Freitag, 1. Mai 2026

So long, Herr Kretschmann!

Adieu, Winny! Auf Wiedersehen, Winfried! Machen Sie es gut, Herr Kretschmann!

So, jetzt sind Sie einfach verabschiedet worden. Mit Staatsakt und Blasmusik. Der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands und derjenige meines Heimatlandes, der am längsten im Amt war.
Und derjenige Ministerpräsident, über den ich in den meisten Posts geschrieben habe.
Und eigentlich immer positiv.

Adieu, Winny! Auf Wiedersehen, Winfried! Machen Sie es gut, Herr Kretschmann!

So schrieb ich im April 2015:
Es ist zu verstehen, dass Alt-Ministerpräsident Öttinger seine Partei warnt, im Wahlkampf personell gegen Winnie vorzugehen. Der Mann, so Ötti im Interview, sei zu be- und geliebt, sei so sehr everbody’s darling, dass der Schuss nur nach hinten losgehen könne. Man solle ihn, so der Altmini wörtlich, nicht als „Bösen Buben“ handeln. Recht hat er. Das Schlimmste, was Winnie in den letzten Monaten gemacht hat, war, dass er in der Missa Sanctae Juliae von Boccone falsch eingesetzt hat, aber soll man davon nun ableiten, dass Kretschi auch im Landtag den Ton nicht trifft, sich im Ton vergreift, seine(n) Part(ei) nicht im Griff hat?

und im Februar 2016:
Die GRÜNEN haben für die Landtagswahl fünf schlagende, gute, bewährte, fünf hervorragende Argumente, und diese lauten:
1.) Kretschmann
2.) Kretschmann
3.) Kretschmann
4.) Kretschmann
Nun raten Sie mal das fünfte! Hihihihi, falsch, das 5. Argument lautet Ökologie, allerdings belegt Winnie dann wieder die Plätze 6-10.

und im Juli 2023:
In Hall wird auf den Kirchenstufen Freilichttheater gespielt. Ein Ereignis, das sich lohnt. Bei der Premiere von «Maria Stuart» am 20. 7. haben wir allerdings noch ein spezielles Spektakel: In den ersten Reihen springen vier Männer mit verkabelten Ohren umher, es muss also irgendein prominentes Wesen im Publikum sein. Mein Partner neben mir behauptet, er habe die weisse Stoppelfrisur des Landesvaters gesehen. Ich bezweifle das, aber ob der Security muss ja ein Zu-Bewachender da sein. Bei der Begrüssung wird es dann aufgeklärt, es ist in der Tat, tatsächlich und wirklich Winfried Kretschmann. Als Schirmherr der Freilichtspiele Schwäbisch Hall ist er zur Schiller-Premiere mit Gattin erschienen.
Was mich allerdings so erfreut, ist, dass der Ministerpräsident von B.-W. eben nur vier Männlein zu seiner Bewachung braucht. Das war in Deutschland nicht immer so, eben ein Jahr nach jenem Tag im Jahr 1970 wäre eine so unbedenkliche Teilnahme unmöglich gewesen. Allein alle die Fachwerkhäuser rings um den Markt böten ja eine wunderbare Schusslinie…

Adieu, Winny! Auf Wiedersehen, Winfried! Machen Sie es gut, Herr Kretschmann!

Ihre schwäbisch-lapidare-einfache-bürgernahe Kommunikation wird unvergessen bleiben.

Interviewer: «Was empfinden Sie nach Ihrer Wiederwahl?»
Sie: «Ich freue mich.»
Interviewer: «Ich meine, was für ein Gefühl…?»
Sie: «Freude.»

oder:

«Jo, dia Windräder auf dene Berge, jo, i fend dia ja au scheisslich, dia send jo nit schön. Abbr em Käller nutze se jo nix.»

Was werden Sie tun, im Ruhestand, in der Rente? In der Pension?
Hoffentlich das eine: Regelmässiger die Chorproben besuchen, denn wir wissen ja, wie nötig gute Stimmen in den Kirchenchören sind…

Adieu, Winny! Auf Wiedersehen, Winfried! Machen Sie es gut, Herr Kretschmann!