Freitag, 14. November 2025

Wo sind Jude, Shaze und Tom im Film?

Liebe Leserin und lieber Leser,
kennen Sie Sally Phillips, Shirley Henderson und James Callis? Nicht? Britische Schauspielerinnen und Schauspieler. Shirley Hendersons Gesicht ist Ihnen wahrscheinlich als das der «Maulenden Myrtha» aus den Potter-Filmen vertraut. Den Namen haben Sie aber nicht gemerkt. Die anderen beiden stehen irgendwo im Nebel der Unbekannten.

Kennen Sie aber Renée Zellweger, Colin Firth und Hugh Grant? Natürlich, was für eine Frage. Und Sie wissen sicher auch, in welchem Film die drei gespielt haben?
Klar: Bridget Jones. Sie verkörperten dort Bridget, den wunderbaren Mark Darcy und den fiesen Daniel Cleaver.

Nun kommen aber auch die anderen wieder ins Spiel. Sally Phillips, Shirley Henderson und James Callis gaben die Rollen der Freunde Bridgets: Sharon (auch «Shazze», «Shaze», oder «Shazzer/Shazer» genannt), Jude und den schwulen Tom.
Dass Sie sich nun partout NICHT an die drei erinnern, liegt daran, dass man im Film ihre Bedeutung auf ein Minimum reduziert hat.

So.
Ich muss mich nun ein wenig outen. Ich lese manchmal auch Bücher, die nicht über allen Zweifel erhaben sind. Und ich tue das ohne schlechtes Gewissen und mit Spass. Das Gleiche gilt für Filme. So habe ich vor vielen, vielen, vielen Jahren «Schokolade zum Frühstück» gelesen und auch den passenden Streifen dazu gesehen. Nun fiel mir neulich in einem Gratis-Bücher-Schrank der Roman wieder in die Hände und ich las ihn noch einmal.
Und nun fiel mir noch einmal auf, was mich damals schon störte: Im Film ist Clique von Bridget eine totale Nebensache. Im Buch sind Sharon (auch «Shazze», «Shaze», oder «Shazzer/Shazer» genannt), Jude und der schwule Tom mithin die wichtigsten Figuren.

Warum verschwindet die Frauenclique im Film? (Ich rechne den Tunten-Tom nun auch mal zu den Frauen – ich als Schwuler darf das…) Weil die Bridget-Gruppe nicht dem entspricht, was wir unter «Frauenfreundschaften» gerne verstünden.
Frauen sollten gerne befreundet sein, sie sollten auch gerne Zeit miteinander verbringen, gerne sich mögen und zusammenhocken, dann aber etwas Nützliches tun:
* Handarbeiten (stricken, häkeln, spinnen, stopfen…)
* mit den Kindern auf den Spielplatz (oder ins Schwimmbad)
* Austausch von Koch, Back- und Einmachrezepten
* Hilfe beim Haushalt, wenn die andere mal krank ist
usw.
usw.
Bridget, Sharon (auch «Shazze», «Shaze», oder «Shazzer/Shazer» genannt), Jude und der schwule Tom tun aber nichts dergleichen, sie hängen herum, stehlen dem lieben Gott die Zeit, rauchen, futtern, quatschen.
Und trinken viel zu viel Alkohol.
Da Bridget ja Tagebuch führt (nicht umsonst heisst das Buch im Original «Bridget Jones's Diary»), werden die Alkoholmengen immer am nächsten Tag verzeichnet – und sind meist hoch.
Pfui.
Geht gar nicht.

Bei Männern ist das natürlich etwas anderes, da geht es um hehre Dinge, Freundschaft, Kameradschaft, einer für alle und alle für einen, da geht es um Ideale und Kunst und Philosophie, da werden Freundschaften zu Bünden und Bündnissen, und der Alkohol spielt nur nebensächlich eine Rolle.
Denkt man.
Denn wenn man genauso hinsieht, dann sind Männerfreundschaften halt doch sehr häufig Sauffreundschaften, die im Nachhinein zu grossen Dingen stilisiert werden. Was haben die «Schubertianer» bei ihren Wochenendfahrten gemacht? Sicher, Kultur ohne Ende, sagt man, aber sie haben auch entsetzlich viel getrunken.
Gesoffen.
Brutal gesagt.
Beim «Mächtigen Häuflein» ging es nicht anders zu.

