Dienstag, 5. September 2023

Ach, es gibt auch noch Kotor!

Der letzte Post hatte ein keines Nachspiel:

«In Kotor warst du aber noch nie?» schreibt mir mein Erzengel via WhatsApp. (Ja, Erzengel arbeiten heute auch elektronisch, ich glaube das haben wir doch schon diskutiert, sicher würde die Verkündigung Mariens heutzutage per Zoom stattfinden…)
«Nein», antworte ich und schicke ein tränenlachendes Emoji dazu.
Mein Erzengel antwortet mit einem Ich-schäme-mich-Affe-Emoji.

Ich übergehe das zunächst und halte es für einen kleinen Witz. Wieso Kotor? Das heisst doch Katar? Und natürlich war ich nicht bei der WM, die habe ich boykottiert, was mir allerdings als Nicht-Fussballfan auch nicht schwerfiel. Oder meint er Kontor? Aber warum soll ein Kontor – so nannte man zu Buddenbrooks Zeiten das Büro – ein Reiseziel sein?

Am Nachmittag treffe ich meinen Erzengel persönlich und ich kann die Sprache auf die Sache bringen, nun klärt er mich auf: Kotor, Städtchen auf dem Balkan, sei eine der vier Städte gewesen. Ich weiss aber nur von dreien.

Später auf WhatsApp:
«Ostuni, Kotor, Ronda, Dordrecht» und der Link zum Artikel «4 Kleinstädte in Europa, die du besucht haben musst» in der Online-Ausgabe der Wurfzeitung.
«Die Printausgabe hatte nur drei», schreibe ich, «das ist ja schon wieder einen Post wert.» Und ich füge fünf (!) Tränenlacher hinzu.
Mein Erzengel antwortet: «Unbedingt! Und bitte mich erwähnen!»

In diesem Post befinden wir uns gerade.

Mein Post hätte natürlich ganz anders ausgesehen, wenn ich den Internettext gekannt hätte. Er ist lang, ausführlich und jede der vier Städte hat hier einen ausgiebigen Auftritt mit grosser Überschrift und vielen Worten. In der Printausgabe musste das ganze Zeug unten quer auf eine Seite passen. Spannend ist nun aber, dass gerade Kotor fehlte, denn der Gag meines Posts war ja, dass ich alle drei Gemeinden schon besucht habe.

Kotor ist übrigens eine befestigte Stadt an der Adriaküste Montenegros. Sie liegt in einer Bucht in der Nähe des Gebirgsmassivs Lovćen und seiner Kalksteinklippen. Die mittelalterliche Altstadt zeichnet sich durch ihre verwinkelten Straßen und Plätze aus und beherbergt mehrere romanische Kirchen, wie etwa die Sankt-Tryphon-Kathedrale. (so Wikipedia).
Dort war ich nun wirklich noch nie, ich war überhaupt noch nie in Montenegro und der ganze Balkan ist ein ziemlich weisser Fleck auf meiner Europakarte.

Schaut man sich nun die Europakarte an, sieht man, dass Ostuni und Kotor – global gesehen – fast gegenüber im Adriatischen Meer liegen, während Ronda und Dordrecht in ganz anderen Ecken zu finden sind. Eigentlich müsste, wenn man vier Städte in einem Quadrat Ostuni/Kotor, Ronda, Dordrecht und ? sucht, die Empfehlung für eine südwestbelarussische oder eine nordwestukrainische Stadt ausgesprochen werden, dann wäre der Beitrag perfekt. Nun setzt sich gerade niemand in die Nesseln und empfiehlt eine Stadt aus dem Reiche Lukaschenkos als Must-See, eine Reiseempfehlung in die Ukraine ist dann natürlich ganz zynisch, so können also Ostuni UND Kotor genannt werden.
Wenn man hier drei auszuwählen hat, dann ist es völlig klar, dass entweder Ostuni oder Kotor wegfällt und aus dem Quadrat ein schönes Dreieck Adria – Spanische Südküste – Nordsee wird.

Die zwei ganz grundsätzlichen Fragen aber lauten:
Sind Printausgaben nur noch das Amuse Bouche für die Onlineausgabe?
Und was lässt man bei den Printausgaben weg?

Die erste Frage muss bei den Wurfzeitungen sicher bejaht werden, sie sind ja als solche eh nur noch ein erweiterter Werbezettel, bei seriösen Zeitungen ist das anders: Hier gibt es umgekehrt ein Online-Amuse Bouche und dann will man Geld, entweder kaufe (!) ich mir die gedruckte Ausgabe oder ich zahle (!) für ein Online-Abo. Das haben wir ja neulich im Post «Der Kreuzwort-Kreuzweg» am 28. Juli durchdekliniert.

