Dienstag, 18. April 2023

Das April-Phänomen

Die alten Herren am Nachbartisch sind am Schimpfen. Sie schimpfen – wie so viele und wie viele so oft – über das Wetter:
«Mal kalt und mal warm, man weiss gar nicht, was man anziehen soll!» «Das ist der April!» «Der Scheiss-April!» «Gestern bin ich ohne Schirm aus dem Haus, bei schönstem Sonnenschein, und dann regnet es nach 10 Minuten.» «Das ist der April.» «Blöder April.» «Bei dem Aprilwetter bleibt man am besten zu Hause.» «Mal Hitze, mal Schnee.» «Scheiss-April.»
So geht das eine halbe Stunde.

Das Merkwürdige ist, dass die Herren seltsam fröhlich und glücklich scheinen bei ihrem Gemotze. Sie lachen und haben lustige Gesichter. Ich überlege eine Weile, warum das so ist, dann komme ich darauf: Es ist ein Phänomen, das ich nach dieser Unterhaltung April-Phänomen taufen werde: Wir motzen und schimpfen, aber wir sind glücklich, dass alles normal ist. Das heisst: Die Herren sind zufrieden, weil der April sich als das zeigt, als was man ihn kennt:
«Mal kalt und mal warm, man weiss gar nicht, was man anziehen soll!» (Lachen) «Das ist der April!» (Grinsen) «Der Scheiss-April!» (Kichern) «Gestern bin ich ohne Schirm aus dem Haus, bei schönstem Sonnenschein, und dann regnet es nach 10 Minuten.» (Lachen) «Das ist der April.» (Schmunzeln) «Blöder April.» (Glucksen) «Bei dem Aprilwetter bleibt man am besten zu Hause.» (Lächeln) «Mal Hitze, mal Schnee.» (Heiterkeit) «Scheiss-April.»

In einer Zeitschrift habe ich über eine Umfrage gelesen, die Psychologen im Jahr 2022 gemacht haben. Probandgendergapinnen mussten vier Aussagen nach ihrer Akzeptanz sortieren:

a) Etwas Gutes, Erhofftes trifft ein.
b) Etwas Gutes, Erhofftes trifft nicht ein.
c) Etwas Schlimmes, Befürchtetes trifft ein.
d) Etwas Schlimmes, Befürchtetes trifft nicht ein.

Sie hätten sicher gedacht, dass die Reihenfolge d), a), b) und c) ist. Oder vielleicht d) und a) vertauscht. Das Ergebnis – das eindeutige Ergebnis war aber: a), c), d) und b).
Auf Deutsch: Man findet es besser, wenn etwas den Erwartungen (gut oder böse) entspricht wie nicht.

Warum ist das so? Wahrscheinlich, weil die Menschen Sorge haben, dass die Welt sich zu sehr verändert. Die Punkte a) und c) zeigen ganz klar, dass alles noch in Ordnung ist:
Zwei Hunde, eine zähnefletschende Dogge und ein Pudel. Der Pudel beisst uns nicht: Die Welt ist in Ordnung. Die Dogge beisst uns: Die Welt ist in Ordnung. Der Pudel beisst uns: Die Welt ist nicht in Ordnung. Die Dogge beisst uns nicht: Die Welt ist nicht in Ordnung.

Und hier noch die Fassung für literarisch gebildete Menschen:
Zwei Hunde, eine bissige Dogge und ein herziger Pudel. Aus dem Pudel kommt der Teufel: Die Festen der Welt stehen noch. Aus der Dogge kommt nicht der Teufel: Die Säulen der Erde stehen. Aus dem Pudel kommt nicht der Teufel: Die Festen der Welt wanken. Aus der Dogge kommt der Teufel: Die Säulen der Erde sind am Wackeln.

Ich muss zugeben, dass es mir nicht anders geht. Wie oft habe ich in den letzten Tagen über das Abwechseln von Sonne und Regen gemeckert, innerlich aber froh, denn die Reime meiner Kinderzeit spuken im Kopf herum:

Der April, der April
Der macht, was er will

Der April ist gar nicht gut
Regnet den Leuten auf den Hut

Und mit dem Wetter, bei dem Sonne und Regen sich im Minutentakt abwechselten, war ich deshalb zufrieden.

Genauso bin ich unglücklich, wenn die DB pünktlich ist. Das war sie bis jetzt auf meiner Osterreise. Ich kann nur hoffen, dass die Heimfahrt von Holland nicht glatt verläuft, sonst geriete mein Weltbid völlig ins Wanken.
Ins Wanken geriet mein Weltbild schon bei den Ferienwohnungen: In Stuttgart (Ring des Nibelungen!) war das Appartement total verdreckt – trotz schwäbischer Vermieterin. In Den Haag strahlte alles vor Sauberkeit. Die Feste der Erde wankten.