Liebe Leserin und lieber Leser,
kennen Sie Sally Phillips, Shirley Henderson und James Callis? Nicht? Britische Schauspielerinnen und Schauspieler.
Und es bleibt zu hoffen, dass einmal eine Bridget Jones-Fortsetzung gedreht wird, in der die ganze Liebe weggelassen wird und die drei 90 Minuten lang Sharon (auch «Shazze», «Shaze», oder «Shazzer/Shazer» genannt), Jude und den schwulen Tom spielen dürfen.







 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 11. November 2025

Klimakonferenz!

Ich habe noch gar nicht so viel über Klimakonferenzen geschrieben, wie ich gedacht habe. Wenn ich das Stichwort «Klimakonferenz» eingebe, da kommen nur ein paar Posts. Und in den meisten ist der Begriff nur am Rande genannt. Einen Text fand ich allerdings. Ich schrieb nach Glasgow 2021:

Ja, und dann ist da noch das Schlussdokument der Klimakonferenz. Es gibt hier nichts schönzureden oder zu beschönigen: Glasgow war eine Katastrophe. So schön es war, dass – und lassen Sie sich das jetzt mal auf der Zunge zergehen – niemand mehr den Klimawandel abstreitet, angesichts der Tatsache, dass es eins vor zwölf ist, ist ein Packen-wir-es-irgendwie-und-irgendwann-einmal-an einfach zu wenig.
Einfach Mist.
Einfach nix.

Aber wir wollen nicht alles gleichsetzen, dieses Mal wird alles besser, es sind ja dieses Mal ganz viel Betroffene dabei, Indigene zum Beispiel, die ihren Standpunkt schon klar machen werden.

Dann führte ich 2021 aus, dass diese Abschlusserklärungen mich an die Vorsätze meiner Bekanntschaft erinnert, die jeweils zum Neuen Jahr getroffen werden. Der eine will weniger rauchen, die andere abnehmen, der eine mehr Sport, die andere weniger Alkohol.
Und am Ende eines Jahres kann man (meistens) einen Erfolg verbuchen, denn wer von 30 Zigaretten auf 29 kam, wer von 0 Längen Schwimmen auf 1 steigerte, wer nur noch jeden zweiten Tag sich betrinkt, alle diese Leute haben ja reduziert.

So schrieb ich 2021:

Wenn man also kein klares Ziel definiert, dann ist man immer auf der Gewinnerseite.

Und so ist es eben auch mit der Schlusserklärung von Glasgow. „Wir wollen die Kohle reduzieren.“ Das ist ein so netter Satz, eine so entzückende Sentenz, ein so tolles Vorhaben, aber dieser nette Satz, diese so entzückende Sentenz, dieses so tolles Vorhaben bringt halt nix, gar nix, weil dieser entzückende Satz, diese so nette Sentenz, dieser Spruch, dieser Slogan, dieses so tolle Vorhaben keinerlei konkrete Ziele festlegt.
Kohle reduzieren – Bis wann? Und wie viel?

Aber wir wollen nicht alles gleichsetzen, dieses Mal wird alles besser, es sind ja dieses Mal ganz viel Betroffene dabei, Indigene zum Beispiel, die ihren Standpunkt schon klar machen werden.

Ich schloss 2021 mit den Worten:

So bitter es ist: Wir brauchen drastische Massnahmen und die sofort.

Aber wir wollen nicht…
Doch.
Doch.
Doch.
Wir wollen mal gleichsetzen. Welche Klimakonferenz hat in den letzten Jahren wirklich etwas gebracht? Glasgow? Johannesburg? Madrid? Toronto? Baku? Dubai? Sofia?
Wie unerheblich diese Treffen geworden sind, zeigt ja schon die Tatsache, dass ich hier drei Städte hineingemogelt habe, die Sie jetzt – Hand aufs Herz! Hand aufs Herz! Hand aufs Herz! – gar nicht bemerkt haben. Es hab nix in Johannesburg, Toronto und Sofia.

