Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Und zwar nicht etwa an einer Stelle, sondern an drei verschiedenen Stellen in der Wohnung:
Die erste lag bei der weissen Sitzgruppe, die rechts im Entree steht.
Die zweite hatte sich beim Fernseher im Wohnzimmer versteckt.
Die dritte zeigte sich auf der Schwelle zwischen Wohnzimmer und Entree.
Das war nun aus zwei Gründen einigermassen erstaunlich.
Einerseits hatten wir am Dreikönigstag den Christbaum entsorgt und an Lichtmess (dem anderen möglichen Termin) den Adventskranz, das heisst die Nadeln hatten 20 Putzaktionen überlebt (ich mache immer samstags Grossputz, da müssen wir nur die Ferienwochen abziehen). Wo hatten sie sich versteckt? Wo verborgen?
Andererseits lag der Kranz auf dem Tisch im Entree (was Nadel 1 erklärt), der Weihnachtsbaum aber stand im Esszimmer, wo sich keine Nadeln befanden.
Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Ich suchte nun nach anderen Erklärungen. Aber keine griff irgendwie. Lange Zeit fand ich die besonders gut: Es waren gar keine Tannennadeln, es waren Rosmarinnadeln, die vom Balkon hereingeschleppt worden waren. Schönheitsfehler dieser Begründung war, dass wir zwar Minze, Basilikum, Lavendel und Zitronenmelisse auf dem Balkon haben, aber eben keinen Rosmarin.
Ich fand neulich beim Putzen drei Tannennadeln.
Die erste bei der weissen Sitzgruppe, die rechts im Entree steht.
Die zweite beim Fernseher im Wohnzimmer.
Die dritte auf der Schwelle zwischen Wohnzimmer und Entree.
Nach vielem Nachdenken bis ich nun auf die Lösung gekommen, und diese Lösung ist wenig erheiternd. Die Tannennadeln sind in die Wohnung eingedrungen. Sie sind die Vorboten einer ganzen Armee von Nadeln, die ab jetzt in meine Privatsphäre drängen werden. Nächste Woche werden es schon fünf, sechs pro Zimmer sein, im September werden mehrere Kehrichtschaufeln nicht ausreichen, und dann werden Tausende von Nadeln aus Ritzen und Rohren, aus Spalten und Anschlüssen, werden aus Schränken und Kammern quellen. So wie bei Stephen King immer das Blut aus dem Waschbecken. Nur eben ohne Waschbecken und ohne Blut.
Ich sehe schon die Überschrift in der Bildzeitung vor mir:
ANGRIFF DER KILLER-TANNENNADELN
WOHNUNG UNBEWOHNBAR – MIETER VERZWEIFELT
Die Tannennadeln sind wahrscheinlich nicht die einzigen. Weil wir Menschen die Natur so vernachlässigen, weil wir nicht auf das Klima achten und alles kaputtmachen, weil wir keine Sorge haben, schlagen die vertrockneten und vertrocknenden Pflanzen jetzt zurück. Sie überschwemmen uns mit Nadeln, Blättern und Zweigen. Irgendwann werden wir alle in unseren Wohnungen an Pflanzenresten ersticken.
Die Szenarien, die ich mir ausmale, sind so wie in einem guten Horrorfilm. Alles quillt, drängt, schwemmt, und der Schrei erstickt uns in der Kehle.
Natürlich muss man sofort an Bücher und Filme wie «Der Schwarm» oder «Die Vögel» denken…
Ich habe neulich beim Putzen drei vertrocknete Tannennadeln gefunden.
Nun habe ich gestern auf meinem vorderen Balkon gefegt und dort ca. 150 Tannennadeln gefunden. Diese Nadeln stammen von der Tanne aus dem Park gegenüber, die nun auch sehr unter den gefühlten 45° leidet. Und diese Tannennadeln sind natürlich irgendwann an meinen Schuhen in die Wohnung gelangt.
Das ist der wahre Grund.
Aber ganz ehrlich:
Die Geschichte «Angriff der Killertannennadeln» wäre nicht nur ein unglaublich guter Horrorfilm oder ein super Thriller in Buchform, es würde einen auch wachrütteln, wenn die leidende Natur sich wehren würde…
Dienstag, 25. August 2026
Der Angriff der Killer-Tannennadeln
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