Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.
Im Film «Take the Money and Run» (auf Deutsch «Woody, der Unglücksrabe») ist der Protagonist Mitspieler in einer Marching Band. Allerdings mit dem blödesten Instrument, dem Cello. Und so sieht man Woody, wie er sich stets hinsetzt, um zu spielen, dann aber ist die Kapelle schon viel weitergelaufen, er nimmt Cello und Stuhl und läuft ihnen hinterher, holt sie ein, nimmt wieder Platz… Dieser Vorgang wiederholt sich nun etliche Male. Weil eben ein Cello kein Instrument ist, das in eine Marschmusik gehört.
Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.
Man könnte hier grosse und lange Listen erstellen.
Von Leuten, die Bewegung und Austoben bräuchten, und die dann in einen Schachverein gehen. Und dort nicht stillsitzen können.
Von Leuten, die denken in einem Lesezirkel kämen sie endlich zum Lesen (oder noch besser: es würde ihnen vorgelesen) und die dann feststellen müssen, dass alle die Bücher VORHER gelesen haben.
Von Leuten, die unbedingt Synchronschwimmen machen wollen, aber eine Chlorallergie haben UND auch rechts und links nicht unterscheiden können.
Und so weiter.
Und so weiter.
Es gibt Menschen, die sind im falschen Club.
Aber: Es gibt auch Menschen, die sind in der falschen Partei.
Ich habe über das Thema im März geschrieben, als Özdemir gewählt wurde:
Özdemir ist ein lustiger Kerl. Er ist eigentlich Grüner, aber irgendwie doch nicht. Er hat für die Grünen die Wahl gewonnen, indem er sich maximal von ihnen distanzierte. Damit ist er ein treuer Nachfolger von Kretschmann, der ja irgendwie auch so war.
Menschen, die im Grunde genommen in der falschen Partei sind. Man könnte sie – je nachdem ob man für oder gegen diese Partei ist – als «Wölfe im Schafspelz» oder «Schafe im Wolfspelz» bezeichnen.
Die Schafswölfe / Wolfsschafe haben eine lange Tradition. Immer wieder gab es so Gestalten, die einfach in der falschen Partei waren.
Helmut Schmidt zum Beispiel. Ein SPDler, der aber eine völlig konservative und aufrüstende Politik machte. Ich weiss von vielen CDUlern (u.a. meine Eltern), die ständig sagten: So ein toller Hecht, und wir würden ihn wählen, wenn er nicht in der falschen Partei wäre.
…
Ja, und dann war da noch der Mittellehrer in der grössten Baselbieter Gemeinde, der für die Grünen im Landrat sass, aber keinen einzigen Tag mal mit dem ÖV in die Schule kam…
Nun haben wir wieder so einen Kerl, einen Typ, der aber klar kein «Schaf im Wolfspelz» sondern ein «Wolf im Schafspelz» ist:
Wolfgang Kubicki.
Während ein Kretschmann eigentlich in die CDU gehörte und eine Süssmuth in die SPD und ein Wehner in die DKP, ist dieser Herr nun nichts anderes als ein verkappter AfDler. Wolfi ist Klimaschutzgegner, Impfskeptiker, Brandmauer-Feind, Anti-Woke usw., usw., usw.
Weidel und Chrupalla haben die Wahl auch ausdrücklich begrüsst.
Es gibt Menschen, die sind in der falschen Partei.
Kubicki ist – um im Beispiel von oben zu bleiben – das Sousaphon in einem Streichorchester. Aber während Woody der Marching Band ja nicht schadet, gar nicht schadet, überhaupt nicht schadet (er kommt ja nie dazu, auch nur einen Ton zu spielen), kann ein lautes Blech in einem ppppp-Stück wie zum Beispiel «Åses Tod» alles, alles kaputtmachen.
Wir sind gespannt, wohin Wolfi die FDP führt.
Auf jeden Fall in die falsche Richtung.