Auch die Anwesenheit der Indigenen kann hier nichts ändern. Denn Sie können ja keinen Druck ausüben, sie können nur hinweisen, hinzeigen, hindeuten auf ein Problem.
Und das Problem ist ja bekannt.
Hinreichend bekannt.

Es tut mir leid, dass ich heute so düster bin. Aber wenn man keine Massnahmen (keine Flüge mehr weltweit unter 500 km – zum Beispiel), sondern nur Ziele beschliesst, dann wird das wieder nix.

Freitag, 7. November 2025

Freundschaft der Welt dank Seltener Erden

Wir erinnern uns sicher noch an Klassenkolleginnen und Klassenkollegen, die immer im Schatten standen. Man liess sie nicht mitspielen, niemand mochte sich neben sie setzen, und beim Völkerball bekamen sie immer den Ball ins Gesicht. Bei Kindergeburtstagen wurden sie nicht eingeladen, und wenn man auf Klassenreise ging, dann sassen sie immer beim Lehrer vorne.

Man kann gar nicht sagen, was man gegen sie hatte, sie waren nicht fies oder gemein oder hässlich, sie stanken nicht oder waren zerlumpt, sie hatten keine ansteckende Krankheit und keinen Makel, sie waren einfach «uncool». Sie blieben auch uncool, wenn sie sich um «Coolness» bemühten, ja dann war es fast umso schlimmer, denn ihre Jeans waren dann eben genau nicht die richtigen, ihre Deos rochen falsch und sie hörten genau die falschen Lieder: Hatten Sie gehört, dass Reggae cool ist, dann kamen sie mit «Sunshine Reggae», einem Song, der jedem echten Marley-Fan den Zorn ins Gesicht trieb…

Aber dann gab es Zeiten, da wurden aus den Mauerblümchen, aus den uncoolen Typen, da wurden aus den Opfern und Klassenärschen die Stars.
Die Helden.
Die Grössten.
Die Supermen und Superwomen.
Die Ritter der Galaxis.
Das war, wenn sie irgendetwas hatten, was alle wollten. Dann konnten sie sich vor Freundinnen und Freunden kaum retten.

Olav zum Beispiel wurde zum beliebtesten Schüler, wenn Herbstmesse war, denn dann kam der Cousin seines Patenonkels, der eine Bahn betrieb, die «Hollabullabolla», so ein wildes Fahrteil, wo man ECHT herumgeschleudert wurde. Und Olav bekam immer ca. 50 Freichips.
Marions Vater arbeitete immer wieder in Paris und brachte von dort Schminksachen mit – und zwar Schminksachen, die man im heimischen Warenhaus einfach nicht bekam (und Internet gab es ja noch nicht). Und immer, wenn Marion mit Rouge, Eyeliner, Mascara, Lipgloss und Puder in die Schule kam, dann war sie umringt von Girls, die angeblich alle ihre beste Freundin waren.
Und Peter wurde zum Disco-Helden, zum Travolta der Kleinstadt, er wurde zum Partyhengst, er wurde zum Coolsten, als das «Zibo» aufmachte und Mani, sein Nachbar als Türsteher anfing. Nun brauchte man Peter, denn er konnte Mani überzeugen, bei den Ausweisen nicht so genau hinzugucken…

Schauen Sie, und in der Weltpolitik ist es genauso.

Frudu der Erste, selbsternannter Kaiser von Timborien, einem abgespaltenen Teil der «Südaustischen Republik», müsste eigentlich Probleme haben. Seit seinem Putsch im Jahre 2015 kämpft er um Anerkennung in der Weltgemeinschaft. Bislang umsonst, vergebens, niemand erkennt Timborien an, niemand hat dort eine Vertretung, niemand lässt eine timborische Botschaft ins Land, ja, es wird mit Frudu nicht einmal geredet. Die einzigen Organisationen, die Timborien ihre Aufmerksamkeit widmen, sind NGOs, und zwar solche, die sich mit Menschenrechten auseinandersetzen. Amnesty International zum Beispiel bereist immer wieder das Land, denn die Gefängnisse sind voll – wie gesagt, Frudu der Erste («der Grosse», wie er sich nennt) kam durch einen Putsch an die Macht.

