Freitag, 16. Februar 2018

Burnout-Special (5): Der ultimative Tipp

Willkommen, liebe Leserin, lieber Leser!
Willkommen zum Abschluss unseres grossen Special mit dem ultimativen Tipp zur Burnout-Vermeidung!

Und hier ist er:
Sie dürfen selbst gesteckte Ziele auch einmal verfehlen!
Wenn Sie selbst sich eine bestimmte Menge, eine bestimmte Perfektion vorgenommen haben, wenn Sie selbst sich eine bestimmte Latte gehängt haben, wird niemand meckern, wenn Sie das Ziel nicht erreichen.

Wer sagt Ihnen, dass Ihr Wohnzimmer so steril wie der OP des örtlichen Klinikums sein muss?
Wer zwingt Sie, jeden Kuchen selber zu backen?
Wer lässt Sie jeden Tag 7 km zu joggen? Könnten es nicht auch einmal 5 sein?
Warum geben Sie jedes Dokument einen Monat vor der Deadline ab?

Wer sagt Ihnen, dass ein Post immer über 500 Wörter haben muss?

Dienstag, 13. Februar 2018

Burnout-Special (4): Die Karthager bleiben daheim



Protokoll der Sitzung des Karthagischen Ministerrates am vierten Neumondtag im 845. Jahre der Grossen Göttin.

Anwesend: Hannibal, Hannukar, Hannomam, Hannifu, Hanneju, Hannesion, Hanneip

Hannibal eröffnet zu Beginn der zweiten Stunde die Sitzung und begrüsst die anwesenden Minister.

1)      Traktandenliste
Die Traktandenliste wird einstimmig genehmigt.
2)      Protokoll der letzten Sitzung
Das Protokoll der Sitzung am zweiten Vollmondtag des 845. Jahres der Grossen Göttin wird mit folgenden Änderungen genehmigt: Zu 1.): Es muss «hroid zut bisch» und nicht «roid utz bisch» heissen, zu 5.): «Hannukar ptyt lofom» statt «Hannukar ptys lofum».
3)      Nachwahl für Hannifu
Hannifu der Vierzehnte tritt auf Ende des Jahres aus Altersgründen (er ist 102) zurück. Er schlägt seinen Sohn Hannifu den Fünfzehnten als Kandidaten vor. Dieser wird mit einer Enthaltung gewählt.
4)      Jahresministeressen
Das OK (Hanneju und Hannesion) schlagen als Menü Gefülltes Kamel mit Dattelsauce, als Vorspeise Fischgratin und als Dessert Feigensalat vor. Der Vorschlag wird gutgeheissen.
5)      Angriff auf Rom
Zu Beginn des Hauptraktandums schildert Hannibal seine Pläne, mit der gesamten Armee inklusive Elefanten nach Rom zu reisen und dort die Römer, den Erzfeind, zu überfallen. Der Reiseweg ginge via Gibraltar durch Hispania, dann über die Alpen und von Norden auf die Ewige Stadt. Vorteil wäre es, dass die Römer einen solchen Angriff von dieser Seite auf keinen Fall erwarten würden und man die endlose Kriegerei nun beenden könne. Rom sei innert Jahresfrist Teil des Punischen Reiches.
Hanneju begrüsst den Vorschlag Hannibals, es sei eine mutige, aber machbare Aktion, sie müsse nur gut geplant werden, er stehe voll hinter der Sache und werde seine 3000 Soldaten gerne darauf trainieren.
Hannomam äussert sich skeptisch, es sei ein «Wahnsinnstress», den man Mensch und Tier hier zumute, ein Gewaltmarsch sondergleichen, von dem man ja nicht wisse, ob er gelinge und wie Tier und Mensch mit der Belastung umgingen. So weit er wisse, herrschten in diesen Alpen Minusgrade und die Wege seien steil und steinig. Er könne sich nicht vorstellen, wie Elefanten, die warme Temperaturen und weite Ebenen gewohnt seien, diese Berge bewältigen könnten.
Hannesion meint, Hannomam sei eine Memme und immer eine Memme gewesen.
Hannibal bittet alle, sachlich zu bleiben.
Hannesion entschuldigt sich für die «Memme» und stellt sich wie Hanneju voll hinter Hannibal.
Hannifu und Hannukar legen nun vor allem die finanzielle Seite der Unternehmung dar: Bei einer Nichteroberung Roms – und der Sieg sei nicht gesichert – drohe der Bankrott; es müssten Millionen in diesen Marsch gelegt werden, ganz zu schweigen davon, dass alle Soldaten während des Feldzuges nicht auf ihren Feldern arbeiten könnten und nicht in ihren Werkstätten.
Nun meldet sich Hanneip mit folgender Idee zu Wort: Ob es nicht besser sei, die Römer nach Afrika zu locken und sie vor den Toren Karthagos vernichtend zu schlagen? Das sei stressfreier, relaxter und auch viel billiger. Man wisse – oder er wisse – dass es im Senat einen Staatsmann gebe, der seit langem für einen Afrikafeldzug plädiere, sein CETERUM CENSEO CARTHAGINEM ESSE DELENDAM sei ja berühmt. Wenn man Cato jetzt irgendwie falsche Informationen zuspielen könnte, z.B. dass die Punier schwach, schlecht gerüstet, unterernährt oder sonst was seien, setze dieser sich eventuell durch und überzeuge den Senat. Dann könne man entspannt auf die Römer warten, sie hier vernichtend schlagen und sie zur Kapitulation zwingen.
Hannibal will aber seinen Zug.
Man schreitet zur Abstimmung: Der Alpen-Plan wird mit 4:3 Stimmen abgelehnt.

