Donnerstag, 5. November 2015

Herbstreise IV: Riesen-Bon für eine Brezel in Kassel

In Kassel hole ich mir am Bahnhof Wilhelmshöhe eine Butterbrezel. Sie kostet 1,20.- und rettet mich vor dem Hungertod und bis zum Nachtessen bei einem meiner besten Freunde, da ich noch auf den Fernbus meines Partners warten muss, der 90 Minuten Verspätung hat. (Ja, auch das gibt es, mein Zug hatte nur 30 Minuten.) Jedenfalls hole ich mir dieses leckere, mit feiner Butter bestrichene Laugenteil und erhalte ausser diesem noch eine Serviette und  eine Quittung. Ich habe gar keine Chance, diesen Beleg abzulehnen, denn die Verkäuferin schiebt ihn mir direkt in die Hand. Nun gut, denke ich, nehme ich ihn halt mit und werfe ihn selber weg. Als ich aber einen Blick darauf wage, interessiert er mich so sehr, dass ich mir einige Dinge notiere.

Auf dem DIN A 7 grossen Zettel sind nämlich die folgenden Informationen vermerkt:

Firmenlogo
Hauptsitz der Bäckerei mit Adresse, Telefonnummer und Faxnummer
Filiale am Bahnhof mit Adresse, Telefonnummer und Faxnummer
Website der Bäckerei
E-Mail-Adresse der Bäckerei
Facebook- und Twitter-Angaben
Steuernummer des Unternehmens

Preis der Brezel
Anteil Mehrwertsteuer
Anteil diverser Abgaben, deren Kürzel ich nicht entziffern kann (Gewerbesteuer? Kirchensteuer?)
Der von mir gezahlte Betrag
Rückgeld

Uhrzeit
Name der Verkäuferin (Es bediente sie…)
Der Dank für meinen Entscheid für DIESE Bäckerei
Der Dank für meinen Einkauf
Der Wunsch, ich möge einen schönen Tag haben
Der Wunsch, ich möge sie bald wieder beehren

Gute Güte! Wer braucht so etwas? Oder bin ICH verkehrt und andere benutzen diese Infos tatsächlich?
Vielleicht gibt es wirklich Menschen, die ob der Butterigkeit und Laugigkeit der Brezel so von den Socken sind, dass sie sich sofort mit der Bäckerei auf Facebook befreunden und ihr auf Twitter folgen. Vielleicht gibt es aber auch Leute, denen die Brezel eben nicht butterig genug und laugig genug war, und die sich darob beschweren, per Telefon, Fax, per Mail oder Brief. Vielleicht gibt es auch Menschen, die so eine Quittung für die Steuer aufbewahren oder sogar die Mehrwertsteuer abziehen dürfen.

Ich halte sie allerdings schlicht und einfach für hobbylos.

Und warum wird mir der Name der Verkäuferin genannt? Damit ich das nächste Mal sagen kann, ich möchte nur von ihr bedient werden? („Ist Frau XY da? Nein? Dann komme ich wieder, wenn sie arbeitet.“) Oder gibt es Leute, die nicht nur die Butterigkeit oder Laugigkeit der Ware erwähnen, sondern auch solche, die bei ihrem Anruf, Fax, Telefon, Mail die Qualitäten von Frau XY erwähnen?
Und wenn es ein junger, knackiger VerkäufER gewesen wäre, dann hätte ich doch ausser seinem Namen eben gerne auch SEINE Telefonnummer, seine Mail und sein Facebook gehabt, warum sind die nicht drauf?

Das Ganze ist ein riesengrosser Schwachsinn.

Stellen wir mal diese Rechnung an:
Pro Stunde werden geschätzte 100 Quittungen herausgegeben. Das macht bei einer Öffnungszeit von 12 Stunden 1200 pro Tag, knappe 440.000 im Jahr. Rechnen wir nun die Papiermenge in A4 um, ergeben sich 55.000 Blatt Papier. Legen Sie mal den Packen von Ihrem Vorrat auf Ihren Tisch, das sind 500 Blatt, stapeln Sie davon 110 in Ihrem Büro. Das ist eine ganze Menge Zeug.

Ebenso die Zeit: Wenn die Kunden den Zettel liegen lassen, und das machen praktisch alle, aber rechnen wir mal 90 pro Stunde, und wenn die Verkäuferinnen und Verkäufer zwei Sekunden für das Entsorgen eines Bons brauchen, sind das immerhin 219 Stunden im Jahr, ca. 4 in der Woche.

Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Aber vielleicht bin ich ja verkehrt, vielleicht heben die Leute das wirklich für die Steuer auf, vielleicht GEHEN sie auf die Website und RUFEN an, um die Butterigkeit oder Nichtbutterigkeit oder die Laugigkeit oder Nichtlaugigkeit von Brezeln zu diskutieren. Vielleicht SIND auch schon alle mit Bäcker X auf Facebook befreundet und ich bin der Ewiggestrige.

