Ich könnte Beat in den Hintern beissen, ich könnte ihm meine Zähne in den (sit venia verbo) Arsch hauen, ich könnte mit seinem Popo das machen, was eine Dogge mit ihm machen würde. Wegen ihm fahre ich jetzt alle 14 Tage nach Bennwil.
Beat ist Leiter des CSfbB, des Club der Schwimmbadfreunde beider Basel. Wir sind eine kleine, feine Mannschaft, denn wir sind kein Schwimmclub, wir sind eine Gruppe von Männern und Frauen, die Hallen- und Frei-, sowie Seebäder exploriert, bei Aufnahme in unseren Kreis muss der/die Neubewerber(in) in mindestens 100 Bädern gewesen sein (ich bin bei 182). Nachdem wir uns lange in Gasstätten und Cafés getroffen haben, kam nun die Idee auf, uns privat zu treffen. Sofort bot ich meine Wohnung an: Zentral gelegen, vom Bahnhof SBB UND vom Badischen super erreichbar, an die Tramlinien 2,6,8,14 und 15, sowie an die Busse 30 und 34 angeschlossen, genügend Platz für alle um meinen Tisch oder meine Sofaecke.
Aber nein, wir treffen uns - so hat Beat entschieden - bei Marco. Marco ist unser Nesthäkchen, er ist 20 und hat allerdings die beachtliche Summe von 100 Hallen, See- und Gartenbädern schon mit 19 erreicht, was gewiss bewundernswert ist. Marco wohnt aber in Bennwil bei seinen Eltern. Nun betrete ich also in jeder zweiten Woche den Zug nach Süden, steige in Liestal in die Waldenburgerbahn und nehme in Hölstein den Bus 92. Dann sitze ich zwei Stunden in einem 15qm-Teenagerzimmer und reise genauso kompliziert zurück.
Warum wir alle ins Oberbaselbiet fahren? Beat konnte Marco nichts abschlagen, denn dieser ist sein Göttibueb (Patensohn).
Ich könnte Beat in den Hintern beissen, ich könnte ihm meine Zähne in
den (sit venia verbo) Arsch hauen, ich könnte mit seinem Popo das
machen, was eine Dogge mit ihm machen würde. Wegen ihm fahre ich jetzt
alle 14 Tage nach Bennwil.
Die Entscheidung für Marco ist so, wie wenn man die Winterolympiade nach Amsterdam verlegen würde. Gut, die Nederlands haben eine grosse Tradition im Eislaufen, das ist quasi Nationalsport, denn wo kann man so schön schakeln wie auf vereisten Wassergräben, Grachten und Kanälen? (Schon Pieter Bruegel d.Ä. hat das 1565 gemalt.) Die Nederlands haben halt nur keine Berge, die müsste man bauen, kann man ja indoors wie in den Skihallen Neuss oder Bottrop, aber würde es Sinn machen?
Die Entscheidung für Marco ist so, wie wenn man die Deutschen Theatertage zielsicher in eine Gemeinde verlegen würde, die über kein Theater verfügt, das ist in der riesigen Kulturlandschaft gar nicht so leicht, aber man könnte doch die Dramaturgen von Thalia oder Resi in den Wahnsinn treiben, wenn man ihnen sagte, dass ihre Produktion in der Stadthalle Weil am Rhein oder der Mehrzweckhalle Rüsselsheim Platz finden müssten.
Genauso ist eine WM in...
Nein!
Das stimmt nicht. Die WM in Qatar ist die beste Entscheidung, die getroffen werden konnte. Gründe? Es gibt vier.
1.) Qatar hat eine lange Ballsporttradition. Wie nun neue Quellen belegen, haben dort schon vor 3000 Jahren Beduinen eine Art Kamelpolo gespielt, bei dem sie Tierschädel vom Wüstenschiff aus mit Tierknochen schlugen, es gab sogar schon Meisterschaften, zu einer Zeit, als bei uns der einzige Sport das Weglaufen vor Mammuts war.
2.) Es gibt dort keine Stadien. Es wird alles neu gebaut, es wird also keine vergammelten Umkleideräume und stinkende Duschen, keine versifften Tribünen und rostige Tore geben, es wird alles neu, nagelneu sein.
3.) Alle Spiele werden im Grund genommen in der gleichen Stadt stattfinden, also keine Reisewege, keine Reservierungsprobleme, keine logistischen Verrenkungen. Und dass es in Doha ein wenig eng wird, wen stört´s? Man geht ja nicht zu einer WM um alleine zu sein, man will ja das Bad in der Menge, man will ja den anderen hautnah spüren, man will die Millionen auf engstem Raum, wer das nicht mag, soll in den Wald gehen oder auf den Mount Everest, wobei der auch schon immer voller wird...
4.) Das Beste ist aber, dass die WM im Winter stattfindet. Was gibt es Schöneres, als sich die unerträgliche Adventszeit mit Fussball zu versüssen? Was gibt es Herrlicheres, als Jingle Bells und Süsser die Glocken durch We are the champions und Ole, ole, ole, ola zu ersetzen? Hoffentlich wird auch noch der Entscheid rückgängig gemacht, das Finale VOR Christmas zu machen, denn ein Endspiel am 24.12. wäre die Rettung für sämtliche Familienweihnachten. Wie viele Tränen würden da nicht vergossen, wie viele Leute sässen da einträchtig vor dem Bildschirm, wie viele Ehen gingen da am Heiligen Abend nicht zu Bruch!
Nein, Qatar ist - im Gegensatz zu Bennwil und Amsterdam, Rüsselsheim und Weil a.Rh. die richtige Wahl.
Ich könnte Beat in den Hintern beissen.
Sepp aber könnte ich knuddeln. Was für ein kluger, weiser Mann.
Schade, dass er schon aufhört...