Die zweite Frage ist spannender:
Wenn in den Printausgaben immer etwas geopfert werden muss, wer entscheidet dann, was in den engen Spalten der Zeitung über die Klinge springt? Und: Teilt man den Print-Leserinnen und Print-Lesern diese Weglassung überhaupt mit?
So könnte es sein, dass diejenigen, die am 22. 12. 2023 den Beitrag «So schreiben die Evangelisten über Weihnachten» lesen, das Folgende erfahren:
Lukas schreibt von Hirten und Krippe.
Matthäus schreibt von den Drei Sterndeutern.
Johannes schreibt vom Wort, das Fleisch wird.
Für die Tatsache, dass es noch einen vierten Evangelisten gibt, der nichts von der Geburt schreibt, muss man dann die Online-Ausgabe haben.

So viel für heute. Jetzt muss ich ins Schwimmbad. Trainieren.
Denn das ist der Plan: als begeisterter Schwimmer und Apulien-Fan werde ich von dort nach Kotor schwimmen.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 1. September 2023

Ich möchte uncool bleiben

Mein Versuch, nicht hip, nicht angesagt und nicht in zu sein, hat einen weiteren herben Rückschlag erlitten.

In einer Wurfzeitschrift finde ich einen Artikel, der drei Städte anpreist. Diese drei Orte seien wohl bei den meisten Menschen nicht auf der «Muss-man-unbedingt-gesehen-haben»-Liste, gehörten aber zu den schönsten Plätzen und: Wohl dem, der schon dort war!
Da ich kein absoluter Globetrotter und kein Total-Weltreisender bin, gehe ich nicht davon aus, dass ich diese Orte kenne. Umso erstaunter bin ich, als ich die drei Namen lese:

Ostuni
Ronda
Dordrecht

Ostuni ist eine wunderschöne Weisse-Hügel-Stadt in Apulien (Provinz Brindisi), die mit ihrem Gewirr von Gassen und Gässchen jeden sofort bezaubert. Da ich dreimal Ferien in Torre Canne (ebenfalls Provinz Brindisi) gemacht habe, war ich auch dreimal in Ostuni. Dass es drei Male waren, hat einen speziellen Grund: Von Torre Canne aus ist Ostuni der nächste Flecken mit einem Markttag. Und wer schon einmal einen italienischen Markt besucht hat, der tut es immer wieder. Die überbordenden Gemüsestände, die Kleiderkarren, wo man für einen Spottpreis schicke Hemden bekommt und die Felder voller Gänse und Hühner mit ohrenbetäubendem Lärm, das alles ist einfach wundervoll. Daher dreimal die Fahrt ins weisse Bergstädtlein.

Ronda habe ich nur einmal gesehen. Das liegt in Andalusien, aber wenn man zwei Wochen in Málaga residiert, dann kommen eben nicht nur Sevilla und Granada, sondern auch kleinere Orte wie Ronda dran; es liegt übrigens wie Ostuni auch irgendwie oben, aber nicht auf einem Berg, sondern auf einem Plateau, um das herum malerische Schluchten entstehen, Ronda ist so was wie ein Dichter-Mekka, von Rilke bis Hemingway gab sich hier die Literatenelite die Klinke in die Hand und der Prosper liess seine «Carmen» dort spielen – nein, erst die Oper spielt in Sevilla…

Dordrecht liegt in Zuid-Holland. Mehr muss ich dazu ja hoffentlich nicht sagen. Meine treuen Leserinnen und Leser kennen meine Schwäche für die Niederlande, und wenn nicht, dann empfehle ich die Posts «Holland 1» und «Holland 2» aus dem Jahr 2011 und die Beiträge «Mal wieder Holland (1)» und «Mal wieder Holland (2)». Wie oft ich bei meinen inzwischen über zwanzig Aufenthalten in Den Haag auch in Dordrecht war, kann ich beim besten Willen nicht mehr sagen. Es liegt 20 km südlich von Rotterdam und damit nur 30 Minuten weg, es waren mindestens 2 Male, vielleicht auch 3 oder 4.

Ostuni
Ronda
Dordrecht

Nun sitze ich da und raufe mir die Haare:
Ich will doch gerade nicht hip, nicht in sein, ich möchte nicht derjenige sein, Städte besucht, die ein «offizieller Geheimtipp» sind, ich möchte nicht der coole Typ sein, der alles richtig macht!
Ich bin – ich habe das oft erwähnt – Lehrer, und «uncool» ist für mich eines der grössten Komplimente, die meine Schülerinnen und Schüler für mich bereithalten.
Ich lese zum Beispiel noch richtige Bücher, oft auch von Autoren, die lange tot sind, die in so einer ganz komischen Sprache geschrieben haben, die «Manne» und «Türe» schreiben und noch den Genitiv richtig verwenden, und der Kommentar ist «wie uncool». Und ich bin stolz.
Und wenn wir es von Popmusik haben, dann sage ich ihnen, dass das grösste Lied aller Zeiten für mich «Suzanne» von Leonard Cohen ist, und wenn wir es dann abspielen, kommt ein Stöhnen und Ächzen und sie rufen «wie uncool». Und ich bin stolz.
Und wenn wir es dann vom Spielen und vom Gamen habe, erzähle ich ihnen, dass ich pro Tag zwei Patiencen lege, aber eben mit echten Karten und auf dem Tisch und nicht online und nicht auf dem Screen, und auch da ertönt ein «uncool, uncool, uncool».