6)      Varia

waren keine traktandiert.

Hannibal schliesst – enttäuscht, aber Demokratie ist Demokratie – um die dritte Stunde die Sitzung.

Für das Protokoll
Fludsba (Schreibsklave)



Donnerstag, 8. Februar 2018

Burnout-Special (3): Noah darf nicht zu früh von Bord



Beim epochalen Fund in Qumran tauchte auch ein Absatz aus der Genesis auf, der später gestrichen worden war. Hier sind – zum ersten Male im Netz! – die Zeilen:
1 Am fünfundzwanzigsten Tag der Fahrt der Arche wurde es Noah öde und er rief zum HERRN: HERR, es ist öde und trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So lasse die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
2 Und der HERR antwortete: Noah, du hast dich sehr verausgabt beim Bau, du bist noch nicht erholt, so warte noch ab und mache Pause.
3 Ich aber will dir etwas zu tun geben: Nimm eine Schiefertafel und zeichne drei Quadrate, eines in das andere, verbinde dann mit Linien von der Mitte, nur das mittlere Quadrat lasse frei. Spiele dann nach den folgenden Regeln:
4 Ein jeder Spieler hat neun Steine, setzt die Steine auf die Schnittpunkte, sind alle gesetzt, dann ziehet, je einen Punkt weiter. Wer drei Steine in einer Reihe hat, darf dem anderen einen wegnehmen. Hat ein Spieler der Steine nur noch dreie, darf er springen. Wer nur noch der Steine zweie hat, hat verloren.
5 Und Noah tat, wie ihm geheissen und machte das Spiel. Und Noah, Sem, Ham und Japhet und deren Frauen spielten vergnüglich und es verging die Zeit.
6 Und Noah nannte das Spiel El-H’eum, das heisst «Gott hat Ideen»
7 Aber am dreissigsten Tag wurde es Noah wieder öde und er rief zum abermals zum HERRN: HERR, es ist öde und trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So lasse die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
8 Und der HERR antwortete abermals: Noah, du bist noch nicht erholt, so warte noch ab und mache Pause.
9 Tue aber das Folgende: Nimm kleine Säcklein und tue Gegenstände hinein, je zwei gleiche so wie bei den Tieren. Tue aber keine Tiere in die Säcke, sondern Dinge. Stelle dann die Säcklein auf einen Tisch. Man muss herausfinden, in welchen Säckchen die gleichen Sachen sind. Man darf hineinschauen, muss sich aber die Stelle merken.
10 Und Noah tat, wie ihm geheissen und machte das Spiel. Und Noah, Sem, Ham und Japhet und deren Frauen spielten vergnüglich und es verging die Zeit.
11 Und Noah nannte das Spiel Mem-or-im, das heisst «Wir erinnern uns und gedenken der Treue des Ewigen».
12 Aber am fünfunddreissigsten Tag der Fahrt wurde es Noah abermals öde und er rief zum HERRN: HERR, es ist trist auf dem Schiff, ich weiss nicht, was tun. So lasse die Wasser zurückgehen und mich auf die Erde, dass ich baue und pflanze.
13 Und der HERR antwortete: Noah, du hast dich sehr verausgabt beim Bau, so warte noch ab und mache Pause.
14 Ich aber gebe dir noch etwas: Gehe durch die Reihen deiner Tiere und merke dir Besonderheiten. Versammle dann deine Sippe und frage sie nach den Dingen, die sie wissen.
15 Und Noah tat, wie ihm geheissen und fragte Sem, Ham und Japhet und ihre Frauen nach der Länge der Rüssel, nach der Grösse der Schnäbel und nach der Kürze der Wollhaare. Und sie hatten viel Freude bei der Sache.
16 Und Noah nannte das Spiel El-Qu’i-z, das bedeutet «Ich frage mich nach der Güte des HERRN».
17 Und am vierzigsten Tag sprach der HERR zu Noah: Nun bist du erholt und kräftig für deine Aufgabe. Ich lasse die Wasser nun zurückfliessen und setze den Regenbogen. Bebaue und bepflanze die Erde, mache aber immer wieder eine Pause und spiele die Spiele.
18 Und Noah, Sem, Ham und Japhet und ihre Frauen traten aus der Arche und begann zu arbeiten. Aber immer wieder machten sie eine Pause und betrieben El-H’eum, Mem-o-rim und El-Qu’iz. Und sie nannten das Spi-El-Abn'd, das heisst «Wir machen Pause und loben Gott.»



