Freitag, 22. Januar 2016

Köln 4 (and last): Obergrenzen



Obergrenzen.
Wir lieben Obergrenzen.
Sie machen die Sache so eindeutig, klar geregelt, klar reglementiert, sie zeigen Struktur und Besonnenheit, sie zeigen Wissen und Recht.
Obergrenzen.
Wir haben Obergrenzen für die Menge von Sydolalkoholoid in Fruchtsaft, für die Menge von Hydrokalkulat in Pudding, wir haben Grenzwerte für Feinstaub und Ozon, wir haben Limits für Ausgaben und Kosten (man nennt das Budget), wir haben Obergrenzen für die Krümmung von Bananen und für die Verschrumpelung  von Rüben.
Obergrenzen.

Das einzige Problem bei Obergrenzen ist das folgende:
Sie werden manchmal erreicht.

Sie alle kennen das:
Da haben Sie sich vorgenommen, im Urlaub nur 50.- am Tag auszugeben, also nehmen Sie für 14 Tage auch nur 700.- in Bar mit. Damit kommen Sie gut durch, denn in Südmaledochien ist der Kaffee günstig, der Schnaps nicht teuer, und ein schmackhaftes Fischgericht schon für 13.- zu haben. Nun sind am letzten Tag genau 40.- übrig, das heisst, Sie können sich noch Kaffee und Schnaps leisten und zum Abendessen eine herrliche gegrillte Dorade verspeisen. Und dann… Dann sehen Sie in der Boutique in der Fussgängerzone die T-Shirts, die Sie schon immer wollten, X&U®, hauteng und körperbetont, der Schnitt, der Ihren Fitnesskörper so gut zur Geltung bringt, auch noch in allen Ihren Lieblingsfarben wie Mintrosa, Zuckergrün und Affenblau, dummerweise kostet eines 30.-. Und dann gehen Sie zum Automaten und heben von Ihrer weitüberzogenen Kreditkarte nochmal 200.- ab.

Sie alle kennen das:
Man hat eine Veranstaltung (ein Konzert, ein Theaterspiel, eine Lesung oder einen Vortrag) geplant und ist vom Hausmeister belehrt worden, dass die Feuerpolizei nur 150 Leute in den Saal lässt. Er selber, so er, sei tolerant und würde bis 170 gehen, dann aber sei Endegelände, dann stünde schon alles voller Stühle und weitere Stehplätze gingen nicht. Ja, und dann kommt zur Lesung, zum Vortrag oder zum Konzert als 171ste bis 184ste Person eine Gruppe, die extra aus XY zu Lesung oder Theater angereist ist, und die kann man ja nicht vor den Kopf stossen, und Sie flehen den Abwart an, und er drückt sämtliche Augen zu, und man betet, dass nichts passiert…

Ein schönes Beispiel gab einmal die Schulleitung der Sekundarschule A.:
Sehr geehrte Familie F.
Wir bestätigen, dass Ihre Tochter V. vom 15.-23.4. Urlaub bekommt. Wir müssen Sie aber darauf hinweisen, dass das für 4 Jahre zulässige Kontingent von FÜNF Jokertagen damit verbraucht, respektive überschritten ist.
Das schreit zum Himmel. 5 Tage zur freien Verfügung gibt es in vier Jahren, nicht mehr und nicht weniger, eigentlich, und jetzt weist man darauf hin, dass die abgezirkelte Summe eigentlich schon überschritten ist. (Das Beispiel ist echt!)

Obergrenzen.

Wir setzen also eine Obergrenze für Flüchtlinge fest und überlegen uns dann, wie wir mit ihr umgehen.

So.
Und jetzt hatte ich hier einen wunderschönen Passus mit vier Szenarien, einen herrlichen kleinen Text und jetzt macht mir der Ösi alles kaputt.
Denn seit vorgestern existiert eine Obergrenze. Eine schöne klare, exakte Zahl:

37 500
In Worten:
Siebenunddreissigtausendfünfhundert.

So viele dürfen noch rein ins Donauland, zu Walzer und Kaiserschmarrn, so viele dürfen noch an Inn und Drau, so viele dürfen noch nach Graz, Linz oder Kufstein.
37 500
Was für eine krumme Zahl. Fünfzigtausend wäre doch schöner gewesen, eine runde Zahl, da kann doch der Bundeskanzler an der Grenze stehen und mit einem Blumenstrauss und einem kleinen Geschenk (die A-Staatsbürgerschaft) den 50 000. Besucher begrüssen, das wäre doch fein. Niemand sagt doch: „Gratuliere, sie sind der 37 500. Gast.“

Was das jetzt alles für Probleme gibt, mit dem Österreichischen Alleingang, das wird sich zeigen. Gesund für Europa ist es sicher nicht, schliesslich gibt es eine Menge Routen durch diesen Kontinent, und was auch passieren könnte, wäre das, was wir immer haben, wenn es heisst: „NUR NOCH 10 STÜCK“, alle rennen los, denn vielleicht schafft man es ja noch.