Die alten Herren am Nachbartisch sind am Schimpfen. Sie schimpfen – wie so viele und wie viele so oft – über das Wetter:
«Mal kalt und mal warm, man weiss gar nicht, was man anziehen soll!» «Das ist der April!» «Der Scheiss-April!» «Gestern bin ich ohne Schirm aus dem Haus, bei schönstem Sonnenschein, und dann regnet es nach 10 Minuten.» «Das ist der April.» «Blöder April.» «Bei dem Aprilwetter bleibt man am besten zu Hause.» «Mal Hitze, mal Schnee.» «Scheiss-April.»
So geht das eine halbe Stunde.

Das macht ja nun oft Sinn, den Anfang noch einmal zu zitieren. Heute nicht. Heute ist es unnötig. Heute nervt es total.
Aber mal ganz ehrlich: Wenn ich es nicht gemacht hätte, wäre ja wieder alles im Argen gewesen. Also nerve ich – und die Welt ist in Ordnung.



 

Freitag, 31. März 2023

Unsinn Sommerzeit - Blogpause


Ich habe am 5. April 2016 einen Post zum Thema «Sommerzeit» veröffentlicht. Und mich in diesem über diesen Schwachsinn aufgeregt.
Ich schrieb damals:

Nehmen Sie z.B. einen Menschen, der jeden Tag um 6.03 den Zug via Moutier nach Solothurn nimmt. Ich stehe um 4.45 auf, gehe um 5.38 auf das Tram 2 und besteige um 6.03 den IC nach Laufen-Delemont-Moutier-Grenchen-Biel. In Moutier steige ich um 7.54 in den Bummler, der durch den Weissenstein fährt und bin um 7.20 in Solothurn West.
War es VOR dem unsäglichen 27.3. beim Loslaufen daheim schon noch dunkel, wurde es in Laufen schon heller, in Moutier war es sehr hell und während der Fahrt durch den Berner Jura kam die Sonne hervor, um in Brudersphären Wettgesang zu tönen. Jetzt ist wieder alles dahin: Loslaufen, Tramfahrt, Birstalfahrt, Jurafahrt, alles im Dunkeln, Kuhnacht. Es ist so, wie wenn man einem die Verlockungen der hellen Jahreszeit gezeigt hätte und ihm dann auf die Finger haut und es ihm wieder wegnimmt.

Was ich – so glaube ich – damals nicht ahnte: Dass sieben Jahre später der Unsinn immer noch besteht.

Also:
Eigentlich besteht der Unsinn seit 1980, also über 40 Jahre, und seit 20 Jahren weiss man, dass das Ganze seinen angeblichen Zweck (die Energieeinsparung) verfehlt. Seit 10 Jahren weiss man, dass man irgendwann aussteigen will. In 5 Jahren. Oder in 10 Jahren. Oder in 20 Jahren. Gottes und die Mühlen in Brüssel mahlen langsam – und so kann man vielleicht 2180 zum Hundertsten der Sommerzeit ihre Abschaffung schaffen…

In der Schweiz hat man eh ein sehr gespaltenes Verhältnis zur MESZ. Zunächst war das Volk dagegen und 1980 hatte die Schweiz als «unbeugsames quasi gallisches Dorf» die alte Zeit. Ein Chaos war die Folge:

Als die Nachbarländer am 6. April 1980 die Zeiger um eine Stunde vorrückten, triumphierten die Schweizer Bauern: ihre Kühe mussten sich nicht an veränderte Melkzeiten gewöhnen. Dafür bekamen die Schweizer Fernsehzuschauer nun Probleme. Sie mussten sich entscheiden, ob sie die Schweizer Tagesschau oder den Krimi auf der ARD sehen wollten – denn beides lief zeitgleich. Im TV-Programm kam es zu Kollisionen, damit diese auf der Schiene ausblieben, standen die Züge an Grenzbahnhöfen oft eine Stunde still und die SBB erarbeitete einen Notfahrplan. Besonders ärgerlich war die Sache für die Grenzgänger, die nun täglich die Zeitzonen wechselten. Es sei denn, sie waren bei einer jener Firmen, die nach europäischer Zeit arbeiteten, weil sonst die ausländischen Partner um «11 Uhr» schon in der Mittagspause waren. Gegen Ende des Sommers sahen die meisten ein, dass es so nicht weitergehen konnte – bovine Biorhythmen hin oder her.

(Historiker Benedikt Meyer im Blog des Nationalmuseums)

Also folgte im nächsten Jahr die Schweiz mit einem Bundesratsbeschluss den anderen Ländern. Ein «Unbeugsamer» versuchte noch das Referendum zu ergreifen, bekam aber die nötigen Unterschriften nicht zusammen. Wer das war? Sie ahnen es: Es war Christoph Blocher. Was das übrigens zeigt, ist: Den Eidgenossen ist der «Tatort» wichtiger als ihre Kühe…

Nun aber ist alle Welt der MESZ müde und viele hoffen jedes Jahr, dass es das letzte sein möge.
Warum aber braucht es so lange?

