Dienstag, 16. Juni 2026

Unehrenhafte Entlassung für den S21-Kabelsünder!

Im Film «Latter Days» wird ein junger Mormonenmissionar beim Kuss mit seinem schwulen Wohnungsnachbarn erwischt – und darauf heimgeschickt. Dieses Heimschicken ist für jeden jungen Mormonen das Schrecklichste, was passieren kann, vor allem aber für seine Familie. Denn die Missionsfahrenden sind der ganze Stolz und die ganze Pracht einer Mormonenfamilie. Man kann allerdings aus gesundheitlichen Gründen heimfahren (oder wegen eines Todesfalls), oder eben schandhaft. «I will be sent home in shame!», so gesteht er unter Tränen seinem Nachbarn.

Viele Armeen der Welt kannten und kennen die unehrenhafte Entlassung. Wenn ein Soldat Mist baute, dann konnte man ihm die Uniform ausziehen und ihn zum Teufel jagen. Es sei denn, er hatte desertiert, dann erschoss man ihn. Auch bei Offizieren konnte eine solche unehrenhafte Entlassung greifen, denen riss man dann die Epauletten von der Uniformen – oder sie durften sich selbst erschiessen, man brachte ihnen eine Waffe und liess ihnen zwei Stunden Zeit…

Bei den Managern, die versagen, liegt der Fall ein bisschen anders: Man einigt sich mit ihnen auf die Auflösung ihres Vertrages und zahlt ihnen dafür, dass sie gröbsten Mist gebaut haben, eine hohe Abfindung, jene Millionen, die als «Goldener Fallschirm» bezeichnet werden.

Wie aber nun liegt die Sache bei höheren Beamten?
Nehmen wir mal einen ganz fiktiven Fall: Da ist man am Bauen und stellt fest, dass man jahrelang die falschen Kabel gelegt hat, und zwar über 1000 Kilometer falsche Kabel, Schächte und Kabel passen nicht und der Eröffnungstermin eines Bahnhofes verschiebt sich um weitere (4? 5? 6? 7?) Jahre. Natürlich ist das Ganze fiktiv, so etwas kommt ja nicht vor, aber lassen Sie uns überlegen, was in diesem Fall passieren würde.
Und was passieren sollte.
Und was passiert.

Was passieren sollte:
Alles, was oben beschrieben wurde, miteinander. Der Betreffende (ich schreibe männlich, weil ich mich nicht vorstellen kann, dass eine Frau so schludert, aber man weiss ja nicht…) sollte heimgeschickt werden, wobei «home» hier Salt Lake City meint, die Mormonenmetropole, und für jeden normalen Menschen ist ein Leben in Salt Lake City die Höchststrafe. Man sollte ihm die Epauletten abreissen und ihn zum Teufel schicken.
Ohne Gehalt.
Ohne Abfindung.
Ohne Pension.
Vielleicht sollte man doch auch die Methode des «Ehrenvollen Suizids» erwägen; man könnte ja hier eine gewissen kulturelle Breite anbieten, von der in der Schatulle gelieferten Knarre wie bei Schnitzler bis zum japanischen Kultselbstmord, dem Harakiri. Aber auch Erhängen oder Vergiften wären möglich.

Was passieren wird:
Man wird einen Schuldigen suchen und ihn nicht finden. Die Verantwortung wird von oben nach unten und wieder von unten nach oben und wieder von oben nach unten und wieder von unten nach oben, von oben nach unten, von unten nach oben geschoben werden und es wird nichts geschehen.
Denn während des Hin-und-her-Schiebens wird Gras über die Sache wachsen.
Mehr Gras.
Viel Gras.
Und irgendwann hat man andere Sorgen.

Vielleicht passiert aber auch das: Ein Minister, ein Präsident, ein hoher Beamter tritt von seinem Amt zurück und erhält bis zum Lebensende seine fette Pension. Der «monatliche Silberfallschirm» ist die Beamtenvariante des «Goldenen Fallschirms».

Ich habe – das haben Sie gemerkt – zum Indikativ gewechselt. Denn das Furchtbare ist ja, dass die Kabelgeschichte NICHT fiktiv ist.
Und dass ich inzwischen nicht mehr glaube, Stuttgart was-auch-immer-Zahl noch zu erleben.
Und auch dieses Jahr plane ich meine Reise nach Stuttgart so, dass ich NIE mit dem HBF in Berührung komme.





 

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