Freitag, 10. Januar 2025

Der Handschlag

Der Handschlag…
Ach ja, der Handschlag…

Vor vielen Jahren war das Thema «Handschlag» in der Region Basel sehr in den Medien – und ich habe damals auch eine Glosse geschrieben.
Schüler hatten einer Lehrerin den Handschlag verweigert, weil sie als strenge Muslime Frauen nicht die Hand gäben. (Man muss hier dazu sagen, dass sich in der Region Basel der Unsinn eingebürgert hatten, dass alle Schüler beim Kommen der Lehrperson die Hand reichen – und auch beim Gehen, was ein Riesenaufwand ist, und was die Pause für die Lehrperson extrem verkürzt.) In der Folge gab es etliche Diskussionen, die nicht immer ganz sachlich waren: Was darf man und muss man und kann man und sollte man aus religiösen Gründen?

Einer meiner Schüler schrieb daraufhin immer, wenn er eine Antwort nicht wusste: «Ich kann diese Frage aus religiösen Gründen nicht beantworten.» Fand ich extrem witzig, obwohl ich natürlich nicht darauf eingegangen bin. Er konnte mir auch nicht erklären, warum es seine religiösen Gefühle verletzt, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, auf welcher Linie das c` liegt und wie das Intervall A – d heisst.

Und dann…
Und dann…
Und dann kam Corona und alle Diskussionen waren auf einmal, auf einen Schlag, mit einem Wisch überflüssig. Der Handschlag, angeblich die Stütze und Grundlage, angeblich der Pfeiler unserer Kultur, unersetzbar, unverrückbar, der Handschlag verschwand von heute auf morgen. Zu heikel war es, jemandem die Hände oder die Hand zu reichen, der mich mit dem Virus anstecken könnte.

Und es wurde an den Schulen und an vielen anderen Orten der asiatische Gruss eingeführt: Die Hände aneinandergelegt, so verbeuge ich mich vor dem anderen. Und wenn Grussformen ja auch meine Waffenlosigkeit zeigen sollen, dann ist diese Form noch besser als die westliche, denn wenn ich dir die Rechte reiche, könnte ich in der Linken immer noch ein Messer führen, der Chinese oder Japaner kann das nicht.

Der Handschlag…
Ach ja, der Handschlag…

Und nun reden und schreiben wir wieder über einen Handschlag. Oder besser: Wir reden und schreiben über einen Nicht-Handschlag. Ahmed al-Scharaa hat der deutschen Aussenministerin nicht die Hand gegeben.
Und das wäre wahrscheinlich keiner Erwähnung wert, wenn die gute Dame hinterher nicht die folgenden Worte abgelassen hätte:

«Es braucht jetzt einen politischen Dialog unter Einbeziehung aller ethnischen und religiösen Gruppen, unter Einbeziehung aller Menschen, das heisst insbesondere auch der Frauen in diesem Land. Europa wird Syrien unterstützen, aber nicht zum Geldgeber neuer islamistischer Strukturen werden.»

Das ist sehr nett gesagt.
Das ist nun vor allem nett gesagt, wenn der Chef der Syrer einem nicht einmal die Hand gibt. Das ist ungefähr so, wie wenn einem der Gesprächspartner zum Thema Gewalt als Begrüssung ins Gesicht schlägt, oder zum Meeting mit Thema «Alkohol im Betrieb» betrunken erscheint. Oder – und das hat eine Musikschulkollegin wirklich einmal gebracht – man hat ein Konfliktgespräch mit dem Chef, weil man immer wieder zu spät zum Unterrichten erscheint. Und zu diesem Konfliktgespräch kommt man dann 45 Minuten zu spät. Und zum erneut anberaumten Termin (der Chef hat ja noch andere Termine) kommt man dann 60 Minuten zu spät. Und erhält die Kündigung – was meine Kollegin fassungslos machte und erstaunte und erboste.
Nein.
Wenn man von einem Machthaber Frauenrechte einfordert, wäre ein Handschlag mit der Frau, die einem ja das ganze Geld bringt, schon angebracht.

Die ganze Sache wird aber noch pikanter. Baerbock räumte ein, von der Verweigerung im Vorhinein gewusst zu haben. Das ist auch ganz klar, denn die hat eine Protokollabteilung. Die Protokoll-Leute kümmern sich im Voraus eben um genau so Sachen:
* Wird eine militärische Ehrenformation abgeschritten?
* Und spielt die dann auch irgendeinen Marsch?
* Oder gibt es nur einen Handschlag?
* Oder keinen?
Die Protokoll-Leute hätten eigentlich absagen müssen.