Nun aber…
Nun aber…
Nun aber…
Nun aber haben timborische Ingenieure Eberhardium gefunden, ein Metall, das zu den seltenen Erden gehört und beim Bau des Quantencomputers (Nobelpreis 2025! Sie erinnern sich?) eine grosse Rolle spielen wird. Und zwar Eberhardium in einer relativ grossen Menge.

Und nun geht es Frudu, wie es Olav ging, ihm passiert das, was Marion passierte und sein Schicksal erinnert an Peters Schicksal:
Für den Januar 2026 hat sich eine Delegation aus Deutschland angekündigt, mit Macron hat er telefoniert und mit Trump tauscht er Nachrichten aus. Putin hat eine Mail geschrieben und die Inder, die Chinesen und Japaner werden schon in diesem Jahr zu Gast sein. Es gibt Baugesuche für 30 Botschaften und die Anerkennung Timboriens ist nur noch Formsache.
Dass die Gefängnisse immer noch voll sind, und dass gefoltert wird – wer will das so eng sehen.

So, nun muss ich enden für heute. Ich muss meinem Nachbar noch einen Blumenstrauss zum Geburtstag vorbeibringen.
Ein saublöder Typ.
Aber er sitzt in der Steuerverwaltung – ich werde nicht der einzige Gast sein.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 4. November 2025

Die Verben-Titel-Bücher aus dem Hanserverlag

Es gibt eine Buchreihe im Hanser Verlag, die ich sehr liebe. Alle ihre Titel sind Verben von Alltagstätigkeiten und in einem Umfang von ca. 100 Seiten wird über dieses Thema essayistisch geschrieben. Bisher las ich

«Wohnen» von Doris Dörrie
«Altern» von Elke Heidenreich
«Lieben» von Emilia Roig
«Essen» von Alina Bronsky und
«Schlafen» von Theresa Enzensberger

Weitere werden folgen.

Das Spannende an der Reihe ist, dass die Bücher die Themen nicht immer streng behandeln, sondern eine grosse Freiheit herrscht. Während Dörrie und Heidenreich ihr Thema relativ allgemein angehen, schreibt Bronsky sehr persönlich, wir erfahren sehr viel über russisches und hessisches Essen (zum Beispiel warum ein «belegtes Brot» für Nicht-Deutsche keine Mahlzeit ist…). Enzensberger schreibt eigentlich mehr über Schlaflosigkeit als über Schlafen, da sie selbst an Insomnie leidet, ist das ganz logisch. Und Roig? Ja, die driftet ein wenig sehr ab, das geht dann am Ende auch noch zum «Tiere lieben», «Pflanzen lieben» und «den Kosmos lieben». Na ja.

Ich hatte nun die Idee, dem Hanser Verlag ein Manuskript meinerseits anzubieten. Sie können sicher erraten, um was es gehen sollte:
SCHWIMMEN
Ich konnte drei Argumente ins Feld führen, warum mein (noch zu schreibendes) Buch dort verlegt werden sollte:
Ich kann gut schreiben.
Ich kann gut schwimmen.
Lange war der «Herter-Röcker-Lörcher» als technisches Grundlagenbuch DER Renner der wissenschaftlichen Abteilung des Hanser-Verlages. Es gibt also eine Verbindung.

Die Antwort des Verlages war aber relativ ernüchternd. Auch sie führten drei Argumente ins Feld, die klar gegen mein Projekt sprachen:
Ich sei keine Frau.
Ich sei nicht prominent.
Die Einreichungen zu den Neuauflagen des «Herter-Röcker-Lörcher» seien relativ abstrus gewesen.