Vielleicht wird die Donaurepublik schliesslich auch gezwungen, mit der Obergrenze so umzugehen wie Sie mit Ihrem Urlaubsbudget beim mintrosa T-Shirt-Kauf, oder wie der Abwart mit den Besuchern aus XY. Oder die Schulleitung mit den Jokertagen.

Man wird sehen.

Dienstag, 19. Januar 2016

Köln 3: Schärfere Gesetze! (?)



Die Südseeinsel Pika-Puka hat ein Problem. Das Problem heisst Wuwu und ist ein Vogel. Der 50 Zentimeter grosse, silbergraue Kleinadler ist ein widerliches Biest. Sein Schrei klingt wie ein auf Luftballon gespieltes Wagnermotiv, sein Schnabel ist spitz und scharf und dringt auch durch Glas und Blech, sein Kot besteht vor allem aus Säure und hat schon manchen Mantel weggeätzt. Das Gute ist, dass der Wuwu in der Hauptstadt nicht genügend Nahrung findet, sollte er sich also wirklich einmal nach Pika-Puka-Stadt verirren, verhungert er dort. Deshalb hat Pombo XX, König von Pika-Puka 2010 das Wuwufüttern unter Strafe gestellt. 1 Monat bis 1 Jahr Haft sollten dem drohen, der die Vögel mit Nahrung versorgt. Es gab nämlich doch immer wieder Leute, die die darbenden Wuwus bemitleideten und ihnen Früchte und Brot zuwarfen.

Nun ist die Population von Pika-Puka klein und alle sind irgendwie verwandt. Deshalb drückten die (wenigen) Polizisten alle Augen zu. Wer verhaftet schon gerne seine Tante, seine Nichte oder Schwiegermutter?
Pombo XX reagierte und VERSCHÄRFTE 2012 DIE GESETZTE. Nun drohten 2 Monate bis 2 Jahre Gefängnis. Immerhin wurde auch tatsächlich ein Mann verhaftet. Weil er allerdings behauptete, er habe diesen Wuwu vergiften wollen, wahrscheinlich sei die Dosis zu niedrig gewesen, weil die Polizei ihm das glaubte, und weil er der Neffe des Oberpolizisten war, liess man ihn laufen.

Pombo rotze, Pombo tobte, Pombo kotze und VERSCHÄRFTE 2014 die Gesetze. Nun gab es 3 Monate bis 3 Jahre Knast für den Fütterer oder die Fütterin. Im Sommer 2014 wurden auch sofort zwei Touristen verhaftet UND verurteilt: Urs Blaggi und Beat Schämpli aus Uerikon (ZH) hatten am Tag vor ihrem Abflug Wuwus gefüttert. Sie wurden zu einer bedingten Gefängnisstrafe (für Deutsche: Bewährung) von 3 Monaten verurteilt. Nun ist es nicht schwierig, sich an die Bewährung zu halten, wenn man eh nie mehr an den Ort zurückkommt, und eine bedingte Vorstrafe in Pika-Puka ist jetzt nichts wirklich Bedrohliches, eher etwas, was man schmunzelnd auf Facebook postet oder twittert.

Das Füttern wurde nicht weniger.
Pombo erhöhte 2015 das Strafmass auf 4 Monate bis 4 Jahre.

Das Füttern hielt an.
Und an.
Und an.
Und an.

Warum reden wir ständig davon, dass wir Gesetze verschärfen sollten?

