Normalerweise putze ich am Samstag. Weil ich aber das letzte Wochenende bei meinem Vetter in Tübingen war, fiel die wöchentliche Raumpflege auf gestern. Ich hatte eine Stunde Zeit, denn ich kam um 16.00 aus der Schule und um 17.00 wird die Dämmerung mit dem Dunkeln fertig. Ich putzte sozusagen im Wettlauf mit der Sonne. Gebraucht habe ich 55 Minuten. Dabei bin ich weder hektisch auf- und abgehüpft wie ein psychotischer Frosch, noch tat ich alles in Zeitlupe, nein, es war das dazwischen: Ich arbeitete zügig, speditiv. Das steht jetzt nicht im Widerspruch zu den letzten Posts, denn die nächsten Pendenzen waren alle vom angenehmen To-Do-Spektrum: Schwimmen, Essen, Wein trinken, Film gucken.
Es gibt eine Menge Branchen, wo man zügig arbeiten muss. Der Anästhesist macht keine 12-Std-Narkose, nur weil "unser HNO immer so langsam ist", und ein Lokführer sollte auch - im wahrsten Sinne des Wortes - zügig fahren. Maler, Gipser, Lackierer sollten speditiv arbeiten, weil ihre Grundstoffe eintrocknen, wir alle kennen das Phänomen vom Backen: Wer beim Glasieren ein Kunstwerk machen will, bekommt vielleicht eines, es sieht aus wie die Eisschollen von Caspar David Friedrich und besteht aus getrockneter Schokolade.
In vielen Bereichen sollte man allerdings Zeitlimits einführen:
* Der Diät-Kühlschrank, der sich dreimal am Tag für 15 Minuten öffnet (Genial, leider nicht von mir, sondern von Axel Hacke)
* Das Politikermikrofon, das sich nach 5 Minuten abschaltet, es reicht gerade für einen Rücktritt (sorry, wollte ich wirklich nicht)
* Ein Outlookprogramm, das nur 10 Minuten arbeitet und den Rest der Sendungen auf morgen verschiebt (Dann sind die Mails überflüssig, wahrscheinlich waren sie das heute schon)
Meine Wohnung sah übrigens heute morgen unglaublich sauber aus, die paar Fliegen auf dem Boden sind heute Nacht gestorben, es waren Eintagsfliegen. (Mit denen würde ich mich auch einmal gerne über ihr Zeitmanagement unterhalten.)
Dieser Blog hat, das sei noch gesagt, einen Laberstopp. Wenn man zu lange schreibt, dann
Dienstag, 17. Januar 2012
Freitag, 13. Januar 2012
Veränderungen
Am Mittwoch war ich mit ehemaligen Schülern Pizza essen. Sie hatten meinen To-do-Post gelesen und äusserten noch diverse Vorschläge für Punkte auf den Listen. "Chatten, Gamen, Mails", so Pepe, und ich musste ihm Recht geben, ich bin jetzt kein Chatter oder Gamer, aber die tägliche Kommunikationsbewältigung ist sicher ein Thema. Das merkt jeder, der nach vier Wochen Südsee in die Firma zurückkommt, wer hier am ersten Tag eine andere Pendenz ausser "Mail" hat, ist arm dran, es können bis zu 500 Mails sein. Marcello meinte, W... würde jetzt jeden Tag ganz oben auf seiner Liste stehen, meinetwegen, er ist 16 und wenn es ihm gut tut... Allerdings gab ich zurück, dass es lustig sei, dies als Pendenz zu führen, denn pendent sei es ja erst hinterher, aber wir verlieren gerade Niveau...
Ich wurde dann doch nach meinen guten Vorsätzen für 2012 gefragt, und ich konnte doch einige nennen: "Jeden Tag Sport, viel ÖV benutzen, Wohnung regelmässig putzen, gute Bücher lesen."