Aber lassen Sie uns doch jetzt diesen Post versöhnlich beenden: Warum führt man nicht den japanischen Gruss weltweit ein? Er ist so schön, so sauber, so waffenlos, Hände aneinander, Verbeugung, wunderbar.
Und keimfrei – die nächste Pandemie kommt bestimmt…

In diesem Sinne: Sayonara.

Dienstag, 7. Januar 2025

Warum hat die EU keinen Charme mehr?

Mein Freund Gustav hat ein Problem: Er findet keine jungen Männer mehr, die ihn ins Restaurant, in die Oper, die ihn auf Reisen oder Kreuzfahrten begleiten und ein bisschen nett zu ihm sind. Er ist jetzt 75 und seit 20 Jahren ist sein Stern konsequent am Sinken. Ich treffe ihn in unseren Lieblingsbar und wir versuchen, diesem Problem ein wenig auf die Spur zu kommen.

Wir sind uns einig, dass es nicht an Gustavs Esprit, seinem Charme und Charisma liegen kann, das ist und war immer phänomenal, er ist ein wunderbarer Gesprächspartner, kulturell ohne borniert und gebildet ohne belehrend zu sein, er ist witzig ohne zotig und kontaktfreudig ohne übergriffig zu wirken. Gustav ist und war stets ein toller Begleiter, sei es bei einer Vernissage eines örtlich begrenzten Malers wie in Bayreuth oder an der Scala.

Gustav meint nun, es läge an seinem Aussehen und an seinem Alterungsprozess. Hier muss ich nun widersprechen: So hart und gemein und böse es klingt, er war nie eine Schönheit. Sein Haar war mit 40 schon grau, aber eben nicht in diesem attraktiven Richard-Gere-Ton, sondern in diesem Mausgrau/Aschgrau/Steingrau, das wir von dem Ehepaar in «Ödipussi» kennen. Seine Ohren sind genau das bisschen zu gross, das seine Nase zu klein ist und sein Silberblick ist nun eben auch kein Silberblick à la Marylin, sondern ein richtiges Schielen. Und seine Statur tendierte auch mit 55 Lenzen schon mehr Richtung Birne als in Richtung «Griechische Statue».

Woran liegt es nun, dass ihm Marco für den Wiener Opernball eine Absage erteilt hat und Jean ihn nicht auf den Grünen Hügel begleiten will? Woran liegt es, dass Janick ihn ghostet und Sebastian seine SMS nicht beantwortet? Woran liegt es, dass sein Stern so sinkt?

Ich bringe nun das zur Sprache, was Gustav nicht hören will und was er konsequent leugnet: Es liegt am Geld. Da er keine Einkünfte hat, sondern nur sein Erbe verzehrt, ist eben dieses Erbe nun sehr geschrumpft. Dazu kam, dass er grosses Pech am Aktienmarkt hatte und seine Immobilien sich in ihrer Jugendstil- und Gründerzeit-Schönheit als Geldfresser und nicht als Geldspender entpuppten.

Es liegt am Geld, und die Männer, die ihn vor 20 Jahren umschwärmten wie die Motten das Licht – um hier mal Marlene zu zitieren – wollten vor allem seinen Zaster. Und bekamen ihn auch. Und so gab es beim Wiener Opernball eben Kategorie I und viel Veuve Clicquot und dann eine Logis im Sacher, und jetzt gibt es nur noch Kategorie V und billigen Sekt und eine Absteige im 21. Bezirk – und selbst das muss Marco selber zahlen.
Mit dem Vermögen schwand Gustavs Attraktivität.

An eben diesen Gustav muss ich nun immer denken, wenn über die politische Lage in Europa und vor allem die EU geredet wird.
In allen Ländern gibt es Fraktionen, die einen Austritt wollen, in Grossbritannien hat man ihn längst vollzogen, in Osteuropa gibt es immer mehr Länder, die sich abwenden und in der Schweiz…
In der Schweiz…
Nun, in der Schweiz würde eine Initiative «CH endlich in die EU» nicht einmal einen Bruchteil der vorgeschriebenen Unterschriften erhalten. Ich glaube, die meisten Angesprochenen würden die vorgehaltene Pappe für eine Satire halten und würden sich ständig umblicken, ob nicht jemand hinter einer Hausecke hervorspringt und «Vorsicht Kamera!» schreit.

Woran liegt die EU-Müdigkeit aller Staaten? Nun, es könnte – und man muss diesen Gedanken einmal ganz ohne Emotionen zulassen – am Geld liegen. Bis vor 20 Jahren war die Europäische Union für viele ein Dukatenscheisser, ein Goldesel, eine Geldmaschine, an der man sich bedienen konnte. Und wer war und ist der grösste Netto-Zahler? Ja, die Eidgenossen wären es wohl, wenn sie mitmachen würden, nein, es sind die Deutschen.
Und nun spricht sich herum: Die BRD ist so gut wie pleite. Die Wirtschaft lahmt, die Infrastruktur ist am Ende, die Firmen wandern ab. Könnte es nun daran liegen, dass die Begeisterung für die EU immer mehr nachlässt?

