Guten Tag. Heute also die letzte Station unserer Reise, also auch der vierte und letzte Teil unserer Impressionen.
Auch wieder ein Aschenbrödel?
Wie Brünn ist auch Linz so eine Stadt, die man immer wieder übersieht, die also wie Cinderella neben den «schönen» Schwestern nicht bemerkt wird. Wie oft fährt man nach Wien und kurz davor kommt dann diese Stadt und man denkt: Müsste man auch mal hinfahren – was man aber dann doch nicht tut. Wir haben es getan. Und waren angenehm überrascht, es ist eine wunderschöne Stadt, die viel zu bieten hat. Und immerhin die drittgrösste Gemeinde in Österreich.
Linzertorte, original
Das ist wahrscheinlich das, was Ihnen jetzt zu Linz einfällt. Linzertorte. Ist gar nicht so falsch, die Linzertorte kommt wirklich aus Linz, und Sie können hier auch in dem Geschäft einkaufen, das seit vielen Jahren die originale Linzertorte herstellt:
Konditorei Jindrak
oder:
Tortenmacher Heuschober
Das finden Sie nun sicher widersprüchlich, es kann ja schliesslich nur EINEN originalen Tortenladen geben, also entweder Jindrak ODER Heuschober, es reiht sich aber in eine ganze Serie von «originale» und «älteste» ein. So gibt es ja in Deutschland mindestens vier Gasthöfe, die der älteste sind, und Röhrl, Löwen, Bären und Riese machen da gar nicht schlecht Geschäft damit.
Die Linzertorte von Jindrak ist übrigens sehr gut. Die andere probierten wir nicht.
Das dämlichste Landeskürzel der Welt
Das ist nun ein Titel, den ich heute und ohne Berechtigung verleihe, aber wenn man den Rundfunk, den Nahverkehr, die Verbände, die Zeitungen betrachtet, stösst man immer auf das «OÖ» (als Internetadresse dann «ooe») Was wie ein Kuhmuhen oder ein Schaflaut klingt, oder was einen an ein Stöhnen (aus welchem Grund auch immer) erinnert, das ist einfach das Kürzel für Oberösterreich, also für das Bundesland, dessen Hauptstadt Linz ist. Aber die Oberösterreicher sind da schon arm dran, man stelle sich den folgenden Dialog vor: «Ich komme aus Bottrop, aus NRW.» «Ich komme aus Linz, aus OÖ.»
Man darf Gutes wiederholen
Unserer kulinarischer Tag war immer der gleiche, nicht, weil es in Linz keine Kneipen gibt, auch nicht, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist, sondern weil man in eine Lokalität auch ein zweites, drittes, viertes Mal gehen darf, wenn sie gut ist. Warum muss ich immer etwas Neues suchen, wenn ich zufrieden bin? Ausserdem: Am zweiten Tag kannte man uns schon und am letzten wurden wir mit Küsschen und Tränen auf die Heimreise geschickt (ist gelogen, aber es gab Handschlag…)
So gab es Frühstück im Jindrak (nicht nur mit Linzer), Eis um 15.00 im Eissalon am Schillerplatz (das After Eight-Eis!) und Abendessen im Biergarten «Spiegelhof» (schon optisch Ferien pur). Und das jeden Tag.
Keine Söhne der Stadt
Wir haben die Stadt angesehen, waren ausgiebig im Lentos, im modernen Kunstmuseum, wir sind mit dem Bähnli auf den Pöstlingerberg und noch einmal mit Wurm & Noé auf die Donau.
Was wir links liegen liessen, sind die beiden Söhne der Stadt: Stifter und Bruckner. Vielleicht sollte man nicht so viel Thomas Bernhard lesen, wenn man die beiden wirklich mögen will. Er bezeichnet in «Alte Meister» ihre Werke als konfus, unklar und stümperhaft, Stifter nennt er «totes Germanistenpapier», Bruckner einen «Musikverwischer». Also 10 Jahre Bernhard-Abstinenz und dann noch mal nach Linz…
So viel von der Reise.
Ab nächster Woche muss ich mich ja wieder aktuelleren Dingen widmen, was da alles passiert, ich sage nur Spahn und Infantino…
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