Freitag, 8. Juli 2022

Finde das Leben, das du willst

Meine Traumwohnung befindet sich in einem ruhigen, aber perfekt an den ÖV angeschlossenen Quartier. Sie liegt im Erdgeschoss eines Jugendstilhauses, schaut man vorne hinaus, blickt man auf die Alleebäume der (verkehrsberuhigten) Strasse, schaut man hinten hinaus, blickt man auf die Rosensträucher und Hortensienbüsche des Gartens. Die Wohnung hat 7 Zimmer, eine Deckenhöhe von 3,67 Metern und einen wunderbaren Parkettboden. Für die toprenovierten 180 qm zahlt man 2000.-- warm.
Ich finde diese Wohnung auf www.wohnung42.com NICHT.

Mein Traumjob ist Autor in einem Magazin. Für die 3 Beiträge, die ich pro Woche abliefern muss, habe ich eine Carte Blanche: Ich kann eine Buchkritik schreiben oder ein Konzert rezensieren, ich kann eine Glosse oder Satire abliefern, ich dürfte auch einen wissenschaftlichen Text oder etwas Philosophisches machen. Ich kann – wenn ich will – meine Schreiberei im wunderbaren Büro mit Weitblick, Espressomaschine und Nadelfilz tun, ich könnte aber auch komplett im Homeoffice bleiben. Für diese 3 Beiträge zahlt man mir 12000 netto im Monat.
Ich finde diese Stelle auf www.job42.com NICHT.

Mein Traumauto ist ein nur 98 cm langer Mini-Van, der (trotz seiner Kleinheit) Platz für 6 Personen, 3 Haustiere und 12 Kubikmeter Gepäck bietet. Seine Höchstgeschwindigkeit sind 300 km/h, dabei verbraucht er nur 3 Liter pro 100 km. Wahlweise kann er auch auf Rapsöl, Essig, auf Kölnisch Wasser oder Senf, er kann auf Hundescheisse oder Katzendreck, auf Meerrettich oder Schnaps umgestellt werden oder mit Pesto oder Zucker betrieben werden. Die Wunderkarre, die selbstverständlich über Navi, Stereoanlage, Fernseher und Bordcomputer verfügt, kann ohne Anzahlung für 170.-- pro Monat geleast werden.
Ich finde dieses Auto auf www.auto42.com NICHT.

Mein Traumurlaub…
Mein Traumpartner…
Mein…
Mein…

Muss ich wirklich noch weitermachen, müssen wir wirklich noch über alle die Dinge reden, die wir über solche Suchseiten suchen? Suchseiten, von denen wir dann Abos haben und die uns mit Angeboten überschwemmen?

FINDE DAS LEBEN DAS DU WILLST

So wirbt eines dieser vielen Portale. Was natürlich ignoriert wird: Alle diese Suchseiten können nur das suchen (und finden) und finden (und Ihnen präsentieren), was irgendjemand ins Internet gestellt hat.
Eine Wohnung wie die Jugendstil-Etage wird nicht ins Netz gestellt. Sie kann man nur über Beziehungen ergattern, zum Beispiel wenn man beim Bäcker vom Herzinfarkt der Bewohnerin erfährt (der erst eine Stunde) her ist, und wenn man so skrupellos ist, sofort beim Sohn anzurufen – die meisten Menschen sind das nicht.
Einen Job wie die Autoren-Stelle findet man sicher nicht im Netz, auch hier geht das nur über Beziehungen und Herumhören, einfach zur richtigen Zeit in der richtigen Kneipe sein und dort die richtigen Drinks mit den richtigen Leuten nehmen.
Auch das Traumauto findet keine Plattform. Wenn es solch ein Wunderwerk überhaupt gibt, was sehr, sehr, sehr, sehr unwahrscheinlich ist, dann ist es ein Prototyp, an den man nur herankommt, wenn man Leute bei BMW oder Daimler in der ganz, ganz oberen Etage kennt…

FINDE DAS LEBEN DAS DU WILLST

Hören Sie auf mit Suchplattformen, wenn Sie unnormale Wünsche haben. Nur dann. Denn natürlich findet auto42 einen gewöhnlichen Kleinwagen, findet job42 eine Barista- oder Putzstelle, findet wohnung42 eine 3 Zimmer-Wohnung im Neubau für 1500.--.
Das ist klar. Aber jede Suchseite findet nur das, was da ist, was ins Netz gestellt wurde.