Wobei Brüssel ja stets und immer betonte, dass die Europäische Union nicht nur eine Finanz- und Wirtschaftsgemeinschaft, sondern eine Werte-Gemeinschaft sei. Das ist schön formuliert, sehr schön, aber leider konnte man sich nicht darauf einigen, was diese Werte seien. Die Begriffe vom «Christlich-Abendländischen Erbe» und der «Christlich-Abendländischen Tradition» klingen ja wahnsinnig gut, aber was bedeuten sie? Und wie christlich ist das Abendland noch? Und was hiesse es, wenn die meisten sich als Christen bezeichnen würden? Aber mit Werten musste man sich ja nicht auseinandersetzen, wenn man an der Geldquelle sass…

Mein Freund Gustav hat ein Problem:
Seine Attraktivität sinkt, weil seine Geldreserven sich aufbrauchen, und Charme und Esprit für die vielen jungen Männer nicht so wichtig scheint.
Und das hat er mit der EU gemeinsam.

Freitag, 3. Januar 2025

Karpfen ist Egli

Ich hoffe, Sie sind gut ins Neue Jahr gestartet. 2025 verspricht ja auf ein jeden Fall ein spannendes Jahr zu werden. Sie haben also sicher mit Champagner und Feuerwerk in dieses neue Annum hineingefeiert. Ich auch, aber mit alkoholfreiem Sekt und ohne Knallerei.

Wahrscheinlich haben Sie herausgefunden, wer hinter Laura Karpfen steckt. War ja nicht so schwer.
Der Nachname legte ja einen Fischnamen nahe. Welche Sängerin heisst wie ein Fisch?
Oh, da gibt es eigentlich viele…
Amy Shark zum Beispiel, 1986 in Gold Coast geboren, eine australische Indie-Sängerin aus Queensland.
Oder Alicja Trout, eine Memphis-basierte Rockgitarristin, Sängerin und Songwriterin. (Was zum Henker ist «Memphis-basiert»?) Von ihr sind keine Lebensdaten vorhanden.
Oder könnte Lena Scholle, die 1978 in Berlin geborene Schauspielerin, Musicaldarstellerin, Sängerin und Tänzerin gemeint sein?
Alle könnten gemeint sein. Aber würden diese Damen ihre Tipps in der «Glückspost» veröffentlichen? Wahrscheinlich nicht.
Natürlich war Frau Egli gemeint.

Beatrice Egli.

Und wie kam es von «Beatrice» zu «Laura»? Nun, hier braucht es ein bisschen literarisches Wissen:
Beatrice ist die nette junge Dame, die Dante durch den Himmel führt – im Gegensatz zur Hölle, durch die er von Vergil geführt wird.
Laura ist die Dame, die der andere grosse italienische Dichter Petrarca anschmachtet.

Zwei Nebenbemerkungen kann ich mir nicht verkneifen:
Es ist erstaunlich, dass man sowohl in der Hölle als auch im Himmel eine ortskundige Leitung braucht, es wäre doch zu hoffen, dass zwar die Hölle ein Labyrinth ist, der Himmel aber ein freier, offener Raum ist. Dem scheint aber nicht so zu sein.
Und: Ja, die Chefhostess des «Traumschiff», Beatrice von Radebur, heisst natürlich nicht zufällig so. Wenn die Hostess Beatrice heisst, ist man im Himmel, und das will man auf einem Kreuzfahrtschiff auch sein. Das bedeutet, dass der werte Herr Rademann, einst Pressesprecher von Peter Alexander und anderen, doch eine bestimmte klassische Bildung besass. Ist heute sicher nicht mehr so, ich glaube, die PR-Heinis und PR-Tanten von Sternchen wie Frau Karpfen (Frau Egli, Frau Shark, Frau Stout, Frau Scholle) können nur Texte von ca. 5 Zeilen schreiben (wird verlangt!), aber auch nur Texte von 5 Zeilen lesen…

Verschlüsselung also.
Verschlüsselung braucht man, wenn man einen Schlüsseltext, eine Schlüsselnovelle, einen Schlüsselroman, ein Schlüsselgedicht schreiben will. Man nennt eine Person irgendwie anders, irgendwie verschlüsselt eben.

