Freitag, 18. Juni 2021

Suchfunktionen

Ich habe neulich über meine Kreuzworträtselsucht geschrieben, in jenem Post über verschiedene Aspekte wie fasche Definitionen und die Angabe der Richtigkeit (…der Applaus beim BLICK-Rätsel…) Während ich nun heute im Rätsel der Südschleswiger Nachrichten die Abkürzungen für Rostfreies Eisen (RFE) und Halbautomatisches Lesen (HAL) eintrage und mich tierisch darüber aufrege, denn diese Zeilen, bei denen es ja nichts zu raten gibt, könnte man ja auch einfach undefiniert lassen, überlege ich, ob ich schon über Abkürzungen geschrieben habe.

Für solche Recherche hat das Dashboard eine Suchfunktion. Und während ich nun strahlend „Abkürzungen“ in die Leiste eingebe, merke ich, dass ich mal über Suchfunktionen schreiben sollte, denn bei der Eingabe von
SUCHFUNKTION
in die Suchfunktion wird mir angezeigt, dass es keine Ergebnisse gebe.
Kann es sein, dass die Suchfunktion sich weigert, nach sich selbst zu ermitteln? So wie Dorfrichter Adam ja auch ziemlich in die Bredouille gerät, als er nach dem Zerbrecher des Kruges ermitteln muss, der er ja selbst ist… Aber ich glaube nicht, dass die Suchfunktion so denkt, ich habe wirklich noch nichts darüber geschrieben.

Also die Suchfunktion.

Toll, wenn man weiss, welches Wort man in einem Text benutzte.
Dann findet man den Text sofort, im nächsten Moment, in kürzester Kürze.
Ganz blöd, wenn man nicht mehr weiss, nach was man suchen muss.
Da weiss ich zum Beispiel, dass ich über Dichter der deutschen Romantik geschrieben habe – aber welche Poeten habe ich denn konkret erwähnt? Novalis? Fehlanzeige. Tieck? Fehlanzeige. Eichendorff? Auch nichts. Brentano? Heine? Ich finde keinen Eintrag. Habe ich eventuell oder vielleicht die romantischen Poeten umschrieben? Habe ich den guten Novalis den Montanistiker-Dichter genannt? Den Tieck den Shakespeare-Übersetzer? Heine den Toten vom Montmartre? Oder habe ich völlig anders geschrieben?
Da weiss ich zum Beispiel, dass ich einen Roboter in einem Text X-KKB-098 oder V-KKB-096 oder Y-KKB-645 oder Z-KKB-129, oder, oder, oder… genannt habe, und nun suche ich nach KKB, aber blöderweise ist eben die KKB mein Arbeitgeber und ich finde ca. 2000 Dateien, die eben diese drei Buchstaben drin haben.
Es wäre also am besten, ich wüsste exakt, was ich vor drei Jahren geschrieben habe, dann könnte ich exakter suchen, und dann könnte ich auch exakt finden. Ein catch 22-Problem.

Etwas ganz anderes sind die Suchen bei Google und anderen Suchmaschinen. Hier stehen wir vor extrem anderen Problemen.
Stellen Sie sich vor, Sie suchen einen Stefan Raab. Und zwar nicht diesen Blödsinnsshowmaster oder Comedyquatschkopf, sondern einen Juristen in Norddeutschland. Selbst wenn Sie „Stefan Raab Jurist“ in die Leiste eingeben, sie bekommen nur Einträge von diesem Blödsinnsshowmaster oder Comedyquatschkopf, Sie haben keine Chance den Juristen Dr. Stefan Raab in Hildesheim zu finden.
Stellen Sie sich vor, Sie suchen eine Helene Fischer. Und zwar nicht diese Trallalitrallalatante oder Extremshowgirl, sondern eine Ärztin in München. Selbst wenn Sie „Helene Fischer Ärztin“ in die Leiste eingeben, sie bekommen nur Einträge von dieser Trallalitrallalatante oder diesem Extremshowgirl und nicht von der Internistin in München-Passing.

Firmen zahlen dafür, dass Google ihren Namen oben in die Suchleisten hineinnimmt. Wenn sie beim Googeln von „Fischer“ (ohne Helene) auf bestimmte Firmen kommen, dann haben diese dafür bezahlt. Oder ein Domain-Namen ist so einschlagend, dass er – beim Verkauf – eine extreme Summe bringt.
Ich hatte die Idee, einem breiteren Publikum meine Schreibkünste anzubieten. Es gibt ja genügend Politiker, die eine Doktorarbeit brauchen und keine Zeit haben, sich an einen Schreibtisch zu setzen. (Guttenberg, Schavan, Giffey) Es gibt ja genügend Männer, die gerne Liebesbriefe schrieben, aber sie nicht hinbekommen. (siehe Cyrano de Bergerac) Es gibt genügend Menschen, die einen Text brauchen und können ihn nicht. Mal ganz ehrlich: Warum bestellt man für den 90sten von Grossvater vier Torten beim Bäcker und schreibt das 50zeilige Gedicht mit holprigem Rhythmus und schlechten Reimen selbst? Warum backt man nicht die Torten und bestellt das Festgedicht bei einem Profi?
Nun hatte ich die Adresse www.jeschreibfordich.ch gegoogelt und diese Adresse war zum Verkauf. Ich fragte an. Dann bekam ich eine lange Mail von einem Domainverkäufer, in der er mir klarmachte, wie toll der Name sei und wie leicht man meine Seite fände.
Und er wollte 8000.-- Euro. Die ich nicht hatte.