FINDE DAS LEBEN DAS DU WILLST

Und noch ein Tipp: Richten Sie keine Suchabos (mit normalen Wünschen) ein.
Sie bekommen so viele Mails, das Ihnen Hören und Sehen vergeht, so schlagen Ihnen zum Beispiel wohnung42, wohnung43, wohnung44, wohnung45 und wohnung46 alle dieselbe Wohnung vor, denn natürlich fischen auch alle Seiten im gleichen Netz. 

Mit Wünschen wie der Jugendstilwohnung, dem Luxusschreibjob und dem Raps-Van können Sie gerne ein Suchabo einrichten.
Mails gibt es dann eh keine.







 

    

    

Dienstag, 5. Juli 2022

Boris schenkt Kaffee ein

Es gibt Gesten und Handlungen, es gibt Haltungen und Posen, die niemand mehr benutzen kann, ohne gewisse Assoziationen zu erwecken.
Man denke hier nur an die inzwischen legendäre Merkel-Raute. Es kann doch kein Mensch mehr die Hände in einer bestimmten Form vor den Bauch legen, ohne dass die gesamte Umgebung denkt: «Ah, Angela!» (oder, wenn man Deutsche oder Deutscher ist: «Ah, Angeeeeela!»).
Ebenso kann man mit seinem Wanderstab, beidhändig gefasst, nicht mehr auf Brücken, in deren Mitte man steht, stossen. Das ist zu sehr Gandalf, das ist zu sehr Herr der Ringe, das ist zu sehr «You shall not paaaaaaaaaaaaasssssssssssssss!».
Und wer kann vor Ehren- oder Denkmälern, vor Kriegsgedenkstätten oder Monumenten noch einen Kniefall machen, ohne dass man an Willy Brandt und seinen «Kniefall von Warschau» denkt?

Das ist jetzt natürlich totaler Quatsch.
Wer hält denn seine Hände aus Versehen und einfach so in der Rautenform vor den Bauch? Mir ist das noch nie passiert.
Sind Sie schon einmal (einfach so) auf einer Brücke gestanden, haben Ihren Wanderstock in beide Hände genommen und ihn auf den Boden gestossen? Womöglich noch gebrüllt dabei? Ich bin noch nie in solch eine Situation geraten.
Und wie oft waren Sie an Ehren- oder Denkmälern, vor Kriegsgedenkstätten oder Monumenten? Eher selten, oder? Und ist Ihnen dort auch nur ein einziges Mal passiert, dass Sie auf die Knie sanken? Wann haben Sie überhaupt das letzte Mal gekniet? Wenn Sie kein frommer Katholik oder keine fromme Katholikin sind, dann kann das lange her sein…
Wir sehen also, dass es wohl nicht aus Versehen passieren kann, Merkel, Gandalf oder Brandt nachzuahmen.

Was ist aber nun mit einer Geste wie, einer Geste wie, ja wie…
Kaffee einschenken.

Ja, liebe Leserin, lieber Leser, Sie haben ganz richtig gelesen.
Denn mit dem Kaffeeeinschenken würde man ja ganz klar auf Boris Johnson und Joe Biden anspielen.
Wir erinnern uns:
Beim G7-Gipfel im oberbayrischen Idyll, beim Schmusetreffen der Ober-Demokraten schenkt Boris dem Joe aus einem Silberkännchen Kaffee ein. Nichts kann so schön die Einheit, die Verständigung und das Zusammenstehen symbolisieren wie diese Geste.

Wir wollen uns jetzt gar nicht darüber unterhalten, was auf solchen Gipfeln nun eigentlich wirklich besprochen werden sollte, da müsste man ja nun über diverse Dinge reden, zum Beispiel, was die USA schon alles an Bomben geworfen haben und was aktuell dort mit dem Rechtsstaat los ist (man möchte ja zurzeit weder ein Schwuler in Miami noch in Murmansk sein, aber lassen wir das…).
Nein, wir wollen nun gar nicht oberpolitisieren, wir wollen uns auf diese wunderbare Schmusegeste konzentrieren.