Die ideale Verschlüsselung ist herausfindbar, macht es dem Leser aber auch nicht zu einfach. Man könnte als Faustregel setzen, dass die Leserin oder der Leser ca. 30 bis 90 Sekunden brauchen, um herauszufinden, wer gemeint ist.
Haben Sie bei Karpfen/Egli so lange gebraucht? Dann wäre ich sehr glücklich und würde jubeln und würde tanzen und singen.

Verschlüsselungen, die man sofort erkennt, sind doof. Sie sind sogar beleidigend, weil sie den Leser oder die Leserin als blöd verkaufen. Sie arbeiten so mit dem Rotstift, dass man laut aufschreien möchte: «ICH HABE VERSTANDEN!». So musste ich meinem guten Freund Herbert sagen, dass es völlig doof ist, einen Text über die Wahl zu schreiben, und einen Herrn Schmalz gegen einen Herrn April antreten zu lassen, das entmündigt das Publikum.

Umgekehrt kann man auch zu weit gehen.
Mein heissgeliebter Heinrich Böll war ein solcher Ober-Verschlüsseler. In seinen «Deutschen Utopien» spricht er sogar darüber, wie man möglichst gut Personen tarnen kann; so empfiehlt er, nicht nur den Namen, sondern, auch Alter, Konfession, Geschlecht und Nationalität zu ändern. So wäre ein 60jähriger Schlägersänger aus Österreich mit dem Namen Horst Karpfen wahrscheinlich nicht mehr zu enttarnen gewesen.
Bis heute haben Generationen von Spezialisten für die Deutsche Literatur nach 1945 gerätselt und sinniert, wer der «Bur-Malottke» in «Doktor Murkes gesammeltes Schweigen» ist. (Sie erinnern sich: «Jenes höhere Wesen, das wir verehren…»). Nein, nein, nein, es ist nicht Reich-Ranicki, der war 1955, beim Erscheinen der Geschichte, noch gar nicht in der BRD.

Ich hoffe, Sie sind gut ins Neue Jahr gestartet. 2025 verspricht ja auf ein jeden Fall ein spannendes Jahr zu werden. Sie haben also sicher mit Champagner und Feuerwerk in dieses neue Annum hineingefeiert. Ich auch, aber mit alkoholfreiem Sekt und ohne Knallerei.
Wahrscheinlich haben Sie herausgefunden, wer hinter Laura Karpfen steckt. War ja nicht so schwer.

Gut. Jetzt können wir ab dem 7. 1. wieder ganz unverschlüsselt Dinge angehen.



 

Dienstag, 31. Dezember 2024

Klolektüre: Die 20 Glückstipps von Laura Karpfen

Liebe Leserin, lieber Leser

Wissen Sie, was eine «Klolektüre» ist? Können Sie sich darunter etwas vorstellen?
Nun, wahrscheinlich ist es mit «Klolektüre» so wie mit «Vogel» oder «Klassische Musik»; bei diesen Dingen weiss man irgendwie genau, was sie sind, wenn man aber eine genaue Definition versucht, dann scheitert man total, aber wirklich. Wenn man «Vogel kann fliegen» sagt, hat man ja schon den Pinguin aussen vor gelassen, der ja sicher ein Vogel ist. Und bei «Klassischer Musik» liegt man mit «ernster Musik aus alter Zeit» auch völlig daneben, denn die Tanzmusik der Renaissance, also Disco um 1590, das zählt ja auch dazu.
Und «Klolektüre»? «Minderwertige Literatur, die man nur überfliegt»? Gut, aber man kann – wenn man Edgar Wibeau heisst und bei Plenzdorf vorkommt – natürlich auch die «Leiden des jungen Werther» auf der Toilette lesen.

Vielleicht kommen wir mit dem Prototypen-Modell weiter, das der Semantik ja eine wertvolle Idee beschert hat. Hier setzen wir einen Prototyp, also etwas, das 90% der Menschen als typisches Mitglied der Gruppe sehen, in die Mitte eines Gebildes mit konzentrischen Kreisen. Je mehr sich ein anderes Mitglied in seinen Merkmalen von diesem Prototyp entfernt, umso weiter aussen steht es. Beispiel? Bei «Vogel» steht etwa Taube oder Amsel in der Mitte, und der Kiwi oder Pinguin weiter aussen. Bei «Klassischer Musik» haben wir sicher Mozart im Zentrum.

Und bei «Klolektüre»? Nun, hier wäre Goethe sicher weit, weit, weit, weit aussen und die vielleicht die «Glückspost» im Zentrum.
Oder die «Gala».
Oder die «Frau im Spiegel».
Die «Schweizer Illustrierte» nicht mehr ganz so zentral.

