Willkommen, liebe Leserin, lieber Leser!
Willkommen zum Abschluss unseres grossen Special mit dem ultimativen Tipp zur Burnout-Vermeidung!
Und hier ist er:
Sie dürfen selbst gesteckte Ziele auch einmal verfehlen!
Wenn Sie selbst sich eine bestimmte Menge, eine bestimmte Perfektion vorgenommen haben, wenn Sie selbst sich eine bestimmte Latte gehängt haben, wird niemand meckern, wenn Sie das Ziel nicht erreichen.
Wer sagt Ihnen, dass Ihr Wohnzimmer so steril wie der OP des örtlichen Klinikums sein muss?
Wer zwingt Sie, jeden Kuchen selber zu backen?
Wer lässt Sie jeden Tag 7 km zu joggen? Könnten es nicht auch einmal 5 sein?
Warum geben Sie jedes Dokument einen Monat vor der Deadline ab?
Wer sagt Ihnen, dass ein Post immer über 500 Wörter haben muss?
Freitag, 16. Februar 2018
Dienstag, 13. Februar 2018
Burnout-Special (4): Die Karthager bleiben daheim
Protokoll
der Sitzung des Karthagischen Ministerrates am vierten Neumondtag im 845. Jahre
der Grossen Göttin.
Anwesend:
Hannibal, Hannukar, Hannomam, Hannifu, Hanneju, Hannesion, Hanneip
Hannibal
eröffnet zu Beginn der zweiten Stunde die Sitzung und begrüsst die anwesenden
Minister.
1)
Traktandenliste
Die Traktandenliste wird einstimmig genehmigt.
2)
Protokoll der letzten Sitzung
Das Protokoll der Sitzung am zweiten Vollmondtag des 845.
Jahres der Grossen Göttin wird mit folgenden Änderungen genehmigt: Zu 1.): Es
muss «hroid zut bisch» und nicht «roid utz bisch» heissen, zu 5.): «Hannukar
ptyt lofom» statt «Hannukar ptys lofum».
3)
Nachwahl für Hannifu
Hannifu der Vierzehnte tritt auf Ende des Jahres aus
Altersgründen (er ist 102) zurück. Er schlägt seinen Sohn Hannifu den
Fünfzehnten als Kandidaten vor. Dieser wird mit einer Enthaltung gewählt.
4)
Jahresministeressen
Das OK (Hanneju und Hannesion) schlagen als Menü Gefülltes
Kamel mit Dattelsauce, als Vorspeise Fischgratin und als Dessert Feigensalat
vor. Der Vorschlag wird gutgeheissen.
5)
Angriff auf Rom
Zu Beginn
des Hauptraktandums schildert Hannibal seine Pläne, mit der gesamten Armee
inklusive Elefanten nach Rom zu reisen und dort die Römer, den Erzfeind, zu
überfallen. Der Reiseweg ginge via Gibraltar durch Hispania, dann über die
Alpen und von Norden auf die Ewige Stadt. Vorteil wäre es, dass die Römer einen
solchen Angriff von dieser Seite auf keinen Fall erwarten würden und man die
endlose Kriegerei nun beenden könne. Rom sei innert Jahresfrist Teil des
Punischen Reiches.
Hanneju
begrüsst den Vorschlag Hannibals, es sei eine mutige, aber machbare Aktion, sie
müsse nur gut geplant werden, er stehe voll hinter der Sache und werde seine
3000 Soldaten gerne darauf trainieren.
Hannomam
äussert sich skeptisch, es sei ein «Wahnsinnstress», den man Mensch und Tier
hier zumute, ein Gewaltmarsch sondergleichen, von dem man ja nicht wisse, ob er
gelinge und wie Tier und Mensch mit der Belastung umgingen. So weit er wisse, herrschten
in diesen Alpen Minusgrade und die Wege seien steil und steinig. Er könne sich
nicht vorstellen, wie Elefanten, die warme Temperaturen und weite Ebenen
gewohnt seien, diese Berge bewältigen könnten.
Hannesion
meint, Hannomam sei eine Memme und immer eine Memme gewesen.
Hannibal
bittet alle, sachlich zu bleiben.
Hannesion
entschuldigt sich für die «Memme» und stellt sich wie Hanneju voll hinter
Hannibal.
Hannifu und
Hannukar legen nun vor allem die finanzielle Seite der Unternehmung dar: Bei
einer Nichteroberung Roms – und der Sieg sei nicht gesichert – drohe der Bankrott;
es müssten Millionen in diesen Marsch gelegt werden, ganz zu schweigen davon,
dass alle Soldaten während des Feldzuges nicht auf ihren Feldern arbeiten
könnten und nicht in ihren Werkstätten.