Ja, so ist das mit den Suchsachen.
Haben Sie sich eigentlich schon mal Ihren eigenen Namen gegoogelt? Sicher. Ist ja hoch spannend, wo man überall im Netz ist.
Hat nicht geklappt? Wie heissen sie denn?

Ach so, wenn man Angela Merkel heisst, ist das natürlich doof.
Siehe oben.







 

Dienstag, 15. Juni 2021

Kein Post über Werbung

Es kann manchmal sehr wertvoll und nützlich sein, einen kleinen Mann im Ohr zu haben. Mein kleiner Mann, ich nenne ihn mal Eugen – natürlich eine ganz bewusste Anspielung auf das Lied vom Kleinen Mann im Ohr vom Liedermacher Ulrich Roski, der heisst nämlich dort Egon – ist nun weniger der Schalk im Nacken und der dämonische Einflüsterer, nein, Eugen weist mich auf Dinge hin, die ich nicht tun sollte und sagt mir, was ich besser liesse.
Wenn ich Scherben im Mülleimer versenke, dann spricht Eugen: „In Zeitungspapier! Willst du dir wieder in den Daumen schneiden?“ und wenn ich meine Schwimmbadkabine verlasse, raunzt er: „Schlüssel! Schlüssel! Sonst bist du ausgesperrt.“
Wenn ich im Zug schlafen möchte, zischelt Eugen: „Tasche zwischen die Beine! Sonst klaut wieder einer!“ und wenn ich barfuss den Müll rausbringen will, dann kommt es aus dem Ohr: „Schuhe! Es hat Scherben und Hundekot!“.

Neulich wollte ich einen Post über Werbung beginnen. Ich hatte mich über ein bestimmtes Plakat so geärgert, es so doof, so bescheuert, so blöd und so sinnlos gefunden, dass ich meinen Laptop schnappte und eine Datei „Werbung“ erstellte. „Stopp – stopp“, rief Eugen, „du willst doch nicht wirklich Werbung machen?“ Nein, erwiderte ich, ich wolle keine Werbung machen, ich wolle Werbung verarschen. Aber dann würde ich dennoch, so sprach Eugen, den Slogan verbreiten und damit für das Produkt werben.

„Weisst du“, so begann mein kleiner Mann im Ohr nun eine längere Rede, „bei Werbung kommt es ja nicht darauf an, ob sie intelligent ist, gerade wenn sie doof und bescheuert, blöd und sinnlos ist, bleibt sie im Gedächtnis, und wenn du sie verarscht und veräppelst, sie verhöhnst und parodierst, dann wird der Effekt nur verstärkt.

Nimm einmal an, die Firma Pieper macht Fruchtsäfte, und irgendwann erscheint ein Spot mit einem Vogel auf einem Obstbaum, der Vogel piept und eine Stimme sagt: PIEPERSAFT DER SAFT MIT DEM PIEPS. Nun kommst du auf die tolle Idee daraus „der Saft mit dem Pups“ zu machen und eventuell dazu ein Klospülungsgeräusch. Die Leute werden lachen, aber sie werden den Rückschluss zur Firma Pieper ziehen, und diejenigen, die den Piepersaft nicht kennen, werden ihn googeln…“

Nimm auch einmal an, die Firma Deisser macht Toilettenpapier, und wirbt mit dem Wortspiel Deisser – Abreissen und du kommst auf die tolle Idee, dem Wortspiel Deisser – Reissen noch das Sch… hinzuzufügen, abgesehen davon, dass dies natürlich eine schwachsinnige Sache ist, und auch soooooooo originell, kommt ja gar nicht jeder drauf, abgesehen davon, du wirst mit deinem Sch… den Link zu Deisser und Reissen setzen und Werbung für sie machen.»

„Und OTTO?“
„Otto Waalkes hat mit seinen Parodien die Werbebranche so unterstützt, dass es ein Wunder ist, dass sie ihm nicht Geld dafür gezahlt hat. Vielleicht hat sie das auch getan, das ist nicht mehr herauszufinden. Sein Sketch mit dem sprechenden Kaffee, der dann so nuschelt, dass Otto immer näher rückt und ihm der Kaffee schliesslich übers Hemd fliesst, hat Eduscho direkt in die Hände gespielt.»

«Und das Stuyvesant-Gedicht?»
«???»
«Der Udo sitzt am Lokusrand
Und raucht die Peter Stuyvesant
Und was da in den Lokus fällt,
Das ist der Duft der grossen weiten Welt.
»
«Auch so ein Spottgedicht steigert den Umsatz des Produktes ungemein.»