Die Erklärung führt uns unter anderem in die wilde und wonnige Welt der Paradoxa.
Sie erinnern sich vielleicht an den herrlichen Spruch vom Epidemides aus Kreta, der sagt, alle Kreter seien Lügner (…da er selber Kreter ist, lügt er, das stimmt also nicht, die Kreter sagen die Wahrheit, also stimmt es auch, dass Kreter lügen… wir drehen uns im Kreis)
Sie haben eventuell auch die Bilder des Holländischen Grafikers Escher vor Augen. (Bitte Es-ch-er aussprechen, bitte!) Er wurde ja berühmt durch Treppen, die immer aufwärts und doch im Kreis gehen.

Und diese MESZ-Geschichte ist nun auch paradox:
Die Menschen sind gegen Umstellung.
Und weil die Menschen gegen Umstellungen sind, möchten sie jetzt den Zustand beenden, in dem jedes Jahr die Uhrzeit umgestellt wird. Allerdings: Diesen Zustand gibt es jetzt ja auch schon ewig, ja, und eine Änderung dieses Zustands wäre ja nun auch eine Umstellung. Anders formuliert: Weil man gegen das Umstellen ist, kann man das Umstellen nicht ändern, denn die Umstellung von «wir stellen um» zu «wir stellen nicht um» ist nun halt auch eine Umstellung…

So wird der Unsinn auch nächstes Jahr die Leute (also mich) aufregen.

Die nächsten Wochen machen wir eine Blogpause – am 18. April geht es weiter.

























 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 28. März 2023

Aufpassen!

IdidZl
Aufgepasst! Aufgepasst! Passen Sie auf? Ja? Passen Sie jetzt gerade auf? Aufgepasst!

Ich erinnere mich dunkel an eine wunderbare Stelle in einem Kinderbuch, in dem ein Mädchen namens Trixie zum ersten Male allein zur Oma fährt:
«Gute Reise», sagte der Vater, «und pass auf!» Das war unnötig, denn Trixie passte immer auf. Allerdings nicht immer so, wie der Vater das meinte. Neulich hatte sie eine wunderschöne rote Blume gefunden, einmal ein Zwei-D-Mark-Stück und einmal eine herrenlose Katze.

Aufgepasst!
Passen Sie auf? Passen Sie auf! Zahlen Sie Aufmerksamkeit (wie der Brite sagen würde…)

Wenn wir von «aufpassen» reden, beinhaltet das ja stets mehr, als nur Sachverhalte sinnlich und geistig wahrzunehmen. Stellen Sie sich vor, dass Sie bei mir zum Frühstück eingeladen sind. Und stellen Sie sich weiter vor, dass, als gerade die Eier im Topf sind, das Telefon klingelt. Also sage ich zu Ihnen: «Können Sie gerade mal auf die Eier aufpassen?»
Was tun Sie jetzt?
Vielleicht haben Sie sich, wenn ich wiederkomme, den genauen Zeitpunkt des Siedens gemerkt und verkünden stolz: «Die Eier kochen seit 9 Uhr 45 und 30 Sekunden.»
Das war aber nicht das, was ich mit «aufpassen» meinte. Denn inzwischen ist es 10 Uhr und die Hühnerprodukte steinhart. Ich hatte natürlich gemeint, dass Sie – auch wenn das nicht explizit gesagt wurde – die Zeit stoppen und die Eier nach 3 ½ Minuten herausnehmen.

Aufgepasst! Zahlen Sie Aufmerksamkeit!
Haben Sie den Überblick?

Überblick und Aufsicht sind ja auch so zwei Dinge. Eigentlich sogar fast Synonyme. Wenn ich «auf» etwas sehe, dann «überblicke» ich es auch.
In den meisten Schulen war früher der Schreibtisch des Rektors so gestellt, dass er auf den Pausenhof sah und damit den Überblick hatte. Und oft notierten die Rektoren (ja, damals war das meist die männliche Form) das, was sie dort sahen:
8. 13 Ein Drittklässler kommt zu spät
8. 30 Zwei Viertklässler rauchen heimlich in der Ecke
8. 32 Eine Zweitklässlerin wirft Papier auf den Boden
8. 50 Dr. Hempel kommt (schon wieder!) zu spät
Was taten sie aber dann mit den Infos? Hoffentlich taten sie alles, um die Missstände zu beheben. Wenn nicht, wären sie jämmerlich schlechte Schulleiter gewesen…

Aufgepasst!
Passen Sie auf? Passen Sie auf!
Zahlen Sie Aufmerksamkeit? Zahlen Sie Aufmerksamkeit!
Haben Sie den Überblick? Sie haben die Aufsicht!

So lustig uns Trixie vorkommt, die eine Katze sieht, aber vielleicht den falschen Zug nimmt, so abstrus es uns anmutet, wenn man den Siedezeitpunkt weiss, aber die Eier nicht aus dem Wasser nimmt, so blöde wir einen Rektor finden, der alles sieht, aber nix tut, so schrecklich muss uns doch nun die Rolle diverser Aufsichtsgremien vorkommen.
Wir erinnern uns:
Vorige Woche wurde die zweitgrösste Schweizer Bank, die CS, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gerettet, um nicht eine nationale (und globale) Bankenkrise auszulösen.
Hatte da niemand die Aufsicht? Niemand den Überblick? Passte niemand auf?

