Das Schlimmste ist vorüber.
Diesen Satz hat wohl nun jeder Nachrichtensprecher und jede Meteorologin in den letzten Tagen ca. 100 mal gesagt. Das Schlimmste ist vorüber, und damit war gemeint, dass das Thermometer wieder deutlich unter 40° geht. Man beachte hier wohl: Unter 40°. In meiner Jugend, als man noch von «30 Grad im Schatten» sprach und damit «sehr heiss» meinte, da hätte man schon 35 Grad Celsius als schlimm bezeichnet.
Das Schlimmste ist vorüber.
Mich erinnert dieser Satz an einen Song des wunderbaren (2003 mit 59 Jahren viel zu früh verstorbenen) Liedermachers Ulrich Roski, den allerdings meistens die Liedermacherin Joana sang, häufig als letztes Lied vor der Pause. («Nach dem nächsten Song machen wir eine Pause und er hat den bezeichnenden Titel Das Schlimmste ist vorüber.»)
In dem Song, in dem stets Reime auf -rüber gesucht werden (Kaliber, Fieber, Lieber, trüber…) geht der Blick vom Allgemeinen über einen Diaabend, bei dem man die Hälfte von 500 Lichtbilder, eine Zahnerkrankung, bei der man 14 von 22 zu ziehenden Zähnen und einem 30-Kilometer-Gehen, bei dem man 20 gelaufene jeweils hinter sich hat. Und das ganze Lied schliesst dann mit der herrlichen Strophe:
Jeder freut sich, wenn ihm wieder mal ein großer Wurf gelungen,
ist zufrieden, wenn er wieder eine Hürde übersprungen
doch dann steht da eines Tags ein dünner Wicht
und man ruft verärgert, geh mir aus dem Licht!
Dann hat man wohl zu lang die große Lippe riskiert
und fühlt sich von Gevatter Hein und seiner Hippe brüskiert
Und man fragt ihn ganz verwirrt, was kommt denn nun?
Vielleicht sagt der dann auch voll Trost, Kopf hoch, mein Lieber
das Schlimmste ist jetzt sowieso vorüber.
Der Song ist 1973 entstanden, da wusste Roski noch nicht, wie früh Gevatter Hein ihn mit seiner Hippe brüskieren würde.
Das Schlimmste ist vorüber.
Ich überlege mir, warum Roski keine Strophe zu Hitzewellen und Klimawandel geschrieben hat. Nun, weil das Thema «Klimawandel» 1973 noch sehr, sehr, sehr ferne lag. Das kam erst viel, viel, viel später.
1978.
Also, klar, das ist jetzt nicht so viel später, aber damals hielt das jeder ja für Spinnerei. Warum 1978? Weil in diesem Jahr Hoimar von Ditfurth in seiner Fernsehreihe QUERSCHNITT in dem Beitrag «Der Ast, auf dem wir sitzen» alles genau erklärte und vorhersagte.
Nur wollte es niemand hören – das ist bei Propheten häufig so.
Gut.
Aber dann dichten wir doch selber noch eine solche Strophe:
Es wird wärmer auf der Erde, schon sehr lang, nicht auf die Schnelle
und im Juni 26 haben wir `ne Hitzewelle
Özden Terli schreit «Wir haben den Salat –
in Hessen hat es einundvierzig Grad!
Doch am Montag werden alle wieder heiter und munter,
da wird`s besser, denn dann geht das Thermometer wieder runter
und wir messen nur noch sechsunddreissig Acht.»
Und du gäbst ihm gerne einen Nasenstüber,
wenn er lacht: «Das Schlimmste ist vorüber.»
In diesem Sinne: Einen schönen Tag.
Das Schlimmste (Glosse-Lesen) ist ja jetzt vorüber…
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen