Mein Bekannter Johannes tut mir leid.
Er ist nämlich Egoist und kommt daher immer zu kurz. Er ist Egozentriker und findet wenig Beachtung und Hilfe. Er ist rücksichtslos und impertinent und kann sich nie durchsetzen.
Ein Widerspruch?
Nun, wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen bei 10 gleichberechtigten Personen 40% einer Sache zustehen und der Verantwortliche teilt genau gerecht auf, also jedem 10%, fühlen Sie sich grob benachteiligt.
Wenn man Ihnen die Hilfe, Liebe und Beachtung schenkt, die einem möglich ist und Sie aber erwarten, dass es MEHR ist, dass der oder die andere sich Beine ausreisst und die Augen auskratzt und den Mond vom Himmel holt, dann fühlen Sie sich ungeliebt.
Sie wollen Beispiele?
Gut.
Johannes hat einen ganzen Packen davon geliefert.
Hier zwei davon.
Vor ein paar Monaten wollte Johannes eine schwere Truhe in den Keller befördern. Was nicht alleine ging, also rief er Joachim an. Joachim bot Johannes an, er könne ihm am folgenden Donnerstag zwischen 16.00 und 21.00 helfen (zur Not auch später). 16.00 und 21.00 Helfen (zur Not auch später) ging nun bei Johannes nicht, jeder normale Mensch hätte nun jemand anderes gefragt, denn Joachim schien ja viele Termine zu haben; aber Johannes ist nun mal kein normaler Mensch.
Er rief Joachim an und meinte, er könne am Donnerstag um 14.00. Als dieser nun meinte, 14.00 sei entschieden zu früh, fragte Johannes, was jener denn um diese Uhrzeit machen würde. Eine unverschämte Frage, denn der andere hatte ja Möglichkeit angeboten und war keine Rechenschaft schuldig. Aber Joachim ist ein lieber Mensch und war hier so unvorsichtig die Wahrheit zu sagen: Donnerstags um 14.00 ist er im Hubert-Bauer-Bad um dort seine Runden zu ziehen (1,5 km). Das, so Johannes, (zweite Unverschämtheit) ginge ja dann auch um 16.00. Geht es nun eben nicht, weil das Bad sich ab vier Uhr extrem füllt.
Joachim meinte dann pampig, so hätten sie nicht gewettet und Johannes müsse sich halt einen Packesel suchen, der immer Zeit hätte. Da Johannes aber niemand fand, erzählt er überall herum, dass NIEMAND ihn unterstützt und dass SOGAR JOACHIM ihn im Stich liesse.
Ja, und dann war da noch diese Matratzengeschichte. Auch sie zeigt, dass man als egoistischer und egozentrischer Mensch arm dran ist.
Johannes verträgt keine harten Matratzen, zuhause hat er ein sehr weiches und anschmiegsames Ding. Nun wollte er seine Kollegin Bettina in Hamburg besuchen und schlug ihr vor, eine Matratze zu kaufen und die ihr zu schicken. Sie müsse diese dann nur auspacken, drei Tage zum Lüften auf den Balkon stellen und fertig. Nach seinem Besuch könne das Ding ja gleich auf dem Bett bleiben oder in ein anderes Zimmer – in den Keller natürlich nicht.
Bettina lehnte ab, das sei ihr jetzt wirklich zu schwierig: Balkon schön und gut, aber es regnet da im Norden nun mal viel und die Matratze würde dann nass und sie könne auch nicht tagelang aufpassen. Im Gästezimmer habe sie schon eine Unterlage, das heisst die neue müsse in den Keller, sie habe nur 3 Zimmer.
Johannes schrieb ihr drauf, dass man die Dinger ja auch aufeinanderlegen könne. Das, so Bettina, sei nicht drin, über dem Bett hinge ein Bild, auf Matratzenkante ausgerichtet und das sehe mit zwei solchen jetzt eben richtig doof aus.
Liess Johannes nicht gelten.
Und er erzählt nun überall, dass seine gute Freundin Bettina ihn nicht bei sich haben will. Auf die Idee, in eines der 427 Hotels an der Alster zu gehen (eines hat sicher weiche Betten) kommt er natürlich nicht.
Mein Bekannter Johannes tut mir leid.
Er ist nämlich Egoist und kommt daher immer zu kurz. Er ist Egozentriker und findet wenig Beachtung und Hilfe. Er ist rücksichtslos und impertinent und kann sich nie durchsetzen.
Ein Widerspruch?
Absolut nicht.
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