Pepe lachte: "Das machst du doch eh schon!", und Marcello ergänzte: "Das gilt nicht, das sind keine Vorsätze." Aber wieso gilt das nicht? Warum kann mein Vorsatz nicht der Spruch dieser elganten Dame auf dem Schiff in der Kaffewerbung sein: "Alles soll so bleiben, wie es ist"? Ich habe nichts gegen Veränderung, aber sie ist kein Selbstzweck. Wenn in meinem Lieblingslokal das deliziöse (this one´s for you, Mr. Jerman) Putensandwich von der Karte verschwindet, obwohl es das meistbestellte Gericht ist, ist das idiotisch. Wenn ich im Schwimmbad in die Damendusche laufe, weil man die Bereiche geändert hat, ist das ärgerlich.
Woher kommt der Veränderungswahn?
Ich will es Ihnen sagen: Wie immer aus der Industrie. Ausgangspunkt war die boomende Beratungsbranche. Wer nun viel Geld für eine Firmenanalyse bekommt, kann ja schlecht bekanntgeben, dass das Management alles richtig macht. Er brauch eine Wunderwaffe. Diese Wunderkanone heisst "Restrukturierung". Sie geht immer nach 5 klaren Punkten vor:
1.) Die Zahl der Ebenen im Organigramm muss sich drastisch ändern.
2.) Die Anzahl der Mitarbeiter muss sich in allen Gruppen, Abteilungen und Hauptabteilungen ändern.
3.) Bereiche, die gut laufen, werden ausgelagert.
4.) Mitarbeiter, die gut zusammenarbeiten, dürfen nicht mehr in der gleichen Gruppe sein.
5.) Infrastukturänderungen werden nicht zeitgleich durchgeführt. (Erst den alten PC umziehen, dann am neuen Ort einen neuen.)
Wer jetzt stöhnt: "Früher war es besser!", hat nichts begriffen, es geht bei Restrukturierungen nicht um besser oder schlechter, es geht um "anders". Es geht um Veränderung.
Marcello hatte dann nach der vierten Flasche Montepulciano die zündende Idee: "Nimm dir doch für 2012 vor, Auto zu fahren, fett zu werden, die Wohnung verlottern zu lassen und zu verblöden, dann hast du für 2013 wieder richtig gute Vorsätze, nämlich den Zustand von 2011."
Marcello ist ein Genie.
Ich wurde dann doch nach meinen guten Vorsätzen für 2012 gefragt, und ich konnte doch einige nennen: "Jeden Tag Sport, viel ÖV benutzen, Wohnung regelmässig putzen, gute Bücher lesen."
Pepe lachte: "Das machst du doch eh schon!", und Marcello ergänzte: "Das gilt nicht, das sind keine Vorsätze." Aber wieso gilt das nicht? Warum kann mein Vorsatz nicht der Spruch dieser elganten Dame auf dem Schiff in der Kaffewerbung sein: "Alles soll so bleiben, wie es ist"? Ich habe nichts gegen Veränderung, aber sie ist kein Selbstzweck. Wenn in meinem Lieblingslokal das deliziöse (this one´s for you, Mr. Jerman) Putensandwich von der Karte verschwindet, obwohl es das meistbestellte Gericht ist, ist das idiotisch. Wenn ich im Schwimmbad in die Damendusche laufe, weil man die Bereiche geändert hat, ist das ärgerlich.
Woher kommt der Veränderungswahn?
Ich will es Ihnen sagen: Wie immer aus der Industrie. Ausgangspunkt war die boomende Beratungsbranche. Wer nun viel Geld für eine Firmenanalyse bekommt, kann ja schlecht bekanntgeben, dass das Management alles richtig macht. Er brauch eine Wunderwaffe. Diese Wunderkanone heisst "Restrukturierung". Sie geht immer nach 5 klaren Punkten vor:
1.) Die Zahl der Ebenen im Organigramm muss sich drastisch ändern.
2.) Die Anzahl der Mitarbeiter muss sich in allen Gruppen, Abteilungen und Hauptabteilungen ändern.
