Montag, 8. Juni 2015

...dass wir klug werden? Hä?


Es gab viele Gründe, nicht auf den Kirchentag zu gehen, z.B.:

·       Man ist Atheist und hätte aus Versehen doch in eine der wenigen frommen Veranstaltungen geraten können.
      ·       Er fand in einer Stadt statt, in der die Leute des Hochdeutschen nicht mächtig sind.
·        Man erträgt es nicht, wenn man mit 570 Menschen in eine U-Bahn eingezwängt wird, die dann lautstark Der Himmel geht über allen auf – auf alle über – über allen auf singen.
·        Man erträgt Menschen eh nur in kleinen Portionen, deshalb geht man ja auch nicht zu Fussballspielen und bleibt an den MEGA-Samstagen im heimischen Stüblein.
·         Man erträgt gar keine Menschen.
·         Man hat ein paar Tage frei und sieht nicht ein, sich für die Ferien To-do-Listen und Logistikpapiere anzulegen, die das Mass bei der Arbeit um 100% übersteigen: 10.00 „Frieden“ in Feuerbach, 12.00 „Gerechtigkeit“ in Gerlingen, 14.00 „Kantaten“ in Cannstatt – schaffen wir das mit S- und U-Bahn? (Anm. des Autors: Man schafft es nicht.)
·         Man will Mutti nicht auch noch live sehen.
 UND:
·         Das Motto

Ich bitte Sie: „…auf dass wir klug werden.“ Das ist ja eigentlich überhaupt kein Satz ist das ja, das muss man ja aus dem Gedächtnis ergänzen, und wer kann das schon? Also ganz heisst das Ding Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“

Das ist nun alles von Grund auf falsch. Denn erstens müssen wir nicht mehr sterben und zweitens sind wir schon klug.

Wenn ich mit 65 in Rente gehe, und das ist in 15 Jahren, wird die Medizin so weit sein, dass ich eine totale, fundamentale und optimale Runderneuerung bekomme. Ich bekomme ein zweites Herz, neue Nieren, Darm, Magen und Speiseröhre werden ausgetauscht, ich erhalte künstliche Knie-, Ellenbogen-, Hals- und Lendengelenke, ebenso werden Galle und Blase durch neuere Modelle ersetzt. Meine Zellen werden gereinigt, gewaschen und wieder eingefüllt, ich werde durchgecheckt, durchgesehen, werde mit Blut, Schweiss, Tränen und Sperma der Superklasse frisch aufgepeppt. So renoviert halte ich noch mal 600 Monate, und wenn die um sind, sind die Medizintechnik und die Chirurgie noch einmal weiter. Ich lebe also ewig, ich werde nie den Jordan überschreiten und die Jagdgründe eingehen, oder wie Coldplay es sang:
St. Peter won’t call my name…
Ob das dann noch ICH bin, 50% Kunsstoff, 40% Spende und 10% Eigenmaterial, das muss man philosophistisch oder theologistisch klären, zum Beispiel auf Kirchentagen, mir ist es egal, Hauptsache, der Körper, der sich Rolf Herter nennt, stirbt nicht. 

…dass wir klug werden? Wir die sind die gebildetste, informierteste, klügste Generation überhaupt. Wir wissen in 3,456 Sekunden, wie der 23. Präsident von Nauru hiess oder was um 1345 in Flevoland passierte. Wir haben jeden Ort der Welt auf Knopfdruck vor Augen und können sogar schauen, wo dort die nächste Pizzeria ist. Wenn die am CERN in ein, zwei Monaten durch sind, haben wir die Faustische Frage gelöst, wir haben zwar nicht alle Juristerei und Medizin studiert, und auch nicht leider Theologie, aber wir werden ohne Pudel und Hexen dahinter gekommen sein, was die Welt im Innersten zusammenhält. Ab gesehen davon, dass wir bald auf dem Mars, der Venus, auf Merkur, Jupiter und Pluto herumchillen werden und unsere Kontaktdaten und Freundschaftsanfragen tief in den Andromedanebel streuen können.
Das nenne ich Horizonterweiterung.

Nein, der Kirchentag lag falsch.
Wir müssen nicht mehr sterben. Wir SIND klug.
Und so war neben den Menschenmassen, Der Himmel geht über allen auf… und Mutti live dieses schrecklich destruktive, hinterweltlerische und negativistische Motto der Grund, dass ich nicht hingegangen bin.

