Freitag, 31. Juli 2026

Juli-Reise 2026 (2): Fortbewegung zu Wasser und zu Schiene

So, es geht weiter mit den Impressionen von der Juli-Reise.

Schwimmbäder am Morgen

Ach Göttelchen, werden Sie sagen, war er wieder schwimmen, dem fällt auch nix Neues ein. Also, also, muss ich antworten, wir wurden von der Wirtin gereinigt und ich wurde von einer Eidechse besucht und ich habe Radler getrunken, das ist doch viel Neues, aber der Schwumm (kein Fehler, ein Helvetismus) am Morgen ist einfach das Herrlichste. Und der fand jedes Mal statt: Im Wöhrd-Bad auf der Donauinsel in Regensburg, im Za Lužánkami in Brno und im Parkbad in Linz. «Wer ein Land kennenlernen will, der muss in seine Gefängnisse gehen.» Diesen Satz sagt man Nelson Mandela nach. Ich möchte gerne «Gefängnisse» durch «Schwimmbäder» ersetzen. Ich war stets der einzige Tourist. Im Hallen- oder Freibad lernen Sie Land und Leute kennen.
Was mich erstaunte, war, dass in jedem der drei Bäder morgens der Eintritt mit Zahlen möglich war (und zwar um 6.00 oder 7.00 Uhr). Die Kassen waren offen. Wenn man in Basel wohnt, wo zum Frühschwimmen nur der Hintereingang geöffnet wird  (und auch das nur für Abo und Onlinebuchung), dann ist das das wahre Paradies.

Die zweite Schifffahrt gibt es günstiger

Wenn man an der Donau ist, dann muss man natürlich eine Donauschifffahrt machen, mit einer Donauschifffahrtsgesellschaft und einem Donauschifffahrtsgesellschaftskapitän. Das übliche «Dampf» muss hier wegfallen. Die Donauschifffahrtsgesellschaft heisst Wurm & Noé und bietet die 45-minütige «Strudelfahrt» und die 90-minütige «Walhallafahrt» an. (Zur kurzen Erklärung: Der Strudel ist die Verwerfung im Wasser, die durch die Steinerne Brücke entsteht, Walhalla ist die im 19. Jahrhundert errichtete akropolisnachäffende Ruhmeshalle.)
Wir entschieden uns für die Strudelfahrt – ganz entsprechend dem alten deutschen Volkslied «Als wir jüngst in Regensburg waren, sind wir über den Strudel gefahren» – und genossen eine Dreiviertelstunde pure Erholung. Dann fanden wir das doch so toll, dass wir auch noch Tickets für die Walhallafahrt kauften. (Allerdings ohne Aussteigen, es wäre nämlich 479 Stufen aufwärts gegangen, bei 32°.) Die Dame der Donauschifffahrtsgesellschaft war so begeistert von dem «Zweitkauf», dass sie uns die Karten für die zweite Donauschifffahrt 4 Euro günstiger gab.
Oberfränkische Kundenfreundlichkeit.

Regionalzug (oder Intercity?) mit vielen Pfadfindern und Fragezeichen beim Umstieg

In Berlin fährt man ab «Alex», in der Oberpfalz fährt man mit «alex». «alex» heisst die Gesellschaft, die mehrmals täglich München mit Prag (über Regensburg) verbindet. Bis Furth am Wald (Grenzbahnhof) fuhren wir mit dem Deutschlandticket, also aber auch ohne Platzreservierung. Ab Furth hatten wir zwei Plätze gebucht. Nun bringt man es nicht fertig, diese Sitze schon ab München anzuzeigen. Also sassen natürlich zwei junge Männer drauf, die wir nicht vertreiben durften. Es fanden sich aber Sitzplätze an einem Vierertisch bei einem sehr netten Ehepaar, mit dem wir uns 100 Minuten blendend unterhielten.
Dann Furth im Wald: Das Ehepaar stieg um, wir rückten an die Fensterplätze und wie von Geisterhand erschienen die Reservierungen: «Furth im Wald – Prag hl. n.» bei unseren Sitzen und «evtl. reserviert» bei allen anderen. Also blieben wir sitzen. («hl. n» heisst übrigens «Hlavní nádraží», auf Deutsch einfach Hauptbahnhof.)
In Dobřany erschien dann die Meute, die «eventuell» reserviert war: 100 aus dem Sommerlager heimfahrende Scouts. Nun, da ich auch einmal bei den Pfadis war, kam eine gewaltsame Auseinandersetzung nicht in Frage, wir konnten uns aber auf wundersame Weise einigen, nicht zuletzt deswegen, weil der Leiter ein sehr gutes Englisch sprach: Die jungen Männer wichen von unseren Plätzen, diese gingen an zwei kleine Scouts und wir konnten sitzen bleiben.
In Prag dann noch eine kleine Aufregung, denn die Tschechischen Eisenbahnen geben das Gleis eines Zuges erst kurz vor Abfahrt bekannt. Ungewohnt, aber OK. Denn SIEHT man dann endlich den Zug auf der Abfahrtstafel und IST man auf Bahnsteig 4, dann BLEIBT es auch dabei. Nicht wie in Deutschland, wo zwar das Gleis seit einer Stunde in der App steht, dann aber in letzter Sekunde per Lautsprecher geändert wird.

So viel für heute.
Am Dienstag geht es weiter. In Brno. Brünn.

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