Wie nun damit umgehen?
Ich bin keine Frau, das kann ich nicht ändern. Und merkwürdigerweise werden alle Bücher dieser Reihe von AutorINNEN geschrieben.
Ich bin nicht prominent, das könnte das Buch «Schwimmen» ändern, aber hier haben wir ein Catch22-Problem, ich müsste prominent sein, um das Buch zu schreiben, das mich dann auch wieder berühmt macht.
Das Argument mit dem «Herter-Röcker-Lörcher» konnte ich nicht ganz entkräften, ich WEISS, dass viele Ideen ziemlich seltsam waren, ich habe ja neulich in dem Post über Emeriti (3. Oktober 2025) darauf hingewiesen.

Ich habe nun beschlossen, eine eigene Reihe ins Leben zu rufen. Die Reihe wird genauso wie die Hanser-Reihe aus essayistischen Werken im Umfang von ca. 100 Seiten sein. Allerdings werden die Verben alle eher dem negativen Spektrum angehören. Folgende Bücher erscheinen hier vor meinem geistigen Auge:

«Lügen» von Donald Trump
«Überfallen» von Vladimir Putin
«Hassen» von Bernd Höcke
«Beeinflussen» von Elon Musk

Haben Sie Lust, sich an der Serie zu beteiligen? Noch ist niemand konkret angefragt.
Und folgende Titel sind noch ganz unbelegt:

«Saufen»
«Rauchen»
«Verblöden»

Sie müssen einfach ein Mann sein, ob prominent oder nicht, ist egal.





 

Freitag, 31. Oktober 2025

Bitte immer so Tatorte wie am Sonntag!

Nun hat mich dieses Mal doch eine positive (!) Realität eingeholt, das ist ja manchmal auch möglich. Ich wollte eigentlich einen Post über die deutsche Krimi-Misere schreiben und wollte mit der Umtextierung eines Liedes beginnen.

Das Lied, an das sich wahrscheinlich nur die Boomer erinnern, war ein Schlager von Rudi Carell, den er mit seinem unvergleichlichen (künstlichen) niederländischen Akzent nach der Melodie von «City of New Orleans» von Arlo Guthrie sang:

Wann wird`s mal wieder richtig Sommer?
Ein Sommer, wie er früher einmal war,
So mit Sonnenschein von Juni bis September
Und nicht so kalt und so sibirisch wie im letzten Jahr.

Ich wollte dieses Lied nun noch einmal umtexten:

Wann wird`s mal wieder richtig Krimi?
Ein Krimi, wie er früher einmal war,
So mit Mörder, den man sucht und dann auch findet
Und nicht so kryptisch, wie der letzte Tatort war.

Ich wollte nun von den guten alten Wallace-, und Christie- und Holmes, von den Poirot- und Marple, ich wollte von den Highsmith- und Maigret-Krimis schwärmen, Krimis, in denen man nicht von vornherein weiss, wer der Möder (oder die Mörderin) ist, in denen man raten darf und grübeln, in denen dann am Ende alle im Salon versammelt werden – und der Detektiv (die Detektivin! Es gab ja Marple…) allen die Abläufe mitteilt. Und am Ende war es immer der oder die Unverdächtigste. Oder wie Reinhard Mey sang:

Der Mörder war wieder der Gärtner,
und der plant schon den nächsten Coup.
Der Mörder ist immer der Gärtner,
und der schlägt erbarmungslos zu!

Nun aber hat die ARD am Sonntag, den 26. 10. einen Tatort gesendet, der allen meinen Wunschkriterien entsprach. Und am Ende versammelte im Krimi «Letzte Ernte» die Kommissarin Lindholm (alias Maria Furtwängler) alle Beteiligten im… nein, im Salon nicht, aber im Schuppen (der ja auch Tatort war) und klärte auf.
Und nebenbei…
Ganz nebenbei…
Wirklich nur nebenbei…
Nebenbei erfuhr man einige Dinge über die wirtschaftlichen Sorgen und Probleme der Apfelbauern im Alten Land.

Ach, könnte das doch immer so sein! Ach, könnte das wieder Standard werden! Ach, wäre das schön!
Schön wie bei den guten alten Wallace-, und Christie- und Holmes, bei den Poirot- und Marple, schön wie bei den Highsmith- und Maigret-Krimis, die ich alle so liebe.

