Dienstag, 25. Juni 2024

Wir klicken zu schnell

Die Fritz-Meier-Stiftung erhielt eine Anfrage der «Jugendkapelle Hochhausen», in der sie um die Finanzierung eines Schlagzeugs, auch genannt Drumset, gebeten wurde. Abgeschickt wurde diese vom Präsidenten mit sämtlichen Vorstandsmitgliedern im CC. Hugo Müller, der Präsident, erwähnte in seinem Schreiben an Gerhard Schmidt, den Leiter der Stiftung, dass ja der Sohn von Johann Liebermann, einem Mitglied des Stiftungsrates, auch in der Jugendkapelle spiele, Trompete.
Nach einem Tag erschien eine Mail eines der Vorstandsmitglieder, in der er dem Präsidenten vorwarf, ein kleiner Schussel zu sein und Dinge zu verwechseln. Nicht der Sohn von Liebermann, die Tochter der Stiftungsrätin Lohmann spiele bei ihnen, und zwar Saxophon.
Blöderweise bekam das auch Schmidt mit, den der Gute hatte auf «Allen Antworten» gedrückt.

Ich selbst erhielt einmal eine SMS:
«Schickst du mir noch das Rezept für die Renaissance-Torte, die du zu Mamas Geburtstag gemacht hast?»
Tatjana
Zunächst stutzte ich sehr, denn ich kenne natürlich Tatjana, aber ihre Mutter kenne ich keineswegs, ich habe sie noch nie getroffen, ich habe auch erst recht nicht eine Renaissance-Torte zu deren Wiegenfest zubereitet, was auch immer eine Renaissance-Torte sein mag. Dann fiel mir der Name von Tatjanas Schwester ein, sie heisst Roxana. Die gute Tatty musste einfach um eins im Adressbuch ihres Handys verrutscht sein.
Das schrieb ich ihr dann auch:
«Willst du das Rezept von mir oder von Roxana? LG Rolf»
Und ich hatte recht.

Schwieriger war es für meinen Kollegen Hubert, der von Marc, einem Cellisten, mit dem er ein paar Mal zusammengearbeitet hatte – sie hatten damals Mailadressen ausgetauscht, um Fahrten zum Konzertort gemeinsam zu planen – vier Fotos geschickt bekam.
Es handelte sich um Körper-Detailaufnahmen. Sie verstehen, was ich meine? Nicht? Gut, dann muss ich deutlicher werden: Der Cellist hatte Bilder von seinem Penis gesendet. Nun ist Hubert durchaus schwul, und sicher nicht prüde, aber er hatte mit diesem Cellospieler nie wirklich geredet und auch kein Bier getrunken. Zudem waren die Fotos hässlich, denn das Glied schien wie von einer Hautkrankheit befallen. Und: Waren die Bilder überhaupt für ihn?
Wie geht man nun mit so einer Situation um? Ignorieren? Antworten? Und was? Hubert entschied sich für das Tür-ins-Haus-fallen-Modell:
«Lieber Marc. Du hast mir Penisbilder geschickt. Waren die für mich oder für jemand anders? Wenn sie für mich waren, dann muss ich dir sagen, dass mir dein Schwanz nicht gefällt, er sieht irgendwie krank aus. Gruss H.»
Es stellte sich dann heraus, dass Marc die Bilder jemand anderes schicken wollte, der Computer hatte Adressen angeboten, und Marc hatte falsch geklickt.
Der andere Adressat war übrigens ein Urologe, der Cellist litt wirklich an einer genitalen Dermatose.

Wir klicken zu schnell.
Wir klicken zu hastig.
Wir klicken zu unüberlegt.
Wir wählen aus dem Adressbuch und vertun uns sehr schnell zwischen «Jon» und «John» und «Jona» und «Joni».
Wir drücken ständig «Allen antworten» ohne zu schauen, wer eigentlich alles sich im Verteiler befindet.
Wir sind viel zu schnell.

Ein alter, weiser Mensch gab mir einmal den Rat: «Wenn du dich über jemand richtig ärgerst, dann schreibe ihm einen Brief, einen bösen, direkten, vielleicht auch frechen und bissigen Brief. Aber dann schicke ihn nicht ab! Schicke ihn nicht ab! Lege ihn auf deinen Schreibtisch, lasse ihn dort über Nacht liegen, schlafe gut und fest, und dann lese den Brief durch, und wenn du mit dem Inhalt immer noch einverstanden bist, dann kuvertiere ihn ein, frankiere ihn und bringe ihn zum Briefkasten.» Der gute, alte und weise Mann konnte sich damals nicht vorstellen, wie schnell man heute mit Reaktionen ist. Übrigens ginge das mit dem Über-Nacht-auf-dem-Schreibtisch-lassen auch heute, die Mailprogramme haben einen Ordner namens
ENTWÜRFE
den wir allerdings nur benützen, wenn uns die Zeit fehlt – oder wenn der ICE mal wieder in ein Funkloch fährt und wir nicht senden können.

Wir klicken zu schnell.
Wir klicken zu hastig.
Wir klicken zu unüberlegt.