Und eben auch bei den Städten war ich immer stolz, dass meine Reisen nicht in die hippen, angesagten Szene-Towns gingen, sondern daneben und dass ich mich dort richtig sauwohl fühlte und eine Menge erlebte, und alle riefen: «uncool».
Es war eben nicht das hippe, aufstrebende Liverpool, es war Nottingham, eben nicht Amsterdam, sondern Den Haag, es war nicht Hamburg, sondern Braunschweig, und in Dänemark war es jene Fischereistadt, zu der jeder Däne sagt: «Wie kann man nur in Esbjerg Ferien machen?»
Und nun das: Auf einen Schlag bin ich zum Hipster-Tourie avanciert und kann das ja nun auch gar nicht mehr ändern, denn ich WAR ja in Ostuni und Ronda und Dordrecht.

Daher jetzt ein Appell an die Redaktionen der Wurfzeitschriften: Bitte führen Sie in Ihren «Angesagt»-Spalten nicht die folgenden Dinge auf:
Bücher von klassischen Autoren lesen
«Suzanne» von Leonard Cohen
Patiencen mit echten Karten legen
Und, bitte, bitte, bitte, bitte, erklären Sie nicht Braunschweig, Esbjerg und Nottingham zu den drei nächsten Hip-Towns.

Ich möchte uncool bleiben.

Dienstag, 29. August 2023

quasi

Seit einiger Zeit rege ich mich ja darüber auf, dass mir WORD Wörter mit einer Linie unterlegt, die das Programm als «Füllwörter» brandmarkt. Sobald ich «ich habe übrigens gedacht» oder «er ist ja dann…» schreibe, erscheint eine blaue gestrichelte Linie und der Hinweis:

Versuchen Sie, Füllwörter zu vermeiden

Wobei es schon eine Frechheit ist, diese tollen kleinen Wörter als «Füllwörter» zu bezeichnen. Füllwort? Das klingt nach Wörtern, die man einfach in einen Satz hineinstopft, ohne dass sie den Sinn des Ganzen verändert. Das tun diese Wörter gerade nicht. Die Grammatiken bezeichnen diese deshalb auch als Modalpartikel, Negationspartikel, Gradpartikel, Ausdruckspartikel oder Gesprächspartikel…

Ich habe lange gedacht, dass der Grund, weshalb man Jagd auf diese schönen kleinen Wörtchen macht, wäre eine totale Fokussierung auf das Geschäftliche, Wissenschaftliche, auf das Unliterarische und Unlyrische. Heute denke ich aber, der Grund ist hauptsächlich die AI oder KI. Denn AI oder KI hat mit solchen Winzigwörtern ein klares Problem. Und wir müssen uns natürlich der AI oder KI anpassen und nicht umgekehrt…

Und so werden diese Wörter von AI und KI und WORD und Textprogramm gejagt:
…übrigens
…doch
…ja
…eigentlich

Das neueste Opfer der Jäger heisst «quasi»
Quasi.
Was für ein wichtiges, was für ein bedeutendes, was für ein zentrales Wort!
Absolut kein Füllwort!

«Quasi» wird mit den Bedeutungen an und für sich, annähernd, beinahe, eigentlich, entsprechend, etwa, fast, gewissermaßen, gleichsam, im Grunde (genommen), im Prinzip, in etwa, insofern, nahezu, nämlich, praktisch, prinzipiell, so, so gut wie, sozusagen, überhaupt, ungefähr, um es (mal) so zu sagen geführt.

Man stelle sich nur Sätze vor wie:

«Ich bin quasi der Eigentümer dieser Gartenlaube.» Das heisst doch, ich habe das (ungeschriebene oder sogar geschriebene) Nutzungsrecht, ich habe die Schlüssel, ich darf jederzeit dort sein, ich kann auch die Fenster bunt anstreichen, ich kann alles, nur nicht: Ich kann die Gartenlaube nicht verkaufen, denn ich bin NICHT der Eigentümer, ich bin es nur «quasi».

«Ich bin mit dem Roman quasi fertig». Das heisst doch, ich sehe Land, ich brauche nur noch drei Wochen, man KÖNNTE schon einen Termin für ein erstes Lektorengespräch ausmachen, ich werde keine neuen Figuren und keine neuen Orte einführen, ich sehe den Schlusssatz vor mir, aber wirklich FERTIG, so FERTIG, dass mein Lektor das Werk abholen könnte, bin ich eben nicht.