Montag, 23. März 2015
Freitag, 20. März 2015
Wieso sind im Büro alle so gut drauf? oder: Worker's Little Helpers
Ihr Arbeitskollege beginnt den Bürotag wie ein Entertainer
seine TV-Show: Mit einer Flugrolle hechtet er ins Büro, kommt wieder auf die
Beine, springt, streckt sich, er ruft: „Ich bin spitze!“ und gleitet zum PC.
Dort startet er voller Elan, voller Tatendrang die Programme, ruft seine Mails ab
und konsultiert die To-do-Listen, nebenbei schüttelt er Ihnen und allen anderen
die Hände, macht Kaffee und sieht die Post durch, sodass seine Arme, die her
und hin und hin und her fliegen, sich zu vervierfachen scheinen und er ein
shivaeskes (oder shivanisches?) Aussehen bekommt.
Und Sie?
Sie sind so müde, so schlapp, so wenig motiviert, dass Sie
schon Mühe haben, den Büroraum aufrecht zu betreten und dass das Drücken der
Computerstarttaste all ihre Energie verbraucht.
Ihr Chef, der auch Besitzer des Cheval d’or ist und dem Sie
beichten müssen, dass Sie einem Gast einen halben Liter braune Sauce über ein
hellbeiges 15.000 Franken-Armani-Jackett gekippt haben, lächelt Sie nur an: Das
könne nun jedem, aber wirklich jedem passieren, und Ihnen sei das noch nie
passiert, das sei nicht schlimm, man habe eine Versicherung, und Sie dürften
jetzt erst einmal Pause machen um sich von dem Schreck zu erholen, er werde
Ihre Schicht übernehmen. Der Mann steht scheinbar kurz vor seiner
Heiligsprechung, so und nicht anders, haben St. Stephanus, St. Nepomuk und St.
Andreas gelächelt, bevor sie mit Felsbrocken beworfen, von der Moldaubrücke
gestürzt und X-gekreuzigt wurden, sie haben gelächelt und verziehen. Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht,
was sie tun.
Und Sie?
Sie haben so viel Wut im Bauch, so viel Zorn, so viel Groll
über die blöden Gäste, denen die Tomatensauce nicht fruchtig und die Käsesauce
nicht käsig genug ist, die Wein bestellen, den sie dann nicht mögen und
Beilagensalate, die sie nicht essen, Sie haben eine solche Wut im Leib, dass
sie den Arschloch-CEO (s.v.v.) an Tisch 23 ganz bewusst in
Rinds-Madeira-Pfeffer-Tunke gebadet haben.
Ihre Untergebenen scheinen Computerhirne zu haben: Sie
denken jedes Jahr an Ihren Geburtstag, natürlich, selbstverständlich, ohne
Frage, aber auch an Ihren Namenstag, an Ihren Firmeneintrittstag, sie denken an
Ihren Hochzeitstag, an die Geburtstage Ihrer Frau, Ihrer Kinder und Ihrer
Putzfrau. Und jedes Mal gibt es nicht nur ein Kärtchen, sondern immer etwas
Spezielles, Originelles, etwas Handgemachtes oder Handgebackenes, mit viel
Liebe, mit sehr viel Liebe und mit viel frischer Butter gemacht.
Und Sie?
Sie vergessen natürlich am 6.3.2015 das Jubiläum von Ruedi
Stämpfli, der an diesem Tag 50 Jahre in der Firma arbeitet und davon 20 in
Ihrer Abteilung, obwohl Sie das Datum vollelektronisch, halbelektronisch und
nichtelektronisch gespeichert haben, obwohl es in Blackberry, I-Phone und
Laptop vermerkt ist, ausserdem rot in der Agenda UND an der Pinwand.
Wie schaffen Ihre Kollegen, Ihr Boss, Ihre Untergebenen es
nur, so dynamisch, so friedlich, so kooperativ zu sein, woher nehmen sie die
Kraft, die Liebe, die Energie, woher den Gleichmut und Teamgeist?
Ganz einfach:
Sie sind gedopt.
Laut einer Untersuchung der Krankenkassen nehmen 3 Millionen
Deutsche chemische Präparate, um ihren Arbeitsalltag zu bewältigen. Drei Millionen, in Zahlen 3 000
000 Beschäftigte kommen - nicht jeden
Morgen, aber doch einmal pro Woche, nicht immer, aber immer öfter - vollgepumpt
mit BEATOMED®, TRANQUILLOBON® und ENERGOSAN® in die Firma, sie werfen rote,
grüne und gelbe Pillen ein, Worker’s Little Helpers. Dabei sind BEATOMED®,
TRANQUILLOBON® und ENERGOSAN® gar keine schlechten Produkte, sie sind sogar
gute Mittel, aber eigentlich für Kranke. Diese Präparate sind gegen
Depressionen und Phobien, gegen Aggressivität und Schizophrenie, gegen Neuro-
und Psycho-sen, sie sind nicht dafür gemacht, den normalen Berufsalltag zu bewältigen. Wie viel Suchtgefahr und wie viel
Nebenwirkungen sie einem Gesunden bieten, ist noch überhaupt nicht ausgemacht.
Ich glaube, da muss man mal sehr, sehr, sehr heftig über die
Bücher in den deutschen Firmen. Was ist da in den Büros und Schreibstuben, in
den Kopierzimmern und Konferenzräumen los, dass so viele Arbeitnehmer ohne
BEATOMED®, TRANQUILLOBON® und ENERGOSAN® gar nicht in die Firma könnten?
Und wie sieht es eigentlich in anderen Bereichen aus? Muss
man vielleicht nicht nur Worker’s Little Helpers, sondern auch von Politician’s
Little Helpers, von Artist’s, von Writer’s Little Helpers sprechen? Muss man
bei nationalen und internationalen Preisen Dopingkontrollen einführen? Müssten
vielleicht Nobel- und Büchnerpreise, Karls- und Hebelmedaillen, müssen die
Preise des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und der Leipziger Buchmesse
zurückgegeben werden, weil da unerlaubte Substanzen im Spiele waren? Müssten da
nach positiven A- und B-Tests auch hohe Preisgelder zurückbezahlt werden?