Das machen sich ja auch die vielen bösen Menschen zunutze, die uns schreckliche Mails schicken.
Da haben wir angeblich eine Sendung bestellt, die jetzt im Zoll festhängt, und jetzt müsse man HIER einfach klicken…
Da ist das GA angeblich abgelaufen, und jetzt sind alle Zugänge gesperrt und alle Fahrten in allen Verkehrsverbünden unmöglich, und jetzt müsse man HIER einfach klicken…
Und bitte lachen Sie jetzt nicht über die Klicker, ich habe das auch getan, solange es um PayPal ging (ich habe kein PayPal), eine Erbschaft in Australien (ich habe keine Verwandte dort) oder meine Gebäudeversicherung (ich habe keine Immobilie), aber als neulich wirklich auf eine Sendung gewartet wurde, als es um das GA ging, das ich habe, da hätte ich fast – fast(!) geklickt, zum Glück merkte man schnell, dass rdxfdtebrk@gmail.com keine amtliche Adresse sein kann.

Wir klicken zu schnell.
Wir klicken zu unüberlegt.

Die Fritz-Meier-Stiftung hat übrigens der Jugendkapelle klargemacht, dass sie sehr an ihrem Informationsmanagement arbeiten müssen.
Und das Drumset dann doch bezahlt.



 



 

 

  

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 21. Juni 2024

Es kam... Nemo

Am letzten Montag stand das kleine Städtchen Biel Kopf: Nemo präsentierte sich auf einer kleinen Bühne dem Volk und es gab Autogramme und Selfies für Jung und Alt. Schon Stunden im Voraus hatten die Leute ausgeharrt und vor allem die Vor-Teenager waren so aufgeregt, dass sie auf Befragung durch Journalisten, warum sie nun hier warteten, kaum einen geraden Satz hervorbringen konnten:
«Das isch so cool, so cool, so cool, igg bi so ufgrägt.»
«Mi Schwöschter mit em in d`Schuel…»
«Igg muess Selfie mitem»
«Kraaaaaiiiisch»
Man hatte das Gefühl, hier wäre der Papst zu einer Horde Nonnen in der Tundra gekommen, die seit drei Jahren keinen Geistlichen sahen, geschweige denn einen Bischof, und nun kommt Franziskus persönlich in die Schneesteppe.
Man hatte das Gefühl, hier warteten Groupies auf die wiedervereinigten Beatles, allen Unkenrufen zum Trotz, dass das ja ob des Todes gewisser Bandmitglieder nicht möglich sei.
Man hatte das Gefühl, Charles UND Silvia UND Willem-Alexander und noch ein paar Königinnen und Könige würden bald eintreffen und Spenden für die bedrohte Tierwelt sammeln.
Aber es war kein König, kein Beatle und auch nicht der Papst.
Es war Nemo.

Denn Nemo ist Bieler.
Ja, der Nemo, der den ESC gewann, den ESC gewann als erste non-binäre Person, kommt aus dem schnuckeligen kleinen Städtlein am gleichnamigen See.

Biel also.
Biel/Bienne ist eine Stadt im Schweizer Kanton Bern. Sie liegt am nordöstlichen Ende des Bielersees im Seeland und ist mit 55'070 Einwohnern die zehntgrösste Stadt der Schweiz. Biel ist die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz und nach Bern die zweitgrösste Stadt des Kantons.
(Wikipedia)
Ich mag Biel sehr, aber das steht hier gar nicht zur Debatte. Dennoch mache ich mich sehr häufig über die Zweisprachigkeit lustig, die die lustigsten Blüten treibt. So behaupte ich, dass die Bielerinnen und Bieler auch zweisprachig träumen, quasi mit Untertiteln, aber das streiten sie natürlich ab. Fest steht aber, dass alle Haltestellen im Bus-Screen (Tram gibt es keines) immer in beiden Sprachen geschrieben werden, auch wenn es wirklich unnötig ist:
Dufourstrasse – Rue Dufour
Tellplatz – Place Tell
Zentrum – Centre
usw.
Aber wir schweifen ab…

Der Hype um Nemo, der sich am letzten Montag entlud, hat natürlich ganz klare wirtschaftliche Gründe. Man weiss, dass das Kennen eines Städtenamens immense Vorteile bringt.
Ein Beispiel:
Die Schmidt AG aus Wolfsburg und die Meyer AG aus Herford bewerben sich um einen Auftrag in Frankreich. Schmidt hat nun einen Riesenvorteil: Man kennt den Namen Wolfsburg, und was man kennt, muss ja irgendwie OK sein. Herford kennt man nicht, es sei denn, man hat in Geschichte promoviert, Schwerpunkt 17. Jahrhundert (es war immer wieder Schauplatz im Dreissigjährigen Krieg), aber welcher Firmenboss hat schon seinen Abschluss in Geschichte gemacht? Man kennt Wolfsburg, und man kennt es sogar als Industriestandort, dass Schmidt und Meyer in der Solartechnik arbeiten und nicht in der Automobilbranche, spielt hier keine Rolle.
Schmidt hat also bessere Chancen, nur weil man die Stadt kennt.