«Ich möchte die Zahlung noch ein paar Tage aufschieben, mein ausstehendes Honorar ist quasi auf dem Konto.» Heisst, das Geld ist eben NOCH NICHT auf dem Konto, es ist vielleicht angekündigt, vielleicht angesagt, vielleicht erwartet, aber es ist einfach noch nicht DA. Ich weiss nicht, ob die Stelle, der man eine grosse Summe schuldet, sich auf dieses Quasi-Spiel einlässt, das klingt doch sehr nach Ausrede…

Die Liste der Beispiele liesse sich bis ins Unendliche fortsetzen:
«Ich bin quasi der Chef.»
«Ich habe quasi promoviert.»
«Ich bin quasi Italienischer Staatsbürger.»
usw.
usw.

Nein, das schöne kleine Wort ist kein «Füllwort». Es ist wichtig, vielleicht kommt sogar ein Teil unserer Probleme daher, dass wir ständig das Echte mit dem Quasi verwechseln. Wenn eben Quasi-Experten uns eine Quasi-Lösung präsentieren und man uns unterstellt, wir seien ja quasi einverstanden, weil das ja quasi eine gute Sache ist, dann ist das eben nur quasi OK.

Seit einiger Zeit rege ich mich ja darüber auf, dass mir WORD Wörter mit einer Linie unterlegt, die das Programm als «Füllwörter» brandmarkt. Sobald ich «ich habe übrigens gedacht» oder «er ist ja dann…» schreibe, erscheint eine blaue gestrichelte Linie.
Und sie kommt eben auch bei «quasi», und ich bekomme eine Krise.

So, genug für heute. Ich lege mich jetzt aufs Sofa und höre ein wenig Musik.
Beethoven, Sonate op. 27 Nr. 2 in cis-Moll.
Mit dem völlig falschen Beinamen «Mondscheinsonate». Aber mit dem echten Untertitel

Sonata quasi una fantasia







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 25. August 2023

Vorhersehbar!

Ich höre das wunderbare Musikstundenrätsel, das die wunderbare Katharina Eickhoff uns immer am zweiten Samstag des Monats in SWR2 stellt.
Im August 2023 ist das Thema «Sommerfrische in den Bergen». Nachdem die Lösungen der ersten Fragen «Richard Strauss» (der Wanderer in der «Alpensinfonie») und «Paul Hindemith» (Filmmusik zu «Kampf um den Berg») uns die Buchstaben S und U geliefert haben, denke ich, dass die gute Katharina jetzt eventuell uns wieder auf den Mont Ventoux schicken wird, denn sie ist ein erklärter Petrarca-Fan und hat die Besteigung im April 1336 schon zweimal verwurstet.
Und, Tatsache: Frau Eickhoff holt aus, erzählt vom italienischen Dichter in Frankreich und es geht auf den Gipfel des Provence-Berges. Ist ja auch toll, diese Besteigung – ich habe am 5. 3. 2019 ihr auch einen Post gewidmet.
Katharina Eickhoffs wunderbares Rätsel hat also (auch) eine gewisse Vorhersehbarkeit.

Wenn man mit meiner Nichte, die im 9. Semester Architektur studiert, durch eine Stadt läuft, dann kann man mit 100%iger Wahrscheinlichkeit ihre Reden voraussagen.
Man läuft an einem Jugendstilhaus aus dem Jahr 1903 vorbei, an dem drei Ranken silbern angestrichen sind, und man weiss, dass sie jetzt erwähnen wird, dass an Jugendstilhäusern aus dem Jahr 1903 keine Ranken silbern angestrichen gehören, und dann räuspert sie sich und sagt: «An Jugendstilhäusern aus dem Jahr 1903 gehören keine Ranken silbern angestrichen.»
Und dann läuft man an einem Gebäude von einem offensichtlichen Schüler von Richard Meier vorbei, dessen weisse Bauten ja immer etwas Verschmuddeltes haben, wenn sie nicht regelmässig geputzt werden, und man weiss, sie wird genau das jetzt auch sagen und dann hebt sie an, redet und spricht: «Bauten aus der Richard-Meier-Schule MÜSSEN regelmässig geputzt werden, sonst sehen sie einfach nur schmuddelig aus…»
Vorhersehbar.

Aber ich kehre auch vor der eigenen Türe:
Nehmen Sie mich!
Gehen wir zum Griechen, und Sie denken, Rolf wird jetzt Dolmades und Moussaka bestellen – und ich bestelle genau das. Gehen wir zum Italiener, und Sie denken, Rolf wird jetzt Insalata Mista und Lasagne bestellen – und ich bestelle genau das. Gehen wir zum Thailänder, und Sie denken, Rolf wird jetzt Frühlingsrollen und ein Curry mit Erdnüssen bestellen – und ich bestelle genau das.
Und wenn Sie denken, ich habe heute Morgen (es ist Sonntag) erst einen Kaffee getrunken, dann zwei Patiencen gelegt und dann mein Französisch auf Duolingo geübt, dann…, dann…, dann liegen Sie genau richtig.
Auch ich bin absolut vorhersehbar.

Aber ist das eigentlich so schlecht?
Ich stelle mir einen Samstagmorgen vor, an dem nichts so wäre, wie man es sich am Abend vorgestellt hat: Die Sonne geht mit grüner Färbung nicht vor dem Wohnzimmerfenster, sondern vor dem Küchenfenster auf, die Kaffeemaschine, die komischerweise im Bad steht, liefert nur Cappuccino und spielt dazu auch noch «Mbube». Ich setze mich – nachdem ich ihn gefunden habe, denn er steht nicht im Büro, sondern im Esszimmer – an meinen Laptop. Dort heissen alle Dateien anders, und in SWR2 kommt um 9.00 eben nicht die Musikstunde, sondern eine Direktübertragung eines Metal-Festivals.
Nein.
Ich geniesse es schon, dass die Dinge am Morgen so sind wie immer, also vorhersehbar, die Sonne geht golden vor dem Wohnzimmerfenster auf, die Kaffeemaschine steht in der Küche und liefert Espresso, und sie spielt auch nicht «The Lion sleeps tonight» («Mbube» ist der Originaltitel). Mein Laptop steht im Büro und in SWR2 kommt um 9.00 die Musikstunde – am 2. Samstag des Monats mit dem Rätsel.
Vorhersehbarkeit hat also zwei Seiten: Einerseits langweilt sie uns manchmal, andererseits sind wir auf die angewiesen.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich der Riesenaspekt der Dinge, die man wahrscheinlich gar nicht oder schwer vorhersagen kann:
Das Wetter und die Wetterereignisse
Die Wirtschaft und die Börsenkurse
Die Verbreitung von Krankheiten
Kriegsverlauf
usw.
usw.
Sie stutzen? Nun, horchen Sie doch einmal in «heute journal» oder «Tagesthemen», oder in «10 vor 10» oder «ZIB 2» einmal genau hin. Jedes Mal kommt ja irgendeine Expertin oder ein Experte, besonders beliebt sind zurzeit Wehrtechniker oder Militärstrategen, sie haben die Riesenphalanx der Virologinnen und Virologen abgelöst.
Und was ist ihr am meisten gesagter Satz? «… das lässt sich ganz schwer vorhersagen, weil…» Du liebe Güte, wenn sie Expertinnen und Experten sind, dürfen die dann so einen Spruch machen? Dass Dinge schwer vorherzusagen sind, weiss ich selber.

Vielleicht aber sollten die Medien auch viel mehr Dinge vorhersagen, die wirklich vorhersehbar sind. Schön wäre doch jeden Abend ein Satz, der uns trösten wird:

Morgen wird die Sonne wieder aufgehen.

Wäre doch sehr tröstlich.

      

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

P. S.:

Nein, ich sage Ihnen jetzt nicht, welchen Buchstaben von «Francesco Petrarca» Sie nehmen müssten, und ich sage Ihnen auch nicht, wie die Lösungen der anderen Fragen heissen. Sonst haben Sie das Lösungswort und schicken es ein und schmälern meine Gewinnchancen, man kann da nämlich wirklich gewinnen, 2015 habe ich zwei Karten für «Koma» gewonnen, nein, ich kam nicht ins Koma, das war die Oper von Herrn Haas.

 

  

Dienstag, 22. August 2023

Das Normale und das Besondere

Ich lese mit Schrecken in einem Internet-News-Blog:

Freitagabend in einem Gault Millau-ausgezeichneten Restaurant in Zürich. Zum Dreigänger gibts hier nicht nur die übliche Wein-, sondern auf Wunsch auch eine hybride- oder gänzlich alkoholfreie Essensbegleitung. Das Ganze wird auf der Karte mit «Stilvolle 0,0 %» angepriesen. Statt Prosecco zum Apéro gibts also Sparkling Tea aus Deutschland, statt Weisswein zur Vorspeise bekommen promillesensible Geniesserinnen Well Hirschbirne vom österreichischen Obsthof Retter ausgeschenkt und zum Hauptgang gibts Berliner Kolonne Null statt des obligaten Rotweins…

Ein paar Zeilen später wird sogar von einer «Generation Dry» gesprochen. Fazit des Ganzen ist: Saufen ist out, Saufen tun nur noch die Alten, die neue, hippe, junge und smarte Generation ist schön, sportlich, trainiert, clean, rauchfrei (das sowieso!) und jetzt auch bei 0 % Alkohol.