Hätte man einst die Hegemann vielleicht eher durch die
Dopingschiene als durch die Plagiatsschiene drangekriegt, weil man so einen
Schwachsinn wie AXOLOTL ROADKILL nur unter Drogen geschrieben haben kann?
Fragen über Fragen.
Fest steht: Wenn Ihr Kollege wieder mit seiner
Akrobatiknummer ins Büro kommt, wenn Ihr Chef den ganzen Tag wie St. Florian
lächelt, wenn Ihre Untergebenen Ihnen wieder etwas mitgebracht haben, seien Sie
nicht neidisch.
Jene stehen unter dem Einfluss von TRANQUILLOBON®, BEATOMED®
oder ENERGOSAN®.
Und Sie?
Sie sind schlapp.
Sie sind wütend.
Sie sind vergesslich.
Aber Sie sind clean.
Dienstag, 17. März 2015
Lasst doch Salas und Pegis sich ruhig verkloppen
Ach, diese Demonstrationen! Das ist schon alles ziemlich
komplex geworden mit dieser Rumlauferei. Da marschieren so viele Gruppen durch
die Städte und wollen sich prügeln, mit dem Volk und der Polizei und natürlich
untereinander. Das ist schon alles ziemlich schwierig…
Früher war das viel einfacher. Beim Mann mit dem Knebelbart
durfte einfach nicht demonstriert werden, und die Berliner Polizei hat nicht
nur einmal irgendwelche Internationale-singenden Meuten einfach
zusammengeschossen, vorwiegend am 1.Mai. Dann kam der mit dem Schnauzbart und
drehte den Spiess um: Da seine Truppe ja eine NSArbeiterP war, demonstrierte
jetzt der Staat – und konnte es auch viel besser als die Kommunisten, denn wenn
die Braunhemden etwas konnten, dann war es marschieren und Macht demonstrieren.
Ja, und dann kam die Demokratie und das war vielleicht ein
Fehler. Man räumte dem Volk Rederecht und Demonstrationsrecht und
Leserbriefschreibrecht, man schaffte ihm Versammlungs- und Meinungsfreiheit,
man und frau durften nun sagen, was sie wollten, rumlaufen, wo sie wollten und
Schilder halten, wo sie wollten. Das taten – was die Sache wieder einfach
machte – zunächst nur die Linken, aber die taten es ausgiebig. Trotzdem waren
die Anti-Pershing-Leute, die Pro-Hausbesetzer-Leute, die Legalize it-Leute und
Kernkraft-nein-danke-Leute relativ einfach in Schach zu halten, die meisten
waren einfach Spinner, die zu viel taz gelesen hatten, aber sie waren
eigentlich friedvoll und hielten die wenigen Blödmänner, die sich an
Schaufensterscheiben vergreifen wollten, selber zurück.
Und da es sehr viele Lehramtsstudenten dabei hatte, brauchte
man häufig auch nur Fotografen am Routenrand: Achtung, VS! Radikalenerlass! Du
fährst zu oft nach Heidelberg! Viele hatten einfach Schiss, als staatsgefährdendes
Subjekt keine Assessorstelle zu bekommen.
Im 21. Jahrhundert krochen dann auf einmal die von der
anderen Seite aus dem Schoss, der noch fruchtbar war, und wollten auch, wollten
auch rumlaufen und brüllen, und sie durften es, wenn es auch keinen Spass
machte, wenn sie ihre genehmigte Route abliefen: Ein paar hundert Glatzköpfe,
umsäumt von der halben Einwohnerschaft des Ortes, die ihnen zeigte, dass sie
NICHT willkommen waren. In Freiburg kamen sie einmal gar nicht zur Laufroute,
weil 10.000 Menschen ihnen den Weg versperrten und die Polizisten
eigentlich, ja eigentlich den Nazis den Weg hätte freikämpfen müssen, aber es
nicht taten. Den Ewiggestrigen blieb nur der Bahnhofsvorplatz.
Zurzeit ist aber die Lage komplex, sehr komplex… Da laufen Salafisten
und da marschieren Pegidisten und die Ordnungsbeamten müssen die irgendwie
auseinanderhalten, dass die beiden Gruppen sich gegenseitig umbringen oder
zumindest eine Prügelei anfangen und dabei so en passant noch die Stadt
kaputtmachen. Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die, die für
Menschlichkeit, Friedfertigkeit und Toleranz gehen, und die wollen weder von
den Salas noch von den Pegis eines auf die Nuss bekommen. Tausende Polizisten
waren da neulich im Einsatz, aus der gesamten BRD, um die drei Züge auf den
vorherbestimmten Gleisen zu halten.
Was aber tun, wenn in Deutschland die Polizisten ausgehen, wenn
in fünf Städten gleichzeitig der Teufel
los ist? Wird dann die UNO intervenieren und die UNO-Gegner auch und werden sie
mit
Panzern kommen, um für Deutschland den Frieden zu retten und
wird es sich auf Europa und Afrika ausbreiten, einen Weltkrieg geben und die
Menschheit nicht mehr da sein? (Für meine deutschen Leser: Manni Matter, Ich ha es Zündhölzli azündt)
Und was, wenn überall die Polizisten fehlen? Kann es dann
sein, dass in Nürnberg an einem Samstag Tempo 130 herrscht, weil alle
Ordnungshüter in Stuttgart sind? Kann es sein, dass ich in Mainz einen
Einbrecher im Haus habe, aber die Polizisten sind in Oldenburg, um Pegis und
Salas am Prügeln zu hindern? Jürgen Albrecht malt in seiner
Krimikurzgeschichte Der Viertel-Coup ein
solches Szenario: Im Bremer Viertel (das Quartier heisst wirklich „Viertel“)
demonstrieren Tausende GEGEN DAS SCHLECHTE WETTER, aber die Initianten dieser
friedlichen Spassdemo sind Gauner, die
Geschäfte ausräumen und als die ersten Meldungen kursieren, kommt weder
Polizei noch Bevölkerung durch…
Nein, Leute, ich habe eine Idee, wie wir das mit Salas und
Pegis und Toleranzos machen: Lasst die Innenstädte den Friedfertigen, denen,
die für Respekt und Anstand sind, denen, die die Transparente mit LEBEN UND
LEBEN LASSEN tragen, die schaden nichts. Schlimmstenfalls singen sie – nach
alter Kirchentagsmanier – Der Himmel geht
über allen auf oder Hevenu Shalom,
aber das erfüllt dann höchstens den Tatbestand des Öffentlichen Ärgernisses
oder des Groben Unfugs, das braucht keine 300.000 Beamten.