Ach ja.
Eugen hat ja recht. In früheren Zeiten wurde sogar der Erfolg einer Werbung daran gemessen, wie viele Parodien, wie viele Spottgedichte und wie viele Verarschungen in Umlauf waren.
Ich hätte nun aber doch gerne mitgeteilt, über welche Werbung ich mich so geärgert habe. Soll ich es mit einem Rätsel tun? Umschreiben, so wie z. B. Ortsangabe + Verb des Sagens + Possessivpronomen + Heissgetränk, das wäre dann das «Hier spricht dein Kaffee», von dem wir es vorher hatten. Aber natürlich würden Sie sich dann so intensiv mit dem Spruch befassen, dass er sich ewig bei Ihnen einprägen würde, da hätte Eugen völlig recht.

Nein, es wird keinen Werbepost geben.
Mein kleiner Mann im Ohr lässt mich nicht.

Freitag, 11. Juni 2021

Wie kommt man an versierte Verbrecher?

Ich habe in meinem Entree, meinem Flur, meiner Diele, meinem Ern eine Reihe von Kunstwerken Basler Künstlerinnen und Künstler. Und durch Zufall – oder nicht Zufall? – sind die Werke von Meise, Göttin, Übersax und Mutzenbecher in meinem Entree, meinem Flur, meiner Diele, meinem Ern alle in Blau, Grau, Schwarz und Weiss. (Und bevor die Basler Leserinnen und Leser sich jetzt den Kopf ob einer eventuell bestehenden Verwandtschaft zermartern: Sie besteht, der Kabarettist Joel von Mutzenbecher ist der Neffe des Malers Werner von Mutzenbecher.) Jedenfalls habe ich am Freitag ein wunderbares Bild entdeckt, das zu den Werken von Meise, Göttin, Übersax und Mutzenbecher in meinem Ern oder Entree, Diele oder Flur passen würde. Es hängt zurzeit im Kunstmuseum und ist ein Juwel der abstrakten Malerei in Blau, Schwarz und Weiss von Sophie Taeuber-Arp. (Für die Nicht-Kunstfreunde: Sie haben die Taeuber jahrelang angeguckt, sie war auf dem alten 50 Franken-Schein.)

Das Bild hat nur ganz wenige Nachteile, die schlagen aber ein:
Es gehört der Hilti Foundation.
Es ist nicht verkäuflich.
Wenn es verkäuflich wäre, wäre es unbezahlbar.
Ich muss also das Bild klauen.

Aber stopp mal jetzt! Ich kann das gar nicht. Ich bin ein so ehrlicher und schüchterner Mensch, dass man mir es sofort ansieht, wenn ich ein krummes Ding probiere. ich kann weder eine Flasche Wein schmuggeln noch falsche Angaben bei der Steuer machen, geschweige denn vom Stehlen. ich habe noch nie einen Kaugummi im Supermarkt geklaut, ich habe noch nie ein Deo in der Drogerie gestohlen und noch nie ein Buch mitlaufen lassen. Ich kann es einfach nicht.

Und hier kommt nun wieder die Hertersche Regel ins Spiel:
Was man gar nicht kann, das soll man delegieren.
Was man nur ein wenig kann, das soll man mit anderen zusammen tun.
Was man ganz ordentlich kann, das soll man als Hobby betreiben.
Was man gut kann, damit soll man sein Geld verdienen.
Niemals darf man die Kategorien vermischen!

Nun wird es aber noch schwieriger: Wer nicht Autofahren kann, holt sich ein Taxi, wer keinen grünen Daumen hat, einen Gärtner, fürs Malen gibt es Malergeschäfte und fürs Fahrrad einen Velomech. Wie aber finde ich einen Dieb? Gar nicht so einfach.

Ich gebe bei Google Maps verschiedene Suchbegriffe ein, um Verbrecher in meiner Umgebung zu finden.
„Kunsträuber“ – Keine Treffer
„Kunstdiebe“ – Keine Treffer, beim Eintippen erschien allerdings „Kunst, die bewegt“, aber das ist wohl etwas anderes.
„Diebe“ – man bietet mir die „Häärli-Diebe“ an, eine Coiffure.
„Räuber“ – ganz viele Einträge, das ist ein beliebter Familienname, was ja erstaunlich ist, es ist klar, dass man früher vom Metzger-Karl sprach, woraus dann der Karl Metzger wurde, aber vom Räuber-Hans?

Ich glaube, ich müsste ins Darknet. Ins Darknet? Will ich eigentlich nicht, ich habe Angst im Dunkeln, ich will nicht nach unten, in den Keller, da wo die Ratten und Mäuse sind, bestimmt hat es im Darknet auch Asseln und Spinnen, es ist kalt und feucht und man holt sich Rheuma. Aber es hat noch einen anderen Grund: Man benötigt wieder spezielles Equipment, viel Technik und ich bin doch froh, dass ich überhaupt mailen kann und ins normale Net. (Natürlich gibt es Pages wie darknet.com, aber die führen nicht ins dunkle Netz, sie erklären nur den Weg.) Ein Thor-Browser? Wie um aller Welt komme ich zu einem Thor-Browser?



Also muss ich den normalen Weg wählen, einfach Menschen zu fragen. Aber wen fragt man, wenn man krumme Sachen braucht? Ich kenne keinen einzigen Menschen, den ich da anhauen könnte. ich kenne niemand, der falsche Pässe ausstellt, ich wüsste nicht, wo ich eine Knarre herbekomme, ich kenne keine Dealer und Hehler, ich wüsste nicht, wo ich einen Auftragsmord bestellen könnte oder wer mir bei einem Einbruch Schmiere stünde.