 

Freitag, 5. Juni 2015

Der unsinnige Depeschenwechsel zwischen Ritter Faziolus und Ritter Bukerius (organisiert vom Edlen Sysshygel)

In der Zeit, die man als finsteres Mittelalter bezeichnet, also um ca. 1200, lebten zwei Ritter, und zwar in jenen Gefilden, die heute den Drielandenpunt B-NL-D beherbergen, also grob im Umfeld von Aachen. Die beiden hiessen Faziolus v. Hoogstijn und Bukerius v. Niedern und sie lagen seit Jahren in erbittertem Streit miteinander. Sie stritten um Bäume und Dörfer, um Felder und Wegerechte, sie stritten um Haine und Gebüsche, um Flüsse und Quellen. Das taten sie mal im Zweikampf, mal in Schlachten mit all ihren Mannen, stets erbittert und stets ziemlich blutig. Warum sie das taten? Ihnen war schlicht und einfach langweilig: Man kann ja nicht den ganzen Tag Schach spielen oder Lautenisten zuhören, nicht den ganzen Tag aus dem Fenster sehen oder die Rüstung putzen, und ihre Burgfräuleins wollten auch nicht immer.

Die permanente Streiterei brachte eine Sache mit sich: Ständig mussten Boten und Kuriere zwischen Hoogstijn und Niedern hin und her reiten, um Drohungen, Erwiderungen und Beleidigungen zu überbringen, aber auch um Ort und Zeit für die nächste Prügelei mitzuteilen. Nachdem die eigenen Knappen und Diener irgendwann keine Lust mehr auf diesen Dienst hatten, bot Markus v. Sysshygel, ein Mann des niederen Adels, an, die Botensache für Faziolus und Bukerius zu organisieren. Er schlug vor, einen Dienst aufzubauen, bei dem jedem der beiden Rittersleut Tag und Nacht ein wartender Kurier zu Verfügung stünde, seine einzige Bedingung sei ein 3-Jahres-Vertrag und 3000 Goldstücke pro Jahr. Dankbar nahmen die beiden Ritter an.

Sysshygel stellte für seinen Faziolus-Bukerius-Dienst, den er bald abkürzte, etliche Leute ein, kaufte Pferde und Ställe und Futter. Ein Jahr trabten die Kuriere Sysshygels zwischen Hoogstijn und Niedern, im Gepäck Depeschen wie
Finker weck van meyner Gnaasquelle, du Sau!
und
Morgen befor Sunnenufgank am Galkenpaum mit jeh 4 Kämpern
dann allerdings geschah das Unglaubliche: Faziolus und Bukerius schlossen Frieden. Kein Historiograph oder Historiologe hat bisher herausgefunden, warum sie das taten, fest steht, dass Anno Domini 1222 ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde, der alle Wegerechte, alle Fluss- und Quellrechte, der das Eigentum an Dorf, Hain, Busch und Baum regelte und der heute noch im Stadtmuseum Aachen (Printenstrasse 7, täglich ausser MO 10.00-17.00) zu sehen ist.

Nun brauchte man natürlich die Dienste des Markus Sysshygel nicht mehr. Der aber bestand auf seinem Vertrag, er werde weiter Kuriere schicken, diese seien zu bezahlen und basta. Selbst die findigsten Advokaten der beiden Ritter fanden keine Lösung: Der Vertrag war einzuhalten. Zwei Wochen sassen nun die Boten in den Burghöfen herum, langweilten sich, gingen müssig, taten das, was Müssiggänger tun, sie tranken zu viel des Burgweins, pöbelten Knappen an und langten den Mägden an Brust und Po (je nach Vorliebe umgekehrt). Nach 14 Tagen war es Faziolus zu viel und er schickte einen Kurier mit einer Botschaft:
Wi scheen der Fryde seien tut. Entelik eynmal wider in Ruh Morgemahl. Es gab geryrte Eyer.
und der andere antwortete:
Wi rächt du habben tust. Bey mir gespygelte Eyer.
So begann ein reger Depeschenwechsel über ihr tägliches Leben, über Morgen-, Mittag- und Abendmahlzeiten, über die Probleme der baufälligen Burgen und gesundheitliche Sorgen. Die beiden stellten sogar Maler an, die die Blumen im Burggarten, die Magnolien, Rosen und Stiefmütterchen abzeichneten, diese Aquarelle und Zeichnungen wurden dann den Briefen beigelegt.

Nach einem Jahr stand dann auf einmal ein unbekannter Kurier im Hof von Niedern. Er überbrachte folgendes schreiben:
Werther Riter Bukerius
Habben geherrt von eyrem lyben Depeschweksel mit Riter Faziolus. Dyrfte ik mik darann beteyligen? Trag nadyrlik die Kossten.
Amandus
Byschoff von Trier

Bukerius nahm die Anfrage an und Sysshygel erweiterte seine Routen.
Um das Jahr 1232 ritten dann ca. 20 000 Boten und Kuriere, Reiter und Depeschenbringer in Sysshygels Diensten quer durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und überbrachten Botschaften, deren informativer Wert gleich Null ging, den beteiligten Rittern, Fürsten und Bischöfen aber einen perversen Spass machte.