Weil es sich so gut anhört. Es klingt nach Durchgreifen, nach Macht und Stärke, es klingt nach „der Staat tut was“ und „wir lassen uns nicht alles bieten“. Verschärfte Gesetze haben den Geruch von Effektivität und Härte, den Duft von Justiz und Handschellen.
Dabei HAT man schon so viele Gesetze.
Aber wenn man sagt: „Wir müssen unsere Gesetze anwenden“, gibt man ja zu, dass man das bisher NICHT getan hat, man gesteht ein, dass Paragraphen rumliegen, die kein Mensch kennt, kein Mensch benutzt und kein Mensch durchsetzt.
Pombo XX hätte ja kleinmütig sagen müssen: „Liebes Volk, wir haben ein Antifütterungsgesetz, aber wir kriegen das irgendwie nicht gebacken, dass sich die Leute daran halten.“

Wir brauchen, um Ereignisse wie in Köln zu vermeiden, keine neuen Gesetze. Wir könnten aber mal die, die wir haben, einfach mal anwenden.
Ich meine: Wozu hat man sonst Paragraphen?
Könnte mal nicht mal sagen und schreiben:
BEI UNS WIRD ES SO HEISS GEGESSEN, WIE ES GEKOCHT WIRD?
oder
ES WERDEN KEINE AUGEN ZUGEDRÜCKT?

2015 wurden auf Piku-Paku übrigens nun wirklich drei Deutsche in den Knast gesteckt. Sie kamen ausdrücklich, um sich eine Bewährungsstrafe (für den Facebook-Eintrag) zu sichern, nachdem sie den Post von Beat und Urs gelesen hatten. Allerdings war ihre Strafe 4 Monate unbedingt, und weil ihr Ansinnen dermassen frech war, war auch die Botschaft der BRD machtlos.

Sofort hörte das Wuwufüttern auf. Denn es waren ja Touristen, aber man wusste nicht so genau, ob der Richter nicht auch Einheimische verurteilen würde, selbst wenn er mit ihnen verwandtschwägert wäre…


Freitag, 15. Januar 2016

Köln 2: Langeweile



Es gibt auf YouTube ein wunderbares Video von Call me maybe zu sehen: GIs playbacken und tanzen hier eine verrückte Fassung, knackige Kerle in Unterwäsche auf einer Base in Afghanistan. Das Ganze ist prickelnd schwul (die GIs sind es nicht!), sehr schräg und völlig abgedreht. Die Frage ist natürlich, warum die Armeeleitung erlaubt, dass hier US-Soldaten sich so zum Affen machen und der Gay-Community einen so schönen Film liefern. Die Antwort ist klar: Langeweile. Den Typen ist zum Teil so langweilig, dass man sie lieber eine solche Playback-Slip-Fassung drehen lässt, als dass sie auf blödere Gedanken kommen: Leute foltern, Frauen belästigen, Rumknallen oder Häuser sprengen. (Man schauen dazu auch den Film JARHEAD an…)

Langeweile.

Der Kabarettist Wolfgang Neuss formulierte so:
Schon als Mädchen sass ich allein zuhaus
Und riss den Fliegen die Beine aus
Aus Langeweile
Und in der Schule, man glaubt es nicht
Da spuckte ich meinem Lehrer ins Gesicht
Aus Langeweile
Der Vater tobte, die Mutter schrie,
Ich zuckte die Achseln und dachte nur, wie
Seid ihr alle langweilig

Ich muss zugeben, dass ich mich in das Gefühl der Langeweile nur schwer hineindenken kann, ich habe seit Jahren keine gehabt, aber als Lehrer weiss ich, dass man bei der Planung von Schullandheimen immer ein gewisses Programm anbieten muss, Volleyball- und Fussballturniere, Wanderungen, Schwimmbad, Film und Quiz. Die Jugendlichen maulen zwar erst, wenn sie nicht fünf Stunden chillen können, aber Fussball und Schwimmen, Video und Quiz halten sie eben von der Langeweile ab, und jeder Lehrer und jede Lehrerin weiss, dass Jugendliche, wenn die Langeweile sich erst einmal ballt und zur Wolke wird, schlimme Folgen hat. Die Kids müssen dann testen, ob man via Dach ins Mädchenzimmer kann (oder umgekehrt ins Jungszimmer), sie verzieren die Wände mit tollen Zeichnungen oder ritzen heitere Texte in das Bettgestellholz, sie probieren auch schon mal aus, wie lange man den Mitschüler kneifen kann, bevor er schreit…

Die gelangweilten Soldaten übrigens haben eine lange Tradition. In hunderten Garnisonstädten sassen gelangweilte Offiziere, tranken zu viel, spielten, duellierten sich, rüpelten und rülpsten und…
stiegen Frauen nach.
Tausende von ehrbaren Bürgerstöchtern verloren so ihre (damals noch wichtige!) Unschuld. In der Kindermörderin ist davon die Rede, genauso in Soldaten von Lenz.
Und der gute Jakob Michael Reinhold hat am Ende seines Dramas eine Idee: Die Bürgerstöchter sollten sich märtyrerhaft  für ein Haus zur Verfügung stellen, in dem die Offiziere ihre Leidenschaften abreagieren könnten, quasi ein Puff unter staatlicher Aufsicht, natürlich auch zur Zeugung von Soldatennachwuchs, eine Pflanzschule.