In den Filmen sieht das immer so einfach aus, da laufen die Helden dann in so eine zwielichtige Gasse in der Altstadt und drücken sich in einen Laden und da ist dann der, der falsche Pässe ausstellt, eine Knarre hergibt, der Dealer und Hehler, der einen Auftragsmord ausführt bei einem Einbruch Schmiere steht.

Aber wir sind in keinem Film. Wo sind denn nun die Basler Gangster? Ich weiss nicht einmal, wo in Basel die zwielichtigen Gassen sind…



Aber dann fällt mir doch Einstieg ein, ein entfernter Bekannter kokst und hat einen Dealer, über diesen komme ich zu einem anderen, dann zu einem Hehler, dann zu noch einem Hehler, dann zu noch einem Hehler und über diesen zu einem Kunstklauer.

Bingo!

Allerdings ist der Preis dann so hoch, dass ich mir die Sache nicht leisten kann.



Ich habe in meinem Entree eine Reihe von Kunstwerken Basler Künstlerinnen und Künstler. Und durch Zufall sind die Werke von Meise, Göttin, Übersax und Mutzenbecher in meiner Diele alle in Blau, Grau, Schwarz und Weiss.

Und bald hängt noch eine gerahmte Taeuber-Postkarte daneben.

Dienstag, 8. Juni 2021

Die Kohl-Gedenkstätte

Soll die geplante Helmut-Kohl-Stiftung ihren Sitz in Berlin oder in Ludwigshafen-Oggersheim haben? Diese Frage beschäftigt zurzeit die Gemüter. Die Bundesregierung ist für Berlin, die Witwe von Kohl ist für Oggersheim.

Vielleicht ist die Frage überhaupt falsch gestellt, wie eigentlich die meisten Fragen falsch gestellt sind, weil sie das Grundsätzliche, das Eigentliche nicht beachten, so ist es zum Beispiel nicht die Frage, ob China, Russland und die USA zusammen auf den Mars sollten, sondern die wichtige Frage wäre, ob man ÜBERHAUPT auf den Mars soll, und die eigentliche Frage wäre nicht gewesen, wer das unsägliche Gedicht von Amanda übersetzen soll, die eigentliche Frage wäre gewesen, ob man es ÜBERHAUPT übersetzen soll, und auch diese Frage geht am Kern vorbei, der Kern wäre gewesen, ob Amanda das Werk überhaupt schreiben soll, und auf alle diese Fragen ist die Antwort stets nein.
So wäre also die Frage, ob es eine Kohl-Stiftung ÜBERHAUPT braucht, und auch hier ist die Antwort NEIN.
Aber gut, es ist gibt sie, und wenn es sie schon geben muss, dann bin ich natürlich für Oggersheim. Hier bin ich ganz klarer BW-Lokalpatriot, und wenn sie mir jetzt sagen, dass Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz und nicht in Baden-Württemberg liegt, dann sage ich Ihnen, es liegt fast in BW, es ist quasi BW, es ist gefühltes BW.

Lassen Sie mich nun einige Gründe für Ludwigshafen-Oggersheim anführen.

Es ist ganz wichtig und entscheidend, dass ein Mensch und ein Ort sich verbinden. Woran denken Sie bei Schiller? An Marbach. Woran bei Husum? Storm. Sehen Sie.
Robert Gernhardt schreibt in seinem Wege zum Ruhm:
„Der Künstler war tätig – die Nachwelt ist träge. Der Künstler hinterlässt neben fertigen Werken kistenweise Manuskripte, Tagbücher, Korrespondenzen und Dokumente – der Nachwelt schaudert beim Gedanken, das alles registrieren, archivieren und womöglich edieren zu müssen. Also versucht der Künstler, ihr diese Pille zu versüssen, indem er für ein Langzeit-Zuckerl sorgt: Das Künstlerhaus.“
Nun war Kohl kein Künstler, aber was für einen Künstler gilt, muss für einen Politiker ja genauso gelten.

Umgekehrt wird Ludwigshafen durch diese Gedenkstätte ungemein geadelt. Woran denken Sie beim Wort Ludwigshafen? Na? An die BASF. Das war ja auch der Grund der Gründung, dass die Mannheimer die Chemie nicht wollten und die Badischen Anilin- und Sodafabriken (das heisst nämlich die Abkürzung…) auf der anderen Seite des Flusses gebaut wurden.
Denken Sie an schöne Bauten? Hat es keine.
Denken Sie an eine schöne Innenstadt? Hat es keine.
Denken Sie an grosse Menschen, grosse Geister? Gab es nur einen, sogar einen Philosophen, der hat sich aber ganz, ganz, ganz, ganz schnell aus dem Staub gemacht und ist in die Hochburg des Geistes geflüchtet, nämlich nach Tübingen, Bloch hat es nicht wirklich am Rhein ausgehalten und ist sobald es ging an den Neckar gezogen.
Und hier hat man jetzt endlich eine wichtige Persönlichkeit, die es in LU aushielt, aushielt bis zum bitteren Ende, getreu bis in den Tod.