So ist nun auch die Begeisterung zu verstehen, die Zweitligisten in Deutschland auslösen, wenn sie in die erste Bundesliga aufsteigen und vielleicht und eventuell sogar in internationalen Ligen spielen.
Wer würde eine Maschine aus Hinterdübingen kaufen? Aber wenn man Hinterdübingen kennt, weil der FC Hinterdübingen letztes Jahr in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist und nun auf Platz 5 es sogar mit anderen internationalen Vereinen zu tun bekommt, dann sieht das vielleicht anders aus.
Wer würde Software aus Vorderkotzingen kaufen? Aber wenn man Vorderkotzingen kennt, weil der EHC Vorderkotzingen letztes Jahr die deutsche Eishockey-Meisterschaft gewonnen hat, dann kann das alles ändern.

Es geht also um Wirtschaft und Geld.
Wie immer.
Und wenn Biel dann aus noch den Song Contest AUSTRÄGT, auch wenn man dafür erst eine Halle für 500 Millionen bauen müsste, das wäre gut investiertes Geld.

Am letzten Montag stand das kleine Städtchen Biel Kopf: Nemo präsentierte sich auf einer kleinen Bühne dem Volk und es gab Autogramme und Selfies für Jung und Alt. Schon Stunden im Voraus hatten die Leute ausgeharrt und vor allem die Vor-Teenager waren so aufgeregt, dass sie auf Befragung durch Journalisten, warum sie nun hier warteten, kaum einen geraden Satz hervorbringen konnten.
Und dann erschien der Sohn der Stadt – Nemo.
Und sang noch einmal sein Lied.

Es heisst übrigens «The Code», was eher auf die Verbindung zur Software schliessen lässt…







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 18. Juni 2024

EM und Saufen?

Diese Geschichte ist jetzt wirklich wahr und passiert:
Vor Jahren wurde ich in Freiburg von einem Dortmund-Fan angesprochen, wo es eine nette Kneipe gebe.
Dies wäre ja eigentlich noch keine ungewöhnliche Sache gewesen, wenn nicht drei Dinge mich etwas stutzig gemacht hätten:
Erste Tatsache: Der BVB-Typ war schon knülledicht, er lallte und hatte auch Mühe, sich aufrecht auf den Beinen zu halten, er musste im ICE schon einige Bierchen und Korn zu sich genommen haben.
Zweite Tatsache: Es war erst 11 Uhr morgens.
Dritte Tatsache: Das Spiel Freiburg gegen Dortmund begann erst um 16.00.

Ich fragte mich nun schon, was dieser Fussballfan überhaupt an der Dreisam suchte. Denn – ganz frank und frei und ganz ehrlich gesprochen – wird er vom Spiel ja wenig mitbekommen haben. Irgendwann ist man ja so hackedicht, so zu, dass man vielleicht noch die Farben der Trikots erkennt, aber vom genauen Spielverlauf nichts mehr sieht. Und solche Finessen wie «Ecke oder nicht», «Elfmeter oder nicht» usw. kann man dann sicher nicht mehr beurteilen.

Ich denke, ich werde auch so etwas ihm geantwortet haben, so in der Richtung, dass es in der Innenstadt von Freiburg genügend Beizen gebe, dass er aber eine kleine Saufpause einlegen müsse, um dem Spiel folgen zu können.
Ich weiss nicht, wie es ausging. Eventuell hat er nur wenig von der Partie gesehen. Eventuell auch nix, weil er mit Alkoholvergiftung in der Uniklinik lag…

An diese Story musste ich wieder denken, als schon am Donnerstag die Schotten in München einfielen. «Wir saufen München leer» war ihr Schlachtruf, und weil sie dem dünnen bayrischen Bier nicht trauten – heisst nicht zutrauten, sie richtig knülle zu machen – hatten sie genügend Flaschen eigenen schottischen Whiskey mitgenommen.
Wie viel diese Herren (jawohl, es sind halt doch meist Männer) nun vom ersten Spiel der EM gesehen haben, das wissen die Götter. Gut, vielleicht war es auch gut, wenig zu sehen, so, wie die schottische Mannschaft auseinandergenommen wurde.

Es gehe um den Sport, erklären mir ernsthafte Fans immer wieder. Gut, wenn es nur um den Fussball und nicht um Saufen und Randale geht, könnte man ja die Stadien und die Umgebung der Stadien alkoholfrei machen. Nein, am besten die ganze Stadt: Wenn in X am Tag Y das Achtel- oder Halbfinale der EM stattfindet, dann gibt es in X einen Tag vor Y bis einen Tag nach Y kein Bier, keinen Wein und keinen Schnaps.

Nun könnte man mir zwei Dinge vorhalten:
Zum einen, dass ich vor drei Jahren über das Thema Alkohol noch ganz anders geschrieben hätte.
Geschenkt.
Stimmt natürlich.