Wir bekommen diese Klolektüre von einer ehemaligen Nachbarin und «Glückspost», «Gala», «Frau im Spiegel» und «Schweizer Illustrierte» stapeln sich auf einem Hocker neben dem Waschbecken. Seit wir diese Stapel erhalten, bin ich nun immer über die wichtigen Dinge informiert, über die Sorgen und Nöte der gekrönten Häupter, über die Glücksrezepte der Stars, über die Wohnungen der Popgrössen und über die Geheimnisse der Reichen und Schönen.

In einer dieser Klolektüren stiess ich nun auf ein Glückskonzept einer Sängerin, ein Glückskonzept in mehreren Punkten, das ich hier (in Teilen) kommentieren möchte. Damit es für die Dame nicht ganz so peinlich wird, nennen wir sie um in
Laura Karpfen
Laura empfiehlt nun die folgende Dinge (in Auswahl)

Punkt 1: Sich auf das Positive im Alltag fokussieren.
Wunderbarer Ratschlag, wenn Sie also im Dezember die Stelle verloren haben, ihre Frau abgehauen ist, die Wohnung auf den 1. Mai gekündigt wurde, Sie wieder zur Flasche gegriffen haben, aber die Pflanze auf dem Fensterbrett aber endlich blüht, dann schauen Sie diese Blüte an. Heute. Morgen. Übermorgen. Arbeitsstelle, Frau, Wohnung, Saufen, alles ist dann nicht mehr so schlimm.

Punkt 3: Kreativ tätig sein, sei es durch Malen, Stricken oder Töpfern
Bitte nicht! Wirklich nicht! Denn Menschen, die solche kreative Schübe haben, neigen dann dazu, ihre Machwerke unter die Leute zu bringen, und die Verstimmung, die Ihr Sonnenuntergang in Öl auf Leinwand, Ihre kratzenden Socken und Ihre Blumentöpfe im Antik-Stil bei Menschen auslösen, steht in krassem Widerspruch zu zwei Punkten:

Punkt 9: Wertvolle Beziehungen zu anderen aufbauen. Das bereichert.
und
Punkt 11: Sich mit glücklichen Menschen umgeben. Glückliche Menschen wirken ansteckend.

Spannend sind aber auch die Punkte, die man eben einem Star wie Laura Karpfen nicht ganz, nicht vollständig und nur in Teilen glaubt:

Punkt 8: Sich selbst sein. Sich nicht von der Anerkennung anderer abhängig machen.
Abgesehen von der gewöhnungsbedürftigen Grammatik («sich selbst sein» statt «man selbst sein»), nimmt man Frau Karpfen das nicht ganz ab. Ist sie als Schlagersternchen nicht sehr wohl von der Anerkennung von anderen abhängig? Ich meine, wenn niemand sie anerkennt, dann bekommt sie auch keine Auftritte und Verkäufe…

Punkt 10: Sich nicht mit anderen vergleichen. Denn es gibt immer jemand, der ein grösseres Haus hat oder ein schöneres Auto.
Und es gibt Menschen, die in den Charts über einem stehen. Und ich denke, wenn Laura Karpfen auf Platz 8 ist, weiss sie ganz, ganz, ganz genau, wer auf 7, 6, 5, 4, 3, 2, und vor allem auf 1 steht…

Ach, Laura Karpfen, insgesamt sind es 20 Punkte – und alle sind der grösste Schwachsinn.
Aber ich werde jetzt kreativ werden. Ich werde stricken.
Und zwar ein Klorollenhütchen.
Das passt auf unserem Klo wunderbar zu deinem Gesicht auf der «Glückspost».

In diesem Sinne: Einen guten Rutsch und einen frohen Jahresanfang!!!!!!
Mit oder ohne Glückstipps.



 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 27. Dezember 2024

Musik zu Weihnachten

Liebe Leserin, lieber Leser
hatten Sie eigentlich schöne Musik an Weihnachten? Weihnachtliche Musik? Musik zum Christfest? Wenn ja, dann war das sicher schön.

Obwohl…
Was nun wirklich weihnachtliche Musik ist, da gehen die Meinungen ja sehr auseinander. Wenn man eine Umfrage auf der Strasse machen würde, dann würden die Antworten von «Jauchzet, Frohlocket!» über «Stille Nacht» und «O du fröhliche» bis zu «Jingle Bells» und «Last Christmas» reichen.
Einig wären sich alle Befragten wahrscheinlich in einem: Musik zu Weihnachten, weihnachtliche Musik ist harmonisch und melodiös.

Hatten Sie eigentlich schöne Musik an Weihnachten? Weihnachtliche Musik? Musik zum Christfest? Was verbinden Sie mit diesen Begriffen? Haben Sie Bach oder Corelli gehört oder gar Schoenberg?