Ich möchte keine Tatorte und auch keine Polizeirufe 110 mehr, in denen alle Polizisten 1.) gestörter sind als die Mörder, 2.) alle ihre Leichen im Keller haben und 3.) sich diese Vergangenheiten dann auch noch ständig in die Ermittlungen mischen.
Ich möchte nicht mehr sehen, dass die beiden Polizisten vor 20 Jahren einen Fall falsch gelöst haben und seither nicht nur schlaflos, sondern auch erpressbar sind.
Ich möchte nicht mehr sehen, dass der obskure Anwalt, der sich in den Fall mischt, der Vater der Tochter der Polizistin ist, was sie aber nicht weiss.
Ich möchte nicht mehr sehen, dass die Kollegin des Ermittlers vor 17 Folgen gestorben ist (weil die Schauspielerin aufhören wollte) und der Ermittler seitdem einfach nur noch gaga handelt.
Ich möchte nicht mehr sehen, dass die Mutter der Kommissarin eine gesuchte RAF-Terroristin ist.

Nein, liebe ARD. Weiter wie am Sonntag!
Ich texte mein Lied auch um:

Es wurde mal wieder richtig Krimi!
Ein Krimi, wie er früher einmal war,
So mit Mörder, den man sucht und dann auch findet
Und nicht so kryptisch, wie der vorvorletzte war.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 28. Oktober 2025

Stadtbild?

Der Bundeskanzler schafft es doch immer wieder, eine unnötige Diskussion vom Zaune zu brechen. Ich sage nur „Stadtbild“.
Stadtbild.
Die Wogen schlugen hoch, es gab Demonstrationen und Kundgebungen, bis sich Friedrich Merz dann doch entschloss, ein wenig zu präzisieren: Es geht um die Sicherheit, oder das Fehlen von Sicherheit, das man am Stadtbild erkennt. Oder eigentlich geht es um das Gefühl des Fehlens von Sicherheit. («Fragen Sie meine Töchter.»)

«Stadtbild» ist ein schwieriger Begriff.
Wenn ich durch Basel laufe, dann stören mich auch bestimmte Dinge im Stadtbild. Am meisten stören mich die riesigen Hochhäuser, die eine Schweizer Pharma-Klitsche errichten liess, aber gegen die kann ich nichts machen.
Manchmal stört mich auch die Gruppe am Claraplatz, die da fröhlich grölt und säuft, manchmal, vor allem, wenn ich daran denke, dass dort Männer ihre Söhne mitnehmen, welche lieber eine Ausbildung machen sollten, aber ich schweife ab; wenn mich diese Gruppe stört, dann kann ich einfach weggucken, was ich bei den Hochhäusern der Pharma-Klitsche nicht kann, sie sind dermassen omnipräsent, dass ein Wegschauen unmöglich ist.
Stören mich Ausländer im Stadtbild? Natürlich nicht, ich bin ja selbst einer. Die Gruppe am Claraplatz – das muss man auch einmal klar sagen – besteht praktisch nur aus Einheimischen.

Es kommt nun immer auf den Blickwinkel an. Ich habe die Frage in die Runde geworfen, ob eine Gruppe von 20jährigen Männern aus Afrika das Stadtbild stören würde. Klares Nein. Deutliches Nein. Ein Votum war: «Natürlich nicht. Wenn es Sommer ist, und sie Tanktops tragen, dann ist das doch unglaublich reizvoll.» Und dann gackerten Detlef und Jens los…Vielleicht war die Runde, in die ich die Frage warf, doch die verkehrte. Ich hätte das Thema nicht gerade in der Plüschbar «Pink Panther» ansprechen sollen.

Aber Spass beiseite.

