleicht sollte man nicht so viel Thomas Bernhard lesen, wenn man die beiden wirklich mögen will. Er bezeichnet in «Alte Meister» ihre Werke als konfus, unklar und stümperhaft, Stifter nennt er «totes Germanistenpapier», Bruckner einen «Musikverwischer». Also 10 Jahre Bernhard-Abstinenz und dann noch mal nach Linz…
So viel von der Reise.
Ab nächster Woche muss ich mich ja wieder aktuelleren Dingen widmen, was da alles passiert, ich sage nur Spahn und Infantino…