Man kann bei der Klassischen Musik ja die ganze Sache so auf den Punkt bringen, dass die Zuhörerinnen und Zuhörer jegliche Art von Barockmusik als EXTREM weihnachtlich empfinden und jede Art von Musik NACH 1900 NICHT. Warum das so ist, weiss ich nicht, vielleicht denken wir, weil Mister Corelli eben dieses Concerto grosso in g-Moll geschrieben hat, das in einer Pastorale endet (kennen Sie: daa-da-daa-da-dadada-daa-da-dadada-daa-da…), sei jedes seiner Concerti grossi ein Weihnachtsstück, bei Bach und Händel ist das ähnlich.
Warum wir so denken, da könnte man sich jetzt lange austauschen, vielleicht erliegen alle Zuhörer beim Anhören von Telemann und Purcell einer Art weihnachtlichen Synästhesie – und wir wissen, dass Synästhesie sich auf dem schmalen Grad zwischen Genialität und absolutem psychischem Irrsinn bewegt – einer Art weihnachtlicher Synästhesie, die Barock-Kammermusik und Renaissance-Doppelchörigkeit sofort mit Duft nach Zimt, Anis, Nelken und Mandeln und mit dem Anblick von Kerzen und Tanne verbindet.

Umgekehrt wollen wir natürlich nix Modernes zu Weihnachten. Ein befreundeter Chorleiter hatte zum 25. Dezember 2024 in seiner Kirche Anton Webern Kantate I geplant. Er fand, das passe sehr gut, denn im Evangelium ginge es ja um das Wort («Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort…») und im Kantatentext von Hildegard Jone auch («Zündender Lichtblitz des Lebens schlug ein aus der Wolke des Wortes…»). Sein Pfarrer hatte das genehmigt, weil er das «N» im Namen des Komponisten nicht gehört hatte und dachte, es sei ein Stück von CARL MARIA VON geplant. Ich konnte meinem Kumpel das (wunderbare und herrliche) Werk ausreden, es hätte zu mindestens 100 Kirchenaustritten geführt, eine Anzahl, die sich in dieser Zeit keine Gemeinde mehr erlauben kann.

Musik zu Weihnachten…
Viele der populäreren Stücke sind ja eigentlich gar keine Weihnachtssachen mehr. In «Jingle Bells» geht es ums Schlittenfahren, im meistverkauften Christmas-Song aller Zeiten geht es um «White Christmas» (also auch um Schnee), und in «Last Christmas» und in «Alle I want for Christmas» geht es um die Liebe.
Hier hat die Plattenindustrie – das muss man jetzt einmal so ganz fies und polemisch und pointiert sagen – das erreicht, was die Nazis nicht geschafft haben: Das Christliche und Jesushafte aus den Weihnachtsliedern zu verbannen. So wurden dem schönen Lied «Es ist für uns eine Zeit angekommen» die Verse, die vom Heiland berichten, gestrichen und Winterverse über das weite Feld und den Schnee eingefügt, Verse, die übrigens immer noch in der BRD kursieren, ich habe das eigentliche Lied erst in der Schweiz kennengelernt.
Und dann schrieb man ein unsägliches Liedmachwerk, das auch immer noch in den Liedbänden des Bärenreiter-Verlags steht:

Hohe Nacht der klaren Sterne, die wie helle Zeichen steh'n
Über einer weiten Ferne, d'rüber uns're Herzen geh'n
Hohe Nacht mit großen Feuern, die auf allen Bergen sind,
Heut' muss sich die Erd' erneuern, wie ein junggeboren Kind!
Mütter, euch sind alle Feuer, alle Sterne aufgestellt;
Mütter, tief in euren Herzen, schlägt das Herz der weiten Welt!

Damals hat das nicht funktioniert, die meisten blieben bei ihren Luther-Chorälen und bei der Stillen Nacht, bei Krippe und Propheten, bei Lukas und den Hirten, heute geht die Saat auf, und wir trällern «Jingle Bells» und «White Christmas» und «Last Christmas» und «All I want» und merken gar nicht, dass das Jesuskind längst aus unseren Liedern verschwunden ist.

Liebe Leserin, lieber Leser
hatten Sie eigentlich schöne Musik an Weihnachten? Weihnachtliche Musik? Musik zum Christfest? Wenn ja, dann war das sicher schön.
Ich hatte übrigens «Jauchzet, Frohlocket» am 24. Und das Schöne war, die Musik war haargenau so, wie ich sie gerne habe.
Wie das ging?
Nun, ich habe selber dirigiert.

Dienstag, 24. Dezember 2024

Frohe Weihnachten! Wer heute liest, wird Bundeskanzler


Frohe Weihnachten!