Zum zweiten könnte man sagen, dass ja auch im Kulturbetrieb nicht immer allein die Kultur im Mittelpunkt stehe…

Schauen wir uns einige Bereiche doch mal an.
Die klassische Vernissage ist eine Ausstellungseröffnung in einer Galerie, bei der der Künstler anwesend ist, ein Kunsthistoriker eine launige Rede hält, der Galerist die Menschen begrüsst und auf die Gäste ein Buffet mit weissem Tuch, Unmengen an Schampus und Weisswein, sowie Nüsse, Schnittchen, Salzstängel und Cracker warten. Nun kann man immer wieder Leute beobachten, die zwar bei Weisswein und Schampus kräftigst zuschlagen, auch bei Nüsse, Schnittchen, Salzstängel und Crackern, die aber den Künstler ignorieren und auch dem Kunsthistoriker nicht zuhören. Und auch die Bilder würdigen sie keines Blickes. Und genau diese Leute trifft man aber auf fast jeder Vernissage. Sie sind am 4. Juni in der Galerie Meyer, am 11. Juni im Kunstraum Apoll, am 18. Juni in der Space Gallery und am 25. Juni im Forum Neue Kunst, und an keinem der Termine, nicht am 4. Juni in der Galerie Meyer, nicht am 11. Juni im Kunstraum Apoll, nicht am 18. Juni in der Space Gallery und nicht am 25. Juni im Forum Neue Kunst schauen sie die Kunstwerke wirklich an, sondern machen sich über Getränk und Büffet her. Und sind dann manchmal auch echt angeheitert, so angeheitert, dass sie Künstler, Galerist und Kurator erzählen, dass sie eigentlich schöne Blumenbilder viel, viel, viel, viel töller fänden wie das abstrakte Geschmier.

Wie sieht es bei der Oper aus? Wahrscheinlich sind hier die echten Fans doch mehr als bei der Bildenden Kunst. Denn Gläser müssen ja im Foyer bleiben, und wenn man keinen Verdi mag, dann sind zwei Stunden erster und zweiter Akt, zwei Stunden dritter und vierter Akt doch sehr, sehr lange, nur um vorher, hinterher und in der Pause sich mit Weisswein vollzuschütten.

Bei Rockmusik ist es allerdings anders, hier werden Alkohol und Drogen konsumiert, vor der Stage und auf der Stage. Und das muss man dem Fussball lassen:
Die Spieler sind alle nüchtern.
Alle.
Alle ohne Ausnahme. Wer nur ein Bier in der Kabine tränke, der wäre weg vom Fenster.

Vor Jahren wurde ich in Freiburg von einem Dortmund-Fan angesprochen, wo es eine nette Kneipe gebe. Der BVB-Typ war schon knülledicht, er lallte und hatte auch Mühe, sich aufrecht auf den Beinen zu halten, er musste im ICE schon einige Bierchen und Korn zu sich genommen haben. Es war erst 11 Uhr morgens. Das Spiel Freiburg gegen Dortmund begann erst um 16.00.

Man kann nur hoffen, dass das bei der EM die Ausnahme bleibt…

 

 

      

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 14. Juni 2024

Das Deutschland-Ticket lernt dazu

Für den Sommer brauche ich wieder ein Deutschland-Ticket. Diese Karte für 49 Euro hat sich ja in vielen Fällen als sehr, sehr praktisch herausgestellt. Nehmen Sie nur mal meinen Hamburgaufenthalt im Frühling, auf der Hinreise noch ein Besuch in Westfalen, mit einigen Regionalzügen, dann in der Hansestadt der ganze Ortsverkehr und an meinem Geburtstag eine anderthalbstündige Fahrt nach Cuxhaven. Jetzt in Berlin war es nicht so geschickt, weil wir über den Monatswechsel da waren, da hätten wir zwei solche Tickets gebraucht.
Nun, jedenfalls, das Ticket ist eine gute Sache – eine der wenigen guten Dinge, die deutsche Verkehrsminister in den letzten Jahren auf die Reihe bekommen haben.

Da ich das Ticket zum dritten Male bestellte, hatte ich ein wenig Routine; und aus irgendeinem Grund wollten die (nochmals) meine Adresse und meine Mail, sowie die Telefonnummer. Also frisch die Daten eingegeben:
Jetongasse 21
40530 Basel
usw.
usw.
Die PLZ stimmt natürlich nicht, aber da die Maske nur für die BRD gemacht ist und deshalb nur fünfstellige Postleitzahlen zulässt, muss man ja tricksen – ich habe darüber gepostet.
Man müsse tricksen – so dachte ich! Denn als ich die PLZ eingeben hatte, sah ich darunter eine Länderauswahl:
Deutschland
Schweiz
Österreich
Das fand ich nun schon einmal ganz enorm, sehr professionell, normalerweise muss man bei deutschen Sites die Eidgenossenschaft aus einer Welt-Liste heraussuchen, zwischen Schweden und Senegal, und bei aller Liebe, wie viele senegalesische Touristen bereisen Rhein und Mosel mit dem Zug, wie viele senegalesische Touristen besuchen die Berliner Museen und wie viele senegalesische Touristen brauchen zwischen Ostsee und Berchtesgaden Hotelzimmer? Nein, das war also super, ich wählte die Schweiz an, und daraufhin erhielt ich einen vorwurfsvollen Hinweis:

Ihre Postleitzahl stimmt nicht mit dem gewählten Land überein.