Irgendwann kam die Sache dem Kaiser zu Ohren: Er war ausser sich. Hatten seine Adligen nichts mehr zu tun? Waren sie völlig hobbylos? Es war unwürdig für einen Grafen oder Ritter, Briefchen mit Blümchen oder Kochrezepten durch Kuriere auf Pferden von der Nordsee zu den Alpen und von der Memel zum Kanal zu schicken.
Er reagierte prompt: Er sandte seinerseits Boten an alle Herrscher des Reiches, die auf den Burgen und Schlössern verkündigten: Der Kaiser habe den Mongolen den Krieg erklärt und alle Fürsten haben sich mit allen Getreuen in Bamberg einzufinden.
Das Briefescheiben erlosch sofort, alle Ritter zogen in den Kampf und Sysshygel setzte sich, inzwischen 300 Millionen Goldstücke reich, endlich zur Ruhe.

Es bleibt zu hoffen, dass diese 10 Jahre, die als „decem anni stupidarum epistularum" (die Zehn Jahre der dummen Briefe) in die Historiographie eingingen, sich nie wiederholen werden.




  

Dienstag, 2. Juni 2015

Nix gewusst? Noch einmal Blatter...

Im Schullandheim der 8B der Gesamtschule Guntersheim, sie waren an der Ostsee, ist es zu einigen bösen Zwischenfällen gekommen. Mehrere Schüler haben zwei Mitschüler nachts aus dem Bett gezerrt, sie gefesselt und geknebelt und dann Spiele mit ihnen getrieben, die im Törless oder in 50 Shades of Grey nachzulesen sind. Es war hinterher nicht mehr genau zu evaluieren, ob wirklich Analverkehr betrieben wurde, aber es war schlimm genug. Herr Trucker, der Klassenlehrer, gab später an, er habe nichts mitbekommen, er könne schliesslich nicht alles kontrollieren, es sei ohne sein Wissen geschehen…

Im CLEAN&NICE®, der Bezahltoilette im HBF Flensburg, herrschten bis vergangenen Dienstag relativ desolate Zustände. Kundinnen und Kunden beschwerten sich bei der Zentrale in Kiel darüber, dass in den Kabinen offensichtlich gefixt werde, Spritzen lägen herum, die Wände seien voller Blut und manchmal steige man über Leute, die mit glasigen Augen auf dem Boden dösten. Wie gesagt, bis letzten Dienstag, dann wurde dem Filialmanager, Herrn Dreyer, fristlos gekündigt. Er gab später an, er habe nichts mitbekommen, er könne schliesslich nicht alles kontrollieren, es sei ohne sein Wissen geschehen…

Bei der TRUPAG AG hat man kürzlich eine ganze Abteilung aufgelöst. Es gab nur einen Grund, aber der war triftig: Die 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte eine etwas laxe Arbeitsmoral, anders gesprochen, sie taten nichts. Also sie taten schon viele Dinge, aber das waren mehr freizeitorientierte Beschäftigungen, da wurde World of Warcraft und League of Legends gespielt, wurde Facebook, WhatsApp und Twitter bedient und die Dossiers im Schrank entpuppten sich als Sammlungen von Kreuzworträtseln, Sudokus und Schiffeversenken. Natürlich wurde auch die Abteilungsleiterin, Frau Scherfel-Bödelein, gegangen. Sie gab später an, sie habe nichts mitbekommen, sie könne schliesslich nicht alles kontrollieren, es sei ohne ihr Wissen geschehen…

Hallo? Wieso betonen die alle, sie haben nichts gewusst? Das ist selbstverständlich. Stellen Sie sich vor, Herr Herr Trucker hätte die spermatreibenden Spielchen toleriert oder sogar gutgeheissen, stellen Sie sich vor, Herr Dreyer hätte die Heroinjunkies wissentlich in seine Anlage gelassen (vielleicht den Stoff verkauft) und Frau Scherfel-Bödelein hätte ihren Leuten gesagt. nur Anwesenheit sei notwendig, sonst könnten sie 8 Stunden machen, was sie wollten. Unvorstellbar. Aber das Nichtwissen ist genauso verwerflich: Wenn der Lehrer nix mitkriegt, kann man die Kids auch alleine eine Woche an die Ostsee schicken, wenn eine Toilette so aussieht wie früher das Bahnhofsklo, warum bezahle ich dann 1,50 Euro (und damit auch einen Manager als Aufpasser), wenn eine Abteilungsleiterin ihre Abteilung nicht leitet, wieso heisst sie dann so?