Dienstag-Freitag-Glosse
Freitag, 5. Juni 2026
Kubicki, der Wolf im Schafspelz (das Sousaphon im Streichorchester)
Dienstag, 2. Juni 2026
Shonagonnen 3: Was wir uns viel geiler vorgestellt haben
Ich habe vor sechs Jahren mit dem Post «Ich werde Kopfkissenbuchschreiber» eigentlich eine Reihe von Posts im Stile der Hofdame Shōnagon beginnen wollen.
Sie erinnern sich:
Das Kopfkissenbuch (auch: „Kopfkissenhefte“) (jap. 枕草子, Makura no Sōshi) der Dame Sei Shōnagon ist eines der frühesten und zugleich bedeutendsten literarischen Prosawerke der japanischen Literatur. Es entstand um das Jahr 1000 n. Chr. und gehört zu der Heian-Periode.
Es ist eine Art Tagebuch, geschrieben von Sei Shōnagon, die der Kaiserin als Hofdame diente und eine freundschaftliche Beziehung zu ihr entwickelte.
Der Name des Werks wird auf die Aufbewahrung der Aufzeichnungen in einem hohlen Kopfkissen (枕) aus Porzellan zurückgeführt. Das Kopfkissenbuch besteht aus 320 meist kurzen Einträgen zu verschiedenen Themen des Alltags am kaiserlichen Hof und bildet so eine Sammlung scharfsinniger Beobachtungen, verschiedener Anekdoten, Aufzählungen von Dingen und sehr direkter, offener Meinungen sowie Eindrücke und Gefühle.
(Quelle: Wikipedia)
Mich faszinieren seit jeher die Aufzählungen der Dame, die sie unter Stichworten wie «Schöne Dinge» oder «Dinge, vor denen man Angst hat» aufschrieb.
Bertold Brecht hat in seinem Gedicht «Vergnügungen» (1954) sich auch klar an diesen Shōnagon-Aufzählungen orientiert:
Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.
Ich war bei den Posts 2020 nicht konsequent, ich habe zwar aufgezählt, aber dann doch wieder längere Abschnitte geschrieben.
Dieses Mal (diese Male – es wird jetzt hoffentlich Tradition) werde ich ganz stur pro Punkt nur eine Zeile brauchen.
Und, bevor wir starten, es sei noch gesagt, dass ich die ersten beiden Zeilen ( die auch die letzten beiden sind) Till Reiners verdanke, der hier das Thema «Friedrich Merz» wunderbar auf den Punkt brachte.
Nun aber:
Dinge, die wir uns viel geiler vorgestellt haben
Sex unter der Dusche
Bundeskanzler sein
Shopping im Mega-Outlet
eine echte Sachertorte
Hammer-Looksmaxxing
Austern
Kaviar
am Gala-Diner mit King Charles teilnehmen
FDP-Vorsitz
Filme mit 4 Oscar-Preisträgern
«Die Holländerinnen»
Mini Pralinés von Lindt
Bungee Jumping
den Äquator zu überfliegen
Sex unter der Dusche
Bundeskanzler sein
Freitag, 29. Mai 2026
Ich traf ins Schwarze: Die beiden Pallas sind Cousinen
Das muss hier einmal klar gesagt werden.
Ich hatte im September 2025 im Post «Liebe Frau Palla» geschrieben:
Ich war ja bei Ihrer Er-Nennung, also bei der Nennung Ihres Namens angenehm überrascht. Nicht weil ich Sie kenne, sondern weil ich jemand anderes kenne, der so heisst, eigentlich die so heisst. Das ist nun nicht ungewöhnlich, wenn man Menschen mag, die «Mulisch» heissen, dann sind zunächst einmal alle «Mulisch» positiv belegt, und wenn man «Hobler» mag, dann ist jede und jeder «Hobler» zunächst für einen eine Gute, ein Guter. Am Beginn seines wunderbaren Dramas lässt Lessing den Prinzen einer Emilia Bruneschi einen Riesenwunsch erfüllen, nur weil sie Emilia heisst, eine andere Emilia, nämlich die Titelfigur des Stückes, Emilia Galotti, ist das wahre Ziel seiner Begierde…
Und ich kenne nun eine herrliche Künstlerin, die aus dem Bündnerland stammt und in Zürich wohnt und arbeitet, Ursula Palla, zunächst Videokünstlerin, nun arbeitet sie mit filigranster Bronze. Vielleicht sind Sie sogar verwandt, immerhin stammen Sie aus Südtirol und «Palla» könnte ja sowohl im Rätoromanischen als auch im Ladinischen heimisch sein, aber das müsste man genauer recherchieren.