3.) Bereiche, die gut laufen, werden ausgelagert.
4.) Mitarbeiter, die gut zusammenarbeiten, dürfen nicht mehr in der gleichen Gruppe sein.
5.) Infrastukturänderungen werden nicht zeitgleich durchgeführt. (Erst den alten PC umziehen, dann am neuen Ort einen neuen.)
Wer jetzt stöhnt: "Früher war es besser!", hat nichts begriffen, es geht bei Restrukturierungen nicht um besser oder schlechter, es geht um "anders". Es geht um Veränderung.
Marcello hatte dann nach der vierten Flasche Montepulciano die zündende Idee: "Nimm dir doch für 2012 vor, Auto zu fahren, fett zu werden, die Wohnung verlottern zu lassen und zu verblöden, dann hast du für 2013 wieder richtig gute Vorsätze, nämlich den Zustand von 2011."
Marcello ist ein Genie.
Dienstag, 10. Januar 2012
Heute nur ein Märchen
Gestern bekam ich einen Anruf vom deutschen Bundespräsidialamt. Sie hatten meinen Schnee-Post gelesen und warnten mich ausdrücklich, noch einmal über ihren Chef herzuziehen. Da ich ein ängstlicher Mensch bin, heute nur ein Märchen:
Ich erzähle euch das Märchen vom Wolf... ups, das geht ja gar nicht. Also fallen die sieben Geisslein, Rotkäppchen und die drei Schweinchen weg. Vielleicht überhaupt Tiere, Tiere sind so metaphorisch, wenn da der Hase und der Igel mit einander zu tun haben oder die Bremer Stadtmusikanten mit lautem Gebrüll einen Halunken in die Flucht jagen.
Vielleicht doch die 3 Schweinchen, aber mit einem bösen Troll. Aber in dieser Geschichte werden ja auch Häuser gebaut, ganz schlecht, das erledigt dann auch Hänsel und Gretel, denn da stünde ja dann: „Knusper, knusper, Knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“
Dann erzählen wir doch folgendes Märchen: Es war einmal ein junger Mann namens Hans, der bekam einen Goldklumpen geschenkt... Das geht auch nicht! Gold und Geld müssen wir auch weglassen, damit kippen dann auch Gold- und Pechmarie, Rumpelstilzchen und Sterntaler, zumal diese drei noch doppelt zweideutig sind: Da ist vom Pech die Rede, das jemand hat, da wird gesungen „Ach, wie gut, dass niemand weiss...“, und der Sterntaler könnte ja auch ein STERN-Taler sein. Jetzt haben wir damit auch Schneewittchen abgehakt, wo die Königin ihr SPIEGEL-BILD betrachtet, und Märchen wo Formen des Wortes SPRINGEN vorkommen, lassen wir auch weg.
Es gibt also heute keinen Post.
Am Freitag schreibe ich über die Schweiz, da ist die Welt wieder in Ordnung.
Donnerstag, 5. Januar 2012
Vorhaben 2012
Gestern traf ich meinen Freund Hans. Er sass im Café und schrieb wie ein Wahnsinniger. Auf meine Frage, was er am fünften Tag des Jahres schon wieder so hektisch arbeiten würde, stöhnte er: „To-do-Listen, To-do-Listen! Für das ganze Jahr, für jeden Monat, jede Woche, jeden Tag! Dieses Jahr muss was passieren, ich bin 2011 überhaupt nicht weitergekommen, nicht beruflich, nicht privat, weder körperlich, noch geistig, ich habe das ganze Jahr irgendwie nichts gemacht.“ Auf meinen Hinweis, er hätte doch sehr viel gemacht, er müsse das halt auch auf seine Listen schreiben, nämlich Schlafen, Essen, Trinken, Klogehen, Atmen, schnaubte er nur: „Du bist ein Arsch!“, nahm seine Zettel und wechselte den Tisch.