Um es kurz zu machen: Hier hat eine PR-Agentur ganze Arbeit geleistet. Ich kann mir gut vorstellen, wie dort einige Leute verzweifelt überlegten, wie man das Schmusige, das Vertraute zwischen GB und USA am besten darstellen kann. Und da stand da nach einem Brainstorming:
Küssen
Haare wuscheln
Hunde ausführen
Hände schütteln
Knöpfe zumachen
Kaffee einschenken

Und später:
Küssen
Haare wuscheln
Hunde ausführen
Hände schütteln
Knöpfe zumachen
Kaffee einschenken

Und von alledem ist also der Kaffee übriggeblieben. Und so kam es zu diesem «Ich schenke dir ein Tässchen Kaffee ein», einer Geste, für die man sich nur fremdschämen kann.
Und so kann halt jetzt (eine Weile, zum Glück nur eine Weile, das verliert sich doch nach einiger Zeit…) niemand mehr jemand anderes Kaffee einschenken, ohne dass an die beiden Clowns erinnert wird.

Es gibt Gesten und Handlungen, es gibt Haltungen und Posen, die niemand mehr benutzen kann, ohne gewisse Assoziationen zu erwecken.
Und so wird das Kaffee-Ausgiessen, das Leeren des Silberkännchens eine Weile tabu sein.

P.S.: Der Kniefall von Warschau war von keiner Seite geplant – das ist das Historische an ihm.



   

Freitag, 1. Juli 2022

Dumme Fragen


von: rolf@herter.com
to: sara.meier@gmx.com (und 28 weitere)
Betr.: Minigolf

Liebe Schüler, liebe Eltern
Am Donnerstag treffen wir uns um 14.15 in der Schalterhalle. Abfahrt ist um 14.30 Gleis 7. In Rheinfelden laufen wir zur wunderbaren Minigolfanlage, wo wir anderthalb Stunden verbringen werden. Danach gehen wir noch ein Eis essen (Klassenkasse) und nehmen um 17.35 den Zug zurück. Ankunft Basel 18.00 Gleis 8.
Ich freue mich auf den Tag
RH

von: sara.meier@gmx.com
to: rolf@herter.com
Re: Betr.: Minigolf

Lieber Herr Herter, vielen Dank für Ihre Mail.
Ich habe nun noch eine Frage: Muro hat bis um 14. 25 Klavierstunde. Er würde dann gleich aufs Gleis kommen. Meinen Sie, das reicht?
Liebe Grüsse Sara Meier 

von: rolf@herter.com
to: sara.meier@gmx.com
Re: Re: Betr.: Minigolf

Liebe Frau Meier
Ich bin ein wenig stutzig. Hat Muro denn seine Klavierstunde direkt am Bahnhof? Auf der Passerelle? In einem Kiosk? Wird er von einem Barista oder einem Gleisbauer unterrichtet? Wenn nicht, selbst wenn er im Gundeli Stunde hat, REICHT ES IHM NICHT.
Liebe Grüsse Rolf Herter

von: sara.meier@gmx.com
to: rolf@herter.com
Re: Re: Re: Betr.: Minigolf

Lieber Herr Herter
Gut, wir werden die Klavierstunde verlegen. Um 18.05 hat er Tennis. Meinen Sie, wenigstens das geht? Liebe Grüsse.

von: rolf@herter.com
to: sara.meier@gmx.com
Re: Re: Re: Re: Betr.: Minigolf

Liebe Frau Meier
Sie machen mich ein bisschen (nur ein bisschen) wahnsinnig. Wenn Sie es schaffen, den Meret-Oppenheim-Brunnen abzumontieren und auf dem gleichnamigen Platz ein Netz spannen, dann reicht es. Halt – das ist jetzt ungeschickt, weil, so wie ich Sie einschätze, verstehen Sie keine Ironie und werden irgendetwas in die Wege leiten, also direkt: ES REICHT IHM NICHT.
LG Rolf Herter

von: sara.meier@gmx.com
to: rolf@herter.com
Re: Re: Re: Re: Re: Betr.: Minigolf

Lieber Herr Herter
Vielen Dank für Ihre Antwort – auch die Tennisstunde ist verlegt. Nur noch eine letzte Frage: Was muss Muro mitnehmen? Wieviel Geld für das Eis? Wir haben auch keine Schläger und Bälle.
Liebe Grüsse Sara Meier

von: rolf@herter.com
to: sara.meier@gmx.com
Re: Re: Re: Re: Re: Betr.: Minigolf

Liebe Frau Meier
Sie sind schon selten blöd. Ich kann es nicht anders ausdrücken.
Das Eis wird aus der Klassenkasse bezahlt, das habe ich in der ersten Mail geschrieben, hier sollte man einfach genau lesen. Zum zweiten: Muro hat keinen Schläger, so wie er wahrscheinlich (wenn wir Kanu fahren gingen) auch kein Paddel und (wenn wir Billard spielen gingen) auch kein Queue besitzt. Solche Dinge leiht man vor Ort.
Muro schliesst das Schuljahr mit 12 Pluspunkten und in keinem Fach unter 5,5 ab. Vielleicht fragen Sie das nächste Mal einfach ihn.
Liebe Grüsse Rolf Herter

Wer hat gesagt, es gebe keine dummen Fragen?
Leider sind solche Mailwechsel wirklich Realität. 