Das ärgerte mich zu Tode, denn das klang ja wie «wahrscheinlich bist du zu doof, aber die Schweiz hat vierstellige Postleitzahlen», ich würde doch nie an eine 4053 eine Null dranhängen, wenn das – scheinbar eben bis anhin – nicht der einzige Weg gewesen wäre, um an ein DT zu kommen. SIE boten ja die falsche Maske, SIE zwangen mich ja zur unsinnigen PLZ.
Aber die Macher der Homepage hatten offensichtlich dazugelernt.

Das wäre doch nun eine super Sache für Webdesigner, die Homepage mit dem Dazugelernt-Sign.

Hallo Leute!
Stifty, die Lehrstellenbörse hat dazugelernt!
Ab jetzt geht unsere Jahreszahlenliste erst ab 2000 los; wir haben gemerkt, dass eine Liste ab 1930 keinen Sinn machen, Menschen, die 1930 geboren wurden, suchen keine Lehrstellen mehr, wenn sie überhaupt noch leben, gut, vielleicht muss man im Himmel auch noch einmal eine Ausbildung machen, im Halleluja-Singen oder Frohlocken, aber dafür vermitteln wir keine Ausbildungsplätze.

Liebe Kunden!
Wir haben dazugelernt:
Wir haben gemerkt, dass es Banken gibt, die ihren Klienten IBAN mit einem Buchstaben am Ende geben, sodass es Sinn macht, unsere Maske «IBAN» nicht so einzurichten, dass eine IBAN mit einem A, B, C oder D am Ende von vorneherein ausgeschlossen wird. Zum Beispiel UBS-Kunden haben eine solche IBAN und die werden es uns danken.

Liebe Fahrgäste der BVB
Sie haben sich öfters darüber aufgeregt, dass Sie, wenn Sie in der BVB-APP «Messeplatz» suchen, folgende Liste bekommen:
Messe Ulm
Messe Stuttgart
Messe Karlsruhe
Messe Friedrichshafen
Wir haben hier eine Liste übernommen, die in einer App, die sich an Kunden der Region Basel wendet, ja nun überhaupt keinen Sinn macht.
Wir haben dazugelernt!
Ab jetzt erscheint, wenn sie «Messeplatz» suchen, nur die Haltestelle «Messeplatz» in Basel.

Ich habe für den Monat Juli das (überaus tolle und praktische!) Deutschlandticket bestellt. Und ich habe gemerkt, dass die Macher dieses Tickets dazugelernt haben.

Und das macht ja angesichts des kompletten Wahnsinns in der Welt ein klein, klein, klein, klein wenig Hoffnung.

P. S. Alle Beispiele existieren wirklich. 
P. P. S. Meine Adresse ist erfunden. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

 

Dienstag, 11. Juni 2024

Warum Zimtschnecken?

Also so was!
Da sitze ich doch neulich in meinem Stammcafé, wo es immer so tolle Apfelwähe gibt, und ich bestelle einen doppelten Espresso und eben eine Apfelwähe, und da heisst es, es gebe einen doppelten Espresso, aber keine Apfelwähe, auch keine andere Wähe, kein Cake und keine Muffins, sondern Zimtschnecken.

Zimtschnecken.
Die ganze Schweiz, ganz Deutschland und überhaupt ganz Mitteleuropa werden mit diesen schrecklichen Zimtschnecken überflutet. Dabei sind die Dinger eigentlich nur eine Abart der guten alten Schneckennudel, ein bisschen langweiliger Hefeteig, notdürftig aufgepeppt mit einer viel zu süssen, viel zu klebrigen und viel zu zimtigen Füllung. Und wo kommen die furchtbaren Machwerke her?
Aus Schweden.

Aus Schweden kam ja noch nie Gutes.
Im 17. Jahrhundert, ich meine jetzt die Zeit zwischen 1618 und 1648, war der Ruf «Die Schweden kommen!» ein Ruf des Terrors, der Angst und des Schreckens. Die Truppen Gustav Adolfs wüteten in Mitteleuropa, die Soldateska des Herren Wasa mordete, plünderte und liess ganze Landstriche in Rauch und Asche aufgehen. Und wo sie nicht wüten konnten, da schleppten sie wenigstens die Pest ein.

Aus Schweden kam noch nie Gutes.
Die Schwedinnen-Filme verwirrten die Nachkriegsjungs und führten sie von einer reinlichen, keuschen und frommen Lebensweise zu Orgien und Ausschweifung. Die barbusigen und blonden Mädels liessen ihnen das Testosteron zu Kopfe steigen, so dass sie zu keinem normalen anständigen und arbeitsamen Leben mehr fähig waren.
Gleichzeitig brachte Pipilotta der Jugend bei, dass ein Kind auch allein leben könne, dass Multiplikation nicht wichtig sei, dass man autonom sei, dass man Zucker auf den Boden leeren müsse, dass Lügen und Phantasie das Gleiche sei; eine ganze Generation wurde hier versaut und zu Rebellen und Anarchisten erzogen.