Dabei habe ich doch Recht: Alle diese Sachen sind wichtig, und wenn sie auf unseren To-do-Listen stehen würden, hätten wir das gute Gefühl, jeden Tag etwas zu leisten. Meine Katze macht übrigens nicht anderes ausser Schlafen und Fressen und ist richtig zufrieden. Bei Hans wäre es übrigens besonders notwendig, sich diese Sachen zu notieren. Er schläft nämlich zu wenig („Maximum 6 Stunden, sonst bekommst du als Freiberufler nichts gebacken!“) und er isst zu wenig. (Wenn ich an einer Präsentation sitze, dann vergesse ich es einfach!“) Sie ahnen es: Hans ist ein klassischer Burnoutkandidat.
Also: Schreiben Sie auch die Selbstverständlichkeiten in Ihre Pendenzlisten! Einen besonders schönen Vorschlag machen Passig und Lobo in ihrem wundervollen Buch „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“: Die Einatmen-Ausatmen-Liste.
Sie nehmen einen Collegeblock, schreiben „Einatmen“, tun dies und streichen die Pendenz durch, dann schreiben Sie „Ausatmen“, tun dies, streichen auch diese Pendenz, usw., usw. Nach einer Stunde schon haben Sie viele Seiten mit erledigten Dingen! Herrlich! Nebenbei haben Sie das geübt, was mein Coach als „Achtsamkeit“ bezeichnet.
Aber mal Spass beiseite: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, drei Meetings, 50 Mails, vier PPTs und 8 Briefe sind zuviel für acht Stunden, Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, und verschieben Sie nur das nicht auf morgen, was heute ein anderer für Sie erledigen könnte.
Ich ging nochmals zu Hans, er war gerade mit dem August fertig geworden, vollgestopfte To-do-Listen, natürlich ohne Schlafen und Essen darauf. Ich schnappte mir ein Blatt und schrieb: „September bis Dezember: REHA“. Auf seinen verwunderten Blick hin meinte ich: „Wenn du so lange durchhältst. Aber ich bezweifle das.“
Montag, 2. Januar 2012
Zeitchaos
„Wollen Sie für übermorgen einen Tisch reservieren? Wir haben ein 5-Gang-Jahreswechsel-Menu mit Blick auf das Feuerwerk!“ Der Portier im Grand Hotel Apia strahlte mich an. (Apia ist kein Tintenfisch, sondern die Hauptstadt von Samoa, ihr Geografienullen. Ich hatte nämlich schon seit Jahren den Wunsch gehabt, Sylvester einmal an der Datumsgrenze zu feiern und mir deshalb eine Reise nach Samoa gebucht.)
Ich strahlte zurück: „Sehr gerne, aber für über-übermorgen, wir haben den 28.12.“ Nun grinste der Portier. „Für übermorgen, der 30.12. fällt aus. Wir wechseln die Zeitzone.“ Er sagte das mit der gleichen Leichtigkeit wie meine Schüler sagen „Sport fällt aus, Herr Stör ist krank“, oder wie man sagen würde „Ich wechsel nur kurz mein Hemd.“
Ich ging auf meinem Zimmer ins Internet und Tatsache: Samoa war kurz davor, die Zeitzone zu wechseln, um mehr gemeinsame Arbeitstage mit dem Haupthandelspartner Australien zu haben, der 30.12.2011 wurde also tatsächlich übersprungen. Ich war stinkesauer.
Darf man einfach so die Zone wechseln? Ohne Genehmigung der UNO und ohne die anderen auf der Welt zu fragen? Darf ich jetzt auch sagen: „In meiner Wohnung herrscht Sibirische Zeit?“
Wie sollen wir die Probleme der Welt lösen, wenn wir nicht einmal die Zeit in den Griff bekommen? Denn schauen Sie mal: Es ist doch ein Chaos. 2012 ist wieder einmal einen Tag länger, einfach so, im Frühjahr verschwindet eine Stunde, kein Mensch weiss wohin eigentlich, um dann im Herbst wiederzukehren. Ständig wird eingeschoben, weggelassen, fallen ganze Tage aus oder kommen dazu.
