Liebe Leserin, lieber Leser
Ich habe neulich im Post «Olympia nervt» folgenden Passus abgeliefert:
Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute, dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit». Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal» (oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich). Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.
Ich müsste das Ganze ein wenig relativieren. Es sieht eher so aus:
Wir schauen stets und jeden Tag um 19.00 heute
(wenn ich nicht einschlafe),
dies aber auf 3sat und danach die «Kulturzeit»
(wenn ich nicht einschlafe).
Dann gibt es Essen, Aufräumen, Packen für den nächsten Morgen, ein paar Mails schreiben und um 21.45 gibt das «heute Journal»
(wenn ich nicht einschlafe),
oft mit unserem absoluten Liebling, Gundula Gause – allein der Name ist ja schon göttlich. Um 22.30 liege ich im Bett, denn ich stehe um 4.30 auf.
Ich schlafe vor dem Fernseher ein.
Das halte ich für das Spiessigste und Bünzlihafteste, das es gibt, vor dem Fernseher einzunicken gehört für mich in eine Reihe mit Häkeldeckchen, Klorollen-Umhüllungen, in eine Reihe mit Volksmusik hören und Pilcher lesen, es gehört in eine Kategorie mit Quelle-Katalog und Feinripp, aber dennoch muss ich zugeben: Ich schlafe vor dem Fernseher ein.
Dass ich damit in grosser Gesellschaft bin, ist ein schwacher Trost.
Wenn man «vor dem Fernseher schlafen» googelt, dann erhält man sofort eine Reihe von Gesundheitshinweisen, diese Angewohnheit scheint extrem gefährlich zu sein. Laut mehreren Seiten bewirken regelmässige 15 Minuten Schlaf vor dem TV
Bluthochdruck
Diabetes
Rheuma, Arthrose und Gicht
Mangel an Vitamin A, B, C, D, T, X und Z
Übergewicht
Erhöhung des Krebsrisikos
Zahnschmerzen und Paradentose
Fogumentisis (was auch immer das sein soll)
u. v. a.
Regelmässiger Fernsehschlaf verkürzt das Leben angeblich im gleichen Masse wie Nikotin und Alkohol.
Ich könnte nun verstehen, dass es sehr ungesund ist, vor dem Fernseher zu schlafen und dann später nicht mehr – das ist bei mir aber nicht der Fall, ich gehe ins Bett und schlafe weiter, und anderen geht es genauso. Ich glaube auch das mit der Lebensverkürzung nicht – eine Viertelstunde Fernsehschläfchen bewirkt die gleichen Dinge wie ein Päckchen Camel am Tag und / oder eine Flasche Wein? Unmöglich.
Dazu kommt, dass keine der Gesundheitsseiten eine Therapie oder Abhilfe anbietet.
Nein.
Mich schreckt nicht das Gesundheitsrisiko, ich finde das Schlafen vor dem Fernseher einfach spiessig. Einfach biedermännisch. In einer Reihe mit Häkeldeckchen, Klorollen-Umhüllungen, in eine Reihe mit Volksmusik hören und Pilcher lesen, es gehört in eine Kategorie mit Quelle-Katalog und Feinripp, in die gleiche Schiene wie Kaffeefahrten, Brillen, die mit Ketten um den Hals hängen und gedrechselte Haushaltspapier-Abroller.
Aber ich kann nichts machen. Dabei spielen übrigens auch Qualität und Wert der Sendungen keine Rolle – ich kann bei einem Beitrag über Heinrich Böll genauso einpennen wie während eines Interviews mit Herrn Nagelsmann.
Ein Freund berichtet mir, dass die Health-Sendung «PULS» auf SRF 1 sich vor einem Jahr des Themas angenommen und ein 3stündiges Special gesendet habe.
Leider wüsste er nicht mehr alles.
Er ist bei der Ausstrahlung eingeschlafen.
Dienstag, 24. März 2026
Schlafen vor dem Fernseher
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen