Freitag, 17. Juli 2026

Die Überbelegung des ÖV mit virtuellen Personen

Ist unser ÖV überfüllt? Bricht unser Nahverkehrsnetz zusammen? Sind alle Züge und Busse zu voll? Was muss man ändern? Sind die Ausländer schuld? Ist unser Land zu voll? Wo liegt das Problem?

Fragen über Fragen.
Und die mit den Ausländern ist ja nicht unerheblich, denn die Situation im Umsteigebahnhof Olten morgens um 7.00 wurde ja von den Befürwortern der 10 Millionen genug-Initiative als Argument ins Feld geführt, und ja, ja, «Morgens um Sieben ist die Welt in Ordnung», diesen in meiner Jugend so populären Buch- und Filmtitel kann man auf Olten Bahnhof sicher nicht anwenden, aber fahren Sie mal mit der Buslinie 311 von Stans nach Seelisberg, an einem Montag um 10.00. Da kann es sein, dass Sie der einzige Fahrgast sind. (Ja, das ist das Seelisberg, von dem der Feuerwächter im 2. Akt des Tell gerufen hat, aber Sie lenken ab…)
Es geht also beim ÖV vor allem um die Verteilung und nicht um die generelle Überbelegung. Thema Gleitzeit, Thema Homeoffice, usw.

Ist unser ÖV überfüllt? Bricht unser Nahverkehrsnetz zusammen? Sind alle Züge und Busse zu voll? Was muss man ändern? Sind die Ausländer schuld? Ist unser Land zu voll? Wo liegt das Problem?

Ich möchte aber heute den Blickwinkel ein wenig anders setzen: Ich möchte heute das Augenmerk auf die virtuelle Überbelegung lenken.
Virtuelle Überbelegung?

Stellen wir uns vor, ich sitze in einem Wagen, in dem sich sechs Vierersitzgruppen befinden. Es ist keine Stosszeit, also ist jede Vierergruppe mit je einer Person belegt. Dazu kommen aber die vielen, vielen Menschen, die per Handy oder Tablet zugeschaltet sind:
Der grosse Mann in der Gruppe neben mir schaut ein Video einer Streetdance-Darbietung, da er sein (grosses) Tablet so gedreht hat, dass ich den Bildschirm sehen kann, flackern 12 Tänzerinnen und Tänzer durch den Rand meines Gesichtsfeldes.
Die Frau in der Gruppe direkt vor mir befindet sich in einer Video-Konferenz mit zirka zehn teilnehmenden Personen. Ich höre nur sie, und den Bildschirm sehe ich auch nicht, aber dennoch spüre ich die Atmosphäre, Zoom-Atmosphäre, Teams-Atmosphäre, Google Meet-Atmosphäre, Cisco Webex-Atmosphäre.
Der Mann schräg vor mir führt ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin, auch hier höre ich nur ihn, aber sehr laut und deutlich und in dem typischen Manager-Sprech: «…sollten wir aber im Flow…» «…briefst du mich dann am…», «…die Synergien sollten aber trotz Deadline im Fokus…».
Die Frau hinter mir telefoniert mit einer Freundin, leider ist auch diese auf laut geschaltet, was einen sehr ablenkt, zum Glück wechseln die beiden immer wieder ins Türkische, dann wird es zwar noch lauter, aber ich bin weniger abgelenkt – klingt paradox, ist aber so.
Der Mann schräg hinter mir schaut ein Video, das seine Familie zu seinem Geburtstag (heute? gestern? vorgestern?) aufgenommen hat. Würde mich nicht stören, aber immer, wenn er laut lacht (und er grölt wirklich laut) zwingt es mich, mich zu ihm umzuschauen und sehe dann seine Frau, seine Tochter mit Mann, seinen Sohn mit Frau und seine 5 Enkelkinder.

Zählen wir zusammen:
Ich + Mann neben mir + 12 Dancer + Frau vor mir + 10 Konferenzteilnehmer + Mann schräg vor mir + Mitarbeiterin + Frau hinter mir + Freundin + Mann schräg hinter mir + 10 Familienangehörige
…sind…
…nach Adam Riese…
…Trommelwirbel…
Vierzig Personen.

Verstehen Sie nun, was ich mit «virtueller Überbelegung» meine? All diese Leute sind zwar nicht realiter da, sie nehmen mir keinen Platz weg, sie riechen nicht, sie stinken nicht, sie haben kein Gepäck und keine Taschen. Aber trotzdem beengen sie mich, weil eben doch irgendwie da sind.

Ist unser ÖV überfüllt? Bricht unser Nahverkehrsnetz zusammen? Sind alle Züge und Busse zu voll? Was muss man ändern?
Also, Homeoffice wäre schon einmal eine gute Lösung, das würde schon einmal die Zoom-Menschen und Teams-Menschen aus den Zügen und Bussen holen. Und vielleicht müsste man manche Wagen auch handyfrei machen.



 

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