Ich bin total entgeistert und erschrocken, ich bin total fertig und entsetzt.
Warum bin ich total entgeistert, erschrocken, total fertig und entsetzt? Weil ich, als ich aufhörte Alkohol zu trinken, alles, alles, alles, wollte, nur nicht hip sein. Ich wollte meinen Körper und meinen Geist wieder auf die richtige Bahn lenken, aber sicher nicht «in» sein.
Im Gegenteil: Ich hatte gehofft (gehofft!), ein 0 %-Konsum würde mir ein Merkmal geben, das mich von anderen unterscheidet, das mich herausstellt, das mich auszeichnet.
Nix da.
Pustekuchen.
Ätsch.

…Die Europäer trinken weniger Alkohol. Das hat eine Befragung des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung ergeben. Demnach ist der Alkoholkonsum seit Beginn der Pandemie in allen europäischen Ländern gesunken. Ähnliche Tendenzen lassen sich in den USA beobachten…

Wir suchen doch alle etwas, das uns aus der Masse heraushebt. Eine Art (oder Unart), ein Kleidungsstück, ein Hobby, ein Körper- oder Gesichtsmerkmal. Wir gewöhnen uns an, in einer bestimmten Art an die Nase zu tippen oder vor jeder Äusserung uns zu räuspern. Wir legen uns einen bunten Topf-Hut im Ugly-Style zu. Wir fangen an, interessante Klopapierrollen zu sammeln oder Hallenhalma zu spielen. Wir lassen uns ein altaztekisches Symbol auf den Arm tätowieren oder piercen uns die Ober- oder Unterlippe.
Was aber, wenn sich alle auf einmal an die Nase tippen und sich vor jeder Äusserung räuspern? Was, wenn alle auf einmal bunte Topf-Hüte im Ugly-Style tragen? (…was ja bald der Fall sein wird…) Was, wenn alle WC-Rollen sammeln und alle Hallenhalma spielen? Was, wenn die Mehrheit tätowiert und gepierct ist? (…was ja, glaube ich, schon der Fall ist…)
Nun, dann, ja dann hebt es uns aus der Masse heraus, uns NICHT an die Nase zu klopfen und NICHT «hmhmhmhm» zu machen, dann sind wir singulär, wenn wir KEINEN Eimerhut (so heissen die ja eher) tragen, sind wir etwas Besonderes, wenn wir Briefmarken sammeln oder Skat spielen, sind wir total zu erkennen, wenn wir KEIN Tattoo haben, KEIN Piercing und KEINE aufgespritzten Lippen.

Nehmen wir doch gerade mal die unsägliche Tätowierung: Sie zeigt uns auf doppelte Weise, wie das Besondere ins Gewöhnliche und das Gewöhnliche ins Besondere kippt: Wenn – wie so häufig bei Extrem-Tattoo-Fans – der ganze Körper gestochen ist, dann erscheinen die wenigen Stellen, an denen man die blasse, weisse, normale Haut sieht, wie hervorgehoben.
Und: Wenn alle Menschen tätowiert sind, dann fällt der Nicht-Tätowierte halt umso mehr auf…

Wie schafft man es nun, etwas Besonderes zu sein?
Ich sehe eigentlich nur zwei Möglichkeiten:

Die erste ist, eine quasi umgekehrte Trend-Nase zu haben. Also jeden Trend zu spüren, zu merken, zu registrieren und dann je umgekehrt mitzumachen oder eben nicht mitzumachen. Wollen Sie ein Beispiel? Gut: Sie bekommen (durch regelmässigen Socialmediakonsum) mit, dass alle Leute sich an die Nase fassen. Und das machen Sie nicht mit, ja Sie posten sogar Videos, in denen sie demonstrativ Ihre Hände zwei Minuten in die Höhe halten. Das machen Sie ein paar Wochen so, bis – und das merken Sie sofort, weil Sie ja wachsam sind – das erste Video auftaucht, indem ein Influencer genau das macht. Dann, ja dann, ja dann, ja dann fangen SIE an, sich an die Nase zu langen.
Die Methode funktioniert, aber sie ist sehr anstrengend. Logisch. Es ist genauso nervenaufreibend, jedem Trend hinterherzulaufen wie das Gegenteil zu tun…

Die zweite ist viel, viel entspannter: Sie machen das, was Sie immer tun, Sie bleiben bei einer Sache. Und das ist zunächst normal, dann ist es für ein Jahr wahnsinnig spannend und extravagant, dann ist es wieder normal. Beispiel: Sie tragen keine Ugly-Style-Eimerhüte. Was normal ist, weil niemand Ugly-Style-Eimerhüte trägt. Dann wird es für einen Herbst Mode und alle tragen Ugly-Style-Eimerhüte und SIE sind der Herausragende, der Besondere. Das ist ein wenig so wie das Berühmtsein-für-15-Minuten, von dem Warhol redete. Und ein Jahr später trägt niemand mehr Ugly-Style-Eimerhüte und Sie sind wieder normal. Nachteil: Sie sind nicht immer berühmt. Vorteil (wie gesagt): Viel entspannter.