Die Salas und Pegis schicken wir an den Stadtrand – ohne
Polizei! Sollen die sich da die Köppe einhauen, sollen sie sich prügeln, sollen
sie auf einander losgehen, wen kümmert’s. Ja, die Routen werden so gelegt, dass
die beiden Hitzkopfmannschaften auf einem alten Industriegelände
aufeinanderprallen, und wenn dann sie dabei, um Steine zu haben, eine
Fabrikhalle kleinmachen, dann ist das ein Kollateralnutzen, weil es uns die
Abbruchkosten spart, und wenn die Halle denkmalgeschützt ist: Umso besser.
Nein, es ist kompliziert geworden mit der Demonstriererei.
Und wenn die Innenstädte von Leuten nur so dröhnen, dann bleibe ich zuhause,
ich würde eigentlich gerne bei den Toleranzos mitmachen, aber da ich so ein
Schussel bin, könnte es sein, dass ich mich dem falschen Zug anschliesse…
Freitag, 13. März 2015
Schwarzer CS-CEO oder: Ich traue de(m) Neger(n) nicht
Der neue Mann an der Spitze der Credit Suisse könnte besser
nicht sein: Er hat eine glänzendes Curriculum (perfekte Ausbildung, etliche
Unternehmen von der Minus- in die Plus- und von der Plus- in die Superpluszone
gebracht), er ist politisch und wirtschaftlich meisterhaft vernetzt, er besitzt
zwei Staatsbürgerschaften, davon die eines EU-Landes, er spricht ausser
Englisch mit Deutsch und Francais zwei der CH-Landessprachen, er wirkt eloquent
und charmant, ja, sein Lächeln könnte fast als bubenhaft einnehmend beschrieben
werden.
Allerdings hat er einen Schönheitsfehler, und zwar einen,
den man nicht verstecken kann. Wenn er z.B. schwul wäre, könnte man sagen, lass
deinen Partner doch in L.A. oder N.Y. und führe eine Fernbeziehung, wenn er
Epileptiker wäre, na ja, da gibt es gute Medikamente, er wird ja nicht gerade
bei einer Shareholder-Veranstaltung umkippen und zappeln. Wenn er Drogen nähme,
könnte er das diskret tun und wenn er ein ziemlich ekliges Muttermal auf dem
Rücken hätte: Welchen CEO haben wir denn schon in der Badehose gesehen?
Nein, sein eindeutiger Makel ist nicht zu verbergen:
Er ist schwarz.
Er ist ein Afrikaner, ein Elfenbeinküstler, er ist ein
Neger.
Und zwar keiner bei dem man von Schokolade, Bronze, von
sattbrauner Haut, von beigem Teint reden könnte, jene Schwärze, die wir selber
auch mit viel, viel Freibad oder Strand, zur Not mit zwei Stunden Solarium noch
schaffen, er ist richtig schwarz, rabenschwarz, er ist kohlrabenschwarz. Und
wie schon Maggie Smith in Sister Act aufstöhnte
(„Monsignore, diese Frau kann man nicht verstecken, sie ist auffällig wie ein
bunter Hund“), so seufzen wir ob der Tatsache, dass Thiam nicht nur Handschuhe
tragen müsste, sondern schlicht und einfach einen Sack über dem Kopf.
Gut, Thiam hat stets mit Bestnote abgeschnitten, war
Politiker und Wirtschaftsführer und Unternehmensberater, spricht fliessend
Deutsch, Französisch und Englisch, hat Charme und – wie selten heutzutage! –
Charisma, auch seine geäusserten Ansichten zu Mitarbeiterführung sind sehr
sympathisch, aber:
Ich traue diesem Neger nicht.
Nun, Thiam kann sicher mit Messer und Gabel umgehen, er
weiss, wie man Austern öffnet und wie man Hummer isst, er kann wahrscheinlich
sogar zwischen einem Primitivo und einem Chianti unterscheiden und wählt zum
Fischgang den richtigen Weisswein, er ist kulinarisch bewanderter als manch ein
Einheimischer, aber was isst er zuhause? Und ich rede jetzt nicht von
traditionellen afrikanischen Speisen, die ja mit ihrer Würze und den
wunderbaren Zutaten oft sehr, sehr lecker sind, ich rede von… Sie wissen schon.
Kann es nicht sein, dass der neue CS-CEO ganz hinten im Kühlschrank ein paar
Tupperdosen mit Menschenfleisch hat und sich damit sein Lunchsandwich belegt
oder um Mitternacht eine Suppe brodelt?
Bei Negern weiss man doch nie.
Und stellen wir mal die Gretchenfrage: Wie hältst du es mit
der Religion? Ganz egal, was in den Papieren steht: Bei den Männern und Frauen
aus dem dunklen Kontinent habe ich da immer so meine eigenen Gedanken. Welche
Riten und Bräuche vollzieht der smarte Herr, wenn niemand zusieht? Welche Tiere
und Pflanzen werden da welchen Göttern geopfert, was wird da vollzogen, getan,
welche Altäre sind da mit Antilopenblut begossen und mit Löwenknochen belegt?