P.S. An meinen Erzengel: Die Zeiten und Gleise sind bewusst falsch





















 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 28. Juni 2022

Die neuen Geldquellen

 
Es gibt Gerüchte.
Es gibt Gerüchte, dass die deutsche Bundesregierung neue, geheime Geldquellen aufgetan hat.

Gerücht Nummer eins: Der Nibelungenschatz

Bei „Loche“ soll Vasall Hagen von Tronje den Schatz in den Rhein gekippt haben. Seit vielen hunderten Jahren suchen nun Schatzsucher und Taucher, suchen Glücksritter und Abenteurer diesen Schatz.
Man will nun einige Männer in Anzügen gesehen haben, die sich nachts eben dieser Anzüge entledigten und – so eine Augenzeugin, die allerdings ob ihrer 86 Jahre nicht mehr ganz glaubwürdig ist – in den Vater Rhein bei Worms stiegen. Es sollen angeblich Mitarbeiter von Bundesministerien gewesen sein, die den Nibelungenhort (geschätzter Wert 23 Billionen Euro) aus den Fluten geholt haben.

Gerücht Nummer zwei: Fälschungen

Der Hausmeister des Staatsministeriums für Kultur soll gesehen haben, wie der Fälscher Beltracchi vor ein paar Wochen durch den Hintereingang hineinschlüpfte. Was sucht solch ein Strolch, der durch spektakuläre illegale Reproduktionen bekannt wurde, bei Frau Roth?
Es geht die Mär, dass das Kulturstaatsamt 1547 Bilder aus deutschen Beständen durch Fälschungen ersetzen und die Originale an russische Oligarchen, Ölscheichs und indische Maharadschas verkaufen will. So würden dann in der Neuen Nationalgalerie, den Pinakotheken und dem Städel Beltracchis hängen, während sich in Moskau, Dubai und Delhi Milliardäre an Rembrandts und Cranachs, an Monets und Warhols erfreuen würden.
Dieser Deal würde noch einmal 10 Billionen in die Kassen spülen.

Gerücht Nummer drei: Goldyaks.

Eine Tierpflegerin im Berliner Zoo will bemerkt haben, dass Humu-Hamu und Bada-Budu, die beiden tibetischen Yaks, die seit 8 Jahren Bewohner des Geländes sind, im ihrem Stuhl auffällige gelbglänzende Fäden vorweisen.
Mit anderen Worten: Die beiden Tiere scheissen (sit venia verbo) Gold. Keiner weiss, wie sie das machen, aber eines ist sicher: Wenn die Beobachtung stimmt, dann ist der Goldesel endlich gefunden, nur dass der Goldesel eben kein Goldesel, sondern ein Goldyak.
Von einem Nugget mittlerer Grösse ausgehend, kann man rechnen, dass Humu-Hamu und Bada-Budu dem deutschen Steuerzahler auch noch einmal etliche Milliarden sparen.

Gerücht Nummer vier: Der Verkauf des Kreises Dithmarschen, des Ostalbkreises und des Saarlandes an Bill Gates, Elon Musk oder Mark Zuckerberg. 

Das ist jetzt natürlich eine von den ganz wüsten Verschwörungstheorien, aber man kann sicher sein, stünden der Kreis Dithmarschen, der Ostalbkreis und das Saarland zum Verkauf, würden Bill Gates, Elon Musk oder Mark Zuckerberg zuschlagen.
Da könnte man ja so viele schöne Dinge mit so viel schönem deutschen Boden machen! Die drei hätten genug Geld und keine Skrupel.
Der Verkauf würde dann noch einmal 300 Billiarden in die Kassen spülen.

Es gibt Gerüchte.
Es gibt Gerüchte, dass die deutsche Bundesregierung neue, geheime Geldquellen aufgetan hat.