Es gibt ja sogar Theorien, dass es das 8. Jahrhundert nicht gab, genauso übrigens, wie es Theorien gibt, dass irgendwo ein Jahrhundert fehlt. Das Zeitchaos ist also schon sehr alt.
Aber wartet nur, ihr Schlaumeier, Ende dieses Jahres schlage ich zu: Ich lasse dann ein Jahr weg! Also machen Sie bitte keine Termine für 2013 mit mir aus, ich werde vom 31.12.2012 direkt in den 1.1.2014 feiern.
Das Fünf-Gang-Menu war dann aber doch sehr lecker, und das Feuerwerk über dem Ozean einmalig schön und beides versöhnte mich mit dem fehlenden Urlaubstag. In Zukunft werde ich allerdings jede Buchung so formulieren: „Zwei Karten Kategorie 1 für La Boheme am 7.5.2012, falls dieser Tag bei Ihnen existiert.“
Freitag, 30. Dezember 2011
Holland 2
So, zum zweiten Mal aus Scheveningen, auch heute wieder ohne Punkte und zu den Themen
3.) warum ich in Holland nicht kiffe
und 4.) warum ich Niederlaendisch gelernt habe,
also um die Themen Sprache und Kiffen, wobei hier kein Zusammenhang vorliegt, auch wenn mein Studienkollege F. (Name der Redaktion bekannt - es gibt ihn wirklich) neulich in der Raucherpause der Psycholinguistikvorlesung einen herrlichen spontanen Kurzessay zu diesem Thema vortrug; es war davor um "language as joined activity" gegangen, beim Hoeren kann man das ja missverstehen...
also zu 3.) Das geht gar nicht mehr wirklich, die Niederlaender haben den Kiffertourismus eingeschraenkt. Ich habe aber nie in Holland gekifft, weil ich das bloed fand. Warum soll man im Urlaub etwas machen, das man zuhause nicht macht? Zudem war es ja gemeinerweise so, dass man ein wenig pikiert auf die "Drogennation" Holland herabblickte, wo angeblich auch die Beatrix morgens um 10.00 mit einer fetten Tuete im Mund am Schreibttisch Platz nahm und schnell den Ministerpraesidenten anrief, bevor der so high wurde, dass er nichts mehr verstanden haette. Dabei waren die meisten Coffeshops in Amsterdam, Arnhem und Groningen, also grenznah, in Den Haag gab es ganz wenige, die in den genannten Staedten waren voll mit Touristen. Man schickte seine Kiffer nach Holland, und sah dann milde auf das ach so tolerante Nachbarland. Die gleiche Mentalitaet haben Leute, die keinen Fernseher haben, weil sie ja so geistig sind und ihre Kinder dann zum Nachbarn schicken, der, schlichter im Gemuet, einen Fernsher hat. Oder jemand, der aus oekologischen Gruenden kein Auto besitzt und sich von seinen Kumpels (Umweltschweine mit PKW) kutschieren laesst. Es ist schlicht und einfach Heuchelei, fies und scheinheilig.
zu 4.) Ich habe Niederlaendisch gelernt, weil ich der Meinung bin, wenn man so oft in einem Land ist, sollte man auch die Sprache koennen. Ich halte das schlicht und einfach fuer normal und kann Leute nicht verstehen, die auch nach acht Reisen nach Mallorca immer noch gracias und por favor nicht unterscheiden koennen, weil "man spricht Deutsch". Hier uebrigens auch, alle Hollaender sprechen ein gutes Deutsch und ein hervorragendes Englisch und freuen sich tierisch, wenn jemand ihre Sprache lernt.