Manchmal treffe ich wirklich ins Schwarze.
Das muss hier einmal klar gesagt werden.
Es hat sich nämlich nun herausgestellt, dass die beiden Damen echt verwandt sind. Und zwar nicht um 18 Ecken, wie man sagt oder so, wie alle Rothschilds oder Kennedys oder so, wie alle Thurn und Taxis oder alle Krupps verwandt sind, sondern ganz, ganz, ganz nah.
Sie sind Kusinen.
Für die Schweizer: Cousinen.
Ersten Grades.
Manchmal treffe ich wirklich ins Schwarze.
Das muss hier einmal klar gesagt werden.
Nein.
Nein.
Das ist sogar falsch: Ich treffe sehr häufig ins Schwarze.
Manchmal ist das Schwarze auch ein Wespennest, so habe ich immer wieder Musikerinnen und Musiker gefragt, warum sie nicht … obwohl sie doch … oder weil sie … und bekam immer einen Schwall von Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger um die Ohren geschrien. Und als sich Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger gelegt hatten, fanden wir dann doch Lösungen.
Da war die semiprofessionell Blockflöte spielende Kindergärtnerin, die ich fragte, warum sie nicht Musikalische Früherziehung studiert.
Da war die Stimmbildnerin, die ich nach einer wunderschönen Mozartmesse fragte, warum sie nicht mehr singt. («mehr» betont)
Da war die Kontrabassistin, die auch Barockoboe studiert hatte und in nicht-historischen Orchestern Bach dudelte und die ich fragte, warum sie auf Violone umsteigt.
Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.
Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.
Und dann eine Lösung.
Wer übrigens auch meistens ins Schwarze trifft, sind die Wirtschaftsweisen – man gestatte mir den kleinen Gedankensprung – die ja auf gewisse Dinge schon seit 15 Jahren hinweisen. Man müsste auf diese Schwarztreffer – sie sind eben «Schwarztreffer» und keine «Schwarzseher» – jetzt nur noch hören…
Und nicht: Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger. Ausreden, Entschuldigungen, Verzweiflung und Ärger.
Manchmal treffe ich voll ins Schwarze:
Die beiden Damen Palla sind Kusinen.
(Cousinen)
Dienstag, 26. Mai 2026
Reiche leiden weniger unter den Krisen, also: Reich werden
Wir machen am Anfang ein kleines Quiz über das aktuelle Deutschland:
A) Wen trifft die Irankrieg-Energiekrise am meisten?
B) Wen trifft die Behebung des Defizits in den Krankenversicherungen am meisten?
C) Wen trifft die Rentenproblematik am meisten?
D) Wen treffen die hohen Mieten am meisten?
Denken Sie nach und lesen Sie dann weiter.
Die Antworten sind:
A) Menschen mit geringem Einkommen.
B) Menschen mit geringem Einkommen.
C) Menschen mit geringem Einkommen.
D) Menschen mit geringem Einkommen.
Wie lange mussten Sie nachdenken? 10 Sekunden? 1 Minute? 10 Minuten?
ZEHN MINUTEN?
Dabei liegt es doch klar auf der Hand.
Ich will ein bisschen aus der eigenen Schule plaudern. Vor ca. 15 Jahren war ich unverschuldet in einer finanziell recht schwierigen Situation. Damals hatte ich ein Monatsbudget, das bis auf den Rappen ausgerechnet war.
Hätte damals das Generalabonnement ODER die Miete ODER die Krankenversicherung um 50 Franken zugelegt, wäre es eng geworden, aber durch Streichung gewisser Dinge (kein Kaffee mehr auswärts, die alte Jeans doch flicken usw.) doch zu stemmen gewesen.
Hätte damals das Generalabonnement UND die Miete UND die Krankenversicherung um je 50 Franken zugelegt, hätte ich Konkurs angemeldet.