Soll ich eventuell doch mal die Nummer wählen?
Die Hauptfigur von Tommy Jauds MILLIONÄR würde es tun, er tut den ganzen Tag nix anderes als Hotlines anzurufen und sich zu beschweren.
Allerdings ist er auch sehr hobbylos.
Und arbeitslos.

Dienstag, 3. November 2015

Herbstreise IIIa: Menschen brauchen Pleonasmen

Ich habe neulich von einem verschlossenen Kloster geschrieben, was –wie ich selbst sofort bemerkte – ja ein schauderhafter Pleonasmus ist. Ein Kloster (claustrum) ist ein mehr oder weniger abgeschlossener Ort, sonst würde es nicht so heissen.

Tage später stiess ich auf einen weiteren herrlichen Pleonasmus. Der Sachbearbeiter vom Kulturamt sagt mir am Telefon, er brauche schriftliche Unterlagen von mir. Nachdem ich ihm diese zugesagt hatte (und aufgelegt) bekam ich einen Lachanfall. Hätte nicht es gereicht entweder von Schriftlichem oder von Unterlagen zu reden, denn sind Unterlagen nicht stets schriftlich? ich jedenfalls kann mir zwar einen mündlichen Vertrag, aber keine mündlichen Unterlagen imaginieren. Das Schlimme an mündlichen Verträgen ist ja, dass es KEINE Unterlagen gibt.

Dann sprach eine Bekannte von einer DOODLE-Liste, die sie erstellen müsse. Als ich sie fragte, ob nicht alle DOODLEs Listen seien, erwartete ich eigentlich, dass sie sagen würde: „Lebst du hinterm Mond? Inzwischen kann man DOODLEs als Aquarium, Zwergendorf, als Obstbaum oder Autobahn, als Volière oder Palette darstellen lassen, jeder Fisch, Zwerg oder Vogel, jedes Auto, jede Frucht oder Farbe steht für einen Termin und Fisch, Zwerg, Vogel, Frucht, Fahrzeug oder Farbtupfer wächst, wenn du draufklickst.“ Sie sagte das aber nicht, sondern nur, dass ich recht hätte und jeder DOODLE natürlich eine Liste sei.

Aber jetzt mal ganz ehrlich: Die Pleonasmen klingen einfach besser.
Ist es nicht viel drastischer, wenn es nicht nur ein Kloster, sondern ein verschlossenes Kloster ist? Wirkt der Sachbearbeiter nicht viel dringlicher, wenn er nicht nur Unterlagen, sondern sogar schriftliche Unterlagen von mir will? Ist es nicht viel, viel professioneller nicht den Zwergen-DOODLE, den Fisch-DOODLE oder den Obst-DOODLE zu wählen, sondern eine DOODLE-Liste?
Die Menschen wollen Pleonasmen. Sie wollen und brauchen Doppeltgemoppeltes, sie lechzen nach überflüssig Dazugesagtem. Sie arbeiten dann schneller, sie sind mehr beeindruckt, sie sind leichter zu überzeugen und sie sagen schneller ja.

Und sie kaufen mehr.

Sie glauben mir nicht?
Machen wir den Test.

Gemüsehändler A stellt folgendes Schild in sein Schaufenster:
HEUTE IM ANGEBOT:
TOMATEN, GURKEN, ZUCCHINI UND KAROTTEN
Gemüsehändler B schreibt das Folgende:
HEUTE IM ANGEBOT:
TOMATEN, GURKEN, ZUCCHINI UND KAROTTEN
VEGAN, LAKTOSEFREI UND FÜR ROHKÖSTLER GEEIGNET

Wo würden Sie kaufen? Hand aufs Herz? natürlich beim zweiten.
Obwohl es völliger Quatsch ist.
Gemüse ist IMMER vegan, die einzige Pflanze, die nicht vegan ist, ist eine Venusfliegenfalle während des mehrere Tage dauernden Verdauungsvorgangs. Aber mal ehrlich, wer isst schon eine Venusfliegenfalle, egal ob mit oder ohne Insekt drin?
ALLE Pflanzen sind laktosefrei, was soll der Milchzucker da auch drin, wenn schon Fruchtzucker drin ist?
Alles Gemüse ist. nein, halt, das stimmt jetzt nicht, Kartoffeln und Auberginen können roh nicht verzehrt werden, wenn aber die Gemüsesorten genannt werden, ist ja einigermassen klar, dass ein Händler die Waren nicht im gekochten Zustand verkauft. Und dann ist eine rohe Tomate, eine rohe Gurke, eine rohe Zucchini oder Karotte eben auch für Rohköstler probat, es sei denn, er würde sie kochen, aber dann wäre er ja kein Rohköstler.
Händler B schreibt also pleonastischen Nonsens, aber er wird mehr Kunden haben. Irgendwo im Hirn haben wir einen kleinen Wurm, der ständig schreit: „Sag es doppelt! Sag es doppelt! Dann werde ich es gläubig glauben!“ (Natürlich redet der Wurm auch in Doppelungen)

Nein, wir lieben Pleonasmen, wir brauchen sie, wir wollen die DIN-Norm und die Tsunami-Welle, und deshalb werde ich auch weiterhin vor verschlossenen Klöstern stehen, schriftliche Unterlagen zusammensuchen und DOODLE-Listen erstellen.