Ich glaube, das Erlernen fremder Sprachen wuerde die Integration vor allem in Deutschland foerdern, denn wer sich gerade mit den Vergangenheitsformen im Portugiesischen abmueht, versteht vielleicht ein kleines bisschen, warum Mehmet schon wieder den Artikel weggelassen hat. Wer sich mit den Stammformen im Daenischen plagt, ist eventuell ein wenig milder zu ShinLu, die schon wieder ein starkes Verb falsch konjugiert hat. Man kann nur begreifen, wie schwer es Menschen mit dem Deutschen haben, wenn man selber wieder auf die Stufe "Ik ben Rolf - wie bent je?" heruntersteigt.
Es wuerde aber auch umgekehrt das Erstaunen mildern, dass jemand sehr gut Deutsch kann, obwohl er Ali oder sie Fatma heisst. Letzte Woche wurde eine Publizistin, die zwar tuerkische Eltern hat, aber in Berlin aufwuchs, in einer Podiumsrunde in SWR2 vom Moderator auf ihre Deutschkenntnisse angesprochen. Sie konterte wunderbar: "Sie sprechen aber auch gut Deutsch!" Tosender Applaus, viel Gelaechter im Publikum und die Zusage des Moderators, sich seine Fragen besser zu ueberlegen.
In diesem Sinne: Fijne Jaarwisseling! En gelukkige 2012!
3.) warum ich in Holland nicht kiffe
und 4.) warum ich Niederlaendisch gelernt habe,
also um die Themen Sprache und Kiffen, wobei hier kein Zusammenhang vorliegt, auch wenn mein Studienkollege F. (Name der Redaktion bekannt - es gibt ihn wirklich) neulich in der Raucherpause der Psycholinguistikvorlesung einen herrlichen spontanen Kurzessay zu diesem Thema vortrug; es war davor um "language as joined activity" gegangen, beim Hoeren kann man das ja missverstehen...
also zu 3.) Das geht gar nicht mehr wirklich, die Niederlaender haben den Kiffertourismus eingeschraenkt. Ich habe aber nie in Holland gekifft, weil ich das bloed fand. Warum soll man im Urlaub etwas machen, das man zuhause nicht macht? Zudem war es ja gemeinerweise so, dass man ein wenig pikiert auf die "Drogennation" Holland herabblickte, wo angeblich auch die Beatrix morgens um 10.00 mit einer fetten Tuete im Mund am Schreibttisch Platz nahm und schnell den Ministerpraesidenten anrief, bevor der so high wurde, dass er nichts mehr verstanden haette. Dabei waren die meisten Coffeshops in Amsterdam, Arnhem und Groningen, also grenznah, in Den Haag gab es ganz wenige, die in den genannten Staedten waren voll mit Touristen. Man schickte seine Kiffer nach Holland, und sah dann milde auf das ach so tolerante Nachbarland. Die gleiche Mentalitaet haben Leute, die keinen Fernseher haben, weil sie ja so geistig sind und ihre Kinder dann zum Nachbarn schicken, der, schlichter im Gemuet, einen Fernsher hat. Oder jemand, der aus oekologischen Gruenden kein Auto besitzt und sich von seinen Kumpels (Umweltschweine mit PKW) kutschieren laesst. Es ist schlicht und einfach Heuchelei, fies und scheinheilig.
zu 4.) Ich habe Niederlaendisch gelernt, weil ich der Meinung bin, wenn man so oft in einem Land ist, sollte man auch die Sprache koennen. Ich halte das schlicht und einfach fuer normal und kann Leute nicht verstehen, die auch nach acht Reisen nach Mallorca immer noch gracias und por favor nicht unterscheiden koennen, weil "man spricht Deutsch". Hier uebrigens auch, alle Hollaender sprechen ein gutes Deutsch und ein hervorragendes Englisch und freuen sich tierisch, wenn jemand ihre Sprache lernt.