Nun meldet
sich Hanneip mit folgender Idee zu Wort: Ob es nicht besser sei, die Römer nach
Afrika zu locken und sie vor den Toren Karthagos vernichtend zu schlagen? Das
sei stressfreier, relaxter und auch viel billiger. Man wisse – oder er wisse –
dass es im Senat einen Staatsmann gebe, der seit langem für einen Afrikafeldzug
plädiere, sein CETERUM CENSEO CARTHAGINEM ESSE DELENDAM sei ja berühmt. Wenn
man Cato jetzt irgendwie falsche Informationen zuspielen könnte, z.B. dass die
Punier schwach, schlecht gerüstet, unterernährt oder sonst was seien, setze
dieser sich eventuell durch und überzeuge den Senat. Dann könne man entspannt
auf die Römer warten, sie hier vernichtend schlagen und sie zur Kapitulation
zwingen.
Hannibal
will aber seinen Zug.
Man
schreitet zur Abstimmung: Der Alpen-Plan wird mit 4:3 Stimmen abgelehnt.
6)
Varia
waren keine
traktandiert.
Hannibal
schliesst – enttäuscht, aber Demokratie ist Demokratie – um die dritte Stunde
die Sitzung.
Für das
Protokoll
Fludsba
(Schreibsklave)
Donnerstag, 8. Februar 2018
Burnout-Special (3): Noah darf nicht zu früh von Bord
Beim epochalen Fund in
Qumran tauchte auch ein Absatz aus der Genesis auf, der später gestrichen
worden war. Hier sind – zum ersten Male im Netz! – die Zeilen:
1 Am
fünfundzwanzigsten Tag der Fahrt der Arche wurde es Noah öde und er rief zum
HERRN: HERR, es ist öde und trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So
lasse die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
2 Und der HERR
antwortete: Noah, du hast dich sehr verausgabt beim Bau, du bist noch nicht
erholt, so warte noch ab und mache Pause.
3 Ich aber will
dir etwas zu tun geben: Nimm eine Schiefertafel und zeichne drei Quadrate,
eines in das andere, verbinde dann mit Linien von der Mitte, nur das mittlere
Quadrat lasse frei. Spiele dann nach den folgenden Regeln:
4 Ein jeder Spieler hat neun Steine, setzt die Steine auf
die Schnittpunkte, sind alle gesetzt, dann ziehet, je einen Punkt weiter. Wer
drei Steine in einer Reihe hat, darf dem anderen einen wegnehmen. Hat ein
Spieler der Steine nur noch dreie, darf er springen. Wer nur noch der Steine
zweie hat, hat verloren.
5 Und Noah tat,
wie ihm geheissen und machte das Spiel. Und Noah, Sem, Ham und Japhet und deren
Frauen spielten vergnüglich und es verging die Zeit.
6 Und Noah nannte
das Spiel El-H’eum, das heisst «Gott hat Ideen»
7 Aber am
dreissigsten Tag wurde es Noah wieder öde und er rief zum abermals zum HERRN:
HERR, es ist öde und trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So lasse
die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
8 Und der HERR
antwortete abermals: Noah, du bist noch nicht erholt, so warte noch ab und
mache Pause.
9 Tue aber das
Folgende: Nimm kleine Säcklein und tue Gegenstände hinein, je zwei gleiche so
wie bei den Tieren. Tue aber keine Tiere in die Säcke, sondern Dinge. Stelle
dann die Säcklein auf einen Tisch. Man muss herausfinden, in welchen Säckchen
die gleichen Sachen sind. Man darf hineinschauen, muss sich aber die Stelle
merken.
10 Und Noah tat,
wie ihm geheissen und machte das Spiel. Und Noah, Sem, Ham und Japhet und deren
Frauen spielten vergnüglich und es verging die Zeit.
11 Und Noah
nannte das Spiel Mem-or-im, das heisst «Wir erinnern uns und gedenken der Treue
des Ewigen».
12 Aber am
fünfunddreissigsten Tag der Fahrt wurde es Noah abermals öde und er rief zum
HERRN: HERR, es ist trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So lasse
die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
13 Und der HERR
antwortete: Noah, du hast dich sehr verausgabt beim Bau, so warte noch ab und
mache Pause.
14 Ich aber gebe
dir noch etwas: Gehe durch die Reihen deiner Tiere und merke dir
Besonderheiten. Versammle dann deine Sippe und frage sie nach den Dingen, die
sie wissen.
15 Und Noah tat,
wie ihm geheissen und fragte Sem, Ham und Japhet und ihre Frauen nach der Länge
der Rüssel, nach der Grösse der Schnäbel und nach der Kürze der Wollhaare. Und
sie hatten viel Freude bei der Sache.
16 Und Noah
nannte das Spiel El-Qu’i-z, das bedeutet «Ich frage mich nach der Güte des
HERRN».
17 Und am
vierzigsten Tag sprach der HERR zu Noah: Nun bist du erholt und kräftig für
deine Aufgabe. Ich lasse die Wasser nun zurückfliessen und setze den
Regenbogen. Bebaue und bepflanze die Erde, mache aber immer wieder eine Pause
und spiele die Spiele.
18 Und Noah, Sem,
Ham und Japhet und ihre Frauen traten aus der Arche und begann zu arbeiten.