Zum Glück passierte das nicht, aber ich kann mich in Menschen hineinversetzen, die sich fragen, ob am Wochenende Essen noch drin ist…
Man fragt sich aber nun, ob die deutsche Bundesregierung diese Empathie noch besitzt.
Es gibt – um dem Ganzen nun eine positive Wendung zu geben – also nur eine Lösung: Werdet reich!
In der Küche der ehemaligen WG meines besten Freundes hingen viele Postkarten an der Wand, darunter war eine mit der unglaublichen Sentenz:
VIEL GELD MACHT EINFACH REICHER.
Das ist doch grossartig. Besser kann man es nicht ausdrücken.
Wie wird man nun reich? Und somit in die Lage versetzt, dass einem die Punkte A), B), C) und D) nichts mehr ausmachen?
Auch hier gibt es wieder vier Punkte, benennen wir sie mit vier kleinen Buchstaben
a) Heirat: Nehmen Sie Abstand von der grossen Liebe, von Romantik und Träumen und so, heiraten Sie nicht Wärme und Schönheit, sondern Geld. «Geld gesucht, Mann/Frau kein Hindernis» Zuschriften unter Chiffre 3475dge78 – das ist die Anzeige der Zukunft.
b) Erbschaft: Wesentlich schwieriger, weil man ja Vater und Mutter und Tante und Onkel sich nicht einfach im Internet aussuchen kann. Wenn aber, ja wenn Sie noch über eine Tante, Grosstante, Urgrosstante oder Onkel, Grossonkel, Urgrossonkel verfügen, die oder den Sie lange nicht besucht haben, dann, ja dann schleunigst hin! Jeden Tag sich um die Person kümmern, bevor es UNICEF®, Save the Children®, der WWF® oder wie die Erbschleicher alle heissen, tun…
c) Lottogewinn: Sehr schön, um reich zu werden, nur sehr, sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich. Macht aber nix, trotzdem versuchen, schliesslich HABEN ja schon Leute gewonnen.
d) Kriminalität: Kriminell zu werden ist die einzige sichere Methode um wirklich reich zu werden. Leider. Aber wenn Sie erst einmal Ihre unnötigen Skrupel beiseite geräumt haben, dann stehen Ihnen alle
Möglichkeiten offen, von A wie Autodiebstahl bis Z wie Zuhälterei gibt es eine Riesenpalette um sich auszutoben.
Also immer daran denken: VIEL GELD...
VIEL GELD MACHT EINFACH REICHER.
Freitag, 22. Mai 2026
Warum gibt es in den Innenstädten keine Schnürsenkel?
Dinge, die selten sind, Spezialbedarf und Spezialistenzeug.
Dinge, die peinlich sind, oder die Läden, die sie verkaufen.
Dinge, die gross und sperrig sind.
Zu den ersten gehören solche Sachen wie Anglerausrüstung, Werkzeuge und Musiknoten.
Wenn Sie zum Beispiel an die Aare fischen gehen wollen und haben alle ihre Köder vergessen, dann wird es schwierig sein, beim Umsteigen in Bern einen Laden zu finden, der diese komischen fliegenartigen Häklein verkauft.
Wenn Sie einen Spezialschrauber brauchen, der Ihnen die Herdabdeckung lüpft, werden Sie selbst in Zürcher Innenstadt eine Weile herumrennen müssen, um einen solchen Herdabdeckungslüpferspezialschrauber zu finden.
Und wenn Sie in St. Gallen die Spaurmesse dirigieren sollen und haben Ihre Partitur vergessen, dann werden Sie vielleicht keinen Notenhandel auftreiben, der die Missa KV 258 vorrätig hat. (Nur in Stuttgart kennen ich ein Notengeschäft, das alle – ich betone: ALLE – Eulenburg-Studienpartituren da hat…)
Hier hat der Online-Handel alle Spezialgeschäfte aus den Innenstädten vertrieben.
Zum zweiten gehören Dildos und S/M-Bedarf.
Natürlich, natürlich, es hat in Bern, Zürich und St. Gallen Sexshops, aber wissen Sie, wo die sind? Und trauen Sie sich danach zu fragen: «Entschuldigen Sie, Sie sehen aus wie ein Einheimischer, wo ist hier denn der nächste Sexshop?» Und wenn es die eigene Stadt ist, möchte man ja nicht unbedingt gesehen werden.