Eine Bank ist eigentlich in doppelter Hinsicht abgesichert: Einerseits gibt es ein Aufsichts-Gremium (das die Deutschen Aufsichtsrat, die Schweizer aber Verwaltungsrat nennen). Die Mitglieder sind alles Fachleute, hochkompetent und exorbitant (ja, ja, ja, ja, jetzt muss das Wort wieder her…) bezahlt und sollten wachen. Über diesen und über allen Banken gibt es dann noch eine staatliche Bankenaufsicht, auch sie zusammengesetzt aus Fachleuten, hochkompetent und höchstbezahlt. Alle diese Leute übten ihr Amt nun nach der Eierkoch-Methode aus:

Die CS steht vor Gericht.
Die Überblicks-Gremien notieren:
«Die CS steht vor Gericht.»
Die CS macht Verlust.
Die Überblicks-Gremien notieren:
«Die CS macht Verlust.»

Alle Probleme, die nun zu einer Hauruck-Aktion und dem exorbitanten (es geht nicht ohne…) Einsatz von Steuergeldern führten, waren bekannt. Und wurden bemerkt.
Und niemand tat etwas…

«Gute Reise», sagte der Vater, «und pass auf!» Das war unnötig, denn Trixie passte immer auf. Allerdings nicht immer so, wie der Vater das meinte. Neulich hatte sie eine wunderschöne rote Blume gefunden, einmal ein Zwei-D-Mark-Stück und einmal eine herrenlose Katze.
Man kann nur hoffen, dass Trixie heute freischaffende Malerin oder Musikerin ist und nicht etwa als Ökonomin oder Juristin in einem Verwaltungs- oder Aufsichtsrat.







     

Freitag, 24. März 2023

"Exorbitant"

Heute müssen wir ein wenig Sprachwissenschaft betreiben, genauer gesagt, ein bisschen Etymologie.

Das Lateinische kennt das Wort «orbis».
Dieses schöne Wort bedeutet so viel wie Kreis, Rundung, aber auch Umkreis und Kreislauf, sowie Erdkreis und Weltkreis. Sie kennen vielleicht den Segen, den der Papst, der Pontifex an Ostern über die Brüstung schmettert: «Urbi et Orbi» – der Stadt und dem Erdenrund wird hier der Segen zugesprochen. Die Frage, die sich zurzeit stellt, ist, ob der Papst, der Pontifex in Zukunft «Urbi et Orbi sine Germania» (also: Stadt und Erde ohne Deutschland) rufen muss, aber das führt uns ganz, ganz, ganz, ganz weit vom Thema weg und muss an anderer Stelle erörtert werden.

Von «orbis» leitet sich nun «orbita» ab, die Bahn, das Gleis, das Wagengleis und von diesem schönen Nomen das Adjektiv «exorbitant». Das Internet meint hierzu:

Worttrennung: ex·or·bi·tant, Komparativ: ex·or·bi·tan·ter, Superlativ: ex·or·bi·tan·tes·ten Aussprache : [ɛksʔɔʁbiˈtant]
Bedeutungen: gewaltig, außerhalb der Maßstäbe, außergewöhnlich, enorm
Herkunft: aus dem Französischen im 18. Jahrhundert entlehnt; von «exorbitans», Partizip Präsens des Verbs «exorbitare» von der Bahn, vom rechten Weg abweichen“
Synonyme: aussergewöhnlich, horrend, gewaltig, übertrieben

Das wäre alles nun nicht spannend, wenn dieses Wort nicht gefallen wäre, und zwar an prominentester Stelle:

Der Bugesumi Karlchen Lauterbach (ja, ja, ja, mal wieder der, aber ich habe schon lange nix mehr über ihn gebracht) will diejenigen unterstützen, die von Long-Covid und Corona-Impfschäden betroffen sind. Für ein solches Programm sei er «quasi in den Haushaltsverhandlungen», hatte der Minister an einem Sonntag im ZDF angekündigt. Für Corona-Impfschäden hafte vereinbarungsgemäß der Staat, sagte Lauterbach, es wäre aber «wertvoll», wenn sich auch die Arzneimittel-Hersteller beteiligten. «Denn die Gewinne sind ja exorbitant gewesen. Und somit wäre das tatsächlich mehr als eine gute Geste, sondern das könnte man erwarten.»

Das ist nun wirklich sensationell. Erstaunlich, dass das eher irgendwie unterging. Das Sensationelle ist nicht, das Wie oder das Wo oder das Warum, sondern das Das. Meint, dass es nicht sensationell ist, wo und warum Lauterbach das sagt, sondern dass er überhaupt dieses Wort in den Mund nimmt.
Denn:
Die «exorbitanten» Gewinne von Firmen gehören zu den Sachen, die völlig klar sind, über man aber nicht spricht.