Was sollte eine Gedenkstätte in Berlin? In Berlin wimmelt es von Gedenkstätten, Erinnerungsorten, Grabsteinen und Denkmälern. Kein Tourist kann alle die Gedenkstätten, Erinnerungsorte, Grabsteine und Denkmäler in einer nützlichen Frist bewältigen und wird sich ob all der Gedenkstätten, Erinnerungsorte, Grabsteine und Denkmäler sicher nicht für Kohl entscheiden. Mal ehrlich, wenn Sie die Wahl hätten:
Liebermann (Wannsee) oder Kohl?
Kleist (Wannsee) oder Kohl?
Ihre Entscheidung wäre doch klar. Nein, in Berlin ginge Helmut unter, er muss an den Rhein und nicht an die Spree, er muss in den Süden und nicht in den Nordosten.

Auf der anderen Seite würde natürlich Oggersheim den echten, den wahren und wirklichen Helmut Kohl zeigen. Kohl in seiner ganzen…, in seiner totalen… Ach, oh Wort das mir fehlt! Sollten wir Einfachheit sagen? Sollen wir Schlichtheit sagen? Oder sollen wir das fiese, harte und gemeine Wort in den Mund nehmen? Das gemeine und fiese und harte Wort, das Spiessigkeit heisst?
In Google findet man keine Bilder von der „Villa“ innen, aber Kollegen von mir erinnern sich an eine Homestory – es ist ja bezeichnend, dass Helmut und Hannelore stets Journalisten an den Wolfgangsee einluden und auch zu Homestorys luden, etwas, was Merkel nie, nie, nie machen würde – die im deutschen Fernsehen kam. In dieser Homestory sah man alles, was man in einem biederen Heim der 80er und 90er erwartete: Das graue Sofa mit den Plüschkissen (mit Knick), den Gummibaum in der Ecke, die Kaffeetafel mit Blümchengeschirr und dem Drehkuchenteller (mit Kuchen-Einzelstücken im Kreis geordnet) usw., usw.
Nein, nur Oggersheim zeigt den Bünzli Kohl, den Biedermann und Spiesser.

Soll die geplante Helmut-Kohl-Stiftung ihren Sitz in Berlin oder in Ludwigshafen-Oggersheim haben? Diese Frage beschäftigt zurzeit die Gemüter. Die Bundesregierung ist für Berlin, die Witwe von Kohl ist für Oggersheim.

Und ich bin auch klar für Ludwigshafen, da gibt es nicht zu reden und zu deuteln.





Freitag, 4. Juni 2021

Stühle stapeln

Haben Sie schon einmal einen Saal aufgeräumt und geputzt? Wahrscheinlich schon. Und bei diesem Aufräumen und Putzen stellt sich ja immer die Stapelfrage. Diese Stapelfrage bedeutet, in wie vielen Stapeln mit wie vielen Stühlen dieselben gestapelt werden. Die Hausmeister und Hausmeisterinnen, die Hauswarte und Hauswartinnen, die Abwarte und Abwartinnen haben hier ja stets ihre ganz eigenen Vorstellungen und Wünsche – und man kann an diesen Stapelwünschen ihre Psyche ablesen, man kann an den Stapelbefehlen tief in die Seele der Hausmeister und Hausmeisterinnen, Hauswarte und Hauswartinnen, der Abwarte und Abwartinnen blicken. Im Grunde sind es vier Haupttypen:

Grossstapelnd

Ich schreibe „grossstapelnd“ um es klar vom Hochstapeln zu unterscheiden, Hochstapler oder Hochstaplerinnen sind Menschen, die uns das Blaue vom Himmel lügen, die flunkern und schwindeln und mogeln und bluffen, darum geht es hier nicht, nein, beim Grosstapeln geht es um das Aufbeugen von möglichst vielen Stühlen auf einen Stapel, sodass es wenige Stapel gibt und der Saal schön leer bleibt.
Das ist eine praktische Sache, wenn man den Raum viel zum Tanzen, Springen, zum Hüpfen und Singen benutzt, denn beim Tanzen, Springen, beim Hüpfen und Singen braucht man Platz. Wenn man aber den Saal nicht zum Hüpfen und Singen zum Tanzen und Springen verwendet, wird es doof. Dann muss man nämlich die 20er Stapel auflösen, was z. B. für kleinere Leute gar nicht geht. Da sagt man dann den Kinderchormitgliedern Mixi, Max und Moxi sie müssten Stühle stellen, und dann kommen sie gar nicht an die Stapel heran und Mixi, Max und Moxi fühlen sich wie Kinder aus Brennpunkthochhäusern in den 60ern, die an die Liftknöpfe nicht herankamen. (Diese nahmen dann immer Kochlöffel mit, und die Teenager versteckten ihnen die Löffel und wenn sie aufs WC mussten, dann konnten sie nicht in die Wohnung und machten in die Eingänge, angeblich…)
Was ist nun über die Psyche eines grossstapelnden Menschen zu sagen? Der Grossstapler / die Grossstaplerin liebt den grossen Entwurf, das weite Feld, die uneingeschränkte Sache, Platz braucht man, Weite und Ferne, und auch wenn die Probleme, in riesigen Stapeln geschichtet, eindeutig sichtbar sind, das macht nichts, das tut der Sache keinen Abbruch. Leider sagt diese psychische Disposition noch nichts über die Qualität des Menschen, ein Leonardo gehört genauso zu ihnen wie ein Stalin.