Und pleonastisch für meinen Online-Blog schreiben.



Freitag, 30. Oktober 2015

Herbstreise III: Nonnen dürfen Aussicht haben (wie CEOs auch)

Fulda ist eine wunderschöne Stadt. Lieblich zwischen sieben Hügeln in die Rhönlandschaft eingebettet, präsentiert sich die Bischofsstadt mit einem riesigen Barockschloss mit anmutigen Gärten, einem fulminanten Dom mit dem Grab des Germanenmissionars Bonifaz und einer verwinkelten fachwerkbehausten Altstadt. Nachdem ich Dom und Grab, nachdem ich Schloss und Gärten sowie die Altstadt angeschaut und viele schöne, sehr schöne Fotos gemacht hatte, dachte ich, es wäre vielleicht noch interessant auf einen der Hügel zu fahren und ein Bild oder zwei von dem in die Rhön eingebetteten Fulda zu schiessen.

Ich besorgte mir ein Tagesticket der Fuldaer Verkehrsbetriebe und machte mich auf den Weg. Auf dem ersten Hügel erwartete mich ein 60er-Jahre-Beton-Viertel mit zentralem Platz, Begegnungsstätte, Kirche und PENNY inklusive, aber keine Aussichtsmöglichkeit. Beim Heruntersteigen von Hügel 2 (Villenviertel) hätte es viele Fotomöglichkeiten gegeben, aber diese wären alle von den Wohnzimmerfenstern der Einwohner aus gewesen. Darf man einfach so bei wildfremden Leuten schellen und fragen, ob man von der Wohnstube aus fotografieren darf? Ich beantwortete die Frage mit Nein.

Warum, diese Frage allerdings kam mir auch, warum stellt die Stadt Fulda keine Aussichtstürme auf? Warum baut sie keine Aussichtsplattformen? Warum will man nicht, dass die Domstadt in ihrer ganzen Schönheit und mit ihrer Umgebung auf Zelluloid gebannt wird? (Dies als Metapher, ich weiss, dass das Digitalbild diesen Stoff nicht mehr braucht.)
Was hat die Stadt zu verbergen?

Der dritte Versuch war der Frauenberg, ein Klosterberg im Westen der Stadt, der auch im Reiseführer ob der Aussicht gerühmt wurde. Ich fuhr also mit der Buslinie 1 hoch und sah schon von weitem die Klosterterrasse und wusste: Da gibt es ein Foto.
Gab es nicht, weil ich nicht zur Aussichtsterrasse kam. Das (noch bewohnte) Kloster war nämlich verschlossen, ein geschlossenes Kloster also, was eigentlich nicht verwunderlich ist, kommt doch das Wort Kloster von claustrum, was ja verschlossen heisst.
Also war auch die dritte Fahrt ein Metzgersgang.

Am nächsten Tag durchstreifte ich Läden und Kioske nach Postkarten oder Bildbänden mit meinem Motiv: Fehlanzeige. Es gibt kein Foto mit Fulda von oben, in die Landschaft gebettet.
Nun wurde ich ein wenig sauer auf die Klosterschwestern, hocken die einfach da oben, lassen niemand rauf und geniessen die Aussicht selber, wäre doch IHRE Terrasse der ideale Platz für einen unverstellten, herrlichen Blick über die Domstadt.

Dann aber kam ich ins Nachdenken: Warum dürfen Nonnen nicht eine schöne Aussicht haben? Du liebe Zeit, die Frauen tun den ganzen Tag nichts als singen und beten, sie verzichten auf Sex and  Drugs and Rock’n Roll, sie weben am spirituellen Faden der Welt wie weiland die Nornen, dann dürfen sie das doch auch an einem schönen Ort mit schöner Aussicht machen. Übrigens singen und beten sie natürlich nicht nur, manche schreiben, manche komponieren, manche malen, viele sind beruflich tätig, und das nicht nur in der Pflege.

Nein, gönnen wir den Bonifazianerinnen vom Frauenberg (Sie müssen in Fulda doch Bonifazianerinnen sein, oder?) ihre Aussicht und ihre Terrasse, denn:
Einem Nadelstreifenheini in der Teppichetage gönnen wir die Aussicht ja auch.
Jetzt können Sie einwenden, dass ein CEO ja etwas Wichtiges tue, er scheibe Mails und lese welche, er mache Meetings und halte Vorträge mit Kraftpunktpräsentationen, er sei den ganzen Tag am Rödeln und Schuften und Denken und Leiten, dann solle man ihm auch die Aussicht gönnen. Gut, aber was tut ein CEO wirklich, wenn man die Aktionen abzieht, die er zur Rechtfertigung seines
Gehaltes anstellt? Ist das Gebet der Schwestern nicht genauso nötig oder unnötig wie die Meetings in der 25. Etage der UZMUS AG?
Auf jeden Fall ist eine Messe mit Nonnengesang ästhetisch schöner als ein Vorstandsmeeting mit Kraftpunkt.
Und:
Der CEO hat ja ein verdammt hohes Gehalt PLUS Bonus PLUS Aktien PLUS Aussicht und die Bonifazianerinnen haben KEIN Gehalt, Bonuszahlungen und Aktien und KEINEN Sex und KEINE Partys und NUR die Sicht auf die Rhön.