Haben Sie – um ein Beispiel zu nennen – erlebt, dass der Pontifex vor dem «Urbi et Orbi» über seinen Stuhlgang spricht, dass er z.B. sagt: «Heute morgen konnte ich richtig gut aufs Klo.» Oder: «Ich bin seit Tagen verstopft.» Natürlich wissen wir, dass auch das Oberhaupt der Katholischen Kirche eine Verdauung und einen Darm hat, aber er redet natürlich nicht darüber.
Haben Sie erlebt, dass ein Machthaber im Staate XY nach der Wahl offen zugibt, dass er gefälscht und gefakt hat? Natürlich weiss jede und jeder, dass die 95% für ihn und die 5% für die Gegenkandidatin nicht ganz sein können, aber es ist fast nicht möglich, dass er so darüber redet.
Haben Sie heute schon den Satz «die Sonne ist heute Morgen aufgegangen» gehört?
Haben Sie heute schon den Satz «ich muss ständig atmen, sonst sterbe ich» gehört?
Haben Sie heute schon den Satz «wenn ich jetzt das Buch loslasse, fällt es zu Boden» gehört?
Haben Sie heute schon den Satz «meine Fenster sind durchsichtig» gehört?
Haben Sie heute schon den Satz «mein Hund bellt manchmal» gehört?

Selbstverständliche Dinge werden nicht genannt – normalerweise. Und so ist es erstaunlich, dass Karlchen das so deutlich sagt.

Betreiben wir nun noch einmal Sprachwissenschaft:
Wenn wir «exorbitant» von seiner Grundbedeutung her deuten, dann heisst es nicht nur riesig und gross und massig, sondern könnte auch bedeuten, dass hier etwas aus dem Gleis gelaufen ist, das hier – um es besser zu sagen – Dinge aus dem Ruder laufen…

Während ich hier so fröhlich über Karlchen philosophiere, fällt mir natürlich noch eine andere Verwendung für das Wort ein:
Die CS.
Auch hier könnte man ja fröhlich formulieren:

Die Verluste der Credit Suisse waren exorbitant (aus dem Ruder gelaufen), denn sie war exorbitante (aus dem Ruder gelaufene) Risiken eingegangen und hatte in exorbitanten (aus dem Ruder gelaufenen) Gefahren gewirtschaftet. Dafür erhielten die Manager Gehälter, die exorbitant (aus dem Ruder gelaufen) und Boni, die exorbitant (aus dem Ruder gelaufen) waren. Die UBS kauft nun zu einem exorbitant schlechten (aus dem Ruder gelaufenen) Preis und der Staat schiesst exorbitant viel zu.

Auch hier passt das sehr schön.

So, so viel Sprachwissenschaft für heute.
Wie fanden Sie dieses Mal die Glosse?
Aber sagen Sie bitte nicht…









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

        

 

 

 

 

 

 

Dienstag, 21. März 2023

Selbstversuch: Ein GA 1. Klasse

Ich habe in den letzten Wochen (er geht bis zum 26. 3.) einen ungeheuren Selbstversuch unternommen: Ich habe mein GA upgedatet und bin Erster Klasse gefahren.

Das klingt jetzt ein bisschen blöde, oder? Denn «Selbstversuch» tönt ja nach Gefahr, nach Risiko, das tönt nach Abenteuer und Schwierigkeit und nicht nach zusätzlicher Bequemlichkeit. Einen wirklichen Selbstversuch, einen, der Gefahr und Risiko beinhaltete, unternahm – und das ist jetzt ein nicht geplanter Zufall – der Basler Chemiker Hofmann vor fast genau 80 Jahren, am 19. April 1943, er nahm zum ersten Male LSD ein. Auch Wolf Biermann sprach von einem «Selbstversuch», als er im Frühjahr 1953 – auch hier wieder ein Jubiläum – in die DDR übersiedelte.

Was haben nun mein Selbstversuch und diese Ereignisse miteinander zu tun? Bei jedem Selbstversuch geht es um Fragen, die man beantwortet haben will. So wollte Hofmann schlicht und einfach wissen, wie LSD beim Menschen wirkt und Biermann wollte wissen, wie es sich als Kommunist im kommunistischen Deutschland lebt.
Und auch ich wollte entscheidende Fragen beantwortet haben. Und zwar diese:

1.) Finde ich in der 1. Klasse besser einen Platz?
2.) Ist es in der 1. Klasse schöner, bequemer, wärmer, netter?
3.) Ich schlafe ja immer im Zug – werden dann auch meine Träume erstklassig sein?
4.) Werde ich aufgrund des ausgeschenkten Gratis-Sekts wieder in ein Alkoholproblem rutschen?
5.) Wird sich ein ständiges 1. Klasse-GA lohnen?