Mit der ungeschickten und dämlichen Erwähnung seiner Töchter – Merz ist ja unglaublich stolz darauf, wieder einmal ein führender Politiker MIT Kindern zu sein – hat er doch etwas Wahres angesprochen: Es geht um die Sicherheit von Frauen. Das heisst es geht um das Gefühl der Sicherheit von Frauen.
Wir könnten ja einmal den Test machen, wir fragen die «Töchter», vielleicht auch die «Enkelinnen», vielleicht auch die «Mütter» und «Grossmütter», wo sie sich unsicher bzw. sicher fühlen:
daheim, in der eigenen Wohnung, im eigenen Bett
bei der Privataudienz bei einem männlichen Mitglied des europäischen Hochadels
im Sport-Einzeltraining in der Turnhalle
beim Heimweg durch den Park, wo zehn 40jährige Syrer stehen
nachts beim Umsteigen am Bahnhof, zehn 18jährige Afrikaner stehen
Das Gefühl der Unsicherheit wird – egal wie die Umfrage ausfällt – nicht unbedingt mit der Realität übereinstimmen. Daheim fühlt man sich natürlich sicher, obwohl doch sehr viele junge Frauen von männlichen Familienangehörigen missbraucht werden, da ist der Übeltäter sehr, sehr nahe. Der gleiche Sachverhalt trifft auch auf den Sporttrainer zu, hier denkt man, der tut einem nix, aber der Missbrauch im Sport ist noch einer der ganz grossen dunklen Sachverhalte. Und ein gekröntes Haupt? Das muss doch anständig sein, vorbildlich, ritterlich, beschützend, es muss «höflich» sein (schliesslich kommt das Wort von «Hof»). Menschen wie Prinz Andrew, der ehemalige spanische und der jetzige schwedische König zeigen, dass das eben nicht so ist.
Und die Syrer und die Afrikaner? Würde ich meine Hände ins Feuer legen? Natürlich nicht, schliesslich sind es – auch Männer. Wobei ich glaube, dass 18jährige vor toughen Frauen eine unglaubliche Angst haben.

Müssen wir also unser «Stadtbild» ändern? Alle rausschmeissen? Alle reinlassen? Wir müssen gucken, dass alle Menschen, egal woher, egal wo, egal wie, sich an die Spielregeln halten – nicht mehr und nicht weniger.

Noch eine nette Anekdote zum Abschluss: In der U-Bahn neulich in Berlin stehen junge Araber für uns drei «Alten» auf. Ohne Verzögerung, mit freundlichem Lächeln. Der eine erklärt uns (in makellosem Deutsch mit Kreuzberger Akzent), da, wo er herkomme, habe man Respekt vor dem Alter und benehme sich auch so.
Ist das jetzt gut oder schlecht? Soll er dieses prächtige Verhalten ablegen und sich «integrieren»? Denn bei uns steht man ja nicht mehr auf, er sei denn, die 90jährige mit Stock bittet flehentlich darum…



Freitag, 24. Oktober 2025

Berlinreise (2): Von Busverspätungen, Schwimmbädern, Amazon und tollem Theater

So, hier noch die versprochene zweite Ladung an Berlin-Impressionen, einfach mal so, ohne konkrete Abschnitte und Überschriften...

Ich ging jeden Morgen schwimmen. Das ist nun nix Neues, nix Spannendes. Spannender ist vielleicht nur, wohin ich ging. Ich fuhr nämlich jeden Morgen mit dem 194 von der Haltestelle Pflügerstrasse zum Ostkreuz und von da mit der S-Bahn zum Bahnhof Springpfuhl, um am Helene-Weigel-Platz in die Schwimmhalle Helmut Behrend zu gehen.

Warum ?
Weil in Berlin eine Schwimmbad-Wüste ausgebrochen ist. Berlin hat fast 40 Hallenbäder, davon sind etliche wegen Renovierung geschlossen, etliche öffnen erst am Nachmittag, etliche sind nur von 6.00 – 8.00 geöffnet, um dann Schulen und Vereinen zur Verfügung zu stehen. Die nächste Schwimmhalle von der Pflügerstrasse wäre das «Wellenbad am Spreewaldplatz», das zurzeit saniert wird (nachdem es seit gefühlt 8 Jahren geschlossen ist, die erste Zeit überlegte man, ob man das Geld findet, das brauchte eine ganze Weile, nun wird es sicher bis 2040 nicht zugänglich sein).