Nein, gönnen wir den Nonnen ihre Aussichtsterrasse.

Fulda ist eine schöne Stadt. Dom, Schloss, Park und Altstadt sind wirklich sehenswert.
Und vielleicht baut die ja die UZMUS AG ein Bürohochhaus, ein ganz grosses, scheussliches, das höchste Gebäude von Nordhessen.
Dann sollte die Stadt Fulda unbedingt, auf jeden Fall und strikt, sie sollte ganz rigoros und ohne Diskussion, sollte tapferst auf einer Aussichtsplattform mit Publikumszugang bestehen, beharren, darauf pochen und hinarbeiten.

Was ja andere Städte versäumt haben sollen…


Dienstag, 27. Oktober 2015

Herbstreise II: Der Koffer und die Sicherheitsgründe



Ich habe wieder einmal eine Tollpatschigkeit fabriziert, die ihresgleichen sucht. Als ich, von Leipzig kommend, in Fulda aussteigen wollte, war mein Koffer verschwunden. Ich hatte ihn im untersten Fach jenes Metallregals abgestellt, das sich in den Eingangsbereichen von ICE 2050-Grossraumwagen befindet. Nun war das Fach leer. Jemand musste meinen Koffer absichtlich oder irrtümlich mitgenommen haben, in Erfurt oder Eisenach. Ich ging, nach zwei Beruhigungszigaretten, zum Info-Schalter im Fuldaer Bahnhof.

Auf dem Weg dorthin fiel mir allerdings ein, dass ich den Grossraumwagen am anderen Ende betreten hatte und dann eine lange Strecke durchgelaufen war, meinen Koffer aber DORT abgestellt hatte. Er befand sich also nicht in den Händen von Dieben oder schusseligen Menschen, sondern schlicht und einfach in Wagen 8 des ICE auf dem Weg nach Wiesbaden. Glück im Unglück: Spätestens in der Hessischen Landeshauptstadt würde er ausgeladen, man stelle sich vor, der Zug wäre nach München gegangen. Am Info-Schalter traf ich auf zwei sehr, sehr nette Mitarbeiterinnen, sie riefen im Zug an und erfuhren, dass der Koffer gesichtet sei, eine Ausladung in Frankfurt aber nicht mehr möglich sei, er würde in Wiesbaden am dortigen Infoschalter abgegeben. Auf meine Frage, ob man den Koffer nicht per Zug zurückschicken könnte, wurde mir gesagt, das sei aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Ich bedankte mich bei den beiden Damen und machte mich auf den Weg nach Wiesbaden.

Warum ich nach Wiesbaden fuhr? Natürlich weil ich meinen Koffer brauchte und weil mich eine Notausstattung mit Unterwäsche, Kosmetika und einem Hemd mehr gekostet hätte als die Fahrt an den Rhein. In Wiesbaden stand mein Koffer schon direkt am Infopoint und ich konnte ihn ohne Umschweife (ohne Personenangabe oder Ausweis!) mitnehmen.

Auf der Rückfahrt in die Domstadt kam ich aber doch ins Grübeln: Warum in aller Welt kann die DB mir den Koffer nicht in den nächsten Zug Wiesbaden-Fulda setzen? Sicherheitsgründe? Wenn ich vorgehabt hätte, eine im Gepäck versteckte Bombe zu zünden, per Zeitschaltung oder per Funk, hätte ich das doch schon im ICE NACH Wiesbaden tun können, der Koffer war ja 1 ½ Stunden herrenlos. Oder ich hätte NACH 15.33 (Ankunft in der Kurstadt) die beiden netten Hessen am Infopoint, die übrigens  genauso freundlich waren wie die Damen in der Domstadt, in die Luft jagen können – und den gesamten HBF Wiesbaden mit. Dass auf der potentiellen Rückfahrt meines Gepäcks eine Bombe losginge, wäre doch kompletter Nonsens. Denn ich war ja 15 Minuten am Schalter in Fulda gestanden, ZWEI Bahnfrauen konnten ein Phantombild von mir zeichnen, wahrscheinlich gab es sogar eine Überwachungskamera. Welcher Attentäter lässt seinen Koffer weiterfahren, meldet sich dann bei der DB und lässt sich das Teil hersenden, um es dann zu zünden, NACHDEM er sich vorgestellt hat?