Ich werde es genauso machen: Ich trinke keinen Alkohol mehr und rauche keine Zigaretten. Und ich hoffe, dass nach ca. 10 Jahren Fitness-Health-Wahn die Menschheit wieder exzessiv säuft und schlotet. Und ich die Promi-Persönlichkeit bin: «Rolf Herter? Das ist der Typ Ende 60, der keinen Alkohol trinkt und nicht raucht.»





Freitag, 18. August 2023

Der Speisenzubereitungsendeinformationspiepser

In der Fastfoodbude – eine pantomimische Groteske in 7 Bildern

Personen:
Hyr, ein Esslustiger
Har, ein Fastfoodbudenmitarbeiter

Ort und Zeit: Ein Fastfoodlokal in der Jetztzeit

Zwischen den Bildern jeweils ein Black von 30 Sekunden, das heisst, beim reinen Lesen bitte für eine halbe Minute die Augen schliessen.

Bild 1
Har steht allein hinter der Verkaufstheke. Hyr betritt die Szene und sieht Har. Har deutet auf einen Verkaufs-Bildschirm an der einen Seite.
Hyr: Ich hätte gerne…
Har: Bitte den Automaten benutzen.
Hyr: Aber…
Har: Bitte den Automaten benutzen.

Bild 2
Hyr steht nun vor dem Bildschirm, er drückt immer wieder darauf herum und murmelt vor sich hin.
Hyr: Wählen Sie eine Sprache…Deutsch…Wählen Sie eine Speise…Beilagen…Pommes Frites…Klein…Bitte bezahlen Sie mit der Karte…
Hyr zückt seine Kreditkarte und zieht sie durch den Schlitz
Hyr: Geheimzahl…645786234…nein…89745634…Ok…Bitte nehmen Sie einen runden Speisenzubereitungsendeinformationspiepser…
Er blickt Har an.
Hyr: Speisenzubereitungsendeinformationspiepser?
Har: Speisenzubereitungsendeinformationspiepser. Ich komme.

Bild 3
Har steht nun neben Hyr und diktiert ihm die Schritte, die Hyr dann ausführt.
Har: Sehen Sie, diese runden schwarzen Teile…ja, eines nehmen…und jetzt die Zahl darauf eintippen…ja, die 87…und jetzt warten Sie bitte, bis das Teil vibriert und leuchtet und piepst.
Hyr: Vibriert und leuchtet und piepst?
Har: Vibriert und leuchtet und piepst.

Bild 4
Hyr steht auf der einen Seite neben seinem Piepser, Har steht hinter der Theke.
Hyr: Und jetzt warten wir, bis mein Speisenzubereitungsendeinformationspiepser vibriert und leuchtet und piepst.
Har: Ja.
Hyr: Obwohl ich ja direkt sehe, wann Sie meine Pommes Frites in der Hand halten.
Har: Ja.
Hyr: Und obwohl Sie mich auch rufen könnten.
Har: Ja.
Hyr: Und obwohl ich der einzige Kunde bin.
Har: Ja.
Hyr: Gut, das ist lustig. Haben Sie ein Problem damit, dass ich einen Blog mit Glossen schreibe und Sie und mich verwursten werde?
Har: Nein.
Hyr: Gut.

Bild 5
Der Speisenzubereitungsendeinformationspiepser piepst, vibriert und leuchtet. Hyr geht zur Theke, wo ihm Har seine Pommes Frites überreicht.
Har: Guten Appetit.
Hyr: Danke

Bild 6
Hyr sitzt an einem Tisch und isst seine Pommes. Har werkelt hinter der Theke herum.

Bild 7
Hyr versorgt sein Tablett in einem Alttablettversorger.
Hyr: Auf Wiedersehen. Aber nun mal ganz ehrlich: Ich halte Sie nicht für dumm, Sie hätten doch auch den Kasten da ausschalten können, wenn Sie nur einen Kunden haben.
Har: Natürlich.
Hyr: Und wir hätten die ganze Sache mit Kreditkarte und Speisenzubereitungsendeinformationspiepser gelassen. Und Sie hätten mich auf die traditionelle Art bedient.
Hyr: Natürlich. – Aber hätten Sie dann eine Glosse gehabt??????

 

 

 

Dienstag, 15. August 2023

Michael Ende und die Zusammenarbeit mit der AfD

In der surrealistischen Geschichtensammlung «Der Spiegel im Spiegel – Ein Labyrinth» von Michael Ende wird in einer Story über einen Brückenbau berichtet:
Ein Volk baut seit Jahrhunderten an einer Brücke über einen Abgrund, der so weit ist, dass das Ende der (halben) Brücke sich im Nebel verliert. Niemand weiss, ob die Gegenseite auch baut oder ob es die Gegenseite überhaupt gibt.
Diejenigen, die glauben, dass die Gegenseite nicht existiert, nennen ihren Glauben die «Einseitigen», diejenigen, die glauben, dass das Gegenüber wirklich da, aber völlig unerreichbar ist, die «Halben». Beide Gruppen bauen aber weiter an der Brücke, immer weiter.