Denn jetzt mal ganz ehrlich: So, wie da in den letzten Jahren mit Geld um sich geworfen wurde, das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen.
Da war zuerst Corona, da hat man zunächst die einheimische Wirtschaft unterstützen müssen, und dann natürlich in einem zweiten Schritt die gesamte europäische.
Dann kam die Ukraine, und nun muss man die unterstützen, und nebenbei wieder die gesamte eigene Wirtschaft.
Und man braucht hundert Milliarden für die Bundeswehr.
Und man will klimaneutral werden.
Wenn man das alles schaffen will – und zwar ohne eklatant viel neue Schulden – dann muss man an Geld kommen.

Und dann stimmt eine der Sachen oben vielleicht doch.
Es gibt nämlich Gerüchte.
Es gibt Gerüchte, dass die deutsche Bundesregierung neue, geheime Geldquellen aufgetan hat.







   

 

 

Freitag, 24. Juni 2022

Die beiden Ks

Ich glaube ja total an Anklänge und Assonanzen und ich glaube an Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen. Wenn sich Namen und Personen fast gleich anhören, wenn sie die gleichen Konsonanten oder die gleichen Vokale haben, das kann für mich fast kein Zufall sein. Nein, anders formuliert: Natürlich ist es Zufall, aber manchmal ist es zu schön.
Zum Beispiel der Schulz-Effekt und der Scholz-Effekt (anders genannt: SPD schifft ab...) Oder Trump und Trampel.

Oder zum Beispiel a-a-au-e und a-au-e-a. Noch schöner ka-a-au-e und ka-au-e-a. Sie kommen noch nicht drauf? Also machen wir es ganz einfach:
Ka..a. .aue.
und
Ka .au.e.a..
Genau! Kaspar Hauser und Karl Lauterbach.

Schauen Sie sich doch mal das Bild des jungen Hauser an. Also die getuschte Federzeichnung von Johann Georg Laminit (1775–1848) und nicht das Pastell von 1830 von Johann Lorenz Kreul (1764–1840). Da ist doch eine gewisse Ähnlichkeit mit Karlchen nicht zu verleugnen: die Gesichtsform, die ekligen strähnigen Haare, die Nicht-Krawatte, die schlechtsitzende Kleidung. Wenn man ein Foto von Karli neben das Laminit-Bild hält, sehen sie aus wie Brüder.

Ich glaube ja total an Anklänge und Assonanzen und ich glaube an Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen. Wenn sich Namen und Personen fast gleich anhören, wenn sie die gleichen Konsonanten oder die gleichen Vokale haben, das kann für mich fast kein Zufall sein. Nein, anders formuliert: Natürlich ist es Zufall, aber manchmal ist es zu schön.

Was haben die beiden noch miteinander gemeinsam?
Lassen wir doch einmal die Fakten sprechen

Am 26. Mai 1828 traf der Schuhmachermeister Weickmann in Nürnberg einen etwa 16-jährigen Jungen an, der „He Bue“ ausrief und beim Näherkommen „Neue Torstraße“ sagte. Später erinnerte sich Weickmann an eine knappe Unterhaltung, bei der der Junge auf die Frage nach seinem Herkunftsort „Regensburg“ gesagt habe. Er trug einen an einen Rittmeister in Nürnberg (zu diesem Zeitpunkt Friedrich von Wessenig) adressierten Brief bei sich. Nachdem man ihm den Weg zu von Wessenigs Wohnung gezeigt hatte, sagte er zu diesem: „A söchtener Reuter möcht i wern, wie mein Voater gwen is“ („Ein solcher Reiter möchte ich werden, wie mein Vater gewesen ist.“). Von Wessenig ließ den Jungen nach einem kurzen Aufenthalt in seiner Wohnung zur Polizeiwache führen, wo dieser den Namen „Kaspar Hauser“ aufschrieb und zeigte, dass er Geld kannte, Gebete sprechen und beschränkt lesen konnte. Er beantwortete nur wenige Fragen, und sein Wortschatz schien begrenzt zu sein.
(Wikipedia)

Im Frühjahr 2020 traf das deutsche Volk einen etwa 60-jährigen Jungen an, der „Corona“ ausrief und beim Näherkommen „R-Wert“ sagte. Später erinnerte sich das deutsche Volk an eine knappe Unterhaltung, bei der der Junge auf die Frage nach seinem Herkunftsort „Uni“ gesagt habe. Er trug einen an die Bundesregierung (zu diesem Zeitpunkt Angela Merkel) adressierten Brief bei sich. Nachdem man ihm den Weg zu Merkels Büro gezeigt hatte, sagte er zu dieser: „Die Fallzahlen werden steigen.“). Sie liess den Jungen nach einem kurzen Aufenthalt in ihrem Büro zum RKI führen, wo dieser den Namen „Karl Lauterbach“ aufschrieb und zeigte, dass er Geld kannte, Statistiken sprechen und beschränkt lesen konnte. Er beantwortete nur wenige Fragen, und sein Wortschatz schien begrenzt zu sein.