Sicherheitsgründe?
Oft ein Totschlagargument erster Klasse. Ich kann etwas nicht begründen, aber …
Genau
Sicherheitsgründe.

Man nimmt mir am RheinMainAiport aus Sicherheitsgründen mein Essbesteck ab, das sich aus Versehen noch in der Sporttasche befindet und schickt mich aus Sicherheitsgründen auf einen Flug, auf dem noch echtes Besteck verteilt wird.
Man nimmt mir am EuroAirport vier meiner fünf Feuerzeuge ab, weil aus Sicherheitsgründen auf Flügen nur ein Feuerzeug erlaubt ist. Das passiert aber nur einmal, den anderen Flügen scheinen diese Sicherheitsgründe egal zu sein.

Man überlegt, ob aus Sicherheitsgründen Piloten mit schweren psychischen Problemen nicht mehr fliegen sollen, egal ob diese Probleme akut, behandelt, im Griff oder passé sind. Bei Piloten mit Herzproblemen scheinen Sicherheitsgründe keine Rolle zu spielen, auch wenn der Pilot schon zwei Bypässe hat und – so neulich geschehen – während des Fluges stirbt.

Aus Sicherheitsgründen dürfen in unsere Aula nur 140 Leute hinein, da ist die Gemeinde streng, sehr streng, ab dem 141. wird weggeschickt. Dass die Aula ebenerdig ist und acht grosse Fenster hat, dass man den Raum also bei einem Brand in Sekunden verlassen kann, ist wurscht, die Gemeinde achtet auf Sicherheit. Dass dieselbe Gemeinde eine Primarschule hat, bei der die Eingangstüren nach INNEN aufgehen, steht auf einem anderen Blatt.

Ich war dann endlich um 20.00 im HOTEL AM SCHLOSS in Fulda und checkte ein. (Statt um 14.00 wie vorgesehen)
Das was jetzt kommt ist auch wahr, schwörrr:
Obwohl ja via Internetbuchung und Kreditkartenangabe alle meine Daten bekannt waren, musste ich einen vollständigen Meldezettel ausfüllen und die Rezeptionistin machte, weil ich ja Exilant bin, eine Ausweiskopie.

Warum?
Sie ahnen es:
Aus Sicherheitsgründen

Freitag, 23. Oktober 2015

Herbstreise I: Malte-Torben sucht sein Schmusetuch



Ich habe in den Herbstferien eine kleine Rundreise durch Deutschland gemacht, bei der ich alte Freunde besuchte, eine Fahrt, die in Leipzig begann und die in Berlin endete. Und ich lasse mich von den Eindrücken zu kleinen Texten anregen.

In Leipzig lese ich den folgenden an einer Platane hängenden Zettel:

Wer hat gestern, am 5.10.2015 ein rot-blaues Wolltuch gefunden?
Es handelt sich um das Schmusetuch meines Sohnes xxxx, ohne das er eigentlich keinen Schritt macht.
Bitte meldet euch unter schmusetuch-xxxx@gmx.de
Vielen Dank

Ich habe den Namen von xxxx vergessen, aber wir geben dem Bürschlein jetzt einfach mal den Namen Malte-Torben.
Malte-Torben hat schon tolle Eltern, sie nehmen seine Sorgen und Nöte nicht nur ernst, nein, sie handeln auch sofort, sie drucken Zettel und hängen sie auf und richten sogar für die Lösung der Schmusetuch-Katastrophe eine eigene E-Mail-Adresse ein. Denn es kann ja nicht sein, dass der arme kleine Fratz nun mehrere Tage in seinem Bettchen liegt und nicht mal aufs Klo kann, weil er ja – wie weiland Linus – ohne Tuch KEINEN SCHRITT macht.

Aber dann stossen uns doch kleine Fragen auf, sie blubbern die Kehle hoch und strampeln durch den Hals und wollen formuliert werden, gut, formulieren wir sie, die kleinen Biester:
Wie konnte das Tuch denn verloren gehen, wenn Malte-Torben KEINEN SCHRITT ohne das Ding unternimmt? Schlief er in seinem Bettchen und Papa hat das Schmusteil zum Joggen mitgenommen und dann verloren? Unwahrscheinlich. Ebenso unwahrscheinlich, dass Mama es verschludert hat. Wahrscheinlich ist, dass es Malte-Torben aus der Hand gerutscht ist, als er etwas entdeckt hat, das im Moment wichtiger als das Tuch war, einen Vogel, eine Blume, ein Bio-Eis oder einen Müslikeks (Natürlich nimmt Malte-Torben nur Müslikekse und Bio-Eiscreme zu sich) und dass er dann das Tuch irgendwo vergessen hat, aber dazu muss er ja EIN PAAR SCHRITTE gelaufen sein, oder?