Zwei Dinge, die die Peinlichkeit verloren haben – dieser kleine Exkurs sei mir gestattet – sind übrigens Kondome und Klopapier. Präservative werden inzwischen in jedem Drogeriemarkt ins Regal gelegt, und das ist gut so, es sind in den 50er Jahren noch junge Frauen schwanger geworden, weil man (Mann) es nicht übers Herz brachte, beim Drogisten nach Kondomen zu fragen. WC-Papier kann jeder Mensch inzwischen ungeniert nach Hause tragen, offen! Ging früher nicht, selbst die Klorolle im Auto verbarg man unter einem Häkelhütchen – was doof war, denn jeder wusste ja, was sich unter dem Häkelhut befand. Die WC-Papier-Peinlichkeit ist übrigens total unverständlich, denn jeder Mensch muss ja, und jeder braucht Klopapier.
Grosse Dinge wie LKWs, 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser bekommen Sie nicht in den Innenstädten. Nicht in der Berner Innenstadt. Nicht in der Zürcher Innenstadt. Weil man einen LKW nicht aus der Fussgängerzone herausbekommt. Genauso wenig wie 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser.
Was aber ist das Problem mit Schnürsenkeln? (oder für die Eidgenossen: Schuhbändeln)
Sie sind nicht selten. Kein Spezialbedarf.
Sie sind nicht peinlich.
Sie sind nicht gross und sperrig.
Vor sechs Wochen riss mir um die Mittagszeit der Schnürsenkel. Damals bin ich zwei Stunden in der Basler Innenstadt herumgerannt um einen neuen zu finden.
MIGROS: Fehlanzeige
COOP: Fehlanzeige
Alle Kaufhäuser: Fehlanzeige.
Sämtliche Schuhläden: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxusschuhen ab 600 Franken.
Sämtliche Sportgeschäfte: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxussneakers ab 700 Franken.
Bis ich dann meine geheime Spezialadresse fand…
Was ist das Problem mit Schnürsenkeln? (Schuhbändeln)
Fast jeder Mensch trägt welche mit sich herum, und kommt dann in eine bescheuerte Situation, wenn diese reissen. Und sie reissen immer im dümmsten Moment. Sie sind auch nicht gefährlich, natürlich, man könnte jemand damit erwürgen, ich habe allerdings noch nie von einem solchen Mord gehört…
Nein.
Ich verstehe das nicht. Zumal MIGROS und COOP eine Menge Mist anbieten, den man akut nun wirklich nicht braucht. (Duftkerzen und so…)
Ach so,
Sie wollen meine Spezialadresse? Weil ihre Schnürsenkel (Schuhbändel) auch schon sehr dünn sind?
So sehen Sie aus.
Die bleibt geheim. Sonst kaufen Sie mir alles weg und ich habe das Nachsehen.
Dienstag, 19. Mai 2026
Quarterlife? Noch eine Krise?
Ich habe neulich ja schon geschildert, dass ich ein treuer SWR-Hörer bin. Und neben diversen anderen Sendungen ist auch «Das Wissen» in meiner Hitliste. (Leider kann ich nur in den Ferien und am Wochenende um 8.30 Radio hören.) Am letzten Samstag war die Arbeitssuche von Mitte 20-jährigen das Thema, eine Arbeitssuche, die sich immer schwieriger gestaltet. In dieser Sendung tauchte nun der Begriff der «Quarterlife Crisis» auf. Und eben dieser Begriff machte mich stutzig.
Was sagt Google zu diesem Thema?
Die Quarterlife-Crisis ist eine Sinn- und Orientierungskrise, die häufig im Alter zwischen 20 und Mitte 30 auftritt. Betroffene hinterfragen ihr Selbstbild, ihre Karriere und Lebensentscheidungen tiefgreifend. Ausgelöst wird sie oft durch den Druck, den Erwartungen des Erwachsenenlebens gerecht zu werden und sich in einer Welt unendlicher Möglichkeiten zurechtzufinden.