Wäre das eventuell eine Lösung für unsere Flüchtlinge?
Sollen die Grossstädte spezielle Bordelle für die Migranten einrichten, dass sie unsere Frauen in Ruhe lassen? Nach dem Motto: Einmal pro Monat einen 15minütigen Beischlaf als Teil des sozialen Leistungskorbes?

Wahrscheinlich nicht. Schon Lenz greift hier tief, metertief in den Schlamm und ich schäme mich jedes Mal, dass der von mir so geschätzte Dichter so einen bodenlosen Quatsch verzapft.

Nein, aber die Bekämpfung der Langeweile wäre doch vielleicht ein Thema. Lasst die Leute doch etwas tun. Zu machen gibt es genug, auf 1000000 Brachflächen sammelt sich Müll, die Gewässer sind voll Plastik, die Wände voll Graffiti und es gibt sicher auch Senioren, denen es egal ist, dass ihr Rollstuhl von muslimischen Händen geschoben wird.
Kostet natürlich etwas.
Aber kosten tun die Migranten eh und es wäre doch auch schön, wenn sie nicht für Almosen, sondern für Lohn übers Mittelmeer oder die Balkanroute kämen.

Und vielleicht kommen sie auch auf die Idee, ein Video zu drehen.
Ich freue mich schon darauf, knackige Syrer in Badehosen zu sehen, die vor der Kulisse ihres Asylheimes Born To Be Wild playbacken.
Oder Born This Way.

Dienstag, 12. Januar 2016

Köln 1: Männer sind bekloppt (und nicht sexy)



Stellen Sie sich das folgende Szenario vor:
1001 Muslimas, alle beburkat, rotten sich auf dem Marktplatz von Hannover zusammen. Sie ziehen aus ihren Burkas Flaschen mit Whiskey, Gin und Grappa (ein ideales Versteck!), und fangen an, sich die Alkoholika zu Gemüte zu führen. Und benebelt von Grappa, Whiskey und Gin beginnen die Schönen aus Tausendundeinernacht Jagd auf unbescholtene Niedersachsen zu machen: Sie beklauen die Männer der Leinestadt, sie verfolgen sie, fassen sie in den Schritt und an den Po und versuchen, sich an ihnen zu vergehen.
Vorstellbar?
Nein.
Vielleicht als Plot eines sehr, sehr, sehr abstrusen Films (Monty Pythons oder Coen Brothers), aber in Realität sicher nicht.

Stellen wir uns nun vor, dass sich in Freiburg 666 Mädels in HEAVEN IS OVER-Shirts und mit Hörnleinkappen auf dem Münsterplatz versammeln. Beate aus Hartheim feiert ihren Junggesellinnen-Abschied und hat alle weiblichen Wesen des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald via Facebook eingeladen. Und nun gammeln sie da rum, kichern und trinken – nicht Whiskey, Gin und Grappa, sondern Kleiner Feigling und Eierlikör – und fangen an, junge unbescholtene Freiburger auf oben genannte Art zu belästigen.
Hier wird das Szenario nicht mehr ganz so fiktiv. Ich habe solche BEATES LETZTER TAG IN FREIHEIT-Grüpplein schon erlebt, und da ich an Samstagmorgen die totale Spassbremse bin, versuchten sie, mir Küsslein auf die Wange zu geben und mir Kleinen Feigling in den Mund zu schütten. Das hatte nun doch etwas Übergriffiges, und ich musste mich im RE nach Freiburg durchaus mit Faustschlägen von den Mädels befreien.
Aber:
Dass die 666 Devils bestimmte Grenzen überschreiten, dass sie Männer bestehlen, dass sie den Jungs die Hose öffnen und ihnen an den Penis langen, dass sie versuchen, ihre Hände in Slips und Boxershorts zu schieben…
Nein. Dafür reicht meine Phantasie nicht aus.

Nächster Schritt: 900 betrunkene deutsche Männer, sagen wir in Frankfurt.
Hier könnte ich meine Hände nun doch für nichts ins Feuer legen. Immerhin haben deutsche Männer schon Frauen vergewaltigt, immerhin gibt es noch Stammtische, an denen es noch zum guten Ton gehört, der Kellnerin an den Arsch (s.v.v.) zu fassen. Immerhin gibt es noch deutsche Männer, die der Auffassung sind, Frauen, die mit allzukurzem Rock auf die Strasse gehen, seien selber schuld. Nein, bei 900 besoffenen Deutschen könnte ich nichts ausschliessen.