Und deshalb hätte Sepp gehen müssen. Selbst wenn er – was ich nicht glaube – von allem nix gewusst hat, es wäre sein Job gewesen, seinen Verband im Griff zu haben. Was ist das für eine Führung, an der vorbei man Geldwäsche und Korruption betreiben, an der vorbei man seine Schäfchen ins Trockene und weit darüber hinaus auf goldene Wiesen treiben kann? Was ist das für eine Leitung, die nicht leitet? Was ist das für Direktion, die nicht dirigiert? Nein, Seppi hätte gehen müssen, er ist um keinen Deut besser als Trucker, Dreyer und Scherfel-Bödelein. Sein Verband ist so widerlich wie die Törless-Spiele, so eklig wie H-Spritzen und so faul wie TRUPAGler.

Was für einen Sport kann man eigentlich noch unterstützen? Wo gibt es weder Geldschweinereien noch Chemieschweinereien, gibt es weder Korruption noch Doping?
Synchronschwimmen
oder
Eistanzen
oder
Kanu-Polo.
Und zwar nicht, weil die Leute, die diese Dinge betreiben, die gemeinsam ihren Armschlag machen, ihre beschlitteten Schuhe heben oder mit dem Paddel Bälle schlagen, weil die Leute, die synchronschwimmen oder eistänzeln oder kanupoloisieren Heilige, weil sie von Hause aus sauber und anständig sind, sondern weil Doping bei diesen Sportarten keinen Sinn macht und weil in ihren Weltverbänden, der WASS, der WAID, der WAKP es einfach um nicht so viel Geld geht. Die World Association of Ice Dancing z.B. hat ein Jahresbudget von 50 Millionen Dollar, das füllt bei der FIFA gerade die Portokasse.

Geld verdirbt den Charakter.
Blatter gibt an, er habe nichts mitbekommen, er könne schliesslich nicht alles kontrollieren, es sei ohne sein Wissen geschehen…

Und genau deshalb hätte er seinen Hut nehmen müssen und ins Wallis zurückgehen. Da ist es ja auch schön.




Freitag, 29. Mai 2015

Eine Frau darf nicht die FIFA anlangen



Es gibt Witze und Wortspiele, die so auf der Hand liegen, dass sie nicht mehr besonders originell sind. Wenn mir jemand sagt, dass das Leben hart und ich Herter sei, dann entlockt das mir nur noch ein sehr müdes Gähnen. Als der Semiotiker aus Bologna seine Weltkarriere startete, machten sämtliche Feuilletons Sprüche wie L‘autore qui fa l’eco (der Autor, der Echo hervorruft) und fanden sich überschäumend einfallsreich. Genauso ist es jetzt mit Loretta Lynch: Wenn eine mit diesem Namen in der Justiz arbeitet, hat sie das Wortspiel Lynch-Justiz schon so oft gehört, dass sie nicht einmal mehr mit der Augenbraue zuckt.
Und dennoch ist es wahr: Die Dame, die hier meint gegen die FIFA stürmen zu dürfen, betreibt genau das.
Ich bitte sie: Das geht doch gar nicht.
Das geht doch gar nicht, dass hier eine Frau (!) in Sachen Fussball (!) ermittelt und Massnahmen ergreift.
Es ist für Männer ja schon schlimm genug, wenn sie von Frauen gedemütigt, beleidigt, wenn sie von Weibern geschlagen, getreten und verletzt werden. Umgekehrt natürlich auch, aber da ist es natürlich, eine mächtige Frau IST gegen die Natur. Hunderte von Geschichten, Theaterstücken, Opern und Operetten wissen davon zu erzählen: Falstaff wird zu seiner grossen Schande von den Merry Wives in einen Waschkorb gesteckt und Oberst Ollendorf, der im Bettelstudent nur ein Kompliment machen wollte, wird mit einem Fächer geschlagen, worauf er traurig singt:
Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst…
Donizettis Don Pasquale bringt es auf den Punkt:
Bist verloren, Don Pasquale, bist verloren, Don Pasquale, von der eignen Frau geschlagen
Und mir bleibt ein einzig Mittel: Ich geh fort und häng mich auf…

Schlimmer ist es dann, wenn Frauen als Amtspersonen agieren. Welcher Mann lässt sich gerne von einer Frau kontrollieren? Natürlich keiner. Welcher Mann lässt sich gerne von einer Frau anklagen, verurteilen, welcher Mann steht gerne einer Frau Rede und Antwort? Welcher Mann erträgt es, wenn eine Frau in seinen Sachen herumschnüffelt, in seine Schränke guckt, in seinen Mails liest, welcher Mann würde einer Frau freiwillig seine Akten, seine Belege und Scheine, seinen Schreibtisch und seinen Hobbyraum zeigen?
Keiner. Keiner. Keiner.
Und so sollte es auch keine Staatsanwältinnen, keine Richterinnen und Polizistinnen, keine Zollbeamtinnen und Steuerfahnderinnen geben, es sollten keine Frauen bei Ämtern und Behörden und Grenzwachen arbeiten. Oder nur für Weiber zuständig sein.
Denn es ist für einen Mann entwürdigend, einer Person des schwachen Geschlechts sein Leben oder seinen Koffer zeigen zu müssen. Umgekehrt ist es etwas anderes: Die Frau soll dem Manne untertan sein, so steht es geschrieben.

