Freitag, 11. September 2026

Gute Waren schlecht präsentiert oder: Merz & die Reformen & die AfD

Es gibt in der kleinen Stadt Schubhausen vier Kleidergeschäfte:

Im FUN&FASHION® gibt das Edelste vom Edelsten, Röcke ab 600,-- Hosen ab 700,-- und Mäntel ab 1000,--. Die Ware kommt aus Paris, Mailand und New York und ist entsprechend hervorragend präsentiert, der Laden ist perfekt ausgeleuchtet und auf dem Boden liegt kein Stäubchen, die Farben reichen von Anthrazit zu Blau.
Hier wird Gutes gut verkauft.

Im STRAWBERRY® wird schlechte Ware schlecht präsentiert, die in Asien hergestellten Billigklamotten (Hosen, die schon beim Ansehen reissen und Pullis, die sich aufribbeln) hängen an verrosteten Ständer, der Boden klebt von Bier und Kaugummi. Miese Dinge in mieser Präsentation, so, dass es nicht einmal Bürgergeldempfängerinnen und Bürgergeldempfänger dort vorbeischauen. Ist aber egal, denn der Schuppen ist eine Geldwäsche-Station.

Der SUPERSHOP® hat nun Ware, die sich gar nicht so sehr von den Hosen, Röcken, Mänteln, von den Schuhen und Sandalen, von der Wäsche des STRAWBERRY® unterscheidet. Mieses Zeug, in Hinterzimmern am Ganges, Brahmaputra oder Meghna zusammengepfuscht. Er präsentiert nun aber diesen Ramsch so wie das FUN&FASHION®, in edlen Regalen, auf Terrazzo-Boden und in schönen Farben. Ja, ja, ja, und die Preise sind nicht ganz so wie dort, aber ZUVIEL wird auf jeden Fall gezahlt.
Die Inhaber des SUPERSHOP® haben verstanden, was Marketing heisst.

Sie ahnen es, Sie ahnen es, Sie ahnen es:
Es gibt nun noch die vierte Kombination, ein Laden kurz vor dem Ruin, vor der Pleite, vor dem Konkurs. Es ist die MODEHALLE®. Schon der Name ist ja schlecht gewählt, wer denkt da nicht an Kauf-Halle oder Trink-Halle? Das Geschäft mit dem unsäglichen Namen schafft es, ein Hermestuch so mies auf einem fleckigen Tabla zu drapieren, CK-Unterhosen mies auf Ständer zu hängen, es schafft es, so wenig zu putzen und den Raum (eitergelb und erbsengrün) zu ungekonnt auszuleuchten, dass niemand in diesem Shop etwas findet.

Jetzt denken Sie bestimmt, och, och, och, das ist doch bestimmt wieder so eine doofe Parabel, das soll doch wieder etwas symbolisieren.
Gut, machen wir ein kleines Quiz:
Welcher Laden, welcher Shop, welches Geschäft steht für
Willy Brandt?
Helmut Kohl?
Friedrich Merz?
(Es sind nur drei, weil die, die schlechte Politik schlecht verkaufen, ja sehr bald aus den Medien verschwinden…)

Willy Brandt war wie FUN&FASHION®.
Er schaffte es, eine gute Politik den Leuten gut zu verkaufen – und das musste er, nach dem Kniefall in Warschau war gar nicht sicher, ob die Deutschen weiter mitgehen, mitgehen auf dem Weg zu Entspannung und Dialog. Aber das Volk sagte Ja.

Helmut Kohl war der SUPERSHOP®.
Die Idee, die Wiedervereinigung ohne Nachdenken und mit Dampf voranzutreiben, nach dem Motto «Blühende Landschaften», so als ob in einem Jahr die ganze DDR-Geschichte aufzuholen sei, war heikel und falsch, aber Kohl verkaufte es super. Die, die an die Blüte glaubten, hatten Oberwasser, die Skeptiker wurden weggedrückt.

Und Merz?
Und Merz?
Merz ist die MODEHALLE®. Seine Vorhaben sind gar nicht mal schlecht, sie sind notwendig, bitter notwendig, sie sie überlegt und gar nicht mal so schlecht fundiert. Aber der Herr Bundeskanzler bekommt sie nicht verkauft. Bei Reformen, die allen (oder fast allen) an den Kragen gehen, an den Geldbeutel, an die Substanz, muss man die Leute mitnehmen. Und das kann er nicht. Seine schlecht gewählten Worte sind das Eitergelb und Erbsengrün der MODEHALLE®.

Muss man sich jetzt noch fragen, warum die AfD überall gewinnt?
Merz wollte die AfD halbieren. Er hat sie verdoppelt, aber die CDU halbiert.



 

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