Und hier die Ergebnisse meines Selbstversuches:

Zu 1.): Klares Nein.
Da viel weniger Leute ein 1. Klasse-Ticket haben, es aber auch viel weniger Abteile Erster Klasse gibt, hält sich es genau die Waage. Um 6.00 und um 15.00 zum Beispiel finden Sie mühelos einen Sitzplatz in der 1. Klasse – Sie würden aber auch in der Zweiten eine Vierergruppe für sich haben. Um 7.30 und um 17.30 ist es in der Zweiten Klasse ja bekanntermassen gestopft voll – in der Ersten aber genauso, ganz, ganz, ganz genauso.

Zu 2.): Klares Nein.
Es ist weder schöner, noch netter, noch bequemer. Dazu muss man sagen, dass die Züge und Sitze in der Schweiz in beiden Klassen sehr schön und bequem sind. Es gibt sogar Züge, in denen die 1. Klasse Leder und die 2. Klasse Polster hat, wer also gerne gepolstert sitzt, ist in der Zweiten besser aufgehoben. Nun aber kommt der Hammer: Die Erste war regelmässig schlechter beheizt, mehr als einmal bin ich deshalb zurück in die Zweite. Hä? Wie kommt denn das? Geht man davon aus, dass die Reisenden 1. Klasse alle im Nerz und Zobel und die anderen in Lumpen kommen? Es ist nicht erklärbar.

Zu 3.): Klares Nein.
Meine Träume – wenn ich mich erinnern konnte – waren wie immer. Ich hatte gehofft, dass ich von einsamen Stränden, von goldenen Thronen und von herrlichen Wäldern, dass ich von Diners auf stillen mediterranen Plätzen und Drinks unter Palmen träume. Aber die Traumerlebnisse von einsamen Stränden, von goldenen Thronen und von herrlichen Wäldern, diejenigen von Diners auf stillen mediterranen Plätzen und Drinks unter Palmen blieben aus, meine Träume blieben – so bitter muss man das sagen – zweitklassig.

Zu 4.): Klares Nein.
Und zwar aus einem Grund: Es gibt in der 1. Klasse keinen Gratis-Sekt. Es gibt auch keinen Gratis-Wein. Und auch kein Gratis-Bier. Es gibt aber nicht nur keine alkoholischen, es gibt auch keine nichtalkoholischen Getränke, es gibt überhaupt nichts umsonst. Es gibt kein Wasser und keine Chips und keine Nüsse und keinen Tee. Nix. Nada. Nothing. Ich bin im Jahr 2017 von London nach Nottingham Erster Klasse gefahren (weil der Automat mir nichts anderes gab, siehe Post «England 1: Ich fahre Erste Klasse - Nicht wissen ist besser» vom 28. Juli 2017) und da gab es Kaffee satt und kostenlos…

Zu 5.): Klares Nein.
Und zwar aus den Gründen, die ich in 1.) bis 4.) geschildert habe. Und noch aus einem anderen Grund: Ich habe ein paar Male erlebt, dass die Kontrolleure Menschen, die in der falschen Klasse waren, einfach wieder in die Zweite schickten. Eigentlich hätten sie 80 Franken kassieren müssen, als jemand, der ja über 200 Franken bezahlt hat, kam ich mir verarscht vor (sit venia verbo). Wenn ich nun mal Lust habe, in einer S-Bahn in die Erste Klasse zu wechseln, dann mache ich das einfach und stelle mich, sollte ich geprüft werden, einfach doof…

Ich habe in den letzten Wochen (er geht bis zum 26. 3.) einen ungeheuren Selbstversuch unternommen: Ich habe mein GA upgedatet und bin Erster Klasse gefahren.

Und werde das nicht weiter machen.



Freitag, 17. März 2023

Die kleinen Makel

Frau Prof. Dr. Anne-Dorothea Meyer-Bodenfeld hat seit 2017 den Lehrstuhl für molekular-systemische Festbiologie an der Hochschule in Düsseldorf inne. Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, was molekular-systemische Festbiologie ist, Frau Professor hat mir zwei Stunden lang probiert zu erklären, was sie in der molekular-systemische Festbiologie macht, ich habe es nicht verstanden. Darum wird es heute aber auch überhaupt nicht gehen.
Es geht um Frau Prof. Dr. Anne-Dorothea Meyer-Bodenfeld als Person. Sie ist – wer würde es anders erwarten – hochmotiviert, rational und rationell, wissenschaftlich denkend und super organisiert. Meyer-Bodenfeld ist im IT-bereich genauso fit wie in ihrer Biologie und spricht – selbstverständlich – fliessend und akzentfrei Englisch.
Es gibt in diesem glatten, technischen und fast harten Bild von ihr nur ein kleines Detail, das nur ganz wenig Leute kennen: In ihrer Aktentasche befindet sich ganz, ganz, ganz, ganz, ganz unten ein kleiner rosa Stoffteddy. Dieser Stoffteddy, er heisst Louis-Justus (nach Pasteur und Liebig, aber das haben Sie wahrscheinlich gemerkt) und ist ihr persönlicher Talisman. Wenn Frau Prof. Dr. Anne-Dorothea Meyer-Bodenfeld nun einen sehr wichtigen Termin hat, zum Beispiel ein Treffen mit Sponsoren, dann nimmt sie (in einer unbemerkten Minute) Louis-Justus aus der Tasche und streichelt ihn.