Wenn nun aber so ein Weib (!) als Amtsperson (!) in Sachen herumagiert, die eine klare Männerdomäne sind, dann ist das der Gipfel, der Mount Everest, der Mont Blanc. Es verletzt uns Männer so tief, so grundlegend, dass eigentlich die Menschenrechtsstelle einschreiten müsste. Bereiche, aus denen sich Amtsfrauen fernhalten sollten, sind:
Bier
Autos
Angeln
Fussball
Die EU-Richtlinie über den Hopfengehalt von Weissbier MUSS von einem Mann geschrieben werden, Tempolimits auf Autobahnen MÜSSEN von Kerlen verhandelt werden und die Fischereigesetze MÜSSEN von Leuten überprüft und durchgesetzt werden, die nicht nur etwas im Kopf, sondern auch etwas zwischen den Beinen haben.
Und die FIFA darf nicht von einem Weibsbild angegriffen werden, das ist klar.

Die Frau hat sicher ein Fussballproblem, wahrscheinlich schaut ihr Mann zu viel Major League Soccer, und jetzt muss sie irgendwie um sich schlagen. Die FIFA ist nämlich sauber, sie hat das selber immer wieder intern kontrolliert und überprüft. Alle diese aufwändigen Eigenevaluationen ergaben: Null Kriminalität, null Korruption. Siehste.
Ich meine, kennt diese Tusse überhaupt die Fussballregeln? Weiss sie, was eine Abseitsfalle ist? Kann sie die WM-Austragungsorte der letzten 150 Jahre aufzählen? Weiss sie, wer Pelé, wer Maradona, weiss sie, wer Uwe Seeler und Franz Beckenbauer waren oder sind? Hat sie überhaupt schon einmal in einem Stadion gestanden? Also, wer nicht weiss, wann ein Eckball gepfiffen wird, hat keinerlei Befugnis, in Sachen Fussballverband etwas zu unternehmen. Und wer eine Schwalbe für ein Vögelein hält, das in singulärem Auftritt noch keinen Sommer macht, soll die FIFA in Ruhe lassen.

Frau Lynch mag eine tolle Juristin sein, sie mag fair, klar, direkt und offen sein, studiert, gebildet und intelligent.
Aber sie ist eine Frau.

P.S. Ich habe diesen Post am Donnerstagmorgen geschrieben. (Ehrlich! Indianerehrenwort! Isch schwör!) Am Donnerstagabend erschien in BLICK AM ABEND ein Artikel, in dem dargelegt wurde, dass Loretta Lynch nur an ihrer Karriere arbeite, dass es bei ihr nicht um Fussball ginge, dass sie von Fussball keine Ahnung habe… In der Schlagzeile fand sich das schöne Wortspiel LYNCH-JUSTIZ. Hier sind Redakteure wieder einmal zu geistigen Höhenflügen aufgestiegen, die einen staunen machen.





Montag, 25. Mai 2015

Gebühren(?) für Sauna, Badehose, Duschen und Handtuch

Ich stosse auf eine Anzeige:

Neueröffnung: ELDOBADO® in Bagglingen-Wüllinshofen
20 Rutschbahnen, 50m-Becken, 25m-Becken, Planschbecken, Sprungturm (15m, 10m, 5m, 3m), 3000qm Saunalandschaft, grosse Liegewiese, Cafeteria.
Mo-So 7.00 – 22.00
Tageskarte Erwachsene 10.-

Wow, denke ich, wow, das ist ja ein Superpreis, und obwohl ich ja nur schwimmen will (vielleicht einmal rutschen und ein wenig in der Sonne liegen), beschliesse ich, nach Bagglingen-Wüllinshofen zu fahren und das Eldobado – welcher Texter hat das wohl wieder verbrochen? – in meine Schwimmbadsammlung einzufügen. Die Fahrt kostet mich ja dank meines Generalabonnements nichts.
Ich reise an, finde das imposante Gebäude, trete ein, finde die Kassa und lege der Kassiererin lächelnd einen Corbusier (s.unten) hin.
„Danke, aber da kommt noch die Saunagebühr dazu.“ „Die Saunagebühr?“ „Ja, es gibt eine obligatorische Saunagebühr.“ Als ich sie darauf hinweise, dass ich gar nicht saunieren WOLLE, erklärt sie mir, es gebe zwischen Bade- und Schwitzbereich keine Schranke, ich KÖNNE also jederzeit in den Saunabereich gelangen, KÖNNE das klassisch finnische, aber auch das türkische, das mongolische, das indianische und persische, sowie das chinesische, indische und baskische Dampf- und Schwitzbad benützen. Ich wiederhole, dass ich nicht dampfen, brodeln und schwitzen WOLLE, aber das ändert nix.