Ich glaube, das Erlernen fremder Sprachen wuerde die Integration vor allem in Deutschland foerdern, denn wer sich gerade mit den Vergangenheitsformen im Portugiesischen abmueht, versteht vielleicht ein kleines bisschen, warum Mehmet schon wieder den Artikel weggelassen hat. Wer sich mit den Stammformen im Daenischen plagt, ist eventuell ein wenig milder zu ShinLu, die schon wieder ein starkes Verb falsch konjugiert hat. Man kann nur begreifen, wie schwer es Menschen mit dem Deutschen haben, wenn man selber wieder auf die Stufe "Ik ben Rolf - wie bent je?" heruntersteigt.
Es wuerde aber auch umgekehrt das Erstaunen mildern, dass jemand sehr gut Deutsch kann, obwohl er Ali oder sie Fatma heisst. Letzte Woche wurde eine Publizistin, die zwar tuerkische Eltern hat, aber in Berlin aufwuchs, in einer Podiumsrunde in SWR2 vom Moderator auf ihre Deutschkenntnisse angesprochen. Sie konterte wunderbar: "Sie sprechen aber auch gut Deutsch!" Tosender Applaus, viel Gelaechter im Publikum und die Zusage des Moderators, sich seine Fragen besser zu ueberlegen.
In diesem Sinne: Fijne Jaarwisseling! En gelukkige 2012!
Dienstag, 27. Dezember 2011
Holland 1
Ja, ich bin wieder in meinem geliebten Den Haag. Und ich moechte die Gelegenheiten nutzen, ein paar der duemmsten Bemerkungen bzw. der duemmsten Fragen, die stets gestellt werden, zu beantworten. (Sie sehen uebrigens an den fehlenden Umlauten, dass ich wirklich in Holland bin. Es gibt zwar Sonderzeichen, aber der Post bekommt so etwas Echtes.)
1.) Warum Den Haag? Es gibt schoenere Staedte.
Ich habe mich vor 15 Jahren in diese Stadt verliebt. Und seitdem fahre ich her. Vielleicht macht Liebe blind, und wahrscheinlich tut sie das auch, aber man muss sich auch die Frage gefallen lassen, was schoen eigentlich heisst. Wenn damit eine Bilderbuch-Holland-Gemeinde gemeint ist, mit Grachten, verwinkelten Haeusern, einem Grossen Markt, auf dem der Kaese auf dem Kopfsteinplaster rollt, einem schnuckeligen Hafen und - ach, natuerlich! - einer Windmuehle, dann ist Den Haag sicher nicht schoen. Aber dann ist auch Basel eine schreckliche Stadt, fehlt ihr doch alles, was die Schweiz ausmacht, Alphoerner und Ziegenherden, Holzhaeuser und Blick auf schneeweisse Berge. Aber lassen wir diese Ich-bin-ja-so-typisch-Orte doch den Japanern. Den Haag ist ein spannungsvoller Ort, ein spannender Ort, die Reichweite geht von den Fischern in Scheveningen in Tracht bis zu den Diplomaten im Anzug. Und das ist sehr reizvoll. Und Den Haag liegt am Meer, es gibt nichts Herrlicheres als im Winter am Meer zu laufen. Heute bin ich zwei Stunden am Strand gewandert, bis ich am Ziel war, habe dort Kaffee getrunken (Ich bin ja Kaffeetrinker) und den Herren am Nachbartisch zugehoert, die zwar dramatisch, aber keine Dichter waren. (Bernhard-Kenner wissen, wo ich war, die anderen erfahren es unter 2.)
2.) Kennst du Amsterdam?
Es ist schon ziemlich bloed, anzunehmen, dass ich nach Den Haag fahre, weil ich nur das kenne und hier in meiner Ferienwohnung sitze. Ich bin zum dreissigsten Mal in Holland und kenne natuerlich Amsterdam. Ich kenne auch Utrecht und Rotterdam, sowie viele Gemeinden, von denen Sie noch nie gehoert haben: Alphen, Vlaardingen, Vlissingen, Zoetermeer und Breda. Und Katwijk, das Sie von "Am Ziel" kennen. (s.1.) In allen Staedten suche ich aber inzwischen das Eigene, das Untypische, ich habe genuegend Grosse Kirchen vor Wasseradern gesehen, als dass ich jedesmal vor Jubel aufschreie. Das, was nicht so wirkt wie im Bilderbuch, ist das Reizvolle. In 2 Punkten luegen die Bildersammlungen eh: Es gibt in den Staedten keine Tulpen (auch nicht in Amsterdam!), die wachsen auf Feldern. Und die Hollaenderinnen und Hollaender tragen keine Holzschuhe, die sind naemlich unpraktisch, wenn man CEO ist und auch sonst, sorry.