Dr. Klaus-Michael Müller-Trutzburg ist Leiter der Abteilung Musik im Feuilleton einer grossen deutschen Tageszeitung. Er hat über das Spätwerk von Gustav Mahler promoviert und mehrfach über Schoenberg veröffentlicht. Durchs seinen Job ist Müller-Trutzburg aber nicht nur im Fin de Siècle zuhause, nein, er kann genauso eine Harnoncourt- von einer Christie- oder Kujiken-Aufnahme unterscheiden, ist aber auch beim Eclat in Stuttgart oder in Donaueschingen anzutreffen. Geschenkt, geschenkt, dass auch die Pressekarten für die Premieren in Bayreuth und Salzburg auf seinem Schreibtisch liegen.
Seine Texte sind fachkundig, geschliffen und nehmen Bezug auf viele künstlerische, literarische und philosophische Seitenstränge. Aber auch das Faktische ist seine Sache, weh dem Tenor, der das g`` in der Bildnis-Arie verwackelt, weh dem Pianisten, der die Anfangs-Tonleitern bei Beethoven Nr. 3 verhudelt!
Es gibt in diesem glatten, feuilletonistischen und fast harten Bild von ihm nur ein kleines Detail, das nur ganz wenig Leute kennen: Er hat eine alte Musikkassette mit Musikstücken, die er gerne hört – was er sich aber nur traut, wenn er ganz, ganz, ganz, ganz, ganz alleine ist. Darauf befinden sich unter anderem Roland Kaisers «Santa Maria» und die «Südböhmische Polka» der Egerländer Musikanten.

Bernd und Luisa führen einen perfekten Haushalt. Sie haben die Aufgaben genau aufgeteilt: Luisa kocht und macht die Wäsche, Bernd putzt und macht den Einkauf. Ordnung halten sie beide. Und zwar wirklich Ordnung, es fährt nichts rum, es liegt nichts herum und jederzeit könnte ein Fotograf oder eine Fotografin von «Schöner Wohnen» anrücken.
Ja, könnte er, es sei denn…
es sei denn…
es sei denn…
Es sei denn, dieser Fotograf, diese Fotografin würde in die Speisekammer schauen. Dort würde er oder sie einen Ort des Grauens antreffen. Die Speisekammer ist einerseits dreckig, der Boden ist voller Krümel und die Gestelle sind mit zentimeterdickem Staub belegt. Andererseits ist das Räumchen völlig durcheinander und kruschtelig. Dosen stehen zwischen Tüten und Flaschen stehen zwischen Boxen. Dazu kommt: 30% der Lebensmittel sind abgelaufen, das Highlight ist eine Kekspackung aus dem Jahre 1999, also aus dem vorigen Jahrhundert, ja, aus dem vorigen Jahrtausend.

Was sind das für Sachen?
Warum hat Frau Prof. Dr. Anne-Dorothea Meyer-Bodenfeld, die oberseriöse Biologin einen Talisman-Teddy namens Louis-Justus?
Warum hört Dr. Klaus-Michael Müller-Trutzburg, der kulturbeflissene und oberphilosophische Leiter des Musikfeuilletons, heimlich Schlager und Volkstümliche Musik?
Warum ist die Speisekammer in dem sonst überpeniblen Haushalt von Bernd und Luisa ein solcher Ort des Grauens?

Weil wir alle eine kleine Stelle in unserem Leben brauchen, an der wir nicht perfekt sind, an dem wir unsere Prinzipien mit den Füssen treten, eine Stelle, an der wir abergläubisch sind und allen guten Geschmack über Bord werfen, an der wir die Sau rauslassen und uns das genehmigen, was wir niemandem sonst durchgehen liessen.
Und warum brauchen wir das?
Weil wir sonst wahnsinnig werden.
Kein Mensch kann immer nur perfekt, geordnet und hochstehend sein.
Geht nicht.

Aber: Diese Stelle zeigen wir niemandem. Niemandem. Keiner Seel auf diesem Erdenrund. Sie ist unser Rückzugsort, geheim und verborgen.
Und das wird er auch bleiben.

