Wir schaffen die Krankheiten ab!
Wenn wir die Probleme, die zurzeit die Gesellschaft beschäftigen, betrachten, dann fällt uns ja auf, dass wir immer auf das Thema Krankheit stossen:
* Die Krankheitskosten, die die Krankenkassen stemmen müssen, steigen und steigen.
* Die Arbeitenden sind zu viel krank.
* Es gibt zu viele alte Menschen, und prekärerweise sind sie mit 80 kerngesund, werden dann alt und mit 100 doch noch krank.
Nun werden Massnahmen ergriffen. Wichtige Massnahmen, entscheidende Massnahmen.
Zum Beispiel zahlen die Kassen keine Homöopathie mehr. Angesichts der Unsummen, die hier für Globuli zum Fenster hinausgeworfen wurden, eine gute Sache. De facto ist es gar nicht so viel Geld, de facto ist nur ein Euro pro Kopf, aber es geht ja ums Prinzip. Also, die Hahnemann-Jünger geben natürlich viel mehr aus, aber das ist ja eine falsche Rechnung.
Ebenso wird das Hautkrebs-Screening nicht mehr angeboten. Auch das ein wichtiger Punkt, denn wo kommen wir hin, wenn die Leute ständig zum Dermatologen rennen und ihre Haut begutachten lassen, ich kenne Menschen, die machen da einen richtigen Sport daraus, Schwimmen gehen, Sonnenbaden und dann gleich zum Arzt, und erst später zum Friseur die Haare wieder stylen lassen. Aber vielleicht sind das Spezialfälle…
Massnahmen. Man tut etwas und reagiert.
Weil alle ständig krankfeiern, wird die Krankschreibung ab dem ersten Krankheitstag verlangt. Sehr sinnvoll, Blaumachen ade. Allerdings verursacht die Chose auch wieder Kosten, Kosten, die man ja im Krankenkassengesetzt eigentlich herunterschrauben wollte. Ich habe neulich meine Hausärztin angerufen, ob ich nach einem Montagssturz (also ein Sturz am Montag) am Donnerstag wieder arbeiten gehen könnte. Sie riet ab und das Telefonat (180 Sekunden) kostete 50 Franken. – By the way: An diesem Beispiel sieht man auch, dass, wenn die Leute gerne arbeiten, man GAR KEINE Krankschreibung braucht.
Und dann die Alten, die Rentner!
Der wunderbare und herrliche Kabarettist Olaf Schubert führte in der heute-show aus, dass die Gesellschaft immer älter werde und dadurch die Rentenkassen belaste. Als „Lösung“ für dieses Problem verwies er auf den bestehenden Ärztemangel. Die Kernaussage seines bitterbösen Humors war, dass eine schmalere Gesundheitsversorgung und ein damit einhergehender früherer natürlicher Ausstieg aus dem Leben den Staatshaushalt entlasten würden.
Das ist natürlich sehr, sehr schwarzer Humor.
Aber mathematisch korrekt. (War nicht Merz so ein Mathe-Fan?)
Meine Lösung ist tiefgreifender, elementarer und globaler:
Wir schaffen die Krankheit ab.
Meine Mutter sagte stets: «Die beste Krankheit taugt nix.» Und ich muss ihr da völlig rechtgeben. Im Gegensatz zu den vielen Büchern, die Krankheiten fast glorifizieren («Krankheit als Weg», Krankheit als Chance», «Krankheit als Sprache der Seele») kann ich den Krankheiten nichts abgewinnen. Was hat man von einer Grippe ausser Fieber? Was hat man von Asthma ausser Atemnot? Was hat man von Windpocken ausser Jucken? Was hat man von Diabetes ausser Durst und Müdigkeit?
Nichts.
Gar nichts.
Daher plädiere ich für die Abschaffung der Krankheiten.
Sagen Sie jetzt nicht, ich sei ein Träumer. Wenn es Menschen gibt, die sich für die Schönheit mit dem Hammer ins Gesicht hauen und wenn es Wissenschaftler gibt, die behaupten, jeder kann 105 werden, man muss nur wollen, dann finden sich sicher auch Mitkämpfer und Mitstreiter, die die Abschaffung der Krankheiten mit angehen.
Wir schaffen die Krankheiten ab!
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