Was zeigt uns das?
Der Satz „Asylanten sind ein Problem“ ist falsch.
Richtig ist:
Männer sind ein Problem.
Männer sind bekloppt.
(Und zwar nicht, wie Mario Barth sagt, „bekloppt aber sexy“, sondern einfach nur
bekloppt.)
Männer im Rudel sind speziell bekloppt.
Und betrunkene Männer im Rudel sind bekloppt hoch zehn.

Dabei ist es egal, ob es sich um Kegelklubs, um Fussballfans, um Militärentlassene, um besoffene Studenten oder besoffene Angestellte handelt. Ob Gesangverein oder Stammtisch: Männer in Horden sind ein Problem.
Daher muss der Gesetzgeber schlicht und einfach die Zusammenrottung von mehr als 10 Männern verbieten. Und sie mit aller Härte auseinander treiben.

Ich hätte „heterosexuelle Männer“ schreiben sollen?
Ach, wisst ihr, die Zusammenrottung von über 1000 betrunkenen Schwulen finde ich auch nicht so prickelnd.
Die kämen auch auf eine Menge Blödsinn, vielleicht würden sie sich nur die Hemden ausziehen und I am what I am singen, vielleicht auch einen Fuck-In veranstalten. Vielleicht würden sie aber auch Frauen verfolgen, um ihnen an Frisur, Make-up, Kleidung herumzudoktern. Ganz wie in dem Witz: „Was machen vier Schwule, die im Wald eine Blondine überfallen? Drei halten sie fest, einer richtet die Frisur.“

So komisch das klingt: Übergriffig ist es auch.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Gutvorsatz III: Gesünder essen?? Esst mehr Wurst!

Die älteren Leserinnen und Leser werden sich noch an die folgende Werbung erinnern:  Eine gutgekleidete, gutfrisierte Mutter sitzt in ihrer perfekt geputzten Küche (ja, so war das damals, als die Frauen noch nicht arbeiten mussten!) und liest ihrem gutgekleideten, gutfrisierten, gut gelaunten und rotbäckigen Jungen (ja, so war das damals, als die Frauen noch nicht arbeiten mussten!) aus dem Etikett eines Nahrungsmittels vor. Sie erzählt, was an Spurenelementen (Magnesium, Kalzium, etc., alles in genauer Menge), was an Vitaminen (A35, A36, B67, Z89, etc., alles in genauer Menge) vorhanden ist und schliesst schliesslich (schöne Figura etymologica!) mit „Eisen“. Darauf der rotwangige, blondgelockte Bub: „Will kein Eisen essen!“ Die Mama: „Was willst du denn?“ Und die Antwort: „NUTELLA!“. Ja, die Schokonussschmiere wurde damals als gesundes, fitmachendes Nahrungsmittel verkauft. Das hielt so lange an, bis man merkte, dass NUTELLA etwas enthielt, was einem gesunden Leben doch etwas abträglich ist: Fett. Und zwar nicht so ein bisschen Fett, sondern richtig. NUTELLA ist Fett pur, und so verschwand die Schokonussschmiere von der Liste der gesunden Nahrungsmittel.

So ist das mit der gesunden Ernährung: Heute hui, morgen pfui. Sollten Sie sich also vorgenommen haben, sich 2016 gesund zu ernähren, vergessen Sie es: Was im Januar 2016 als extrem gesund gilt, wird Ihnen am Ende dieses Jahres als extrem schädlich verkündet werden.
Hiess es 1930 An Zucker sparen, grundverkehrt, der Körper braucht ihn, Zucker nährt, stellte man in den späteren Jahren fest, dass Zucker Kalorien (Ihhhh!!) hat, also ging man in den 60er-Jahren zu Süssstoff über. Dann kam irgendwann die Alarmmeldung: Saccharose ist karzinogen!
Hatte man lange geglaubt, Orangen, Zitronen, Kiwis und Mandarinen, Ananas und Limonen, Mangos und Äpfel hätten Vitamin C, also ausreichend, wurde man Ende 2015 eines Besseren belehrt: Nicht Früchte solle man für die Vitamin C-Versorgung essen, sondern Würste.

Ja, Sie haben richtig gehört:
Würste!