Und hier beginnen die Unterschiede:
Während Kaspar Hauser im Eiltempo lernte, sein Wortschatz sich vergrösserte, ja, wie man förmlich zugucken konnte, wie das Wissen in ihm wuchs, stagnierte Karl.
Karl kannte 2020 die Wörter Corona, Fallzahlen, R-Wert, Inzidenz und Impfung.
Und Maske.
Und Aerosol.
Und viel weiter ist er nicht gekommen.

Es gäbe jetzt eine Menge zu tun im deutschen Gesundheitssystem. Nur zum Beispiel: In 10 Jahren werden wir keine Hausärzte mehr haben. Wer also auf dem Land wohnt und nicht motorisiert ist, muss wegen einer kleinen Magenverstimmung ins 40 km entfernte Klinikum. Wo man ihn belächelt. Oder er geht nicht und es war doch etwas Schlimmes…
Warum kann man keine ausländischen (geflüchteten) Mediziner, die daheim als Klinikchefs gearbeitet haben, bei uns wenigstens als Allgemeinärzte einsetzen? Da müsste man (also Lauterbach) halt mal Gesetze ändern.
Die Liste der To-Do-Sachen ist lang.

Ich glaube ja total an Anklänge und Assonanzen und ich glaube an Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen.
Und so muss ich bei Kaspar Hauser immer mehr an Karl Lauterbach denken. Vor allem weil man bei Hauser immer mehr davon ausgeht, dass er ein Schwindler war…







Dienstag, 21. Juni 2022

Wasser trinken


Liebe Leserin, lieber Leser
Haben Sie heute schon genug getrunken? Haben Sie heute schon getrunken? Trinken Sie überhaupt genug?
Soll man ja.

Und damit meine ich jetzt nicht Wein oder Bier, ich meine nicht Cocktail oder Aperitif, ich meine nicht Schnaps oder Likör, ich meine schlicht und einfach die Substanz, die chemisch H2O genannt wird, im Volksmund aber Wasser heisst. Denn Wein oder Bier, Cocktail oder Aperitif, denn Schnaps oder Likör sind feine Sachen, wenn man nach einem heissen, tropischen, glühenden, sengenden Tag auf der Terrasse sitzt und einen grossartigen Abend geniesst. Aber eben NACH einem heissen, tropischen, glühenden, sengenden Tag. WÄHREND eines heissen und hitzigen, eines über36gradseienden Tages ist einfach Wasser angesagt.
Habe ich jedenfalls von den Fachleuten vernommen.
Es war ja nicht zu fassen, wie viele Experten kurz vor dem Fronleichnamswochenende in ARD und ZDF ihre Tipps zum Besten gaben. Gefragt, wie man am ehesten durch die Tropentage kommt, gaben Anthropologen und Humanmediziner weiter, man solle Schattenplätze aufsuchen und viel trinken.
Schatten und viel trinken. Und frühmorgens durchlüften und dann Rollläden runter.
Tja. Wäre man ohne Dr. Herbert Flüh (Anthropologe, Uni Hamburg) und Dr. Jaqueline Meier (Allgemeinmedizinerin, Uni Mainz) ja nicht drauf gekommen…

Liebe Leserin, lieber Leser
Haben Sie heute schon genug getrunken? Haben Sie heute schon getrunken? Trinken Sie überhaupt genug?
Soll man ja.