Wahrscheinlich müssen auch Mitarbeiter, die nicht so ganz spuren, Angst haben,
dass hier nicht in der untersten Schreibtischschublade eine Puppe liegt, die,
wenn der PA gerade Kaffee holen gegangen ist, mit vielen, vielen, vielen
kleinen Nadel gestochen wird und so die Nichtspurer krankheitshalber gehen,
bevor man ihnen kündigen müsste.
Man weiss doch nie.
Oh, Sie halten mich jetzt vielleicht für einen Rassisten.
Können Sie. Aber ich stehe mit meinen Bedenken nicht allein. Wenn ein führender
SVP-Politiker sagt, er sehe bei einem Schweizer Unternehmen, das sich auch in
der Schweiz stets positionieren muss, Schwierigkeiten mit einem ivorisch-französischen Doppelbürger,
meint er doch Neger. Oder hätte er
auch Bedenken bei einem niederländisch-belgischen Doppelbürger oder einem
italienisch-monegassischen? Oder hält er überhaupt Doppelbürgerschaften für
eine Perversion? Nein, nein, ivorisch-französischer
Doppelbürger ist eine nette Umschreibung für Neger mit F-Pass. Ich stehe mit meinen Fragen nicht allein.
Die CS-Aktie allerdings gibt mir Unrecht, sie schnellt
gerade in die Höhe.
Nun gut, smart und gebildet ist der Junge ja, und wir wollen
hoffen, dass die Integration funktioniert und er das Menschenfleisch im
Eiskasten bald durch Rösti ersetzt und den Voodoo-Kult durch einen
Gottesdienst.
Aber ganz trauen werde ich ihm nie.
Montag, 9. März 2015
Energiesteuer oder: Der verdammte eigene Geldbeutel
Schrecklich, dass der Mensch nur aufs
eigene Portemonnaie schaut. Entsetzlich, dass die Hose näher ist als der Rock.
Dieses Blicken auf den eigenen Geldbeutel, dieses Münzenzählen, dieses
Scheinezählen, dieser Blick immer nur auf die eigene Börse.
Mit 92% Nein haben die Schweizer am Sonntag
die Initiative „Energiesteuer statt Mehrwertsteuer“ den Bach hinunter
geschickt, seit 1971 ist keine Vorlage derart abgeschifft. In den Analysen
liest man, den Bürgerinnen und Bürgern sei nicht klar gewesen, was das „für den
eigenen Geldbeutel bedeute“, und wenn das nicht klar ist, stimme man NEIN.
Leute, man kann doch nicht immer nur aufs
Geld schauen.
Wenn meine Hausärztin zum Beispiel sagt,
ich müsse mehr Sport machen, und für meine Beweglichkeit, fürs Zufusslaufen,
für meine Handgelenke und Schultern sei nun Golf, ja gerade Golf, der beste
Sport, dann schaue ich doch nicht in mein Münzsäcklein, dann zahle ich die
100.000.- Einkauf in den örtlichen Golfclub, dann opfere ich doch die
Kleinigkeit und gehe nicht etwa schwimmen, was mich zwar nur ein Hallenbadabo
und eine Badehose kostet, aber einfach nicht den Körpererfolg hat.
Wenn für die Aufführung von Arcangelo
Giudelis (1689-1755) Missa in honorem Sancti Rudolfi ein Italienisches
Tenorchalumeau benötigt wird, das zwar nur Cello und Orgel verdoppelt, aber
doch ein wenig den Klang schönt, und der einzige Spieler eines Italienischen
Tenorchalumeaus aus Brindisi eingeflogen werden muss und mit Gage, Flug und
Hotel auf 4000.- kommt, dann überzeuge ich doch meine Chorleute, dass sie noch
mal in die Tasche langen, weil es eben auf den Originalklang ankommt.
Wenn Fluggingen (SO) eine neue
Gemeindebibliothek braucht, dann nimmt man doch keinen 0815-Entwurf, es geht
immerhin um das Ortsbild, da lässt man schon einen Wettbewerb los, den dann das
Büro Citta gewinnt, das ein fulmioniantes (sic!) Gebäude erstellt, das zwar 13
Millionen verschlingt (2 Jahresetats) aber ein wahres Schmuckstück ist.
Man kann nicht immer nur in den eigenen
Geldbeutel blicken, in das eigene Portemonnaie schauen.
Aber wenn dem so ist – und dem ist so – dass die Leute aufs Geld achten, muss die Politik vielleicht ein wenig klarer sagen, was was kostet, wie viel Knete, Moneten, Zaster das ausmacht.
Eigentlich ist nämlich eine Energiesteuer
gar keine so schlechte Idee, wenn die
Mwst abgeschafft würde. Da kostete dann in Basel der Spargel aus Müllheim oder
Bellingen, der Apfel aus Liestal weniger und die Banane aus der
Bananenrepublik, die Kiwi aus Kiwiland und die Zitrone aus dem Land, wo die
Zitronen blühn, einfach mehr.
Man hätte es den Bürgerinnen und Bürgern,
die halt auf ihren Geldbeutel blicken, nach den eigenen Münzen und Scheinen
schauen, aufs Portemonnaie achten, genau vorrechnen müssen.
Denn der Einkauf in den Golfclub kann sich
als sinnvolle Investition erweisen, wenn man eine IT-Solution-Firma hat und das
Ganze unter Akquise abbuchen kann – zwischen den Tees findet man mehr
potentielle Kunden als unter der Dusche in der Schwimmhalle.
Giacomo Tucelli, der Apulische
Chalumeauspieler, kann sich als bezahlbar, ja als Geldquelle erweisen, wenn die
Dr. Burckhardt-Stiftung, die sich gerade für historischste
Originalstaufführungen interessiert, die Produktion mit 8000.- fördert.