Ich stecke den Corbusier ein und zücke zwei Honegger. „Rutschbahngebühr“, sagt sie mit süssester Stimme. Es wiederholt sich der Dialog mit anderen Worten, ich bestehe darauf, nicht rutschen zu WOLLEN, sie weist darauf hin, ich KÖNNE für die Gebühr auch alle Rutschen berutschen, die Looping-, Kessel- und Pfeilrutsche, die Bahnen Hellsangels, Blautrichter und Highspeed, sowie viele andere mehr.
Ich stecke meine Honegger weg und zücke eine Taeuber-Arp und wieder den Corbusier.

Aber es bleibt nicht bei diesen 60 Franken:
Für das Ausleihen einer Badehose, eines Handtuchs und einer Schwimmbrille werden noch einmal Gebühren fällig. Meine inzwischen flehentlich, ja bittigst, ja tränenreich dargebrachten Ausführungen, dass ich alles dabei hätte, Badehose und Brille, und schliesslich - ich bin ja Adamianer - wüsste ich auch, wo mein Handtuch ist, werden abgewiesen, für die kleine(?) Gebühr von je 15.- KÖNNE ich in einer schwarzen Superelastanbadehose schwimmen, einem Kleidungsstück, das meinen Hintern wie einen 20jährigen Po aussehen liesse, das Handtuch, das ich nehmen KÖNNE, sei aus echter Pandawolle gewebt und würde mich beim Rubbeln in philosophische Dimensionen befördern und die Brille: Marc Spitz habe keine bessere gehabt. Ich zetere und schreie, ich hätte ein Tuch und eine Schwimmaugenschützung und mein Hintern würde, egal in welcher Hose, halt wie 50 aussehen. Vergebens.

Am Ende liegt ein Giacometti und ein Honegger auf dem Drehteller, 15.- zahle ich noch fürs Duschen, dafür KANN ich auch eine ganze Stunde unter dem Prasselwasser bleiben, bis ich schrumpele. Das ELDOBADO® in Bagglingen-Wüllinshofen ist somit teurer als alle anderen Spassbäder (eigentlich heisst es "freizeitorientiert", weil Streckenschwimmer das scheins beruflich machen...) der Schweiz.

Nun aber mal ehrlich:
Das sind doch keine Gebühren.
Wenn ich ständig für etwas zahlen muss, dass ich gar nicht will, dann ist das einfach ein überhöhter Eintrittspreis.
Das wäre so, wie wenn man von Leuten, die keinen Fernseher haben, eine TV-Gebühr verlangte, das wäre so, wie wenn man eine Internetrundfunkgebühr einzöge, auch wenn die Person gar keinen PC hätte, ja so, wie wenn man selbst von Waldbewohnern, die nicht einmal Strom haben, den vollen Betrag verlangte.
Aber auf so eine blöde Idee kommt ja niemand. Wer Radio hört, zahlt Radio, wer fernguckt, zahlt TV, wer einen PC hat, zahlt auch das Webradio mit, alles andere wäre ja Schwachsinn.
Eine Gebühr, die man blechen muss, obwohl man das begebührte nicht nutzt, ist keine Gebühr.
Sondern ein Eintritt.
Oder eine Steuer.
Oder eine Zwangsabgabe.

Auf eine W-Lan-Gebühr kommt das Spassbad sicher auch noch, dann sind wir wahrscheinlich bei einem Giacometti und einer Taeuber-Arp.

P.S. Für meine nichtschweizer Leserinnen und Leser:
Auf den CH-Geldscheinen sind die folgenden Persönlichkeiten abgebildet:
10.- Le Corbusier
20.- Arthur Honegger
50.- Sophie Taeuber-Arp
100.- Alberto Giacometti

Freitag, 22. Mai 2015

Über (F)anale und (D)ummheit



Es ist von meiner Qualitätskontrolle minutiös gecheckt worden, ob im letzten Post wirklich kein P drin ist: Es war keines drin.
Aber es hat Spass gemacht, das mit dem fehlenden „P“. Die berühmte Pariser Schreibschule Oulipo hat ja ihren Studenten Aufgaben dieser Art gegeben, um ihre Kreativität durch Suchen eines Umwegs zu fördern: Da musste man Texte ohne „E“ schreiben, ohne männliche Wörter, ohne Partikel, da wurde der Wortwert (A=1, B=2) und der Satzwert errechnet, da wurde anagrammiert und palindromisiert. Einer meiner QAs hat dann tatsächlich im Roman Fortgang, der ohne „E“ auskommt – man stelle sich das einmal vor, das ist im Deutschen wie im Französischen eine Herkulesaufgabe – ein „E“ gefunden, allerdings nur eines.
Ein „P“ wegzulassen ist da natürlich viel einfacher, aber es bringt manchmal witzige Wörter hervor.

