Dienstag, 21. April 2026

Tipps für Magyar: Wie geht man mit so viel Macht um?

Natürlich freut sich die Welt über die Abwahl von Orbán. Und ich als Schwuler freue mich natürlich gleich doppelt. Und natürlich freut sich die Welt über die Wahl von Peter Magyar. Und das es eine eindeutige ist.

Aber Moment: Musste es SO eindeutig sein? Der gute Mann hat eine 2/3-Mehrheit. Und wir wissen, was Macht mit charismatischen Menschen macht: Sie korrumpiert sie.
Das ist ja die Geschichte mit dem Ring: Alle Guten, die Elben, Gandalf usw. lehnen es ab, den Ring zu nehmen. Sie könnten doch «so viel Tolles bewirken», aber sie wissen, dass der Ring sie versauen würde. Nur der kindliche Frodo schafft es.
Aber ist Peter Magyar ein Frodo?
Wie schafft man es, dass man den Lockungen der Macht nicht erliegt?

Hier kommen nun drei Tipps für charismatische Staatsmänner, die Macht bekommen haben, wie sie es bewerkstelligen, dass die Macht sie nicht versaut.
(Ich schreibe bewusst nur in der maskulinen Form, weil das Ganze doch ein bisschen ein Macho-Problem ist.)

Mama dabei!

Jeder Politiker ist ja ein bisschen ein Narzisst.
Und wenn er dann bei der Pressekonferenz am Pult steht, dann fühlt er sich grossartig, er fühlt sich machtvoll und super, er fühlt sich schön und erhaben und fotogen. Er strahlt etwas aus, was man als «Ich bin die Sonne und ihr seid die Sterne und ich glänze und ihr spiegelt nur» umschreiben könnte.
Hier kommt nun die Mama ins Spiel, die bei allen Presseterminen und allen Interviews dabei ist. Wenn Politiker X gerade anhebt, um seine Misserfolge der letzten Monate schönzureden, um sich selbst ins Sonnenlicht zu stellen, springt Mama auf, rennt zum Pult und wischt X ein paar Fussel von der Jacke. Oder putzt ihm die Brille. Oder noch schlimmer die Mundwinkel. Oder kämmt ihn noch mal durch. Dabei schüttelt sie den Kopf, so als ob sie sagen möchte: «Der Bubi, wie er wieder rumläuft.»
Und die Ankündigungen des grossen Präsidenten werden nach dieser Aktion eben die Ankündigungen eines Menschensohnes sein, denn für unsere Mütter sind wir immer die Buben geblieben – und das ist auch gut so.

Normal-Day

Jeder Machtmensch soll einen Tag im Monat im normalen Leben verbringen. Und zwar inkognito und ohne Bewachung. Also quasi als «wallraffender Staatsmann». Und als «wallraffender Staatsmann» erlebt man nun, wie eine normales Leben aussieht:
Schon das Warten an der Bushaltestelle (oder Tram, S-Bahn, whatever) wird zum Aha-Erlebnis, so lange steht man da also, der Bus kommt ja ewig nicht, und dann bekommt man nicht einmal einen Sitzplatz. Und im Supermarkt ist alles so teuer! Und bestimmte Delikatessen gibt es da gar nicht! Und was ein normaler Mensch im Büro alles machen muss, da muss man ja schreiben und lesen und kopieren und beschaffen und man kann nichts, nichts, nichts delegieren. Und am Abend will man in einen Club und der Türsteher lässt einen nicht hinein – weil er ja gar nicht weiss, wen er da abweist.
Der Normal-Day hat nun die Funktion, dass X seine Privilegien erst einmal wieder als Privilegien begreift, 5(!) Wagen mit Chauffeur, Essen steht auf dem Tisch, Mails lesen und beantworten die PAs (15 an der Zahl) und natürlich kommt man in jedes Konzert, jeden Club und in jedes Theaterstück…

Glosse lesen

Nicht diese Glosse. Also: Nicht nur diese Glosse. Sondern Satire überhaupt. Und das Satire-lesen sollte als heiliger Akt NICHT an die Persönlichen Assistenten delegiert werden. Nicht von dem PA erfahren, dass TITANIC oder CHARLIE HEBDO einen als Affen bezeichnet hat, sondern das selber konsumieren.
Der mittelalterliche König hatte seinen Fool, seinen Narren, seinen Spassmacher, und der Hofnarr hatte gerade die Funktion, dem König ALLES sagen zu dürfen. Und zwar dem König persönlich – zu dem er immer vorgelassen wurde.

Und wenn man dann am Normal-Day die TITANIC liest und die Mama daneben auch noch «guck mal, wie scheisse du da aussiehst» reinruft, dann wird man fast zum Frodo und kann mit der Macht umgehen.

Noch besser wäre natürlich ein System, wie es der beste Staat der Welt hat, das den Politikern so wenig Macht wie möglich gibt…

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