Aus Schweden kam noch nie Gutes.
Hatte man sich in den 70ern endlich einen guten Musikgeschmack mit viel Rock, Punk und Metal zugelegt, dann kamen Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid und bombardierten einen mit Ohrwürmern, gegen die man keine Chance hatte. Das ABBA-Phänomen war ja so, dass auch die, die Pop und Mainstream echt blöde fanden, auf einmal «Money, Money, Money» trällerten, dass eingefleischte Punker «I Have a Dream» nicht mehr aus dem Ohr bekamen, daher heisst ja die Liebe, die Menschen zu ihren Peinigern entwickelten, Stockholm-Syndrom.
Das ist natürlich jetzt Quatsch, aber es passt gut, oder?

Und dann kam IKEA.
Es gibt leider keine Informationen über die Krankheiten, die das schwedische Möbelhaus ausgelöst hat. Das Internet bietet mir Untersuchungen über die Schadstoffe in den Möbeln, auch über die mentale Gesundheit der Mitarbeiter, aber ich finde nix über die mentale Gesundheit der Kunden.
Wie viele Leute erlitten Nervenzusammenbrüche beim Montieren von TROTOBOL®, TRULLOTÜL® und TRUZOBALL®?
Wie viele Leute nehmen dauerhaft Medikamente, weil die Schubladen von HEFAM®, BIFAM® und MOBAM® klemmten? 
Wie viele Männer und Frauen versanken in eine Depression, weil PUTÖBÖ®, TÜBÜBÖ® und BÖBÜL® nach vier Stunden Montage wieder auseinanderfielen?

Nein, aus Schweden…
Und nun also die Zimtschnecken.

Es haben in der Schweiz schon eigene Läden aufgemacht, die solche Kanelbullar verkaufen. Und zwar zu Preisen, die einem den Schweiss ins Gesicht treiben. 6 Franken, 7 Franken, ja, 8 Franken sollen schon gesichtet worden sein; und zwar PRO Bullar und nicht für zwei oder drei. Diese Zimt-Schuppen werden allerdings den Weg gehen, den auch schon die Bubbletea-Läden und Schoko-Döner-Geschäfte, die die Mangosaft-Buden und Veganen Currywurst-Stände gegangen sind. In all denen Bubbletea-Läden und Schoko-Döner-Geschäften, in den Mangosaft-Buden und Veganen Currywurst-Ständen lief es immer nach demselben Muster:
Erster Monat: Schwieriger Anlauf.
Zweiter Monat: Rasanter Aufstieg durch etliche Instagram-, Facebook- und TikTok-Posts.
Dritter Monat: Triumph! Die Hütte ist jeden Tag voll.
Vierter Monat: Es lässt nach.
Fünfter Monat: Es lässt nach.
Sechster Monat: Pleite.
Es ist halt nicht nur wichtig, dass die Kunden zum ersten Mal kommen, sondern dass sie bleiben und immer wieder kommen. Also zum Bubbletea-Dauertrinker und zum Schoko-Döner-Daueresser werden…

Da sitze ich also neulich in meinem Stammcafé, wo es immer so tolle Apfelwähe gibt, und ich bestelle einen doppelten Espresso und eben eine Apfelwähe, und da heisst es, es gebe einen doppelten Espresso, aber keine Apfelwähe, auch keine andere Wähe, kein Cake und keine Muffins, sondern Zimtschnecken.
Und dann habe ich nur einen doppelten Espresso getrunken. – Der zum Glück nicht schwedisch war, denn die Schweden machen den dünsten Kaffee der Welt, sonst könnten sie nicht Tag und Nacht trinken.







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 7. Juni 2024

Zu wenig Hochwasser für alle Politiker


Das Hochwasser im Kreis Birglar vor einigen Jahren hätte – das haben Untersuchungen jetzt ergeben – nicht so schlimm sein müssen, wie es war. Ja, man hat herausgefunden, dass an einigen Stellen die Wassermassen der Duhr künstlich in die Orte gelenkt wurden.
Und das kam so:

Als in der Nacht vom 17. auf den 18. März 2019 die Fluten in das kleine Städtchen Birglar einbrachten, liefen an vielen Orten die Drähte heiss. Und so hatten sich für den Nachmittag des 18. einige illustre Personen angesagt:
Die Bundeskanzlerin
Der Innenminister des Bundes
Der Umweltminister des Bundes
Der Ministerpräsident
Der Innenminister des Landes
Der Umweltminister des Landes
Die Landrätin
Der Bürgermeister

Was wollten sie nun alle in Birglar, Die Bundeskanzlerin, der Innenminister des Bundes, der Umweltminister des Bundes, der Ministerpräsident, der Innenminister des Landes, der Umweltminister des Landes, die Landrätin und der Bürgermeister?
Es gibt zwei Lesarten: Die eine besagt, die Damen und Herren wollten ihre unbedingte, heftige, grossartige, gewaltige, herzensgute und intensive Solidarität bekunden.
Die andere meint, die Herren und Damen wollten ihre unbedingte, heftige, grossartige, gewaltige, herzensgute und intensive Egomanie beweisen, ihre Schönheit und Intelligenz zeigen.
Das zweite…
stimmt natürlich.