Man kann das übrigens mit jedem Buchstaben machen, hätten Sie nicht gedacht, gell? Früher kursierten bei uns zwei Sätzlein, die man rufen sollte, wenn man an einer guten Echostelle ist, so in den Bergen und so:

Wie heisst der Bürgermeister von Wesel? – (Esel)
Was hat der Jäger in der Tasche?– (Asche)

Hat übrigens nie funktioniert. Auch wenn Böll in seinem Roman Haus ohne Hüter das Echo der Kapellenwand den Pfarrer wiederholen lässt, der von -ührer, -olk und -aterland  redet (!!!), dann geht das technisch nicht, wird aber zu einem der Leitmotive dieses Buches.

Viele Sprichwörter funktionieren nach dem Muster Erster-Buchstabe-weg:

Eile mit Weile.
Nomen est Omen.

Gut, treiben wir das Spiel ein bisschen.
Da sind z.B. die Romane und Texte von Autorinnen und Autoren, die früher Fanal waren, jetzt aber feuchtgebietsoid nur noch anal sind, da sind die Waffenhändler und Waffenlobbyisten, die, sieht man ihnen ins Gesicht, sich als affenlobbyisten entpuppen. Da sind Trostworte, die so vergammelt sind, dass es rostworte werden, noch zynischer ist der Gedanke, dass der Priester der Hexe auf dem Scheiterhaufen rostworte zuspricht.
Wollte man früher ein bisschen Tapetenwechsel, machte man eine Wallfahrt, heute, wo man schon die ganze Welt gesehen hat, wird es halt eine allfahrt, kostet – welch schönes Wortspiel – gar nicht die Welt, sich ins All schiessen zu lassen.
Wollte man früher gesund werden, ging man in Kur und liess sich eine Zeit lang ausgiebig behandeln, ausgiebig gibt es nicht mehr, der frisch operierte Patient wird mit blutigen Bandagen auf die Strasse gesetzt, man braucht  wieder Betten, es wird ihm noch genau erklärt, wie er die Verbände wechseln soll, hier ist also aus der Heilkunde eine eilkunde geworden.
Früher nahm man den anderen, die andere beim Wort und konnte ihn oder sie auch beim Wort nehmen, heute nimmt man seine Mitmenschen nur noch beim ort. (Ich weiss, wo du bist, ob du lügst, kann ich nicht sagen.)
Und der Gang von Steuer zu teuer ist ja fast schon sprichwörtlich.

Das Schönste aber ist die ummheit.
ummheit ensteht, wenn die Zeit eines dummen Menschen um ist, und zwar wegen seiner Dummheit. ummheit  ist, sich parlamentarische Vorstösse von ausländischen, vorzugsweise lybischen oder syrischen Lobbyisten schreiben zu lassen, ummheit ist auch, wenn zwei Politikerinnen die tupfen- und tüpfeligleiche Rede halten, weil sie dieselbe PR-Agentur haben. (Zu sehen bei Giacobbo/Müller) ummheit ist aber auch, sich VOR Stellenantritt oder WÄHREND der Probezeit negativ über Chef, Mitarbeiter, Arbeitspensum und -gebiet, negativ über Kantine und Kunden zu äussern, und zwar auf Facebook, WhatsApp UND Twitter, dann ist man so etwas von umm, ummer geht gar nicht. – Und ich verstehe den Shitstorm nicht, der über die Chefs hereinbrach, wer die Arbeit so Scheisse (s.v.v.) findet, dass er oder sie es 5000 Followern mitteilen muss, muss den üblen Job auch nicht weiter machen.
ummheit gibt es übrigens für umme.

So, liebe LuL, jetzt können sie ein wenig selber spinnen. Ja, auch pinnen, wenn sie etwas Lustiges gefunden haben. Lassen Sie einfach bei jedem Nomen und bei jedem Verb den Anfangsbuchstaben weg.

Es war kein p in meinem letzten Post, das habe ich genau gecheckt. Eigentlich hat es WORD® geprüft, denn das Suchprogramm findet jedes Zeichen eines bestimmten Typs im Text.

Es gibt leider noch kein Suchprogramm, dass (D)ummheit in Texten aufstöbert.

Leider.

Dienstag, 19. Mai 2015

Streik!