Kleinstapelnd

Der Kleinstapler oder die Kleinstaplerin macht das genaue Gegenteil vom vorigen: Viele, viele Stapel von nur 2-3 Stühlen nehmen ungefähr die Hälfte des Raumes ein; praktisch, wenn man oft verschiedene Bestuhlungen braucht, sehr, sehr, sehr, sehr unpraktisch, wenn man den Raum gesamthaft nutzen will. Auch wenn man Teile braucht, kann es notwendig sein, dass man die Stapel x-mal durch den Raum schiebt.
Der Kleinstapler und die Kleinstaplerin sind Pedanten und Kleingeister. Sie sind nicht in der Lage, der Gefahr eines hohen Stapels ins Auge zu sehen, sie sind nicht in der Lage, weit und gross zu denken. Viele kleine Dinge, Problemchen, Aktiönchen, Sörglein und Sächelein müssen für sie stets sichtbar bleiben.
Kleinstapler sind Korinthenkacker, sind Dünnbrettbohrer, aber…
Diese Menschen muss es auch geben. Immerhin hat das Kleinstapeln zwei entscheidende Vorteile: Auch ein Zwerg kann hier beim Bestuhlen helfen und ein Stapel, der umfliegt, kann keinen Menschen erschlagen.
Prominente finden sich natürlich unter den Kleinstaplern nicht.

Mittelstapelnd.

Beim Mittelstapeln wird ein Kompromiss zwischen beiden Varianten gewählt, als probat hat sich hier zum Beispiel eine Stuhlstapelgrösse von 6 Stühlen herausgestellt. Hier hat man genügend Platz für Tanzen und Springen für Hüpfen und Singen, man kann den Saal für die Seniorengymnastik, für die Salsagruppe, für das Kinderturnen und das Tangoturnier verwenden, aber auch das Kinderorchester kann proben und Max und Moxi, Mix und Muxi, Fix und Foxi kommen an den obersten Stuhl heran und müssen keine Angst haben, dass 20 Stühle auf sie herabprasseln.
Mittelstapler und Mittelstaplerinnen sind Pragmatiker. Sie finden eine Lösung zwischen den Extremen und sind stets dem Machbaren verpflichtet. ich würde behaupten, dass die meisten Staatschefs zivilisierter Länder mittelstapelnd sind. (Sie denken an…? Ich habe von zivilisierten Ländern geredet, Belarus und die Türkei gehören da nicht dazu.)

Buntstapler

Beim Buntstapeln wird nach folgenden Regeln gearbeitet:
Kein Stapel darf gleich hoch sein.
An jeder Wand müssen Stühle stehen.
Buntstapelnde Menschen sind die Bohemiens, die Künstler, sind die Freaks und Hippies unter den Leuten. «Was geht mich Ihre verdammte Stapelgrösse an, wenn mich der Geist überkommt?» oder so ähnlich…

Haben Sie schon einmal einen Saal aufgeräumt und geputzt? Wahrscheinlich schon. Und bei diesem Aufräumen und Putzen stellt sich ja immer die Stapelfrage. Man kann an Stapelwünschen Psychen ablesen, man kann an den Stapelbefehlen tief in die Seele der Hausmeister und Hausmeisterinnen, Hauswarte und Hauswartinnen, der Abwarte und Abwartinnen blicken.

Zeige mir deine Stuhlstapel, und ich sage dir, wer du bist.









Dienstag, 1. Juni 2021

Die Hertersche Regel

Mein Handy hatte jüngst ein Problem. Wenn ich eine App öffnen wollte, dann ging eine andere auf, öffnete ich also die SBB-App, dann bekam ich keinen Fahrplan, sondern eine Fülle von französischen Vokabeln, die zu Duolingo® gehören, versuchte ich aber die Duolingo-App aufzumachen, dann fielen lustige farbige Steine von oben herab, versuchte ich… und so weiter.
Mit diesem Problem ging ich in den Handyladen. Der Verkäufer war sehr freundlich und nett, hatte aber so etwas noch nie gesehen, das sah ich an seinem Gesicht. Er druckte und drückte eine Weile an den Tasten herum, er fingerte und wurstelte, und irgendwann musste ich sagen: Dieser Mann hat keine Ahnung von Elektronik, er hat keinen Draht dafür.

Ein Freund von mir hat einen Gärtner angestellt. Seit dieser Gärtner bei ihm arbeitet, sind fast alle Pflanzen eingegangen oder sind am Verdorren. Der Rhododendron trägt mickrige Blüten, das Gras ist braun, die Rosen lassen die Blätter fallen und das Laub der Linde ist fahl. Der Garten bietet einen Anblick, bei dem jedem Pflanzenfreund und jedem Botaniker das Herz stehen bleibt. Man kann es drehen oder wenden, wie man will: Der Gärtner hat keinen grünen Daumen.