Sie sind also das ganze Jahr unterwegs, um sich aus Zuiopla gebackenes Brot zu ergattern, weil Sie gelesen haben, dass das aus Tansania stammende Getreide nicht nur reich an rechts- und linksdrehenden Vitaminen ist, sondern auch das seltene, aber höchstnotwendige Spurenelement Mbron enthält. Und nachdem Sie das ganze Jahr hinter Zuiopla-Brot, Zuiopla-Weckle und Zuiopla-Keksen hergerannt sind, erfahren Sie, dass Zuiopla viel zu viel unfreie Radikale enthält, und die sind verantwortlich für Lungen- und Nierenprobleme.

Das ist so wie bei Sisyphos: Man wälzt den Stein der gesunden Ernährung das ganze Jahr den Berg hoch, oben bekommt man gesagt, das alles vergebens war, der Stein rollt, poltert, rumpelt, rast den Berg hinunter, alles war für nix, alles Scheisse, deine Elly, und man legt wieder von vorne los. Hiess der Stein 2014 Zuiopla-Gebäck, hiesse er 2015 Wingos, Früchte aus Thailand, die extrem Vitamin D45-reich sind, egal, er rollt jedes Mal hinunter. Und dass Sie, wenn Sie den Berg herab laufen, ein freier Mensch sind, ist Bullshit. (Sorry, Albert, das musste mal gesagt werden.) Denn Sie denken ja schon an die nächste Vorgabe.

Was hilft?

Nun, die anderen Mitglieder des Tartarus bringen uns auch nicht weiter.
Gewiss, Prometheus ernährt sich den grossen Teil seiner Zeit gesund. Aber das schlicht und einfach deshalb, weil er den halben Tag keine Leber hat. Und sich jeden Tag die Leber herauspicken zu lassen, ist sicher kein Gutvorsatz 2016.
(Eine andere Frage wäre die nach der gesunden Ernährung des Vogels, ich meine, jeden Tag Innereien zu verspeisen könnte ja auch als ein wenig einseitig betrachtet werden…)
Tantalus ernährt sich auf jeden Fall nicht ungesund. Aber er ernährt sich ja überhaupt nicht. Die Früchte, die sich ihm entziehen, das Wasser, das versickert, enthalten sicher keine Gift-, aber auch keine Nährstoffe, eben weil sie wegschwappen und versickern…

Was also?
Nun.
Essen Sie doch 2016 das, was Ihnen schmeckt. In Massen. Oder auch in Unmassen. Irgendwann, irgendwann wird ein Wissenschaftler kommen und Ihnen verkünden, dass das, was Sie 2016 zu sich genommen haben, eine extrem, eine brutal, eine sehr gute, eine orbitant gesunde Ernährung war. Aber versuchen Sie nicht um alles in der Welt gesund zu leben, die Enttäuschung ist die des Sisyphos, wenn der Fels sich wieder löst und den Berg hinunterrollt.
Und nochmals: Auf dem Weg nach unten haben Sie KEIN geiles Gefühl, das kann der algerische Hobbyphilosoph noch so oft behaupten.

Essen Sie doch 2016 NUTELLA. Enthält Eisen, oder essen Sie Würste.
Oder essen Sie Zuiopla und Wingos.
Die nur den einen Nachteil haben:
Ich habe sie erfunden.

 

Dienstag, 5. Januar 2016

Gutvorsatz II: Absurde Traditionen pflegen (oder erfinden???)

Jedes Jahr findet an den Stränden von Den Haag ein seltsamer Wettbewerb statt. Scheveningen und Duindorp, also der Noorderstrand und der Zuiderstrand, die die Hafenausfahrt teilt, konkurrieren um den grössten Holzstoss, der dann in der Neujahrsnacht, an Sylvester, am Oudejaarsavond lichterloh brennt. Ich konnte nun jedes Jahr das Erstellen dieser Vreugdevuren (Freudenfeuer) beobachten und miterleben, wie sie jedes Jahr höher und die Macher professioneller wurden. Diese Macher, das sind auf beiden Seiten die Jugendlichen der Haager Stadtteile, beide stets in schwarzen Jeans, Turnschuhen und schwarzen Kapuzenjacken unterwegs. Waren es 2013 noch die Kids selber, die Hunderte von Paletten auf einen Stapel hievten, sah man dieses Jahr drei Gabelstapler und vier Förderbänder und zwei Riesenflatscreens gaben die Sponsoren bekannt, denn eine solche Holzmenge, die Stapler, die Förderbänder, die Absperrung und der Polizeieinsatz, das alles will ja bezahlt sein. Schaute man von Kijkduin, also vom äussersten Süden die Beach hoch, sah man ausser der winzigen Pier nur noch die beiden Riesentürme. Das Haager Vreugdevuur wurde übrigens letztes Jahr zum Nationalen Kulturerbe erklärt, es geht auch wirklich auf alte Zeiten zurück.