Dienstag, 14. März 2023

Wieder einmal Verleser

IdidZl

Und wie schon so manches Mal präsentiere ich Ihnen meine schönsten Verleser der letzten Zeit.
Das Verlesen ist ja eine der schönsten Sachen, es erfrischt wie Eis (ist aber nicht so kalorienreich), erheitert wie Sekt (und enthält 0% Alkohol) und ermuntert wie eine Zigarette (hat aber keine Teerstoffe). Das Verlesen gliedert sich stets in vier Phasen: Phase 1 – lesen und ver-lesen. Phase 2 – Hä? Das kann ja wohl nicht sein. Phase 3 – Ah, so heisst das. Phase 4 – Lautes, wildes Lachen. Und in diese vier Phasen möchte ich Sie gerne vier Male mitnehmen.
Hier also meine vier «Neulinge»

IHRE WTB SIND PIRAT FÜR SIE

Die WTB ist die «Wildtal-Bus» GmbH und ich bin erfreut und erstaunt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für mich Pirat spielen wollen. (Müsste es dann – so denke ich kurz – nicht «Piraten» heissen? Aber egal)
Wie wird nun das Pirat-Sein aussehen? Wird der Busfahrer eine Augenklappe haben? Wird ein Papagei mitfahren? Wird auf dem Busdach der Jolly Roger gehisst? Und vor allem: Wie wird das Piratenleben auf der kurzen Busreise (es sind nur 30 Minuten von Städtle am Wildtal bis Wildbach an der Wild) sein? Werden wir in echt andere Busse entern? Und diese kapern und ausplündern?
Ich male mir schon aus, wie ich am Abend mit Gold und Silber behängt nach Hause komme und meinem Partner erkläre: «Ich bin heute mit einem Piraten-Bus-Unternehmen gefahren und wir haben einen entgegenkommenden Bus überfallen und die Beute aufgeteilt.»
Und glücklicherweise war das gerade ein Damen-Brigdeclub aus Zürich.
Die Enttäuschung ist gross, als ich den Satz noch einmal lese: Nicht PIRAT will man für mich sein, sondern PARAT.

NEYMAR VERLETZT – DER EKELTECHNIKER FÄLLT AB JETZT AUS

Ich interessiere mich sonst nicht für Fussball, aber das finde ich reizend.
Ich stelle mir vor, welche ekligen Sachen man auf dem Platz machen könnte:
Man spuckt auf den Rasen – machen sowieso alle.
Man rülpst und furzt – wird wahrscheinlich beim Getöse der Fans gar nicht gehört.
Man kackt, pinkelt oder kotzt vors gegnerische Tor – gibt wahrscheinlich die rote Karte.
Man entblösst sich – man wird sozusagen zum eigenen Flitzer, aber wird das ein Fussballer machen? 
Man könnte – jetzt wird es immer ekliger – auch dem Gegner an Stellen fassen, die er nicht so gerne hat, zum Beispiel an den Hintern oder in den Schritt. Das gäbe allerdings Rote Karte UND eine Anzeige.
Und das alles soll Neymar, der tolle Neymar, der super Neymar, der grossartige Neymar im Repertoire haben?
Da lese ich noch mal genau:
Neymar ist kein EKELtechniker, sondern ein EDELtechniker

DIE WEISSAGUNGEN DES ABWARTS

Wir kennen viele Weissagungen, viele Orakel und viele Prophezeiungen. Allein das AT enthält vier grosse (Jesaja, Jeremias, Ezechiel und Daniel) und zwölf kleine Propheten. Und wenn Sie sich jetzt wie in der Sage vier Hünen und zwölf Gnome vorstellen, das «gross» und «klein» bezieht sich nur auf die Länge der Texte. Wir kennen also die Propheten der Bibel, wir kennen das Orakel von Delphi, wir kennen die Weissagung der Cree. Wir kennen Nostradamus und Madame Teissier. Wir lesen Horoskope und freuen uns auf den Weltuntergang.
Was wir nicht wussten: Der Abwart des Hallenbades Unterblohingen ist auch ein Schamane, er ist ein Seher und ein Prophet. Zumindest denke ich das, als ich lese, den Weissagungen des Abwarts sei Folge zu leisten. Würde ich auch machen, wenn der Abwart käme und sagte, ich solle heute Nacht bei Mitternacht am Hügelberg sein, weil dort die Götter kämen, ich wäre dort.
Dann bricht mit dem nochmaligen Lesen das Bild vom Seher-Abwart, vom Seher-Orakel, vom (grossen oder kleinen) Propheten-Abwart zusammen:
Den WEISUNGEN des Abwarts sei Folge zu leisten.

LEHRSTELLE ALS ASTHMATIKER

So schreibt mir ein Schüler.
Scheinbar muss man inzwischen, wenn man möglichst früh eine Invalidenrente beantragen will, auch eine Ausbildung machen. Wir haben ja alles zum Lehrberuf erklärt, die Putzkraft und den Teerausgiesser und den Regaleinräumer, und so ist es nur logisch, wenn auch hier ein Eidgenössisches Fachzeugnis verlangt wird. So gibt es also bald Asthmatiker EFZ und Rheumatiker EFZ und Neurodermitiker EFZ?
Nein.
Der Schüler hat eine Stelle als AUTOMATIKER.

So.
Das war doch wieder erheiternd.
Das Verlesen ist ja eine der schönsten Sachen, es erfrischt wie Eis (ist aber nicht so kalorienreich), erheitert wie Sekt (und enthält 0% Alkohol) und ermuntert wie eine Zigarette (hat aber keine Teerstoffe).
Und wir freuen uns schon wieder auf das nächste Mal.