Ich habe neulich geschrieben, es sei nicht schlimm, wenn man nicht alles kann. Blöd ist es aber, wenn man das nicht kann, womit man Geld verdient. Diese Erkenntnis ist mir jetzt erschienen. Und ich möchte diese Erkenntnis in eine Regel giessen, die

HERTERSCHE REGEL
Was man gar nicht kann, das soll man delegieren.
Was man nur ein wenig kann, das soll man mit anderen zusammen tun.
Was man ganz ordentlich kann, das soll man als Hobby betreiben.
Was man gut kann, damit soll man sein Geld verdienen.
Niemals darf man die Kategorien vermischen!

Lassen Sie mich ein Beispiel geben:
Susi kann nicht Auto fahren, daher lässt sie es sein und bestellt sich, wenn es mit dem ÖV nicht klappt, ein Taxi. Das ist sehr praktisch und sicher. Übrigens hat sich der Gesetzgeber hier an der Herterschen Regel orientiert, er lässt nämlich gar nicht zu, dass Susi fährt, ohne Fahrausweis bekommt sie ziemlichen Ärger, wenn sie sich in ein Auto setzt.
Susi kann nicht gut tapezieren, also holt sie sich, wenn eine Wohnung gerichtet werden muss, Hilfe von ihren Freundinnen Sara und Lola (wenn Sie jetzt gedacht haben, da kommen Männernamen, dann sind Sie ein schrecklicher Chauvi…). Lola und Sara können das, womit Susi Probleme hat, sie können die Bahnen gerade ansetzen, beim Einkleistern aber und glattstreichen, da steht Susi natürlich ihre Frau.
Susi ist eine musikalische Frau, sie spielt Violine und singt einen schönen Sopran. Es hätte sogar für ein Musikstudium gereicht, aber das Pädagogische liegt ihr nicht, und ins Orchester oder auf die Opernbühne hätte es nicht gelangt, also spielt Susi in einem grossen Laienorchester und singt in einem Oratorienchor. Dieses wunderbare Hobby hat sie bisher nicht nur zu Werken wie Brahms Dritter oder den Elias, sondern auch (auf Tourneen) in viele spannende Länder gebracht.
Was Susi nun wirklich gut kann, ist schreiben, und damit verdient sie ihr Geld. Als Redaktionsmitglied der Hannoverschen Allgemeinen schreibt sie über Politik, und sie ist nicht nur im Niedersächsischen Landtag, nein, auch in Berlin unterwegs, ihre Interviews sind fundiert und ihre Leitartikel gefürchtet. und da Susi erst 31 ist, wird die Leine auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Was man gar nicht kann, das soll man delegieren.
Was man nur ein wenig kann, das soll man mit anderen zusammen tun.
Was man ganz ordentlich kann, das soll man als Hobby betreiben.
Was man gut kann, damit soll man sein Geld verdienen.

Die Frage, die sich nun stellt, ist die folgende: Warum vermischen so viele Menschen die Kategorien, oder warum sind sie immer eine Zeile voraus, sprich: Warum helfen Menschen bei Dingen, die sie gar nicht können und stören damit diejenigen, die die Hauptarbeit machen? Warum suchen sich Menschen Hobbys, die sie nicht bewältigen? Und warum haben so viele Leute einen Job, für den sie nichts taugen?

Wer einen Job macht, bekommt von mir Geld. Und für dieses Geld möchte ich eine Person, die ihre Sache gut macht, sehr gut macht, exzellent macht, ich möchte einen Profi, eine Könnerin, eine Kanone, ein As.
Wenn ich ins Restaurant gehe, dann zahle ich viel Geld, und es macht für mich keinen Unterschied, ob der Koch nicht, ein wenig oder ganz gut kochen kann. Er soll exzellent kochen.
Wenn ich einen Maler hole, dann zahle ich viel Geld, und es macht für mich keinen Unterschied, ob der Maler nicht, ein wenig oder ganz gut malen kann. Er soll super malen.
Wenn ich ins Theater gehe, dann zahle ich viel Geld, und es macht für mich keinen Unterschied, ob der Schauspieler nicht, ein wenig oder ganz gut spielen kann. Er soll spielen wie ein junger Gott.

Die Hertersche Regel besagt,
dass man delegieren soll, was man nicht kann.
dass man mit anderen zusammen das tun soll, was man wenig kann.
dass man als Hobby das betreiben soll, was man ganz gut kann
und nur das als Beruf wählen soll, was man kann.
Und dass man die Kategorien nicht vermischen soll.

P.S. Der Spuk beim Handy war nach einmal Ausschalten und wieder Einschalten behoben.