Aber immer wieder machten sie eine Pause und betrieben El-H’eum, Mem-o-rim und
El-Qu’iz. Und sie nannten das Spi-El-Abn'd, das heisst «Wir machen Pause und
loben Gott.»
Montag, 5. Februar 2018
Burnout-Special (2): Pause zwischen Marathon und Athen
Eine Taverne in Myoklos, einige Meilen vor
Athen. Niades, der Wirt, steht eine Weile herum, bis Phyllikos, ein erschöpfter
Soldat, hereinstürzt und sich an einen der Tische setzt.
Phyllikos: Bring mir ein Becher Wein.
Niades: Einen Becher Wein.
Phyllikos: Und ein wenig Brot. Und Oliven.
Niades: Ein wenig Brot. Und Oliven.
Phyllikos: Wiederhole nicht alles, was ich
sage, sondern bringe die Sachen.
Der Wirt holt die gewünschten Dinge.
Niades: Du kommst aus Marathon?
Phyllikos: Ich komme aus Marathon.
Niades: Du warst in der Schlacht?
Phyllikos: Ich habe gekämpft wie ein Löwe und
gefochten wie ein Stier.
Niades: Ich wage kaum zu fragen: Haben
wir gewonnen?
Phyllikos: Wir haben glänzend gesiegt.
Niades: Und nun bist du auf dem Weg nach
Athen, um Meldung zu machen?
Phyllikos: Ich bin auf dem Weg, viele Meilen
bin ich gerannt.
Niades: Und warum rennst du nicht
weiter?
Phyllikos: Weil ich erschöpft bin, weil ich ein
wenig Ruhe und Wein und Speise brauche.
Niades: Aber wenn du weitergelaufen
wärest, würden die Athener früher vom Sieg erfahren.
Phyllikos: Wenn ich vorher zusammenbräche, dann
würde die Botschaft nicht ankommen.
Niades: Vielleicht hättest du es
geschafft.
Phyllikos: Vielleicht hätte ich es geschafft.
Und hätte gerade noch den Sieg verkündet und wäre dann gestorben,
zusammengeklappt vor Erschöpfung.
Niades: Es wäre es wert gewesen.
Phyllikos: Es wäre es nicht wert gewesen. Eine
Stunde eher die Botschaft, aber ein Toter.
Niades: So stellst du dein eigenes
Wohlergehen gegen die Freude des Staates?
Phyllikos: Ich stelle meine Gesundheit nicht
dagegen, aber höher.
Niades: Dein Körper ist dir näher als
die Ohren deines Volkes?
Phyllikos: Mein Körper ist mir näher.
Niades: Du bist egoistisch und
selbstverliebt, Soldat.
Phyllikos: Das mag sein. Aber ich bin
vernünftig.
Niades: In der Stunde der Not UND in der
Stunde des Sieges ist Vernunft nicht angebracht.
Phyllikos: Vernunft ist immer angebracht.
Niades: Aber du wirst weiterrennen?
Phyllikos: Ich werde weiterrennen, wenn ich
erholt bin.
Niades: Und wenn du dich in der nächsten
Stunde nicht erholst?
Phyllikos: Dann werde ich hier übernachten und
morgen weiterlaufen.
Niades: In dem Fall erführen die
Bewohner Athens einen Tag zu spät vom Sieg.
Phyllikos: Es ist auch morgen, übermorgen und
überübermorgen noch eine schöne Botschaft.
Niades: Wie gesagt, du bist ein Egoist.
Phyllikos: Aber… wenn dir die Überbringung der
Nachricht so wichtig ist, warum rennst du nicht?
Niades: Ich soll rennen? Und du?
Phyllikos: Ich werde hierbleiben, ruhen und
wenn die Gäste kommen, bedienen.
Niades: Aber ich bin nicht kräftig
genug.
Phyllikos: Es sind nur noch ein paar Meilen.
Niades: Ich bin kein Läufer, bin kein
Bote.
Phyllikos: Ich war es auch nicht, man hat mich
dazu verdonnert.
Niades: Ich würde auf dem Markplatz die
Botschaft verkünden und zusammenbrechen.
Phyllikos: So stellst auch du dein Wohl über
das Wohl des Staates?
Niades: Das ist etwas anderes.
Phyllikos: Es ist nichts anderes, auch dir ist
dein Körper näher.
Niades: Du kannst das nicht vergleichen.
Phyllikos: Ich kann es vergleichen, auch du
bist ein Egoist.
Niades: Bin ich nicht, ich schaffe es
einfach nicht.
Phyllikos: Ich hätte es auch nicht geschafft
ohne die Pause bei dir. Geben wir zu: Nichts ist den eigenen Tod wert.
Niades: Vielleicht hast du recht.
Phyllikos: Natürlich habe ich recht. Aber jetzt
werde ich weiterrennen.
Niades: Wirst du?
Phyllikos: Ich bin erholt, ich laufe weiter.
Niades: Dann gutes Rennen.
Phyllikos erhebt sich
und spurtet los.
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