Ach du liebe Zeit.
Bisher hatte ich geglaubt, das Leben habe vier Krisen für uns parat:
Die Trotzphase.
Die Pubertät.
Die Midlife Crisis.
Den Altersstarrsinn (auch als «Endlife Crisis» tituliert).
Zwischen der Pubertät und der Mittellebenskrise – so dachte ich – sind mal eben 20 Jahre Ruhe, oder noch mehr.
Wie viele Krisen werden denn nun noch auftauchen? Zwischen 30 und 50 klafft ja nun immer noch ein grosses Loch.
Wobei: Wer mit 20 schon seine Kinder in die Welt setzt, gerade bei Menschen, die eine ordentliche Berufsausbildung machen, kann das ja gut sein, der leidet dann mit 40 eventuell schon am «Empty Nest Syndrom», also an der Verzweiflung und Leere, die eintritt, wenn die Kinder das warme und gemütliche Zuhause verlassen.
Wer nun aber mit 20 Familie macht, der hat sicher keine Quarterlife Crisis, das ist nämlich – lassen Sie uns das mal ganz hässlich sagen – ein Scheiss-Akademiker-Problem. Wer nun ordentlich quarterlifekriselt, und dann erst mit 30 Kinder in die Welt setzt, der hat erst mit 50 sein Empty Nest, und das fällt dann mit der Midlife Crisis zusammen.
Anders formuliert:
Wir schaffen es gar nicht, sämtliche Krisen anzulaufen, die uns das Leben in seiner reichen Fülle parat hält.
Ich habe ja eh eine Theorie, die allerdings psychologisch nicht erforscht und nicht abgestützt ist: Die Summe aller Krisen ist immer gleich. Wer also (nach der Herter-These) ausgiebig trotzt, bei dem ist die Pubertät nicht schlimm, wer richtig wild pubertiert, da ist dann die Midlife milder, und wer bis zum 80. Lebensjahr noch gar nie gekriselt hat, da kommt dann ein böser, hartnäckiger und gemeiner Altersstarrsinn.
Aber habe ich jetzt nicht von etwas vergessen?
Das Geburtstrauma! Natürlich.
Und den Tod.
Wir kommen ja schon in einer Riesenkatastrophe auf die Welt und verabschieden uns auch in einem nicht ganz unproblematischen Prozess…
Und dann ist mit 65 auch noch eine ganz schlimme Zeit, man hört auf zu Arbeiten und fällt in ein Riesenloch – es sei denn, man hat so viel Geld, dass man die ersten 5 Jahre der Rente komplett auf Kreuzfahrtschiffen verbringen kann und beim Kapitänsdinner den Köchen zuschauen kann, wie sie die Torten mit Wunderkerzen bringen. (…da-da-dada-daaaa-da-da-dada-daaaa…, ja, ich habe zu viel «Traumschiff» geschaut…)
Was bleibt eigentlich übrig?
Fast nichts.
Ich schlage deshalb den Psychologen vor, nicht mehr die Krisenzeiten zu benennen, die ja unser Leben total bestimmen, sondern die Stabilitätszeiten. Sind viel weniger und deshalb auch klarer zu definieren.
Das Schöne ist: Ich selbst befinde mich – wenn alle Rechnungen stimmen – zurzeit in einer solchen Stability Time, die Midlife Crisis ist hinter mir, und die Rente kommt noch. Ausserdem habe ich mit 4 dermassen getrotzt, mit Auf-den-Boden-werfen und Herumschreien und literweise Tränen, dass danach sowieso nix mehr kam, so kam ich ja auf meine Theorie.
In welcher Stability befinden Sie sich gerade?
Aber egal, seien Sie getrost:
Die nächste Krise kommt bestimmt.
Freitag, 15. Mai 2026
Ganz genau hinsehen...
Wir unterhalten uns über eine Folge des Verbrauchermagazins «Kassensturz», in der eine Masche gezeigt wurde, mit der Betrüger Menschen, die einen Ungezieferbefall hatten, gnadenlos abzockten – indem sie ihren Schrecken ausnützten. «Kann mir nicht passieren», meint mein Bekannter Roman, «ich sehe immer genau hin.»
