Es gibt Dinge, die sind in Innenstädten schwierig zu bekommen. Ich teile diese Dinge in drei Kategorien ein:
Dinge, die selten sind, Spezialbedarf und Spezialistenzeug.
Dinge, die peinlich sind, oder die Läden, die sie verkaufen.
Dinge, die gross und sperrig sind.
Zu den ersten gehören solche Sachen wie Anglerausrüstung, Werkzeuge und Musiknoten.
Wenn Sie zum Beispiel an die Aare fischen gehen wollen und haben alle ihre Köder vergessen, dann wird es schwierig sein, beim Umsteigen in Bern einen Laden zu finden, der diese komischen fliegenartigen Häklein verkauft.
Wenn Sie einen Spezialschrauber brauchen, der Ihnen die Herdabdeckung lüpft, werden Sie selbst in Zürcher Innenstadt eine Weile herumrennen müssen, um einen solchen Herdabdeckungslüpferspezialschrauber zu finden.
Und wenn Sie in St. Gallen die Spaurmesse dirigieren sollen und haben Ihre Partitur vergessen, dann werden Sie vielleicht keinen Notenhandel auftreiben, der die Missa KV 258 vorrätig hat. (Nur in Stuttgart kennen ich ein Notengeschäft, das alle – ich betone: ALLE – Eulenburg-Studienpartituren da hat…)
Hier hat der Online-Handel alle Spezialgeschäfte aus den Innenstädten vertrieben.
Zum zweiten gehören Dildos und S/M-Bedarf.
Natürlich, natürlich, es hat in Bern, Zürich und St. Gallen Sexshops, aber wissen Sie, wo die sind? Und trauen Sie sich danach zu fragen: «Entschuldigen Sie, Sie sehen aus wie ein Einheimischer, wo ist hier denn der nächste Sexshop?» Und wenn es die eigene Stadt ist, möchte man ja nicht unbedingt gesehen werden.
Zwei Dinge, die die Peinlichkeit verloren haben – dieser kleine Exkurs sei mir gestattet – sind übrigens Kondome und Klopapier. Präservative werden inzwischen in jedem Drogeriemarkt ins Regal gelegt, und das ist gut so, es sind in den 50er Jahren noch junge Frauen schwanger geworden, weil man (Mann) es nicht übers Herz brachte, beim Drogisten nach Kondomen zu fragen. WC-Papier kann jeder Mensch inzwischen ungeniert nach Hause tragen, offen! Ging früher nicht, selbst die Klorolle im Auto verbarg man unter einem Häkelhütchen – was doof war, denn jeder wusste ja, was sich unter dem Häkelhut befand. Die WC-Papier-Peinlichkeit ist übrigens total unverständlich, denn jeder Mensch muss ja, und jeder braucht Klopapier.
Grosse Dinge wie LKWs, 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser bekommen Sie nicht in den Innenstädten. Nicht in der Berner Innenstadt. Nicht in der Zürcher Innenstadt. Weil man einen LKW nicht aus der Fussgängerzone herausbekommt. Genauso wenig wie 60 Mensch-Zelte, Granitblöcke und Gartenhäuser.
Was aber ist das Problem mit Schnürsenkeln? (oder für die Eidgenossen: Schuhbändeln)
Sie sind nicht selten. Kein Spezialbedarf.
Sie sind nicht peinlich.
Sie sind nicht gross und sperrig.
Vor sechs Wochen riss mir um die Mittagszeit der Schnürsenkel. Damals bin ich zwei Stunden in der Basler Innenstadt herumgerannt um einen neuen zu finden.
MIGROS: Fehlanzeige
COOP: Fehlanzeige
Alle Kaufhäuser: Fehlanzeige.
Sämtliche Schuhläden: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxusschuhen ab 600 Franken.
Sämtliche Sportgeschäfte: Natürlich vorrätig, aber als Ersatz beim Kauf von Luxussneakers ab 700 Franken.
Bis ich dann meine geheime Spezialadresse fand…
Was ist das Problem mit Schnürsenkeln? (Schuhbändeln)
Fast jeder Mensch trägt welche mit sich herum, und kommt dann in eine bescheuerte Situation, wenn diese reissen. Und sie reissen immer im dümmsten Moment. Sie sind auch nicht gefährlich, natürlich, man könnte jemand damit erwürgen, ich habe allerdings noch nie von einem solchen Mord gehört…
Nein.
Ich verstehe das nicht. Zumal MIGROS und COOP eine Menge Mist anbieten, den man akut nun wirklich nicht braucht. (Duftkerzen und so…)
Ach so,
Sie wollen meine Spezialadresse? Weil ihre Schnürsenkel (Schuhbändel) auch schon sehr dünn sind?
So sehen Sie aus.
Die bleibt geheim. Sonst kaufen Sie mir alles weg und ich habe das Nachsehen.
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