Montag, 5. Februar 2018

Burnout-Special (2): Pause zwischen Marathon und Athen



Eine Taverne in Myoklos, einige Meilen vor Athen. Niades, der Wirt, steht eine Weile herum, bis Phyllikos, ein erschöpfter Soldat, hereinstürzt und sich an einen der Tische setzt.

Phyllikos:            Bring mir ein Becher Wein.
Niades:                Einen Becher Wein.
Phyllikos:            Und ein wenig Brot. Und Oliven.
Niades:                Ein wenig Brot. Und Oliven.
Phyllikos:            Wiederhole nicht alles, was ich sage, sondern bringe die Sachen.
Der Wirt holt die gewünschten Dinge.
Niades:                Du kommst aus Marathon?
Phyllikos:            Ich komme aus Marathon.
Niades:                Du warst in der Schlacht?
Phyllikos:            Ich habe gekämpft wie ein Löwe und gefochten wie ein Stier.
Niades:                Ich wage kaum zu fragen: Haben wir gewonnen?
Phyllikos:            Wir haben glänzend gesiegt.
Niades:                Und nun bist du auf dem Weg nach Athen, um Meldung zu machen?
Phyllikos:            Ich bin auf dem Weg, viele Meilen bin ich gerannt.
Niades:                Und warum rennst du nicht weiter?
Phyllikos:            Weil ich erschöpft bin, weil ich ein wenig Ruhe und Wein und Speise brauche.
Niades:                Aber wenn du weitergelaufen wärest, würden die Athener früher vom Sieg erfahren.
Phyllikos:            Wenn ich vorher zusammenbräche, dann würde die Botschaft nicht ankommen.
Niades:                Vielleicht hättest du es geschafft.
Phyllikos:            Vielleicht hätte ich es geschafft. Und hätte gerade noch den Sieg verkündet und wäre dann gestorben, zusammengeklappt vor Erschöpfung.
Niades:                Es wäre es wert gewesen.
Phyllikos:            Es wäre es nicht wert gewesen. Eine Stunde eher die Botschaft, aber ein Toter.
Niades:                So stellst du dein eigenes Wohlergehen gegen die Freude des Staates?
Phyllikos:            Ich stelle meine Gesundheit nicht dagegen, aber höher.
Niades:                Dein Körper ist dir näher als die Ohren deines Volkes?
Phyllikos:            Mein Körper ist mir näher.
Niades:                Du bist egoistisch und selbstverliebt, Soldat.
Phyllikos:            Das mag sein. Aber ich bin vernünftig.
Niades:                In der Stunde der Not UND in der Stunde des Sieges ist Vernunft nicht angebracht.
Phyllikos:            Vernunft ist immer angebracht.
Niades:                Aber du wirst weiterrennen?
Phyllikos:            Ich werde weiterrennen, wenn ich erholt bin.
Niades:                Und wenn du dich in der nächsten Stunde nicht erholst?
Phyllikos:            Dann werde ich hier übernachten und morgen weiterlaufen.
Niades:                In dem Fall erführen die Bewohner Athens einen Tag zu spät vom Sieg.
Phyllikos:            Es ist auch morgen, übermorgen und überübermorgen noch eine schöne Botschaft.
Niades:                Wie gesagt, du bist ein Egoist.
Phyllikos:            Aber… wenn dir die Überbringung der Nachricht so wichtig ist, warum rennst du nicht?
Niades:                Ich soll rennen? Und du?
Phyllikos:            Ich werde hierbleiben, ruhen und wenn die Gäste kommen, bedienen.
Niades:                Aber ich bin nicht kräftig genug.
Phyllikos:            Es sind nur noch ein paar Meilen.
Niades:                Ich bin kein Läufer, bin kein Bote.
Phyllikos:            Ich war es auch nicht, man hat mich dazu verdonnert.
Niades:                Ich würde auf dem Markplatz die Botschaft verkünden und zusammenbrechen.
Phyllikos:            So stellst auch du dein Wohl über das Wohl des Staates?
Niades:                Das ist etwas anderes.
Phyllikos:            Es ist nichts anderes, auch dir ist dein Körper näher.
Niades:                Du kannst das nicht vergleichen.
Phyllikos:            Ich kann es vergleichen, auch du bist ein Egoist.
Niades:                Bin ich nicht, ich schaffe es einfach nicht.
Phyllikos:            Ich hätte es auch nicht geschafft ohne die Pause bei dir. Geben wir zu: Nichts ist den eigenen Tod wert.
Niades:                Vielleicht hast du recht.
Phyllikos:            Natürlich habe ich recht. Aber jetzt werde ich weiterrennen.
Niades:                Wirst du?
Phyllikos:            Ich bin erholt, ich laufe weiter.
Niades:                Dann gutes Rennen.

Phyllikos erhebt sich und spurtet los.