Schmeckt ein wenig nach Kafka? Schmeckt sehr nach Kafka, wie das ganze Buch aus dem Jahr 1983. (Es ist aber durchaus lesenswert.)
Völlig kafkaesk wird es nun, wenn berichtet wird, dass es trotz diesen Einstellungen zu regem Handel und Migration zwischen beiden Seiten kommt. Fuhrwerke, Karren, Menschen, Tiere kommen aus dem Nebel und verschwinden in den Nebel, daher oder dorthin, wo nichts sein kann…
Selbst Eheschliessungen gibt es zwischen den Brückenländern. Allerdings müsste ja der Part von der anderen Seite sein oder ihr Dasein erklären, er oder sie erklärt aber natürlich, nicht zu existieren oder nicht da zu sein.
So heisst es bei den «Einseitigen» in der Zeremonie: «Ich bin von nirgendwo gekommen, denn den Ort meiner Herkunft gibt es nicht. Darum bin ich niemand, und so nehme ich dich zum Manne (zur Frau).»
Bei den «Halben» wird gesagt: «Von dort, wo ich herkomme, konnte ich unmöglich kommen, darum bin ich nicht hier, und so nehme ich dich zum Manne (zur Frau).»

Dieser Ende könnte uns helfen, den Umgang mit der AfD korrekt zu gestalten.

Denn was macht Enrico Schilling (CDU) in seiner täglichen Politik? Der Arme ist Bürgermeister von Gräfenhainichen, der Nachbargemeinde von Raguhn-Jessnitz und sein dortiger Amtskollege ist Hannes Loth von der AfD. Die Parteilinie der Christdemokraten fordert, jegliche Zusammenarbeit mit der bösen Partei zu verhindern. Wie soll das aber nun aussehen zwischen zwei solchen Städten? Was soll Schilling in seiner Tagesarbeit machen? Gut, er könnte sich jeden Morgen in seinem Büro hinstellen und singen:

Ist Gott für mich, so trete
Gleich alles wider mich,
Sooft ich ruf' und bete,
Weicht alles hinter sich.
Hab' ich das Haupt zum Freunde
Und bin geliebt bei Gott,
Was kann mir tun der Feinde
Und Widersacher Rott'?

Damit würde er dem wichtigsten Sohn seiner Stadt huldigen, das brächte ihn aber auch nicht weiter. Nein, man muss ja so viele Dinge zwischen zwei Gemeinden klären, dass eine «Nicht-Zusammenarbeit» fast unmöglich scheint. Da gibt es vielleicht Schulen, Schwimmbäder, Museen etc., an denen sich der kleinere Ort (also Raguhn) beteiligen sollte, da gibt es Strassen und Buslinien, die von der einen Stadt in die andere führen, da gibt es dann auch noch Leipzig und Bitterfeld, die Riesenkommunen, gegen man die sich behaupten muss. Und in all den Fällen, Schulen, Schwimmbäder, Museen und Sportvereine, Strassen und Wege und Buslinien, Leipzig und Bitterfeld und der Landkreis, da muss man doch irgendwie kooperieren.
Aber wie?
Wie?

Vielleicht hilft hier eine Ende-Formel:
Grundsätzlich sagt Schilling: «Es gibt keinen Bürgermeister in der Nachbargemeinde, daher kann ich mit keinem reden.» Dann kann man Gespräche ausmachen. Vor dem gemeinsamen (wöchentlichen) Gespräch gibt Schilling dann bekannt: «Ich werde mit dem Bürgermeister der Nachbargemeinde, den es nicht gibt, nicht reden, nicht kooperieren.»
Und jeweils nach den Treffen wird dann gesagt: «Wir haben kein Meeting mit dem Bürgermeister von Raguhn, den es nicht gibt, durchgeführt. Bei dem Meeting, das nicht stattgefunden hat, wurden diese Sachen vereinbart:…»

Also Kafkaeske Kooperation. Und damit die CDU-Zentrale zufrieden ist, schickt man regelmässig zerknirschte Verse nach Berlin:

Wo bist du, Sonne, blieben?
Die Nacht hat dich vertrieben,
Die Nacht, des Tages Feind.
Fahr hin! Ein andre Sonne,
Mein Jesus, meine Wonne,
Gar hell in meinem Herzen scheint.

Sie rätseln immer noch, von wem diese Texte sind, wer ist jener Meister, den in Gräfenhainichen geboren wurde?
Es war der wunderbare Liederschöpfer Paul Gerhardt.