Es gibt eine Grundregel, dass das Bewältigen einer Katastrophe dem Katastrophen-Bewältiger hilft. Das ist auch einigermassen klar. In letzter Zeit hat sich aber gezeigt, dass auch das Sich-Zeigen und das Verkündigen von Solidarität schon sehr viel nützt. Politiker freuen sich also über
Vulkanausbrüche mit heftigen Lavaströmen
Erdrutsche, bei denen ganze Berge herabkommen, sowie Lawinen
Feuersbrünste, gerne gepaart mit Chemiekatastrophen
Krieg
Heftigen Regen mit anschliessendem Hochwasser.
Nun hat es sich ebenfalls gezeigt, dass das Hochwasser für deutsche Politikerinnen und Politiker hier das Beste ist. Vulkanausbrüche gibt es einfach so wenig in der BRD, schlicht und einfach, weil es so wenig Vulkanismus gibt; Erdrutsche sind eher etwas für die Eidgenossen und die Österreicher. Feuer wäre toll, aber meistens wird da alles abgesperrt, und wenn es giftige Dämpfe hat, dann macht das ja auch keinen Spass. Krieg gab es auch schon lange keinen mehr.
Bleibt also das Hochwasser. Schmidt Schnauze begann so seine Karriere, Gerhard Schröder – so sagt man – gewann seine Wahl «in Gummistiefeln».

Nun hatte man also in Birglar das Problem, dass insgesamt 8 Leute an die Duhr wollten. Acht Leute, alle natürlich mit Sicherheitsapparat, dazu diverse Journalistinnen und Journalisten.
Was tun also?

Man beschloss, die Bagage in vier Gruppen aufzuteilen:
Die Bundeskanzlerin und der Innenminister des Bundes mit Entourage
Der Umweltminister des Bundes und der Ministerpräsident mit Entourage
Der Innenminister des Landes und der Umweltminister des Landes mit Entourage
Die Landrätin und der Bürgermeister mit Entourage
Jeder Gruppe würde ein Platz zugewiesen werden.

Aber dann stellte sich heraus, dass eben nur in der Mitte von Birglar die Duhr die Brücke mitgerissen, in die Keller gelaufen und sehr viel zerstört hatte. Nur hier waren die Schäden so richtig fotogen.
In anderen Orten des Kreises, in Wollershoven, Huskirchen und Dulbenhoven war wenig passiert, denn hier, in Wollershoven, Huskirchen und Dulbenhoven, hatten Dämme und Sandsäcke die Duhr von schlimmen Dingen abgehalten. Nun machte man das Unglaubliche: Man räumte die Sandsäcke weg und durchstiess die Dämme, dass auch in Wollershoven, Huskirchen und Dulbenhoven die Brücken brachen und die Keller vollliefen und sehr viel zerstört wurde.
Die Bundeskanzlerin und der Innenminister des Bundes blieben mit Entourage nun in Birglar.
Der Umweltminister des Bundes und der Ministerpräsident posierten mit Entourage in Wollershoven.
Der Innenminister des Landes und der Umweltminister des Landes weilten mit Entourage in Huskirchen
Die Landrätin und der Bürgermeister zeigten sich in Dulbenhoven mit Entourage der TV.
So wurde der Solidaritätsbekundung der Polit-Prominenz eine Bühne geschaffen, sie konnten Schäden beweinen, die es ohne sie gar nicht gegeben hatte.

Das Hochwasser im Kreis Birglar vor einigen Jahren hätte – das haben Untersuchungen jetzt ergeben – nicht so schlimm sein müssen, wie es war. Ja, man hat herausgefunden, dass an einigen Stellen die Wassermassen der Duhr künstlich in die Orte gelenkt wurden.
Man kann nur hoffen, dass sich das nie wiederholt.

P.S.: Ich danke Heinrich für die in «Ende einer Dienstfahrt» von ihm erfundenen geographischen Namen.



 

  

 

 

 

 

 

Dienstag, 4. Juni 2024

Da war ja auch noch der ESC

Ach ja, der ESC…
Da war ja auch noch der Eurovision Song Contest, oder wie alte Leute immer noch sagen: Der Grand Prix.

Da können Sie übrigens fast einen Alterstest damit machen: Sagt jemand «Grand Prix», dann ist er mindestens 50, mindestens, vielleicht auch über 65 oder noch weiter, also praktisch scheintot, die coolen Jungen sagen «Song Contest» oder «ESC»; und wenn Sie mich jetzt ganz direkt fragen, was ich sage, für mich ist das immer noch der Grand Prix, und fertig.

