Freitag, 17. April 2026

Holland 2026 (II)

Und weiter geht es im Bilderbogen, im Kaleidoskop, in der Collage mit Impressionen aus Den Haag.

Ostergottesdienst mit Gospel in Sint-Martha

Ich gehe als Lutheraner, wenn ich die Auswahl zwischen ev.-reformiert und katholisch habe, sehr häufig zu den Katholiken. So auch am Ostersonntag in Den Haag. Die passende Messe findet um 9.15 in der Sint-Martha-Kerk im Quartier Schilderswijk statt. (Kleiner Exkurs: Ich finde die Heilige Martha immer eine lustige Figur, weil sie ja von Jesus ermahnt wird, sie habe viel Haushaltsmühe, aber ihre Schwester, die «nur» zuhört, tue das Richtige, die Kirche aber häufig die Martha viel höher stellt – zum Beispiel in meiner schwäbischen Heimat. Aber ich will nicht abschweifen…)
Als ich die Kirche um 9.00 betrete, erklingt schon fetzige Musik. Vorne sind vier vollschlanke Sängerinnen, eine Gitarristin und eine Drummerin am Gospeln: «He has risen – Hallelujah! Hallelujah – praise the Lord!» Alle sechs haben dunkle Hautfarbe.
Bei uns wäre ein Ostergottesdienst ohne irgendein Werk mit KV-Nummer (z.B. KV 220 oder KV 317) undenkbar und würde zu Kirchenaustritten führen.
Aber hier? Als ich mich umschaue, merke ich, dass ich überhaupt der einzige Weisse bin. Ich komme mir vor wie in Harlem. Es wird ein Gottesdienst, an den ich noch lange denken werde. Der Priester ist dann (by the way) ein Koreaner.

Teenager um 9.00 im Bad

Am Ostermontag gehe ich Schwimmen. Ins «Zwembad Zuiderpark», das einzige, das offen hat, denn die Haager haben ihre Öffnungszeiten sehr reduziert.
Um 9.00 ist das Schwimmbecken schon sehr gut belegt, etliche Leute wollen wohl die Schoko-, Marzipan-, Krokant- und Zuckereier abtrainieren, die sie am gestrigen Tage gesucht und vielleicht auch schon gleich genascht haben.
Was mich sehr erstaunt, sind vier männliche Teenager (so um die 16 Jahre), die sich im Wasser tummeln. Ich habe genügend mit Jungs in dem Alter zu tun und weiss, was die bei uns an einem Feiertag vor 12.00 mittags machen: Im Bett liegen und schlafen – bestenfalls schon wach sein und gamen. Aber niemals das Haus verlassen. Ticken holländische Teenager anders? Oder war das die grosse Ausnahme? Auf jeden Fall will ich nie mehr etwas über «die Jugend von heute» sagen.

Der Haagse Markt

Ich habe bei meinem Aufenthalt viel Neues entdeckt. Das ist erstaunlich, wenn man in einer Stadt das ca. dreissigste Mal ist. (Ich habe ja auch schon viel gepostet…) Aber dennoch, es gibt immer wieder neue Dinge zu sehen, wenn man die Augen offen hält.
So hatte ich den Haager Markt, an dem ich oft vorbeigefahren bin, wegen der hohen Mauer für einen Grossmarkt gehalten, dieses Mal sah ich aber einen Eingang mit Schild «Welkom op Haagse Markt» – das würde man ja für Grosshändler nicht aufstellen. So schlenderten wir zwei Stunden auf dem grössten Publikumsmarkt der Niederlande und kamen aus dem Staunen nicht heraus: So viel Zeug! So viel Kitsch! So viel Essen und so viel Kleider! Beim einen Stand glänzten ungelogen 1000 Uhren, am anderen gab es Kleider mit Glitter und Flimmer und Pailletten, an der einen Bude lagen 50 Kabeljau in Erwartung der Esser, an der anderen konnte man aus 60 Nusssorten aussuchen. Über allem Geruch, über allem Geschrei. Ich habe viele italienische Mercati besucht, aber das war mehr.

Im Atelier

Wenn wir gerade beim Thema «x-mal vorbeigelaufen und nicht gesehen» sind, das mit dem Atelier der Künstlerin Tineke Porck war auch sehr, sehr, sehr lustig. Wir hatten sie vor drei Jahren kennengelernt, und wir hatten dieses Mal verabredet, sie in ihrem Atelier zu besuchen (sie macht wunderbare Sachen). Nun waren wir also in der Ankerstraat 21 in Scheveningen – und ich musste feststellen, dass die Badhuiskade 10, in der ich die ersten 10 Mal Den Haag verbrachte, nur 20 Meter Luftlinie entfernt ist. Da Tineke seit 30 Jahren in ihrem Atelier arbeitet, sind wir uns sicher einmal, zweimal, öfters, immer über den Weg gelaufen, aber wenn man sich nicht kennt, dann kennt man sich eben nicht…

So viel für heute. Am Dienstag wieder ernstere Themen.

P.S.
Ich habe vor drei Jahren über die wuchernde Englisch-Sprechen-Manie der Niederländer geschimpft – das ist nicht besser geworden.



 

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