Also, ich gehe ja nicht mehr ohne Wasserflasche aus dem Haus. Und zwar mit so einer ganz modernen, mit Hebelverschluss und Verriegelung, ganz High-Tech.
Und nun stehe ich aber vor dem einen Problem: Einen Teil des vielen Wassers, des vielen H2O schwitze ich aus, der andere Teil aber will unten hinaus. Und das ist bei Leuten, die mit dem ÖV unterwegs sind, nicht so ganz ohne. Busse und Trams haben kein WC, an den Haltestellen hat es auch nix, in den Bahnhof zahle ich ein Vermögen und in den Zügen sind die Klos dreckig oder abgesperrt. Es gäbe nun Männer, die sich einfach in eine Ecke stellen, ihren Schniedel auspacken und einfach in diese Ecke pieseln, ich gehöre da nicht dazu.
Zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge würde also nicht nur der ständige Appell zum Wassertrinken gehören, sondern auch die Bereitstellung von massenhaft WCs.
Warum trinken alte Menschen immer zu wenig? Nicht – so wie man immer behauptet – weil sie es vergessen, nein, sondern weil jeder Klogang ein Abenteuer ist. Aufstehen (mühsam genug), Stock nehmen, zum Klo hinken, dann teilweise abziehen, usw., usw., alles ein ungeheurer Akt…
Nein, bitte mehr Klos und ´dann trinken auch die ÖVler mehr Wasser. Und zwar WCs, die zwei Bedingungen erfüllen:
Sauber.
Gratis.

Liebe Leserin, lieber Leser
Haben Sie heute schon genug getrunken? Haben Sie heute schon getrunken? Trinken Sie überhaupt genug?
Soll man ja.

Ja, es genügt, wenn Sie einfach Wasser trinken.
Und zwar H2O aus dem Hahn, Leitungswasser, das ist nämlich eine wunderbare Sache, die wir gar nicht hoch genug einschätzen können. Viele Menschen auf der Welt haben das nämlich nicht. Wir können einfach einen Hahn aufdrehen und da kommt trinkbares Wasser raus. Und das dann in die Trinkflasche: Super.
Nein, wir brauchen keine Spezialgetränke. Woolly®, das isotonische, vitaminisierte, vollgeboosterte Wasser mit Ingwer, Zitrone, Kakaobohne und Hafer, ist sicher etwas Lustiges, aber nicht mehr. Und sind Sie wirklich bereit, dafür 12.-- SFr. auszugeben? Für den Preis können Sie literweise Mineralwasser kaufen, von Leitungswasser will man gar nicht reden… Man kann es nicht deutlich genug sagen: Woolly®, das isotonische, vitaminisierte, vollgeboosterte Wasser mit Ingwer, Zitrone, Kakaobohne und Hafer ist reine Geldmacherei.
Das gleiche gilt für Rolly®, Willy® und Gully® und wie die In-Wasser alle heissen…

Liebe Leserin, lieber Leser
Haben Sie heute schon genug getrunken? Haben Sie heute schon getrunken? Trinken Sie überhaupt genug?
Soll man ja.

Und genau das werde ich jetzt wieder tun: Wasser trinken.
Und zwar nicht, weil mir das gerade jemand empfohlen hat. Sondern weil ich das immer schon wusste.
Und, ach ja, ich bin zuhause und das WC ist nicht weit.
Und: Ich trinke Wasser ganz ohne Geschmack.
Ok.
Vielleicht kommt als Gipfel des Genusses ein Zitronenschnitz hinein.

 

 

 

   

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 17. Juni 2022

Warum ich 70 Jahre Queen überging

Liebe Leserinnen und Leser

Nun werden sich einige doch gewundert haben, dass ich diesen komischen Weg mit Gelübde und Schwur und Eid gegangen bin, diesen Satz genommen habe, den mir das Schicksal vorgab, diese Jephta-Geschichte gemacht habe, dabei hätte es doch ein so wichtiges Thema gegeben, das ich verpasst hätte:
Die Queen.
Wegen dieser ganzen Story mit Gelübde und Schwur und Eid und Versprechen hätte ich es verpasst, Elizabeth II zum 70sten Thronjubiläum zu gratulieren.

Nein, liebe Leserinnen und Leser, das ist ganz bewusst geschehen. Ich habe alte Post durchforstet, was ich über Lizzy schon so geschrieben habe und stiess dabei auf einen Post vom 15. 9. 2015. In diesem habe ich Lisbeth nicht nur gebührend, ich habe sie überschwänglich gefeiert. Ich habe ihr alle grossen Lieder gesungen (im Stile von da-da-damm usw…) und sie hochleben lassen. In jenem Sommer brach die gute Queen nämlich den Sesselkleberrekord, das heisst, sie war länger im Amt als alle ihre Vorgängerinnen und Vorgänger.