Schön, dass Sie heute Zeit finden, meinen Post zu lesen. Ich gehe einmal davon aus, dass das so ist – es kann ja auch sein, Sie lesen den Text erst am 25. Oder am 26. Oder noch später. Aber wir nehmen einmal an, Sie lesen HEUTE. Also wirklich am Heiligen Abend.

Wenn dem so ist, dann heisst das, dass Sie ziemlich organisiert sind. Denn Sie haben Zeit und Musse – was ja andere Leute nicht so haben. Sie haben also Ruhe und Möglichkeit.
Während andere Leute in der Stadt herumrennen und die letzten Geschenke horten, von Douglas zu Thalia und von Thalia zum Kaufhof und vom Kaufhof zurück zu Douglas (Michelle braucht ja auch noch was!), haben Sie Zeit die Dienstag-Freitag-Glosse zu lesen.
Während andere Leute verzweifelt ihren Christbaumständer suchen, der scheinbar im letzten Jahr wieder den Platz gewechselt hat und irgendwo im Keller verschwunden ist, sich irgendwo zwischen den Kisten verborgen hat, haben Sie Musse die Dienstag-Freitag-Glosse zu studieren.
Während andere Leute kurz vor dem Wahnsinn im Supermarkt herumrennen und merken, dass das alles mit den Weihnachtsmenüs für den 24. und 25. und 26. nicht so klappt (Karpfen hätte man vorbestellen müssen und Sekt hat es keinen mehr und überhaupt bekommt man den ganzen Mist ohne 20 starke Sherpas nicht nach Hause…), haben Sie Ruhe die Dienstag-Freitag-Glosse zu anzuschauen.
Während andere Leute probieren, noch ein Bahnticket nach Hamburg-Dammtor zu ergattern, was schier unmöglich ist, selbst in der Ersten Klasse (auch das wusste man seit langem, denn Mama wohnt seit 2001 dort und Heiligabend ist auch immer am gleichen Termin), haben Sie Kapazität bei der Dienstag-Freitag-Glosse zu sein.

Frohe Weihnachten!
Frohe und gesegnete Weihnachten!

Sie, ja, genau Sie wären eigentlich die geeignete Bundeskanzlerin oder der geeignete Bundeskanzler der BRD.
Warum? Nun scheinbar sind Sie in der Lage, zu planen und für die Zukunft nachzudenken – und das unterscheidet Sie von sämtlichen Politikerinnen und Politikern.
Man weiss von jeder Brücke und jeder Bahntrasse und jedem Schulhaus, wann das Ding gebaut wurde und also auch, wann es einstürzt oder nicht mehr funktioniert.
Man weiss eigentlich auch, dass Kinder, die heute geboren werden, irgendwann einen Kita-Platz brauchen und später eine Grundschule und noch später ein weiterführendes Lerninstitut.
Man wusste auch, dass das Auto als Grundstein einer Volkswirtschaft nicht ohne Probleme ist. Schon in den 80er Jahren brachte der Chef von BMW das auf den Punkt: «Es gibt», so sagte der gute Mann in einem Interview, seinen Namen habe ich vergessen, «schon viel, viel, viel zu viele Autos auf der Welt, aber immer noch viel, viel, viel zu wenig BMWs.»
Und die Digitalisierung…
Ach, die Digitalisierung…
Die Digitalisierung…
Es gab Politikerinnen und Politiker, die hofften, dass dieses seltsame Phänomen irgendwann wieder verschwinden würde, so wie eine dunkle Wolke, ein Gewitter, so wie ein Virus oder Bakterium, es gab wenige, die warnten, dass den digitalen Strukturen die Zukunft gehöre und man sich drauf einstellen müsse.
Zum Beispiel mit Glasfasern und Handymasten.
Und Servern – und vor allem Regeln!
Auf den Punkt gebracht:
Politikerinnen und Politiker scheinen die Menschen zu sein, die heute noch zu Douglas rennen, die ihr Ticket noch nicht haben, heute noch einen Karpfen suchen und den Christbaumständer nicht finden.
Und wenn Sie das Gegenteil sind, wären Sie doch ideal.

Frohe Weihnachten!
Frohe und gesegnete Weihnachten!

Also: Partei gründen und antreten!
Was sagen Sie?
Sie haben keine Chance?
Das macht nichts, wir haben ja das, was die eine Dame als «Kanzlerkandidaten-Inflation» bezeichnet, alle stellen Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten auf. Und da spielt es keine Rolle, ob sie als Spitze unter den 5% liegen (das teilen Sie mit Lindner), oder ob Sie knapp über 5% sind (teilen Sie mit Wagenknecht) oder ob niemand mit Ihnen koalieren will (teilen Sie mit Weidel).
Wenn Sie heute – also wirklich heute, am 24.12.! – diese Glosse lesen, sind Sie prädestiniert für ein Spitzenamt.