Nach Marzahn also. Man könnte von der Pflügerstrasse auch einfach sitzenbleiben, dann würde die Reise aber 70 Minuten gehen (eine Strecke). Besser ist es natürlich, vom Bus auf die S-Bahn zu wechseln.
Denn:
Die Busse in Berlin sind eine Katastrophe. Ich habe mir während der Woche an der Spree geschworen, nie mehr, niemals mehr, zu keiner Zeit und an keinem Tage über die Busverbindungen der BVB zu lästern. (Zur Erklärung: Die BVB sind die Basler Verkehrs-Betriebe, die BVG ist die Berliner Verkehrs-Gesellschaft.) In Berlin gibt es zwar Busfahrpläne, aber die sind reine Fiktion, dass ein Bus wirklich zur auf dem Zettel angegebenen Zeit erscheint, ist zum letzten Male am 4. Juni 2015 passiert, auf der Linie 109 an der Haltestelle U-Bahnhof Uhlandstrasse.

Wenn ich am S-Bahnhof Ostkreuz die Treppe hinunterkam, konnte ich an der Anzahl der Menschen erkennen, wie viele Busabfahrten man im Rückstand war. Oft kamen dann drei bis vier Busse hintereinander.
Fand man aber in Bus 1, Bus 2, Bus 3 oder Bus 4 einen Platz, dann war noch längst nicht gesagt, dass Bus 1, 2, 3 oder 4 nun auch tüchtig weiterkommen. Eine Fahrt, die auf der App mit 30 Minuten angegeben wird, kann locker, locker, locker 60 Minuten dauern.
Vier Faktoren beeinträchtigen das ordnungsgemässe Fahren der Linien:
zähflüssiger Verkehr
parkende Autos
Umleitungen
Fahrradfahrer

Und natürlich Lieferverkehr – vor allem Amazon!
Für Leute, die auf dem Land leben, auf dem Dorf, die sozusagen zwischen Scheune und Kuhstall ihr Leben fristen, und für die jede Fahrt in die Stadt ein Riesenaufwand ist, der auch Zeit kostet, Zeit, die man mit den Kindern verbringen könnte oder zum Fenster putzen, ist das ja ok. Aber in der Metropole?
Die Anzahl aller Läden in Berlin kann man natürlich nicht eruieren. Aber das Internet nennt mir über 200 Buchläden. Also ca. 16 in jedem Bezirk und ca. zwei in jedem Ortsteil. Kein Grund, irgendetwas bei Amazon zu ordern. Denn das ist ja das Paradoxe: Die Touristen freuen sich so, endlich einmal richtig shoppen zu gehen, denn zuhause gibt es ja nix mehr, keine Läden, weil alle alles online bestellen, aber hier in Berlin…aber wehe, die Ansässigen hier machen das Gleiche wie die in Pasewalk oder Jüterbog.

Wir waren in vier (in Worten vier, in Zahlen 4) wunderbaren Vorstellungen. «Das Dinner» im Deutschen Theater, «Die Möwe» in der Schaubühne (mit einem unglaublich riesigen Baum als Bühnenbild), bei «Familie Flöz» im BE (eine Truppe, die pantomimisch mit Masken spielt, unglaublich gut) und in der «Zauberflöte» in der Deutschen Oper. Alles kraftvolles, vitales, spannendes, alles gekonntes und erfreuliches, alles professionell gemachtes Theater, das nur zwei Fragen zurücklässt:
Warum geht das anderswo nicht genauso? / Zum Beispiel in Basel?
Warum will man das kaputtsparen? (Man hat lange nix gehört, aber es ist zu hoffen, dass der Kultur-Rotstift wieder in der Versenkung verschwindet…)
Dass die Papagena beim Mozart zwei ihrer Einsätze verpasste, schmälerte die Begeisterung nicht, eine Papagena muss ja vor allem schauspielern, die junge Koreanerin bekam dennoch Bravorufe, obwohl etliche Töne fehlten.

So, das waren ein paar Impressionen von der Spree und von der Havel.
Berlin ist immer eine Reise wert.