Nein, nein, keine Angst, die Glosse ist nicht im Streik. Das geht ja auch gar nicht; da ich Ideengeber, Rechercheur, Schreiber, Redaktor und Chef in ersonalunion bin – nur die Qualitätssicherung ist outgesourct, Erzengel und artner - würde das keinen Sinn machen.

Sehen Sie, früher hatten die Schweizer doch ein klares Bild ihrer Nachbarn: Im Osten wurde Sachertorte gebacken und Walzer getanzt, im Westen Liebe und Revolution gemacht, im Norden wurde gearbeitet und im Süden gestreikt. Wer erinnert sich nicht an die leeren Bahnsteige in alermo oder isa, genauso wie die sich staelnden Müllsäcke in den Strassen von Neael. Nun ist es aber ganz anders: Die Leute in Deutschland haben den Streik entdeckt. Erst streikten die Lokführer(innen) und trieben Tausende in die Arme des Fernbusses, dann die Kita-Mitarbeiter(innen) und jetzt auch die ost.  Und es scheint ihnen Sass zu machen, die Lokis bekommen ja gar nicht genug davon, die nächsten Streiks sind schon angekündigt.

Deiner Dränger Schar erblasst
Wenn du, müde deiner Last
In die Ecke lehnst den flug
Wenn du sagst: Es ist genug.

Mann der Arbeit, aufgewacht
Und erkennen deine Macht
Alle Räder stehen still
Wenn dein starker Arm das will.

Kleiner Schönheitsfehler ist, dass die aktuellen Ausstände eben nicht die Schar der Dränger, die Bonzen, die Scheisskaitalisten, die Imerialisten und Monoolisten, die durch das Eigentum an den roduktionsmitteln das roletariat an der kurzen Leine halten, treffen, sondern eher die kleinen Leute. Ein freischaffender Musiker im Ruhrott, der darauf angewiesen ist, irgendwie von Castro-Rauxel nach Wanne-Eickel zu kommen, ein Eheaar, das zusammen eine eigene Agentur betreibt und sich darauf verlässt, dass der Kleine in die Kita kann, ein Miniunternehmer, der dringend Rechnungen verschicken muss, sie alle heben, wenn es HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT  heisst, erstaunt die Köfe und fragen: Gut, wir sind ja schrecklich solidarisch, aber wer ist solidarisch mit uns?  Der Bonze, der Scheisskaitalist mit Chauffeur und Kindermädchen bekommt von den Streiks gar nichts mit.

Vielleicht streiken die falschen. Vielleicht sollten mal andere den flug in die Ecke stellen und die Räder stillstehen lassen. Hier ein aar Vorschläge:

Die Lehrer
Sie sind die einzigen, deren Klientel hocherfreut über eine solche Aktion wäre. Kein Schüler, keine Schülerin würde sich fragen, wie jetzt Ersatz eingestellt werden kann, nein, sie verbrächten die Tage im Freibad oder vor dem Comuter. Man könnte die verasste Zeit nach einem vierwöchigen Streik auch mühelos aufholen, indem man a) den Unterricht ünktlich und nicht erst 10 Minuten nach dem Klingeln beginnt und b) vor der Klasse keine Stories labert sondern Stoff vermittelt.

Die BILD-Zeitungs-Macher
Welche Wohltat! Wer würde leiden, wenn es drei Wochen keine Lügen und Vorverurteilungen, keine nackten Weiber und keine Fettzeilen gäbe? Niemand. Eine Notbesetzung könnte aber auch die Geschichten von 2004 wieder hervorholen. Da die Dame, in deren Vorgarten wilde Kamfkaninchen ihr Unwesen treiben und die nicht mehr aus dem Haus kann, eh erfunden war, kann man sie jetzt auch nochmal bringen.

Die izzaboten
Wer braucht sie? Man kann eine izza mühelos selber herstellen: Teig kaufen, Tomaten drauf, nach Wahl belegen, Käse streuen, fertig. Wer das nicht hinbekommt, hat irgendwie ein Intelligenzroblem.

Kleiner Schönheitsfehler an meiner Idee: Das geht nicht alles nicht. Die Lehrer sind Beamte und haben Streikverbot, die BILD-Leute werden sofort erschossen, da herrscht bei Sringer Kriegsrecht und die izzaboten arbeiten als Scheinselbständige
(hoffentlich ohne ÖV-Anfahrt und ohne Kinder,
 siehe oben)

Die Deutschen haben das Streiken entdeckt. Und wir können nur hoffen, dass das neue Siel, wie jedes neue  Siel auch wieder langweilig wird.

.S.
Der Buchstabe „ “ befindet sich zurzeit in einem Warnstreik. Seine Forderung: Nicht mehr für so schlimme Wörter wie leiten, ech und annen oder arteienlandschaft und ädagogik verantwortlich zu sein.