In diesem Sinne:
Fröhliche Weihnacht überall!
Merry Christmas!

Freitag, 20. Dezember 2024

Bitte kein Wahlkampf im Weihnachtsgeschäft!


Der deutsche Einzelhandel
vertreten durch
Handelsverein Deutschland
Am Binsendamm 1D
10123 Berlin

An die
deutschen Politiker
Bundestag
Strasse der BRD 16
10777 Berlin

OFFENER BRIEF

Berlin, späte Adventszeit 2024

Liebe Polit-Profis

Wir haben eine grosse Bitte an euch: Macht uns bitte den Weihnachtsverkauf nicht kaputt.

Wie Ihr vielleicht wisst, ist die Zeit kurz vor dem Heiligen Abend eine extrem wichtige Zeit für den Einzelhandel. Niemand hat da Urlaub, alle sind da, sogar Aushilfen, alle Regale sind voll und wir machen bis zu 20% des Jahresumsatzes in ein paar Tagen.
Das wisst ihr vielleicht auch nicht, weil natürlich niemand von euch Geschenke einkauft, das machen eure PAs und PRs, eure persönlichen Referenten und Assistenten. Und manchmal kommt es zu blöden Szenen, weil der Herr Minister oder die Frau Ministerin vergessen hat, was sich in dem rot oder blau oder grün oder schwarz beschleiften Päckchen befindet.

Liebe Polit-Profis, dem Einzelhandel geht es schlecht.
Das habt ihr vielleicht nicht mitbekommen, aber es ist noch blöder: Ihr seid nicht ganz unschuldig daran, dass es dem Einzelhandel schlecht geht. Immer wieder macht das Wort von der «Konsum-Unlust» der Leute die Runde, und da fragt man sich natürlich, warum die Bevölkerung so «konsum-unlustig» ist. Es gibt da einen klaren Grund: Die Menschen haben zu wenig Geld und Zukunftssorgen. Die Mieten steigen, die Lebensmittel werden teurer und die Versicherungsprämien klettern, dann bleibt halt wenig für die Präsente unter dem Weihnachtsbaum.
Es wäre toll gewesen, ihr hättet die Leute ein wenig entlastet, so 100 Euro für jeden Weihnachtsgeld, das wäre doch etwas gewesen. Gut, 8 Milliarden hätte das gekostet, aber wenn man 100 für Panzer hat, dann müsste das doch auch gehen…

Nun aber unsere grosse, grosse, grosse, grosse Bitte:
Bitte fangt nicht VOR dem Weihnachtsfest mit dem Wahlkampf an!

Man stelle sich vor:
Ein nette ältere Dame strebt zu ihrer Buchhandlung, um für ihre 8 Enkel noch ein paar Büchlein für unter den Gabentisch zu besorgen. Und dann stehen da die Typen von der CDU und versuchen sie zu überzeugen, dass die Krise in Deutschland erst durch die Ampel kam und die CDU keinerlei Schuld hat und die Rettung aus der Krise ist – und die ältere Dame kehrt um und kauft keine Bücher, sondern häkelt jedem Enkelkind schnell einen Schal.
Eine Katastrophe.

Man stelle sich bitte vor:
Ein netter jüngerer Herr strebt zu einer Parfümerie, um für seine Angebetete noch ein Flacon Artemis® von Dior® zu erstehen. Und dann stehen da die Typen von den GRÜNEN und rechnen ihm den CO2-Abdruck der Herstellung von Artemis® von Dior® vor – und die jüngere Herr kehrt um und bestellt Artemis® von Dior® bei Amazon, Brack, Galaxus oder sonstwo.
Eine Katastrophe.

Man stelle sich vor:
Ein Paar, er Kenianer, sie Chinesin strebt in ein Delikatessengeschäft, um für den Weihnachtsabend einzukaufen, Freunde sollen kommen und er und sie wollen kochen – kenianische Vorspeisen und chinesische Hauptspeise und ein deutsches Dessert (!). Und dann steht da die AfD und dann geht man und frau natürlich keinen Schritt weiter, obwohl man denen ja erklären könnte, wie anständig und integriert und deutsch man ist, man hat einfach keine Lust dazu, und man und frau kehrt um und kauft die Zutaten im Supermarkt.
Eine Katastrophe.

Nein.
Nein.
Bitte, liebe Politikerinnen und Politiker:
Startet mit dem Wahlkampf erst im Januar, das reicht völlig. Aber wenn ihr schon die Wirtschaft in der BRD kaputtmacht und so wenige Geld für Weihnachtsgeschenke haben, dann wimmelt uns die wenigen nicht ab.

Eure Einzelhändler