Wer das jetzt liest, wird denken: Sind die Zuid-Hollander bescheuert? Haben sie nix anderes zu tun? Sind sie hobbylos? Gelangweilt?

Aber wahrscheinlich denkt ein Haager das Gleiche, wenn er hört, dass in der Schweiz der eine Volkssport darin besteht, den Gegner bei der Hose zu packen und auf den Boden zu werfen. Und der andere im Werfen von Steinen besteht, und zwar nicht auf Verbrecher, das macht ja noch Spass, sondern einfach so in die Gegend. Und dass eine ganze Stadt zu einer bestimmten Uhrzeit das Licht ausschaltet, damit man irgendwelche Laternen besser sieht, wie bescheuert ist das denn?

Jedes Land, jede Stadt, jede Uni und jede Schule, jede Nation und jedes Volk hat so seine Traditionen, die dem Aussenstehenden als totaler Schwachsinn vorkommen, eben weil es nicht SEINE Traditionen sind.

An der Fachhochschule Esslingen a.N. laufen die Absolventen als Abschlussritual in die Stadt hinein, ein Fuss auf dem Trottoir, ein Fuss auf dem Fahrdamm, der sogenannte Kandelmarsch.
Im nicht allzu sehr entfernten Markgröningen laufen junge Leute in Schäferkleidung über Stoppelfelder, mit – und das ist das Fiese dran – blossen Füssen, ohne Socken, ohne Schuhe.
Und ist es nicht seltsam, dass alle Amis, auf jeder Party, auf jedem Fest, all over the nation seit eh und je am 1.1. um 0.00 das gleiche Lied singen, Should all acquaintance be forgot…, als ob es nicht auch andere schöne Lieder gäbe?

Und das wäre doch jetzt mal ein guter Vorsatz für 2016:
Haben Sie alte, gute, aber eigentlich für andere bescheuert anmutende Familientraditionen? Oder eigene Traditionen? Oder haben Sie eine Idee, wie sie eine installieren könnten?
Lassen Sie alte Traditionen wiederaufleben!
Kreieren Sie neue!
(Das ist kein Widerspruch. Ab dem dritten Mal ist bei uns schon alles Tradition, denken Sie nur an Werbeplakate wie Das traditionelle Adventskonzert des Gemischten Chores, es hat 2013 zum ersten Mal stattgefunden.)

Wäre es nicht toll, wenn Sie sagen könnten: „In der Nacht vor meinem Geburtstag werfen wir immer rohe Eier an die Wand, soll Glück bringen.“
Wäre es nicht schön, wenn Sie verkünden: „An Pfingsten fahren wir immer nach Castrop-Rauxel und essen dort Currywurst.“
Wäre es nicht eine Superidee, immer am 1.5. Monopoly zu spielen, oder am 1.8. Schokoladenfondue zu machen, immer am 16.6. einen Guinness-Trink-Wettbewerb auszuloben oder an St.Martin alte Kleider zu zerschneiden, die man dann am ersten Verkaufoffensonntag im Advent durch neue Markenware ersetzt?

Wäre es nicht…

Seien wir kreativ, die Welt braucht Rituale und Traditionen, und je bescheuerter sie sind, umso besser.

Dieses hat übrigens angeblich Duindorp gewonnen. Die Noorderstrander erkennen das aber nicht an, weil die Zuiderstrander zu lange gebaut hätten.
Gut.
Der Internationale Gerichtshof im Vredespaleis ist ja nur um die Ecke…

Freitag, 1. Januar 2016

Gutvorsatz I: Mal jemand fragen, der sich auskennt...

Ein frohes, gesundes und schönes 2016!

Sollten Sie die dumme Absicht haben, sich für 2016 irgendwelche Dinge vorzunehmen, meiden Sie auf jeden Fall Vorsätze, die mit “jeden“ oder „jede“ beginnen. Sie sind auf jeden Fall Blödsinn.