Genau hinsehen. Gute Sache.
In einem anderen Gespräch dreht es sich um «Abschreiben während des Tests», Lehrerinnen und Lehrer unter sich. Wir alle mussten zugeben, dass wir beim Korrigieren immer wieder einmal ziemlich merkwürdige Übereinstimmungen feststellen mussten, A hatte von B «abgekupfert». Wir alle – ausser Helga. Helga gibt an, dass bei ihr noch niemals, nie, zu keiner Zeit und bei keiner Gelegenheit jemand abgeschrieben hätte. «Ich sehe immer genau hin.»
Gute Sache. Genau hinsehen.
Horst, ein Mediziner, den ich bei einer Vernissage treffe, rät mir (sollte man bei Vernissagen nicht über Kunst reden – und dort hinsehen?), ich sollte bei ihm mehrere Vorsorgeuntersuchungen machen. Eine dieser Vorsorgen ist ein Hautkrebsscreening, das er speziell entwickelt hat. Horst kann auch kleine Melanome (<0,0001mm) erkennen und damit sehr früh handeln. Wie er das macht? Er sieht angeblich genau hin.
Genau hinsehen. Gute Sache.
Ich frage mich allerdings: Wie wollen die Leute das machen?
Wie geht Roman auf Ungezieferjagd? Rückt er sämtliche Möbel von der Wand und schraubt die Lamperien ab? Forscht er in den Teppichritzen und kratzt an den Tapeten? Es ist praktisch unmöglich, eine einzelne Wanze zu finden, aber hat man nur eine irgendwie eingeschleppt, ist man verseucht. Dass Ungeziefer sich nur in «Drecklöchern» findet, ist ein Märchen, das jeder Kammerjäger dir widerlegt.
Wie kann sich Helga sich ihrer Sache so sicher sein? Seit es Klassenarbeiten gibt, wird abgeschrieben. Und wenn ein Jüngelchen den Spickzettel auf dem Oberschenkel unter seinen Shorts hat, kann sie den zwar entdecken und konfiszieren – ihre Stelle ist sie los. Sie wird sich dann fragen, ob es nicht vernünftiger ist, sich zu 100% neben ihn zu stellen, dann aber kupfern alle andern ab.
Horst Screening ist unschlagbar, allerdings schafft er mit seiner High-Tech-Super-Hyper-Lupe nur 3cm2 in der Minute. Man kann sich ausrechnen, wie lange eine Untersuchung bei ihm dauert und – das ist ja auch immer wieder das Thema! – was es kostet.
An die drei Menschen, an Roman, Helga und Horst muss ich denken, wenn ich lese, dass Politikerinnen und Politiker, dass Ministerinnen und Minister irgendwo «genau hinsehen».
So zum Beispiel die Sache mit dem Tankrabatt:
Ministerin Reiche betonte, dass die befristete Senkung der Energiesteuer (16,7 Cent pro Liter auf Diesel und Benzin bis Ende Juni 2026) zwingend an die Verbraucher weitergegeben werden müsse. Sie erwarte, dass das Bundeskartellamt die Weitergabe genau überwache, und drohte bei nicht erfolgter Entlastung mit Maßnahmen.
Man will also genau hinsehen, was da läuft. Die Frage ist – wie bei den Beispielen oben – wie man das anstellen will. Deutschland hat 14000 Tankstellen. Wird das Kartellamt überall vorbeilaufen? Oder Frau Reiche selber? Und was macht man, wenn der Betreiber, versichert, schwört, beteuert und bekräftigt, er habe unendliche Vorräte, die schon VOR der Steuersenkung eingekauft wurden? Geht man dann ins Büro und schaut die Bücher an?
Nein.
Man kann vereinfacht sagen, jede Regelung, bei der man GANZ GENAU hinsehen muss, ob sich überhaupt jemand dran hält, ist Murks.
So.
Jetzt gehe ich in die Küche und werde einen Kuchen backen. Butter verflüssigen, Eier trennen, Mehl…
Nein, ich muss mein Mehl nicht sieben. Ich schaue immer ganz genau hin, ob da Klümpchen sind.