Eine andere Frage ist allerdings – und ich wage sie zu stellen, obwohl ich keine Kinder und damit in den Augen der meisten Malte-Torben-Mütter und Malte-Torben-Väter auch keinen blassen Schimmer von Erziehung habe – ob man die jungen Menschen nicht irgendwann auf das Thema „Verlust“ einstimmen sollte. Ganz nach dem Motto, das ich stets hörte: „Hättest du besser aufgepasst.“ Ich bekam zum Beispiel, wenn mir ein Softeis oder ein Stück Kuchen, eine Portion Pommes oder etwas ähnlich Ungesundes (meine Mutter gab mir so schreckliche Sachen, im Gegensatz zu Malte-Torben, der ja seine Müslikekse und seine Bio-Eiscreme hat und so Furchtbares nicht essen muss), also wenn mir das aus der Hand rutschte nicht einfach eine neue Ladung, obwohl wir es uns hätten leisten können. Genauso hätte ich sicher ein NEUES Schmusetuch bekommen, aber man hätte für das alte nicht die Welt auf den Kopf gestellt. Und wenn ich gesagt hätte, ich mache KEINEN SCHRITT ohne mein Tuch, dann wäre die lapidare Äusserung gekommen, dass ich dann halt bis ans Ende meiner Tage dort stehenbleiben könne, wo ich sei. Nein, ich finde, auch ein ganz Kleiner sollte mitbekommen, dass Dinge verloren gehen können und dass das Leben immer auch Verlust mit sich bringt.

Eine dritte Frage stösst, blubbert und strampelt nun bei Leipzig-Kennern und sie lautet:
Wo hing dieses Tuch?
Nun, Leipzig-Kenner, raten Sie!
Sie meinen: Schleussig oder Plagwitz?
Bingo, Schleussig Holbeinstrasse.
War ja klar.
Kurze Erklärung für die Nicht-Leipzig-Kenner: Gründerzeitviertel, ehemals alternativ, dann „in“, jetzt hochpreisig, eben ein Viertel für Bio-Kekse und Malte-Torbens.
Na, Freiburger? Wo hinge bei Euch der Zettel? Ganz eindeutig in der Wiehre.
Berliner?
Prenzlauer Berg, wo denn sonst?
(Eines der Highlights meiner Reise war ja dann auch der (inzwischen dritte) Besuch des Prime-Time-Theater im Wedding mit seiner Bühnensoap Gutes Wedding – Schlechtes Wedding, bei der der Prenzlauer Berg, die „Prenzelwixer“ sehr aufs Korn genommen werden.)

Und ihr, Basler?
In Basel ist das – zum grossen Glück – nicht so eindeutig. Vielleicht im Schützenmattquartier oder im Neubad, aber man kann das nicht so klar sagen. Und das ist gut so.

Vielleicht kann man es in einem kleinen Gedicht so auf den Punkt bringen:

Wohl dem Quartiere, wohl der Stadt
Die keine Malte-Torbens hat
O wohl der Stadt, wohl dem Quartiere
Das nicht wie Schleussig oder Wiehre
Wo man auch mal Pommes schätzt
Und Schmusetücher halt ERSETZT.

Dienstag, 20. Oktober 2015

Verfassungsschutz und Stasi - Scylla und Charybdis

Oh, da haben etliche Leute etwas in den falschen Hals bekommen!
Ich habe neulich nicht behauptet, dass Stasi und Verfassungsschutz das Gleiche waren, ich habe nur gesagt, auch der VS könnte mal die Archive öffnen und die Akten zeigen, und dazu stehe ich.

Stasi und VS waren nicht das Gleiche, absolut nicht, aber sie taten das Gleiche, beide spionierten bzw. spionieren, den VS gibt es ja noch, den Bürgern hinterher. Ja, geschenkt, die eine Organisation für einen Unrechts- und die andere für einen Rechtsstaat, aber, ehrlich gesagt, ist es mir egal, ob ein Rechts- oder Unrechtsspion meine Post aufmacht.
Nein, der grosse Unterschied war die vollständige Durchakquirierung eines ganzen Volkes für die eigenen Zwecke. Die Dichte des Netzes der IM war phänomenal, davon hätte der VS nie zu träumen gewagt. Dass der VS davon träumte, auch so ein Heer freiwilliger Helferinnen und Helfer zu haben, dessen bin ich sicher. Wie oft müssen sie dagesessen haben und Demo-Fotos betrachtet und geflüstert, wenn wir jetzt einen IM im Umfeld von XY hätten, dann wüssten wir 100% sicher, ob das der XY auf dem Foto ist. Wie oft müssen sie Berichte gelesen haben, von Leuten die zu oft irgendwo hinfahren, sagen wir mal Heidelberg, und geseufzt haben, wenn wir jetzt ein IM im Umfeld von YZ hätten, dann wüssten wir 100%ig, was YZ in, sagen wir mal Heidelberg, macht.
Nein, von so einem IM-Netz träumten die VSler, aber sie haben sich nie getraut, es wirklich anzulegen.