Und nun habe ich mal meine Post und meine Mails durchforstet und beim Durchforsten meiner Mails und meiner Post stellte ich fest: Windsor hat sich nie bedankt. Es wäre doch angebracht gewesen, einen so triumphalen, so überschwänglichen, einen so grandiosen, einen so mit Glückwünschen und Hurra-Liedern gespickten Post mit einem kleinen Zweizeiler, mit einer kleinen Notiz zu verdanken.

Jetzt werden Sie einwenden, dass Lizzy nun wirklich keine Zeit hat, die 1000 Briefe, die sie jeden Tag bekommt, selbst zu beantworten. Das verlangt nun aber auch keiner. Aber je älter sie wird, je länger sie auf dem Thron ist, umso mehr schreiben ihr die Leute, und da muss sie halt noch ein paar Leute einstellen. Wenn ihre Poststelle zum Beispiel mit 50 Jahren Amt 50 Leute hatte, dann muss sie mit 70 Jahren Amt halt 70 Leute haben.
Geld?
Gute Güte, Lizzy ist die reichste Frau des Landes, da wird ja wohl ein bisschen Money für Fanarbeit übrig sein. Ja, und das Vereinigte Königreich hat zurzeit genügend Arbeitslose, da könnte man echt die Arbeitslosenquote ein wenig nach unten drücken.

Und für den Job eines Queen-Fan-Post-Beantworter (oder in deutscher Manier Queenfanpostbeantworter) muss man nicht studiert haben, die meisten der Menschen, deren Briefe und Mails, deren Pakete und Päckchen, die Leute, deren Schreiben und Nachrichten man hier beantworten soll und muss, sind so dumm, dass sie grammatikalische oder orthografische Fehler nicht bemerken würden.
Das war jetzt ein Eigentor – das habe ich wohl bemerkt.

Aber zurück zu meiner Posterei: Weil Lisbeth den Post vom 15. 9. 2015 unbeantwortet liess, habe ich mich entschlossen, ihr zum 70sten Jubiläum nicht zu gratulieren.
So einfach.

Aber es kommt noch etwas hinzu.
Ich erwähnte in jenem Text von vor 7 Jahren, dass ich mit 1 Jahr der Queen zugewinkt habe. Und auf einmal, ganz plötzlich, ganz unvermittelt stand diese Szene wieder vor meinen Augen. (Also natürlich, erinnere ich mich nicht, sondern ich erinnere mich an das, was meine Mutter mir erzählte: Dass wir am Fenster der Wohnung meiner Grossmutter in der Schwarenbergstrasse standen und Lisbeth, von der Innenstadt kommend und zum Fernsehturm fahrend, vorbeifuhr. Und dass ich ihr gewinkt habe.)
Nun fiel es mir aber beim Lesen des Posts wie Schuppen von den Augen: Lisbeth hat nicht zurückgewinkt!
Einfach nicht.
Ignoriert hat sie mich.

Ob das – auch im alten Post erwähnte – Marbach-Ereignis vorher war, also ob Lisbeth schon sowieso sauer war, das lässt sich nicht mehr eruieren. Das Marbach-Ereignis war so, dass sie in das Landesgestüt Marbach bei Urach wollte und nur „Marbach“ geschrieben hatte und man sie durch die Schillerstadt führte und sie nach 2 Stunden Geburtshaus, Archiv und Glocke und Räuber die Worte sprach: „Very nice, but where are the horses?“
Ob sie nun deshalb stinkig war und mich deshalb übersah oder aus anderem Grund:
Sie hat mich ignoriert.

Bei Jonas Jonasson wird iin einem seiner Bücher aus einem glühenden schwedischen Monarchisten ein Anarchist, weil der König ihn nicht grüsst. Er arbeitet Jahre auf den Moment hin, auf der Kurpromenade dem Monarchen zu salutieren, und der schwedische König läuft einfach weiter. Da wird er zum erbitterten Feind der Monarchie.
So schlimm ist es bei mir nicht.
Aber ich gratuliere deshalb nicht.

Liebe Leserinnen und Leser
Einige waren erstaunt, dass ich diesen komischen Weg mit Gelübde genommen habe, diese Jephta-Geschichte gemacht habe, dabei hätte es doch ein zentrales Thema gegeben, das ich versäumt hätte:
Die Queen.
Nein. Ich habe es bewusst ignoriert. Und wenn Lizzy eine Gratulation will, dann soll sie mir winken. Auf zoom. Oder Skype. Oder Teams.