Am Freitag beantworte ich die Fragen:
3.) Gehst du kiffen in Holland?
und 4.) Warum hast du Niederlaendisch gelernt, die koennen doch Deutsch?
In diesem Sinne: Nog fijne Kerstvakanties en tot ziens!
1.) Warum Den Haag? Es gibt schoenere Staedte.
Ich habe mich vor 15 Jahren in diese Stadt verliebt. Und seitdem fahre ich her. Vielleicht macht Liebe blind, und wahrscheinlich tut sie das auch, aber man muss sich auch die Frage gefallen lassen, was schoen eigentlich heisst. Wenn damit eine Bilderbuch-Holland-Gemeinde gemeint ist, mit Grachten, verwinkelten Haeusern, einem Grossen Markt, auf dem der Kaese auf dem Kopfsteinplaster rollt, einem schnuckeligen Hafen und - ach, natuerlich! - einer Windmuehle, dann ist Den Haag sicher nicht schoen. Aber dann ist auch Basel eine schreckliche Stadt, fehlt ihr doch alles, was die Schweiz ausmacht, Alphoerner und Ziegenherden, Holzhaeuser und Blick auf schneeweisse Berge. Aber lassen wir diese Ich-bin-ja-so-typisch-Orte doch den Japanern. Den Haag ist ein spannungsvoller Ort, ein spannender Ort, die Reichweite geht von den Fischern in Scheveningen in Tracht bis zu den Diplomaten im Anzug. Und das ist sehr reizvoll. Und Den Haag liegt am Meer, es gibt nichts Herrlicheres als im Winter am Meer zu laufen. Heute bin ich zwei Stunden am Strand gewandert, bis ich am Ziel war, habe dort Kaffee getrunken (Ich bin ja Kaffeetrinker) und den Herren am Nachbartisch zugehoert, die zwar dramatisch, aber keine Dichter waren. (Bernhard-Kenner wissen, wo ich war, die anderen erfahren es unter 2.)
2.) Kennst du Amsterdam?
Es ist schon ziemlich bloed, anzunehmen, dass ich nach Den Haag fahre, weil ich nur das kenne und hier in meiner Ferienwohnung sitze. Ich bin zum dreissigsten Mal in Holland und kenne natuerlich Amsterdam. Ich kenne auch Utrecht und Rotterdam, sowie viele Gemeinden, von denen Sie noch nie gehoert haben: Alphen, Vlaardingen, Vlissingen, Zoetermeer und Breda. Und Katwijk, das Sie von "Am Ziel" kennen. (s.1.) In allen Staedten suche ich aber inzwischen das Eigene, das Untypische, ich habe genuegend Grosse Kirchen vor Wasseradern gesehen, als dass ich jedesmal vor Jubel aufschreie. Das, was nicht so wirkt wie im Bilderbuch, ist das Reizvolle. In 2 Punkten luegen die Bildersammlungen eh: Es gibt in den Staedten keine Tulpen (auch nicht in Amsterdam!), die wachsen auf Feldern. Und die Hollaenderinnen und Hollaender tragen keine Holzschuhe, die sind naemlich unpraktisch, wenn man CEO ist und auch sonst, sorry.
Am Freitag beantworte ich die Fragen:
3.) Gehst du kiffen in Holland?
und 4.) Warum hast du Niederlaendisch gelernt, die koennen doch Deutsch?
In diesem Sinne: Nog fijne Kerstvakanties en tot ziens!
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