Liebe Leserin, lieber Leser,
wissen Sie, was die schönste Freude ist? Es ist – nein, nicht die Vorfreude – die Schadenfreude.
Aber natürlich nicht, wenn ein alter Mensch mit Rollator stürzt, wenn ein Blinder das Falsche greift, wenn ein Schüler die Antwort nicht weiss. Richtigen Spass macht die Schadenfreude nur, wenn die Opfer der Häme nicht ganz unschuldig sind.
Wollen Sie Beispiele? Gerne.
Als ich mit einer Schulklasse bei Ascona im Abschlusslager war, da fuhren wir (wie jede Klasse es dort macht) am Mittwoch über den See nach Luino (Italien) auf den Markt. Im Schiff ging ein junger Mann an uns vorbei und stierte und glotzte auf zwei sehr hübsche Schülerinnen, M. und A. Aber weil er so glotzte und stierte, verpasste er den richtigen Einstieg in die Treppe ins Untergeschoss und polterte die Stiege hinunter. Wir lachten laut. Wir lachten hässlich. Und wir hatten keinerlei schlechtes Gewissen, denn der junge Kerl wäre ja nicht gestolpert, wenn er auf die Treppe geschaut und nicht auf M. und A. gestiert und geglotzt hätte.
Als die Freiburger Pianistin A. D. mit Ach und Krach ihr Aufbaustudium geschafft hatte, war die Fachgruppe doch sehr erstaunt, dass die Gute sich für eine Solistenausbildung bewarb; natürlich liess man sie in der Aufnahmeprüfung durchrasseln. Nun hatte man aber zwei Faktoren nicht bedacht: Erstens war der Kommission ein kleiner Formfehler unterlaufen, ein kleiner, aber eben doch ein Formfehler. Zweitens hatten A. D.s Eltern Geld und kannten gute Advokaten. Die Klavierspielerin erstritt sich einen Studienplatz. Da nun aber keine der hochrangingen Pianistinnen und keiner der meisterhaften Pianisten sie unterrichten wollte, kam sie zu Herrn M., der sonst Schulmusiker lehrte, aber nicht einmal im Hauptfach, sondern in der Kunst, Gesangsklassen bei «Horch, was kommt von draussen rein» oder «Yesterday» zu begleiten, also im sogenannten Schulpraktischen Klavierspiel.
Unsere Schadenfreude kannte keine Grenzen.
Sie war orgiastisch und gnadenlos.
Unsere Schadenfreude wuchs in Unermessliche, als A. D. zum Examen antrat. Die Kommission der Bewertung ihres Diplomkonzertes bestand zu 50% aus Pianisten und zu 50% aus Juristen. Und sie liessen sie durchfallen – ohne Formfehler.
Schadenfreude also.
Und die Schadenfreude konnte nun wieder einmal sprudeln, sprudeln angesichts der Trump-Infantino-FIFA-Schweinerei. Die hat nämlich gar nichts gebracht.
Schauen wir die Fakten doch noch einmal an: Da wird ein Stürmer per Roter Karte für das nächste Spiel gesperrt, und dann ruft der Landeschef beim FIFA-Chef an, um diese Sperre aufzuheben. Und der Funktionär sagt nicht das, was jeder vernünftige Mensch sagen würde: «Hat es dir ins Hirn gesch…?», nein, er hebt die Sperre auf. Und der Stürmer darf stürmen, obwohl die halbe Welt kopfsteht, und dann bringt das gar nix. Weil die USA 1:4 gegen Belgien verlieren, Balogun hin oder her, und das Ganze hat gar nix gebracht.
Und unsere Schadenfreude ist grenzenlos.
Liebe Leserin, lieber Leser,
wissen Sie, was die schönste Freude ist? Es ist – nein, nicht die Vorfreude – die Schadenfreude.
Aber natürlich nicht, wenn ein alter Mensch mit Rollator stürzt, wenn ein Blinder das Falsche greift, wenn ein Schüler die Antwort nicht weiss. Richtigen Spass macht die Schadenfreude nur, wenn die Opfer der Häme nicht ganz unschuldig sind.
P.S.
Da Gianni sich nun als absolut beeinflussbar gezeigt hat, finde ich, auch der Bundesrat der Eidgenossen sollte sich einmischen. Immerhin ist Infantino Walliser und immerhin ist er korrupt und immerhin hat es die Nati bis ins Viertelfinale geschafft. Und am Sonntag spielen wir gegen Argentinien.
Also.
Lieber Martin Pfister, als für Sport zuständiger Bundesrat sollten Sie beim Schweizer (!) FIFA-Präsidenten anrufen und er soll sich darum kümmern, dass die Eidgenossen endlich einmal Weltmeister werden.
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