Trinken Sie eigentlich genug?
Man soll bei der Hitze ja genug trinken.
Haben Sie also heute schon genug getrunken?
Das «Genugtrinken» ist ja so DER Tipp, den Sie immer bekommen, wenn es heiss wird, und ich meine nicht so «angenehm warm» oder «sommerlich warm», sondern so richtig diese Tropentemperaturen, die wir gerade haben. 38°. 39° 40°. Man soll genug trinken, heisst es.
Dabei wären andere Tipps vielleicht viel effektiver. Zum Beispiel «Nicht arbeiten – zuhause bleiben». Nichts hilft so gut gegen die Hitze, wie im kühlen Zimmer zu bleiben (vielleicht sogar die Rollläden herunterziehen) und die Beine hochzulegen.
Hitzefrei. (so in D)
Hitzeferien. (so in CH)
Das kennen Sie noch aus der Schule? Dann sind alt, mindestens so alt wie ich. Meine jungen Leute kennen das nämlich nur noch aus den Erzählungen der Alten und Hitzefrei/Hitzeferien schwurbelt so auf der gleichen Stufe wie Aschenputtel und Dornröschen herum, also im Bereich der Legenden und Sagen. Aber es war doch früher toll: Wenn das Thermometer um 10 Uhr morgens schon 30° hatte, dann fiel Mathe und Bio aus, genauso wie Deutsch und Geschichte, man durfte heim.
Warum wird also die Parole «Nicht arbeiten» nicht ausgegeben? Nun, weil es z.B. in Deutschland ein so anderes Signal wie «8 Stunden-Tag ade», «Rente mit 70» und «weniger Krankschreibung» wäre, man will die Leute ja um des Himmels willen nicht daran erinnern, dass es auch mit weniger Arbeit ginge…
Trinken Sie eigentlich genug?
Man soll bei der Hitze ja genug trinken.
Haben Sie also heute schon genug getrunken?
Um es gleich einmal klarzustellen: Wir reden hier von Wasser, Mineralwasser, kaltem Tee, unsüssem Saft, von solchen Dingen. Wir reden nicht von Kaffee. Und Wir reden nicht von Wein und Spirituosen. Das müssen wir – so glaube ich – betonen, weil doch einige Menschen eine falsche Vorstellung vom Trinken bei Hitze haben. Der «schöne kühle Weisswein» oder der «Bommerlunder eisgekühlt» sind nicht die idealen Getränke, denn sie entziehen ja dem Körper Wasser, sind also gegen den Durst so effektiv wie ein Schlag mit dem Hammer auf den Fuss gegen Schmerzen. Wir müssen das auch betonen, weil neuerdings auch wieder Obersäufer Parteichefs werden.
Ja, Herr Kubicki, ich rede von Ihnen.
Trinken Sie eigentlich genug?
Man soll bei der Hitze ja genug trinken.
Haben Sie also heute schon genug getrunken?
Was ist aber nun, wenn Sie richtig viel, also 1 Liter, 2 Liter, 3 Liter getrunken haben? Richtig, das H2O will auch wieder hinaus. Und hier haben wir, wenn wir unterwegs sind, an vielen Orten und in vielen Gemeinden ein Problem: Es gibt keine öffentlichen Toiletten. Die Zeit, in der die Männer überall hinpinkelten (Woyzeck!), ist zum Glück vorbei, die Frauen durften es ja nie, ausser in Versailles, da hoben auch die Frauen ihre Röcke, aber das ist ja ein anderes Kapitel und wir wollen nicht abschweifen.
In Basel sieht es da gar nicht so schlecht aus: Wenn Sie z. B. am Bankverein sind, dann haben Sie Möglichkeiten am Barfüsserplatz, am Aeschenplatz, oder Sie gehen ins Theater ins «Foyer Public», und haben sogar noch das Gefühl, etwas für die Kultur zu tun, auch wenn Sie im Theaterfoyer nur die Klos aufsuchen.
Wenn Sie aber in Solothurn am Bahnhof sind, ist es eine Katastrophe, ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir manchmal die Woyzeck-Variante bzw. die Versailles-Variante überlege, man hat dort die Wahl, beim Café Spettacolo teuer etwas zu trinken und dann den Schlüssel für den Keller zu bekommen oder für einen getwinteten Franken in diese unglaublich stinkende Blechbüchse zu gehen. In Basel und Olten kostet es am Bahnhof auch, aber da ist es wenigstens sauber…
Nein, Trinken löst eben Wasserdrang aus, und das ist nicht immer einfach. Schon Thomas Bernhard schreibt 1985 übrigens in «Alte Meister» über das Toilettenproblem im Wiener Musikverein.
Trinken Sie eigentlich genug?
Man soll bei der Hitze ja genug trinken.
Haben Sie also heute schon genug getrunken?
Also, ich gehe jetzt etwas trinken.
Wasser.
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