Ja, und sogar die Bibliothek wird zum Segen,
wenn der Citta-Komplex in ARCHITEKTUR HEUTE und BUILDINGS AROUND THE WORLD
erscheint und Fluggingen zum Ziel von Baufreaks wird.
Ludwig II, jener spinnerte bayrische
Monarch, hat für seine Phantasiebauten die Kassen des Königreiches Bayern
geleert, der Freistaat gleichen Namens verdient sich heute an Neuschwanstein
und Herrenchiemsee dumm und dappig.
Eine schöne Rechnung machte der Verkäufer
dieses Ich-bin-doch-nicht-blöd-Ladens auf, bei dem ich voriges Jahr eine
Waschmaschine (einen Waschvollautomaten) kaufte. Da eine Garantieverlängerung
von 2 auf 5 Jahre 150.- kostete, der Transport 120.-, bei einer Summe ab 800.-
der Transport aber gratis ist, meinte er, bei einem Preis von 650.- sei die
Langgarantie zu wählen und das Bringen wäre dann für umme – womit er Recht hatte,
ich habe das natürlich gemacht.
Schrecklich, dass der Mensch nur aufs
eigene Portemonnaie schaut. Entsetzlich, dass die Hose näher ist als der Rock.
Dieses Blicken auf den eigenen Geldbeutel, dieses Münzenzählen, dieses
Scheinezählen, dieser Blick immer nur auf die eigene Börse.
Aber er tut es halt, und übrigens sind es
meistens die Leute über 150.000.- Jahressalär, die so drüber seufzen, er tut
es, und daher sollte man den Bürgerinnen und Bürgern Finanzdinge sauber vorrechnen.
Denn eigentlich wäre eine Energiesteuer
eine gute Sache (von Ditfurth hat sie 1982 schon empfohlen).
Dienstag, 3. März 2015
Der flambierte Mann
Ich muss eine Sache noch aufklären:
Die Geschichte mit dem flambierten Arm, ich habe sie noch 2014 erwähnt, war nicht erfunden.
Sie ist wahr.
Als ich im Dezember mit meinem Partner in einem guten Basler Restaurant essen war, bestellte ich zur Feier des Tages – was zu feiern war, weiss ich nicht mehr – ein Dessert.
Nun ergab sich das, was der Jurist eine Verkettung unglücklicher Umstände nennt:
Das Dessert war ein am Tisch flambierter Schokokuss.
Der Kellner war ein Idiot.
Der Chef und der Vizechef, die eigentlich am Tisch flambieren und dies auch gelernt haben, waren abwesend.
Der Kellner war ein Vollidiot.
Er brachte es nicht fertig zu sagen, dass er diese Aktion nicht drauf habe, und probierte es nach dem Motto „So schwer kann es ja nicht sein, ich habe schon vierzig Mal zugeguckt und es sieht ganz einfach aus.“ (Zum Glück ist der Mann kein OP-Pfleger oder Flugbegleiter.)
Der Kellner war ein Vollidiot.
Er schüttete Rum in die zu schwach brennende Flamme nach, es gab eine Riesenexplosion und mein Arm stand in Flammen.
Das ist jetzt Wochen her und ich muss sagen, ich habe Glück gehabt, die Verbrennungen 2. Grades sind topverheilt, ich hatte nie Schmerzen, es betraf auch nur den Unterarm, weil ich mein Hemd hochgekrempelt hatte, und der Beizer hat sich sehr kulant gezeigt.
Sie konnten sich nicht beruhigen, immer wieder sagten sie sich den magischen Satz vor: Der Kellner hat das Dessert und mich mit flambiert, denn so hatte ich es berichtet – und natürlich ein wenig Heiterkeit auch schon in diesen Satz gelegt.
Wissen Sie was?
Beide Gruppen haben Recht.
Viele Dinge haben etwas ungeheuer Tragisches und dabei etwas überaus Komisches. Nur meistens halten wir unser Lachen zurück, weil Tod, Unfall und Verletzung eben nichts Lachenswertes sind. Aber ist es nicht eigentlich auch sehr witzig, wenn man in Paris nur zu Fuss geht, weil man Angst vor der Metro hat und dann auf den Champs Elysee von einem Ast erschlagen wird?
Ist es nicht komisch, wenn Barbarossa ein Schloss baut, dann nie drin schläft, weil ein Augur sagt, er werde darin sterben, schliesslich doch einmal darin nächtigt – und in dieser Nacht stirbt?
Gibt es nicht den Begriff Ironie des Schicksals?
Beruht nicht jeder Dick und Doof-Film darauf, dass Stürze sehr, sehr schmerzhaft, aber auch sehr, sehr erheiternd sind, und wir eben im täglichen Leben NICHT darüber lachen dürfen? Wir lachen uns kaputt, wenn der Oli dem Stan mit dem Finger ins Auge piekt, obwohl wir wissen, das tut verdammt weh.
In die gleiche Kategorie gehören natürlich auch alle FAIL OF THE DAY- und FAIL OF THE WEEK-Beiträge, Spots, bei denen wir uns totlachen, wenn der Parcour-Läufer auf dem Po und nicht auf den Beinen landet oder ein Mountainbiker gegen einen Baum segelt. Ich wäre übrigens, wenn es eine Geburtstagstorte gewesen wäre und ein Kollege das Anzünden von Anfang an gefilmt hätte, sofort im Internet auf einer dieser FAIL-Pages gelandet.
Glauben Sie mir:
Das Leben ist tragisch, und es ist manchmal wahnsinnig komisch.
Und manchmal ist es beides zugleich.
Ich kann inzwischen selber über die Sache herzhaft lachen, weil ich ihr die heitere Seite abgewinnen kann. Und weil der Wirt ausser den Arztkosten 1000.- Schmerzensgeld gezahlt hat. (Müsste es nicht eigentlich Scherzensgeld heissen, wenn er Schuld ist, dass alle lachen?)
So.
Nun können Sie sich Ihrer Reaktion überlassen:
Weinen Sie.
Empören Sie sich.
Oder lachen Sie.
Es ist alles OK.
Die Geschichte mit dem flambierten Arm, ich habe sie noch 2014 erwähnt, war nicht erfunden.
Sie ist wahr.
Als ich im Dezember mit meinem Partner in einem guten Basler Restaurant essen war, bestellte ich zur Feier des Tages – was zu feiern war, weiss ich nicht mehr – ein Dessert.
Nun ergab sich das, was der Jurist eine Verkettung unglücklicher Umstände nennt:
Das Dessert war ein am Tisch flambierter Schokokuss.
Der Kellner war ein Idiot.
Der Chef und der Vizechef, die eigentlich am Tisch flambieren und dies auch gelernt haben, waren abwesend.
Der Kellner war ein Vollidiot.
Er brachte es nicht fertig zu sagen, dass er diese Aktion nicht drauf habe, und probierte es nach dem Motto „So schwer kann es ja nicht sein, ich habe schon vierzig Mal zugeguckt und es sieht ganz einfach aus.“ (Zum Glück ist der Mann kein OP-Pfleger oder Flugbegleiter.)
Der Kellner war ein Vollidiot.
Er schüttete Rum in die zu schwach brennende Flamme nach, es gab eine Riesenexplosion und mein Arm stand in Flammen.
Das ist jetzt Wochen her und ich muss sagen, ich habe Glück gehabt, die Verbrennungen 2. Grades sind topverheilt, ich hatte nie Schmerzen, es betraf auch nur den Unterarm, weil ich mein Hemd hochgekrempelt hatte, und der Beizer hat sich sehr kulant gezeigt.
Was das wirklich Spannende war, war die Reaktion der Leute,
denen ich es erzählte. 70 % reagierten geschockt, waren entsetzt, liessen Sätze
wie Das darf ja wohl nicht wahr sein! oder
Hast du arge Schmerzen gehabt los,
die des Servierens Kundigen auch Das
gehört doch zum ABC der Gastronomie, dass man da nicht nachschüttet.
30 % allerdings taten etwas anderes: Sie lachten. L’homme flambé wurde für sie zur Quelle
einer sprudelnden Heiterkeit, sie wälzten sich auf dem Boden, sie kicherten,
sie brüllten, sie schütteten sich aus vor Lachen, Tränen liefen ihnen aus den
Augen und sie hielten sich die Bäuche.Sie konnten sich nicht beruhigen, immer wieder sagten sie sich den magischen Satz vor: Der Kellner hat das Dessert und mich mit flambiert, denn so hatte ich es berichtet – und natürlich ein wenig Heiterkeit auch schon in diesen Satz gelegt.
Wissen Sie was?
Beide Gruppen haben Recht.
Viele Dinge haben etwas ungeheuer Tragisches und dabei etwas überaus Komisches. Nur meistens halten wir unser Lachen zurück, weil Tod, Unfall und Verletzung eben nichts Lachenswertes sind. Aber ist es nicht eigentlich auch sehr witzig, wenn man in Paris nur zu Fuss geht, weil man Angst vor der Metro hat und dann auf den Champs Elysee von einem Ast erschlagen wird?
Ist es nicht komisch, wenn Barbarossa ein Schloss baut, dann nie drin schläft, weil ein Augur sagt, er werde darin sterben, schliesslich doch einmal darin nächtigt – und in dieser Nacht stirbt?
Gibt es nicht den Begriff Ironie des Schicksals?
Beruht nicht jeder Dick und Doof-Film darauf, dass Stürze sehr, sehr schmerzhaft, aber auch sehr, sehr erheiternd sind, und wir eben im täglichen Leben NICHT darüber lachen dürfen? Wir lachen uns kaputt, wenn der Oli dem Stan mit dem Finger ins Auge piekt, obwohl wir wissen, das tut verdammt weh.
In die gleiche Kategorie gehören natürlich auch alle FAIL OF THE DAY- und FAIL OF THE WEEK-Beiträge, Spots, bei denen wir uns totlachen, wenn der Parcour-Läufer auf dem Po und nicht auf den Beinen landet oder ein Mountainbiker gegen einen Baum segelt. Ich wäre übrigens, wenn es eine Geburtstagstorte gewesen wäre und ein Kollege das Anzünden von Anfang an gefilmt hätte, sofort im Internet auf einer dieser FAIL-Pages gelandet.
Glauben Sie mir:
Das Leben ist tragisch, und es ist manchmal wahnsinnig komisch.
Und manchmal ist es beides zugleich.
Ich kann inzwischen selber über die Sache herzhaft lachen, weil ich ihr die heitere Seite abgewinnen kann. Und weil der Wirt ausser den Arztkosten 1000.- Schmerzensgeld gezahlt hat. (Müsste es nicht eigentlich Scherzensgeld heissen, wenn er Schuld ist, dass alle lachen?)
Schade nur, dass das Ganze nicht in Chicago, NY oder LA
passiert ist, ich müsste nicht mehr arbeiten.
Ich bin im Dezember zusammen mit dem Dessert flambiert
worden.So.
Nun können Sie sich Ihrer Reaktion überlassen:
Weinen Sie.
Empören Sie sich.
Oder lachen Sie.
Es ist alles OK.
Donnerstag, 26. Februar 2015
Das Räppli-Prinzip
Der Schoggistängel! Ich hätte den Schoggistängel nicht
begehren sollen, nicht nach ihm greifen, nicht nach ihm fassen. Ich hätte den
Schoggistängel nicht fangen sollen, denn in dem Moment, als ich ihn in der Hand
hielt, ergoss sich ca. 1 Tonne Räppli über mich.