Gut, es wäre auch sicher nie vorgekommen, dass man Leute verpfiffen hätte, weil sie Ostfernsehen geschaut hätten. Nicht weil in unserem demokratischen Land das nicht verboten war, nein, nein, denn VERDÄCHTIG wäre es ja auf jeden Fall gewesen, niemand schaute Ostfernsehen, weil es einfach so rattenschlecht war. Es wäre auch niemand verpfiffen worden, weil er oder sie das NEUE DEUTSCHLAND bezog, nicht weil es legal war, nein, nein, denn VERDÄCHTIG war es ja. Niemand wäre auf die Idee gekommen, das AD zu abonnieren, einfach weil es ein so hundsmiserables Blättchen war.
Niemand wurde also denunziert, weil er ostfernsah und ND las, das heisst aber nicht, dass nicht denunziert wurde.

Während der VS kein wirkliches Glück bei der Rekrutierung von IMs hatte, hatte das BKA es in Zeiten des Heissen Herbstes ja fast geschafft. „Halten Sie Augen und Ohren offen“ hiess es da, Ihr Nachbar könnte ein Terrorist sein, und wie viele riefen da bei der Polizei an um irgendwas zu melden, und Eduard Zimmermann und BILD halfen mit und zerstörten nebenbei ein paar Existenzen (Katharina Blum lässt grüssen), aber das sind Kollateralschäden.
Ja, ich wage zu behaupten, dass gewisse Leute auch prima DDR-IMs abgegeben hätte.
Frau F. aus G., die feststellte, dass die Frau in der Wohnung über ihr, eine 30jährige (!) Studentin (!) der Politologie (!), eben diese Wohnung öfter anderen Leuten überliess und dies natürlich der Polizei meldete, sie hätte wunderbar als „IM Torte“ funktioniert.
Herr T. aus M, der feststellte, dass seine Nachbarin genau an jenem Tag, als Holger Meins beerdigt wurde, in Richtung Friedhof lief, und das natürlich der Polizei meldete, er hätte herrlich als „IM Wurst“ ausgesehen.

Ich habe vorhin gesagt, dass Ost-TV und Ost-Zeitung kein Problem waren.
Anders mit Reisen in die DDR: Die waren verdächtig, sehr verdächtig, wenn man keine Verwandte hatte, und sie waren dem VS schon etliche Bogen Papier wert. Wer nun einfach so rüber fuhr, und das mehrfach, der konnte sich gewisse Dinge schon einmal abschminken.

Sie fragen, was man sich abschminken konnte?
Eine Beamtenstelle natürlich.

Ich habe es selber leider nie ausprobiert, deshalb fände ich eine VS-Archiv-Öffnung ja auch so glatt, ich habe es nie ausprobiert, ob ich in den Staatsdienst gelangt wäre. Aber ich habe meine grossen Zweifel. Immerhin WAR ich ja in einem antimilitaristischen Arbeitskreis, der marxistisch unterwandert war und immerhin WAR ich ja auf nichtgenehmigten Demos gewesen. Nein, ich habe es nicht probiert, aber vielleicht hätte ich auch zu hören bekommen, ich führe , nein nicht nach Heidelberg, aber an den Bismarckplatz, wo ich ja immerhin stadtbekannte Kommunisten besuchte. (Eine Ironie, die mir bis heute entgangen war: Dass Marxisten am Bismarckplatz wohnen)
Nein, ich habe es nie ausprobiert, aber dass da irgendwo etwas stand, da bin ich sicher.
Nein VS und Stasi waren nicht identisch, aber Erfahrungen mit ihnen konnten sehr ähnlich sein, so berichten Wolf und Wallraff fast dieselbe Szene: Wie sie die Leute im Auto vor ihrem Haus fragen, ob sie nicht gleich mit hochkommen wollten, sei doch gemütlicher und Kaffee gebe es auch…

In einem war der VS sogar noch viel weiter als die Stasi: Wenn Heinemann in einem Telefonat zu Böll sagt, das könne man hier nicht besprechen, er werde abgehört, dann ist dies eine so grosse Unverschämtheit, schliesslich war er das Staatsoberhaupt, wie sich die Stasi – glaube ich – nie geleistet hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Ulbricht und Honecker bespitzelt wurden.

 Aber möglich ist ja alles…

Freitag, 16. Oktober 2015

Knastgespräch zwischen Winti und Blatti

Ein regnerischer Montagnachmittag im Herbst des Jahres 2017.
Die Häftlinge 3355 und 7788, die sich untereinander als „Winti“ und „Blatti“ titulieren, sitzen in der Vollzugsanstalt, rauchen und trinken Bier. Der dritte im Bunde, Luigi Mascarpone, sitzt auf seinem Bett und reinigt sich die Fingernägel, denn ein Pate schaut auch im Knast darauf, sauber und gepflegt zu sein und eine „bella figura“ zu machen.