Wobei natürlich das Grossspektakel heute nichts, nichts, nichts, aber auch gar nichts mit dem ursprünglichen Gesangswettbewerb zu tun hat.
Niente.
Rien.
Nada.
Am Anfang durfte jedes Land zwei Beiträge senden, damit das Programm voll wurde. Und beim ersten Mal gewann unser Lysschen (nicht die Queen, wo denken Sie hin, auch nicht die Taylor, die Assia). Die Schweiz ist also nicht – wie alle Leute tun – der Aussenseiter-Überraschungs-Gewinner, sondern der Urgewinner, Sieger der ersten Stunde.
Aber ich schweife ab, früher jedenfalls musste man füllen, heute geht die Vielzahl der Länder gar nicht in einen Abend und es braucht eine Vorrunde.

Und was auch nicht mehr so war wie einst, ist die Show.
Ich habe eine kleine Diskussion erlebt, ob ein Freundeskreis zur privaten ESC-Party (mit Fernsehen, Würstchen und Sekt) die blinde Freundin Anette oder den tauben Hubert einladen sollte. Ausser Würstchen und Sekt, von dem ja beide profitierten, hätte sie ja nur Akustisches und er nur Optisches.
Man entschied sich für Hubert, denn zusätzlich zu Sekt und Würstchen bekäme Hubert eine opulente Farben-, Flacker-, Kostüm- und Lichtshow, während Anette, die ja nichts sehe und umso besser höre, eben nicht auf ihre Kosten käme, von Würstchen und Sekt einmal abgesehen, aber da hätte man schon Kobe-Würstchen und Veuve Cliquot servieren müssen, was man natürlich nicht tat.
Das sagt doch schon alles: Ein Gesangswettbewerb, zu dem man lieber Taube als Blinde einlädt, hat seinen Namen nicht verdient.

Aber ich denke, das Blatt wird sich bald wenden. Denn irgendwann fällt der- oder diejenige auf, die das machen, von dem man sich einst abgrenzte.
Als die Nouvelle Cuisine aufkam, grenzte sie sich von der Hausmannskost ab. Man ging voller Stolz in Restaurants, die keine Spiegeleier und keinen Leberkäse servierten, sondern «Wachteleier auf Baldrian-Spiegel an Lachstranche». (Oder war es «Lachstranche AN Baldrian-Spiegel AUF Wachteleiern»?) Aber als alle Lokale plötzlich Fremdes und Ungekanntes AUF und AN irgendetwas Fremdem und Ungekanntem kochten, da punkteten die Restaurants, die eben wieder einfach gute Spiegeleier mit gutem Leberkäse mit einfach guten Bratkartoffeln machten.
Und wenn alle Künstlerinnen und Künstler zur Hinterhausener Triennale Mixed Media, Grenzübergreifendes, Performance-Mässiges und Objekte einreichen, dann steht der oder die eine, die eine simple Bleistiftzeichnung einsendet (aber natürlich eine sehr gute), als absolut auffällig, singulär und hervorragend (im wahrsten Sinne des Wortes) da…
Und beim ESC wird jemand siegen, der oder die sich einfach auf einen Stuhl setzt und ein schönes, klares und eindrückliches Lied singt. Weil der oder die so auffällt.

Ach ja, der ESC. Oder der Grand Prix, ich bin da immer noch old fashioned.
Böse Zungen sagen ja auch, dass Nemo nur gewonnen habe, weil er non-binär ist, aber das ist eine hässliche und gemeine Aussage – und wie bei allen hässlichen und gemeinen Aussagen ist natürlich etwas dran.
Wenn ich in einer Jury bin, und zwei Teilnehmende sind völlig gleich gut, aber ich kann eben nur einmal 9 Punkte vergeben und einmal 10, dann nehme ich die Person, mit der ich irgendein Zeichen setzen kann, die also non-binär oder trans ist, Migrationshintergrund oder eine körperliche Beeintröchtigung hat. Noch böser und noch hässlicher gesagt: Eine non-binäre Person aus einem afrikanischen Bürgerkriegsland, die im Rollstuhl sitzt, hätte jeden Wettbewerb schon gewonnen. Wenn sie saugut ist, bitte, bitte, verstehen Sie mich nicht falsch.

Vielleicht wäre es eine Lösung, dass jede Jury für jedes Land beliebig viel Punkte vergeben kann. Das wäre ein Klamauk, wenn dann verkündet würde, dass alle Nationen 0 Points erhalten, ähnlich der ältlichen Kultur-Damenriege in einem Sempé-Cartoon verkündet, dass ein regionaler Literatur-Preis «wegen der mangelnden Qualität der Einsendungen auch in diesem Jahr nicht vergeben wird».

Nun kommt der Grand Prix – der ESC, entschuldigen Sie mich – nächstes Jahr in die Schweiz und ich habe heute in Berlin in der U 7 kurz vor Herrmannplatz die ultimative Kopfbedeckung für diesen Anlass gesehen:
Einen hässlichen Topfhut mit schwarz-weissem Kuh-Design.