Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Als ich neulich las, dass du siebzig wirst, bin ich erschrocken. So alt bist du schon? So alt? Dann aber musste ich innehalten: Du warst ja immer da, seit ich denken kann, also musstest du ja älter als meine 60 sein. Ja, ich bin auch schon sechzig Lenze, 720 Monate alt, eine Tatsache, die ich auch oft verdränge.
Du warst immer da, du als grösster und wichtigster im Trio auf den östlichen Höhen, die mein Vater mir immer zeigte: Fernsehturm – Fernmeldeturm – Polizeifunkturm. (und ich gehöre zu den ganz wenigen Menschen, die auch den mittleren besichtigt haben, denn dort durften nur Fachleute rauf, und mein Dad war ja Fernmeldeingenieur, auf den Polizeiturm liess man natürlich niemand.)
Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Am 5. Februar 1956 wurdest du eingeweiht. Und damit bist du der älteste. Der erste in dieser Betonbauweise. Der älteste der Welt.
Inzwischen sind viele höher und breiter und toller und sendestärker, und der am Alexanderplatz ist natürlich viel bekannter.
Aber wir Schwaben haben es erfunden!
Wie ja viele andere Dinge auch, den Benzinmotor, die Zündkerze, den Teddybär, die Seifenblase, den Plastikdübel und – wenn man den neuesten archäologischen Forschungen glauben mag – auch die Nudel.
Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Nun schwillt heute ALLEN Stuttgarterinnen und Stuttgartern die Brust, wenn sie an «ihren» Turm denken, damals war das aber ganz, ganz, ganz anders. Als die Pläne Anfang der 50er-Jahre auftauchten, da gab es am Neckar und im Talkessel und auf den Höhen vor allem ein Gefühl:
Angst.
Panik.
Die Bauweise mit breitem Fundament und ganz schmalem Turm, die war einem nicht geheuer, und als man dann noch erfuhr, dass die Kanzel im Wind mehrerer Meter schwankt, da sah man das Schlimmste: Das Ding wird stürzen, umkippen, Menschen und Tiere töten und auf Häusle fallen und Gärtle und Dächle zertrümmern. Nein, da war keine Begeisterung.
Der neulich mit 101 verstorbene wunderbare Walter Schultheiss hat in einem Sketch mit seinem Kollegen Oscar Müller gespielt, in dem er als oberängstlicher Schwabe sich vom eher fortschrittlichen partout nicht auf den Turm locken lassen will. Der zentrale Satz lautet: «Trauschd du däm Dänger?
Nein, viele trauten ihm nicht, was ihn aber nicht hinderte, zum Wahrzeichen zu werden.
Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Ich sage es nur zögerlich, aber es stimmt doch: Gelegentlich habe ich Heimweh nach dir. Möchte ich im Tal stehen und zu dir hochschauen, und dann zur Ruhebank fahren, zu dir hinlaufen, mit dem Lift hoch und dann aufs Tal hinunter und in die Weite gucken. Heimweh nach dir. Und das, obwohl ich in einer so schönen Stadt lebe, mit einem (auch) fantastischen Wahrzeichen, das viel, viel, viel älter ist als du. Aber vielleicht ist gelegentliches Heimweh auch eine völlig normale Empfindung…
Happy Birthday, Fernsehturm!
Alles Gute zum 70.!
Und auf viele weitere Jahre. Ich hoffe ja, deinen 100. noch zu erleben, ich bin dann erst 90.
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