„Weisst du, Blatti“, beginnt Winti, „wenn wir einmal rauskommen, dann…“
„Wir kommen nicht raus“, kontert Blatti, „wir kommen nicht raus, die haben uns 30 Jahre gegeben.“
„Und gute Führung?“
„Vergiss es, dafür hatten wir in Freiheit lange genug Zeit, uns gut zu führen. Rede im Konjunktiv.“
„Also gut“, beginnt Winti erneut, „wenn wir rauskommen WÜRDEN, MÜSSTEN wir alles anders machen.“
„Und was, du Schlaumeier?“, seufzt Blatti.
„Es bräuchte eine Kombination unserer beiden Systeme: Nicht nur Korruption, nicht nur Manipulation, sondern beides.“
„Und wie sollte das genau aussehen?“
„Schau mal: Du hast 10 Millionen von den Scheichs gekriegt, dass du ihnen die WM gibst. Davon hast du 5 Millionen wiederum an Funktionäre und die Mitbewerber verteilt, dir blieben 5. Aber die Fans, die Fans haben’s nicht geschluckt. Also hätte es Untersuchungen und Messungen gebraucht. Untersuchungen und Messungen, die bewiesen hätten, dass Katar ein mildes und idealfeuchtes Klima hat, auch im Sommer, dass der bauliche Untergrund ideal für Stadien ist, dass es keine logistischen Probleme gibt, usw., usw.“
„Und du hättest mehr schmieren müssen.“ Blatti trinkt sein Bier leer und greift zu einer neuen Flasche.
„Genau. Ich hätte nicht nur die Abgasmessungen fälschen dürfen, sondern alle Umweltheinis, Kontrolleure, alle Staatsanwälte und natürlich auch ca. 100 Politiker auf meine Gehaltsliste setzen müssen. Erst die Kombination von Bestechung und Betrug bringt das gewünschte Ergebnis.“



„Quatsch!“ Luigi hat seine Maniküre beendet, ist aufgestanden und hat sich zu ihnen gesetzt. Er nimmt ein Bier und zündet sich einen Stumpen an.
„Der wahrhaft grosse Kriminelle baut auf drei Säulen: Manipulation, Korruption und Exekution.“
„Wie meinst du das?“
„Porco miserico! Madonna mia! Sei stupido! Stupidissimo!”
(Luigi fällt immer ins Italienische, wenn er sich aufregt.)
„Guckt mal, ihr beiden Pagliacci. Manipulatione ist gut, machen wir auch. Wir fälschen unsere Personaldokumente, unsere Steuererklärungen, unsere DNA-Tests, unsere Rechnungen von Ristoranti und Alberghi, Corruptione ist gut, wir haben praktisch alle, die im Mezzogiorno was zu sagen haben, auf der Gehaltsliste. Aber manchmal hilft nur piombo.“
„Du meinst…“
Porco miserico! Madonna mia! BLEI! Töten! Peng, peng! E il nemico è mortuo. Es ist nämlich so:
Es gibt Leute, die sind intelligent, aber unanständig, sie kommen dir auf die Schliche, aber nicht, weil sie für das Gute kämpfen, sondern weil sie auf deine Lohnliste wollen. Einfach zu handhaben, du musst nur überlegen, wie viel sie ermittelt haben und wie viel ihr Schweigen wert ist. Die anderen sind hochanständig, absolut unbestechlich, aber viel zu blöd, dir etwas nachzuweisen, auch weil sie, eben wegen IHRER Anständigkeit auch immer Anständigkeit bei ANDEREN wittern.
Die dritte Gruppe ist gefährlich: Superschlau und total integer.“
„So Leute gibt es?“, rufen Winti und Blatti wie aus einem Munde.“
„Aber natürlich! Ihr seid beide über so Leute gestolpert. Nehmt diese Umweltheinis, nehmt die Lynch, nehmt Menschen wie Snowden, nehmt die ganzen hurenverdammten NGOs, die Liste ist verflucht lang. Und bei solchen hilft halt nur ein gezielter Schuss, oder, wenn einem das zu brutal ist, ein wenig Strychnin im Essen oder ein kleiner Autounfall, oder, wenn man es als Exempel machen will, ein bisschen Beton an den Beinen, was ja unter Wasser auch relativ unbekömmlich ist.“



Winti nimmt sich noch eine Zigi. „Wenn wir rauskommen…“
„Wir kommen nicht raus, wir kommen nicht raus“, unterbricht Blatti, „sprich im Konjunktiv.“
„OK“, fährt Winti fort, „wenn wir rauskommen WÜRDEN, WÜRDEST du uns dann das Schiessen beibringen?“
„Certo, amici, certo!“

Und so beginnt es zu dunkeln in der Zelle von 3355, 7788 und 9911 (das ist Mascarpone) und ein regnerischer Montagnachmittag beginnt sich seinem Ende zuzuneigen.
Und Ruhe kehrt ein in der Haftanstalt.
Und wir hoffen, dass die drei so schnell da nicht rauskommen.

 

Denn ein Winterkorn oder Blatter mit Knarre, das wäre nun wirklich ein Albtraum.