Um räpplifrei zu bleiben, muss man so wachsam wie ein Agent Ihrer
Majestät 008 sein, denn sie werden nicht nur von den Wagen heruntergeworfen,
sondern auch im Zweikampf Mann gegen Mann. Wenn also ein Waggis (für
Nichtbasler: =Narr) mit extremperückter Larve (für Nichtbasler: =Maske) auf
dich zu rennt, hilft nur die Flucht oder ein Sprung in den zweiten Stock des
benachbarten Hauses wie weiland Tell auf dem See auf die Tellplatte sprang.
Nein, Gewalt ist hier keine Lösung, die Basler Fasnacht ist eine der
friedlichsten Veranstaltungen der Welt, obwohl die ganze Stadt auf den Beinen
ist und obwohl Alkohol konsumiert wird.
Schaut nach den Waggisen!
Schaut nach den grossen Plastiksäcken mit Räpplis!
Irgendwo wird gerade eine grosse, eine ganz grosse, eine Riesenschweinerei vorbereitet.
Man will euch nur ablenken.
Die letzten Jahre bin ich stets räpplifrei durch die drey
scheenschte Dääg gewandert. Diese kleinen bunten Biester, die deutsche Touristen
stets falsch mit Konfetti bezeichnen, sind nämlich hartnäckige Gesellen. Hast
du sie einmal in den Kleidern, und damit auch in der Wohnung, kriegst du sie
nicht mehr weg. Sie fallen auf den Boden und schieben sich in alle Ritzen, sie
wandern auf deinen Schreibtisch und in deinen PC, sie scheinen sich zu
vermehren und überfluten deine Küche. Noch an Pfingsten entdeckst du im Bad ein
paar rote, blaue und grüne Papierkreise, noch in den Sommerferien tauchen sie auf einmal in deinen
Badesachen auf.
Natürlich muss man sich auch von den Wagen fernhalten. Sie
locken dich nämlich mit Blumen (Rosen und Mimosen), mit Schoggi und Bonbons,
aber auch mit so gesunden Dingen wie Mandarinen oder Orangen. Und wenn du das
Geworfene fangen willst, wirst du mit Räppli übergossen. Das weiss ich
eigentlich alles, aber am Montag flog nun dieser Schoggistängel auf mich zu und
ich blickte nur nach diesem Teil und schwupps – ich hatte meine Ladung
abbekommen.
Als ich zuhause mich umzog, die Räppli hatten es bis in
meine Unterhose geschafft, keine Ahnung, wie sie das gemacht haben, dachte ich,
dass es immer so läuft: Man lenkt dich ab, bietet dir etwas, du passt nicht auf
– und es ist geschehen.
Das Räppli-Prinzip.
Da sitzt eine Jungfrau auf dem Felsen und kämmt ihr lockiges
Haar und singt eine wundersame Melodey und der Schiffer im Kahne wird von
wildem Weh ergriffen und achtet nicht mehr auf die Felsen und schwupps: Schiffbruch
und Bad im kalten Rhein.
Räppli-Prinzip.
Da blockiert ein Mann mit seinem Koffer den Gang im Zug und
du hilfst ihm noch das brutal schwere Gepäckstück weiterzuschieben und bist so
abgelenkt, dass du nicht mehr nach hinten schaust und schwupps: Dein Geldbeutel
ist weg, schon aus dem Zugfenster gereicht und auf Nimmerwiedersehen
verschwunden. Wenn dich dann noch jemand beim Code-Eintippen beobachtet hat,
ist dein Konto geplündert, bevor in Rheinfelden der Kontrolleur kommt, du deine
Börse nicht findest und deine Sperr-Hotline anrufst. (Ist einer Kollegin
passiert.)
Räppli-Prinzip.
Da gibt man dir beim COOP ein Los mit Sofortgewinn, der dann
ein einzelner Kaugummi ist, aber man kann ein ganzes Wellness-Wochenende
gewinnen, wenn man die Gewinnnummer per SMS an die COOP AG schickt und du
denkst, warum nicht, kostet ja nicht viel und schreibst die 86735364875 an die
COOP AG und schwupps: Du hast der Werbeabteilung des Handelsriesen deine
Handynummer gegeben.
Da verwickeln dich Leute in nette Gespräche und du denkst an
nichts Böses und schwupps: Du hast FRAU MIT LEBER oder AGATHE oder MEN OF STEEL
abonniert, du bist auf einmal Passivmitglied bei den FREUNDEN DES
PULLOVERSTRICKENS 1899 e.V. oder beim KANUPOLO-CLUB DIESSENHAUSEN 1976 e.V., du
bist – schlimmste aller Möglichkeiten – den Mormonen, den Zeugen Jehovas oder
der Scientology beigetreten.
Politiker haben das Räppli-Prinzip zur wahren Perfektion
gebracht. Wenn also da eine Pressekonferenz stattfindet, auf der Minister A
verkündet, dass die Hochschulen mit zusätzlichen 45 Millionen unterstützt
werden, eine Pressekonferenz, auf der Minister B sagt, dass zusätzliche
Sozialwohnungen gebaut werden, wenn C von Steuersenkung und D von Verbessrung
des ÖV spricht:
Schaut nach den Waggisen mit den Räpplisäcken! Schaut nach den Waggisen!
Schaut nach den grossen Plastiksäcken mit Räpplis!
Irgendwo wird gerade eine grosse, eine ganz grosse, eine Riesenschweinerei vorbereitet.
Man will euch nur ablenken.
Am Dienstag habe ich es dann wieder richtig gemacht: Ich
habe den Warnspruch der Basler Polizei beachtet, heisst es da: Augen auf und Tasche zu, hiess es bei
mir Augen auf und Kragen zu. Ich habe
keine Mimosen, keine Orangen, keine Bonbons und keine Schokolade nach Hause
getragen, aber dafür waren auch meine Unterhose und mein T-Shirt papierfrei.
Abonnieren
Posts (Atom)