Dienstag, 18. August 2026

Bei vielen Waren weiss ich gar nicht mehr, was das ist

Ich war neulich im Einkaufscenter St. Peter shoppen. So weit, so gut. Was mich aber während eines sonst relativ unterhaltenden und lustigen Nachmittages ein bisschen drausbrachte, war die Anzahl der Geschäfte, bei denen ich gar nicht mehr wusste, was sie eigentlich verkaufen.

Da stand zum Beispiel über einem Laden «FOR YOU – Bischubaschu vom Feinsten». Was um aller Welt ist Bischubaschu? Ich linste ein wenig in den Laden, dort stand eine Theke und dahinter zwei Mädels in Schürze, die Mädels, die gerade den Shop verliessen, hatten Becher in der Hand bzw. in den Händen, Bischubaschu musste also ein Getränk sein. Ich fragte nun mutig, beherzt und couragiert nach, was dieses Produkt mit dem komischen Namen sei, erntete aber trotz mutiger, beherzter und couragierter Frage nur Gelächter. Anscheinend hatte ich mich als hoffnungslos Gestriger geoutet.
Nun gut, es gab ja mein Smartphone und es gibt Google, so fand ich heraus, dass Bischubaschu ein afrikanisches Getränk ist, das aus aufgebrühtem Efeu besteht. Was es nicht alles gibt…

Ich schlenderte weiter und stiess auf einen Laden, der mit einem Schild «I-NOSE-PLUG / Elektronische Nasenstöpsel» warb.
Ich probierte es noch einmal und trat mutig, beherzt und couragiert in das Geschäft und fragte mutig, beherzt und couragiert den sehr korrekt gekleideten Verkäufer. Er kicherte nicht, sondern erklärte mir, was I-Nose-Plugs machen: Die Stöpsel nehmen Geruchspartikel war, analysieren sie und senden die Informationen sofort aufs Phone. Man fragt sich also nie mehr: «Nach was riecht es hier?», sondern man schaut nur noch auf sein Smartphone.
Sehr praktisch.
Sehr unpraktisch allerdings, wenn sich der Plug irrt, denn man riecht ja selbst nichts mehr, man würde also die giftigen Gase nicht wahrnehmen und wenn auf dem Handy «Mandeln» steht, würde man das Zyankali nicht riechen.

Beim übernächsten Geschäft fiel mir ein Aufsteller mit der Aufschrift JAN & JENS & JON / SHADOWFOOD & DRINKS & MORE auf.
Was auch immer Shadowfood sein mochte, Jan, Jens und Jon mochten das &-Zeichen und sahen in ihren engen schwarzen T-Shirts und ihren kurz geschnittenen blonden (Jens?), roten (Jan?) und schwarzen (Jon?) Haaren so unnahbar aus, dass ich keinen Mut und keine Courage aufbrachte.
Aber wieder half mir mein Universe-X-34-Phone aus der Patsche: Shadowfood ist Essen, das wie ein Schatten gegen die Hitze hilft (…aha, daher auch «& drinks…) Als Beispiele werden Gurkensandwich, Karottensalat und Zuchinipastetlein genannt.

Geht es Ihnen nicht auch manchmal so?
Dass Sie durch die Stadt laufen und haben keinen blassen Schimmer mehr, was in den Läden eigentlich angeboten wird?

Kluge Menschen werden jetzt einwenden, dass das immer so war. Einmal wurde ja die erste Pizza, das erste Gelato, einmal wurde der erste Döner und das erste Sushi angeboten. Einmal – das ist nun schon lange her – der erste Kaffee und der erste Tee. Ja, einmal muss es sogar den Schrei «Ughuh! Ihi! Ugagaga! Untu! Ihi!» gegeben haben, mit dem ein Urmensch seinen Kollegen zum ersten Mal ein auf Feuer gebratenes Fleisch anbot.
Ja.
Gut.
Aber was neu ist, ist die Geschwindigkeit, mit der Dinge viral gehen, gehypt werden und bald wieder verschwinden.
Ich muss mir Bischubaschu nicht merken, ich gebe dem Laden höchstens 10 Wochen, dann haben alle das Zeug probiert und finden es entweder doof oder sie finden es toll, merken aber, dass sie Efeu auch ums Haus haben und keine 12 Franken für einen Becher bezahlen müssen.
Ich gebe auch dem Stöpsel-Shop nicht lange. Der Hype wird lustig sein, aber irgendwann findet es man ja auch doof, nicht mehr selber Düfte in die Nase zu ziehen.
Und Gurkenbrote und Karottenzeug ist auch nicht so originell, und irgendwann wird es auch wieder kühler…

Ich war neulich im Einkaufscenter St. Peter shoppen. So weit, so gut. Was mich aber während eines sonst relativ unterhaltenden und lustigen Nachmittages ein bisschen drausbrachte, war die Anzahl der Geschäfte, bei denen ich gar nicht mehr wusste, was sie eigentlich verkaufen.
Und so gehe ich heute ins Shoppingcenter St. Jakob und bin mal gespannt, was mir dort um die Ohren gehauen wird.

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