Ich habe im November 2024 zur Wiedereröffnung des Hallenbades Rialto unter dem Titel «Man kann Zettel nicht gelesen aufhängen» das Folgende gepostet:
Das neu- bzw. wiedereröffnete Schwimmbad Rialto ist ein Bijou […] Mir gefallen auch die Umkleideräume, obwohl diese immer von sich reden machen, und eben von diesen soll nun auch die Rede sein […] Nun haben die Macher des neu- bzw. wiedereröffneten Schwimmbades auf etwas verzichtet, was stets sehr störend war: Schlüssel.
[…] Bei den Schränken hat man sich für ein Zahlen-System entschieden. Ein Zahlensystem, das auf ca. 50 Aushängen erklärt wird:
ERSTER SCHRITT: SCHLOSS AUF «AUF» STELLEN.
ZWEITER SCHRITT: CODE BEI GEÖFFNETER TÜRE EINGEBEN (Z.B. 1234)
DRITTER SCHRITT: SCHLOSS AUF «ZU» STELLEN.
VIERTER SCHRITT: CODE VERSTELLEN
Es ist nun völlig logisch, was passieren kann, wenn man diese Aushänge nicht liest, man dreht den Riegel nach links und beginnt «4567» oder «0000» oder «2929» einzugeben, dann verstellt man die Zahlen – und wird sein Kästchen nie wieder aufbekommen, denn das Schloss hat sich die Kombination gemerkt, die VOR dem Verschliessen eingestellt war, und die hat man natürlich keines Blickes gewürdigt.
Gut, man kann den Bademeister holen. Was die meisten tun – die wenigsten rennen in der Badehose auf die Strasse, gerade bei Novembertemperaturen ist das auch nicht so ratsam. Der Bademeister erzählt mir, dass er am Tag ca. 40 Male geholt wird und dass die Menschen dann immer furchtbar fluchen:
[…]
Dabei wäre es so einfach. Man müsste den an allen vier Seiten (!) sämtlicher (!) Säulen sowie innen in allen (!) Kästchen hängenden Zettel genau durchlesen.
[…]
Nun vor ein paar Tagen die riesengrosse Sensation:
Das Hallenbad Rialto hat jetzt wieder Schränke mit Schlüsseln eingeführt.
Das Sportamt der Stadt Basel hat also kapituliert. Kapituliert vor der Ignoranz und Dummheit der Leute. Wahrscheinlich auch auf Drängen der Bademeister (es hat wirklich nur Männer dort), die ihre halbe Arbeitszeit damit zugebracht haben, die Schränke der Leute zu öffnen, die nicht fähig waren, eine Gebrauchsanweisung zu lesen.
Interessant ist, dass man wirklich zurück zum Schlüssel geht und nicht etwa zu einem System wie das folgende:
Schrank verschliessen
*Gartenhag* drücken
Vierstelligen Code eingeben
*Schlüssel* drücken
System piepst, Schrank ist verschlossen
Dieses System wird von vielen Hotelsafes verwendet, aber auch von der Badi der Stadt Solothurn, und auch von den Lockern in der Garderobe im Amare in Den Haag, wo wir die Matthäuspassion hörten.
Also ein System, das seit Jahren funktioniert…
Zurück zum Schlüssel?
Was für ein Quatsch.
Das ist wie der Schwule, der nach ein paar verunglückten heterosexuellen Versuchen mit 23 sein Coming Out hat, die erste Beziehung zu einem Mann verläuft aber auch nicht so toll (emotional, im Bett schon), und er kehrt reumütig zu den Frauen zurück.
Das ist wie der Rückkehr zur Atomkraft, weil Öl und Gas immer wieder Probleme bereiten, weil der Ausbau der Erneuerbaren nicht vorankommt, so als ob es nicht schon Milliarden Tonnen Atommüll gäbe – und ein Fukushima und ein Tschernobyl nie stattgefunden hätten.
Das ist wie ein Land, das unter den aktuellen islamischen Diktatoren leidet und sich den Sohn des alten Diktators als neuen Präsidenten wünscht – wir nennen keine Namen.
Wenn B nicht funktioniert, gehen wir zurück zu A – und überlegen nicht, ob es nicht ein anderes B geben könnte.
Das Rialto ist dennoch ein Bijoux. Ich bin aber froh, dass ich morgen ins Gartenbad St. Jakob gehen darf und für den Sommer meinen (nicht lachen!) Schlüssel holen darf.
Aber den von meiner eigenen Kabine.
Freitag, 24. April 2026
Hallenbad kapituliert! Zurück zum Schlüssel!
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