Freitag, 28. Mai 2021

Es liegt nicht am Equipment

Jack McBack, der CEO des Computergiganten TELPIM, träumt von Hauskonzerten in seiner Villa am See. Er stellt sich das richtig schön vor, so eine Stunde Mozart, Chopin oder Bach mit Blick auf die Wellen, und danach ein schönes Glas Wein und ein paar Häppchen.
Nur wer soll spielen?
Judith, die Frau von Jack, hat in ihrer Jugend nun tatsächlich Klavierstunden genommen und ist – gemäss ihrer eigenen Angaben – ziemlich weit gewesen, Beethoven op. 111, Kreisleriana und Faschingsschwank, natürlich den ganzen Chopin op. 10 und op. 25 und – das war ihr Liebstes – die Kartinki s wystawki, die Bilder einer Ausstellung.
Schön und gut. Wird also alles gut werden, worauf Judith allerdings beharrt, ist das korrekte Equipment, sie wird ihre Studien nicht auf einem Schimmel oder Yamaha wieder aufnehmen, ein wirklich guter Flügel muss schon her, und ist bei einem Jahressalär von Jack von 2 Millionen auch möglich. Also ein Bösendorfer Imperial für zweihunderttausend.
Judith übt nun fleissig, sehr fleissig, extrem fleissig, muss aber irgendwann zugeben, dass die Aufgabe der Idee, Musik zu studieren, nicht am Equipment lag, auch auf dem Imperial ist die op.111 weit entfernt, bekommen weder die Kreisleriana noch der Faschingsschwank den richtigen Schwung, und die Chopin-Etüden kann sie höchstens im halben Tempo. Von Kartinki ganz zu schweigen.
Gut.
Jacks Lohn reicht auch noch für die Gage eines guten Pianisten, das Hauskonzert kann dennoch stattfinden.

Popl Hoppel will endlich auf den Ruttenpass. Und zwar mit dem Velo, dem Fahrrad, dem Bike. Er hat es schon ein paar Mal versucht, ist aber immer am schlechten Equipment gescheitert. Nun leistet er sich ein Gourmet-Rad, eine Höllenmaschine, ein BMC Timemaschine Road 01 Two. Ein BMC Timemaschine Road 01 Two kostet zehntausend Euro, 10000.--, die aber gut angelegt sind, denn ein BMC Timemaschine Road 01 Two ist ein Rad, mit dem man Tour de France fährt. Oder den Giro. Oder die Tour de Suisse. Ein Profirad.
Trotz des BMC Timemaschine Road 01 Two muss aber Popl 3 Kilometer vor der Passhöhe aufgeben. Auch die x Gänge und die extrem leichte Bauart halfen nicht. Vielleicht liegt es an drei Dingen:
Popl raucht.
Popl hat bei einer Grösse von 180 Zentimetern ein Gewicht von 100 Kilo.
Und das sind keine Muskeln, Muskeln hat Popl fast keine.
Und gegen die Kombi von Raucher, fett und muskelarm kommt auch das BMC Timemaschine Road 01 Two nicht an.

Muss ich nun noch von Adele erzählen, die immer meinte, eine gute Köchin werden zu können, wenn sie nur nicht so miese Töpfe hätte, die aber auch nach einer Kauforgie im Shop KITCHENFORYOU®, die sie ein paar tausend Franken kostete, immer noch Speisen fabriziert, die man nicht einmal Muz, dem Kater und Hupo, dem Hund vorsetzen will?

Muss ich von Gunter erzählen, der sich (endlich) einen richtig guten Laptop angeschafft und sich in Textverarbeitung und Internet eingearbeitet hat, um endlich seinen grossen Roman zu schreiben? Und der jetzt vor einem leeren Bildschirm sitzt und merkt, dass es auch auf dem teuersten HP® oder acer®, auf dem teuersten MAC®, dem edelsten Lenovo® nur Text-Verarbeitung, nur Text-Speicherung gibt, aber keine Text-Herstellung…

Muss ich noch von Lucy erzählen, die ein malerisches Talent in sich spürt und sich eindeckt mit Leinwänden, Paletten, Ölfarben, die Tuben und Pinsel und Staffeleien kauft, und die trotz einer Investition von 6578,34 Euro sich eingestehen muss, dass sie mangels Talent NICHT in die Fussstapfen von Angelika Kaufmann oder Lee Krassner treten wird?

Leute, Leute…
Es liegt nicht immer am Equipment. Anders formuliert: Man sollte erst einmal testen, ob man für irgendetwas taugt. Das kann man auch mit einfachsten Mitteln, mit einfachsten Dingen, mit simpelsten Geräten und mit Null-Budget-Equipment.
So könnte Judith sich für eine Woche ein Studio mieten und ein wenig üben und dann einem Experten vorspielen, der ihr offen und ehrlich seine Meinung sagt.
Popl könnte einfach mal joggen und schwimmen, nicht um dann den Iron Man zu machen, sondern einfach um zu testen, ob seine Kondition reicht.
Adele könnte an einem einfachen Salat und dessen Sauce ausprobieren, ob sie Geschmacksknospen besitzt, die sauer und süss auseinanderhalten können.
Gunter würde auch mit einem simplen Notizbuch merken, dass er kein zweiter Grass wird.
Und Lucy könnte ihr Kunstkünste (was für ein Wort!) auch mit einem Kohlestift und einem Skizzenbuch testen, und dann entscheiden, ob sie Farben kauft.

Stöhnen Sie also nicht, wenn Ihnen Dinge misslingen. Es liegt nicht am Equipment. Sie sind vielleicht einfach nicht begabt.
Das macht gar nichts. Kein Mensch kann alles können.

Dumm wäre, wenn die Sache Ihr Brotberuf wäre.

Aber dazu mehr beim nächsten Mal.