Sie glauben mir nicht?
Erinnern Sie doch mal an die Vorsätze, die Sie 2010, 2012 und 2014 gefasst hatten:
-Jeden Tag 15 Minuten Yoga.
-Jede Woche Schwimmen gehen
-Jeden Monat ein Buch lesen

2010 hielt der gute Vorsatz genau bis zum 17. Januar, als Sie sich bei der Verknoteten Katze eine Zerrung im linken oberen Kreuzband (oder war es das rechte untere?, egal) zugezogen haben. Danach haben Sie nicht nur das Kreuzband, Sie haben auch das Yoga auf Eis gelegt.

2012 hielten Sie länger durch, genauer gesagt bis zum 13.März. Dann stellte Ihr Dermatologe fest, dass die rot-grünen Flecken, die sich auf ihren Armen und Beinen ausgebreitet hatten, von einer starken Chlorunverträglichkeit herrührten. So setzen Sie das Schwimmen bis zum Frühjahr bzw. Frühsommer aus, dann aber waren Sie sich nicht sicher, ob in den vielen Bagger-, Wald- und Stauseen, die sich in Ihrer Nähe befinden, sich nicht doch Reste des reizenden Gases befinden könnten. Also liessen Sie den gesunden Sport wieder auf sich beruhen.

Und die Bücher? Am 31. Januar 2014 waren Sie auf Seite 465 des Zauberbergs. Da aber der Lungensanatoriumsroman ca. 1000 Seiten hat, hatten Sie Ihr Ziel absolut nicht erreicht. Sie liessen also, nachdem Sie sich durch 465 Seiten Thomas Mann gequält hatten, das mit der Lektüre auch wieder sein.

Hätten Sie mich gefragt, hätte ich Ihnen gesagt, dass für einen Jahrelangnichtleser eventuell der Zauberberg ob seiner Länge, seiner Komplexität, seiner Philosophie und seines Aufbaus nicht die ganz richtige Lektüre sein könnte. Ich hätte Ihnen aber ein paar andere Einstiegsbücher empfehlen können, vielleicht Tschick oder Der Richter und sein Henker oder Das Rosie-Projekt oder sonstwas.

Das wäre nun aber doch mal ein echter guter Vorsatz: Immer jemand fragen, der mehr Ahnung hat als man selber.
Ganz im Sinne der ehemaligen GELBE SEITEN-Werbung:
Vielleicht hätte er/sie jemand fragen sollen, der sich damit auskennt.

Ich hätte Ihnen übrigens auch erzählt, dass in allen Wald-, Bagger- und Stauseen, die ich kenne, ich noch nie eine stärkere Konzentration gefunden habe, das heisst, dass Sie unbedenklich in jedem Naturgewässer schwimmen könnten.

Und was das Yoga betrifft:
Davon habe ich keine Ahnung, aber eine Freundin von mir, die seit Jahren Yogakurse gibt, liess verlauten, dass für eine Yogaanfängerin/einen Yogaanfänger die Verknotete Katze sicher keine geschickte Übung ist. Man sollte zunächst mit der Schlafenden Katze anfangen, um sich dann über die Kauernde Katze  und die Lauernde Katze  zur Verknoteten Katze zu arbeiten.

Vielleicht sollte man jemand fragen, der sich mit sowas auskennt…

Bevor Sie also Ihren Ich-streiche-2016-meine-Küche-neu-Vorsatz umsetzen, sollten Sie jemand fragen, der schon mal lilablassblau gemischt hat und der auch schon einmal Pinsel und Rolle in der Hand gehabt hat.
Bevor Sie Ihren 2016-endlich-einmal-Skaten-Vorsatz zur Wirklichkeit machen, sollten Sie jemand fragen, der Ihnen zeigt, welche Jumps, welche Tricks in Ihrem Alter noch möglich sind.
Bevor Sie Ihren Vorsatz umsetzen, 2016 mehr Philosophie zu treiben, sollten Sie jemand fragen, der Ihnen zu einem guten Einstieg rät, und wenn diese Person der Meinung ist, Sie sollten erst einmal Altgriechisch lernen, weil man ja mit Sokrates anfängt, und das geht nur im Original, dann ist diese Person ein(e) Idiot(in).

Nein.
Fragen Sie jemand, der sich auskennt.
Sie sparen Zeit. Sie sparen Nerven. Sie sparen Geld.

Also ran an die Gutvorsätze der letzten Jahre:
Die Schwimmende Katze ist übrigens geeignet für Hallenbäder (Rufen Sie mich an wegen chlorfreien, ja, versprochen?), und sie ist so einfach, dass Sie noch nebenbei einen Krimi lesen können, zum Einstieg Venezianisches Finale von Donna Leon.

HAPPY NEW YEAR!